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8:40 Uhr morgens, Ankunft am Hannover Hauptbahnhof, ein fettiges Croissant und ein schlechter Kaffee zum Frühstück (ich vermisse jetzt schon die "Wiener Melange").

[30.04.19 / 08:40] 8:40 Uhr morgens, Ankunft am Hannover Hauptbahnhof, ein fettiges Croissant und ein schlechter Kaffee zum Frühstück (ich vermisse jetzt schon die "Wiener Melange"). Die Damentoilette in dem Bahnhof ist mein Badezimmer und ich breite alle meine Utensilien vor dem Waschbecken und dem Spiegel aus. Eine junge Mutter zieht ihre kleinen Töchter von mir weg - ja so sieht das aus, wenn frau für die Nacht keinen Mann gefunden hat und damit auch keine Aufwachmöglichkeit mit Dusche.
Danach die Wartezeit vertrödeln, etwas auf dem Bahnhofsvorplatz vor dem Haupteingang und in den Gängen "rumpunken", einem Obdachlosen ein paar Cent geben und weiter warten auf den Zug zurück in Richtung Leipzig ... es ist viel Betrieb, um mich herum wuseln haufenweise Menschen, komische Menschen, gehen morgens zur Arbeit. Ich bleibe nicht lange gern in Hannover, ich weiß, daß das Steintor und die Rotlichtszene nur ein paar Fußschritte vom Hauptbahnhof entfernt sind.

[29.04.19 / 22:29] Schloß Belvedere Teil 2 - den Vormittag zu Fuß vom Hauptbahnhof aus. Kurz vor 11 Uhr stehe ich mit meinem kleinen Rollkoffer an der Rezeption in der Hotellobby für den Check-out, das Gepäck verstaue ich wenig später wieder in dem Schließfach am Hauptbahnhof, bevor ich ein paar 100 Meter weiter - im tiefsten Nieselregen - zum Belvedere laufe. Die Schlange am Ticketschalter ist genauso lang, wie die am Eingang des oberen Palais ... aber es geht zumindest zügig voran (und ich muß bei dem naßkalten Mistwetter, ohne Schirm - den habe ich zu Hause gelassen - nicht lange im Regen stehen). Ein Kombiticket für die Galerie im oberen und die Wechselausstellung im unteren Palais. Mit mir besuchen die Galerie eine Menge Russen, Chinesen und einige andere Nationalitäten - was auffällt: während ich alles an der Garderobe abgebe (außer die Eintrittskarte und das Smartphone) und mir für die Galerie gebührend viel Zeit nehme (zweieinhalb Stunden bis 14 Uhr), laufen viele andere Besucher (wahrscheinlich Bustouristen in Zeitdruck) in Jacke und Anorak an mir vorbei. Rein, Foto vom Klimt machen (der hier nicht hängt, der ist auf Leihgabe in Tokio) und wieder raus. Die Warteschlange vor Klimts Gemälde "Der Kuß" ist entsprechend genauso lang wie die Schlange am Eingang und des Ticketschalters.
Danach ein paar Schritte über den Barockgarten ins untere Palais ... noch beschisseneres Wetter als vor zwei Tagen, jetzt erst recht keine Selfies. Im unteren Teil befinden sich, zu dem Zeitpunkt meiner Reise, ein paar interessante und sehenswerte Videoinstallationen. Touristen gibt es hier unten nicht, nur ganz wenige Besucher - was eigentlich schade ist, den die Gemälde der aktuellen Wechselausstellung der weiblichen Malerinnen der Moderne in Wien um 1900 sind denen der männlichen Pendants mehr als ebenbürtig. Leider sind alle Malerinnen komplett vergessen (oder verdrängt) worden. Für diese Wechselausstellung nehme ich mir auch wieder anderthalb Stunden Zeit.
Danach den Nachmittag zu Fuß zurück zum Hauptbahnhof, eine Pizza essen (eine gigantische Pizza in der Osteria am Hbf.) und ... Einkaufen gehen! Die Mariahilfer Straße habe ich bei meiner Tour durch Wien nicht gesehen, obwohl der Punkt "Shopping" auf meiner To-Do-Liste ansonsten fest verankert ist - diesen Teil hole ich in den Promenaden des Hauptbahnhofes nach. Bis zu meiner Abfahrt mit dem Nachtzug sind noch ein paar Stunden Zeit.
Erster Laden (die spanische Kette, bei der ich nicht weiß, wie man den Namen ausspricht), viele bunte Sachen. Mein Blick fällt zuerst auf ein schwarzes Spitzenkleid, danach auf einen schwarz-weißen Rock mit Blumenmuster, ähnlich meines Lieblingssommerkleides (dieselbe Marke) ... leider ist der Rock nur zum Anprobieren (und Ködern) als Einzelstück vorrätig ... ich ziehe ihn in der Umkleidekabine an und er paßt super zu mir, Größe 38. Die Bestellnummer auf einem Kärtchen für den Online-Shop bekomme ich von der Verkäuferin zugesteckt. [Anm. d. Verfasserin: Der Rock wird sofort nach meiner Rückkehr bestellt, geliefert und liegt schon bei mir zu Hause.] Da ist schon wieder dieses Gefühl: Ich muß etwas kaufen! Ich kann diesen Laden nicht ohne einen Papierbeutel verlassen. Das schwarze Spitzenkleid ... XS lehne ich sofort ab, in eine S passe ich zwar rein, aber sehe in dem Spiegel in der Kabine total f...unvorteilhaft aus, M - eine österreichische L - geht da schon viel besser. Es landet in der Kasse in dem besagten Einkaufsbeutel (idealerweise kann ich in Österreich problemlos mit meiner deutschen EC-Karte bezahlen).
Weiter in das Bademodengeschäft, von deren Kette ich auch den olivgrünen Bikini von meinem letzten Strandurlaub habe. Ein Badeanzug könnte mir noch in meinem Schrank fehlen, aber leider passe ich da beim Anprobieren nicht wirklich hinein, zu dicker Hintern, breites Kreuz, Brust flach wie nichts (mein kleines A-Körbchen) - ich bleibe bei der Bikinimode.
Gegen 20 Uhr hole ich mein Gepäck aus dem Schließfach, aber da weiß ich noch nicht, daß der Zug für die Rückreise anderthalb Stunden Verspätung hat (kommt ja auch als einziger aus Deutschland, alle anderen regionalen Züge aus Österreich haben auf der Anzeigetafel keine nennenswerten Verspätungen).
Endlich den Abend am Gleis wartend in den einfahrenden (und haltenden) Zug einsteigen, mein Bett in dem Liegeabteil beziehen und gegen 22:30 Uhr die paar Zeilen für mein Reisetagebuch notieren - ich muß mich beeilen, die anderen zwei Zuggäste in dem Abteil wollen schlafen und bitten mich, das Licht auszuschalten. Mein letzter Tag in Wien (und ich habe bis zum Schluß auf eine Antwort von ihm gewartet, die nie kam).
Nachtrag: Ein paar Abteile weiter geht der Lärm einiger mitreisenden Fahrgäste noch bis Mitternacht - bis dann bei einem Halt über die Grenze die Bundespolizei den Zug durchläuft und alle Abteile kontrolliert. Ich bin wach und bemerke, nachdem die Polizisten wieder weg sind, scherzhaft: "Das ist nicht der Drogenhund", keine Panik, "der kommt nur manchmal durch die Schweiz." Danach ist auch in dem Nachbarabteil Ruhe. Weiterschlafen mit Ohropax.

