Der letzte, komplette Tag meiner Reise nach Gran Canaria … was kann ich noch unternehmen?
[23.09.26 / 19:46]✎ Der letzte, komplette Tag meiner Reise nach Gran Canaria … was kann ich noch unternehmen? Einen geführten Ausflug habe ich nicht gebucht, wüsste auch nicht, was ich mir hier ansehen könnte. Es gebe ein Ausflugsangebot, mit einer geführten Motorroller-Tour, aber ich habe bewusst meinen Motorradführerschein zu Hause gelassen. Ich könnte noch den botanischen Garten in Maspalomas besuchen, der wäre von meinem Hotel aus nur gleich um die Ecke … beim Frühstück fällt mir immer wieder der Leuchtturm auf, gleich neben seinem Hotel – ich wage noch einmal den Trip zu Fuß von Playa del Inglés bis hin nach Maspalomas, quer durch den Sand der Dünen, und danach wieder über den Strand zurück! Der Trip war eigentlich schon die Tage vorher geplant, aber da habe ich ja ein Taxi genutzt.
Nach dem Frühstück im Bad, den Körper komplett mit Sonnencreme einschmieren, üppig aufgetragen überall, die neu gekaufte Tube ist schon fast wieder alle. Ich trage den schwarzen Bandeau-Bikini unter meiner Strandtunika. In die Strandtasche packe ich wieder das Strandtuch und mein Regenbogenbadetuch. Überall an der Strandpromenade sind Wegkarten positioniert: „You are here“, und später in den Dünen viele Wegweiser mit Richtungspfeilen und Kilometerangaben. Der Weg müsste zu schaffen sein.
In meinen Flip-Flops und meinem Sonnenhut verlasse ich wieder den frühen Nachmittag das Hotel.
Im schnellen Schritt den Weg runter zum Aussichtspunkt für die Dünen, gleich neben dem großen Luxushotel, das mit der eigenen Promenade als Zugang. Der Himmel ist diesig, das könnte ein perfektes Wetter für den langen Marsch durch die Dünen sein. Ich habe meine Fotokamera mit eingepackt, wenn ich sie die Tage schon nicht genutzt habe, dann diesen einen letzten Tag. Ich fange an, die ersten Fotos der Dünenlandschaft zu machen … „Verdammte Scheiße, Kacke, Menschen!“, alles ist zertrampelt, keiner hält sich an die Absperrungen, überall Fußabdrücke – früher Nachmittag ist definitiv schon zu spät für unberührte Naturfotos! Wenigstens war ich ein paar Tage schon den späten Vormittag vorher da, mit meiner Handy-Kamera.
Je weiter ich in Richtung des Leuchtturms komme, je mehr bizarre Wüstenlandschaften bauen sich vor mir auf. Menschen werden seltener. Ein kurzes „Hello“ eines nicht ganz unattraktiven Mannes. Ich grüße zurück, ich weiß, dass das hier ein Cruising-Gebiet ist. Antworte ich erst einmal mit meiner tiefen Stimme, habe ich ihr Interesse … aber ich nicht. Ich gehe schnell weiter.
Ich stapfe durch den Sand, Schritt für Schritt, die Stelle, an der ich vor ein paar Tagen umgedreht bin, habe ich schon passiert. Ich bin ausgerüstet, mit Wasserflaschen und Sonnencreme. Dieses Mal schaffe ich es. Noch bizarrere Landschaften, noch mehr Fotos.
Der Leuchtturm von Maspalomas rückt näher, ich habe mich informiert, irgendwo hier soll es noch eine Lagune mit Palmen geben. Ein weiteres Luxushotel, sein Hotel, wurde daneben gebaut. Ich erreiche den Ausgang der Dünen und sehe vor mir den Strand und den Ozean, und viele Sonnenliegen und viele Menschen.
Die kleine Lagune liegt tatsächlich gleich daneben. Neben dem Hotel ist eine Promenade aufgebaut, von dort aus bieten sich schöne Fotomotive auf die gegenüberliegende Seite mit dem Brackwasser und den Dünen dahinter. Aber die beschriebene Oase mit den Palmen finde ich hier nicht, vielleicht ist sie jetzt ein Teil der Hotelanlage.
Weiter in Richtung des Leuchtturms, hätte ich mein Telefon mitgenommen, ich hätte ihm ja schreiben können, dass ich wieder zurück bin … hat nur zwei Tage gedauert. Aber mein Telefon packe ich grundsätzlich nicht in meine Strandtasche. Nimm nichts mit, was nicht geklaut werden soll. Einen Zwanzig-Euro-Schein habe ich noch dabei, den tausche ich in der ersten Regenbogen-Strandbar gegen einen Kaffee und eine isotonische Apfelschorle – und Bruschetta. Den Leuchtturm kann ich wieder nur von der sonnenabgewandten Seite fotografieren. In der Mitte des Nachmittages, über den Strand meinen langen Tagesmarsch wieder zurück nach Playa del Inglés.
So ziemlich in der Mitte, noch bevor der Spitze mit den Meeresströmungen, liegt der LGBTQ-Strand. Große Regenbogenflaggen an zwei Strandbuden weisen schon darauf hin. Eigentlich ist das hier als der „Gay Beach“ ausgeschildert, nur ich nenne ihn „LGBTQ“, dieser Strand wird hauptsächlich von nackten und weniger nackten Männern besucht. Ich als Transe werde toleriert. Sie haben ein paar Liegen und ein paar Monobloc-Stühle im Sand. Ich nehme den letzten, einsamen Stuhl ganz hinten in der Reihe und den Sonnenschirm und breite mein Regenbogenbadetuch aus der Strandtasche darauf aus, ein reizvolles Fotomotiv.
Meine weiße Tunika ausziehen, etwas Schwimmen gehen, ich lege eine Pause ein und bleibe etwas. Zu tief ins Wasser traue ich mich nicht, die tückischen Strömungen beginnen hier schon.
Nur etwas Schwimmen. Danach den Strand trocken laufen.
Maspalomas, Gran Canaria / September 2026 / Alter 44
Ich packe wieder alles zusammen, weiter den beginnend späten Nachmittag zu dem Strand in dem Nachbarort mit meinem Hotel. Selfies in den Dünen machen. Ein weiterer Mann, der mich anspricht, ob ich nicht mit ihm mitkommen möchte. Ich lehne ab.
