Der Sonnabend dieses März-Wochenendes in Dresden, wieder unten im Frühstücksraum des Hotels, wieder das Croissant, zwei Brötchen mit Marmelade, der schrecklich schmeckende Kaffee und dieser unerklärbar schmeckende Fruchtsalat … es müssen diese grünen Dinger sein, das sind keine Weintrauben, das ist Melone?
[05.04.26 / 19:12] ✎ Der Sonnabend dieses März-Wochenendes in Dresden, wieder unten im Frühstücksraum des Hotels, wieder das Croissant, zwei Brötchen mit Marmelade, der schrecklich schmeckende Kaffee und dieser unerklärbar schmeckende Fruchtsalat … es müssen diese grünen Dinger sein, das sind keine Weintrauben, das ist Melone? Melone und Gurke sind Beeren und miteinander verwandt.
Diesen Tag gehen wir in die Altstadt, bis runter zur Elbe und schauen uns Dresden an! Wie Touristen! Wir stehen früh auf, wir haben ein Zeitticket für das Grüne Gewölbe und das neu aufgebaute Dresdner Residenzschloss gebucht. Die anderthalb Stunden bis zum Einlass um elf Uhr, wollen wir uns, bei schönstem Sonnenschein, die Altstadt angucken, bevor die Touristenströme anrauschen.
Wir überqueren die große Hauptstraße, die die Einkaufsstraße und den Altmarkt von der historischen Altstadt trennen. Die Sonne scheint, aber es ist kalt. Meine Fleece-Jacke trage ich noch unter meinem Mantel und über der Tunika, den langen, schwarzen Kaschmirschal schon das ganze Wochenende. Meine kleine Luxushandtasche und meine Sonnenbrille, eine Wolke an orientalischen Parfüm hinter mir herziehend. Sie kennt den Weg, ich habe einen kleinen Papierfaltplan von der Hotelrezeption mit in einer meiner Manteltaschen. Ein Hof nahe des Schlosses, wir suchen den Eingang zu dem Gewölbe und den Museen. Das Grüne Gewölbe selbst, war früher mal woanders, überall in Dresden wird gebaut, hier an dem Schloss immer noch. Der kleine Innenhof ist neu, ein paar Schautafeln zeigen, wie hier alles mal zerbombt wurde, sie kennt nur die Ruinen, an denen sie Jahrzehnte danach noch vorbeigegangen ist, für mich ist die Ecke hier neu, ich war hier noch nie.
Ein paar Arkaden, ein paar Tierplastiken hoch oben an den Wänden, das ist hier irgendwie so eine Art Jagd- oder Stallhof, das Schloss muss hier in der Nähe sein, noch etwas mehr als eine Stunde bis zum Einlass.
Weiter um die Ecke, ich kann die alte Brücke über die Elbe sehen, wir sind an der Semperoper. Ein Foto machen, wie Touristen das so tun … die Menschen darauf werde ich wegretuschieren, das Baugerüst an der Oper verdecke ich elegant mit dieser großen Reiterstatue davor. Nur von dem Italienischen Dörfchen mache ich kein Foto … nachdem die eine Brücke ein paar hundert Meter oder Kilometer weiter, eingestürzt ist, verlegen die von der Stadt die Fernheizungsrohre (oder was auch immer das ist) über die angrenzende, historische Brücke neben der Semperoper. Schwarze Rohre, ein Bauzaun und ein riesiges Plakat, das andeutet, dass alles nur ein „Provisorium“ ist, verdecken den schönen Blick auf das Gebäude mit dem klangvollen Titel. Ich muss mit der Italienerin hier mal Essen gegangen sein, weder die Italienerin, noch das Café da, gibt es noch … aber vielleicht war das alles auch vollkommen woanders und sie hat nie existiert, nur in meiner Phantasie.
Weiter zu dem Zwinger, meine Begleitung kennt da eine Stelle, bei der sie zu ihren Studentenzeiten Ende der 1970er immer war: ein geheimnisvoller und versteckter Brunnen oder Fontäne gleich neben dem Zwinger! Ich bin neugierig, auf Klassenfahrt 1998 habe ich es nur bis zum Zwingereingang geschafft.