[28.04.19 / 21:46] Ein brutaler Schock ... diese Touristenmassen in der U-Bahnstation, ganz anders, als die Ruhe auf dem Friedhof zuvor. Ich fahre mit der U-Bahnlinie weiter in Richtung des Prater, die Adresse der syrischen Bäckerei Aleppo Sweets habe ich über das Internet herausgefunden - nur eine Station entfernt von der Gegend, in der ich vor zwei Tagen gesucht hatte. Ich betrete das kleine Café mit dem Blick vom Schaufenster aus auf das markante Riesenrad in der Ferne. Ein Cappuccino, Baklava - und K'nafah (der Mann am Tresen freut sich, als ich das bestelle und richtig ausspreche). Jeder Bäcker (oder Koch) hat sein eigenes Geheimrezept für den cremigen Käse (im Original der Ziegenkäse aus Nablus / Palästina).
Danach weiter zum muß-man-mal-fotografiert-haben-Prater - das markante Riesenrad - der Eiffelturm Wiens ("Prater" ist tatsächlich nur die Bezeichnung des Geländes mit den Amüsierbetrieben darauf, so eine Art Freizeitpark, oder "Rummelplatz"). Soll ich am Ticketschalter für eine Fahrt auf dem Riesenrad Schlange stehen, neben einem Haufen Touristen und Plärrkindern? Ich überlege genau, lieber spare ich den zweistelligen Geldbetrag für ein Abendessen auf.
18 Uhr, zurück im Hotel, ich tausche die Netzstrumpfhose gegen die viel wärmere, schwarze Jeans. Ich habe die Idee, wieder am Naschmarkt Essen zu gehen ... vielleicht italienisch. Dort angekommen, merke ich, was nicht im Reiseführer steht - es ist Sonntag und die Bistros in der Marktpassage sind alle zu! Alles ist gottverlassen und verwaist, ich irre in der anbrechenden Abenddämmerung in den Straßenzügen rechts und links davon umher, auf der Suche nach etwas Eßbaren und finde nur asiatische Restaurants oder Bistros. Auf dem Rückweg zur U-Bahnstation entdecke ich letztendlich doch ein veganisches Bistro, das meinen (kulinarischen) Ansprüchen gerecht werden könnte. Ich bestelle ein veganes Bürgermenü, Saté mit Süßkartoffelpommes und Erdnußsoße. Es ist immer wieder interessant, wie ich ein Veganer-Bistro betrete - komplett in Lederkluft (Lederjacke, Lederhandtasche und -schuhe): Haut von toten Tieren. Ich bin (meistenteils) vegetarisch, mit Fisch und Leder, und esse eigentlich alles - außer Schwein (die sind dem Menschen zu ähnlich, arme Viecher).
20 oder 21 Uhr nochwas, wieder zurück ins Hotel, der letzte Abend in Wien. Ich könnte auch einfach so noch eine Woche dranhängen, ich habe keine Verpflichtungen, nichts hält mich in Deutschland - aber ich brauche meine Medikamente. Die Dosis, die ich auf die Reise mitgenommen habe, reicht nur noch für zwei Tage.

[28.04.19 / 21:45] Nächster Stop auf meiner Tour: der Wiener Zentralfriedhof, eine gigantische Anlage. Entlang der Hauptachse liegen einige sehr hübsche Grabsteinmonumente, eine Vielzahl an Ehrengräbern und Familiengruften - aber davon mache ich keine Aufnahmen. Im Gegensatz zu dem Friedhof St. Marx ist der Zentralfriedhof ein aktiver Friedhof mit gepflegten, frischen Gräbern, teilweise liegen die Toten hier erst ein paar Jahre. Aus Respekt vor den Angehörigen unterlasse ich jede Fototätigkeit.
Anders der Bereich des alten, jüdischen Friedhofs. Das Judentum ist eine andere Religion, jedes Grab wird nur ein einziges Mal benutzt und danach sich selbst überlassen. Bestückt mit meiner Fotokamera laufe ich wieder (die Wege entlang) über das große Gräberfeld. An einer Grabanlage bleibe ich fasziniert stehen und überlege, ob ich eine Fotosession starte. Es ist das Grabmal einer Baronin [Anm. d. Verfasserin: Ich habe es recherchiert, es ist das Mausoleum einer jüdische Industrieellenfamilie]. Zögerlich gehe ich weiter, nach ein paar Schritten muß ich mich wieder umdrehen - es zieht mich zurück. Ich habe auf meinem Telefon ein Foto eines alten Gemäldes, ein Portrait einer jungen und hübschen adeligen Frau, Mitte / Ende des 19. Jahrhunderts. Ich betrete das Grabmonument und vergleiche die Geburts- und Sterbedaten ... könnte passen. Ich weiß nicht, wer die Frau auf dem alten Portrait ist, und genausowenig, wie die Baronin ausgesehen hat - aber in diesem Moment sind beides die gleiche Person. Ich mache ein paar Probeaufnahmen, justiere die Kamera und den Selbstauslöser und starte meine Fotosession. Die Baronin und ich (die "Comtesse"), wir verstehen uns, ich bedanke mich für jedes einzelne Foto (für mich sind die Toten lebendig). Nach meiner (kurzen) Fotosession (endlich das wunderschöne Friedhofsbild, das ich mir gewünscht habe) verabschiede ich mich von ihr vor dem Grab mit einem leichten Knicks (wie sich das für eine Dame gehört) und fahre nach Verlassen des Friedhofs den Nachmittag mit der Straßenbahn zurück ins Zentrum von Wien.