An der Spitze wird es verlassener, hier ist fast kein Mensch mehr. In Richtung des Hundestrandes und des FKK-Strandes von gestern, wird es wieder voller, aber alle Sonnenschirme sind den späten Nachmittag schon wieder abgebaut. Ich spüre langsam die Entfernung, die ich den Tag heute abgelaufen bin. Über die Treppe den Hang wieder hoch zur Promenade, die letzten Fotos der Dünen im Schein der untergehenden Sonne machen, bevor der Akku der Fotokamera aufgibt. Das müssen Hundert bis Zweihundert Fotos gewesen sein. Link zur Fotogalerie (24 Bilder): Dünen von Maspalomas / September 2026
Eine Dusche nehmen, die ganze verschwitzte Sonnencreme herunterwaschen, mein Regenbogenbadetuch den Balkon ausbreiten. 3 km durch die Wüste, 5 km über den Strand, 10 m Schwimmen am LGBTQ-Beach – ich trainiere für Irongirl.
Er hat mir tatsächlich eine Nachricht geschrieben, er möchte wissen, ob ich den Abend wieder ausgehe und Party mache. Ich gehe jeden Abend in dem Yumbo Centrum aus, Party machen, das ist ein „Party-Urlaub“! Aber dass ich ihn ein zweites Mal treffe? Ich habe schon akzeptiert, dass er wieder nur einer dieser Männer ist, die ich nur ein einziges Mal treffe und dann nie wieder sehe. Abendessen in dem italienischen Restaurant gleich neben dem Hotel. Drei Gänge, Focaccia, Pasta all'arrabbiata, Tiramisu. Meine Kreditkarte ist nicht mehr gedeckt und verweigert ihren Dienst. Gegen zweiundzwanzig Uhr den Abend weiter in das Yumbo Centrum, ausprobieren, wie viele Drinks ich mit der Karte noch zahlen kann, Cash habe ich noch ein paar Euro-Scheine dabei.
Ich streife durch das Zentrum: „You can find me between ‚Sparkles‘ and the Karaoke Bar“, schreibe ich ihm noch auf meinem Telefon. Er antwortet, sie kommen, er bringt wieder seinen älteren Bruder mit und seinen Neffen, sie wollen in seinen Geburtstag hineinfeiern. Er hat mir die Tage vorher schon verraten, wann sein Geburtstag ist und wie alt er wird … ich bin um einiges jünger.
Ich habe in der Drag-Bar noch einen Stehtisch abbekommen, einen Stuhl greife ich mir aus der aufgeschichteten Reihe gleich neben mir. Der Kellner kennt mich schon, es gibt nur einen alkoholfreien Cocktail auf der Karte. Ich verfolge die Show, ziehe immer wieder das Smartphone aus meiner kleinen Handtasche, eine Antwort erwartend. Sie sind da, sie kommen, sie müssten gleich hier sein. Dass sie in der Bar sind, die gleich hinter mir unten in der ersten Ebene ist, sehe ich von meinem „tiefergelegten“ Sitzplatz an der Mauer gar nicht. Er streift auch etwas umher und entdeckt mich. Eine Umarmung, ich vergrabe meine Nase an seinen Hals.
Wir schauen uns die Show weiter an, das Personal beginnt schon die Sitzreihen hinten abzubauen und alles mehr nach vorne zur Bühne hin zu verlegen. Sein Bruder und sein Neffe kommen jetzt auch mit dazu und wir verfolgen die Drag-Show bis zum Ende. Die Queens posieren für ein Abschlussfoto.
Wohin jetzt? Sein Bruder und sein Neffe, sie wollen noch zu der anderen Drag-Show, uns beide zieht es zu der Karaokebar gleich nebenan um die Ecke … ich hatte da noch etwas vor, er setzt mich auf die Liste für „Billy Idol – White Wedding“.
„You're next!“
Ich bin aufgeregt, schaffe ich das? Beim Mitsingen von Nena war ich noch ganz textsicher, jetzt bekomme ich das Mikro in die Hand gedrückt.
Der Prompter läuft, ist das Mikro überhaupt an?
Du musst nur direkt reinsingen! Es dauert eine Weile, bis ich mich hören kann, ich verpasse meine Einsätze, singe immer wieder die falschen Zeilen, in den unsicheren Teilen wechsele ich in den Sprechgesang, das einzige, das mir gelingt, sind die Refrains.
„That was my first time“, Sorry, schnell weg, die sehen mich hier nie wieder. Im Auto allein mitsingen ist doch etwas anderes, als vor diesem Teleprompter. Und überhaupt, mein professionelles Gesangsmikro zu Hause in meinem Recording-Studio funktioniert ganz anders. Weiter zu der anderen Drag-Bar, nicht ohne ein Foto zu machen, an der Men-Only-Cruising-Bar, von der Hinweistafel, dass hier Dragqueens nicht willkommen sind.
Men only Bar im Yumbo Centrum, Playa del Inglés
Die andere Drag-Show, sie fängt erst weit nach Mitternacht an, ich habe schon längst meinen Plan aufgegeben, frühestmöglich zurück im Hotel zu sein, um für den nächsten Abreisetag noch packen zu können. Er amüsiert sich: „You're so german!“
Ich justiere ständig meinen Plan: Noch vier Stunden Schlaf, dann mit dem Wecker um acht Uhr aufstehen, eine Stunde im Bad, eine Stunde Frühstück, eine Stunde packen, Check-out ist um elf! Es ist bereits weit nach um drei Uhr den Morgen und ich greife auf meine Erfahrung aus dem Thailand-Urlaub zurück, das war auch ein Party-Urlaub, zwei Stunden Schlaf müssen ausreichen.
„And me, am I part of your plan?“
Klar, du setzt dich gleich in ein Taxi und ich kann mich in aller Ruhe schlafen legen, er begleitet mich noch zurück in mein Hotel. Die Variante, dass wir ein Taxi zurück in sein Hotel nehmen, lehne ich ab, da bleibe ich standhaft, das passt nicht in meinen Plan mit alles packen, Frühstück und Hotel-Check-out in ein paar Stunden. Wir betreten die Hotel-Lobby und ich öffne ihm meine Tür in meine viel größere Junior-Suite. Mache es dir auf der Couch so weit bequem.
Ich wusele nervös durch meine Suite, versuche hier und da ein paar Ecken aufzuräumen, Kleidungsstücke liegen verstreut herum. Ich öffne ihm die Balkontür und er kann sich vergewissern, dass ich wirklich ständig sein Hotel dahinten am Leuchtturm sehe. Ich verschwinde ins Bad, mehrmals.