Der Brunnen ist wirklich nur direkt daneben, versteckt, eine Treppe hinauf, eine Treppe nach unten, ich hoffe schon auf ein paar „Instagram“ Fotos, um dieses Kleinod der Welt zugänglich zu machen … Minuten später schon die erste russische Touristin. Wir waren kurz allein. Es sieht ein bisschen aus, wie der eine Brunnen in Rom, nur fließt hier kein Wasser, das Becken ist leer, in ihrer Vorstellung war das alles mal viel verwilderter und grüner. Weiter über zwei Glastüren zum angrenzenden Innenhof des Dresdner Zwinger.
Wir sind schockiert! Ich kann mich kaum noch halten. Immer wieder zeige ich auf dieses schreckliche Etwas und schimpfe laut … der eine Tourist vor mir geht schon ein paar Schritte aus meinem Blickfeld. Direkt neben dem Zwinger ist der hässlichste Betonklotz hingestellt worden, den ich auf dieser Reise je gesehen habe! Wie konntet ihr nur! Diese Bausünde! Das ist ja so, als würde man ein Hochhaus direkt neben dem Eiffelturm stellen! So haben wir das nicht in Erinnerung. Wir sind erschüttert. Das sah hier mal so schön aus, das historische Ensemble, das Elbflorenz, nicht mal die Bomben aus dem Krieg konnten das zerstören. Und jetzt steht da drüben gleich hinter dem Zwinger ein weiteres, grau-modernes Hotel … oder was auch immer das ist.
Weiter weg, von dem Fleck der Schande, zurück zum Residenzschloss, wir finden endlich den Eingang, wir waren vor gut einer Stunde schon daran vorbeigelaufen, nur ist jetzt das große Tor zum Kleinen Schlosshof geöffnet.
Ein großes Glasdach überdeckt den Innenhof, am Eingang zu den Museen und der Kasse stehen schon einige Besucher. Ich dränge, ich will eines der Schließfächer in Beschlag nehmen, bevor die Touristenmassen kommen, meine Begleitung strahlt eher die Ruhe aus. Fotos vom Großen Schlosshof machen, den mit dem Hausmannsturm, auch hier wird überall gebaut, auf den Bauzäunen draußen die großen schwarz-weiß Fotos und wie das hier alles mal nach dem Krieg ausgesehen hat – und vierzig weitere Jahre unverändert.
Unser Zeitfenster für das Historische Grüne Gewölbe beginnt um elf Uhr und ein paar Minuten. Sie holt das Online-Ticket auf dem Smartphone aus der Tasche, ich sichere für mich eines der bedenklich weniger werdenden Schließfächer am Eingang neben der Garderobe, für meinen Mantel und meine Handtasche. In das Grüne Gewölbe mit den vielen Juwelen, darf nichts hinein genommen werden, die sind hier etwas nervös nach dem großen Einbruch. Eine Sicherheitsschleuse mit zwei dicken Glastüren ebnet uns den Weg hinein in die Schatzkammer.
Am Stand für die Tour-Guides entscheide ich mich für das Sprachmodul in „Sächsisch“, welches mir von der Museumsmitarbeiterin empfohlen wird.
„Sächsisch für Anfänger oder Deutsch?“
Ich zögere: „Sächsisch“, in meinem breitesten Drei-Länder-Eck-Dialekt, Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Je mehr ich in dieser Region bin, desto mehr kommt mein Geburtsdialekt wieder durch.
Sie nimmt die deutsche Sprachbegleitung und kommt viel schneller durch die Ausstellung, ich halte mein Sprachmodul ans Ohr und der Erzähler im breitesten Sächsisch erklärt mir die opulent ausgestatteten und liebevoll wiederhergestellten Schlossräume und die vielen funkelnden, nein, funzelnden Juwelen darin. Räume voller Porzellan, Elfenbein, Gold und Silber und Diamanten … nicht ganz so viele Diamanten und Brillanten, ein paar Dinge bleiben nach dem großen Einbruch wahrscheinlich für immer verschwunden, vielleicht existieren sie schon gar nicht mehr.
