morgana81 - gothic transgender
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Meinen neuen Helm Probe fahren … Mist, jetzt hatte ich so einen schönen, ungespeicherten Text geschrieben und dann ist mir der GNOME-Display-Manager eingefroren (es gibt Momente, da ist Linux kacke).

[06.04.26 / 22:35] Meinen neuen Helm Probe fahren … Mist, jetzt hatte ich so einen schönen, ungespeicherten Text geschrieben und dann ist mir der GNOME-Display-Manager eingefroren (es gibt Momente, da ist Linux kacke). Also noch einmal das Ganze, in Kurzfassung:

Fahrgeräusche und das Gewicht – Zuerst, der HJC F100 Carbon ist federleicht, die paar Gramm mehr zu meinem alten Jethelm, spüre ich gar nicht. Von den Windgeräuschen her, ist es fast wie bei meinem alten, offenen Helm, es kann aber auch sein, dass ich über die Winterpause vergessen habe, wie laut der wirklich war. Durch die Extra-Dämpfung unten, höre ich mein Motorrad kaum noch, das ist ungewohnt. Wie der neue Helm im Wind liegt und mein Kopf während der Fahrt bewegt, kann ich noch nicht beurteilen, ich bin an einem böigen Ostermontag losgefahren … mein Hals war jedenfalls nicht verkrampft.

Das Blickfeld und das Visier – Die Panoramascheibe ist schön, nicht ganz so ungewohnt, wie von meinem alten Jethelm, nur sehe ich meinen Tacho auf dem Tank nicht mehr. Entweder während der Fahrt den Kopf nach unten nicken oder mit dem Verkehr und dem Tempo mitschwimmen. Die neue Sonnenblende ist praktisch – weil ich erst spät den Nachmittag losfahren konnte, der Einbau meiner neuen Lithium-Batterie in der Garage hat alles verzögert – konnte ich die Sonnenblende gegen die schon tiefstehende Sonne testen, der schmale, helle Spalt unten für die Straße stört nicht, die Blende ist einfach zu bedienen mit dem Handschuh. Das große Visier selbst, an der Ampel ein Spalt offen, während der Fahrt nach unten, es pfeift, ich muss mit einem zweiten Handgriff noch einmal auf beiden Seiten nachgreifen, damit es wirklich schließt, vielleicht nur etwas Eingewöhnung für den Anfang … und sollte durch den winzigen Spalt wirklich einmal Regen reinkommen, bin ich den falschen Tag losgefahren.

Der Kinnbügel des neuen Flip-Back-Klapphelms – Ich wollte so einen Helm mit extra Sicherheit und damit mir der Umstieg von meinem, schon fast neunzehn Jahre alten Jethelm nicht so schwer fällt. Einfach zu bedienen, einfach nach hinten schwingen, das mit dem Arretieren brauche ich gar nicht. Bequem im zurückgeklappten Zustand beim Aufsetzen (mit Brille), zugeklappt beim Fahren nur ein schmaler, dunkler Streifen ganz unten im Blickfeld, ungewohnt für mich, da ich nie einen Integralhelm gefahren bin. Rechts und links sehe ich gefühlt etwas weniger, für meinen schon seit vielen Jahren wieder antrainierten Schulterblick muss ich meinen Kopf bewusst weiter zur Seite drehen.

Kurven üben, meine erste Runde auf meiner „Erste-Saisonfahrt-Heimstrecke“, rechts für die Linkskurve, links für die Rechtskurve. Die schöne Strecke, von der Hauseinfahrt einfach geradeaus und dann links auf die alte Straße nach Gardelegen …

[05.04.26 / 19:17] Sonntag, Hotel-Check-out noch vor elf Uhr. Wieder das Frühstück unten, der undefinierbare Fruchtsalat – es könnte Kiwi gewesen sein, vielleicht aromatisieren sie ihren Fruchtsalat auch mit Petersilie. Es schmeckt ungewohnt, aber ich esse ihn schon den dritten Tag. Ein Frühstücksei, heute ist Sonntag, ich muss vor den ausländischen Hotelgästen mein Klischee erfüllen.

Im Zimmer oben, alles in meine kleine Sporttasche. Ich lasse keine meiner Pfandflaschen zurück, die kommen in meine neue, große Jute-Tasche. Interessant, wie ich später dann, fast als Flaschensammler im Abteil der Ersten Klasse im Zug sitze, von irgendwas muss das Geld ja hergekommen sein. Sparen, jeder Cent ist wichtig, weiter sparen, Luxusklamotten runtergesetzt in Ramsch-Läden kaufen.

Die Schlüsselkarte vom Hotelzimmer landet unten am Ausgang in der Box. Den Weg wieder zurück zum Dresdner Hauptbahnhof.

Der Intercity fährt verspätet los und kommt verspätet an, das betrifft uns nicht, wir steigen nicht um.

Die Landschaft rauscht an mir vorbei … eigentlich hätten wir jetzt in Malaysia sein sollen, oder in Singapur, das wäre die Idee von vor ein paar Monaten gewesen. Für Ende des Jahres steht Thailand als nächste Idee auf der Liste, und wenn es das nicht wird, dann Italien, sehr gerne auch mit dem Zug … ich kann stundenlang die Landschaft an mir vorbeirauschen sehen.

[05.04.26 / 19:12] Der Sonnabend dieses März-Wochenendes in Dresden, wieder unten im Frühstücksraum des Hotels, wieder das Croissant, zwei Brötchen mit Marmelade, der schrecklich schmeckende Kaffee und dieser unerklärbar schmeckende Fruchtsalat … es müssen diese grünen Dinger sein, das sind keine Weintrauben, das ist Melone? Melone und Gurke sind Beeren und miteinander verwandt.

Diesen Tag gehen wir in die Altstadt, bis runter zur Elbe und schauen uns Dresden an! Wie Touristen! Wir stehen früh auf, wir haben ein Zeitticket für das Grüne Gewölbe und das neu aufgebaute Dresdner Residenzschloss gebucht. Die anderthalb Stunden bis zum Einlass um elf Uhr, wollen wir uns, bei schönstem Sonnenschein, die Altstadt angucken, bevor die Touristenströme anrauschen.

Wir überqueren die große Hauptstraße, die die Einkaufsstraße und den Altmarkt von der historischen Altstadt trennen. Die Sonne scheint, aber es ist kalt. Meine Fleece-Jacke trage ich noch unter meinem Mantel und über der Tunika, den langen, schwarzen Kaschmirschal schon das ganze Wochenende. Meine kleine Luxushandtasche und meine Sonnenbrille, eine Wolke an orientalischen Parfüm hinter mir herziehend. Sie kennt den Weg, ich habe einen kleinen Papierfaltplan von der Hotelrezeption mit in einer meiner Manteltaschen. Ein Hof nahe des Schlosses, wir suchen den Eingang zu dem Gewölbe und den Museen. Das Grüne Gewölbe selbst, war früher mal woanders, überall in Dresden wird gebaut, hier an dem Schloss immer noch. Der kleine Innenhof ist neu, ein paar Schautafeln zeigen, wie hier alles mal zerbombt wurde, sie kennt nur die Ruinen, an denen sie Jahrzehnte danach noch vorbeigegangen ist, für mich ist die Ecke hier neu, ich war hier noch nie.

Ein paar Arkaden, ein paar Tierplastiken hoch oben an den Wänden, das ist hier irgendwie so eine Art Jagd- oder Stallhof, das Schloss muss hier in der Nähe sein, noch etwas mehr als eine Stunde bis zum Einlass.

Weiter um die Ecke, ich kann die alte Brücke über die Elbe sehen, wir sind an der Semperoper. Ein Foto machen, wie Touristen das so tun … die Menschen darauf werde ich wegretuschieren, das Baugerüst an der Oper verdecke ich elegant mit dieser großen Reiterstatue davor. Nur von dem Italienischen Dörfchen mache ich kein Foto … nachdem die eine Brücke ein paar hundert Meter oder Kilometer weiter, eingestürzt ist, verlegen die von der Stadt die Fernheizungsrohre (oder was auch immer das ist) über die angrenzende, historische Brücke neben der Semperoper. Schwarze Rohre, ein Bauzaun und ein riesiges Plakat, das andeutet, dass alles nur ein „Provisorium“ ist, verdecken den schönen Blick auf das Gebäude mit dem klangvollen Titel. Ich muss mit der Italienerin hier mal Essen gegangen sein, weder die Italienerin, noch das Café da, gibt es noch … aber vielleicht war das alles auch vollkommen woanders und sie hat nie existiert, nur in meiner Phantasie.

Weiter zu dem Zwinger, meine Begleitung kennt da eine Stelle, bei der sie zu ihren Studentenzeiten Ende der 1970er immer war: ein geheimnisvoller und versteckter Brunnen oder Fontäne gleich neben dem Zwinger! Ich bin neugierig, auf Klassenfahrt 1998 habe ich es nur bis zum Zwingereingang geschafft.

Der Brunnen ist wirklich nur direkt daneben, versteckt, eine Treppe hinauf, eine Treppe nach unten, ich hoffe schon auf ein paar „Instagram“ Fotos, um dieses Kleinod der Welt zugänglich zu machen … Minuten später schon die erste russische Touristin. Wir waren kurz allein. Es sieht ein bisschen aus, wie der eine Brunnen in Rom, nur fließt hier kein Wasser, das Becken ist leer, in ihrer Vorstellung war das alles mal viel verwilderter und grüner. Weiter über zwei Glastüren zum angrenzenden Innenhof des Dresdner Zwinger.

Wir sind schockiert! Ich kann mich kaum noch halten. Immer wieder zeige ich auf dieses schreckliche Etwas und schimpfe laut … der eine Tourist vor mir geht schon ein paar Schritte aus meinem Blickfeld. Direkt neben dem Zwinger ist der hässlichste Betonklotz hingestellt worden, den ich auf dieser Reise je gesehen habe! Wie konntet ihr nur! Diese Bausünde! Das ist ja so, als würde man ein Hochhaus direkt neben dem Eiffelturm stellen! So haben wir das nicht in Erinnerung. Wir sind erschüttert. Das sah hier mal so schön aus, das historische Ensemble, das Elbflorenz, nicht mal die Bomben aus dem Krieg konnten das zerstören. Und jetzt steht da drüben gleich hinter dem Zwinger ein weiteres, grau-modernes Hotel … oder was auch immer das ist.

Weiter weg, von dem Fleck der Schande, zurück zum Residenzschloss, wir finden endlich den Eingang, wir waren vor gut einer Stunde schon daran vorbeigelaufen, nur ist jetzt das große Tor zum Kleinen Schlosshof geöffnet.

Ein großes Glasdach überdeckt den Innenhof, am Eingang zu den Museen und der Kasse stehen schon einige Besucher. Ich dränge, ich will eines der Schließfächer in Beschlag nehmen, bevor die Touristenmassen kommen, meine Begleitung strahlt eher die Ruhe aus. Fotos vom Großen Schlosshof machen, den mit dem Hausmannsturm, auch hier wird überall gebaut, auf den Bauzäunen draußen die großen schwarz-weiß Fotos und wie das hier alles mal nach dem Krieg ausgesehen hat – und vierzig weitere Jahre unverändert.

Unser Zeitfenster für das Historische Grüne Gewölbe beginnt um elf Uhr und ein paar Minuten. Sie holt das Online-Ticket auf dem Smartphone aus der Tasche, ich sichere für mich eines der bedenklich weniger werdenden Schließfächer am Eingang neben der Garderobe, für meinen Mantel und meine Handtasche. In das Grüne Gewölbe mit den vielen Juwelen, darf nichts hinein genommen werden, die sind hier etwas nervös nach dem großen Einbruch. Eine Sicherheitsschleuse mit zwei dicken Glastüren ebnet uns den Weg hinein in die Schatzkammer.

Am Stand für die Tour-Guides entscheide ich mich für das Sprachmodul in „Sächsisch“, welches mir von der Museumsmitarbeiterin empfohlen wird.

„Sächsisch für Anfänger oder Deutsch?“

Ich zögere: „Sächsisch“, in meinem breitesten Drei-Länder-Eck-Dialekt, Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Je mehr ich in dieser Region bin, desto mehr kommt mein Geburtsdialekt wieder durch.

Sie nimmt die deutsche Sprachbegleitung und kommt viel schneller durch die Ausstellung, ich halte mein Sprachmodul ans Ohr und der Erzähler im breitesten Sächsisch erklärt mir die opulent ausgestatteten und liebevoll wiederhergestellten Schlossräume und die vielen funkelnden, nein, funzelnden Juwelen darin. Räume voller Porzellan, Elfenbein, Gold und Silber und Diamanten … nicht ganz so viele Diamanten und Brillanten, ein paar Dinge bleiben nach dem großen Einbruch wahrscheinlich für immer verschwunden, vielleicht existieren sie schon gar nicht mehr.

Ich brauche für das Historische Grüne Gewölbe viel länger, als ich gedacht habe, ich dachte, das wäre nur so eine kleine Sammlung. All dieser Prunk, der sächsische König muss unfassbar reich gewesen sein, ich dagegen stehe neben den Vitrinen und blicke auf meinen Armreif an meinem Handgelenk, Silber beschichtet, mit magnetischen Stahlkern und paar glitzernden Zirkonen drauf.

Es ist Mittag, fast schon dreizehn Uhr, eine Pause, eine Flasche Wasser im Museums-Café – und wir haben mal gerade erst das Erdgeschoss geschafft. Vor uns liegen noch drei weitere Etagen, mit noch mehr Prunk und Vitrinen und Ausstellungsstücken. Ich habe diesen Museumsbesuch unterschätzt, meine Begleitung vergleicht das Residenzschloss schon mit dem Louvre in Paris – aber der ist wirklich noch viel, viel größer.

Weiter in die erste Etage des Schlosses, jetzt ohne die Sprachführung – das Modul habe ich unten am Ausgang des Historischen Grünen Gewölbes schon abgegeben, mit der kleinen Anmerkung, es fehlt der Knopf um das Sächsische in anderthalbfacher oder doppelter Geschwindigkeit abzuspielen.

In der ersten Etage befindet sich das Neue Grüne Gewölbe, die Ausstellung mit den Miniaturen. Ich will den „Großmogul“ sehen! Bis vor zwei Tagen habe ich noch gar nichts von seiner Existenz gewusst, meine Begleitung kennt das alles schon, im Hotelfernseher lief eine Sendung über Dresden, in der auch dieses kleine Miniaturpanorama zu sehen war. Ich sehe die Vitrine und laufe direkt darauf zu. Es ist witzig, wie sich die Leute das damals alles so gedacht haben, einige der kleinen Figuren sehen chinesisch aus, einige indisch, der ganze Kasten asiatisch, die Szene irgendwie … phantastisch. Noch mehr merkwürdige Dinge und Kuriositäten sind in diesem Teil des Museums ausgestellt, die sagenumwobenen „Kirschkerne“, es galt damals als schick, so ein Kuriositätenkabinett zu besitzen.

Weiter zu der Rüstkammer in dem ersten Geschoss des Schlosses.

„Das kenne ich alles schon.“

Was ich jetzt noch nicht weiß, das geht noch eine Etage weiter, bis hoch in die zweite, den Teil, den ich achtundzwanzig Jahre zuvor auf Klassenfahrt im Zwinger gesehen habe, war nur ein kleiner Teil davon, nur die paar Rüstungen und Gewehre.

Es hört gar nicht mehr auf, ein Zimmer nach dem anderen mit Rüstungen, Säbel, Messer, Gewehren, noch mehr Rüstungen, ganze Pferde in Montur – wir wechseln die Etage – noch viel mehr Säbel und Zelte, alles zusammengeraubt, nachdem die Türken vor Wien abgehauen sind – wie ist das alles nach Dresden gekommen, wer hat das alles gesammelt? Wurde das wirklich hier alles im Schloss gelagert? Meine Begleitung vermutet, das Zeug stammt vom Armeemuseum hier irgendwo am anderen Ende von Dresden und ich denke mir, die sind froh, wenn die den alten Kram hierhin, in das neu wiederhergestellte Stadtschloss, abschieben konnten.

An den Fenstern im Schloss erkenne ich, es muss schon tiefster Nachmittag sein. Draußen scheint die Sonne, Touristenströme ziehen sich durch die Straßen, ich wollte eigentlich auch Dresden draußen fotografieren und wir stecken hier drinnen. Ein langer Gang an Gewehren, auch genannt die Gewehrgalerie in der Zwischenetage.

Die zweite Etage haben wir über den Kleinen Ballsaal betreten, ich scherze, das ist ja nur der „kleine“ Ballsaal. Nachdem wir die Münzkammer, den Riesensaal und die zweite Hälfte der Rüstkammer und der „Türckischen Cammer“ hinter uns gelassen haben, betreten wir die Paraderäume des Schlosses, luxuriös gestaltete Zimmer, die nie benutzt wurden. Nur zum Angeben. Ich bewundere die Arbeit der Restauratoren, die das alles wiederhergestellt haben, das Schloss wurde komplett ausgebombt, erhaltene Möbel gab es dann nicht mehr.

Weitere Ausstellungsstücke, große Portraits der ehemaligen Besitzer, die Garderobe des Dicken – und irgendwo in einer Ecke, ein kleines Eckzimmer, eine Vitrine mit Napoléons Stiefeln. Ich kann nicht anders, ich stelle mich daneben und blicke auf meine eigenen, hohen Lederstiefel, die ich gerade anhabe:

„Passt!“

Könnte von der Schuhgröße hinkommen … 40/41.

Wieder draußen, wir sind da jetzt so viel umhergelaufen, ich kann schon gar nicht mehr sehen, so viele Miniaturdinge, die ich mir betrachtet habe, die dritte Etage schaffen wir nicht mehr, die mit dem Kupferstich-Kabinett und irgendwo soll noch so ein asiatisches Bild von siebzehnhundertnochwas ausgestellt sein. Vielleicht das nächste Mal. Dann müssen wir auch die Gemäldegalerie ansehen, und Pillnitz, und eine Schifffahrt auf der Elbe, alles wie 1998.

Vor dem Ausgang vom Schloss, wir kommen nicht weit, das eine Café gegenüber empfängt alle Museumsbesucher. Es ist ein Schokoladencafé, mit angeschlossenem Schokoladenmuseum. Ich suche den Schokoladenkuchen, aber bestelle wieder nur eine Eierschecke – die dritte. Sie wird mir wenig später mit den beiden Tassen Cappuccino an unseren kleinen Tisch gebracht. Dieses mal ist sie authentisch, original, ohne Vanille-Aroma, der Eischnee und die gelbe Schecke in sehr weicher und cremiger Konsistenz, ganz oben die Decke leicht bestreut mit Zucker. Ich bin zufrieden. Im angrenzenden Schokoladenverkauf finden wir noch etwas zu Ostern. Ich finde die Idee mit der kleinen Eierverpackung ganz nett, in der die kleinen Schokoladeneier liegen – aber wenn für jedes, bestimmt exquisite, Osterei so ein Euro verlangt wird und in diese Schachtel achtzehn passen … das können wir uns nicht mehr leisten, das muss dann der kleine Beutel sein mit halb so viel Schokolade. Die ausländischen Touristen sind entzückt und packen die Pappschachtel voll.

Wieder raus zu dem Platz mit der Semperoper, zwischen Schloss und Oper liegt noch die Schlosskirche, hier war ich noch nie, ich kann mich nicht daran erinnern, die zwischen der Oper und diesem bekannten Wandgemälde an der Schlossmauer, gesehen zu haben. Meine Begleitung muss hier auch schon mal drin gewesen sein, wir gehen hinein, es ist kurz nach siebzehn Uhr und im Gegensatz zu heute Morgen, wo ich schon für ein mögliches Stadt-Foto auf der Eingangstreppe stand, ist sie jetzt offen.

Schlosskirche, Dresden

Innen drinnen mache ich Fotos, die Szene ist einfach zu hübsch, Nebelschwaden an Weihrauch umhüllen einen Seitenaltar, die Lichtstrahlen der beginnend untergehenden Sonne zeichnen sich darin.

„Gruftige Bilder machen …“, wiederholt murmele ich mein Mantra.

Die Kirche selbst, auch hier wurde vieles nach dem Krieg wiederhergestellt, wer weiß, wie das davor ausgesehen hat, schwarz-weiß Bilder sind eben nicht bunt. Irgendwo soll noch die Gruft sein, in der der sächsische Regent begraben liegt, zwischen Kirche und Schloss verläuft ihr Privatweg. Wir bleiben nur eine Viertelstunde, ich dränge wieder nach draußen, wenigstens die Brühlschen Terrassen und die Augustusbrücke will ich in den letzten Strahlen der bereits verschwindenden Sonne fotografieren.

Wir laufen die breite Treppe zu dem Terrassenufer hoch … war es hier, wo ich vor über zwanzig Jahren mit ihr ein Kaffee trank? Ein Café gibt es auch hier nicht mehr. Viele Menschen sehen sich von hier aus den Sonnenuntergang an. Die Elbe schimmert in dem Licht, Dampfer liegen an der Leine, die Brücke verschwimmt in einem dunklen Grau-Braun-Ton.

Wir wollen weiter, die kleine Parkanlage, den Studentenkeller suchen, jedenfalls den Eingang dazu. Sie kennt den Klub, ich kenne nur den Blick von oben hinein, der „Bärenzwinger“ ist jetzt überdacht. Ihr Orientierungssinn schwindet, sie meint, sie ist hier damals mal über eine Brücke Richtung Dresdner Neustadt gelaufen. Hier ist keine Brücke. Ich suche schon die ganze Zeit die eingestürzte Brücke, um davon Fotos zu machen … wir standen fast davor.