[28.04.19 / 21:44] Der Tag für die Friedhofstour durch Wien, zuerst St. Marx am späten Vormittag und danach den Zentralfriedhof am frühen Nachmittag, idealerweise liegen beide Friedhöfe an derselben Straßenbahnlinie. Der Friedhof St. Marx: viele alte Grabsteine, teilweise mit Pflanzen verwachsen und überwuchert, ein wildromantischer Denkmalfriedhof mit morbidem Charme ... und nur wenige Besucher verirren sich bis hierhin. Ich bin eigentlich nur in Wien für eine Gothic-Fotosession, ich will endlich auch so ein Friedhofsbild von mir. Ein Grab scheint geeignet zu sein - auch wenn das Betreten der Grabplatte strenggenommen nicht erlaubt ist - ich versuche es trotzdem. Mit einer Mischung aus Respekt vor den Toten und doch wenig Berührungsängste starte ich meine Session ... "Grabsteinschubser". Eine bittende Geste in Richtung des Grabes vor jedem Betreten und dem Hin- und Herwechseln zwischen Kamerastativ, Selbstauslöser und umzäunter Grabplatte. Das Licht der Mittagssonne zwischen den Blättern der umgebenden, hochgewachsenen Bäume und Sträucher ist nicht gerade ideal für eine düstere Stimmung.

[28.04.19 / 02:48] Mit der U-Bahn zum Naschmarkt im Herzen Wiens. Ich habe die Hoffnung, nach den regulären Öffnungszeiten, bzw. eine Stunde nach Schließung der Marktstände befinden sich dort keine Touristen mehr. Als ich den Straßenzug kurz nach 18 Uhr erreiche, werden gerade die letzten Marktstände abgebaut und der Platz zwischen den Passagen wird frei für ganz viele Bistros, die sich langsam füllen. Ich bin wieder auf der Suche nach einem Bistro mit der Küche aus Tel Aviv (ein Tip aus dem Internet). Nach etwas Suchen (und die entspannte Stimmung einfangen) werde ich fündig. "Ein Platz für eine Person", im Außenbereich. Einer der Kellner weist mir einen Platz zu in dem belebten Bistro. Ich studiere die Menükarte ... Latkes? Ein Riesenbratling in einer kleinen Pfanne wird mir kurz darauf serviert. Schade, daß die nicht noch das israelische Malzbier mit auf der Karte haben (das mit dem Adler auf dem Etikett). Als Nachtisch bestelle ich K'nafah ... es schmeckt fast (aber nur fast) wie das Original, welches ich auf dem Ha'Carmel Markt in Tel Aviv gegessen habe. Es fehlt der original einzigartige, cremige Ziegenkäse aus Nablus. Zu dem Nachtisch wird mir vom Kellner entkoffeinierter Cappuccino angeboten - nach meiner Antwort, es ist "zu spät" für eine richtige Tasse Kaffee ... ich wußte gar nicht, daß es den auch entkoffeiniert gibt.
Es wird kalt den Abend, ich friere in meiner Netzstrumpfhose und dem kurzen Kleid an dem Außentisch in dem Bistro, bezahle meine Rechnung und mache mich dann weiter auf dem Weg zu der Gegend um den U-Bahngürtel von letzter Nacht. Mit einigen U-Bahnumleitungen erreiche ich die Szenegegend mit den Bars und Clubs unterhalb der Hochtrasse. Ich gehe in ein paar Clubs hinein, sammle Flyer (ein interessantes Konzert war gerade zu Ende), komme ins Gespräch mit den Gästen, Türstehern usw. Hier und da entstehen ein, zwei Flirtversuche, aber ich blocke ab und lande letztendlich wieder in dem Club von gestern Nacht ... ich warte immer noch auf einen Anruf von ihm.
In diesem kleinen Club ist den Abend wieder ein Konzert, etwas zwischen Synth, Wave, Electronic Beats und Tech ... zuviel Tech, das ist nicht ganz so mein Ding (alles nach Detroit bin ich raus). Bei dem DJ-Set danach startet wieder jemand einen Flirtversuch mit mir, ich sitze auf dem Barhocker von letzter Nacht und war gerade in Gedanken, ob ich nicht auch mal ein paar Kerle aufreiße und die Situation umdrehe: "Hallo, wie geht's? Bist du alleine hier? Du bist sehr schön." Immer dieselben Sprüche ... der Typ jetzt hat die auch drauf. Ich werde von ihm zu sehr bedrängt, schreie in meinen Gedanken nach "Hilfe", versuche ihn aber immer wieder freundlich zurückzuweisen. Es hilft nichts, ich werde bearbeitet (wieder nichts mit Tanzen). Er ist zu betrunken und bestellt immer weiter ein Bier nach dem anderen, ich zeige mit meinen Fingern, daß ich noch genug Makava (Bio Mate) in meiner Flasche habe.
Ein Uhr nach Mitternacht und ich möchte gehen ... werde ihn aber nicht los. Er begleitet mich die U-Bahnstrecke zurück zu meinem Hotel (und ich muß immer wieder auf ihn aufpassen, daß er wegen seines Alkoholkonsums nicht von der Rolltreppe in den Stationen fällt oder zu nah an die einfahrende U-Bahn kommt). Am letzten Umsteigepunkt auf die Linie zu meinem Hotel am Hauptbahnhof muß ich ihn ansprechen und endgültig abweisen: "Auch wenn wir beide Streß nicht mögen, es kommt der Punkt, an dem ich doch Streß machen muß." Seine Frage, warum ich alleine weiterfahren möchte, muß ich nicht beantworten (Nein heißt Nein): "Ehrliche Antwort? Du bist zu betrunken." Unsere Wege trennen sich, ich fahre alleine zurück zum Hotel (das Hotelzimmer ist die Tabuzone, mein persönlicher Rückzugsort). Ich bin ein gutes Mädchen und gegen 2 Uhr wieder brav zurück auf mein Zimmer ... Make-up entfernen und ab ins Bett.