Ich brauche für das Historische Grüne Gewölbe viel länger, als ich gedacht habe, ich dachte, das wäre nur so eine kleine Sammlung. All dieser Prunk, der sächsische König muss unfassbar reich gewesen sein, ich dagegen stehe neben den Vitrinen und blicke auf meinen Armreif an meinem Handgelenk, Silber beschichtet, mit magnetischen Stahlkern und paar glitzernden Zirkonen drauf.
Es ist Mittag, fast schon dreizehn Uhr, eine Pause, eine Flasche Wasser im Museums-Café – und wir haben mal gerade erst das Erdgeschoss geschafft. Vor uns liegen noch drei weitere Etagen, mit noch mehr Prunk und Vitrinen und Ausstellungsstücken. Ich habe diesen Museumsbesuch unterschätzt, meine Begleitung vergleicht das Residenzschloss schon mit dem Louvre in Paris – aber der ist wirklich noch viel, viel größer.
Weiter in die erste Etage des Schlosses, jetzt ohne die Sprachführung – das Modul habe ich unten am Ausgang des Historischen Grünen Gewölbes schon abgegeben, mit der kleinen Anmerkung, es fehlt der Knopf um das Sächsische in anderthalbfacher oder doppelter Geschwindigkeit abzuspielen.
In der ersten Etage befindet sich das Neue Grüne Gewölbe, die Ausstellung mit den Miniaturen. Ich will den „Großmogul“ sehen! Bis vor zwei Tagen habe ich noch gar nichts von seiner Existenz gewusst, meine Begleitung kennt das alles schon, im Hotelfernseher lief eine Sendung über Dresden, in der auch dieses kleine Miniaturpanorama zu sehen war. Ich sehe die Vitrine und laufe direkt darauf zu. Es ist witzig, wie sich die Leute das damals alles so gedacht haben, einige der kleinen Figuren sehen chinesisch aus, einige indisch, der ganze Kasten asiatisch, die Szene irgendwie … phantastisch. Noch mehr merkwürdige Dinge und Kuriositäten sind in diesem Teil des Museums ausgestellt, die sagenumwobenen „Kirschkerne“, es galt damals als schick, so ein Kuriositätenkabinett zu besitzen.
Weiter zu der Rüstkammer in dem ersten Geschoss des Schlosses.
„Das kenne ich alles schon.“
Was ich jetzt noch nicht weiß, das geht noch eine Etage weiter, bis hoch in die zweite, den Teil, den ich achtundzwanzig Jahre zuvor auf Klassenfahrt im Zwinger gesehen habe, war nur ein kleiner Teil davon, nur die paar Rüstungen und Gewehre.
Es hört gar nicht mehr auf, ein Zimmer nach dem anderen mit Rüstungen, Säbel, Messer, Gewehren, noch mehr Rüstungen, ganze Pferde in Montur – wir wechseln die Etage – noch viel mehr Säbel und Zelte, alles zusammengeraubt, nachdem die Türken vor Wien abgehauen sind – wie ist das alles nach Dresden gekommen, wer hat das alles gesammelt? Wurde das wirklich hier alles im Schloss gelagert? Meine Begleitung vermutet, das Zeug stammt vom Armeemuseum hier irgendwo am anderen Ende von Dresden und ich denke mir, die sind froh, wenn die den alten Kram hierhin, in das neu wiederhergestellte Stadtschloss, abschieben konnten.
An den Fenstern im Schloss erkenne ich, es muss schon tiefster Nachmittag sein. Draußen scheint die Sonne, Touristenströme ziehen sich durch die Straßen, ich wollte eigentlich auch Dresden draußen fotografieren und wir stecken hier drinnen. Ein langer Gang an Gewehren, auch genannt die Gewehrgalerie in der Zwischenetage.