Weiter Richtung Frauenkirche, als wir die wieder neu aufgebaute Kirche erreichen, ist es fast schon zu dunkel, um davon Fotos zu machen. Ich erhasche nur ein Foto von der Elbseite aus. Sie kennt diese Kirche nicht, für sie war es nur ein Ruinenhaufen, an dem sie immer vorbeigelaufen ist. Ich kenne die Frauenkirche als eine Bauplane rund um einen Bauzaun, weit abgeschirmt auf einer großen Wiese – und sieben Jahre später, 2005 – als so wie sie jetzt da steht – nur mitten im Nirgendwo.

Auch mir fehlt die Orientierung, die Frauenkirche steht jetzt umringt von Gebäuden in der Dresdner „Altstadt“.

„Das war hier alles mal grünes Gras und Erde!“

Wir sind an der Frauenkirche vorbei und betreten den gepflasterten Platz davor, voller Touristen und Besucher, umrundet von Gebäuden, Restaurants, Geschäften, vielleicht noch ein weiteres Hotel, manches Gebäude auf alt getrimmt, andere wieder so hässlich unpassend modern, aber weiter weg. Wo ist der Bauzaun von damals? Die unendlich weite Baugrube und die lose Erde und das Gras, die bizarr in der Ödnis stehende, im hellen Sandstein leuchtende, Frauenkirche? So vieles hat sich verändert, wir kommen hier nicht klar.

Im Inneren der Dresdner Frauenkirche

Es ist kurz vor achtzehn Uhr, ich weiß nicht, wer von uns beiden die Idee hatte, aber wir betreten die Kirche auch von innen. Sie ist gut gefüllt, viele Menschen sitzen auf den Bänken. Sie sieht im inneren gar nicht mal so schlecht aus. Die Menschen werden hineingeschleust, dort ist der Ausgang, hier die Bänke, bitte nur hier hinten Fotos machen, keinen Blitz. Ich dränge wieder, zu gehen. Meine Fotos habe ich schon gemacht, ich will auf keinen Fall hier noch sein, wenn der Gottesdienst anfängt. So schön Kirchen auch sind, ich liebe nur die morbide Ästhetik der Jahrhunderte, von dem religiösen Zweck will ich nichts mitbekommen.

Wieder draußen, lautes Glockengeläut.

„Wo willst du jetzt essen gehen?“

Ich bin überfordert, ich will hier nur weg, viele Menschen, viel Lärm: „Entscheide du.“

Eigentlich wollte ich Pizza essen gehen. Wir hatten da die letzten beiden Abende schon einige Pizzerien gesehen. Dafür müssen wir wieder zurück Richtung Hotel und Prager Straße. Das eine ungarische Restaurant, das sie noch von damals kennt, gehört jetzt einer italienischen Kette. Zu viele Menschen und ich mag die riesengroß ausgewalzten Pizzas da jetzt im Moment nicht. Es ist Sonnabend Abend und es wird schwer, noch ein freies Restaurant zu finden.

Zurück am Altmarkt fällt uns eine weitere italienische Pizzerien-Kette auf, die kenne ich noch nicht. Wir probieren es da. Die Warteschlange ist kurz, draußen stehen nur ein paar wartende Gäste, wartend auf einen freien Tisch. Wir wollen nur eine Pizza essen, wenn wir das in einer dreiviertel Stunde schaffen, hat er einen Tisch für uns zwei.

Die Leute in dem Restaurant weisen uns den Weg zu einem Tisch in der oberen Etage, netterweise der letzte Tisch ganz hinten. Das Restaurant ist voll, es ist laut und es sind sehr viele Menschen da. Ich bestelle eine vegetarische Pizza – mit Büffelmozarella. Sie hätten hier auch eine kleine Weinkarte und einen sündhaft teuren sizilianischen Wein, nur die große Flasche und ich trinke allerhöchstens alle paar Jahre nur „zweifingerbreit“. Keinen Nachtisch, wir sind nach der Pizza wieder draußen.

Wieder zurück in das Hotel, es gibt keine Bar in der Prager Straße, außer vielleicht die Hotelbar. Alle angesagten Bars sind in der Neustadt, da war ich noch nie. Ich hätte gedacht, ich könnte hier in Dresden ausgehen – ich weiß, dass da jetzt den Abend, weit draußen, noch ferner als die Neustadt, da irgendwo ein Konzert ist, eine Band aus dem Gothic- und Wave-Umfeld, ich habe sogar ein Album von denen. Der Club oder Konzertsaal, ich war da schon einmal vor ein paar Jahren, mit dem Auto bin ich von draußen nach Dresden reingefahren, jetzt vom Hotelzimmer aus, müsste ich die Straßenbahn nehmen, zurück auch. Meine Begleitung möchte nicht, dass ich da jetzt um Mitternacht herumlaufe, das war schon damals die schlimmste Gegend. Wer weiß, wie das jetzt ist. Die jungen Skinheads, die uns hier die letzten Tage in der Innenstadt begegnet sind – ich hätte sie ja freundlich begrüßt: Ach, komm schon! Ich hab' meine Stahlkappenstiefel auch zu Hause rumliegen. Aber die wären vielleicht nicht so nett mir gegenüber … so als „Transe“. Da bleibe ich doch lieber im Hotelzimmer. Wenig später, ich schlafe kurz vor Mitternacht vor dem Fernseher ein.

[05.04.26 / 19:09] Der Freitag, meine Begleitung hat diesen einen Tag und dieses letzte Wochenende im März speziell herausgesucht – dieses Wochenende ist die „Welt-Orchideen-Konferenz 2026“ in Dresden. Irgendwo da draußen, an der Messe.

Frühstück im Hotel, mit dem Fahrstuhl nach ganz unten … einige Hotelbesucher kommen uns schon entgegen, einige tragen Beutel mit dem Ausstellungslogo, einige tragen Messeausweise um ihren Hals. Wir sind keine Konferenzteilnehmer, wir sind hier nur wegen der Ausstellung, sie hauptsächlich wegen dem Verkauf.

Im Frühstücksraum viele ausländische Sprachen, amerikanisches Englisch, vielleicht etwas Italienisch, viel Russisch, die Hotelmitarbeiterin am Frühstücksbuffet setzt uns an einen Tisch mit einem älteren, englischen Pärchen. Ich hoffe, sie erkennen an meinem etwas verzerrten Gesicht, dass das Frühstück hier nicht so schmeckt, wie das in Deutschland vielleicht üblich ist. Die Croissants sind winzig, die Brötchen gehen gerade noch so, der Fruchtsalat mit dem Joghurt schmeckt nach Gurke? Und der dunkel geröstete Espresso aus dem Automaten … na ja. Aber dieser Fruchtsalat – ich muss ihn essen.

Weiter den Vormittag, vom Hotel aus mit der Straßenbahn Richtung Dresdner Messe. Outfit für diesen und dem nächsten Tag: die anthrazitgraue Stretchjeans, die hohen, schwarzen Lederstiefel mit gemäßigten Absatz, der schwarz-graue Kuschelmantel – und darunter meine besch-braun-grün gemusterte, langärmlige Tunika, mit Nietengürtel, in der Jeans, über die Tunika, der schwarze Lederriemen, mit dem ich mir sonst meinen Mantel zubinde.

Die Straßenbahn ist voll, wollt ihr wirklich alle an der Endhaltestelle der Messe aussteigen? Es ist eine große Messe für Heim und Garten, das mit den Orchideen ist nur ein kleiner Teil davon. Wir steigen mit all den anderen aus.

Weiter zum Eingang und den beiden Hallen, die uns interessieren. Die große Orchideen-Schau, die dekorierten Stände, wir hatten schon die Befürchtung, dass die Aussteller aus Übersee nicht kommen könnten – wegen den hohen Kerosin- und Flugticket-Preisen (dämlicher amerikanischer Präsident und sein dämlicher, vollkommen unnötiger Krieg), und einige sind tatsächlich nicht gekommen, aber die Japaner sind da, die aus Taiwan auch, die aus Thailand und ein paar aus Ecuador oder Kolumbien, aus Südamerika.

Viele Orchideen, sie macht von allen Fotos, sie hat ein eigenes, kleines Gewächshaus und eine Excel-Tabelle mit um die hundertfünfzig verschiedenen Exemplaren aus aller Welt – ich habe von Orchideen keine Ahnung, mein Blick geht nach oben, ich will die Orchideen sehen, die in der Dekorationsausstellung hoch oben auf den Ästen drapiert worden sind, so wie ich das in Thailand auf dem „Dschungelpfad“ vom Hotel gesehen habe.

Weiter ab Mittag in der angrenzenden Verkaufshalle mit all den, von mir schon aufgezählten, Händlern von Übersee. In der Ausstellung hatten wir noch Glück, wir waren mit elf Uhr noch früh genug da, jetzt ab Mittag strömen die ganzen grauhaarigen Rentner von der großen Messeausstellung in die angrenzenden Orchideen-Bereiche – schlimmer als Freitag Mittag im Kaufland! Mir fällt auf, die meisten wollen hier eigentlich nur gucken, nur die wenigsten haben kleine Plaste- und Stoffbeutel mit dabei und handeln mit den Händlern.

Zeitweise staut sich alles, es geht vor lauter Rentner weder vor, noch zurück. Ich habe beim Betreten der Verkaufshalle schon ausgekundschaftet, wo die ausländischen Händler sind, ein paar am Eingangsbereich, es wird immer voller, einige weiter weg, dort ist es leerer. Eine große Tafel zeigt den Plan mit den Ständen und wer wo vertreten ist. Viele europäische Händler, ein oder zwei der Namen kenne sogar ich. Mich zieht es zu den Exoten … kaufe ich mir auch eine Orchidee? Fange ich damit an? Bei mir überleben nur Kakteen, alle anderen, grünen Baumarkt-Zimmerpflanzen haben schon längst das Zeitliche gesegnet. Sie hat mehr Erfahrung, sie will hier unbedingt einkaufen, dafür ist sie hier. Sie kennt die verschiedenen Orchideenarten, bestellt sonst auch – von deutschen Händlern – im Internet, sie weiß, dass die Preise hier ziemlich hoch sind. Ich habe, wie gesagt, keine Ahnung, ich will die da, die ist bunt, da steht vierzig oder achtzig Euro auf dem Etikett, Hauptsache sie kommt aus Thailand. Sie verlässt diese Messe mit drei Orchideen im Beutel, mindestens eine aus Südamerika.

Es ist Nachmittag geworden, Mittagsimbiss gab es auf der Messe, jetzt suchen wir wieder ein Café, vielleicht eines gleich am Hauptbahnhof gegenüber, in einem der modernen, neu gebauten Klötze. Eierschecke Nummer zwei … etwas näher dran, an meiner Idealvorstellung, weniger Vanille-Aroma, weniger feste Quark- und Eiermischung.

Weiter zum Einkaufen die Prager Straße entlang, noch ein Outlet, nicht so schön, wie das letzte. Wir müssen in eine der Einkaufspassagen hinein, um endlich ein paar Schuhläden zu finden. Ich finde auch ein Paar, die Lederballerinas sehen schick aus – und könnten auch breit gelatscht werden (meine Hausballerinas aus Stoff sind schon quadratisch), aber über zweihundert Euro? Nicht meine Preisklasse, so viel zahle ich nur für Stiefel.

Weiter in den nächsten Schuhladen, die eine, mehr günstigere Marke, von der auch meine superbequemen Flip-Flop-Pantoletten sind, mit denen ich ganz Thailand abgelatscht bin. Hier wird meine Begleitung endlich fündig und kann ihre Stiefeletten gegen ein paar Sneaker tauschen. Die hätten hier in dem Laden auch ein Paar Ballerinas in „Komfortweite“ für mich, aber die gefallen mir nicht so …

Kirschblüte nahe des Ratskellers, Dresden

Wieder draußen, es wird dunkel, die Abenddämmerung setzt ein. Auch diesen Tag sind wir nicht weiter gekommen, als bis zu dem Altmarkt und die Dresdner Altstadt hinter der Straße, die wir den nächsten Tag überqueren wollen. Meine Begleitung findet den Weg zurück zum Hotel, abseits der neu gebauten Betonklötze, die Wege, die sie früher gegangen ist, DDR-Bauten, eine Kirche, das alte Dresdner Rathaus, den Ratskeller gibt es nicht mehr, die Kirschblüte hat eingesetzt, in einer Seitengasse stehen vier Kirschbäume, ein paar zufällig vorbeikommende, asiatische Touristen, die diese Stelle auch entdeckt haben, sind ganz entzückt.

Wieder zurück im Hotelzimmer, ich sitze auf meinem Einzelbett und surfe auf meinem Smartphone im Internet. Eine Nachricht schockiert mich: nach USA, Großbritannien, fällt jetzt auch Indien – die paar Rechte, die die Transgender-Community da seit 2019 bekommen hat, wurden ihr wieder genommen. Selbst ich würde da nicht mehr als „Transgender“ gelten, vor Diskriminierung sind nur noch „echte“ Hijaras geschützt – und die müssen mindestens als intersexuell geboren werden, dann als Baby entführt und in einer Hijra-Gemeinschaft versklavt werden. Normale trans Frauen und trans Männer nach westlicher Art sind nicht mehr trans, nur noch so Männer oder Frauen, die sich auf eigenen Wunsch untenherum operiert haben.

Die Stunden zurück, die Fahrt mit der Straßenbahn durch Dresden Richtung Messe, vorbei an den alten Klinikgebäuden, hier muss es gewesen sein (oder hier muss es als Filmkulisse verwendet worden sein), hier hat sich vor fast hundert Jahren Lili Elbe operieren lassen. Eine Straße wurde nach ihr benannt, ein Grabstein wurde ihr wieder aufgestellt … umgestürzt und verschandelt von einigen Menschen, die einen mir unerklärbaren Hass auf Menschen, wie mich, haben.

[05.04.26 / 19:04] Ein langes Wochenende in Dresden, das letzte Wochenende im März. Die Idee dazu hatten wir schon letztes Jahr, als wir auf dem Weg nach Prag in Dresden umsteigen mussten. Wir könnten auch mal hier eine Tour hin machen. Ich war hier zuletzt 2005, ein Tagestrip, und 1998 auf Klassenfahrt, sie war hier zuletzt Ende der 1980er, Anfang 1990er und die Zeit Ende der 1970er? Wir fahren mit den Eindrücken von damals in die große Metropole von Sachsen. Abfahrt von unserem Heimatkaff ist kurz nach neun Uhr den Donnerstag Morgen.

Stunden später, die Ankunft mit dem Intercity, Erste Klasse, am Hauptbahnhof Dresden gegen Mittag. Check-in in dem großen Hotelkomplex gleich gegenüber. Gegenüber … es gibt kein Gegenüber mehr! Wir sind schockiert, wir kennen den Dresdner Hauptbahnhof und den Eingang zur Prager Straße noch ganz anders! Überall diese modernen Bauklötze, furchtbar hässlich (und es wird im Laufe dieser Reise noch schlimmer kommen).

Das Hotel ist noch in den alten DDR-Bauten, das war hier mal das „Interhotel“, oder so ähnlich. Unser Zimmer ist ganz oben, im zehnten Geschoss, leider mit der Aussicht zum Bahnhof hin, nicht den Blick zur alten Innenstadt.

Ich habe zu Hause schon herausgesucht, wo wir in Dresden mittags essen können: gleich am Eingang zur Rezeption daneben, befindet sich eine Ramen-Bar, so eine wie auch in Leipzig, es ist eine Kette? Ich war in beiden noch nicht. Ein paar Meter wieder zurück zum ersten Gebäude dieses DDR-Hotelkomplex.

Ramen-Bar, Dresden

Die Bar ist wunderschön dekoriert, mit allerlei japanisches Zeug an den Wänden, auf den Tischen und Möbeln. Am Eingang ist mir schon dieses eine kleine, schmale Brett an der Wand aufgefallen. So authentisch! Ich erzähle meiner Begleitung, wie ich damals in Tokio nur solche Nudel-Bars besucht habe und wie alle Einheimischen Großstadt-Japaner, mich auf einen Hocker an so einem schmalen Brett an die Wand gesetzt habe und meine Ramen-Nudeln aus der Schüssel geschlürft habe. Nur die Bestellkarte mit den großen, bunten Fotos fehlt hier. Wir werden an einen Platz in der oberen Etage geführt. Ich muss mein erstes Foto machen:

„Wo wurde die Aufnahme gedreht, in Deutschland oder in Japan? Finden Sie das Indiz, es gibt nämlich eins!“

Nach der übergroßen Schale mit Nudeln und Algensalat, als Besteck zwei Löffel und eine Gabel, weiter den frühen Donnerstag Nachmittag zum Einkaufen in Dresden. Uns fällt es schwer, uns zu orientieren, überall diese neu gebauten Gebäude. Ich suche die Stelle mit der Bank, an der ich mich 2005 von der einen Italienerin verabschiedet habe, sie war auch auf einen Trip in Dresden, und ich dann zurück zum Hauptbahnhof gelaufen bin. Ich finde die Stelle nicht mehr, die Prager Straße ist jetzt viel enger und die große, freie Fläche zum Hauptbahnhof fehlt komplett.

Wir laufen weiter Richtung Elbe, in die Altstadt wollen wir heute noch nicht. Meine Begleitung erzählt von diesem einen „Schwulen-Café“, das hier irgendwo mal gewesen sein soll. Die Arkaden gibt es noch, aber der Blick auf den Dresdner Altmarkt ist weg, dort gegenüber dem „Café Prag“ steht jetzt auch einer dieser modernen Bausünden mit Geschäften und ähnliches. Daneben unter den Arkaden ist ein modernes Café, das hätte es gewesen sein können. Die trendigen, jungen Leute in dem gut besuchten Café wissen vielleicht nicht, was für ein Etablissement das hier vor vierzig Jahren war, selbst meine Begleitung hat sich hier nie reingetraut. Ich bestelle einen Cappuccino und meine erste „Eierschecke“ … nicht authentisch, viel zu viel Vanille-Aroma, das da gar nicht reingehört, und zu feste Quarkmasse. Es gibt einen Unterschied zwischen Leipziger Eierschecke und Dresdner Eierschecke. Erstere muss mir immer als Referenz herhalten.

Weiter durch die Geschäfte, große Kaufhäuser, Outlets, billige Ramsch-Läden – aber nirgendwo ein vernünftiger Schuhladen! Meine Begleitung verzweifelt schon, ein Paar Schuhe steht auf ihrer Einkaufsliste. Meine Einkaufsliste ist nicht so voll, ich war die Woche zuvor, bei einem Rezepttausch (meine Frauenärztin ist in den Ruhestand gegangen), schon in Magdeburg Einkaufen, das teurere Geschäft, mein Stammladen. Ein schwarzer, kurzer Blazer, von der Marke Miss Lagotte – die haben ein Mode-Label nach mir benannt!

Hier in Dresden, vielleicht, wenn ich etwas sehe, vielleicht ein dünner, olivgrüner Zip-Hoodie, wie der in dem ersten Outdoor-Laden, vielleicht ein schwarzer Hoodie, wie der in dem nächsten Outlet-Geschäft … weder meine Größe, noch gefällt mir das Print-Motiv, ich werde Pfingsten in Leipzig weiter suchen. Meine Begleitung sucht auch die Kleiderständer in den Geschäften ab.

Im Internet habe ich es schon gesehen, vom Bahnhof aus, sind wir schon daran vorbei gelaufen, in Magdeburg gibt es auch so einen, meine Designer-Tunika, die ich mit dabei habe und die nächsten beiden Tage tragen will, ist auch von dieser Outlet-Kette. Meine Begleitung hält das für einen, wie diese alle anderen auch, Ramsch-Läden, ich weiß, wenn ich da nur ein oder zwei Stunden lang suche, ziehe ich irgendein verstecktes, exquisites Stück heraus. Die rumänische Kollegin kauft ihre Designer-Marken hier auch ein. Wir gehen in dieses eine Geschäft, die Damenabteilung ist im Erdgeschoss.

Eng anliegende Kleider und Klamotten, an Garderoben überall, alle Farben, alle Größen. Mein suchender Blick schweift vorbei an Sweater, Strick, Kleider, Unterwäsche, Tops, Jacken und Mäntel, mein Filter ist auf Schwarz und Olivgrün, sonst komme ich hier die nächsten Stunden nicht raus. Ihr Filter ist auf bunt gemusterte Hippie-Kleidung und es würde mir stehen, wenn ich von meinem schwarzen Auswahlfilter wegkomme. Ich ziehe einen schwarzen Wollpullover von der Stange – der ist es! Von der amerikanischen Marke habe ich schon einige Sachen, zuletzt gekauft in New York, oder so. Von zweihundertnochwas runtergesetzt auf sechzig Euro! Ich verschwinde in der Umkleide …

Der Pullover ist gut, er kratzt nicht – und er muss wirklich Wolle sein, er lädt sich elektrostatisch nicht auf. Im Gegensatz zu dem grauen Fleece-Pullover, den ich gerade zu der Stretch-Jeans mit meinen neuen, schwarzen Engineer-Boots trage. Meine Begleitung hat für sich auch schon ein paar bunte Tunikas in die Umkleide getragen. Weiter kurz nach neunzehn Uhr zur Kasse – und mir fällt noch eine große Jute-Tragetasche auf, mit einem japanischen Motiv darauf, eine Winkekatze und ein paar Kanji-Schriftzeichen, die ich nicht entziffern kann. Ich arbeite zwar in einer japanischen Firma, aber alles was an japanischen E-Mails hereinkommt, läuft über einen Übersetzer. Die Tragetasche muss ich haben! Sie rundet meinen Preis an der Kasse auf zu „69,99 Euro“, bezahlt mit der Karte.

Wieder draußen, es ist dunkel geworden. Uns fehlt noch ein Abendessen. Ein Schnellimbiss gegenüber dem Hotelkomplex, zwei halbe Sandwiches … wohin mit den zwei Wasserflaschen? Ach, ich habe ja gerade eine neue Tragetasche über der Schulter von meinem schwarz-grauen Kuschelmantel, wie praktisch!