Wieder draußen, den schweren Vorhang vor die Balkontür. Letztes Mal habe ich die Nacht in deinem Hotelzimmer verbracht, dieses Mal bist du es, der den Morgen in einem anderen Hotel aufwacht. Wir ziehen uns aus. Er ist mit der Beleuchtungssituation in meinem Schlafzimmer nicht zufrieden. Häng doch einfach ein Teil meiner schwarzen Unterwäsche über das Nachttischlicht. Er beginnt über meinen Körper zu streicheln. Auf dem Nachttisch liegt ein Stapel Kondome bereit, die ich immer mit dabei habe … die übriggeblieben sind, von anderen Hotelbegegnungen. Wir werden sie nicht brauchen. Ich scherze noch: „TCM? Traditional chinese medicine? Rhinoceros, Tiger?“
Er braucht sein Puder, oder diese eine Creme, von der er noch gar nicht überhaupt weiß, ob sie ihm bei seinem „Problem“ hilft, aber die liegt zurück in seinem Hotel. Sein letztes Mal war Thanksgiving, meines Halloween, ich habe gewonnen. Er ist nach wie vor fasziniert davon, wie feucht ich da unten werden kann.
Wir machen das Licht aus, wir schlafen ein. Keine Ahnung, wie wenig Stunden da jetzt noch sind … drei, zwei? Das muss reichen. Mindestens eine bis zwei Tiefschlafphasen, bis mich mein Smartphone-Wecker aus meinem Ohropax unterstützten Schlaf weckt.
Ich lasse ihn noch etwas schlafen, nehme eine Dusche im Bad. Der Abreisetag, der Hotel-Check-out, der zweite Mittwoch nach sieben Nächten.
Er beobachtet mich dabei, wie ich meinen organisierten Plan verfolge: Im Bad bis neun Uhr, dann Frühstück unten am Buffet. Ich traue ihm, alleine in meinem Hotelzimmer zu bleiben. Nichts an meinem Silberschmuck fehlt, keine Drogen oder Bomben in meinem Gepäck deponiert – das war ein Punkt, Jahre zurück in Tel Aviv: „Did you leave your luggage unattended?“ Ich packe alle meine Sachen in meinen Koffer und bin schneller fertig, als gedacht. Uns bleibt noch eine ganze halbe Stunde auf der Couch.
Er möchte, dass ich ihn in Boston besuchen komme, das tut mir leid, in die USA kann ich momentan nicht einreisen, die akzeptieren meinen Reisepass mit meinem geänderten weiblichen Geschlecht nicht mehr. Er spielt über sein Smartphone noch Musik, die ich mag, The Cure. Ich habe ihm erzählt, ich laufe sonst eigentlich nur in Schwarz herum, das sind nur die bunten Urlaubssachen.
Der Check-out um elf. Das Gepäck kann ich in einem verschlossenem Zimmer neben der Lobby lassen. Bustransfer vom Hotel aus zum Flughafen ist erst um 14:50 Uhr, wir hätten noch einen halben Nachmittag. Mit dem Taxi zu seinem Hotel? Zu gewagt. Noch ein Frühstück in einer Brunch-Bar, für mich mein zweites, für ihn sein erstes. Sie haben „Traditionelles Schakschuka“ auf der Menükarte … so feurig scharf, wie in Tel Aviv.
Wir streifen durch die Einkaufsebenen des Yumbo Centrum, ich sehe es zum ersten Mal im Tageslicht. Nichts, was mir gefällt, nichts in meiner Größe – und Geld habe ich auch keines mehr.
Letztendlich landen wir in einer weiteren Bar oder Café, es ist so hübsch dekoriert, in Weiß und Rosa und diese hübschen und niedlichen Puppenstühle. Ein letzter Drink zusammen, wir müssen uns verabschieden.
Er bringt mich wieder zurück zu meinem Hotel. Eine Umarmung, ein Kuss, später auf dem Flughafen werde ich ihn vermissen.
Und du hast schon wieder deine Regel gebrochen – gleich zweimal! Niemals, aber auch wirklich niemals, lass einen Mann neben dir einschlafen.
„Cabin crew, prepare for landing!“
[22.09.26 / 10:59]✎ Den Morgen danach, ich sitze wieder beim Frühstück auf meinem Stammplatz, die letzte Reihe beim Frühstücksbuffet mit Blick den Hang runter und die Dünen und die Küstenlinie, dort hinten, das Hotel neben dem Leuchtturm, da bin ich den letzten Morgen aufgewacht. Ich wollte es so, ich wollte einmal die Nacht richtig ausgehen und es übertreiben … mit irgendwo anders aufwachen und mein Hotel erst den nächsten Vormittag oder Mittag erreichen.
Heute wieder nur Strandtag.
„Five or ten minutes“, ich stehe mit meiner Tube Sonnencreme halb versteckt und nackt hinter meiner Badetür, die Zimmerreinigung möchte endlich herein und das Zimmer machen. Ich creme dieses Mal meinen ganzen Körper ein und ziehe danach meinen schwarzen Badezweiteiler an – dann muss ich später, beim FKK-Strand meinen Körper nicht noch einmal eincremen, wenn ich mein Badezweiteiler wieder ausziehe. Ob das hält, ob das funktioniert? Noch ein paar Minuten warten, bis alles einzieht.
Strandtasche, die weiße Strandtunika, meine beiden Badetücher, Strand- und Regenbogen-, mit in die Tasche, meinen Sonnenhut und meine Flip-Flops. Den Weg vom Hotel aus wieder in Richtung Strandpromenade.
Es ist spürbar wärmer geworden, der Schweiß läuft. Der Himmel ist diesig, doch ich weiß, wirft die Sonne einen Schatten, gibt es Sonnenbrand.
Den Strand erreiche ich über die Treppe, den Hang nach unten und quer über den riesigen Parkplatz. Zu Fuß den breiten Strand entlang, bis ich wieder die Schilder mit der Aufschrift „Zona Nudista“ entdecke, oder die nackten Menschen, je nachdem, was zuerst eintritt.
Eine freie Liege mit Sonnenschirm finde ich, auf den Mann, dem ich den Fünf-Euro-Schein in die Hand drücken kann, muss ich noch warten, erst dann entkleide ich mich richtig. Der Badezweiteiler ist voller weißer Sonnencremestreifen.