[27.04.19 / 17:00] Der nächste Tag: Schloß Belvedere - eine ganz böse Touristenfalle, (etwas mehr als) eine Stunde vor Schließung steht immer noch eine endlos lange Schlange wartend vor dem Eingang des oberen Palais. Genau der richtige Zeitpunkt für "genug Arsch in der Hose" (bzw. Kleid) und das Kommando: "Abbruch!" Ich breche aus der Warteschlange aus: Was wollt ihr alle hier? Einmal durchrennen, Klimt sehen und wieder raus? Der Tag war sowieso schon im "Arsch". Erst mittags aufstehen, dann kein Frühstück und ewig im Bad vertrödeln (Beine nachrasieren). Für den Besuch der Galerie habe ich extra mein schickes, schwarzes Designerkleid mitgenommen, lege meinen kompletten Diamantschmuck an und komplettiere das Outfit mit der neuen Netzstrumpfhose mit Rosenblütenmuster und den viktorianischen Stiefeletten.
Total overdressed laufe ich zuerst zwischen den ganzen "Underclass" Touristen den Barockgarten im Belvedere ab (der innere Bereich zwischen den beiden Palais) ... beschissenes Aprilwetter, keine Chance für mondäne Selfies. Danach im unteren Palais angekommen, erfahre ich, daß die Bilder von Klimt einzig und allein im oberen Palais hängen - im unteren Belvedere befindet sich nur die Wechselausstellung. Zurück ins obere Palais ... ich verpasse den richtigen Ausgang aus dem Gebäude und befinde mich plötzlich komplett wieder auf der Straße außerhalb der von einer hohen Mauer umrundeten Palastanlage. "Ich latsch doch nicht den ganzen Weg nochmal zu Fuß?" (in meinen neuen Stiefeletten) und wende mich der nächsten Straßenbahnhaltestelle zu ... an der ich ewig warte. Zurück am oberen Belvedere reihe ich mich dann in die Warteschlange ein und verliere kurz darauf endgültig die Nerven, was zu dem oben erwähnten Abbruch meinerseits führt.
17 Uhr, zurück ins Hotel, eine komplette Neuplanung des fast schon beendeten Tages, den teuren Diamantschmuck ablegen und durch Silberschmuck ersetzen und meine Lederjacke holen. Ich habe die Idee, auswärts essen zu gehen und danach die Nacht irgendwo in Wien zu verbringen ... soll ich noch etwas Make-up für den Abend auftragen? (Tatsächlich ist das jetzt das erste Mal, nach bestimmt fast fünf Jahren, daß ich wieder schwarzen Mascara verwende ... zusätzlich zu Kajal und Pflegelippenstift.)