Zurück ins Hotelzimmer mit dem nächtlichen Ausblick auf andere Hotelhochhäuser, ich versuche noch die japanischen Schriftzeichen auf meiner Tasche zu entziffern … wenigstens nichts „Schmutziges“, laut dem Übersetzungsprogramm auf meinem Smartphone, damit kann ich mich auch vor den japanischen Kollegen blicken lassen.

[30.03.26 / 23:39] Vor etwa fünf Wochen, nicht allzu lange her, Anfang Februar, ist in den Tiefen des Kellers das eine portable 3,5-Zoll-Diskettenlaufwerk wieder aufgetaucht, das das über USB mit meinem alten ThinkPad verbunden werden kann. Endlich, nach unendlich vielen Jahren – ich habe sie nicht weggeworfen – ich kann wieder auf meine alten Disketten zugreifen! Fein ordentlich sortiert in zwei Boxen aus hartem Kunststoff mit durchsichtigen, aufklappbaren und verschließbaren Deckel. Die Disketten aus Mitte bis Ende der neunziger Jahre (noch zu 90% lesbar), die Schulhof-Disketten mit den gecrackten DOS-Spielen, die Backup-Disketten mit bunten PCX-Bildchen und Schulvorträgen, die Disketten mit dem „Kampfvirus“, mit denen ich als junges Script-Girlie das alte Computerkabinett der Schule verseucht habe, die Diskette mit meinem einzigen „Hack“ – ich habe 1998 oder 1999 in WinZip32 die Passwortabfrage gecrackt – mit einem Disassembler und allerlei Anleitungen aus dem Internet, gesammelt auf meiner Diskette, beschriftet mit dem klangvollen Titel: „Hacker-Tutorials“. Ich habe um die Jahrtausendwende ganze Nächte im IRC verbracht …

Ich war doch mal cool! Was ist aus mir geworden, wie konnte es nur so weit kommen? Geknechtet zwischen den großen Konzernen, Meta, Amazon, Google und Microsoft. OK … bei dem letztgenannten bin ich raus und schon vor fast zwanzig Jahren nach und nach auf Linux umgestiegen, aber die anderen, verruchten Datensammel-Konzerne? Aus den USA, was jetzt als besonders böse, wenn nicht sogar als feindlich betrachtet wird? Ich will wieder an meine Ideale und Träume anknüpfen, ich will nicht aus dem Internet verschwinden, ich will mich darin nur auf andere Art und Weise bewegen!

Seit einiger Zeit überlege ich, mit meinem Server dem Fediverse beizutreten, bekanntester Vertreter darin ist Mastodon … Funktioniert das auf meinem Server? Ist der dafür ausgelegt? Der kleine virtuelle Server, den ich für einen Euro im Monat miete, auf dem alles läuft, mein Mail-Server, der Apache, seit kurzem auch mein Git-Repository. Ich bin drin in der Welt von Open Source, Linux und Co, ich habe den ganzen Kram studiert, ich bin Ingenieurin für Kommunikationstechnik, den ganzen Kram, von Hardware bis zum IP-Protokoll und sowieso alle OSI-Schichten. Ich bin sehr zuversichtlich, ich kriege das hin, ich kriege das auf meinem Debian-Linux-Server zum Laufen.

Die eine freie Woche kurz vor meinem Wochenendtrip nach Dresden (in einem weiteren Blog-Eintrag mehr), ich setze mich die Nächte vor meinem blassgrün schimmernden SSH-Terminal, eingeloggt auf meinem Server, bevor ich irgendetwas installiere, muss ich erst mal die Oldoldstable-LTS-Debian-Version auf eine höhere Nummer aktualisieren. Das geht schnell, mit Vorbereitung, Backup, Package-Listen – nur dass es mir, wie erwartet, danach einige meiner Konfigurationsdateien zerschießt, war ja irgendwie klar … Nicht die Konfigurationsdateien, die das Betriebssystem-Update anmerkt, die anderen Konfigurationsdateien der unterschiedlichsten, laufenden Anwendungen, die nirgendwo in irgendwelchen Release- und Update-Notes dokumentiert wurden, vielleicht höchstens als Randnotiz in irgendwelchen Open-Source-Foren in den Weiten des Internets. Kurz: einige Stellen meiner Mail-Server-Konfiguration waren mit dem Update veraltet und nicht mehr gültig und der Exim-MTA hat dann innerhalb von fünfzig Stunden, bis ich die Stelle herausgefunden habe, über hunderttausend Frozen-Mails zwischen zwei Alias-Adressen sekündlich hin und her getauscht und die Prozessor- und Arbeitsspeicher-Auslastung auf bis zu hundert Prozent getrieben. Mittlerweile läuft alles wieder.

Ich kann mich meiner eigentlichen Aufgabe für meine Urlaubszeit widmen: meinen Server irgendwie in das Fediverse bringen! Recherche im Internet, mit 512 MB RAM und noch 10 GB freien (virtuellen) Festplattenspeicher, traue ich mich an Mastodon nicht heran. GoToSocial springt mir ins Auge, das könnte es sein, schmal, leichtgewichtig, ressourcenschonend, den ganzen Kram mit wie man/frau das als Anwenderin benutzt, ausgelagert auf Apps wie Tusky oder Fedilab – ich will das sowieso nur von meinem Smartphone aus ansteuern – und – GoToSocial ist ziemlich gut und einfach dokumentiert, jeder und jede kann mit ihren Anleitungen auf ihrer Internetseite eine Instanz aufsetzen.

Das Binär-Paket ist schnell installiert, die erklärende Anleitung lässt Raum für eigene Optimierungen, ich installiere den Kram auf anderen Orten im Linux-Dateibaum. Ich habe meine eigenen Server-Zertifikate, ein paar Klicks auf ihren Dokumentationsseiten und ich weiß schon in etwa, wie ich vorgehen muss. Der Apache-Webserver bekommt noch einen weiteren Virtual Host auf der speziell dafür eingerichteten Subdomain, nicht anders, als wie bei dem Git-Repository. Die Konfiguration für den Reverse Proxy läuft auf den beiden Ports 80 und 443 für HTTP und HTTPS, letztere mit Verweisen auf die Zertifikate für die Client-Server-Authentifizierung … Ganze fünf bis sechs Nächte sitze ich daran – aber die extra auf meinem Smartphone installierten Fediverse-Apps wollen sich einfach nicht mit meiner GoToSocial-Instanz verbinden. Sie melden ein „Zertifikatsproblem“, wenigstens tappe ich hier nicht im Dunkeln, wie bei meiner verhauenen Exim-Konfiguration ein paar Nächte zuvor, bei der ich jetzt auch nicht mehr weiß, wie ich das mit „Try and Error“ hinbekommen habe. Die Zeit läuft mir ab, alle Sachen sind schon gepackt, in wenigen Stunden den frühen Vormittag geht mein Zug. Ich muss darauf verzichten, schon in Dresden mit bunten Fotos von meinem Smartphone aus hochgeladen auf mein Fediverse-Social-Media-Profil meinen, noch gar nicht existenten, Followern zu imponieren. Weiter die Nacht, wenn ich wieder zurück bin …

Es war der noch fehlende Eintrag in der Virtual-Host-Konfiguration des Apache für die Zertifikatskette auf dem HTTPS-Port. Das eigentliche Zertifikat besteht nur aus diesem einen Zertifikat und hat keine weiteren öffentlichen Schlüssel für die CA und den Root. Beides als ca.bundle.cer kombiniert und in das SSL-Verzeichnis für den Apache hochgeschoben, den Virtual Host um die Zeile SSLCACertificateFile ergänzt und schon funktioniert das auch mit den beiden Apps Tusky und Fedilab – welche der beiden Apps mir dann besser gefallen, werde ich später noch herausfinden. Ich war auf der richtigen Spur, den Mail-Server kann ich von meinem Smartphone aus erreichen, weil ich das CA-Bundle dort auch als Benutzerzertifikat installiert habe, und weil ich mit dem Firefox-Browser schon die ganze Zeit auf die Eingangsseiten von meiner neuen GoToSocial-Instanz zugreifen kann. Hätte ich die eine Nacht nur noch ein paar Stunden weitergearbeitet – so musste ich meine Status-Bildchen von Dresden noch über WhatsApp an die Familie verteilen.

Jetzt muss ich meine neue Online-Präsenz bekanntmachen, noch folgt mir keiner und ich folge niemanden. Meine Andeutungen, ich werde WhatsApp demnächst verlassen, führt noch zu schockierten Gesichtern. Ich zieh das durch! Es ist nur jetzt da noch sehr einsam. Alle meine Kontakte bleiben, schickt mir eine SMS, schreibt mir eine eMail, Anrufen geht nicht, mein Telefon ist grundsätzlich immer im Flugzeugmodus … ich gehe nur sporadisch den Tag mal online. Ich wünschte, ich könnte es ihnen erklären: dass jeder auf einen Anbieter oder einen Server ein Benutzerkonto hat und dass diese Server in einem weltweiten Netz miteinander verbunden sind und somit jeder mit jedem in Kontakt treten kann, ist eigentlich der Normalfall und nennt sich „Internet“ – dass alle bei einem Monopol-Anbieter gefesselt sind und sich aus Bequemlichkeit und geistigem Verdrängen des Datenmissbrauchs nicht befreien können, ist nichts anderes als „pervers“. Ich drifte ab, ich bin zu tief in der Ideologie – ihr findet mich jetzt hier:

@andrea@social.oscmail.net

Interessanterweise habe ich den Namen „Andrea“ gewählt, weil ich dachte, dass dieser Teil von mir auch mal eine Online-Präsenz verdient hat. Wie war der Spruch: Ich wollte immer so sein, wie meine Idealvorstellung, aber irgendwann ist meine Idealvorstellung von mir zu mir geworden?

[25.02.26 / 18:53] Räum dein Leben auf! Ich entferne gigabyteweise Rohmaterial von meiner Festplatte und den Backups, die Filmchen mit dem pornographischen Inhalt, die ich die letzten Jahre von mir gedreht habe – ich will das Zeug nicht mehr auf meiner Festplatte haben.

Die vier Männer, die je ein Teil meines in vier Teile gesplitteten Erotikfilms auf dieser einen Internetseite für Cam-Girls heruntergeladen haben, müssen sich auf kultischer Weise in der Welt zusammenfinden um das zwanzigminütige Original wiederherzustellen. Ich weiß, das Zeug, das ich irgendwann mal ins Internet gestellt habe, kriege ich da nicht mehr raus.

Das eine „explizite“ Foto und das Fummelfilmchen, das ich selbst auf meinem Internetblog hier irgendwo vergraben habe, existiert auch nicht mehr, weder auf meiner Festplatte, noch in den Backups, noch auf den beiden Servern. Die Besucher auf meiner Internetseite müssen jetzt nicht mehr zwingend achtzehn Jahre oder älter sein.

Warum mache ich das? Abgesehen von dem obskuren Gedanken, hier könnte jederzeit die Polizei hereinplatzen und eine Hausdurchsuchung durchführen (der Flyer, was dann zu tun ist, liegt auf der Kommode), was, wenn ich mal mein digitales Erbe hinterlassen muss? Ich will, dass so etwas nicht mehr zu finden ist … Vielleicht will ich mich auch selbst nicht mehr so sehen.

[17.02.26 / 21:19] Laserbehandlung #5 (Haarentfernung #36) – Drei, vier, vielleicht fünf Stöße … War es das schon? Kommt da noch was? Hat nicht einmal weh getan. „70 Euro“ steht auf dem Kartenterminal danach im Kassenbereich des Haarentfernungsstudios, so viel kostet die Behandlung jedes Mal. Waren da wirklich keine weiteren, dunklen Haare mehr zu finden an meinem Kinn? Der Behandlerin tut das auch irgendwie Leid.

Für den nächsten Termin soll ich mal wieder etwas wachsen lassen – die beiden letzten Wochen, ich war zu Hause krankgeschrieben und brauchte mich eine Woche lang nicht zu rasieren, abgesehen von dem Flaum an farblosen Härchen, wachsen unten am Kinn tatsächlich noch ein, zwei oder drei weiße Haare – sind sie nach einer Woche Wachstum immer noch zu kurz für die in Aussicht gestellte, „sagenumwobene“ Nadelepilation? Wir werden es sehen. Vielleicht der nächste Termin …

[17.02.26 / 21:15] Da das US-Amerikanische Ausland mehr und mehr bedenklich in den Faschismus abdriftet und zunehmend als „feindlich“ betrachtet wird – ich lasse mich von der Bewegung mitreißen, alles wieder auf deutsche und europäische Server zurückzuholen: Ich kündige mein GitHub Konto (und das von Microsoft gleich mit dazu) und ziehe mit meinen Repositories auf meinen eigenen, in Deutschland für einen Euro monatlich, gehosteten Server. Meine beiden Software-Projekte sind jetzt auf git.oscmail.net zu finden. Diese wunderschöne, mit viel Liebe programmierte Blog-Software und mein experimenteller Webmail-Client mit der Retro-Oberfläche, die damals noch nicht „retro“ war, sondern nur ein bisschen altmodisch, so Mitte der Zweitausender.

[03.02.26 / 00:48] Nummer drei der schlaflosen Konzertnächte, die ich ohne Hotelübernachtung in Leipzig verbringen will, nach den beiden im Westen der Stadt und in Plagwitz Ende Dezember, jetzt die eine in Connewitz, ein Monat später, das letzte Wochenende im Januar. Das „besetzte“ Haus, ich weiß nicht, ob es wirklich irgendwann einmal besetzt war, es sieht auf jeden Fall so aus, der Gebäudekomplex im Süden von Leipzig, das mit den vielen Graffiti und Plakaten, über mindestens drei, vier oder fünf Etagen. Es ist wieder das kleine Festival für eine Nacht mit der Bandbreite der Musik und den Bands von Post-Punk, über Wave, Minimal und tiefste Underground-Elektronik, einen kleinen Flyer habe ich nur im Internet entdecken können, für die Papierflyer fehlt mir die örtliche Nähe. Wieder mit der Bahn hin, je drei Stunden Zugfahrt, den Nachmittag und den frühen Sonntagmorgen. Die Bands die spielen? Ich habe keine Ahnung, ich lasse mich überraschen, ich bin jedes Jahr da, Tickets auf Bestellung gibt es nicht, nur Abendkasse, ich muss früh genug da sein und als Erste am Eingang stehen. Wird schon klappen.

Donnerstag und Freitag die Vorbereitungen, was ziehe ich die Nacht an? Bitterkalte Minusgrade, dasselbe Outfit wie vor vier Wochen, meine neuen Stiefel, der ausgelüftete, schwarz-graue Kuschelmantel, die wärmende, olivgrüne Steppjacke als Innenfutter – und darunter wieder die schwarze Lederjacke. Das Kleid ist anders, ich will endlich wieder das schwarz-weiß gemusterte und ärmellose Kleid anziehen, das das ich schon länger nicht mehr getragen habe, schon ewig im Schrank hängt, das aus dem Armani Exchange Laden in New York, Manhattan, 2013, das schwarz-weiße Muster sieht genauso aus wie auf den Flyern dieses kleinen Underground Festivals, es wirkt fast so, als hätte ich extra ein Fan-T-Shirt angezogen. Das muss es sein, ich lasse es auch noch einmal draußen im Garten auslüften. Das Outfit steht, nur ein kleines Detail ändere ich: nach den kalten Nächten im Dezember ziehe ich auf jeden Fall die Thermostrumpfhose unter meine schwarze Yoga-Baumwoll-Hose.

Beine rasieren, Beine vorrasieren, Beine nachrasieren, Freitagabend, etwas bringt meine Planung durcheinander, draußen im Treppenhaus steht ein riesiger Karton, mein neuer Computertisch ist mit der Post gekommen, jetzt bestelle ich schon Möbel auf Amazon – irgendjemand muss das Zwanzig-Kilogramm-Paket dann bei mir abladen. Paket öffnen, ich kann die Einzelteile einzeln entnehmen und in meine Wohnung tragen. Alles auspacken, alles auf einer Wollmatte platzieren, die Bestandteile auf Vollständigkeit prüfen, die chinesisch anmutende Bedienungs- und Aufbauanleitung studieren, es ist ein höhenverstellbarer Computertisch. Den über Nacht aufgeladenen Akkuschrauber zücken – und innerhalb eines Abends steht der Tisch! Akkurat … das kleine Spaltmaß zwischen der zweigeteilten Tischplatte und dem Stahlträgergestell stört mich schon, aber das werde ich den Sonnabendmittag noch nachjustieren. Leider war für meine Vorbereitungen für die kommende Partynacht den Freitagabend keine Zeit mehr, das mit dem Einrichten und wo der Tisch in meinem Wohnzimmer hin soll, verschiebe ich auf den Sonntag, wenn ich aus der Partynacht wieder zurückkomme. Kurz nach Mitternacht geschafft ins Bett fallen, vorschlafen, wenigstens habe ich meine Stiefel noch neu einfetten können, die stehen bereit in der Küche.

Sonnabend den späten Vormittag, in ungefähr sechs Stunden fährt der Zug, die Zeit reicht für zwei Stunden Beine und alle anderen Körperteile zu rasieren, die Augenbrauen trimme ich dieses Mal nicht so extrem, danach Frühstück, Mittagessen, Bahnticket im Internet bestellen – es sieht gut aus, der Zug könnte fahren, jedenfalls den, den ich nehme, nicht der danach, der fährt nicht. Alles bereitlegen, die große Handtasche, das Übernachtungskit, jemand bekommt eine Nachricht, wird aber nicht darauf reagieren (jemand anders), mein ganzer Silberschmuck, mein ganzes Make-up – mit der Schraubknarre und den Aufsteckdingern unter meinem neuen Tisch verschwinden und noch einmal die Tischplatte richtig fest anflanschen, dann ins Bad, meine Klamotten anziehen und das Augen-Make-up vor dem Spiegel mit der hellen, übergehängten LED-Leiste am Augenlid aufpinseln. Wieder zwei Farben, innen das helle Glitzer-Besch, nach außen das dunkelste, fast schwarze Braun, das die Lidschattenpalette hergibt, schwarzer Mascara, schwarzer Kajal, fein angespitzt und die Wimperntusche trage ich nur oben auf. Mit dem dunklen Lidschatten ganz oben in der Lidfalte, sieht das gar nicht mal so schlecht aus. Ich bin bereit für die Nacht, sechzehn Uhr fährt mein Zug, zwanzig Uhr ist Einlass vor dem Club, einundzwanzig Uhr Beginn.

Umsteigen in Magdeburg, gefühlt hält der Zug noch früher an, irgendwann finde ich die Stelle und kann mich ohne hinzulaufen vor die Tür stellen. So voll ist der Zug nicht, ich finde schnell einen Platz … vielleicht auch die, die wieder der Anzeige vertrauten und mit ihren großen Rollkoffern am ganz hintersten Ende des Gleises standen. This is Germany.

Wenig später der Zugticket-Kontrolleur, ich habe mich schon auf die Nacht eingestimmt und die Ohrstöpsel in den Ohren, laute Gothic-Musik aus den Neunzigern durchdringt mein Bewusstsein, weiblicher Jaulgesang, düstere, graue Häuser, grauer Himmel, grau-brauner Schnee vor den Zugfenstern und an den tristen Bahnhöfen. Der Kontrolleur will das „Original-Ticket“ sehen, mein Screenshot auf dem Smartphone gilt nicht. Ich bin nicht vorbereitet, ich kann mit dieser Situation nicht umgehen, ich will nicht angesprochen werden, der Kontrolleur bleibt ernst … hoffentlich schaffe ich es in diese „Bahn-App“, hoffentlich fragt die nicht wieder nach einem Passwort – das steht im Passwort-Manager, in der Cloud, fern im Internet, das Smartphone hat nur den Verschlüsselungsschlüssel, das Passwort selbst ist eine hochkomplizierte Wortfolge und funktioniert sowieso nur mit einem zweiten Faktor, einer zufälligen PIN, das geht mal eben nicht so schnell. Ich werde aus dieser Situation erlöst, schaffe es aber nicht mehr in meine Stimmung rein, ich glaube, ich werde diese Nacht wieder mich von Menschen fernhalten.

Kurz vor neunzehn Uhr, Ankunft am Leipziger Hauptbahnhof, noch im Zug alle meine Schichten an Sachen anziehen, ich habe mein schwarzes Wollbarett mit eingepackt – und meine schwarzen Wollhandschuhe. Der obligatorische Toilettenbesuch, nur das Make-up vor den Schminkspiegeln prüfen und das Barett justieren, ein Brötchen im Zug, einen Cappuccino schon Stunden zurück auf dem anderen Bahnhof. Eine der drei Linien nach Connewitz fährt draußen schon an der großen Straßenbahnhaltestelle vor dem noch größeren Hauptbahnhof. Bis zum Einlass am Club ist noch eine Stunde Zeit. Ich muss noch nicht einmal die Haltestelle vor dem Club nehmen, ich könnte auch am Connewitzer Kreuz aussteigen und in der Kaufhalle da noch ein Brötchen kaufen, mein Abendbrot für diese Nacht. Mit der Brötchentüte in meiner Handtasche laufe ich im Schein der Straßenlaternen die paar hundert Meter weiter bis zu dem Club, der Hinterhofeingang, der mir so vertraut ist. Es ist eisig kalt, überall der Schnee der letzten Wochen, der sich nur noch in Eis verwandelt hat.

Es ist niemand da, ich laufe den Hinterhof zu dem großen, ehemaligen Fabrikgebäude – ich bin wirklich die Erste? Nicht eine Minute und es kommen schon die ersten weiteren Gäste, ich esse mein Brötchen aus meiner Papiertüte. Es kommen weitere, interessiert wird die Treppe zum Kellereingang heruntergeschaut, ist der Einlass schon offen? Die Tür steht auf, einige dürfen rein, sie arbeiten hier oder gehören zu dem Haus, andere müssen sich noch gedulden. Laute Musik dringt durch die Mauern und die dunklen Türen und Fenster, die Bandprobe.