Auf der Liege auf meinem Regenbogenbadetuch wenden, weiter zählen, wieder wenden, meine Körperposition im Schatten des Sonnenschirms justieren.
„Die müsste man rausschmeißen!“ Das betagte FKK-Rentnerehepärchen auf den Liegen neben mir echauffiert sich über das laut grölende Proletenpack, auf weißen Monobloc-Stühlen sitzend im Schatten der Strandbude, mit nichts weiter bekleidet als ihre Cowboyhüte und den Bierbecher vor ihren Bierbäuchen haltend, die Leute begaffend. Später werde ich aus dem Meer steigen und an ihnen vorbeistolzieren, sie werden mir ein tuntiges „Juhu“ zurufen und in meinen Gedanken gehe ich zu ihnen hin und sag ihnen meine Meinung, ich bin keine Tunte, ich bin eine Transe – das da unten hat Dreißigtausend Euro gekostet! Ich bin wenn schon, eine „Edel-Transe“!
Den Nachmittag zurück, die großen Thermometer-Anzeigen am Strand zeigen eine Temperatur von knapp über dreißig Grad Celsius. Es ist noch Zeit für Kaffee und Kuchen und wider Erwarten entdecke ich tatsächlich ein kleines, gehobenes Wiener Kaffee unter den ganzen Strandbuden – mit Kuchen in der Vitrine. Ein Stück Cheese-Cake für mich und einen kleinen Americano.
Den späten Nachmittag wieder zurück im Hotel, mein Regenbogenbadetuch wieder auf dem Balkon aufhängen, „Pride“ zeigen, den Badezweiteiler mit der Sonnencreme im Waschbecken ausspülen und dann mit dazu auf den Balkon. Ich wechsele in meine ärmellose, bunte Tunika, die ich mir für das Frühstücksbuffet schon zurechtgelegt hatte, die mit den Kleidtaschen rechts und links, für Pillendose und Hotelzimmertürkarte.
Den Abend will ich noch einmal den Sonnenuntergang von der Hotelterrasse aus beobachten, wird die Sonne zu sehen sein? Wird es ein „Vanille-Himmel“ geben? Es ist so diesig, ich kann die Sonne als Fleck hinter den Wolken beobachten, wie sie langsam ihre Leuchtkraft verliert. Noch einmal zurück ins Hotelzimmer, mein schwarzes Strickjäckchen holen, aber brauchen werde ich es nicht. Das Wetter hat sich wieder verändert und es ist wieder schwül-heiß, ich hatte Glück, meine siebentägige Urlaubsreise hat kurz etwas von dem angenehmeren, kühlen Wetter abbekommen.
Mein allabendlicher Weg zum Yumbo Centrum, vorbei an dem italienischen Restaurant, es ist bereits dunkel geworden, ich habe zu lange den Wolkenhimmel beobachtet, gehe ich eben gleich hier wieder essen. Der Mann vom letzten Abend vor dem Restaurant freut sich schon, auf eine zweite Chance. Diesen Abend im Angebot auf der großen Schiefertafel: Gnocchi mit Champions. Als Dessert, Panna Cotta, aber das, was ich das letzte Mal hier gegessen habe, es kommt gar nicht aus Italien, es ist eine kanarische Spezialität, mit Ursprung aus Südamerika: „Polvito“ – das gibt es hier überall.
Den Mann lasse ich wieder stehen, traue mir nicht, wenn ich sage, wir können nach dem Essen noch etwas unternehmen. Er steht nicht wieder vorne an der Straße, ich bin schon längst nach dem Bezahlen wieder gegangen. Alles an Kleingeld aus meinem Portmonee schütteln, was ich noch an Trinkgeld habe.
Durch das Yumbo Centrum streifen, die Bars unten, die Restaurants oben. Ich probiere den alkoholfreien Mojito aus in der Havanna-Bar … einfach nur ein Mojito ohne Rum, Wasser mit Zucker, Eis und Minze.
Weiter umherlaufen, einige Bars haben entweder montags geschlossen, oder diese beginnende Septemberwoche ist die erste Woche, ihrer Schließung für die Sommersaison.
Eine Bar mit wechselnder Musik-Playlist gefällt mir, sie spielen 80s … wo die Achtziger niemals aufhören. Der Mann von der Bar geleitet mich zu einem Sitzplatz, für mich ist links unten eine kleine Ecke mit alkoholfreien Mocktails auf der Menükarte. Musik wird gespielt, sie wechselt auf Latin.
Mein Stuhl wird angerempelt, hinter mir wird getanzt, ich bekomme mehrmals die Hände auf meine Schulter und die Aufforderung, mitzutanzen. Bitte … ich will hier einfach nur in aller Ruhe meinen Daiquiri trinken. Keine Chance … Hinter mir hat sich eine kleine Gruppe internationaler Gäste gebildet.
Die kleine Kolumbianerin versucht mir Salsa beizubringen.
„Un(o), dos, tres“, mit dem Becken kreisen, in die Knie gehen, wieder nach oben, drei Schritte zur einen Seite, dann zur anderen Seite. Ich bemühe mich, dem zu folgen. Es ist alles nur ein lustiger Spaß, aber die kleine Kolumbianerin hat mir komplett den Kopf verdreht. Sie spricht Spanisch und ich habe keine Ahnung, was sie mir sagen will, irgendetwas mit „masculin(o)“ und „femenin(o)“. Es wird ein Uhr nachts und die Bargäste verabschieden sich nacheinander wieder, ich gehe als letztes aus der spontanen Tanzgruppe.
Draußen, sie laufen vorbei, Dragqueens, ein oder zwei klassische Transvestiten, ein paar … sie wirken so, als machen sie ihre ersten Schritte, ist dieser Ort endlich der richtige, um sich das erste Mal auszuprobieren? Zurück 2004, ich sah hier eine trans Frau und dann der Gedanke, das geht! Es folgte, nur wenige Wochen später, mein erster Diskobesuch als Frau, und dann die nächsten Jahre, alle meine Urlaubsreisen komplett als Frau, später nicht einmal mehr mit Männersachen für die An- und Abreise mit dem Flugzeug. Zurück ins Hotel, Make-up entfernen, alle Fenster öffnen und wieder schließen, die Klimaanlage für die Nacht um einige Grad wieder runterdrehen. Er hat mir keine weiteren Nachrichten geschrieben, sie auch nicht. Wie immer, eine weitere Flagge auf meiner Landkarte mit Männern, mit denen ich eine Nacht was hatte.