[27.04.19 / 11:21] Zurück auf das Hotelzimmer, ich suche über das WLAN im Internet nach etwas für die Nacht: "Ausgehen in Wien, heute." Ein Club mit Konzertauftritt einer Post Punk Band? Das klingt interessant ... Start ist um 22 Uhr. Ich habe ewig im Internet gesurft, draußen ist es bereits dunkel, ich springe schnell ins Bad, ziehe mir vor dem Spiegel den schwarzen Kajal, mache mich etwas frisch - keine Dusche, keine rasierten Beine! Das muß jetzt schnell gehen. Ich werfe meine Lederjacke über (wegen dem aufkommenden, kühlen Wind) und laufe wieder zurück zum Hauptbahnhof gegenüber des Hotels. 22 Uhr, ich muß mich beeilen, wenn ich vor Konzertbeginn da sein will, dreimal Umsteigen mit der U-Bahn und ich erreiche mein Ziel - die Gegend um den U-Bahngürtel östlich der Innenstadt.
Ich irre nur kurz im Dunkeln umher (eine Station zu früh ausgestiegen) bevor ich den Club in einer Seitengasse gefunden habe. Mein erster Eindruck: sehr klein, alternativ, anarchistisch, links? Paßt! Die kleinen Aufkleber überall verraten alles. Der Konzertbeginn in dem kleinen Raum hinter der Bar ist um 23 Uhr, die Vorband besteht nur aus einer Künstlerin und ihrer Solo-Performance. Synth-Pop / Wave ... ihre liebliche Erscheinung steht im vollen Kontrast zu ihren brutalen Texten (in Englisch) - nicht mal ich schreibe so etwas. Beim genauen Hinhören drängt sich mir nur ein Gedanke auf: "Was hast du wohl durchgemacht?"
Die nächste Band, Post Punk aus Spanien, auf der Bühne stehen vier Herren in Hemd und Krawatte. Drei Gitarren (ein Bass und zwei E-Gitarren) und eine Phalanx an Effektboards für Echo- und Feedbackorgien. Die Musik der Band entspricht in etwa dem Stil von Joy Division, Killing Joke und 1919 - dafür, daß ich eigentlich Synth-Wave erwartet habe, bin ich angenehm überrascht ... paßt, die Button-Kollektion an meiner Lederjacke spricht für sich. Zum Schluß der Playlist das B-Movie-Cover von "Nowhere Girl" - x-mal gehört und ich bin immer noch nicht textsicher!
Von dem DJ-Set danach bekomme ich nicht viel mit, ich sitze in dem Club mit der spärlichen UV-Licht-Beleuchtung auf einem Barhocker in der dunkelsten Ecke, als ich von jemanden angesprochen werde ... ich kann kaum sein Gesicht erkennen. Er kommt aus Pakistan, ist keiner von diesen Flüchtlingen (er muß es immer wieder betonen) und lebt schon viele Jahre in Wien. In dem Club ist er an diesem Abend in Begleitung eines Freundes und einer Freundin, die, wie ich später erfahren werde, ihm den Hinweis gegeben haben, daß ich vielleicht nicht wirklich eine Frau bin? Ich wechsle mit ihm zu der Bartheke in dem Vorraum ... für den Lichttest, ich bin keine Schweinefee und garantiert eine richtige Frau: "Ich bin eine Frau!"
Er sieht wahnsinnig gut aus, ich schätze sein Alter auf Mitte Zwanzig ... genau mein Beuteschema, bin ich auch seins? Es entwickelt sich ein Gespräch, ich kann mich mit ihm nett unterhalten ... ob ich mit ihm mitgehe? Er wohnt in einer WG (mit zwei weiblichen Mitbewohnerinnen!) ganz hier in der Nähe, nur fünf Minuten zu Fuß. Ich willige ein und wir verlassen den Club.
Draußen vor dem Club weht ein kalter Wind, er ist so nett und bietet mir seinen Schal an (ich friere in meiner leichten Lederjacke). Auf dem Weg zu seiner Wohnung unterhalten wir uns weiter ... auch wenn ich das so gut finde, daß ich eigentlich in einem fremden Land bin aber sofort die Sprache spreche, bestehen doch einige Verständigungsprobleme? Ich falle immer wieder in meinen derben thüringisch-sächsischen Akzent zurück, er kann mir kaum folgen, ich versuche seinen Wiener Akzent zu verstehen. Auf der Straße im Schein der Laternen, kommt es zu ersten Annäherungsversuchen von ihm - nicht, daß ich das nicht auch wollte, aber ... ich als "Miss Complicated", erzähle ihm im weiteren Gespräch von meiner On-Off-Beziehung zu meinem Ex-Freund und daß ich noch etwas Zeit brauche, um mich auf alles einzulassen ... so in etwa noch 1 bis 2 Stunden. Er nimmt ein Taxi für uns beide die letzten 100 Meter um den Häuserblock (ich finde hier niemals im Dunkeln wieder zurück) zu seinem Wohnhaus.
Sein Zimmer in seiner WG, es ist alles ordentlich und aufgeräumt, auch draußen der Flur und das Bad, alles sauber - mein erster positiver Eindruck: er muß tatsächlich mit zwei weiblichen Mitbewohnerinnen zusammenleben. Wir legen uns zusammen auf das große Bett in seinem Zimmer, ein paar Küsse ... es dauert gefühlt ewig, bis wir uns endlich entkleiden. (Sollte ich die Initiative ergreifen?) Er bietet an, einen Joint zu drehen - ich lehne ab, ich quatsche jetzt schon zuviel und zähle alle meine Ex-Liebschaften auf (der halbe Orient). Ich muß vorher noch kurz in das Bad, mich wenigstens unten herum etwas sauber machen. (Hätte ich doch vorher geduscht, hätte ich mir doch vorher meine Beine rasiert!) Danach ... der Sex.
"Du hast noch überhaupt keine Ahnung, was dich jetzt erwartet!" Ich versuche seine Erregung zu steigern, streiche ihm über den Bauch, lasse meinen Kopf nach unten sinken - behalte ihn dabei immer im Blick meiner Augen (diese wahnsinnig schönen Augen bei ihm). Ein Blowjob mit Deep Throat, meine Spezialität! Ich deute mit einer Geste, mit den Fingern an meiner Hand an meinen Hals: "Tief!" (Ich gebe mein Bestes, aber leider bekommt er keine vollständige Erektion, ein signifikantes Problem bei der Deep-Throat-Technik ... bin ich schuld? Habe ich ihn zu wenig erregt?)
Der weitere Sex mit ihm, wir gehen mehrere (mir bekannte) Stellungen durch ... darunter auch der Versuch, die vaginale Variante. Ich bin leider zu kurz für ihn. Auf seine Frage, ob ich da unten operiert bin, antworte ich nur mit Schweigen und meiner Andeutung auf eine bevorstehende Operation zur Vertiefung meiner Vagina ... ihm ist sehr wohl bewußt, daß ich eine transsexuelle Frau bin - es ist kein Geheimnis, ich erwähne es nur nicht gerne.
Beim weiteren Analsex hat er immer noch das Problem, eine Erektion zu halten. "Manchmal denke ich, ich bin schwul", er mag den Analsex, hat alles da, Gleitcreme, Kondome ... aber benutzt er auch wirklich eins? Oder zieht er es immer wieder ab? "Ach Scheiß drauf!" Nimm mich endlich! Ich bin zu erregt, das jetzt abzubrechen. Zwischendurch, während des Stellungswechsels (ich quatsche zuviel) erzähle ich ihm, daß ich negativ getestet bin (HIV und Syphilis), aber ein positives Ergebnis auf HPV-Risikovariante habe. Er scheint das nicht zu kennen. "Das ist nicht gefährlich, nicht für dich, nicht für mich. Das betrifft nur die Frauen, mit denen du danach Sex haben wirst ... Risiko auf Gebärmutterhalskrebs - kann, aber muß nicht", ich sollte einen Warnhinweis auf meiner sexy Unterwäsche tragen: Vorsicht, der Sex mit mir kann bei Ihnen zu gesundheitlichen Problemen führen. Immer doof, wenn ich das Virus weitergebe - aber das hat sowieso die halbe Menschheit. Wenn er es nicht schon hatte, dann hat er es jetzt.
Seine Stimmung kippt langsam, sein "Erektionsproblem" da unten bekommt er nicht in den Griff. Ich gebe mir die Schuld. Es kommt ein Anruf auf seinem Telefon, seine Freunde - die noch in dem Club sind - fragen, wo er ist. Abbruch! Er läßt mich nackt liegen und wir müssen uns anziehen ... es fühlt sich fast an, wie ein Rauswurf - wenn ich nicht mit ihm zusammen die Wohnung verlassen würde. Im Treppenhaus kann ich noch schnell meine Haare durchkämmen.
Ich laufe mit ihm zu Fuß zurück in Richtung des Clubs, muß ihn immer wieder einholen ... hätte er doch nur weiter mit mir Sex gehabt, ich war fast soweit. Wenige Meter vor dem Club kommt uns sein Freund entgegen, kurze Verschnaufpause, es ist 4 Uhr den Sonnabend Morgen, dunkel, und es nieselt.
Wir betreten wenig später zusammen den nächsten Club am U-Bahngürtel, die beiden bestellen sich ein Bier an der Bar und verschwinden dann kurz auf die Toilette, eine Line Koks ziehen (Wien halt). "Magst du auch?" Nein Danke. Ich bestelle mir nur ein Glas Wasser an der Bar. [Anm. d. Verfasserin: Was wäre wohl gewesen, hätte ich das Kokain auch genommen? Wo wäre ich dann den Tag danach aufgewacht? Im Idealfall neben ihm in seinem Bett und später dann das von ihm versprochene Frühstück?] In dem Club gibt es eine Tanzfläche ein paar Stufen die Treppe runter in den Keller, auffallend viele Männer werden jetzt auf mich aufmerksam und starten ein paar Ansprechversuche oder einen Flirt mit mir. Ich lehne alles gleich ab, versuche zu der lauten Discomusik in ihr Ohr zu brüllen: "Ich bin durch für heute Nacht!" Ich will gehen und verabschiede mich von ihm vor dem Club (er ist von der Toilette zurück, war kurz tanzen und ist dann mit mir rausgegangen). "Tut mir leid. Ich rieche nach Sex, das zieht jetzt haufenweise Männer an." (Ist nicht neu für mich, das kenne ich schon.) "Hoffentlich schaffe ich es bis zum Hotel." Schade eigentlich, ich hätte gerne noch mit ihm gefrühstückt - aber ich bin zu fertig und will nur noch ins Bett. Er hat meine Telefonnummer.
Mit der U-Bahn zurück zum Hotel am Hauptbahnhof. Am Gleis wartend, betrachte ich die Plakate an den Wänden: "Ungewollt schwanger?" Alle Männer sind gleich, erst verzaubern sie einen mit ihrem Hundeblick, und dann geht es nur noch um Sex, Drogen, und Alkohol - beim Sex mache ich noch mit, aber bei den anderen beiden Sachen bin ich raus. "Jede kriegt die Männer, die sie verdient."
Kurz vor 6 Uhr zurück im Hotel, es ist noch zu früh für Frühstück (beginnt erst 6:30 Uhr). Ich falle ins Bett und schlafe ein. Vor der Tür zu meinem Hotelzimmer hängt der "don't disturb" Papieranhänger, aber viel Schlaf wird es nicht - die Zimmermädchen und Reinigungskräfte im Zimmer nebenan und auf dem Hotelflur machen zuviel Lärm, pünktlich ab 9 Uhr.