Präzise 19:57 Uhr, jetzt kann ich nicht mehr warten, jetzt gehe ich auch die Kellertreppe runter, vielleicht war ich oben vor gefühlt einer halben oder einer dreiviertel Stunde noch die Erste, jetzt bin ich es nicht mehr, aber die langen Schlangen, wie ich sie hier noch vor ein paar Jahren erlebt habe, sind es nicht. Wird es voll werden? Kommen noch mehr? Wieder gegen Mitternacht ein Einlassstopp? Es wird angenehm bleiben, nicht zu voll, nicht zu eng, aber doch belebt.

Unten der kleine Floor, die kleine Tanzfläche, ich suche die aufgeklebten A4-Blätter an den Kellerwänden mit dem Zeitplan für diese Nacht, wann welche Band wo spielt, welche DJs danach auflegen. Eine Etage höher der große Clubraum, die Tür scheint noch verschlossen, ich verliere mich minutenlang in der Betrachtung all der aufgeklebten Konzertplakate in dem Treppenhaus … so viele Bands, hier und da die Info- und Demoplakate für die ganzen linksalternativen Veranstaltungen. Es sammeln sich genug neu ankommende Gäste, irgendwann macht jemand auch die Tür zu dem großen Saal auf.

Ich laufe zu der Bar, meine obligatorische, erste Flasche Mate-Brause. Garderoben gibt es hier nicht, kurz überlege ich, die Bedienung zu fragen, ich hätte es nur umschrieben und angedeutet, ich könnte mich an so etwas erinnern, ich lasse es sein. Die zwei Bänke rechts und links vor der Bar waren schon immer meine – und der allen anderen – Ablagefläche für meine Wintersachen. Ich schnüre meinen Wollmantel und meine Steppjacke mit dem schmalen Lederriemen zu einem Bündel und packe es unter die eine Bank, in der Hoffnung, die wird erstens niemand wegfinden, zweitens kein Brandfleck von einer herunterfallenden Zigarettenkippe bekommen und drittens – von all den Bierflaschen, die dann später hier herumrollen, mein Wollmantel wird trocken bleiben und ich muss mich nicht in einer Geruchswolke später wieder in den Zug setzen. Die ersten Minuten sitze ich selbst noch auf meiner Bank.

Es kommen mehr und mehr Gäste, draußen das Treppenhaus füllt sich auch so langsam. Die erste Band betritt die Bühne, die Bühnendeko der Veranstalter ist mir gleich am Anfang aufgefallen, zwölf alte Computermonitore sind zu einem Panel an der Wand montiert und spielen die Visuals mit ein paar Sekunden Zeitversatz ab, was einen hübschen Blinkeffekt bringt. Der ersten Band und die drei Bands danach, fällt das auch auf, da hat sich jemand Mühe gegeben.

Die erste Band, Düster-Punk, deutsche Texte, ich wünschte, ich könnte sie besser verstehen, mit meiner Punkerkutte passe ich rein, mit meinem sozialen Status vielleicht nicht. Sie singen über Arbeitslosigkeit und den scheiß Staat und wie sie behandelt wurden, ich erinnere mich, ich war auch zweimal zweieinhalb Jahre langzeitarbeitslos auf Hartz-4. Sie singen von Polizeigewalt, noch mehr Willkür und noch mehr scheiß Staat, ich erinnere mich, ich war auch einmal auf einer Demo gegen die Faschos in einem Polizeikessel, wir sind ausgebrochen, von Bullen verfolgt, in der Stadt umhergeirrt, wir haben das Polizei-Leitfahrzeug gefunden, es hat Bierflaschen abbekommen, ein Six-Pack, eine Wanne, hat dann wieder ein paar von uns Punks gejagt und aufgegriffen. Sie singen über A-C-A-B. Die Band gefällt mir.

In der Umbaupause schaue ich mal kurz nach unten, noch ist es da ruhig, DJs spielen noch nicht und die eine Band, die ich in dem anderen Club in Plagwitz vor vier Wochen gesehen habe, soll hier später auch noch auftreten, ich hoffe, dass sie das wiederholen können, dass der Soundcheck besser funktioniert und sie bei mir eine zweite Chance bekommen.

Oben die nächste Band, es ist ihr erster Auftritt? Sie sehen älter aus, sie sind aus Berlin, sie müssten Erfahrung mitbringen, dass so viele Leute bei ihrem ersten Auftritt sind, haben sie vielleicht nicht erwartet, der Saal ist voll, nicht zu voll, angenehm voll. Ihr Set besteht nur aus ein paar Titeln, sie haben das Pech, nach der ersten Band zu spielen, die das Publikum in einer Erwartung an noch stärkeren Punk-Bands zurück gelassen haben. Wirklich nur ein paar Titel, sie haben länger geprobt, als sie gespielt haben?

Die nächste Umbaupause, Blick nach unten, mich das Treppenhaus hinabschlängeln, es wirkt wie eine große Hausparty. Vielleicht legt unten schon ein DJ auf, vielleicht spielt schon der erste Solo-Künstler, ich bin wieder oben und warte auf die dritte Band. Groß angekündigt, Synth-Wave-Minimal, ein Mann und eine Frau betreten die kleine Bühne, sie wirken älter, sie sind älter als ich.

Die ersten Songs, das Publikum geht mit. Ihre aufgebauten Synthesizer, analog, zweimal der MS-20, ein Nachbau? Ein kleinerer Nachbau? Vielleicht ein Original? Dieser warme, analoge Synthesizer-Sound, die Beats lassen meinen Körper schwingen, ich stehe nahe der Lautsprecherboxen inmitten des Publikums vor der Bühne und beginne, wie alle anderen um mich herum, zu tanzen. Meine Lederjacke streife ich ab, nur mein schwarz-weißes Kleid und mich.

Die letzten Titel vor der Zugabe und ich erinnere mich, die muss ich doch schon einmal gesehen haben, vielleicht das kleine Pfingst-Festival hier in Leipzig vor ein paar Jahren? Damals hat er auch seinen alten Song gespielt, der in meinem Radiosender mehrmals in der Top-15-Liste gelandet ist. Textsicher singe ich die paar Zeilen mit. Noch mehr Zugaben, noch mehr Titel von den beiden, wie die zwei Bands davor und die nächste, kommen sie alle aus Deutschland.

Umbaupause, wieder nach unten zu der kleinen Tanzfläche und der kleinen Bühne. Die Band oben hat so lange gespielt, von der Band unten, die ich eigentlich auch sehen wollte, bekomme ich nur die letzten zehn Sekunden ihres letzten Titels mit. Schade, dann wird es eben anderswo eine zweite Chance geben, sie kommen aus Leipzig, ich bin da sehr zuversichtlich.

Wieder oben, die vierte Band – sperriges Zeug – ein Mann und eine Frau, sie variiert zwischen Screamo, oder Deathcore, dazwischen wieder Gesangseinlagen, er spielt einen Bass, wie ich ihn sonst nur von den Beatles kenne, aber er hält ihn falsch, das ist nicht so Sixties oberkörperbetont. Es muss zwei Bass-Spuren gegeben haben, eines vom Band, eines von ihm. Das Publikum tanzt – das ist kein Rave! Ein paar Titel bis es mich einfängt und ich verfalle der düsteren Stimmung und schwanke zombiehaft zu dem melancholischen Grundton.

Danach die Disko, eine zweite Flasche Mate-Brause habe ich mir in einer der Umbaupausen davor schon geholt, Techno wird gespielt. Die Bands transportieren ihre Instrumente durch die Doppeltür ins Treppenhaus. Unten wird die bessere Musik aufgelegt, aber es ist weniger voll. Oben kann ich auf einer der beiden Bänke vor der Bar sitzen und beobachte, wie gegenüber jemand seine Zigarettenglut auf den dunklen Boden tropfen lässt. Langsam schwebt sie orange glimmend nach unten und trifft auf eine schwarze Jacke, oder schwarzen Mantel, oder ein Stück von einem Rucksack und brennt ein Loch darin, bevor es von allein erlischt. Prima, ein Brandloch! Auch mein Wollmantel steckt irgendwo da unten auch unter der Bank, ist aber mittlerweile von vielen Jacken und Mänteln geschützt, weil ich die Erste war, die ihren Mantel nach ganz hinten an die Wand klemmen konnte. Ein herumkullernder Becher und eine etwas feucht aussehende Fläche ist da auch irgendwo.

Unten, die andere Tanzfläche, meine Punkerkutte habe ich schon länger wieder angezogen. Entgegen der Musik oben mit ihren Straight-forward-140-BPM, läuft hier unten abwechselnd etwas Electro, vielleicht Detroit- oder Chicago-House, vielleicht auch viele Stücke, von jetzt, die nur in dem Stil sind, oder zumindest einige Stilelemente davon aufgreifen. Ich tanze. In Gedanken wünsche ich mich an diesen einen Ort, in dem zu dieser Musik nur ein paar schwitzende, halbnackte, oberkörperfreie Männer in einem Beton-Keller-Club tanzen, ein Strobo, rotes Licht, richtig dunkel, zumindest die Beleuchtung trifft diese kleine Tanzfläche auch ganz gut, nur das gemischte Publikum ist von meiner Phantasie weit entfernt. Zwischendurch schaue ich noch einmal oben auf den 140-BPM-Dark-Techno-Floor, lande aber immer wieder unten, ich wähle das kleine Podest gegenüber der kleinen Bühne und tanze da an der Wand. Es wirkt fast, als wäre ich ein Gogo-Girl, oder eines von diese Animiermädchen in den Bars von Patong auf Phuket, nur dass mich hier keiner sieht, weil es so dunkel ist.

Irgendwann kurz vor drei Uhr, die Toilette suchen, meine letzte Flasche habe ich oben auf einen Tisch gestellt, die Toilette eine Etage höher ist kaputt, ein Zettel hängt an der Tür, nur der Bereich mit den Pissoirs ist offen.

„Du musst noch eine halbe Etage weiter nach oben, da sind zwei Etagenklos im Treppenhaus“, er deutet kurz mit dem Finger in die Richtung.

„Ach, geht schon. Prima, eine Unisex-Toilette“, ich schlängel mich an der Pissrinne vorbei und öffne die Tür der angrenzenden Kabine, „Oh, nee …“

„Das da ist ein Stehklo, aber hier die geht“, ich beobachte, wie sie mir die beiden Türen an der Treppe zeigt.

Weiter oben, nur eine halbe Treppe, sieht es tatsächlich viel besser aus, nur das ständig laufende Spülwasser und die notorische Dunkelheit, wie soll ich denn da wissen, wann ich fertig bin?

Kurz nach drei Uhr den Sonntagmorgen, ich bereite mich darauf vor, zu gehen. Oben die Musik, die konstanten 140 BPM … ich bin irgendwie nicht in der Stimmung, mich in Trance fallen zu lassen. Ich habe das so auch nicht erwartet, wo ist denn die Gruftie-Tanzfläche für die Oldschool-Trad-Goths? Einige habe ich im Publikum gesehen, dieselben, die ich auch in ein paar Monaten, Pfingsten, auf dem kleinen Festival hier irgendwo in Connewitz wieder sehen werde. Ob ich mittlerweile auch schon erkannt werde? Ich bin da in der Szene seit … 2002/2003? Ich ziehe mein Bündel unter der Bank neben der Bar hervor und freue mich über meinen unversehrten, trockenen und gar nicht so sehr nach Zigarettenqualm müffelnden Wollmantel, mitsamt Innenfuttersteppjacke. Wieder unten ziehe ich mir alle meine Schichten an und nutze den verwaisten Tisch vom Merchandise neben der Ausgangstür um meine Dinge zu sortieren, mein Barett und meine Handschuhe aus der Handtasche, der Rest wieder hinein.

Draußen der kalte Sonntagmorgen, ich stapfe durch das Eis in Richtung der Straßenbahnhaltestelle Connewitzer Kreuz. In meiner Erinnerung fährt hier um vier Uhr eine Straßenbahn zurück Richtung Hauptbahnhof. Ich bin viel zu früh da, 3:30 Uhr und die nächste und erste Bahn den Morgen fährt erst gegen 4:15 Uhr. Minutenlang starre ich die Anzeigetafel an. Es ist kalt, ich traue mich gar nicht, mich in dem halben Glaskasten an der Haltestelle hinzusetzen, ich könnte da sitzend erfrieren. Mein Mantel und all die Schichten darunter halten warm, die Thermostrumpfhose mitsamt den extra noch darüber angezogenen, dicken, schwarzen Socken, waren eine richtig gute Entscheidung. Meine hohen Stiefel sind leicht gefüttert. Das Wollbarett habe ich das erste Mal für diesen Winter wieder auf, die Handschuhe auch. Eigentlich friere ich nicht, die ganze dreiviertel Stunde, die ich da einsam in dieser Straßenbahnhaltestelle auf meine Straßenbahn warte. Je kürzer der Zeitabstand wird, desto mehr andere Party-Gäste kommen hinzu. Die Straßenbahn kommt pünktlich.

Gegen fünf Uhr der Hauptbahnhof, die Lichtkathedrale, es ist gefühlt noch mehr eisig kälter auf meinem Gleis 16, hoch oben zwitschern Vögel. Die paar Warteminuten bis 5:20 Uhr bekomme ich auch noch rum. Eine Flasche Wasser bei einem Rund-um-die-Uhr öffnenden Dönerimbiss. Die Toiletten hier am Bahnhof machen erst um sechs auf, ich hoffe auf die Toilette im Zug.

Der Zug fährt ein, er ist pünktlich und er ist … voll? Für diese Uhrzeit. Sonst bin ich hier immer allein, manchmal ist nur eine zweite Person mit in dem Wagon, aber diesen einen Morgen, in jedem Sitzgruppenabschnitt des in Doppeltraktion fahrenden Regionalexpress sitzen schon zwei, drei, vier oder fünf Personen und es steigen die nächsten Halte bis nach Magdeburg immer noch mehr dazu? Und das sind keine Party-People, sondern junge, Sonntag reisende Frühaufsteher? Was sind das für Menschen? Ich kann nicht schlafen, die unterhalten sich viele Sitzreihen von mir entfernt. Ein paar der Zuggäste sind wenigstens noch so wie ich, Metaler-Kutten, schwarze Kapuzenpullover, zurück vom Konzert, irgendwo versuchend in den hell erleuchteten Wagons zu schlafen. Sieben Uhr morgens Endstation Magdeburg, bevor der Zug wieder umkehrt.

Mein Blick auf die große Anzeigentafel in der Bahnhofshalle von Magdeburg … Glück gehabt, mein Zug fährt regulär zurück. Noch die letzten Euros für das Nuss-Nougat-Croissant, mein Sonntags-zurück-Ritual und ich sitze in dem Regionalzug zurück in mein Heimatkaff. Das schwarze Augen-Make-up wische ich mir wieder auf meinem Sitzplatz sitzend ab. Auch dieser Zug ist nicht wirklich leer, vielleicht wegen den eisigen Temperaturen, ich habe auch nicht das Auto genommen.

Zu Fuß vom Bahnhof rum, die zwei Ecken zu meinem Haus, unser Hund kläfft schon die ganze Nachbarschaft voll, sie rennt immer frühmorgens raus um Präsenz zu kläffen. Das ist unser Hund! Mach sie fertig.

Wieder oben in meiner Wohnung – und es ist noch eisig kälter geworden – ich reiße das Schlafzimmerfenster auf und verschwinde ins Bad. Den Party-Stempel auf meinem Handrücken möchte ich behalten, den will ich Montagmorgen in der Frühstückspause auf Arbeit präsentieren. Meine Sachen liegen wieder auf der Couch, sofern ich da hinkomme, der große, neue Computertisch steht mitten im Wohnzimmer, den werde ich den späten Sonntagnachmittag erst zentimetergenau auf die Stelle des alten Computertisches manövrieren und dann millimetergenau die zwei Bildschirme darauf positionieren, mit exakten je fünfzehn Grad Winkel zu der Mittellinie, dem Spaltmaß zwischen den beiden Tischplatten. Kurz nach acht, ich lege mich für vier Stunden schlafen … und die nächsten Nächte schaffe ich es auch nur weit nach Mitternacht ins Bett. So ist mein Leben.

Und? Hast du dich die zwölf Stunden mal mit jemandem unterhalten? Nein.

[01.01.26 / 03:30] Der Dienstag, der Tag vor dem einunddreißigsten Dezember, der zweite Abend und die zweite Nacht, die ich in Leipzig verbringen will. Meine neuen Stiefel habe ich den Abend zuvor schon eingecremt, die Augenbrauen im Badezimmerspiegel noch weiter ausgedünnt. Fast sind sie schon weg … nur noch eine dünne Linie ist übrig geblieben. Aufstehen gegen Mittag, Frühstück und Mittagessen fällt zusammen, Beine vorrasieren und fein nachrasieren, aber so viel ist nicht nachgewachsen die letzten drei Tage. Eigentlich hätte ich mich gar nicht so sehr auf die nächste Nacht zum Ausgehen vorbereiten müssen, nur das neue Kleid aus dem Schrank greifen, in meine Stiefel schlüpfen und wieder die Steppjacke und den Mantel überziehen und zum Bahnhof verschwinden. Ich hätte sogar einen Zug später nehmen können, hätte sogar mehr Zeit gehabt, mein aufwendiges Augen-Make-up aufzupinseln – wäre nicht … der scheiß Regionalzug ausgefallen. Das Wort „Scheiße“ wird in diesem Blogartikel bestimmt noch mehrmals vorkommen.

Es fährt kein Zug aus diesem Kaff, nur vielleicht ein Linienbus den frühen Nachmittag, ich habe noch weniger Zeit als die Tage zuvor. In dem Bus gibt es keinen Automaten, an dem ich mir mein Länderticket hätte ziehen können. Ich muss wohl oder übel mein Ticket im Internet auf der Seite der Bahn bestellen. Das Drama beginnt, ich brauche gefühlt über eine Stunde und klicke mindestens fünfmal auf den Kaufen-Button, bis ich endlich eine Bezahlmöglichkeit gefunden habe, die funktioniert. So bleibt mir auch dieses Mal keine Zeit für mein Make-up. Gestresst werfe ich den Mascara und die drei Pinsel, Bürste und Kajal-Stift in meine kleine Rolltasche und das ganze in meine große Handtasche. Eine halbe Stunde vor Abfahrt den Nachmittag bleibt mir nur die Dusche und das orientalische Parfüm und meine Haare trocknen. Wenigstens mein Outfit stimmt: Stiefel, enganliegendes und schulterfreies, grau-schwarzes Kleid und die Lederjacke, die Punkerkutte. Steppjacke und Mantel darüber, es ist eisig kalt. Der Silberschmuck, mein orientalischer Armreif, blitzt unter den vielen Schichten an Winterklamotten am Handgelenk hervor.

Fünfzehn Uhr nochwas soll der scheiß Bus vom Busbahnhof, unweit des Kleinstadtbahnhofs fahren. Eine ganze Menge Menschen stehen da rum und warten auf den Bus … ein Bus, ich muss mich herablassen und mit dem ganzen Pöbel einen Bus benutzen. Zitternd fingere ich in der Kälte mein Smartphone aus meiner italienischen Luxushandtasche und scrolle bis zu dem Online-Ticket, der Busfahrer vorne am Einstieg schaut es nur kurz an, so viele Menschen sind noch nie in diesem Bus mitgefahren, der ist bis auf die letzten Plätze voll, normalerweise, wenn ich so einen Bus sehe, sitzen da höchstens ein, zwei oder drei Menschen drin, die von Dorf zu Dorf fahren. Der Bus kutscht über die Bundesstraße und das Autobahndreieck Richtung Magdeburg.

Endlich am Hauptbahnhof, die obligatorische Flasche Wasser beim Aldi kaufen, mein Gleis suchen, dasselbe Gleis, wie vor drei Tagen, dieselben vierzig Cent für die Flasche Wasser. Am Gleis angekommen, dieses Mal falle ich nicht wieder darauf rein … von wegen, hält bei „A-C“ und ich renne den halben Gleis wieder zurück und schubs mich durch die Menschentraube zur Wagontür. Nein, ich stelle mich genau da hin, wo ich den Zug erwarte und lästere gedanklich über die „Oberschlauen“ da hinten mit ihren Rollkoffern, die die Anzeigetafeln für voll nehmen. „Verdammte Scheiße!“ Der scheiß Zug fährt noch langsamer ein, als vor drei Tagen, und hält noch früher an, als vor drei Tagen, und ich muss schon wieder Meter rennen, um einen Sitzplatz ergattern zu können.

Der Zug wird voll, richtig voll. Was nicht in meine Gedanken will, das ist ein Pendlerzug, es ist Dienstag den dreißigsten Dezember und ich kann mir nicht vorstellen, dass Menschen zwischen Weihnachten und Neujahr arbeiten müssen, ich habe in meinem ganzen Leben noch nie an diesen Tagen gearbeitet. Nicht in der Armee (Urlaub), nicht beim Studium (Semesterferien) und nicht auf all meinen Arbeitsplätzen (Betriebsruhe), weder in Sachsen-Anhalt, noch in Niedersachsen. Hier fahren Leute in dem Zug mit, nicht die mit dem Reisegepäck, die mit dem alltäglichen Rucksack, die Arbeiter mit dem Feierabendbier, die ADHS-Azubis, die keine paar Minuten ein Video ganz gucken können auf ihrem Smartphone … und die, die Korpulenten, einer sitzt mir gegenüber und hustet, gesundheitlich angeschlagen, die ganze Zeit. Jedes Mal halte ich den Atem an und zähle langsam bis zehn, fünfzehn oder dreißig, ich sterbe ganz sicher bald an einer Lungenentzündung.