[21.09.26 / 10:51]✎ Es ist ein kurzer Tag, mehr als unsere mondäne Shopping-Tour, Hand in Hand und mit Sonnenbrille auf der Nase, auf der Strandpromenade in Maspalomas, ist nicht passiert. Wieder zurück in dem Hotel, ich brauche noch mehrere Stunden für mich allein. Alles, was ich ihm versprochen habe, ich komme gleich wieder zurück, waren nur leere Worte.
Leuchtturm von Maspalomas
Den Abend, ich mache mich ausgehfertig, wie jeden Abend, zurück zum Yumbo Centrum. Ich will jeden Abend ein anderes Bistro oder Restaurant ausprobieren. Der Mann vor dem italienischen Restaurant spricht mich an. Würde sie hier noch stehen, die trans Frau vom ersten Abend, ich würde ein zweites Mal hinein gehen. Er dreht sehr schnell das Gespräch, findet mich äußerst attraktiv und möchte mich später den Abend noch einmal treffen … wenn so etwas noch mehrmals den Abend vorkommt, dann weiß ich, dass wieder der „Sex-Geruch“ an mir haftet.
Im Yumbo Centrum, zwischen dem Fischrestaurant vom ersten Abend und dem mexikanischen von gestern, liegt noch ein zweites Restaurant mit fangfrischen Fisch auf der Karte, auf der zweiten Ebene dazwischen. Ich kenne mich mittlerweile im Yumbo Centrum aus und laufe die Treppen und Aufgänge gezielt ab. Der ältere Kellner, bei dem ich gleich bestelle, bekommt fast immer einen Herzinfarkt, wenn wieder irgendwo ein Geschirrteil zu Bruch geht.
Mein Platz im Außenbereich an der Mauer mit Blick nach unten auf den begrünten Innenbereich des Einkaufs- und Eventzentrums. Der gegrillte Fisch ist nur teilweise entgrätet, ich drehe den Kopf so um, dass er mich ansieht. Du bist für mich gestorben, damit ich dich essen kann. Vor nicht lange, schwamm dieser Fisch noch nichts ahnend, durch das Wasser, dann in ein Netz.
Weiter durch das Yumbo Centrum, ich bleibe in dieser Ecke, ich möchte noch eine Bar ausprobieren, die hübsch dekoriert ist. Sonntags gibt es hier Live-Musik, ein Frauenduo in Glitzer-Outfits steht auf der kleinen Bühne, beide am Mikro, eine an der Gitarre. Sie spielen Coversongs aus den Sechzigern bis Achtzigern, viel Soul und Groove. Ich sitze an dem Tisch vor ihnen und schlürfe meine alkoholfreie Piña Colada aus dem Strohhalm.
Ich merke, ich werde ziemlich müde. Er hat mir geschrieben, er legt sich auch schon schlafen. Sie hat gar nicht erst geantwortet. Die ganze Gruppe von gestern, muss sich erst einmal ausruhen … nur ich sitze wieder alleine in einer Bar. In der Fünfzehn-Minuten-Pause des Live-Auftritts bezahle ich meinen Cocktail und laufe wieder zurück zum Treppenaufgang in Richtung der Straße.
„Was ist das für ein Material?“, mir gefallen die glänzenden Ohrhänger in der Auslage.
„Die Haken sind Edelstahl, die Vogelfeder ist aus Platin“, wir wechseln sehr schnell auf Deutsch, sie mit ihrem Schweizer Dialekt.
„Ich brauche nur einen“, ich zeige auf mein Ohr mit dem Diamantohrring.
„Das kostet dann drei Euro“, und das ist sicher Platin?
„Den nehme ich“, sie packt den Ohrhänger in eine kleine Tüte, ich brauche noch etwas Wechselgeld, den Fünf-Euro-Schein für die Liege morgen, zwei Euro für zwei Flaschen Wasser später oben. Kurz nach zweiundzwanzig Uhr, der „Späti“ auf dem Weg zurück zum Hotel hat noch offen.
Den Abend auf der Balkonterrasse ausklingen lassen. Da drüben da, das Hotel neben dem Leuchtturm, da bin ich heute morgen aufgewacht. Er hat mir noch fünfzig Euro für ein Taxi gegeben … ab wann in dieser Geschichte bin ich zu einem „leichten Mädchen“ geworden?
[20.09.26 / 16:48]✎ Reise in die Vergangenheit. Nach dem Frühstück, ich ziehe mein neues Tagesdress an: die kurze, olivgrüne Hose in Tarnfarben und die weiße Tunika, die von Ibiza. Wird sie reichen, die Sonne abzuhalten? Ich ziehe sie wieder aus und creme meinen Oberkörper vorsichtshalber doch noch einmal komplett mit Sonnencreme ein. Einen Sonnenbrand habe ich schon – oben, der Haarscheitel. Es ist so windig draußen, ich wollte die letzten zwei Tage mein Strohhut nicht tragen. Heute, noch einmal auf dem Weg zurück zum Strand, kommt er oben auf den Kopf.
Zu Fuß die Straße wieder vom Hotel geradeaus, Minuten später erreiche ich den Hang runter zum Parkplatz und den Strand Playa del Inglés. Nur gehe ich diesmal nicht die Treppe runter, ich bleibe oben, ich will die Promenade entlanglaufen, bis zu dem Hotel von 2004, ich habe auf Fotos gesehen, es hat sich stark verändert. [Anmerkung: Hätte ich auf die Urlaubsfotos von damals geachtet, ich hätte erkennen können, dass unser altes Hotel direkt hinter mir ist, immer noch unverändert in bester Dünenlage, ab jetzt laufe ich in meinem Irrglauben in die vollkommen falsche Richtung … Aber an den Fahrstuhl kann ich mich tatsächlich noch erinnern.]
Das Hotel hatte mal beste Strandlage. Sie müssen die ganzen unteren Etagen aufgegeben haben und den Pool mehrere Stockwerke angehoben haben. Unten sind jetzt viele neue Geschäfte, eine kleine Promenade, Café, Bars und Bistros. Den Fahrstuhl runter zum Strand, gibt es immer noch. Der Strand ist jetzt durch eine Straße mit Wendeschleife vom Gebäudekomplex abgetrennt. Vor zwei Jahrzehnten war das hier alles noch Sand. Ein Nachbarhotel, dass es vielleicht gegeben hat, scheint auch nicht mehr zu existieren. Eine Tasse Kaffee noch in dem neuen Café.