[27.04.19 / 11:20] Für die Graffiti rechts und links an den Seitenwänden der Uferpromenade (wie eine kleine Galerie) lasse ich mir besonders viel Zeit. Touristen gibt es hier nicht, nur ein Sprayer, der gerade zu einem neuen Motiv ansetzt. Die besonders schönsten, künstlerisch wertvollsten, ästhetischen - und stark vergänglichen Bilder halte ich mit meiner Fotokamera fest, versuche die Stimmung der Umgebung mit einzufangen (ich laufe auf der Schattenseite des Donaukanals).
Am Schwedenplatz erreiche ich wieder die Oberfläche und die Ebene der belebten Straßen, ich bin auf der Suche nach der Bäckerei und dem Café, das ich den Tag zuvor vom Bus aus gesehen habe, irgendwo in der Gegend nordöstlich des Donaukanals. Ich latsche ewig, wechsele auch mal die Seite auf das andere Ufer des Kanals, verlaufe mich in dem (jüdisch orthodoxen?) Viertel - und finde es doch nicht ... nur ein einfaches, persisches Bistro wieder auf der anderen, südlichen Seite des Kanals. Kurz vor 16:30 Uhr, ein Kaffee mit Kardamom und "selbstgebackener" Kuchen (endlich eine Pause).
Ich bleibe in der Gegend am Donaukanal und laufe wenig später wieder zurück zu der Tel Aviv Beach Bar vom letzten Abend. Zuerst habe ich ein Sitzplatz alleine für mich an einem Dreiertisch - aber es kommt ewig keine Bedienung vorbei (und ich habe Hunger). Das Bistro mit den Stühlen und Tischen auf dem aufgeschütteten Strand ist voll besetzt, ich biete meinen Dreiertisch drei jungen Leuten an und wechsele auf einen Sitzplatz an der Bar, endlich etwas zu essen bestellen. Kurz vor 18 Uhr, gebackene Aubergine mit Falafel, Hummus und Pitabrot. Eine halbe Stunde später bestelle ich mir noch eine Dose Bitter Lemon, bezahle meine Rechnung und mache mich danach auf den Weg zurück zum Hotel (welches ich dann so gegen 18:30 Uhr mit der U-Bahn erreiche).

[27.04.19 / 11:19] Den Freitag Morgen stehe ich etwas früher auf, ich will das Schloß Schönbrunn am Vormittag besuchen und vor 12 Uhr mittags - bevor die ganzen Touristen da hinein strömen - wieder raus sein, mit der U-Bahn in Richtung des Schlosses. Das Schloß selbst lasse ich links liegen und besichtige nur die Schloßanlage und den weiträumigen Garten / Park ... mit Selfies (obligatorisch).
Nächster Stop auf meiner Fototour durch Wien (auf der ich die Strecke von dem Bus den Tag zuvor unterirdisch erneut mit der U-Bahn abfahre) gegen Mittag: die Innenstadt und den Garten der Hofburg. Von dem entzückenden, großen Jugendstil-Palmenhaus und dem Café mache ich erst ein paar Fotos, bevor ich dann danach mir einen Salat und etwas zu trinken bestelle ... 12 Uhr - zu früh für die Sachertorte in der Auslage? (Ich verschiebe das mit dem Kaffee und Kuchen auf später.)
Danach einen Rundgang durch die Hofburg, hier sind also meine Ahnen irgendwann mal herumgesprungen (ich kann meine Herkunft aus Wien bis auf fünf oder sechs Generationen zurück nachweisen, alles Diener, Köche, Hausbedienstete der Habsburger - bis dann ein Zweig nach Dresden mit- oder umgezogen ist). Auf dem Vorplatz demonstriert eine Gruppe junger Menschen mit Transparenten und Megaphon, Fridays for Future - "Ihr seid der Grund, warum ich den Zug und nicht das Flugzeug genommen habe", ich muß unbedingt meine Sympathie und Unterstützung für diese Gruppe zeigen und spreche ein paar der Demohelfer an ... nicht ohne Eigennutz, es wird kostenloser Tee ausgeteilt.
Kurzer Abstecher in den Museumsshop der Hofburg und Schatzkammer ... kitschige Sissi-Postkarten (mit ganz viel Glitzer), die kann ich so nicht versenden. [Anm. d. Verfasserin: Eigentlich war ich in dem Laden, um eine Ahnengalerie der Habsburger zu suchen. Seit über 100 Jahren befindet sich ein Gemälde im Privatbesitz meiner Familie, wer ist diese adelige Frau auf dem Portrait? Ich finde nur ein Buch: "Die verkauften Töchter der Habsburger".]
Zu Fuß weiter in das Café Central in der Nähe, die Schlange am Eingang schreckt mich ab ... so wird das nichts mit in dem Jugendstil-Café eine Melange trinken und an meinem Blog schreiben. Mit der U-Bahn weiter zu der Votivkirche außerhalb der Kernstadt, ein kurzer Fotostop an der Neogotikkathedrale (sah vom Bus aus besser aus) und weiter mit der Linie zur Station am Donaukanal.