Bin ich froh, als ich den Zug verlasse, allerhöchstens eine geringfügige Verspätung, ich habe Leipzig kurz vor neunzehn Uhr wieder erreicht. Einlass in dem Club in Plagwitz ist gegen zwanzig Uhr, die Zeit für „Doors Open“ steht auf dem Flyer, den ich bei dem letzten Konzert vor ein paar Nächten mit eingesteckt habe. Eine Stunde Zeit, um auf dem Bahnhofsklo mein Make-up zu machen, eine Stunde Zeit, um ein Brötchen zu organisieren, wieder der Bäcker unten, eine Stunde Zeit, mein Rückfahrticket aus dem Automaten zu ziehen. Auf der Bahnhofstoilette vor dem Schminkspiegel, die Beleuchtung hier ist beschissen, ich versuche die T-Technik, um einen größeren Kajalstrich zu ziehen. Brille ab- und wieder aufsetzen, mehr und mehr mit dem Pinsel verblenden … eine Frau vor einem anderen Spiegel lässt schon einen peinlich berührten Seufzer ab – hat sie damit mich gemeint? Das musst du zu Hause noch einmal üben. Mit der Kante meines Zeigefingers wische ich alles wieder vom Augenlid raus und gehe noch einmal mit dem Pinsel darüber, wenigstens ein passabler „Smokey Eyes“ Effekt bleibt stehen. In dem Club ist es eh dunkel, das wird schon keinem auffallen. Mein Brötchen esse ich Minuten später wieder aus der Papiertüte draußen in der Kälte am Gleis an der Straßenbahnhaltestelle. Wieder dieselbe Linie wie vor drei Tagen, nur eben ein paar Stationen weiter nach Plagwitz hinein. Es wird schon fleißig geböllert, ich merke keinen Unterschied zu Silvester.

Überpünktlich zum Einlass bin ich da, ich sehe die hundert Meter vor mir schon die Eingangstür aufgehen und ein paar erste Gäste eintreten, als ich den dunklen Weg zwischen den alten Fabrikgebäuden entlang laufe. Der Club, in dem ich schon so viele Male war, der mit den ganzen Plakaten an jeder Wand im Inneren und die vielen Aufkleber und Grafiti … von links bis linksextrem, die freundlichen Menschen, die Guten. Ich bin zu Hause.

Einlass mit Solispende, weiter den Club hinein, noch ist es kalt, noch lasse ich meinen Mantel an, noch ist der Holzofen neben der Bühne noch nicht durcherhitzt. Die erste Flasche Matebrause von der Bar, den Aufbau auf der Bühne bewundern, die Synthesizer, den Plan mit der Running Order suchen. Drei Bands sind geplant, von Synth-Punk über Wave und Post-Punk. DJs unten und oben. Die Tanzfläche ganz oben inspiziere ich auch kurz, aber eigentlich bin ich nur auf der zweiten Etage für das Licht aus den Toilettenräumen, um im kleinen, aufgeklappten Handspiegel mein Augen-Make-up zu überprüfen. „Geht.“

Unten an dem großen Ofen bildet sich eine Menschentraube, jeder der neu ankommenden Gäste von draußen entdeckt den Ofen für sich, ein Holzstück nach dem anderen wird verfeuert. Auf der Bühne probt die erste Band, ich lasse meinen schwarz-grauen Kuschelmantel und meine olivgrüne Steppjacke an einem der Haken der Garderobenleisten am Eingang. Ist das sicher? Wird die nicht irgendjemand mal wegfinden, aus Versehen mitnehmen? Ich habe immer noch meine schwarze Lederjacke an und meinen schwarzen Schal. Mit mehr und mehr Menschen werden die Temperaturen in dem Club angenehmer und ich ziehe den Reißverschluss auf. Optisch mit meinen Buttons, Nieten und Patches passe ich wieder rein in die Punk-Szene und füge mich in das Gesamtbild von alternativen Gästen, Goths, Waver, Punks, die üblichen Clubbesucher.

Die erste Band, zwei Menschen, sie (sie nennt ihr Pronomen nicht) singt ihre Texte in Spanisch? Zuerst hatte ich Italienisch vermutet. Er am Synthesizer-Aufbau. Das wird das auf dem Flyer sein, das als Synth-Punk bezeichnet wurde. Die Tonprobe lief vielleicht nicht ganz so perfekt, das hätte besser funktionieren können. Trotzdem, die beiden treffen den Spirit des Punk.

Umbaupause zwischen den Bands … wo bin ich zu finden? Oben, die zweite Etage, die Treppe hoch, neben den Toiletten, die Galerie an Plakaten – und es ist immer noch nicht überklebt! „Mein Plakat“, das von dem einen Konzert, wo ich mal vor vielen, vielen Jahren war. Ich ertaste die Stellen, an denen benachbarte Plakate unter und überklebt wurden, suche die aufgedruckten Jahreszahlen der Konzerttermine, mein Plakat hat keine sichtbare Jahreszahl mehr, nur eine Auflistung an Daten und Clubs, die es schon lange nicht mehr gibt, geschlossen, abgebrannt, verschwunden. Ein Plakat darunter zeigt eine Jahreszahl von 2006, ein anderes Konzertplakat eine Zahl von Anfang 2007 – dann muss das Konzert, auf dem ich gewesen war, auch 2006 gewesen sein. Ich ermittle das Datum und den Wochentag mit dem Kalender auf meinem Smartphone: ein Wochentag irgendwo Ende April 2006! Ich muss von Wernigerode aus dorthin gefahren sein und war am nächsten Morgen schon wieder zurück im Hörsaal. Ich habe damals einige solcher Aktionen gemacht. Diesen Club hier kenne ich schon von 2004, als ich das erste Mal für ein Gothic- und Batcave-Konzert hier war, im Rahmen des alternativen Pfingstfestivals.

Wieder unten beginnt die zweite Band, Gitarre, Bass, Schlagzeug, eine sichtbare Sängerin, der erste Titel, mehr Punk als Post. Ich bin erfreut. Punk-Girl mit ihrer Lederkutte und dem „Fake-Prada-Kleid“ steht inmitten des Publikums, dicht an dicht mit den anderen entzückten Menschen. Sie spielen ihr Set, vielleicht zu kurz, aber sie haben nicht so viele Titel, die Zugabe ist ein Titel, der wiederholt werden muss … oder war die Zugabe doch improvisiert? Der Laden hier ist voll.

Umbaupause, umherschweifen, mal oben die Tanzfläche … aber die Musik da gefällt mir an diesem Abend so nicht. Die bessere Musik läuft unten, da tanzen die oldschool Grufties.

Die dritte Band des Abends, vielleicht sogar schon der Nacht, das ist jetzt endlich die angekündigte Band aus Österreich, zwei Herren aus Wien. Der aufgebaute Synthesizer auf der Bühne erstaunt mich schon, ein Schlachtross, eines von diesen Dingern, die alles können, ein Knopfdruck und die Diskomusik geht los. Kabel werden noch gesteckt, ein zweiter Synthesizer oder zweites Keyboard. Sie kommen wenige Minuten später wieder auf die Bühne zurück, der Typ am Synth mit seinen Oberarm-Tattoos, der Sänger in seinem Glitzer-Cape – er sieht darin irgendwie aus, wie eine ältere Hijara irgendwo in Indien, aber die Songs gehen richtig gut im Publikum. Synth, Synth, noch mehr Synth, von Achtziger bis Eurodance-Anleihen, tanzbar.

Nach den drei Konzerten, die DJs und DJanes, der eine Braunschweiger DJ ist wiedergekommen, der macht das aber auch schon ewig, wo er auflegt, da bin ich richtig. Ich glaube, dass er aus Braunschweig kommt, ich weiß nur, dass ich 2004 auch mal nach Braunschweig zu einer von seinen alten Partys fahren wollte, da aber nie „angekommen“ bin (Unfallgeschichte). So viele Erinnerungen diese Nacht, so viele Flashbacks.

Ich suche irgendwann einen Sitzplatz, irgendwo ein Stuhl, eine Couch, irgendwo in einer Ecke, umringt von den vielen Menschen überall. Ich schaue nicht mehr in die Gesichter.

Retrospektive 2025 – Einiges ist dieses Jahr passiert, vieles was mich innerlich verändert hat und mein Gedankenkreiseln bündelt: Es gibt mehr und mehr Länder in dieser Welt, in die ich als trans Frau nicht mehr reisen kann, USA, Großbritannien, westliche Demokratien, wie konnte das passieren? Was ich über die Medien aufnehme, die ganzen Reden, Sprüche, von Politikern, Journalisten, Leute, die einst für Frauenrechte und das Gute gekämpft haben? Ich bin als trans Frau das pure Böse, etwas Abscheuliches, etwas, das ausgemerzt werden muss? Ich schwanke, ist das noch real? Was passiert hier, da stimmt doch etwas nicht? Wir wissen alle aus der Geschichte, was mit den Juden passierte … und jetzt ich? Vorbereiten, Gedanken, Fluchtpläne, wie schnell kann ich innerhalb von Stunden weg, untertauchen und in ein anderes Land flüchten – und wohin? Noch ist Deutschland eines der Top-Fünf Länder, in denen ich als trans Frau in gefühlter Sicherheit leben kann, auch wenn ich dieses Jahr schon angefangen habe, meine Sichtbarkeit zu reduzieren. Das Gefühl der steigenden Unsicherheit.

Ein anderer Punkt, der mich dieses Jahr immer wieder beschäftigt hat: Ich bin auch wieder in einem Club und niemand spricht mich an, ich laufe zwischen all den Menschen hin und her, zwischen ihnen hindurch. Manchmal bin ich unsichtbar, manchmal sichtbar, werde aber nicht wahrgenommen, meine Allegorie mit der Mülltonne, die zwar sichtbar ist, aber nur wahrgenommen wird, wenn Müll in ihr abgeladen wird. Mein Experiment: ich weiß nicht, ob ich es in diesem Blog schon einmal beschrieben habe, das eine Pornovideo von mir, das ich auf einer Erotikplattform irgendwo im Internet veröffentlicht hatte, es ist schon seit einem Jahr weg, aber die Erkenntnis, dass ohne die Hemmschwelle mich anzusprechen, doch niemand der Männer mein Video angesehen hat, lässt eigentlich nur einen Schluss übrig: Ich bin potthässlich. Die einfachste Erklärung. Jedes Mal am Badezimmerspiegel vorbei, versichere ich mir, warum ich niemals einen Partner finden werde, weder Mann, noch Frau, nicht ich, nicht die anderen.

Die zwei Jahrzehnte an nächtlichem Grübeln, das immer wieder alles Analysieren und Erinnerungen umprogrammieren. Ich weiß jetzt, warum ich Angst habe und niemals körperliche Nähe zu einer Frau zulassen kann: Ich wurde missbraucht. Sie ist diejenige ganz am Anfang. Als wir uns im Internet kennengelernt haben, sie hat ihren Ex-Freund in mir gesehen, den sie vermisst hat, Missbrauch eins. Sie hat mich auf dem einen nächtlichen Platz in dieser einen Stadt geküsst, um einen anderen Ex-Liebhaber loszuwerden, ich stand einfach nur rein zufällig in der Landschaft, Missbrauch zwei, mein erster Kuss. Ich hatte keine Ahnung, ich wusste von nichts, ich war die reinste Unschuld, ich wusste weder, was Ja sagen oder Nein sagen bedeutet, sie hat mich einfach überwältigt, es war aus ihrer Sicht ein Rache-Sex, um einen weiteren Liebhaber gedanklich loszuwerden, mein erstes Mal – und gleichzeitig auch mein letztes Mal mit einer Frau, meine erste Angst- und Panikreaktion, in der ich einfach nur erstarre und nicht begreifen kann, was mit mir passiert, Missbrauch Nummer drei.

Sie lies mich fallen, brach wenige Wochen danach den Kontakt zu mir ab … ein düsteres Silvester 2004, mehr als zwanzig Jahre und der Gedanke in mir, ich muss etwas Grausames getan haben. Nie wieder tue ich Frauen das an. Wenn ich nur wüsste, was? 2012 ein einziger Versuch, etwas aufzuarbeiten, ein weiteres Treffen mit ihr und die schlimmste Angst- und Panikattacke auf körperliche Nähe. Sie beschimpft mich (oder sah sie erneut nur ihren Ex-Freund in mir) und ändert sichtbar ihr Verhalten … ich bin das Böse. Ich erzähle ihr, komplett als trans Frau leben zu wollen, mein Coming-out vor ihr zurück im Jahr 2005 ging schon schief und ich war ein Perverser.

Jetzt habe ich vor gefühlt anderthalb Jahren entdeckt, dass sie einen YouTube-Kanal hat, ich habe ihn abonniert. Ich dachte, sie freut sich? Finde den Fehler … Es wäre so einfach, sie könnte ihre Abonnenten sehen, meine Abos auf meinem Profil sind öffentlich geschaltet, nur ein Klick auf mein Profil und sie sieht den Link zu meiner Blog-Seite und kann mich von hier aus kontaktieren? Meine purpur-schwarze Internetseite mit meinen Fotos von mir – auf die sie mit vollkommener Abscheu 2005 reagiert hat. Sie nimmt keinen Kontakt zu mir auf. Sie wird als TERF mittlerweile gefestigt sein. Alle Frauen sind TERFs. Jedes Mal, wenn ich als trans Frau eine öffentliche Damentoilette benutze, was ich seit zwanzig Jahren mache, fühle ich mich wie eine Bedrohung – aber das war doch mal anders?

Die Musik dröhnt, Songs zum Tanzen, ich reiße mich von diesem Sofa in diesem Club wieder los. Wenigstens diese Nacht will ich bis vier Uhr den Morgen tanzen. Der DJ hier unten spielt die ganzen Goth-Klassiker, ich passe auf diese Tanzfläche, mit meinen Biker-Boots, meinem enganliegenden Kleid, meiner Punker-Lederjacke, meinen langen, blonden Haaren, nichts unterscheidet mich von den anderen Frauen. Noch einmal auf die Sitzecke, noch einmal diesen wunderschönen, gezimmerten Stuhl neben dem Sofa bewundern, der mein autistisches Ich in seinen Bann zieht, bevor ich dann kurz vor vier Uhr den Mittwoch Morgen mich zu den Garderoben bewege und meinen Mantel und meine Unterziehjacke dort vom Haken nehme. Ein Mann hat mich noch gefragt, ob er mir einen Weißwein anbieten könnte, er hätte genauso auch mir eine Dosis Heroin anbieten können, erschrocken wende ich mich schnell ab.

Die paar Schritte draußen zur Haltestelle, es ist saukalt, meine Atemluft puste ich absichtlich stoßweise nach oben, um sie kondensieren zu sehen. Ein Nachtbus fährt von dieser Haltestelle um kurz nach vier Richtung Hauptbahnhof. Der Bus ist voll, kein Sitzplatz für mich, wer sind diese ganzen Menschen?

Mein Zug am Hauptbahnhof fährt gegen fünf Uhr den Morgen, ich stehe in dieser hellerleuchteten Kathedrale zwischen den Gleisen und der Kälte, vereinzelt fliegen Tauben hoch oben zwischen den Stahlträgern. Der einfahrende Regionalexpress Richtung Magdeburg bleibt weitestgehend leer, ich hätte mehr Pendler erwartet, vielleicht muss doch nicht jeder an Silvester arbeiten. Mein Stammsitzplatz im Wagon, dieses Mal lege ich mich nicht hin, ich versuche wach zu bleiben und lehne mit meinem Kopf am Sitzpolster und meinem aufgehängten Plüschmantel … zwischen Bitterfeld und Gommern entsteht eine Lücke in meiner Wahrnehmung.

Magdeburg Hauptbahnhof sieben Uhr morgens, so viele Menschen – und mein Zug in mein Heimatkaff fährt wieder nicht, ich blicke auf die große Tafel hoch oben über mir. Obligatorisches Nuss-Nougat-Croissant beim Bäcker und Umplanen, der Ticketautomat, die besetzte Information, all die Tafeln mit den Verbindungen … fährt doch noch ein Bus und wenn ja, wann? Um kurz vor zehn Uhr? Alle Zugverbindungen Richtung Wolfsburg fallen und fielen heute und gestern aus, ich stelle mich schon darauf ein, den Vormittag hier zu verbringen, dann bleibe ich eben noch den weiteren Tag wach, das macht mir nichts aus, mehr als vierundzwanzig oder sechsunddreißig Stunden wach zu sein … Kommt schon vor.

Die eine Stunde bis acht Uhr auf der Bahnhofstoilette, die nächtliche Prostituierte schminkt sich vor den großen Spiegeln ab, dieses Mal habe ich daran gedacht und die Make-up-Entfernungstücher miteingepackt. Es fährt doch noch ein Zug in Richtung meines Heimatkaffs, anderthalb Stunden bin ich schon auf diesem Bahnhof. Ich warte danach sehnsüchtig in dem Tunnel unter den Gleisen, dass der andere Zug da oben endlich wegfährt und den Bahnsteig für meinen Zug freigibt, oben liegt alles voller Neuschnee. Mein Zug wird nach einer weiteren Gleisänderung endlich bereitgestellt, auch dieser kleine Regionalzug ist fast leer.

Kurz vor neun Uhr den Morgen, der Bahnhof in meinem Heimatkaff und es schneit. Automatisiert fange ich an, durch die Schneeflocken zu stapfen und will eigentlich nur noch in mein Bett. Ich bekomme gar nicht mit, das ich wieder von meinem Familientaxi abgeholt werde, sie haben meine Nachricht gelesen und wissen genauso über die aktualisierten Fahrpläne der Bahn Bescheid. Wenigstens auf der Familienseite funktioniert die Organisation.

Zurück in meiner Wohnung, die nach Zigretten stinkenden Sachen irgendwo im Flur verteilen, die Handtasche, so wie sie ist, wieder auf die Couch ablegen und nur das Smartphone und die Übernachtungszahnbürste daraus entfernen. Fenster aufreißen, ins Bad, Zähne putzen, Fenster wieder zu, ins Bett in mein Schlafzimmer. Noch vier Stunden schlafen diesen scheiß Silvestertag. Vielleicht bin ich dann am Ende dieses halben Tages immer noch so müde und falle noch vor dem großen Mitternachtsfeuerwerk ins Bett. Ich will diesen verfluchten Tag nur so schnell wie möglich wieder rumkriegen.

[31.12.25 / 23:47] Verdammte Scheiße! Ich kann nicht schlafen! Nicht mit den Ohrstöpseln, sie neutralisieren nicht die Detonationen, das ging vielleicht damals im Krieg, beim G3-Schießen, aber nicht bei diesem neumodischen Bomben-Kram. Das sind keine Nachbarn, die wohnen hier nicht, die belagern nur eine leerstehende Wohnung, um hier ihren ganzen Terror-Bomben-Wahnsinn auszuleben – die gehören hier nicht hin, die sind fremd! Das Hundegebell, die heulenden Hunde, die verlassenen Hofhunde von gegenüber, ich glaube, sie werfen gezielt Böller über den Zwei-Meter-Sichtschutzzaun. Ich hasse Silvester so abgrundtief, nur die wenigen Idioten, die das alles kaputtgemacht haben. Hoffentlich brennt ihr Haus ab, hoffentlich verschwinden die bald … ich schweife ab. Zurück am Laptop, vom Bett zurück auf die Couch, schreibe ich eben, stark übermüdet, meinen zweiten Blogartikel. Mitternacht, hoffentlich ist das bald vorbei. Düstere Finsternis umgibt mich.

[29.12.25 / 20:19] Ich habe etwas vor, die freien Tage zwischen Weihnachten und Silvester, gleich zwei Konzerte und Partys die Nächte in Leipzig. Werde ich das schaffen? Traue ich mir das zu? Ich nehme in beiden Fällen den Zug, spätnachmittags hin, frühmorgens wieder zurück. Zwischen den beiden Events liegen zwei Ruhetage … ich mache das!

Der erste Konzertabend den siebenundzwanzigsten Dezember, den kleinen Flyer habe ich bei der Halloweenparty mit eingesteckt, die Szene ist klein, Veranstalter und Bands und Leute, die zum Konzert kommen, kennen sich meist persönlich. Ich habe meine Bedenken, ob die genug Tickets verkaufen konnten, die Band organisiert das Konzert selbst, anlässlich des Release des neusten Albums … die Band mit dem Song, in dem es um „eine Katze und eine Tasse Kaffee“ geht.

Den Tag davor, alles vorbereiten, Beine vorrasieren, Outfit zurecht legen, passt mein schwarz-weißer Blazer zu den neuen Stiefeln? Nein. Passt mein schwarz-grauer Kuschelmantel zu den Stiefeln? Ja. Den warmen Mantel ziehe ich die beiden Nächte an, den Blazer will ich unbedingt zu dem ersten Konzert tragen – also bleiben meine Stiefel nur für die zweite Nacht. Ich nehme die schwarzen Pikes. Mein schwarzer Lieblingspullover, frisch von der Stange der letzten Wäsche und eine schwarze Jeans, nicht die Boot-Cut – Outfit steht. Nur noch schnell die Stiefeletten einfetten.

Aufstehen den Sonnabend Mittag, seit Tagen verschiebe ich meinen Biorhythmus auf „Mittag bis morgens“ – ich habe in meinem Wohnzimmer mein Musikstudio wieder aufgebaut, ich will zwei neue Songs aufnehmen, dazu später mehr … Beine weiter rasieren, die Dusche nach dem Mittagessen. Fünfzehn Uhr gibt es unten bei den Eltern Tee und Kuchen, ich bin im Stress, ich brauche noch exakt zwanzig Minuten für das perfekte Augen-Make-up, im Dress – schwarze Jeans und schwarzer Pullover – verschwinde ich noch einmal nach oben in mein Bad in meiner Wohnung, bevor ich um kurz vor sechzehn Uhr das Familientaxi zum Bahnhof nehmen kann. Jetzt mit Mascara, Kajal und Zwei-Farben-Lidschattenpalette (Dunkel und Silber, Lidfalte und inneres Augenlid).

