morgana81 - gothic transgender

Ein langes Wochenende in Dresden, das letzte Wochenende im März.

[05.04.26 / 19:04] Ein langes Wochenende in Dresden, das letzte Wochenende im März. Die Idee dazu hatten wir schon letztes Jahr, als wir auf dem Weg nach Prag in Dresden umsteigen mussten. Wir könnten auch mal hier eine Tour hin machen. Ich war hier zuletzt 2005, ein Tagestrip, und 1998 auf Klassenfahrt, sie war hier zuletzt Ende der 1980er, Anfang 1990er und die Zeit Ende der 1970er? Wir fahren mit den Eindrücken von damals in die große Metropole von Sachsen. Abfahrt von unserem Heimatkaff ist kurz nach neun Uhr den Donnerstag Morgen.

Stunden später, die Ankunft mit dem Intercity, Erste Klasse, am Hauptbahnhof Dresden gegen Mittag. Check-in in dem großen Hotelkomplex gleich gegenüber. Gegenüber … es gibt kein Gegenüber mehr! Wir sind schockiert, wir kennen den Dresdner Hauptbahnhof und den Eingang zur Prager Straße noch ganz anders! Überall diese modernen Bauklötze, furchtbar hässlich (und es wird im Laufe dieser Reise noch schlimmer kommen).

Das Hotel ist noch in den alten DDR-Bauten, das war hier mal das „Interhotel“, oder so ähnlich. Unser Zimmer ist ganz oben, im zehnten Geschoss, leider mit der Aussicht zum Bahnhof hin, nicht den Blick zur alten Innenstadt.

Ich habe zu Hause schon herausgesucht, wo wir in Dresden mittags essen können: gleich am Eingang zur Rezeption daneben, befindet sich eine Ramen-Bar, so eine wie auch in Leipzig, es ist eine Kette? Ich war in beiden noch nicht. Ein paar Meter wieder zurück zum ersten Gebäude dieses DDR-Hotelkomplex.

Ramen-Bar, Dresden

Die Bar ist wunderschön dekoriert, mit allerlei japanisches Zeug an den Wänden, auf den Tischen und Möbeln. Am Eingang ist mir schon dieses eine kleine, schmale Brett an der Wand aufgefallen. So authentisch! Ich erzähle meiner Begleitung, wie ich damals in Tokio nur solche Nudel-Bars besucht habe und wie alle Einheimischen Großstadt-Japaner, mich auf einen Hocker an so einem schmalen Brett an die Wand gesetzt habe und meine Ramen-Nudeln aus der Schüssel geschlürft habe. Nur die Bestellkarte mit den großen, bunten Fotos fehlt hier. Wir werden an einen Platz in der oberen Etage geführt. Ich muss mein erstes Foto machen:

„Wo wurde die Aufnahme gedreht, in Deutschland oder in Japan? Finden Sie das Indiz, es gibt nämlich eins!“

Nach der übergroßen Schale mit Nudeln und Algensalat, als Besteck zwei Löffel und eine Gabel, weiter den frühen Donnerstag Nachmittag zum Einkaufen in Dresden. Uns fällt es schwer, uns zu orientieren, überall diese neu gebauten Gebäude. Ich suche die Stelle mit der Bank, an der ich mich 2005 von der einen Italienerin verabschiedet habe, sie war auch auf einen Trip in Dresden, und ich dann zurück zum Hauptbahnhof gelaufen bin. Ich finde die Stelle nicht mehr, die Prager Straße ist jetzt viel enger und die große, freie Fläche zum Hauptbahnhof fehlt komplett.