Die zweite Etage haben wir über den Kleinen Ballsaal betreten, ich scherze, das ist ja nur der „kleine“ Ballsaal. Nachdem wir die Münzkammer, den Riesensaal und die zweite Hälfte der Rüstkammer und der „Türckischen Cammer“ hinter uns gelassen haben, betreten wir die Paraderäume des Schlosses, luxuriös gestaltete Zimmer, die nie benutzt wurden. Nur zum Angeben. Ich bewundere die Arbeit der Restauratoren, die das alles wiederhergestellt haben, das Schloss wurde komplett ausgebombt, erhaltene Möbel gab es dann nicht mehr.
Weitere Ausstellungsstücke, große Portraits der ehemaligen Besitzer, die Garderobe des Dicken – und irgendwo in einer Ecke, ein kleines Eckzimmer, eine Vitrine mit Napoléons Stiefeln. Ich kann nicht anders, ich stelle mich daneben und blicke auf meine eigenen, hohen Lederstiefel, die ich gerade anhabe:
„Passt!“
Könnte von der Schuhgröße hinkommen … 40/41.
Wieder draußen, wir sind da jetzt so viel umhergelaufen, ich kann schon gar nicht mehr sehen, so viele Miniaturdinge, die ich mir betrachtet habe, die dritte Etage schaffen wir nicht mehr, die mit dem Kupferstich-Kabinett und irgendwo soll noch so ein asiatisches Bild von siebzehnhundertnochwas ausgestellt sein. Vielleicht das nächste Mal. Dann müssen wir auch die Gemäldegalerie ansehen, und Pillnitz, und eine Schifffahrt auf der Elbe, alles wie 1998.
Vor dem Ausgang vom Schloss, wir kommen nicht weit, das eine Café gegenüber empfängt alle Museumsbesucher. Es ist ein Schokoladencafé, mit angeschlossenem Schokoladenmuseum. Ich suche den Schokoladenkuchen, aber bestelle wieder nur eine Eierschecke – die dritte. Sie wird mir wenig später mit den beiden Tassen Cappuccino an unseren kleinen Tisch gebracht. Dieses mal ist sie authentisch, original, ohne Vanille-Aroma, der Eischnee und die gelbe Schecke in sehr weicher und cremiger Konsistenz, ganz oben die Decke leicht bestreut mit Zucker. Ich bin zufrieden. Im angrenzenden Schokoladenverkauf finden wir noch etwas zu Ostern. Ich finde die Idee mit der kleinen Eierverpackung ganz nett, in der die kleinen Schokoladeneier liegen – aber wenn für jedes, bestimmt exquisite, Osterei so ein Euro verlangt wird und in diese Schachtel achtzehn passen … das können wir uns nicht mehr leisten, das muss dann der kleine Beutel sein mit halb so viel Schokolade. Die ausländischen Touristen sind entzückt und packen die Pappschachtel voll.
Wieder raus zu dem Platz mit der Semperoper, zwischen Schloss und Oper liegt noch die Schlosskirche, hier war ich noch nie, ich kann mich nicht daran erinnern, die zwischen der Oper und diesem bekannten Wandgemälde an der Schlossmauer, gesehen zu haben. Meine Begleitung muss hier auch schon mal drin gewesen sein, wir gehen hinein, es ist kurz nach siebzehn Uhr und im Gegensatz zu heute Morgen, wo ich schon für ein mögliches Stadt-Foto auf der Eingangstreppe stand, ist sie jetzt offen.

Innen drinnen mache ich Fotos, die Szene ist einfach zu hübsch, Nebelschwaden an Weihrauch umhüllen einen Seitenaltar, die Lichtstrahlen der beginnend untergehenden Sonne zeichnen sich darin.
„Gruftige Bilder machen …“, wiederholt murmele ich mein Mantra.
Die Kirche selbst, auch hier wurde vieles nach dem Krieg wiederhergestellt, wer weiß, wie das davor ausgesehen hat, schwarz-weiß Bilder sind eben nicht bunt. Irgendwo soll noch die Gruft sein, in der der sächsische Regent begraben liegt, zwischen Kirche und Schloss verläuft ihr Privatweg. Wir bleiben nur eine Viertelstunde, ich dränge wieder nach draußen, wenigstens die Brühlschen Terrassen und die Augustusbrücke will ich in den letzten Strahlen der bereits verschwindenden Sonne fotografieren.