Der Zug ist voll, der Regionalzug von Magdeburg ist auch nicht besser, aber ich erfrage einen Sitzplatz. Es wird dunkel vor den Fenstern, Nieselregen, aufkommender Nebel und Frost, kein gutes Wetter zum Autofahren.

Leipzig erreiche ich wie geplant kurz vor neunzehn Uhr, um neunzehn Uhr ist Einlass im Felsenkeller, der Veranstaltungsstätte im Westen von Leipzig für diesen Abend, zwanzig Uhr ist Beginn (laut Plan). Noch schnell beim Bäcker unten im Bahnhof ein Brötchen kaufen und am Automaten daneben schon das Ticket zurück den nächsten Tag, das Länderticket, da ist die Straßenbahn mit drin … glaube ich zumindest. Minuten später vor dem Leipziger Hauptbahnhof, warten auf die richtige Linie … so viele Menschen hier, dieses „Stadtbild“.

Überpünktlich steige ich die Haltestelle am Felsenkeller aus und laufe einsam in dem trüben Laternenlicht die paar Meter um die Ecke zum Eingang. Werden viele Menschen da sein? Wird überhaupt jemand da sein? War der Clubraum – es ist für diesen Abend nicht der große Saal – nicht einmal irgendwo dahinten, hinter dem historischen Gebäude? Meine Erinnerung täuscht mich, es ist schon länger her, dass ich hier mal zu einem Konzert war. Ich laufe die Treppe zum Eingang hoch, ich betrete die kleine Gaststätte, die Türen sind beschildert, irgendwo die Tür zu den Toiletten – die sind unten, ich muss die gefährlich steile, knarzige Wendeltreppe aus Holz ganz nach oben. Weitere Türen, ein kleiner Vorraum, endlich zwei Damen an der Kasse, ich habe ein Handy-Ticket. „War der Clubraum nicht irgendwie mal unten?“ Und vor allem größer, eine Tür weiter geht es in den Konzertraum für diesen Abend.

Eine Handvoll Leute sind schon da, Musik wird über die Anlage gespielt, den Abend könnten richtig gute Stücke gespielt werden – vielleicht nicht die zwei Songs von „Fancy“, die auf der Betriebsweihnachtsfeier gespielt wurden und ich die improvisierte Tanzfläche in der Kantine stürmen musste – aber vielleicht ein paar andere Songs, Italo, Wave, Achtziger-Kram, düsteres, elektronisches Zeug.

Es dauert noch eine ganze Weile, bis die erste Band spielt, ich hätte ruhig noch einen, oder gleich zwei Züge später nehmen können. Der kleine Clubraum füllt sich mit genug Menschen, nicht voll, nicht leer, alle weitestgehend in Schwarz, angenehm und ruhig, alle mindestens so alt wie ich – die Szene ist wirklich alt geworden, aber Stunden zuvor, zurück in meinem Provinzkaffbahnhof habe ich sie gesehen, drei Junggrufts, um die zwanzig oder jünger, weiß geschminkt und mit langen, schwarzen Mänteln, tiefschwarze Augen, hochtoupierte Haare, es gibt sie noch … oder es ist ein merkwürdiger „TikTok-Trend“, aber da komme ich nicht mit.

Die erste Band, die aus Frankreich, die ich schon ein-, zwei- oder dreimal gesehen habe (das könnte jetzt das dritte Mal sein), ich habe gleich alle ihre CDs, zwei muss ich noch nachkaufen. Die Sängerin und Bassistin ist so bezaubernd, er ist wie immer im Glitzer-Make-up und an der Gitarre und an den Synths. Während des Auftritts kommt sie von der kleinen Bühne runter und sucht den Kontakt zum Publikum, ich auch, ich stehe irgendwo gefühlt in der dritten Reihe.

Nach dem ersten Auftritt, die Bar ist gleich da drüben, der Merchandise ist im hell beleuchteten Vorraum, da ist auch die Garderobe, ein paar schnell improvisiert hingeschobenen Kleiderständer auf Rollen. Vor dem Tisch: „Ich will die CD und die CD“, ich tippe drauf, das erste und das letzte Album, die zwei dazwischen habe ich schon, die französischsprachige Sängerin überreicht sie mir, die Szene ist klein, sehr viel persönlicher Kontakt zwischen Bands und Publikum.

Das große Comeback

Die Hauptband und die Organisatoren für diesen Abend, haben ihren Merchandise-Tisch gleich daneben, zurück vor der Bühne inspiziere ich den aufgebauten Synthesizer-Tisch … ich habe meinen zu Hause auch aufgebaut, bei mir stehen der Drum-Computer mit den zwei MIDI-Kanälen, der Bass-Synthesizer, der kleine Lead-Synthesizer und das Synthesizer-Keyboard für den Rhythmus-Riff und den sphärischen Klang. Ich will das Ganze ausdünnen, ich habe die letzten Nächte bemerkt, warum mein Titel von 2020, den ich neu aufnehmen will, einfach nicht funktioniert hat – er war zu überfrachtet, zwei Synthesizer-Spuren weniger, weniger Drum-Parts, nur noch Bass-Drum, Snare und Closed Hi-Hat, den Conga-Trommel-Sample ganz weit in den Hintergrund verschoben und mit einem sphärischen Stereo-Effekt versehen – schon funktioniert der Titel und entfaltet seine ganze düstere Wirkung! Er brauchte einfach mehr Luft zum Atmen.

Die Band jetzt, macht es genauso, die knackigen Texte, Deutsch und Englisch, der kühle Synthesizer-Sound, die pulsierenden Beats, das aufwendige Bühnenoutfit, weder die Sängerin, noch der Mann an dem Synthesizer-Tisch werde ich später im Publikum wiedererkennen, sie sind maskiert. Nur was er anmerkte, die Bühnenbeleuchtung war noch nicht am Limit, außer den paar statischen, blauen Strahlern, geht noch mehr, irgendjemand hat den Regler gefunden, um noch ein paar weiße Strahler und etwas Blinken dazuzuschalten, der Party-Raum war gemietet. Auch sie begibt sich später von der Bühne runter in das Publikum und singt ihre Texte … auch wieder vor mir, hätte ich diesen schwarz-weißen Blazer vielleicht nicht anziehen sollen? Er zieht zu viel Aufmerksamkeit, irgendwann werde ich den mal als mein Bühnenoutfit in Betracht ziehen. Auch diesen Auftritt, in mir rotiert es, ich bin kreativ – ich werde Synth-Lead und Synth-Sphere auf einem Synthesizer packen! Dann kann ich mir einen Synthesizer und einen MIDI-Kanal sparen und ich habe weniger Spuren zum Aufnehmen, ich kann das volle Potential meines Vier-Spur-Rekorders nutzen, viermal den linken Kanal und viermal den rechten Kanal. Nett … als sie den Weg zurück zur Bühne bestreitet, bildet sich ein Catwalk wie bei einer Drag-Show.

Nach den beiden Auftritten und noch mehr Ideen, die Disko. Die DJane legt ein paar Stücke auf. Ich habe schon von Anfang an meinen kleinen Sitzplatz für mich entdeckt, die mit Holzleisten überdeckten Heizkörper an den großen Fenstern mit den schweren, zugezogenen Gardinen und dem spaltenweisen Blick auf die Ampelkreuzung draußen. Ein paar Titel tanzen, ein paar Titel sitzen, meine große Handtasche liegt hier auch irgendwo hinter mir auf dem Fensterbrett, die Bar ist in meiner Blickrichtung wenige Meter über die Tanzfläche vor mir, gefühlt Mitternacht, ich bin auf zwei Gläser Wasser umgestiegen, mit Sprudel.

Wie ich so da sitze und die tanzenden Menschen beobachte, mit jedem Titel werden es weniger, ein Mann kommt auf mich zu und quatscht mich an. Ich verstehe nichts, die Musik ist zu laut. Ich erwidere das Gespräch nicht, ich bleibe stumm und lächele verlegen. Ich bin Französin, ich spreche deine Sprache nicht. „Fühlst du dich von dem belästigt? Der quatscht schon seit Wochen hier andere Frauen an.“ Einer Frau aus dem Publikum ist die Szene aufgefallen und kommt zu mir dazwischen, ich verstehe leider nicht, was er sagt. Normalerweise werde ich auf Gothic-Partys nie belästigt. Er trägt Schwarz, schwarze Stiefel, schwarze Jeans, schwarze Lederjacke, optisch gehört er dazu.

Ich muss das noch minutenlang verarbeiten, weitere Titel werden gespielt, aber irgendwie tanze ich nicht mehr. Irgendwann bin ich die Einzige, die noch in dem kleinen Saal auf ihrem Sitzplatz auf der Fensterbank sitzt und ein Security-Mann kommt auf mich zu: „Wir schließen jetzt.“ Meine stumme Handgeste rüber zur beleuchteten Tanzfläche, auf der niemand mehr tanzt, aber wo soll ich denn jetzt noch hin? Blick auf die Uhr, es ist gerade mal kurz vor zwei Uhr. Bis mein Zug fährt, dauert es noch drei Stunden. Der Worst-Case.

Zurück in den Vorraum, die Kleiderständer und die paar aufgestellten Polsterstühle, bei den wenigen Gästen, genug Sitzmöglichkeit. Ich nehme meinen Wollmantel und das Innenfutter, die olivgrüne Steppjacke, vom Haken und ziehe mich mit meinem schwarzen Schal wieder warm an, mein schwarzer Pullover war die ganze Zeit in meiner Handtasche verstaut.

Draußen vor der Gaststätte und dem Aufgang zum Konzertsaal, ein paar Leute auf der gegenüberliegenden Straßenseite warten auf Taxis, ich könnte auch anfragen, eins zu teilen. Die beiden von der französischen Band stehen mit mir auf der Treppe vor dem Eingang, sie sind vielleicht auch genauso überrascht, dass das hier so abrupt abgebrochen wurde. Es entwickelt sich ein kurzes Gespräch.

„Are you waiting for a taxi?“

„No, no, I wait for a bus or a tram“, da drüben ist die Haltestelle für die Nachtlinie, eine Traube an Menschen bildet sich da schon.

„You live here?“

„No, my train back is at five'o'clock in the morning.“

„Oh. You could wait here inside.“

„No, no …“

Sie ist nett, er ist meistens stumm. Ich sage noch Tschüss und springe schon die Treppenstufen runter und die Straße rüber zur Bushaltestelle, um dort mit meinem Smartphone den Fahrplan auszuleuchten, tatsächlich fährt hier sonnabends und Sonn- und Feiertag ein Bus wenige Minuten nach um zwei Uhr nachts Richtung Hauptbahnhof. Nettes Angebot von ihr, aber wo hätte ich da drinnen warten sollen, die Gaststätte war doch schon zu? Backstage? Glaube ich nicht, da wären die doch auch rausgeworfen … ich versuche mein Glück in der Innenstadt, irgendwo eine von den Bars dort, die ich kenne, da kriege ich die Wartezeit rum, bis mein Zug abfährt.

Ausstieg am Hauptbahnhof, immer noch alles voller Menschen, das ganze Party-Volk. Ich laufe die Straße gegenüber in die Innenstadt, die Fußgängerzone von Leipzig. Vielleicht die Gay-Bar, wenn die noch offen hat, vielleicht die andere Bar am Marktplatz, da habe ich immer ein paar nette Männer kennengelernt, mit „Gelegenheiten“. Weit komme ich nicht, ein paar Schritte mit Sichtweite zum großen Gebäude des Hauptbahnhofs, war hier nicht einmal diese eine Kellerbar? Die mit den großen Videoleinwänden und der umfangreichen Cocktail-Karte? Ich drücke die unscheinbar wirkende Glastür auf und finde die kleine Treppe in den Keller vor mir. Die Bar gibt es immer noch und sie hat auf.

Auf den Videoleinwänden werden Neunziger-Jahre Musik-Clips gespielt, es riecht leicht nach Zigarettenqualm, ein paar Gäste sitzen auf den Sofas und Stühlen in den Sitzecken, voll ist es auch hier nicht, ich habe die freie Wahl auf die ganzen Barhocker und Stehtische vor mir. In dieser kleinen Kellerbar war ich auch schon länger nicht mehr. Ich packe meine ganzen ausgezogenen Sachen vor mir auf den zweiten Barhocker, mein Mantel türmt sich mit der Steppjacke, dem Blazer und dem Schal auf meiner Handtasche, ich nehme den Barhocker an der Wand mit freier Sicht auf die Videoleinwand auf der anderen Seite des schmalen Kellers, zwischen mir und der hell ausgeleuchteten Wand liegt nur die große U-förmige Bar und die ganzen Spirituosen für die ganzen Cocktails. Ich studiere die Karte … Ipanema oder Virgin Mojito? Eine ganze Spalte für alkoholfreie Cocktails, es gibt noch viel mehr, aber ich bleibe bei meinen beiden.

Der Strohhalm in dem Glas zwischen den ganzen Eiswürfeln und den Minzblättern, der körnige Rohrzuckersirup ganz unten, die Bandbreite der Musik-Clips erstreckt sich von den frühen Neunzigern bis in die frühen Zweitausender, ein paar Engländer bejohlen jedes Video und kennen die ganze Playlist auswendig. Ein paar andere deutsche Gäste sitzen dahinten auch in der Sitzecke und was mir gar nicht auffällt, ich werde gemustert.

„Hey du, möchtest du dich vielleicht mit zu uns setzen?“

Ich zögere, mach ich's, mach ich's nicht? Kurzentschlossen greife ich meinen Stapel warmer Winterkleidung von dem anderen Barhocker und laufe die drei, vier Meter rüber zu der Sitzecke. Mein leergetrunkenes Cocktail-Glas lasse ich stehen.

Die vier Männer kommen aus München und sind nur hier für ein Pokerturnier.

„Spielt ihr auch um Geld?“

„Nein, so etwas machen wir nicht, nur die Chips.“

Ein Gespräch ergibt sich, wo komme ich her, was mache ich hier. Ich bin nicht aus Leipzig, ich warte hier nur auf meinen Zug zurück, ich war auf einem Konzert, so etwas mit Gothic. Anhand meiner Kleidung haben sie das nicht erkannt, schwarze Jeans, schwarzer Pullover, sonst auch nur mein unscheinbares „Corporate Goth“ Outfit. Und was machst du so beruflich? Ja … Software programmieren. Ein oder zwei der Männer machen das auch, oder haben das mal gemacht.

„Wir wollen jetzt rüber gehen zu dem Currywurst-Stand, etwas essen, du kannst ja mitkommen, wenn du magst, das ist auch da irgendwo beim Hauptbahnhof.“

Eine Currywurst-Bude? Die nachts offen hat? Ist mir nie aufgefallen. „Ich muss nur noch schnell mein Cocktail bezahlen.“

Ich brauche ewig, meine ganzen Schichten an Winterklamotten wieder anzuziehen, die vier Männer stehen schon oben, draußen vor dem Eingang zu der Cocktail-Bar und warten auf mich. Den Weg die paar Schritte zurück zum Hauptbahnhof, hell beleuchtet in dem Nebelschein, nicht zu verfehlen.

Die Currywurst-Bude ist etwas abseits daneben, noch auf der Seite der Fußgängerzone der Leipziger Innenstadt, getrennt vom Bahnhof durch die mehrspurige Magistrale und den zentralen Straßenbahnlinien. Die Currywurst-Bude wird diesen frühen Morgen gemanagt von einem älteren Mann mit Leipziger Akzent. Ich bin überrascht, dass die vier aus München und Umgebung nicht so einen starken bayrischen Akzent haben, als sie versuchen, ihre Currywurst und ihre paar Pommes zu bestellen. Ein paar Bier auch dazu.

„Und willst du auch noch was bestellen? Pommes, eine Cola, ein Bier?“

Nein, danke. „Ich warte noch auf mein Frühstück, dann später gegen sieben Uhr, beim Bäcker im Magdeburger Hauptbahnhof“, ich muss da noch umsteigen.

Innen drinnen in der Currywurst-Bude mit angeschlossenem Bistro, lasse ich mich doch noch überreden, mir wenigstens eine Flasche Wasser ausgeben zu lassen. Die vier Männer sind wirklich sehr nett, die Situation ist vollkommen anders, als ein paar wenige Stunden zurück in dem Club und dem Typen, von dem ich von der einen Frau schützend erfahren habe, dass der eigentlich nichts Gutes mit mir will.

Mein Blick auf mein Smartphone, herausgekramt aus meiner Handtasche, es ist gegen halb fünf Uhr den Sonntag Morgen. Die Männer bleiben auch nicht lange in dem Imbiss und haben ihre Hotels hier gleich gegenüber im Umkreis des Hauptbahnhofs, sie überlegen schon, wie sie die nächsten drei Stunden mit etwas Schlaf auskommen können, um gleich den Vormittag mit dem nächsten Pokerturnier beginnen zu können. Ich erreiche mein Bett erst in drei oder vier Stunden, wenn ich gegen acht Uhr mit dem Regionalzug mein Heimatkaff erreiche.

Unsere Wege trennen sich, als die vier die große Hauptstraße zurück zu ihren Hotels überqueren wollen und ich die Grünanlage neben der Straße zurück Richtung Hauptbahnhof stapfe. „Ich nehme lieber die Ampel.“ Und Tschüss. Niemand von den vier hat mich um meine Telefonnummer gebeten, es war einfach nur ein flüchtiger, nächtlicher Kontakt. Sie sind jedes Jahr zu dem Turnier hier, sie gehen immer in diese Bar, wenn ich in einem Jahr hier wieder vorbeilaufe?

Mein Zug fährt um fünf Uhr zwanzig. Er steht schon auf dem Gleis in der hell beleuchteten Bahnhofshalle bereit. Auf dem Nachbargleis der dunkelblaue „Nightjet“ mit den Liegewagen, so einen will ich auch mal wieder buchen. In den Wagons des Regionalzuges, ich suche meinen Stammsitzplatz, die eine zweisitzige Bank in der dahinter keine weiteren Sitzplätze sind. Ich laufe an einer vorbei, drehe mich wieder um – und schon ist sie von einem anderen Pärchen in diesem ansonsten leeren Wagon besetzt. Ich finde meine Sitzbank am anderen Ende des Wagons, mal nicht in Fahrtrichtung, vielleicht rutsche ich da auch nicht mehr runter, wenn der Zug bei jedem durchfahrenden Bahnhof bremst oder wieder beschleunigt. Meine ganzen Sachen an dem Kleiderhaken über der Scheibe, meine olivgrüne Steppjacke zu einem Kissen geformt, meine schwarze Handtasche im Griff der Finger darunter, die Absätze meiner Stiefeletten abgelegt mit angewinkelten Beinen auf der kleinen Kante unterhalb des Fensters, die Fenster gehen hier in dem erhöhten Teil des Wagons bis weit nach unten. Ich habe meine Schlafposition erreicht. Der Zug fährt los, nächster Halt: „Leipzig Messe …“

„… Dessau“, ich wache auf, neue Zuggäste, irgendwelche jungen Frauen, zum Glück etwas weiter weg, sie hören bald auf, sich zu unterhalten.

„Zugestiegene Fahrgäste?“

Ich ziehe mein Ticket aus der Gesäßtasche und blicke leicht nach oben.

„Weiterschlafen.“

Die Frau vom Zugpersonal geht weiter, ich zähle wieder meine Nummern: „Einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiundzwanzig …“

Ich schrecke auf, vor mir in den Fenstern die Gebäude der Magdeburger Großstadt – habe ich verschlafen? Habe ich den Hauptbahnhof verpasst, fährt der Zug schon wieder zurück nach Leipzig? So dramatisch wäre es nicht, mein Länderticket gilt unbegrenzt den ganzen Tag. Zum Glück habe ich meinen Ausstieg nicht verpasst, mir bleiben sogar noch ein paar Minuten, mich wieder anzuziehen und nichts zu vergessen auf dieser kleinen Sitzbank in dem Regionalexpress.

Magdeburg Hauptbahnhof, sieben Uhr den Sonntag Morgen, so viele Menschen, wo wollen die denn alle um diese Uhrzeit hin? Mein Regionalzug Richtung Wolfsburg ist es nicht. Ich kaufe mir bei dem Bäcker in der Vorhalle noch mein obligatorisches Frühstücks-Croissant mit Nuss-Nougat-Creme-Füllung und esse es wieder, zurück im leeren Zug, aus der Papiertüte. Vor mir vor den Fenstern bricht schon der Morgen an, als der Zug sich in Bewegung setzt und Magdeburg verlässt. Hätte ich jetzt nicht meine Abschminktücher zu Hause liegengelassen, ich hätte die Zeit im Bad einsparen können und wäre ein paar Minuten früher ins Bett gefallen.

Zurück zu Hause, Klamotten auf die Bügel, Handtasche auf die Couch, Fenster öffnen, ins Bad, Fenster wieder schließen, ins Bett. Zwei Ruhetage, dann wiederholt sich das Ganze …

[25.12.25 / 17:54] Neuzugang: Seit den letzten Shopping-Touren schleiche ich in den verschiedensten Schuhläden um ein Paar ähnlich aussehende Stiefel – ich suche ein Paar Engineer Boots für mich (von mir fälschlicherweise als „Worker Boots“ bezeichnet), die passen bestimmt super zu meiner kürzlich gekauften, schwarzen Bootcut-Jeans. Marlon Brando, James Dean … All die Motorradrebellen aus den alten Schwarz-und-Weiß-Filmen – mein chromglänzender Chopper steht in der Garage. Die Stiefel der Achtziger Jahre aus der Punk- und Gothic-Szene, speziell die Gothic-Rock Szene … einen schwarzen Mantel habe ich nicht (mehr), aber mein grau-schwarzer Kuschelmantel passt auch super. Fehlt nur noch den Preis Überdenken … Fast 60% Prozent Rabatt? Die sind in dem Schuhladen in der Magdeburger Innenstadt im Weihnachts-Sale? Gekauft. Bloß etwas über hundert Euro für das paar Stiefel, das deckt die gerade auf dem Konto gutgeschriebene, jährlich ausgezahlte Aktiendividende … mein Shopping-Rausch-Gewissen beruhigen.