Wir laufen weiter Richtung Elbe, in die Altstadt wollen wir heute noch nicht. Meine Begleitung erzählt von diesem einen „Schwulen-Café“, das hier irgendwo mal gewesen sein soll. Die Arkaden gibt es noch, aber der Blick auf den Dresdner Altmarkt ist weg, dort gegenüber dem „Café Prag“ steht jetzt auch einer dieser modernen Bausünden mit Geschäften und ähnliches. Daneben unter den Arkaden ist ein modernes Café, das hätte es gewesen sein können. Die trendigen, jungen Leute in dem gut besuchten Café wissen vielleicht nicht, was für ein Etablissement das hier vor vierzig Jahren war, selbst meine Begleitung hat sich hier nie reingetraut. Ich bestelle einen Cappuccino und meine erste „Eierschecke“ … nicht authentisch, viel zu viel Vanille-Aroma, das da gar nicht reingehört, und zu feste Quarkmasse. Es gibt einen Unterschied zwischen Leipziger Eierschecke und Dresdner Eierschecke. Erstere muss mir immer als Referenz herhalten.

Weiter durch die Geschäfte, große Kaufhäuser, Outlets, billige Ramsch-Läden – aber nirgendwo ein vernünftiger Schuhladen! Meine Begleitung verzweifelt schon, ein Paar Schuhe steht auf ihrer Einkaufsliste. Meine Einkaufsliste ist nicht so voll, ich war die Woche zuvor, bei einem Rezepttausch (meine Frauenärztin ist in den Ruhestand gegangen), schon in Magdeburg Einkaufen, das teurere Geschäft, mein Stammladen. Ein schwarzer, kurzer Blazer, von der Marke Miss Lagotte – die haben ein Mode-Label nach mir benannt!

Hier in Dresden, vielleicht, wenn ich etwas sehe, vielleicht ein dünner, olivgrüner Zip-Hoodie, wie der in dem ersten Outdoor-Laden, vielleicht ein schwarzer Hoodie, wie der in dem nächsten Outlet-Geschäft … weder meine Größe, noch gefällt mir das Print-Motiv, ich werde Pfingsten in Leipzig weiter suchen. Meine Begleitung sucht auch die Kleiderständer in den Geschäften ab.

Im Internet habe ich es schon gesehen, vom Bahnhof aus, sind wir schon daran vorbei gelaufen, in Magdeburg gibt es auch so einen, meine Designer-Tunika, die ich mit dabei habe und die nächsten beiden Tage tragen will, ist auch von dieser Outlet-Kette. Meine Begleitung hält das für einen, wie diese alle anderen auch, Ramsch-Läden, ich weiß, wenn ich da nur ein oder zwei Stunden lang suche, ziehe ich irgendein verstecktes, exquisites Stück heraus. Die rumänische Kollegin kauft ihre Designer-Marken hier auch ein. Wir gehen in dieses eine Geschäft, die Damenabteilung ist im Erdgeschoss.

Eng anliegende Kleider und Klamotten, an Garderoben überall, alle Farben, alle Größen. Mein suchender Blick schweift vorbei an Sweater, Strick, Kleider, Unterwäsche, Tops, Jacken und Mäntel, mein Filter ist auf Schwarz und Olivgrün, sonst komme ich hier die nächsten Stunden nicht raus. Ihr Filter ist auf bunt gemusterte Hippie-Kleidung und es würde mir stehen, wenn ich von meinem schwarzen Auswahlfilter wegkomme. Ich ziehe einen schwarzen Wollpullover von der Stange – der ist es! Von der amerikanischen Marke habe ich schon einige Sachen, zuletzt gekauft in New York, oder so. Von zweihundertnochwas runtergesetzt auf sechzig Euro! Ich verschwinde in der Umkleide …

Der Pullover ist gut, er kratzt nicht – und er muss wirklich Wolle sein, er lädt sich elektrostatisch nicht auf. Im Gegensatz zu dem grauen Fleece-Pullover, den ich gerade zu der Stretch-Jeans mit meinen neuen, schwarzen Engineer-Boots trage. Meine Begleitung hat für sich auch schon ein paar bunte Tunikas in die Umkleide getragen. Weiter kurz nach neunzehn Uhr zur Kasse – und mir fällt noch eine große Jute-Tragetasche auf, mit einem japanischen Motiv darauf, eine Winkekatze und ein paar Kanji-Schriftzeichen, die ich nicht entziffern kann. Ich arbeite zwar in einer japanischen Firma, aber alles was an japanischen E-Mails hereinkommt, läuft über einen Übersetzer. Die Tragetasche muss ich haben! Sie rundet meinen Preis an der Kasse auf zu „69,99 Euro“, bezahlt mit der Karte.