[25.04.19 / 22:32] Donnerstag Morgen (zwischen 8 und 9 Uhr), meine Ankunft mit dem Nachtzug in Wien. Die Nacht in dem Liegeabteil hatte ich, trotz Ohropax, nur wenig Schlaf - dafür aber viel zuviel Schaukeln (erst das Stück von Thüringen nach Franken, danach das Stück durch die Alpen, hinter München). Wien Hauptbahnhof - Frühstück mit Croissant und "Wiener Melange" (so ähnlich wie ein Cappuccino) ... stilecht aus dem Pappbecher auf dem Bahnhofsvorplatz (erst mal ein bißchen "herumpunken" und die Lage sondieren, dunkle Sonnenbrille aufsetzen). Meinen kleinen Rollkoffer lasse ich in einem Schließfach in der Gepäckaufbewahrung, für das Zähneputzen und etwas frisch machen nehme ich nur das nötigste mit in die Toilettenräume des neuen Bahnhofsgebäudes. Nicht das Handtuch vergessen! Es ist immer gut, ein kleines Handtuch dabeizuhaben!
Die Zeit bis zum Hotel-Check-in in ein paar Stunden verbringe ich mit einer diesen "Hop-On-Hop-Off" Bustouren, die vor dem Bahnhof halten ... ich bekomme einen Flyer mit einer Touristenkarte zur groben Orientierung (wo bin ich hier überhaupt?) und steige ein. Die Tour führt den Vormittag quer durch die Wiener Innenstadt - perfekt, um (todmüde von der Nacht) vom Bus aus zu sehen, wo sind die Touristen-Hot-Spots (von denen ich mich lieber fern halte) und wo sind die interessanten Viertel (die Gegend am Donaukanal sieht vielversprechend aus und ist auch nicht so überlaufen).
Gefühlt 12 Uhr mittags, der zweistöckige Bus ist oben offen, ein durchsichtiges Kunststoffverdeck schützt nur vor eventuellen Regen ... die Sonne knallt direkt auf die paar wenigen Fahrgäste, ich habe schon das Gefühl, ich bekomme einen Sonnenstich und muß eine Pause irgendwo im Schatten machen (immerhin habe ich schon dick Sonnencreme aufgetragen, den Vormittag vor dem Spiegel in der Bahnhofstoilette). Ich steige an dem Schnittpunkt der beiden Buslinien in der Nähe der Oper und des Stephansdom aus. Zielgerichtet (bzw. umherirrend) suche ich das Juweliergeschäft, welches in meinem Reiseführer als "Insider-Tip" angepriesen wird ... es befindet sich nur wenige 100 Meter vom Dom in der gut gefüllten Innenstadt entfernt. Ich bin auf der Suche nach einem Collier oder ein Anhänger zur Ergänzung meines Diamantschmucks.
"Hallo!"
"Servus."
"...stand so im Reiseführer."
Nach einem kurzen Verkaufsgespräch werden mir ein paar Exponate ausgelegt, ein richtiges Collier kann ich mir nicht leisten, es wird eine Collier-ähnliche Kette, filigran gearbeitet, aus Weißgold und sechs kleinen Diamanten, gehalten in einer anhängerähnlichen Fassung. "Das paßt bestimmt zu meinem schwarzen Abendkleid", ich krame noch meinen mitgebrachten, anderen Diamantschmuck aus meiner Handtasche, vergleiche die Ringe mit der Kette und bezahle den ... dreistelligen Geldbetrag (im oberen Drittel, wenigstens noch unter 1000 Euro) mit meiner EC-Karte. "Das funktioniert nur einmal ganz am Anfang meiner Reise, danach denkt die Bank, die Karte wurde im Ausland geklaut und sperrt diese" ... und ich stehe dann da, ohne Bargeld. Die neue Schmuckschatulle lasse ich nach dem Kauf unauffällig in meiner Handtasche verschwinden, "verdeckt tragen", die Kette mit den Brillanten ist teurer, als mein Ring aus New York und meine Ohrringe aus Tel Aviv zusammen. Weiter danach ein paar Schritte zur Dombesichtigung (zu viele Touristen) und ein Eis essen (Geschmackssorte "Apfelstrudel").
Zurück zum Hop-On-Hop-Off-Bus, mir fehlt noch der zweite Teil der Tour, westlich des Prater und die Donauinsel (die Donaukreuzfahrtschiffe am Kai sind "Riesenpötte"). Ich merke mir die Szenegegend um den Donaukanal und das "Judenviertel" (vom Bus aus sehe ich ein paar auffällig schwarz gekleidete, orthodoxe Juden ... hier kann ich bestimmt später prima koscher essen).
Den Nachmittag wird mir dann alles doch zuviel, zuviel Sonne, zuviel Hitze, zu viele Touristen. Ein zweiter Auftrag der Sonnencreme und mit der U-Bahn zurück zum Hauptbahnhof (in Richtung des gebuchten Hotels). In der U-Bahnstation nahe der Oper entdecke ich einen Hutladen - nicht diese "I-Love-Vienna" Billig-Touristenhütte - sondern richtige, handgearbeitete Einzelstücke. Eigentlich wollte ich nur etwas Geld wechseln für den Ticketautomaten, aber ich probiere alle Hüte durch. Auf der Suche nach einem eleganten, schwarz-grauen Unisexmodell, wird es am Ende doch ein südamerikanischer Strohhut aus Ecuador, der hat mir einfach am besten gefallen.
Mit der U-Bahnlinie (und einer neuen Wochenkarte) weiter zum Hauptbahnhof, meinen Koffer aus der Gepäckaufbewahrung holen und Check-in im Hotel gegenüber des Bahnhofs. 18 Uhr, meine ganzen Sachen in dem Hotelzimmer auf dem weißen Laken des Doppelbetts verteilen und endlich eine Dusche nehmen, nach 24 Stunden (Zugfahrt und Bustour) endlich wieder ein Mensch!
Abendessen in dieser (mir aus Leipzig bekannten) italienischen Schnellrestaurantkette (auch gegenüber vom Hauptbahnhof) und danach zurück zur Hotellobby, das WLAN nutzen und das Wetter für die nächsten Tage in Wien lesen ... schon Freitag Abend ein Temperatursturz? Meine spontane Entscheidung auf diese Nachricht: Für die paar kurzen Sommertage im Frühling (auf meiner Reise) muß ich unbedingt den Abend noch schnell die Tel Aviv Beach Bar am Donaukanal besuchen ... bevor es wieder kalt wird. Kurz zurück auf das Hotelzimmer, meine Lederjacke holen (hätte ich bei den Temperaturen den Abend doch nicht gebraucht) und mit der U-Bahn kurz nach 20 Uhr zurück zum Szeneviertel am Kanal.
Eine hippe Gegend, Strandbars, Musik, junges Publikum - und mir wird bewußt, Wien ist nicht so "assi" wie Berlin, und hat einfach mehr Stil. Als ich von der Brücke über dem Kanal ein Foto von der Szenerie machen will, die Lichter der belebten Bars spiegeln sich im Wasser, krame ich minutenlang in meiner Handtasche. Ein Schreck, das Telefon ist nicht da ... habe ich es in der Lobby liegen lassen? Leider kein Foto. Weiter zur Tel Aviv Beach Bar, an der Bartheke sitzen, eine Flasche / Dose Bitter Lemon trinken und danach so schnell wie möglich zurück zum Hotel und mein Telefon suchen ... es war die ganze Zeit in der Gesäßtasche meiner schwarzen Jeans - Glück gehabt!