[18.12.25 / 20:21] Laserbehandlung #4 (Haarentfernung #35) – Eine neue Kollegin, sie setzt den Laser nicht so nah auf: „Von einer Skala von eins bis zehn …“ Unteres Drittel, lieber eine Einstellung höher als beim letzten Mal, damit es wirkt.

Drei Tage später, die Epilationen im Gesicht seit über zehn Jahren, damit niemals überhaupt ein Hauch von Bartschatten erkennbar ist. Alle Menschen schauen mir ins Gesicht, innerhalb von Sekundenbruchteilen fällt die Einordnung zwischen Mann und Frau, die teure Laserbehandlung ist mit das Wichtigste im (Über-)Leben einer trans Frau … und doch höre ich es wieder den Tag hinter mir tuscheln: „Das ist ein Mann.“ Ich habe eigentlich gar kein Passing.

[03.11.25 / 00:33] Der Sonntag, wieder das Frühstück oben in der siebten, die Aussicht auf ganz Leipzig vor mir. Dieses Mal habe ich mich vor dem Frühstück geduscht, ich war eigentlich nicht auf zwei Nächte eingerichtet, außer meiner zweiten Unterhose hatte ich nichts zum Wechseln dabei. Den Sonntag nach dem Check-out um Mittag auf direktem Weg zum Hauptbahnhof. Ein Stoffmarkt auf dem Platz vor der Oper kreuzt meinen Weg, aber ich finde nichts für meine Ideen, ich hätte gern ein Kleid in Tarnfarben, aber solche Stoffmuster gibt es hier nicht.

Weiter zum Bahnhof, noch einen doppelten Espresso trinken, dann über einen Stopp an der Toilette, zu meinem Gleis. Das Ticket aus dem Automaten, Hinweise zum Streckenverlauf? Scheint alles normal zu sein. Am Gleis, es werden immer mehr wartende Menschen.

Der Regionalzug fährt ein, in einfacher Traktion, ich ahne schlimmes, das könnte eng werden. An der Tür stehe ich noch weit vorne, die ersten Meter … Mist, Erste Klasse, falscher Eingang. Bis ich mich umdrehe und den Zug in dem Gang entlanglaufen will, stehe ich schon zwischen all den wartenden und irritierten Menschen. Der Zug ist richtig voll. „Verdammte Scheiße!“ Ich kann mich nicht mehr beherrschen.

Ein paar Schritte den Gang weiter, der Zug setzt sich in Bewegung. „Das ist jetzt mein Sitzplatz.“ Wo ich stehe, mitten im Gang, setze ich mich auf den Boden, zwischen all den vielen Menschen. Die nächsten Stationen steigt sowieso niemand zu oder aus. Netterweise habe ich wenigstens meine Reisetasche auf eines der Ablegefächer für Gepäck gelegt. Viele, viele Stationen weiter, wo wirklich mal Bewegung in den Gang kommt, stehe ich auch auf und beobachte, ob etwas frei wird, die Hälfte steigt bis Dessau aus, niemand will wirklich bis nach Magdeburg, allerhöchstens, um dort umzusteigen.

Den Anschlusszug in Magdeburg hätte ich fast bis auf die letzte Minute verpasst, aber ich musste ja unbedingt noch beim Asiaten im Bahnhof ein Teller mit Nudeln, Tofu und Gemüse essen. Der Regionalzug nach Wolfsburg ist der schlimmste, hier fährt wirklich nur ein winziger in Einfach-Traktion und ganze ausländische Großfamilien nutzen den, weil er günstig ist. Ausländische Großfamilien und ausländische Studenten und Gruppen halberwachsener Männer, wahrscheinlich „Freunde des runden Balls“. Die paar letzten Kilometer, ich habe einen Sitzplatz gefunden.

Ich mag die beiden Regionalzüge, von Leipzig kommend, über Magdeburg bis zu meinem Heimatkaff … um fünf bis acht Uhr den frühen Sonntagmorgen – aber nachmittags? Am Wochenende? Freitag, Sonnabend, Sonntag, die Pendlerzeiten in der Woche? Furchtbar … Und so billig ist das nun auch nicht, jeden zweiten Monat Party in Leipzig. Als ich da noch meine Dachbodenwohnung hatte … Ich glaube, er hat meine Nachricht noch immer nicht gelesen. (Ende Teil 3/3)

[03.11.25 / 00:32] Sonnabend kurz vor zehn den Morgen, ich hatte zwar den Wecker gestellt und meine Abschminkzeit im Bad auf das Nötigste reduziert, um von vier bis zehn wenigstens sechs Stunden schlafen zu können, aber mein Biorhythmus reißt mich vorher schon raus. Aus dem Bett fallen, Unterwäsche wechseln, vom Nacht- zum Tagesslip, das beschfarbene T-Shirt habe ich anbehalten, das ist jetzt nach dem Disko-Outfit mein Schlafshirt. In meine Standard-Gothic-Klamotten wechseln, schwarze Jeans, schwarzer Pullover, mein gebuchter Slot für das üppige Frühstück oben in der siebten: von zehn bis elf Uhr, duschen kann ich danach.

Ich wollte dieses Frühstück unbedingt wieder, die Aussicht auf die Leipziger Innenstadt ist einfach atemberaubend, alle Tische und Stühle sind in Richtung Fenster. Das Frühstücksbuffet ist üppig. Brötchen, Croissants, Vanilleplunder, Früchte-Joghurt-Knuspermüsli, Café Crema und Orangensaft, sogar ein Frühstücksei. Ich hätte mehr nehmen können, aber ich nehme keine Wurst, Käse oder Salat zum Frühstück. Die paar Euro mehr unten an der Rezeption, ich würde hier immer das Frühstück dazubuchen.

Wieder unten in meinem Zimmer, die Dusche nehmen, die flachen Schuhe anziehen, heute mache ich meine Einkaufstour in der Leipziger Innenstadt gleich gegenüber. Doch vorher unten an der Rezeption die zweite Nacht dazubuchen. Ich tue es, aus Liebe zu ihm … hoffentlich wird er sein Wort halten, hoffentlich wird er mich wieder besuchen kommen, er muss mich bezahlen. Ich bin nicht billig, mein Stundenpreis hat sich gerade auf über hundert Euro erhöht.

Meine Einkaufstour: mindestens vier bis fünf Kaufhäuser, vier bis fünf Schuhläden, irgendwo einen Kaffee trinken, ein Stück Kuchen essen, eine Pizza essen, Pausen einlegen. Von zwölf bis achtzehn Uhr, oder noch später, bis der Tag wieder dunkel ist und der Party-Abend angefangen hat. Ich habe einen Plan, was ich kaufen will, das teure Kaufhaus am Marktplatz, ich soll für die Familie einen Wollpullover auskundschaften, gefällt er mir auch, kaufe ich den auch, als Anschauungsmaterial für die online Bestellenden. Auf den Weg dahin, die ersten Schuhläden, aber eigentlich will ich noch in den einen Unterwäscheladen und die Parfümeriekette – und die eine Drogerie, weil ich habe natürlich irgendetwas zu Hause vergessen, Abschminktücher, der halbe schwarze Mascara der letzten Nacht klebt bestimmt noch zwischen meinen Augenwimpern.

Der Pullover in dem teuren Kaufhaus, die weißen Wollhaare heften an meinem schwarzen Pullover, ich habe die Strickjäckchen-Variante anprobiert, dieser Pullover ist furchtbar, der ist schlimmer, als unseren Hund zu umarmen. Den kaufe ich nicht und rate meiner Familie davon ab, der Pullover und das Jäckchen ist auch in allen Größen noch verfügbar … ich bin nicht die Einzige, die so denkt. Weiter in die nächsten Kaufhäuser.

Die Parfümeriekette, meine Tagescreme ist alle, die mit dem Lichtschutzfaktor, die ist momentan die einzige Creme, die wirklich hilft gegen mein „Rote-Nase-Problem“, jeden Abend, jeden Tag, sehe ich aus, als hätte ich zu viel getrunken … als strenge Nicht-Alkoholikerin. Alles was an Tageslicht darauf fällt, lässt sie den Abend rot glänzen. Ich nehme die große Dose Creme für fünfzig Euro, ich brauche den Sonnenschutz auch im Winter.

Weiter in den Unterwäscheladen … ihr hattet doch da mal so eine schwarze Unterhose, hoch geschnitten bis zum Bauchnabel, wie eine Panty, aber hinten an den Pobacken, fast wie ein String-Tanga? Ja, genau der, die Verkäuferin zieht ihn aus der Schublade, er gehört zu der Kollektion von dem BH, den ich hier vor ein paar Wochen gekauft habe, genau den BH trage ich auch genau in diesem Moment. Freudig komme ich aus der Umkleidekabine wieder heraus, endlich ist das Ensemble komplett. Weiter den Mittag und den frühen Nachmittag, weiter den weiteren Nachmittag, endlich gibt es sie wieder, die schwarze Bootcut-Levi's, die, die ich schon seit Jahren suche, die, die ich immer wieder in den Geschäften nachfrage – jetzt ist er da, der große Stapel, in allen erdenklichen Größen, sogar meine Größe, Bundweite und Beinlänge sind fast identisch (von 29/30 zu 28/30).

So eine schöne, neue Hose, fehlen nur noch Stiefel, die ich darunter tragen kann. Alles, was ich in Leipzig in der Fußgängerzone der Innenstadt kenne, alle Kaufhäuser, alle Geschäfte, alle versteckten Outlets, die ganz große Runde. Aber Schuhe kaufe ich dann doch nicht mehr, das passt nicht ins Budget, und nur für einmal den Winter die gefütterten Worker-Boots zu tragen und dafür zwei- bis dreihundert Euro zu zahlen, da habe ich dann doch Kaufrausch-Bedenken. Zurück in Richtung meines Hotels, es fängt an, zu regnen, es ist dunkel geworden, der Tag ist schon wieder zu Ende. Auch beim Pizza-Essen in einem der drei italienischen Restaurants, hört der leichte Regen draußen nicht auf. Nach meinem Abendessen, sprinte ich von Hausfassadenvorhängen und überdachten Geheimpassagen bis zu meinem Hotel gleich hinter dem Augustusplatz.

Wieder oben in dem Zimmer, es ist neunzehn Uhr, mein Freund hat sich nicht mehr gemeldet, er hat die Textnachricht nie gelesen, er weiß nicht, dass ich das Zimmer für eine zweite Nacht gebucht habe, vielleicht will er es auch gar nicht lesen. Ich weiß nichts über ihn, weiß nicht, wo er hin ist, weiß nicht, was er sonst macht, wenn ich nicht in Leipzig bin. Die Arbeitskollegin spinnt schon eine weitere Geschichte, vielleicht ist er längst verheiratet? Hat eine Familie? Ich bin nur die Geliebte, die in Unkenntnis gelassen wird. Ich glaube nicht, dass irgendetwas davon wahr sein könnte. Sie möchte ein Foto, sie will einen Beweis, dass er existiert. Er wird kein zweites Mal kommen. Er wird mich zurücklassen. Mir war von Anfang an klar, dass ich das Hotelzimmer selbst bezahlen werde. In Leipzig wäre jetzt noch ein interessantes Konzert mit fünf Horror-Punk-Bands irgendwo im Westteil der Stadt – ich habe einen Flyer dafür, schon seit Pfingsten, aber dieses Konzert hat schon längst angefangen und ich habe auch kein Ticket. Wohin noch? Überall sind noch ein paar Punk-Konzerte diesen Abend, aber ich will die Innenstadt nicht verlassen, nur noch zu Fuß laufen, in der Nähe meines Hotelzimmers bleiben, auch für den nächsten Morgen habe ich das Frühstück gebucht.

Ich hab das nicht übertrieben / Halloween 2025 / Alter 43

Mein Make-up habe ich bis kurz vor zweiundzwanzig Uhr fertig, dramatisch schwarz rund um die Augen, die letzten Rester aus dem Mascara-Behälter kratzen, einen neuen habe ich schon den Tag in der Parfümeriekette dazugekauft. Ich will wieder die schwarze Pinselführung, wie ich sie schon die letzten zwanzig Jahre gemacht habe, als ich als junge Studentin meine ersten Nächte von Wernigerode aus nach Leipzig gefahren bin, ich sehe immer wieder diese markante, geschwungene Häuserfassade unweit des Hotels, an denen ich 2004 das erste Mal daran vorbei gelaufen bin, das erste Mal als trans Frau die Nacht in die Disko gehen.

Meine Bar für diesen frühen Abend ist die Sky-Bar oben in der achten Etage, ich muss nur den Hotelfahrstuhl ein paar Etagen höher fahren. Einen Sitzplatz in der vollen Bar suchen, die Aussicht genießen, einen alkoholfreien Virgin Mojito bestellen. Mein Outfit für die Nacht, die reduzierte Variante von gestern: die beschfarbene Thermo-Strumpfhose lasse ich weg, so kalt ist es nicht, nur die schwarze Nylons auf meinen frisch rasierten Beinen unter meinem schwarzen Ledermini. Die schwarze Netz-Tunika hängt im Zimmer am Garderobenbügel, ich trage nur das schwarze Unterhemd unter meinem Kapuzenpullover, meine Lederjacke für die paar Schritte draußen, später den Abend, habe ich mit dabei, ich gehe dann noch in diesen einen Gothic-Club hier in der Nähe. Die schwarzen Stiefel mit Absatz, der Nietengürtel, die intensive Wolke an orientalischen Parfüm und Patchouli. Mein silberner Armreif blinkt an meinem Handgelenk, jetzt nur nicht mit ein paar unachtsamen Bewegungen ein paar Risse in meine neue Nylons ziehen. Auch hier bleibe ich alleine, niemand der anwesenden Hotelgäste spricht mich an, ich will auch nicht angesprochen werden.

Die Fußgängerampel steht auf Rot, sie schaltet einfach nicht um. „Die ist kapuutt“, ein Radfahrer mit Akzent kommt mir entgegen, eine unendlich lange Blechlawine an Autos staut sich an dieser zentralen Kreuzung beim Hauptbahnhof. Wer geht jetzt zuerst rüber, ein paar nervöse Autofahrer, oder ich? Jeder, der neu an diese Ampel heranfährt und stoppt, denkt, die könnte in den nächsten Minuten auf Grün umschalten. Ich muss vorsichtig bei Rot rüber. „Totales Chaos.“ Weiter zum Eingang des Hauptbahnhofes, der Schalter mit dem Geldautomaten in der Halle ist bis Mitternacht noch offen.

Weiter wieder zurück in der Leipziger Innenstadt, zu Fuß zu dem einen, einzigen, ganz bekannten Gothic-Club hier in der Gegend, der eine Keller mit den zwei Tanzflächen, von denen ich denke, dass der mal vor vielen Jahren in einer anderen Seitenstraße war, dann umgezogen ist, „Pandemie-bedingt“ schließen musste und wieder neu aufgemacht wurde. Diese Nacht ist hier auch so eine Art Halloween-Party, Zeugs aus den Achtzigern auf zwei Floors. Ich zahle meine paar Euro Eintritt und gehe die steile Treppe runter in den Keller.

Voll ist es nicht, aber ganz angenehm, Musik aus den Achtzigern sagt mir zu und irgendwie ist das gerade der einzige, offene Gothic-Club in ganz Leipzig (gibt es überhaupt mehr, als diesen) das lange Party-Wochenende … außer vielleicht diese Horror-Punk mit Aftershow dort woanders, aber das ist zu weit.

Mein Getränk an der Bar, Mate-Brause gibt es auch hier, die ersten Titel tanzen, meine Jacke und meine Tasche irgendwo ablegen, mein Hoodie ist schon wieder zusammengerollt darin verschwunden. Eine Garderobe gibt es hier nicht, oder niemand hat sie je gesehen.

Es werden mehrere Titel, der DJ haut einen Kracher nach dem anderen heraus und ich habe das Gefühl, ich komme von dieser Tanzfläche nicht weg. Ich muss, ich brauche Nachschub an der Bar. Ein Typ quatscht mich an, schon wieder so ein Betrunkener, nicht-schwarz-Gekleideter, ich nehme ihn erst gar nicht für voll, was will er von mir? Ein Euro? Er wollte mir mein Getränk ausgeben. Ich wimmele ihn ab, ich muss gehen, ich muss weiter tanzen, ich muss zu meinem Sitzplatz, meinen Stehplatz, auf die Toilette, irgendwo anders hin, nur nicht hier. In der dunkelsten, hintersten Ecke, ich muss aufpassen, Betrunkene wissen nicht, was ich bin, das Drama ist groß, wenn sie herausfinden, dass ich trans bin.

Ich werde noch mehr angesprochen, ein nicht betrunkener, schwarz gekleideter Goth, nett von ihm, dass er mir Bekanntschaft anbietet, aber er erkennt, dass ich nervös auf so etwas reagiere und lässt mich lieber in Ruhe. Weiter in der Toilette, es gibt nur eine Herrentoilette und eine ohne Aufschrift? Wieder ein interessantes Gesprächsthema und Small-Talk-Moment: „Ich zeige dir die richtige Toilette … Nanu?“ Auch nett, der Raucherkeller mit der Abluft-Technik.

Ich bleibe bis kurz vor drei Uhr, so viele Titel zum Tanzen, nahezu textsicher singe ich einige davon mit. Ich glaube der schönste Moment ist der, in dem ich meine Jacke von dem Abstelltisch hole und auf die Tanzfläche zurücksprinte, einen Arm halb im Ärmel, das Band-Patch am Revers zeigen, ich muss doch zu diesem Titel von den „Misfits“ tanzen. Der Abend war eigentlich ganz nett, auch wenn ich angequatscht wurde … niemand spricht mich an, warum sollte mich jemand ansprechen? Warum sollte jemand mit mir flirten wollen? Vollkommen unmöglich …

„Weiterlaufen, weiterlaufen, nicht umdrehen …“

„Hey du, bleib doch mal stehen!“

Meine Absätze knallen wieder einsam auf dieses Pflaster, irgendjemandem scheine ich aufgefallen zu sein.

„Woher kommst du? Woher bist du, bist du von hier?“

„Nein“, ich laufe weiter, er kommt mir näher, versucht ein Gespräch.

„Ich bin auch nicht von hier. Wohin gehst du?“

„Zu meinem Hotel.“

„Wollen wir was zusammen machen, was trinken gehen?“

„Ich trinke nichts“, ich werde nervös.

„Bleib doch mal stehen, ich will mich mit dir unterhalten, wollen wir die Nacht was machen?“

Ich weiß doch schon längst, was du von mir willst: „Nein.“

„Kann ich deine Nummer haben?“

„Ich gebe meine Nummer nicht raus. Ich trinke keinen Alkohol. Ich mache diese ganzen Sachen nicht.“

Er dreht ab, er ist weg. Für die nächsten Minuten, glaube ich noch Schritte zu hören, aber ich drehe mich nicht um. Durch die hell beleuchtesten aber einsamen Passagen zurück in Richtung meines Hotels. Ich weiß, wie ich wirke, die Lederstiefel mit den Absätzen, die dünne Strumpfhose, der kurze Leder-Minirock, die schwarze Lederjacke, meine Handtasche und die langen, blonden Haare, dazu das schwarze Augen-Make-up. Ich will nicht angesprochen werden, nicht um drei Uhr nachts irgendwo im Laternenschein der einsamsten Straße in jeder Großstadt in jedem Land. Ich will einfach nur in mein Hotelzimmer. Da angekommen, der Hotel-Rezeptionist drückt auf einen Knopf und die Glastür öffnet sich automatisch, die wissen, warum sie das hier die Nächte nach Mitternacht verriegeln. Zurück in meinem sicheren Zimmer, noch ein paar Stunden bis zum Frühstück wenig später, ein paar Stunden schlafen, das ganze schwarze Augen-Make-up aus dem Gesicht wischen. (Ende Teil 2/3)

[03.11.25 / 00:31] Das Halloween-Wochenende, ich bin da, wo ich immer bin: die „Gothic Pogo Halloween Party“ in Leipzig. Das Outfit steht auch schon fest, das vom Sommer, das vom August, die abgesagte Kinky-Party: mein kurzer Lederrock und die schwarze Strick-Tunika aus dem sauteuren Unterwäscheladen – aber es ist nicht mehr Sommer, es ist schon Spätherbst … also kombiniere ich mein schlüpfriges Outfit mit der neuen, hautfarbenen Thermo-Strumpfhose und dem hautfarbenen T-Shirt, einen BH trage ich drunter, einen anderen darüber, es sieht aus als wäre ich nackt – aber ich bin es nicht. Schwarzer Kapuzenhoodie, schwarze Lederjacke, die halbhohen, schwarzen Stiefeletten mit dem Faltenwurf, alles in meine kleine Reise-Sporttasche, die mit dem olivgrünen Camouflagemuster.

Das Hotel habe ich auch wieder dasselbe gebucht, das in der alten Post am Augustusplatz in Leipzig, die abgesagte Party den Sommer, ich musste das Zimmer stornieren, jetzt den letzten Tag im Oktober, ich nehme es wieder, das Frühstück oben auf der siebten Etage, das will ich unbedingt auch dazubuchen, wie auch im Februar Anfang dieses Jahres.

Von meiner Arbeitskollegin habe ich einen Auftrag erhalten, ich soll endlich ein Foto von meinem „Geist“ machen, ich muss beweisen, dass es ihn gibt. Immer wieder muss ich mir ihre Geschichten anhören, ihren Beziehungskram, ihren Geliebten, ich komme mit meinem Geliebten, mein On-Off-Ex-Freund aus Leipzig, mit dem ich nur höchstens zweimal im Jahr eine Nacht zusammen in einem Hotelzimmer buche, mehr Beziehungserfahrung habe ich nicht. Sie zeigt mir ihre Bilder mit ihrem Freund, ich habe nichts. Es gibt keine Bilder von mir mit ihm, schon seit zehn Jahren nicht, es ist wie ein Tabu, niemals wird es ein Foto von uns geben … es würde alles zerstören? Die ganze Illusion? Es scheint, als existiert er nur in meiner Phantasie, ich habe ihn nur erfunden, um mitreden zu können.