Schnell noch in dem Shop eine Flasche Wasser kaufen und dann wieder mit dem Fahrstuhl nach oben. Meine Idee, mit Kaffee und Kuchen den Nachmittag, verwerfe ich wieder und den Kaffee hatte ich gerade eben erst. Ich will noch vor achtzehn Uhr wieder zurück im Hotel sein und ein paar Schwimmzüge im Pool machen, bevor der um achtzehn Uhr schließt.
Zurück im Hotel, die Sonnencreme wasche ich erst im Zimmer in der Dusche ab, dann unten bei der Dusche am Pool. Eine Liege brauche ich nicht, trocken werde ich auf dem Badetuch auf dem Hocker gleich neben den von dem Rettungsschwimmer / Bademeister.
Nicht vom Beckenrand springen, nicht rennen. Ich habe meine Sonnenbrille aufgesetzt.
Wieder oben, mich ausgehfertig machen. Duschen, Kajal, die Tunika, Parfüm und Silberschmuck, das komplette, fünfteilige Ensemble.
Weiter um die Ecke zu dem Aussichtspunkt mit dem Sonnenuntergang. Was ich als Trommler gehalten habe, sind ein paar Jugendliche mit Chill-out-Musik über die Lautsprecherboxen und irgendwo nebenan, eine Hotelbar mit ebenso passender Musik. Ob es hier jemals Trommler für den Sonnenuntergang gegeben hat, ich bin mir nicht mehr so sicher.
Weiter zum Yumbo Centrum für ein Abendessen. Ich laufe die Runde, schaue mir alle Bars und Bistros an. Auf der zweiten Etage ist mir ein Bistro mit mexikanischer Spezialitätenkarte aufgefallen … vielleicht probiere ich das heute mal aus. Enchiladas mit Hähnchen in einer rauchigen Kakaosoße mit grünen Chilis – passt! Nachtisch, irgendetwas mit Karamell und Eis.
Danach, ich lasse mich treiben, weiß nicht so genau, wohin. Dort hinten ist auch eine kleine Drag-Show, unten die Bars laufe ich seit Tagen schon ab. Auf der zweiten Plattform entdecke ich eine kleine Bar mit deutschem Titel.
„Kann ich hier Deutsch sprechen?“
„Klar …“
Hier bleibe ich, die Bedienung bietet mir sogar einen alkoholfreien Mojito an, der war so nicht auf der Menükarte.
Weiter durch das Labyrinth des Shopping-Zentrums. Ich erklimme die Anhöhe der vierten Plattform, ein Sex-Shop, der nur aus Automaten besteht und vierundzwanzig Stunden geöffnet hat. Auch die Polizei weiß die Aussichtslage zu schätzen und macht hier oben eine Pause. Ich gehe das Karree nicht an ihnen vorbei, mit ihren Pistolen am Holster. Über den Umweg einmal rum, die schmale Treppe wieder nach unten.
Zurück zu der Drag-Bar vom ersten Abend? Da sind keine Sitzplätze mehr frei. Mich zieht es zu der Karaokebar gleich hinten um die Ecke, gleiche Plattform. Ich schleiche hier schon lange rum, mein Wunsch, Karaoke zu singen.
„Saturday evening Flamenco Show!“, die Tänzerinnen begeben sich schon in Position, ich stehe noch am Rand an einer Wand. Sie tanzen ihre ersten Stücke und ich bin fasziniert. Ein Tisch mit vier Stühlen ist noch frei.
„Can I sit next to you? How is your name, I'm Niki.“
„Andrea.“
„Nice to meet you Andrea.“
Sie ist auch erkennbar eine trans Frau, eine, die direkt auf Menschen zugeht. Die beiden anderen Sitzplätze füllt sie gleich noch mit zwei anderen Frauen.
„How are your names … ? Would you like to drink something?“
Ich hatte gerade erst eine Flasche Pepsi für mich bestellt, sie gibt eine Runde Prosecco aus.
„But only two fingers!“ Ich zeige mit meinen beiden Fingern, wie weit sie mein neues Glas allerhöchstens füllen darf.
Die Flamenco-Show geht weiter, drei oder vier Frauen, ein Mann. Die beiden älteren Frauen, sie sind so typisch, wie man sich eine echte Flamenco-Tänzerin vorstellt, das ist keine Laiengruppe, die müssen das schon jahrzehntelang professionell machen. Was wäre aus mir geworden, hätte man mein Tanztalent aus dem Kindergarten weiter ausgebaut?. Ich habe auch so ein schönes Strickjäckchen in schwarzer Spitze.
Viel Beifall, die Show geht zu Ende. Wohin jetzt, Karaoke, wohin geht ihr? Meine Begleitung mag die Gay-Bars nicht, da ist nichts zu holen. Sie ist überzeugt, wir beide brauchen die Nacht heute keine weiteren Getränke mehr zu zahlen. Die beiden anderen Frauen verabschieden sich von uns. Irgendwo muss es noch eine Diskothek geben.
Es ist Sonnabend und ich will wenigstens einmal die Nacht den Urlaub richtig ausgehen, bis früh morgens. Ich erfahre jetzt erst, dass es kurz vor halb zwei die Nacht ist.
„It's like in Germany, you stand in the line in front of a club, which opened at midnight and wait two hours.“
Sie stimmt mir zu, sie kennt die Clubs in Berlin, ich erfahre aus dem Gespräch, sie kommt aus der Slowakei.
An einem Club kommen wir vorbei, der kostet Eintritt, zwanzig Euro mache ich nicht mit, du gehst rein und gleich wieder raus, weil es innen drinnen scheiße ist. Weiter oben, die dritte oder vierte Plattform, da ist noch ein Club und der ist kostenlos. Viele schwule Männer, der Club ist voll.
Vereinzelt sind Frauen zu sehen, vereinzelt auch Trans und Drag. Wir fallen auf, wir tanzen, es ist wirklich eng in dem Club. Ihr geht es nicht so gut, sie merkt, sie ist betrunken. Ich bin die einzige (halbwegs) nüchterne Person hier drinnen und habe eine Vorsichtspflicht für sie. Getränk abdecken, auf Sachen aufpassen, weiter eng an eng tanzen, sie kommt mit jedem in Kontakt.
Lange bleiben wir nicht, sie sucht eine Toilette, ich auch. Die öffentlichen Klos sind zu, lass uns zurück zu der Karaokebar gehen, da haben wir vorhin schon einmal eine Toilette zusammen geteilt.