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Kommentar:

[13.11.22 / 09:33] Daniele1992: Hallo Morgana

aktuell keine schöne Situation. Ich schreibe Dir noch eine Mail dazu.

LG Daniele

Morgana LaGoth: Einige Kommentare müssen auch nicht allzu öffentlich sein …

[13.05.22 / 09:15] Daniele1992: Hallo Morgana,

Tolle Reisebericht von Deiner neusten Reise nach Paris. Macht grosse Lust auch wieder dort hinzufahren um sich von der Stadt inspirieren zu lassen.

Tolle Neuigkeiten.NeuerJob. Klasse! Freue mich für Dich.

Liebe Grüße
Daniele

Morgana LaGoth: Danke. Endlich wieder verreisen … lange darauf gewartet. Lebendig bleiben, solange es noch geht.

[24.12.21 / 20:55] Daniele1992: Hallo Morgana,

Ich denke an Dich und wünsche Dir frohe Weihnachten und ein schönes neues Jahr 2022.

Liebe Grüße
Daniele

Morgana LaGoth: Vielen Dank, ich wünsche dir ebenfalls ein schönes, neues Jahr.

[25.09.21 / 14:59] Daniele1992: Hallo,

eine Chance etwas Neues zu machen. Neue Perspektiven. Urlaubsträume, die bald real werden können. Nicht so schlecht. Freue mich für Dich. LG Daniele.

Morgana LaGoth: Danke dir.

[11.11.20 / 09:12] Daniele1992: Hallo Morgana

Ich habe Dir eine Mail geschickt.

Lg
Daniele

Morgana LaGoth: Hey ... vom Lenkrad aus mit der Hand winken, von einem MX-5 zum anderen. *freu*

[30.07.20 / 22:03] Daniele1992: Guten Abend

das habe ich sehr gerne gemacht. Zum Einen interessiert mich das Thema und zum Anderen hast Du wirklich sehr lebendig und spannend geschrieben. Da wollte ich Alles lesen und wollte Dir schreiben, das mir Dein Blog besonders gut gefallen hat (Die eigentliche Arbeit hattest Du ja mit dem Verfassen des Blogs). Wenn Du magst können wir den Kontakt gerne per Mail halten. Viele Grüße Daniele

Morgana LaGoth: Mail-Adresse steht oben bei "kontakt" - bei weiteren Fragen, gerne.

[30.07.20 / 12:44] Daniele1992: Guten Morgen,
vielen Dank für Deinen tollen Blog. Ich habe ihn in den letzten Wochen komplett gelesen. Meistens konnte ich gar nicht aufhören zu lesen. Fast wie bei einem sehr spannenden Roman. Ich habe dabei Deine genauen Beobachtungen und Beschreibungen sehr genossen. Deine vielen Ausflüge in die Clubs und zu den Festivals oder Deine Streifzüge d durch die Geschäfte beschreibst Du immer aus Deiner Sicht sehr anschaulich und spannend. Ich kann das sehr gut nachvollziehen, das alleine zu erleben, häufig auch mit einer gewissen Distanz. Ich kenne ich von mir sehr gut. Highlights sind Deine Reiseberichte. Deine Erlebnisse an den unterschiedlichsten Orten auf der Welt. Vielen Dank dafür. Vielen Dank auch das Du Deinen Weg zu Deinem waren Geschlecht mit uns Lesern teilst. Deinen Weg Deine Gefühle Deine zeitweisen Zweifel. Das ist sehr wertvoll auch für uns Andere, denn es ist authentisch und sehr selten. Du bist einem dadurch sehr vertraut geworden. Für mich ist eine gefühlte grosse Nähe dadurch entstanden. Umso mehr schmerzt es mich von Deinen Rückschlägen zu lesen. Von Deinem Kampf zu Deinem wahren Ich. Von Deinem Kampf umd Liebe, Zährlichkeit und Akzepzanz und Anerkenung. Von Deiem mitunter verzweifeltem Kampf nach Liebe und Anerkennung durch Deinen Exfreund. Leider vergeblich. Dein Kampf um wirtschaftliche Unabhängigkeit und Deine aktuell missliche Lage. Ich glaube dass Du nicht gescheitert bist. Du hast viel Mumm und Hardnäckigkeit bewiesen Deinen Gang zu Dir selbst zu gehen. Du hast auch einen guten Beruf der immer noch sehr gefragt ist. Vielleicht kann ja nach dieser Auszeit und etwas Abstand ein Neuanfang in einer anderen Firma, wo Du keine Vergangenheit als Mann hattest gelingen. Ich wünsche das Dir ein Neuanfang gelingt und drücke Dir ganz fest die Daumen. Daniele

Morgana LaGoth: Da liest sich tatsächlich jemand alles durch? Das ist mittlerweile schon ein kompletter Roman mit mehreren hundert Seiten! Danke dir, für deinen Kommentar (und die aufgebrachte Zeit).

[05.10.19 / 17:11] Drea Doria: Meine liebe Morgana,
bin 5 T post all-in-one-FzF-OP. Deine guten Wünsche haben geholfen. Der Koch ist immernoch noch super. Alle hier sind herzlich und nehmen sich Zeit.
Herzlich
Drea

Morgana LaGoth: Dann wünsch ich dir jetzt noch viel mehr Glück bei deiner Genesung!

[14.06.19 / 12:57] Drea Doria: Meine liebe Morgana,

vielen Dank für Deine offenen und kritischen Erlebnisberichte. Ich bin in 3 Monaten in Sanssouci zur FzF-OP. Ich denke auch, was kann schon schief gehen, status quo geht nicht und irgendwas besseres wird wohl resultieren. Wenn es Dich interessiert, halte ich Dich informiert. Drücke mir die Daumen.
Herzlich
Drea

Morgana LaGoth: Ich wünsche dir für deine Operation viel Glück. (Sollte der Koch nicht gewechselt haben, das Essen da in der Klinik ist richtig gut!)

[14.11.17 / 20:13] Morgana LaGoth: Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion: Die Seitenbetreiberin behält sich das Recht vor, jeden Kommentar, dessen Inhalt rassistisch, sexistisch, homophob, transphob, ausländerfeindlich oder sonstwie gegen eine Minderheit beleidigend und diskriminierend ist, zu zensieren, zu kürzen, zu löschen oder gar nicht erst freizuschalten. Werbung und Spam (sofern die Seitenbetreiberin dafür nicht empfänglich ist) wird nicht toleriert. Personenbezogene Daten (Anschrift, Telefonnummer) werden vor der Veröffentlichung unkenntlich gemacht.

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