Der Donnerstag Abend vor dem 31. Oktober, Beine rasieren, Augenbrauen trimmen, der ganze Körper, Scham-, Achsel- und alle anderen Haare. Meine Tasche packen, ich nehme den Zug, Gewicht reduzieren, brauche ich wirklich alles? Die ganz große Waschtasche kommt doch mit rein, das gesamte Make-up-Sortiment. Aber mindestens die Hälfte des Innenvolumens der Sporttasche füllt das Paar schwarze Stiefel, und dieses Paar ist ein ganz klein wenig kleiner, als das Paar Stiefel, das ich den September in Berlin schon mit reingequetscht habe. Alles passt am Ende rein, sogar der Baumwollhoodie.

Freitag nach dem Mittagessen, der Regionalzug Richtung Leipzig, wird er voll sein, bekomme ich einen Sitzplatz, das ist ein langes Wochenende hier in Ostdeutschland – es geht, ich hatte es mir schwieriger vorgestellt. Alle meine Textnachrichten an ihn, wann ich in Leipzig erwartet werde, waren stark übertrieben. „Deutsche Bahn Adventure Tours.“ Die paar Minuten später gelten schon als pünktlich.

Siebzehn Uhr nochwas, er weiß bereits seit ein paar Tagen, das ich kommen werde. Ich laufe zu dem Hotel unweit des Hauptbahnhofes, Check-in unten in der Lobby, nur eine Nacht, aber ich überlege schon seit ein paar Tagen, noch eine zweite Nacht in Leipzig zu verbringen.

Mein Zimmer ist oben auf der fünften Etage, wieder eines mit dem Fensterblick raus zum Innenhof, schön ruhig und alle Fenster rundherum sind mit schweren Gardinen zugezogen. Ich erwarte seine Ankunft, meine Beine habe ich mir den Morgen schon fein nachrasiert. Ich sitze auf dem Sessel und beobachte die Zimmertür … siebzehn Uhr dreißig eine Nachricht, er kommt in dreißig Minuten. Achtzehn Uhr eine weitere Nachricht, er fragt, ob ich eine Dusche genommen habe … sollte ich? Ich habe mich in dem Zimmer schon eingerichtet, meinen ganzen Kram ausgepackt, mein schwarzer Ledermini und mein „Negligee“ für die Nacht, hängen an der Garderobe. Einundzwanzig Uhr ist Einlass für die Party drüben in Connewitz … Punkt zwanzig Uhr will ich mit meinen Vorbereitungen im Badezimmer anfangen, dann wollte ich eigentlich erst duschen, hinterher.

Ich warte weiter, der Abend hat angefangen, durch die schweren Gardinen kommt auch kein Licht von draußen herein. Kurz vor neunzehn Uhr endlich eine weitere Textnachricht von ihm und es klopft an meiner Tür.

Küss mich, umarme mich, ich hänge an ihm, nicht nur meine Arme umschlingen ihn, auch meine Beine. Das Zimmer ist klein, der Innenraum wird nur von dem weißen Queensize-Bett ausgefüllt. Wir schieben uns an der Wand vorbei, Richtung Fenster. Er zieht sich aus, wirft seine Sachen auf den Sessel, ich hänge meine schwarze Jeans und meinen schwarzen Pullover an die Bügel an der Garderobe. Ich komme nackt zu ihm auf das Bett. Meine Finger gleiten auf seiner Schulter, für einen kurzen Moment die Ruhe einfangen, nur ihn sehen. Er trägt einen schwarz-grauen Vollbart, sein Körper, sein Bauch ist voluminöser geworden, tatsächlich sieht er diesen einen arabischen Schauspieler immer ähnlicher.

Mein Kopf gleitet nach unten, ich halte Blickkontakt, spiele mit seinem Stück, lasse meine Zunge daran gleiten, ich brauche diese Feuchtigkeit für die nächsten Momente. Ich gehe wieder tief. Er hat mich trainiert, er weiß, wie weit ich das kann, ich halte … Sekunden, noch länger, den Atem stoppen, ich brauche wieder Luft und gehe nach oben. Alles läuft aus meiner Nase, der ganze Speichel, Schlucken kann ich so tief nicht mehr. „Do you need paper?“ Ja. Keine Taschentücher weit und breit, ich springe in das Badezimmer und komme mit der Klopapierrolle zurück. Wohin mit den benutzten Tüchern? Ich komme ein zweites Mal zurück und stelle den schwarzen Abfalleimer aus dem Badezimmer gleich neben das Bett. Ich mache weiter mit meiner Technik, der Schluckreflex setzt erst ein, wenn ich wieder rausziehe.

„I want to come in you, in your mouth. I can't in your ass. What do you like, mouth, or ass?“ Bitte … ich bin nur hier, dass du mich von hinten nimmst. Er will am liebsten hin und her wechseln, aber es geht nur in eine Richtung, war er erst einmal hinten drin, nehme ich ihn nicht mehr in den Mund. Er zieht ein Kondom über und dreht mich auf die Seite. „Ich habe mein eigenes Zeug …“ Freudig über meine Fähigkeit, gehe ich mit meiner Hand zwischen meine Schamlippen und schmiere das ganze Sekret hinten an meinen Anus. Ob es wirklich so viel ist? Ich habe mal gerade das Eintrittsloch etwas „befeuchtet“. Er legt meine Beine angewinkelt zur Seite und hebt meine Hüfte, in dieser Position dringt er ungewöhnlich tief ein. Er stößt ein paarmal zu, ich stöhne leicht und greife in das weiße Kopfkissen. Fast! Er hätte es schaffen können, das Gefühl kurz vor meinem Orgasmus … Nein, bitte nicht! Mach weiter! Er zieht in wieder raus.

Er kommt nicht in mir, nicht in dieser Position, er zieht das Kondom ab, klettert über mich und spritzt in meinen Mund. Ich ergebe mich ihm. Nur tief lasse ich ihn nicht fallen, ich halte seinen schweren Oberkörper auf Distanz. Ich brauche meine paar Zentimeter, um frei atmen zu können. Mit zusammengepressten Lippen laufe ich wieder in das Bad und spucke sein ganzes Sperma in die Toilettenschüssel.

„I have to go. Why not, book a second night. I pay.“ Was bedeutet, ich werde das Hotelzimmer für eine zweite Nacht bezahlen und er kommt mit ein paar Euroscheinen die nächste Nacht wieder. In Gedanken sehe ich mich schon auf den kleinen Tisch zeigen, da kannst du die hundert Euro für die nächste Nacht ablegen, wenn wir uns für eine weitere Stunde in diesem Hotelzimmer treffen werden. Ich liege weiter nackt auf dem weißen Bett und beobachte, wie er sich wieder anzieht, er beugt sich zu mir herunter und küsst mich noch einmal, bevor er die Tür schließt und verschwindet. Als wäre er nie in diesem leeren Hotelzimmer gewesen. Mein „Geist“.

Zwanzig Uhr fünfzehn den Freitag Abend, jetzt schnell in das Badezimmer verschwinden, eine Dusche nehmen, meinen Dress für die Nacht anziehen und das Augen-Make-up machen, das Bad in diesem Hotelzimmer hat einen schönen Schminkspiegel mit fünffacher Vergrößerung, die richtige Distanz getroffen, ich brauche sogar nicht die Brille aufzusetzen.

Mit meiner Kleiderwahl für die Nacht muss ich nicht frieren, ich trage mehrere Schichten: BH-Top, schwarzes Unterhemd, besch-weißes Top, den schwarzen Push-up, die schwarze Netz-Tunika, der schwarze Kapuzenpullover, die schwarze Lederjacke. Die beschfarbene Thermo-Strumpfhose trage ich über den schwarzen Slip auf der Haut, die zweite schwarze Nylons über all dem Ganzen. Ich schlüpfe in meine Stiefel, rutsche von dem Bett runter und bin bereit für die Nacht. Meine Absätze hauen laut auf das Leipziger Kopfsteinpflaster, die Straßenbahnhaltestelle am Augustusplatz liegt gleich neben dem Hotel.

Die Halloween-Party im Werk 2 in Connewitz erreiche ich kurz vor zweiundzwanzig Uhr. Zwei Bands stehen auf dem Spielplan, keine der beiden hat schon angefangen. Ich habe so viel Pfingsten verpasst, zwei Festivals parallel waren zu viel, wenigstens diese Nacht will ich mich komplett dem Gothic-Pogo widmen, ich habe viel nachzuholen. Erst einmal mein erstes Essen den Tag, die mobile Frittenbude neben dem Eingang runter zu der kleinen Halle.

Die erste Band … Horror-Punk? Irgendetwas ist anders, ich kann mich mitten in dem Publikum stehend nicht auf diese Band einlassen. Es braucht mehrere Titel, bis ich es herausfinde: ihre Stücke sind zu lang! Ich bin es gewohnt, dass Punk-Songs nicht über zwei Minuten Länge hinauskommen, ihre Titel dieser Band wiederholen sich immer wieder. Mein erstes Getränk an der Bar, zwischen den beiden Bands Sitzplätze suchen, Flyer sammeln, mal nach draußen gehen, die Dame von der Security hat mich erkannt … da war doch noch was, letztes Mal Pfingsten hier. Mein Freund ist dieses Mal nicht mit dabei.

Die zweite Band, immer wieder glaube ich, Titel zu erkennen … covern sie manchmal ein paar Songs? Ist das eine B-52-Tribut-Band? Zu viele Fragen dieses Halloween-Wochenende, speziell das „Velma-Kostüm“ der Schlagzeugerin treibt ein Schmunzeln in mein Gesicht.

POV: Du bist auf einer Gothic-Party

Nach den beiden Bands, die Disko. Mein Hoodie ist in der Handtasche eingerollt. „Endlich frei!“, laufe ich die Treppe von der Garderobe herunter zu der Tanzfläche, in den beiden Jackentaschen meiner Punker-Lederkutte das Nötigste, Smartphone und Bargeld, für eine zweite Flasche Mate-Brause. Die Songs, die angespielt werden, Gothic-Punk, manchmal auch etwas Elektronisches. Viel zum Tanzen für mich. Werde ich angesprochen, nein. Ich bleibe für mich, ganz allein, kann mich ganz auf mich selbst konzentrieren. Dabei wäre ich ansprechbar gewesen, dass ich nur für ein paar Stunden vorher den Abend Sex gehabt habe, lässt in mir ein Gefühl von Normalität entstehen, als wäre ich nicht komplett in meiner Bubble zwischen den Menschen.

Zwei Uhr fünfundvierzig, ich muss gehen. Alles läuft nach Plan. Draußen die Straßenbahnhaltestelle, da fährt um drei Uhr nachts eine Nachtlinie der Straßenbahn, zurück Richtung Hauptbahnhof und mein Hotel. Viele der schwarz gekleideten Gothic-Halloween-Party-Besucher stehen hier, ich bin irgendwie doch nicht allein. Eines der einsteigenden Pärchen läuft sogar zwanzig, dreißig Minuten später, aussteigend an der Haltestelle am Augustusplatz, die paar Meter vor zum Eingang des Hotels, in dem auch ich übernachte. Zu dritt in dem Fahrstuhl, sie fährt noch hoch bis zur sechsten Etage, er steigt mit mir in der fünften aus und hat das Zimmer gleich gegenüber von mir, so ein Zufall. Mehr Fragen, werde ich die beiden in ein paar Stunden beim Frühstück wiedersehen? Und wenn er das Zimmer gleich gegenüber von mir hat, konnte er durch die dünnen Hoteltüren hören, was in meinem Zimmer die Abendstunden zuvor passiert ist? Ich bin nicht immer so diskret, wenn ich mich gehen lasse. (Ende Teil 1/3)

[24.10.25 / 20:51] Laserbehandlung #3 (Haarentfernung #34) – Fünf Tage lang nicht rasiert und so auf Arbeit, mit der Hoffnung, das fällt keinem auf – nur damit die Behandlerin den Freitag Nachmittag die paar dunkel herausgewachsenen Haare sieht. Sind da überhaupt noch dunkle Haare? Das eine einzige weiße Haar ganz unten am Kinn konnte ich so nicht mehr stehen lassen, das musste den Donnerstag Abend vor dem Badezimmerspiegel dann doch noch weg.

Zwanzig Minuten ging die Behandlung, zwanzig Minuten ein paar vereinzelte Laser-Impulse, das nächste Mal in etwa acht Wochen brauche ich nicht mehr unrasiert zu kommen, die Behandlerin erkennt auch so die dunklen Punkte. Die Intensität ist höher, ich zucke wieder leicht zusammen (aber nur am Kinn).

[02.10.25 / 19:58] Ein Erdbeben am Morgen reißt mich aus dem Schlaf, ich wackele in dem weichen Bett seitlich hin und her. „Das waren gerade mal Drei auf der Skala!“ Weiterschlafen, ich ziehe das Betttuch über den Kopf und drehe mich auf die andere Seite. Noch anderthalb Stunden bis Frühstück und Aufstehen. Der Abreisetag. Boarding ist erst gegen Abend, aber das Hotel macht schon am frühen Nachmittag zu, wir sind die letzten, verbliebenen Gäste am Ende der Urlaubssaison.

Frühstück, Koffer packen, alles reinwerfen, Eins zu Eins aus dem Schrank nehmen, die bereits gefaltete Schmutzwäsche, die getragenen Kleider. Check-out gegen elf, die Koffer können wir in der Lobby stehen lassen. Zeit rumkriegen den Nachmittag, auf den Sonnenliegen draußen auf das Meer starren, im Internet surfen: Es waren doch die Vier auf der Richterskala, das Erdbeben vor der Westküste von Zakynthos. Jetzt bin ich mir auch ziemlich sicher, dass das 2014 in Tokio in dem Hotel auch ein leichtes Erdbeben war, dasselbe seitliche Schaukeln in dem Bett.

Gegen neunzehn Uhr der Abendflug zurück nach Frankfurt. Den Nachmittag noch ein letztes Mal an der Beach-Bar einen Kaffee trinken. Die Fahrkünste des Busfahrers bestaunen, der das schon über dreißig Jahre macht. Die kleine Reisegruppe durch den Duty-Free-Bereich scheuchen, innerhalb kürzester Zeit am Gate sein, der Flughafen in Zakynthos ist sehr klein.

Vor dem Fenster die dunklen Wolken und Lichter der Städte, ich navigiere mit meinem Smartphone, den eingefangenen GPS-Satelliten und den Offline-Karten auf meinem Fenstersitzplatz. Landung in Frankfurt, vom Touchdown bis zum Baggage-Claim vergehen erfahrungsgemäß anderthalb Stunden bis runter zum Einstieg in die S-Bahn am Regionalbahnhof. Unser Stammhotel am Hauptbahnhof erreichen wir erst um Mitternacht. Ins Bett fallen, das nötigste ist in der kleinen Reisetasche.

Frühstück am Morgen, Zug den Mittag, Ankunft am Heimatkaff den Nachmittag. Wo geht die nächste Reise hin? Planungen und Gedanken laufen bereits schon seit Wochen oder Monaten: Shopping in Mumbai, oder Milano. Vielleicht per Interrail nach Italien … oder mit dem Zug durch Indien.

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Kommentar:

[05.12.22 / 17:34] Daniele1992: Hallo Morgana

Mail ist heute rausgegangen

LG Daniele

[13.11.22 / 09:33] Daniele1992: Hallo Morgana

aktuell keine schöne Situation. Ich schreibe Dir noch eine Mail dazu.

LG Daniele

Morgana LaGoth: Einige Kommentare müssen auch nicht allzu öffentlich sein …

[13.05.22 / 09:15] Daniele1992: Hallo Morgana,

Tolle Reisebericht von Deiner neusten Reise nach Paris. Macht grosse Lust auch wieder dort hinzufahren um sich von der Stadt inspirieren zu lassen.

Tolle Neuigkeiten.NeuerJob. Klasse! Freue mich für Dich.

Liebe Grüße

Daniele

Morgana LaGoth: Danke. Endlich wieder verreisen … lange darauf gewartet. Lebendig bleiben, solange es noch geht.

[24.12.21 / 20:55] Daniele1992: Hallo Morgana,

Ich denke an Dich und wünsche Dir frohe Weihnachten und ein schönes neues Jahr 2022.

Liebe Grüße

Daniele

Morgana LaGoth: Vielen Dank, ich wünsche dir ebenfalls ein schönes, neues Jahr.

[25.09.21 / 14:59] Daniele1992: Hallo,

eine Chance etwas Neues zu machen. Neue Perspektiven. Urlaubsträume, die bald real werden können. Nicht so schlecht. Freue mich für Dich. LG Daniele.

Morgana LaGoth: Danke dir.

[11.11.20 / 09:12] Daniele1992: Hallo Morgana

Ich habe Dir eine Mail geschickt.

Lg

Daniele

Morgana LaGoth: Hey ... vom Lenkrad aus mit der Hand winken, von einem MX-5 zum anderen. *freu*

[30.07.20 / 22:03] Daniele1992: Guten Abend

das habe ich sehr gerne gemacht. Zum Einen interessiert mich das Thema und zum Anderen hast Du wirklich sehr lebendig und spannend geschrieben. Da wollte ich Alles lesen und wollte Dir schreiben, das mir Dein Blog besonders gut gefallen hat (Die eigentliche Arbeit hattest Du ja mit dem Verfassen des Blogs). Wenn Du magst können wir den Kontakt gerne per Mail halten. Viele Grüße Daniele

Morgana LaGoth: Mail-Adresse steht oben bei "kontakt" - bei weiteren Fragen, gerne.

[30.07.20 / 12:44] Daniele1992: Guten Morgen,

vielen Dank für Deinen tollen Blog. Ich habe ihn in den letzten Wochen komplett gelesen. Meistens konnte ich gar nicht aufhören zu lesen. Fast wie bei einem sehr spannenden Roman. Ich habe dabei Deine genauen Beobachtungen und Beschreibungen sehr genossen. Deine vielen Ausflüge in die Clubs und zu den Festivals oder Deine Streifzüge d durch die Geschäfte beschreibst Du immer aus Deiner Sicht sehr anschaulich und spannend. Ich kann das sehr gut nachvollziehen, das alleine zu erleben, häufig auch mit einer gewissen Distanz. Ich kenne ich von mir sehr gut. Highlights sind Deine Reiseberichte. Deine Erlebnisse an den unterschiedlichsten Orten auf der Welt. Vielen Dank dafür. Vielen Dank auch das Du Deinen Weg zu Deinem waren Geschlecht mit uns Lesern teilst. Deinen Weg Deine Gefühle Deine zeitweisen Zweifel. Das ist sehr wertvoll auch für uns Andere, denn es ist authentisch und sehr selten. Du bist einem dadurch sehr vertraut geworden. Für mich ist eine gefühlte grosse Nähe dadurch entstanden. Umso mehr schmerzt es mich von Deinen Rückschlägen zu lesen. Von Deinem Kampf zu Deinem wahren Ich. Von Deinem Kampf umd Liebe, Zährlichkeit und Akzepzanz und Anerkenung. Von Deiem mitunter verzweifeltem Kampf nach Liebe und Anerkennung durch Deinen Exfreund. Leider vergeblich. Dein Kampf um wirtschaftliche Unabhängigkeit und Deine aktuell missliche Lage. Ich glaube dass Du nicht gescheitert bist. Du hast viel Mumm und Hardnäckigkeit bewiesen Deinen Gang zu Dir selbst zu gehen. Du hast auch einen guten Beruf der immer noch sehr gefragt ist. Vielleicht kann ja nach dieser Auszeit und etwas Abstand ein Neuanfang in einer anderen Firma, wo Du keine Vergangenheit als Mann hattest gelingen. Ich wünsche das Dir ein Neuanfang gelingt und drücke Dir ganz fest die Daumen. Daniele

Morgana LaGoth: Da liest sich tatsächlich jemand alles durch? Das ist mittlerweile schon ein kompletter Roman mit mehreren hundert Seiten! Danke dir, für deinen Kommentar (und die aufgebrachte Zeit).

[05.10.19 / 17:11] Drea Doria: Meine liebe Morgana,

bin 5 T post all-in-one-FzF-OP. Deine guten Wünsche haben geholfen. Der Koch ist immernoch noch super. Alle hier sind herzlich und nehmen sich Zeit.

Herzlich

Drea

Morgana LaGoth: Dann wünsch ich dir jetzt noch viel mehr Glück bei deiner Genesung!

[14.06.19 / 12:57] Drea Doria: Meine liebe Morgana,

vielen Dank für Deine offenen und kritischen Erlebnisberichte. Ich bin in 3 Monaten in Sanssouci zur FzF-OP. Ich denke auch, was kann schon schief gehen, status quo geht nicht und irgendwas besseres wird wohl resultieren. Wenn es Dich interessiert, halte ich Dich informiert. Drücke mir die Daumen.

Herzlich

Drea

Morgana LaGoth: Ich wünsche dir für deine Operation viel Glück. (Sollte der Koch nicht gewechselt haben, das Essen da in der Klinik ist richtig gut!)

[14.11.17 / 20:13] Morgana LaGoth: Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion: Die Seitenbetreiberin behält sich das Recht vor, jeden Kommentar, dessen Inhalt rassistisch, sexistisch, homophob, transphob, ausländerfeindlich oder sonstwie gegen eine Minderheit beleidigend und diskriminierend ist, zu zensieren, zu kürzen, zu löschen oder gar nicht erst freizuschalten. Werbung und Spam (sofern die Seitenbetreiberin dafür nicht empfänglich ist) wird nicht toleriert. Personenbezogene Daten (Anschrift, Telefonnummer) werden vor der Veröffentlichung unkenntlich gemacht.

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