Zurück in der Bar, ich stelle mich in die Warteschlange vor der schmalen Tür. Wieder draußen sitzt sie schon wieder an einem Tisch und unterhält sich mit zwei älteren Männern. Ich erfahre, sie kommen aus Irland und sind Brüder.
„How is your name?“
„Andrea.“
„Nice to meet you Andrea. My name is Adrian and that is Billy.“
Noch mehr Prosecco und Bier für alle. Ich bleibe standhaft, ich hatte meine Alkoholration für dieses Jahr vielleicht schon.
„You like to sing Karaoke?“
„Yes …“
„Which music do you like?“
„80s, Wave, New Romantic.“
„Me too! Later I will sing Depeche Mode, you know this band?“
„Sure!“
Nicht allzu viel später, meine neue irische Bekanntschaft steht vor dem Karaokeprompter und versucht seine Interpretation von „Personal Jesus“, ich werde dazu gewunken und unterstütze ihn.
„Would you like to come to my hotel, we could listen to 80s music and have a good time.“ Wir haben vor der Karaokebar schon eng umschlungen getanzt, ich weiß, dass das möglich ist.
„I'm not sure, where is your hotel?“
„Faro, Maspalomas.“
Wenn ich da frühmorgens aus dem Hotel raus sein will, ich müsste den ganzen Strand bis hierher zurücklaufen. Mein Hotel ist hier gleich um die Ecke, aber da sind Besucher strengstens verboten.
„No problem, I pay a taxi for you.“
Niki, meine neue Freundin, verschwindet auch ständig mit dem anderen Iren, seinem Bruder, aus meinem Sichtfeld. Wenn wir das zusammen machen würden, würde ich mich sicher fühlen. Ein paar Rosen werden für uns gekauft, die Stimmung kippt schnell, es gibt Stress mit dem Rosenverkäufer, der sich betrogen fühlt. Die Bar schließt so langsam, es gibt noch eine zweite Meinung eines anderen Gastes, die mir davon abrät, das ist zu weit entfernt. Die Bar schließt, wir ziehen weiter in die nächste Bar, die noch offen hat. Zwei irische Frauen sind sich sicher, dass die beiden echt gute Kerle sind.
„Come on, let us go. I understand if you're too careful.“
Ich habe ihm schon erwähnt, wenn wir das machen, dir ist schon bewusst, ich bin „trans“?
„No problem, that's OK.“
Aber ich kann doch meine neue Freundin jetzt hier nicht einfach so zurücklassen? Wir tauschen unsere Nummern aus, sie und ich. Wenn einer von uns was passiert, wir können uns anrufen. Ich verschwinde mit ihm die Treppe nach oben zum Taxi-Stand.
Im Taxi, er drückt mir einen Fünfzig-Euro-Schein für die Fahrt zurück in die Hand.
Fünfzig Euro, das reicht mal gerade für eine Stunde. Aber so eine bin ich nicht. Ich stecke den Schein trotzdem schnell ein.
Mit dem Taxi durch die dunklen Straßen durch Playa del Inglés runter nach Maspalomas. Ich habe vorhin schon erfahren, es ist weit nach um fünf Uhr. Aber die Sonne geht hier erst sehr spät auf.
Sein Hotel liegt wirklich direkt am Leuchtturm, ein riesiger Hotelkomplex, ich kann den von meinem Hotel aus schon fern am Horizont sehen. Mein Hotel, das Bett für die Nacht für mich bleibt unberührt, das Frühstück bis 10:30 Uhr, ich habe es schon aufgegeben.
Sein Hotelzimmer ist nicht so groß wie meines, aber modern eingerichtet. Ein Bett, ein Waschtisch, Dusche und Toilette separat.
„You want a shower?“
Ich bestehe darauf, dass wir uns beide vorher duschen. Er macht etwas Musik an, 60s Rock, ich wünschte, ich hätte mein Übernachtungskit mit Zahnbürste und Zahnpasta mit eingepackt … ausgerechnet heute nicht.
Wir legen uns auf das Bett, wir kommen schon nackt aus der Dusche. Er streichelt über meine Oberschenkel.
„I'm too slow?“
Bitte …
Wir küssen uns, er war so nett, sich vorher noch schnell zu rasieren.
Irgendwann kommt der Punkt, an dem ich es einfach nicht mehr aushalte und über ihn steige. Mit meinen beiden Armen stütze ich mich ab und sehe in sein Gesicht, meine langen, blonden Haare streifen an seinen Wangen vorbei.
„Are you OK?“ Ich muss mich absichern, bevor ich mich gehen lasse.
Mir fällt auf, er hat keine Erektion, aber das macht nichts, ich habe ja auch keine Vagina. Sein Penis ist nicht so groß, meine Ein-Zoll-Vagina ist jeden Morgen nach der Dusche auf Breite gedehnt, meine Klitoris ist voll funktionsfähig und orgasmusempfänglich. Wenn etwas am nächsten dem Vaginalsex nahe kommt, dann das, das wir jetzt machen. Ich reite auf ihm.
Die Momente danach, er hat die Vorhänge dicht zugezogen. Eng umschlungen, mit seinem Arm um mich, liegen wir in dem großen Doppelbett mit der riesigen Bettdecke. Er schläft schnell ein, ich brauche meine Zeit, ich muss zählen. Wenn ich die Nacht nicht schlafe, dann kann ich wenigstens etwas meditieren. So viele schlaflose Nächte, ich habe die Erfahrung. Ich schlafe niemals neben einem Mann ein, den ich gerade eben erst kennengelernt habe.
Den Morgen, die Sonne muss scheinen, ich sehe nur den Spalt am Vorhang vor der Balkontür. Das Hotel ist laut, wie kannst du hier nur schlafen? Leute lärmen auf dem Flur, Personal, Wägelchen werden geschoben, ein Mann klopft alle Zimmertüren ab und fragt, ob die Minibar aufgefüllt werden soll, die Frau mit der Zimmerreinigung möchte auch schon rein, das Do-not-disturb-Schild an der Türklinke wird ignoriert. Die müssen doch sehen, dass er hier noch in dem Bett mit einer unbekannten Blondine liegt. Er geht weiter um meinen Körper, ich halte seine Hand um mich herum fest. Ich spüre, dass er eine Erektion hat. Ich in meinem Hotelzimmer habe Kondome dabei, er hier nicht. Ich greife seinen Penis mit meiner Hand, ich zeige ihm, wie ich mich mit zwei Fingern unten befriedige, eine kleine Anleitung von mir, was er tut, ist intensiv, er kann meine Atmung beobachten.