Wir laufen die breite Treppe zu dem Terrassenufer hoch … war es hier, wo ich vor über zwanzig Jahren mit ihr ein Kaffee trank? Ein Café gibt es auch hier nicht mehr. Viele Menschen sehen sich von hier aus den Sonnenuntergang an. Die Elbe schimmert in dem Licht, Dampfer liegen an der Leine, die Brücke verschwimmt in einem dunklen Grau-Braun-Ton.
Wir wollen weiter, die kleine Parkanlage, den Studentenkeller suchen, jedenfalls den Eingang dazu. Sie kennt den Klub, ich kenne nur den Blick von oben hinein, der „Bärenzwinger“ ist jetzt überdacht. Ihr Orientierungssinn schwindet, sie meint, sie ist hier damals mal über eine Brücke Richtung Dresdner Neustadt gelaufen. Hier ist keine Brücke. Ich suche schon die ganze Zeit die eingestürzte Brücke, um davon Fotos zu machen … wir standen fast davor.
Weiter Richtung Frauenkirche, als wir die wieder neu aufgebaute Kirche erreichen, ist es fast schon zu dunkel, um davon Fotos zu machen. Ich erhasche nur ein Foto von der Elbseite aus. Sie kennt diese Kirche nicht, für sie war es nur ein Ruinenhaufen, an dem sie immer vorbeigelaufen ist. Ich kenne die Frauenkirche als eine Bauplane rund um einen Bauzaun, weit abgeschirmt auf einer großen Wiese – und sieben Jahre später, 2005 – als so wie sie jetzt da steht – nur mitten im Nirgendwo.
Auch mir fehlt die Orientierung, die Frauenkirche steht jetzt umringt von Gebäuden in der Dresdner „Altstadt“.
„Das war hier alles mal grünes Gras und Erde!“
Wir sind an der Frauenkirche vorbei und betreten den gepflasterten Platz davor, voller Touristen und Besucher, umrundet von Gebäuden, Restaurants, Geschäften, vielleicht noch ein weiteres Hotel, manches Gebäude auf alt getrimmt, andere wieder so hässlich unpassend modern, aber weiter weg. Wo ist der Bauzaun von damals? Die unendlich weite Baugrube und die lose Erde und das Gras, die bizarr in der Ödnis stehende, im hellen Sandstein leuchtende, Frauenkirche? So vieles hat sich verändert, wir kommen hier nicht klar.

Es ist kurz vor achtzehn Uhr, ich weiß nicht, wer von uns beiden die Idee hatte, aber wir betreten die Kirche auch von innen. Sie ist gut gefüllt, viele Menschen sitzen auf den Bänken. Sie sieht im inneren gar nicht mal so schlecht aus. Die Menschen werden hineingeschleust, dort ist der Ausgang, hier die Bänke, bitte nur hier hinten Fotos machen, keinen Blitz. Ich dränge wieder, zu gehen. Meine Fotos habe ich schon gemacht, ich will auf keinen Fall hier noch sein, wenn der Gottesdienst anfängt. So schön Kirchen auch sind, ich liebe nur die morbide Ästhetik der Jahrhunderte, von dem religiösen Zweck will ich nichts mitbekommen.
Wieder draußen, lautes Glockengeläut.
„Wo willst du jetzt essen gehen?“
Ich bin überfordert, ich will hier nur weg, viele Menschen, viel Lärm: „Entscheide du.“
Eigentlich wollte ich Pizza essen gehen. Wir hatten da die letzten beiden Abende schon einige Pizzerien gesehen. Dafür müssen wir wieder zurück Richtung Hotel und Prager Straße. Das eine ungarische Restaurant, das sie noch von damals kennt, gehört jetzt einer italienischen Kette. Zu viele Menschen und ich mag die riesengroß ausgewalzten Pizzas da jetzt im Moment nicht. Es ist Sonnabend Abend und es wird schwer, noch ein freies Restaurant zu finden.