Wieder draußen, es ist dunkel geworden. Uns fehlt noch ein Abendessen. Ein Schnellimbiss gegenüber dem Hotelkomplex, zwei halbe Sandwiches … wohin mit den zwei Wasserflaschen? Ach, ich habe ja gerade eine neue Tragetasche über der Schulter von meinem schwarz-grauen Kuschelmantel, wie praktisch!

Zurück ins Hotelzimmer mit dem nächtlichen Ausblick auf andere Hotelhochhäuser, ich versuche noch die japanischen Schriftzeichen auf meiner Tasche zu entziffern … wenigstens nichts „Schmutziges“, laut dem Übersetzungsprogramm auf meinem Smartphone, damit kann ich mich auch vor den japanischen Kollegen blicken lassen.

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Kommentar:

[05.12.22 / 17:34] Daniele1992: Hallo Morgana

Mail ist heute rausgegangen

LG Daniele

[13.11.22 / 09:33] Daniele1992: Hallo Morgana

aktuell keine schöne Situation. Ich schreibe Dir noch eine Mail dazu.

LG Daniele

Morgana LaGoth: Einige Kommentare müssen auch nicht allzu öffentlich sein …

[13.05.22 / 09:15] Daniele1992: Hallo Morgana,

Tolle Reisebericht von Deiner neusten Reise nach Paris. Macht grosse Lust auch wieder dort hinzufahren um sich von der Stadt inspirieren zu lassen.

Tolle Neuigkeiten.NeuerJob. Klasse! Freue mich für Dich.

Liebe Grüße

Daniele

Morgana LaGoth: Danke. Endlich wieder verreisen … lange darauf gewartet. Lebendig bleiben, solange es noch geht.

[24.12.21 / 20:55] Daniele1992: Hallo Morgana,

Ich denke an Dich und wünsche Dir frohe Weihnachten und ein schönes neues Jahr 2022.

Liebe Grüße

Daniele

Morgana LaGoth: Vielen Dank, ich wünsche dir ebenfalls ein schönes, neues Jahr.

[25.09.21 / 14:59] Daniele1992: Hallo,

eine Chance etwas Neues zu machen. Neue Perspektiven. Urlaubsträume, die bald real werden können. Nicht so schlecht. Freue mich für Dich. LG Daniele.

Morgana LaGoth: Danke dir.

[11.11.20 / 09:12] Daniele1992: Hallo Morgana

Ich habe Dir eine Mail geschickt.

Lg

Daniele

Morgana LaGoth: Hey ... vom Lenkrad aus mit der Hand winken, von einem MX-5 zum anderen. *freu*

[30.07.20 / 22:03] Daniele1992: Guten Abend

das habe ich sehr gerne gemacht. Zum Einen interessiert mich das Thema und zum Anderen hast Du wirklich sehr lebendig und spannend geschrieben. Da wollte ich Alles lesen und wollte Dir schreiben, das mir Dein Blog besonders gut gefallen hat (Die eigentliche Arbeit hattest Du ja mit dem Verfassen des Blogs). Wenn Du magst können wir den Kontakt gerne per Mail halten. Viele Grüße Daniele

Morgana LaGoth: Mail-Adresse steht oben bei "kontakt" - bei weiteren Fragen, gerne.