Zurück am Altmarkt fällt uns eine weitere italienische Pizzerien-Kette auf, die kenne ich noch nicht. Wir probieren es da. Die Warteschlange ist kurz, draußen stehen nur ein paar wartende Gäste, wartend auf einen freien Tisch. Wir wollen nur eine Pizza essen, wenn wir das in einer dreiviertel Stunde schaffen, hat er einen Tisch für uns zwei.
Die Leute in dem Restaurant weisen uns den Weg zu einem Tisch in der oberen Etage, netterweise der letzte Tisch ganz hinten. Das Restaurant ist voll, es ist laut und es sind sehr viele Menschen da. Ich bestelle eine vegetarische Pizza – mit Büffelmozarella. Sie hätten hier auch eine kleine Weinkarte und einen sündhaft teuren sizilianischen Wein, nur die große Flasche und ich trinke allerhöchstens alle paar Jahre nur „zweifingerbreit“. Keinen Nachtisch, wir sind nach der Pizza wieder draußen.
Wieder zurück in das Hotel, es gibt keine Bar in der Prager Straße, außer vielleicht die Hotelbar. Alle angesagten Bars sind in der Neustadt, da war ich noch nie. Ich hätte gedacht, ich könnte hier in Dresden ausgehen – ich weiß, dass da jetzt den Abend, weit draußen, noch ferner als die Neustadt, da irgendwo ein Konzert ist, eine Band aus dem Gothic- und Wave-Umfeld, ich habe sogar ein Album von denen. Der Club oder Konzertsaal, ich war da schon einmal vor ein paar Jahren, mit dem Auto bin ich von draußen nach Dresden reingefahren, jetzt vom Hotelzimmer aus, müsste ich die Straßenbahn nehmen, zurück auch. Meine Begleitung möchte nicht, dass ich da jetzt um Mitternacht herumlaufe, das war schon damals die schlimmste Gegend. Wer weiß, wie das jetzt ist. Die jungen Skinheads, die uns hier die letzten Tage in der Innenstadt begegnet sind – ich hätte sie ja freundlich begrüßt: Ach, komm schon! Ich hab' meine Stahlkappenstiefel auch zu Hause rumliegen. Aber die wären vielleicht nicht so nett mir gegenüber … so als „Transe“. Da bleibe ich doch lieber im Hotelzimmer. Wenig später, ich schlafe kurz vor Mitternacht vor dem Fernseher ein.
Kommentar:
[05.12.22 / 17:34] Daniele1992: Hallo Morgana
Mail ist heute rausgegangen
LG Daniele
[13.11.22 / 09:33] Daniele1992: Hallo Morgana
aktuell keine schöne Situation. Ich schreibe Dir noch eine Mail dazu.
LG Daniele
[13.05.22 / 09:15] Daniele1992: Hallo Morgana,
Tolle Reisebericht von Deiner neusten Reise nach Paris. Macht grosse Lust auch wieder dort hinzufahren um sich von der Stadt inspirieren zu lassen.
Tolle Neuigkeiten.NeuerJob. Klasse! Freue mich für Dich.
Liebe Grüße
Daniele
[24.12.21 / 20:55] Daniele1992: Hallo Morgana,
Ich denke an Dich und wünsche Dir frohe Weihnachten und ein schönes neues Jahr 2022.
Liebe Grüße
Daniele
[25.09.21 / 14:59] Daniele1992: Hallo,
eine Chance etwas Neues zu machen. Neue Perspektiven. Urlaubsträume, die bald real werden können. Nicht so schlecht. Freue mich für Dich. LG Daniele.
[11.11.20 / 09:12] Daniele1992: Hallo Morgana
Ich habe Dir eine Mail geschickt.