[30.07.20 / 12:44] Daniele1992: Guten Morgen,

vielen Dank für Deinen tollen Blog. Ich habe ihn in den letzten Wochen komplett gelesen. Meistens konnte ich gar nicht aufhören zu lesen. Fast wie bei einem sehr spannenden Roman. Ich habe dabei Deine genauen Beobachtungen und Beschreibungen sehr genossen. Deine vielen Ausflüge in die Clubs und zu den Festivals oder Deine Streifzüge d durch die Geschäfte beschreibst Du immer aus Deiner Sicht sehr anschaulich und spannend. Ich kann das sehr gut nachvollziehen, das alleine zu erleben, häufig auch mit einer gewissen Distanz. Ich kenne ich von mir sehr gut. Highlights sind Deine Reiseberichte. Deine Erlebnisse an den unterschiedlichsten Orten auf der Welt. Vielen Dank dafür. Vielen Dank auch das Du Deinen Weg zu Deinem waren Geschlecht mit uns Lesern teilst. Deinen Weg Deine Gefühle Deine zeitweisen Zweifel. Das ist sehr wertvoll auch für uns Andere, denn es ist authentisch und sehr selten. Du bist einem dadurch sehr vertraut geworden. Für mich ist eine gefühlte grosse Nähe dadurch entstanden. Umso mehr schmerzt es mich von Deinen Rückschlägen zu lesen. Von Deinem Kampf zu Deinem wahren Ich. Von Deinem Kampf umd Liebe, Zährlichkeit und Akzepzanz und Anerkenung. Von Deiem mitunter verzweifeltem Kampf nach Liebe und Anerkennung durch Deinen Exfreund. Leider vergeblich. Dein Kampf um wirtschaftliche Unabhängigkeit und Deine aktuell missliche Lage. Ich glaube dass Du nicht gescheitert bist. Du hast viel Mumm und Hardnäckigkeit bewiesen Deinen Gang zu Dir selbst zu gehen. Du hast auch einen guten Beruf der immer noch sehr gefragt ist. Vielleicht kann ja nach dieser Auszeit und etwas Abstand ein Neuanfang in einer anderen Firma, wo Du keine Vergangenheit als Mann hattest gelingen. Ich wünsche das Dir ein Neuanfang gelingt und drücke Dir ganz fest die Daumen. Daniele

Morgana LaGoth: Da liest sich tatsächlich jemand alles durch? Das ist mittlerweile schon ein kompletter Roman mit mehreren hundert Seiten! Danke dir, für deinen Kommentar (und die aufgebrachte Zeit).

[05.10.19 / 17:11] Drea Doria: Meine liebe Morgana,

bin 5 T post all-in-one-FzF-OP. Deine guten Wünsche haben geholfen. Der Koch ist immernoch noch super. Alle hier sind herzlich und nehmen sich Zeit.

Herzlich

Drea

Morgana LaGoth: Dann wünsch ich dir jetzt noch viel mehr Glück bei deiner Genesung!

[14.06.19 / 12:57] Drea Doria: Meine liebe Morgana,

vielen Dank für Deine offenen und kritischen Erlebnisberichte. Ich bin in 3 Monaten in Sanssouci zur FzF-OP. Ich denke auch, was kann schon schief gehen, status quo geht nicht und irgendwas besseres wird wohl resultieren. Wenn es Dich interessiert, halte ich Dich informiert. Drücke mir die Daumen.

Herzlich

Drea

Morgana LaGoth: Ich wünsche dir für deine Operation viel Glück. (Sollte der Koch nicht gewechselt haben, das Essen da in der Klinik ist richtig gut!)

[14.11.17 / 20:13] Morgana LaGoth: Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion: Die Seitenbetreiberin behält sich das Recht vor, jeden Kommentar, dessen Inhalt rassistisch, sexistisch, homophob, transphob, ausländerfeindlich oder sonstwie gegen eine Minderheit beleidigend und diskriminierend ist, zu zensieren, zu kürzen, zu löschen oder gar nicht erst freizuschalten. Werbung und Spam (sofern die Seitenbetreiberin dafür nicht empfänglich ist) wird nicht toleriert. Personenbezogene Daten (Anschrift, Telefonnummer) werden vor der Veröffentlichung unkenntlich gemacht.

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