Lg
Daniele
[30.07.20 / 22:03] Daniele1992: Guten Abend
das habe ich sehr gerne gemacht. Zum Einen interessiert mich das Thema und zum Anderen hast Du wirklich sehr lebendig und spannend geschrieben. Da wollte ich Alles lesen und wollte Dir schreiben, das mir Dein Blog besonders gut gefallen hat (Die eigentliche Arbeit hattest Du ja mit dem Verfassen des Blogs). Wenn Du magst können wir den Kontakt gerne per Mail halten. Viele Grüße Daniele
[30.07.20 / 12:44] Daniele1992: Guten Morgen,
vielen Dank für Deinen tollen Blog. Ich habe ihn in den letzten Wochen komplett gelesen. Meistens konnte ich gar nicht aufhören zu lesen. Fast wie bei einem sehr spannenden Roman. Ich habe dabei Deine genauen Beobachtungen und Beschreibungen sehr genossen. Deine vielen Ausflüge in die Clubs und zu den Festivals oder Deine Streifzüge d durch die Geschäfte beschreibst Du immer aus Deiner Sicht sehr anschaulich und spannend. Ich kann das sehr gut nachvollziehen, das alleine zu erleben, häufig auch mit einer gewissen Distanz. Ich kenne ich von mir sehr gut. Highlights sind Deine Reiseberichte. Deine Erlebnisse an den unterschiedlichsten Orten auf der Welt. Vielen Dank dafür. Vielen Dank auch das Du Deinen Weg zu Deinem waren Geschlecht mit uns Lesern teilst. Deinen Weg Deine Gefühle Deine zeitweisen Zweifel. Das ist sehr wertvoll auch für uns Andere, denn es ist authentisch und sehr selten. Du bist einem dadurch sehr vertraut geworden. Für mich ist eine gefühlte grosse Nähe dadurch entstanden. Umso mehr schmerzt es mich von Deinen Rückschlägen zu lesen. Von Deinem Kampf zu Deinem wahren Ich. Von Deinem Kampf umd Liebe, Zährlichkeit und Akzepzanz und Anerkenung. Von Deiem mitunter verzweifeltem Kampf nach Liebe und Anerkennung durch Deinen Exfreund. Leider vergeblich. Dein Kampf um wirtschaftliche Unabhängigkeit und Deine aktuell missliche Lage. Ich glaube dass Du nicht gescheitert bist. Du hast viel Mumm und Hardnäckigkeit bewiesen Deinen Gang zu Dir selbst zu gehen. Du hast auch einen guten Beruf der immer noch sehr gefragt ist. Vielleicht kann ja nach dieser Auszeit und etwas Abstand ein Neuanfang in einer anderen Firma, wo Du keine Vergangenheit als Mann hattest gelingen. Ich wünsche das Dir ein Neuanfang gelingt und drücke Dir ganz fest die Daumen. Daniele
[05.10.19 / 17:11] Drea Doria: Meine liebe Morgana,
bin 5 T post all-in-one-FzF-OP. Deine guten Wünsche haben geholfen. Der Koch ist immernoch noch super. Alle hier sind herzlich und nehmen sich Zeit.
Herzlich
Drea
[14.06.19 / 12:57] Drea Doria: Meine liebe Morgana,
vielen Dank für Deine offenen und kritischen Erlebnisberichte. Ich bin in 3 Monaten in Sanssouci zur FzF-OP. Ich denke auch, was kann schon schief gehen, status quo geht nicht und irgendwas besseres wird wohl resultieren. Wenn es Dich interessiert, halte ich Dich informiert. Drücke mir die Daumen.
Herzlich
Drea
[14.11.17 / 20:13] Morgana LaGoth: Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion: Die Seitenbetreiberin behält sich das Recht vor, jeden Kommentar, dessen Inhalt rassistisch, sexistisch, homophob, transphob, ausländerfeindlich oder sonstwie gegen eine Minderheit beleidigend und diskriminierend ist, zu zensieren, zu kürzen, zu löschen oder gar nicht erst freizuschalten. Werbung und Spam (sofern die Seitenbetreiberin dafür nicht empfänglich ist) wird nicht toleriert. Personenbezogene Daten (Anschrift, Telefonnummer) werden vor der Veröffentlichung unkenntlich gemacht.
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