Irgendwann, wenn es doch schon nach um zwölf Uhr ist, ich muss stellenweise den frühen Vormittag eingeschlafen sein, wir entscheiden uns, aufzustehen und nehmen eine Dusche. Ich sammele all meinen Kram in dem Zimmer ein und ziehe mich an. Wo kann man hier in Maspalomas noch so spät frühstücken? Er kennt die Gegend und die Strandpromenade und das Hotel, er und sein Bruder, gleich in dem Zimmer nebenan, buchen das hier schon jahrelang. Aus dem Hotel raus, am Leuchtturm vorbei, das Einkaufszentrum, die Geschäfte, die Promenade, da gibt es einen Starbucks, Croissant und Pain au chocolat und einen Cappuccino für mich, er nimmt noch einen Americano … er lebt zur Zeit in Boston, USA.
Weiter den frühen Sonntagnachmittag durch die Läden streifen, bekannte Luxusmarken, ich habe von jedem ein Teil im Schrank. Ein Eis in der Waffel, Malaga oder Amaretto?
„Malaga“, ich muss das schnell essen, es schmilzt, „I think, we leave a mess here.“
Irgendwann kommt der Punkt, er muss mich in mein Taxi steigen lassen.
„Don't trust me, if I say, I will just need few minutes in my bathroom and then come back, that is not true.“
Endlich in meinem viel größeren Zimmer, die Frau von der Zimmerreinigung hat mein unberührtes Bett doch noch einmal neu gemacht, das Badezimmer ist auch wieder auf dem neusten Stand.
Eigentlich wollte ich die Tage eine Exkursion zum Leuchtturm nach Maspalomas machen, der Besichtigungspunkt ist jetzt abgehakt. Der neue Tag, der Sonntag, beginnt erst mit dem Abend.
[19.09.26 / 11:12]✎ Heute Strandtag. Frühstück gegen zehn Uhr, wieder einen der drei Plätze in der Reihe am Rand, mit Blick auf die Dünen und dem Meer dahinter. Das Frühstück gibt es in dem offenen Pavillon.
Danach zurück im Zimmer, viel Sonnencreme auftragen, die neue Tube, ich verbrauche so viel, die wird vielleicht auch nicht reichen. Ich habe meinen schwarzen Badezweiteiler mit dabei, den mit „Bond Girl“, darüber die weiße Tunika aus Thailand. Die Hälfte des Koffervolumens belegt meine alte Strandtasche und das Strandtuch und das Regenbogenbadetuch. Mehr nehme ich auch nicht mit an den Strand, außer vielleicht noch die Sonnencreme und etwas Bargeld für eine Liege mit Sonnenschirm.
Zu Fuß zum Strand. Ich laufe vom Hotel aus einfach nur mehrere Kreisverkehre geradeaus, dann müsste ich genau darauf zukommen. Die Sonne scheint gnadenlos, die Hitze drückt, hoffentlich hält meine Sonnencreme. Den Morgen dachte ich noch, oh wie schön, es ist „bewölkt“.
Es gibt keinen direkten Weg zum Strand, wie aus meiner Erinnerung, Playa del Inglés ist nur durch eine Treppe von der Strandpromenade zu erreichen, eine Treppe über mehrere Stockwerke. Das Hotel, das wir mal 2004 hatten, hatte sogar einen Aufzug nach ganz unten. „Unten“ finde ich einen großen Parkplatz und mehrere Touristenbuden für Imbiss und Sonstiges. Noch ein paar Meter durch den Sand, bis ich endlich den Strand erreiche. Schuhe anbehalten, der Sand ist heiß.
Mein Blick schweift in die östliche Richtung … irgendetwas ist anders, ich sehe das alte Hotel, das hatte damals beste Strandlage, es steht so weit oben am Hang … der Strand fehlt? Irgendwann die letzten zwanzig Jahre muss hier viel weggespült worden sein. Vielleicht habe ich alles nur falsch in Erinnerung, aber wo wir damals vom Pool aus nur eine kleine Treppe zum Strand herunter gelaufen sind, geht es jetzt mehrere Stockwerke tief. Die Leute vom Hotel haben alles weiter ausgebaut, mit Restaurants am Strand. [Anmerkung: Ich schaue in die falsche Richtung, das ist nicht das Hotel von damals, meine Erinnerung täuscht mich hier nach über zwanzig Jahren.]
Ich laufe in die westliche Richtung, in Richtung der Dünen. Ich weiß, dass hier irgendwo ein FKK-Strand sein soll, bewusst habe ich nicht die Absicht, da zu landen.
Ich laufe weiter, der Strand ist breit und riesig, immer wieder ein paar Bereiche mit Strandliegen und Sonnenschirmen, voll belegt. Dann tauchen die ersten nackten Menschen auf.
Vielleicht hier? Warum nicht? Sie haben auch einen kleinen Abschnitt mit Sonnenliegen und Schirmen im Sand. Wenn ich mich komplett entkleide, ich brauche den Schatten. Ich stapfe zu Fuß durch die Liegen mit den nackten Menschen hindurch, zu dem einzig bekleideten Menschen, von dem ich glaube, dass er die Liegen für einen Tag vermietet. Fünf Euro, er schiebt den Schirm und die Liege für mich zurecht.
Ich beginne mich zu entkleiden, meine weiße Strandtunika kommt in die Tasche, der Badezweiteiler auch. Das Strandtuch lege ich auf die Liege, mein Regenbogenbadetuch auch. Ein kräftiger Wind weht alles wieder sofort weg. Die Teile meines Körpers, die vorher vom Badezweiteiler bedeckt waren, noch einmal mit viel Sonnencreme eindecken. Den Rücken versuche ich mit zwei Fingern und einer Scheibenwischerbewegung … hoffentlich reicht das. Ich lege mich in den Schatten des Schirms.
Eins, zwei, drei … neunundneunzig, Hundert. Aus- und Einatmen, mit jedem Atemzug zähle ich mit. Den Körper wenden, von vorne, von der Seite, die andere Seite, der Rücken, die Beine kann ich nicht ausstrecken, sie sind immer angewinkelt, um im Schatten zu bleiben, penibel darauf achtend. Sonnenschirm, Wolken, Sonnencreme 50+ … was kann da schon passieren?
Die Wolken werden weniger. Wenn ich jetzt ins Wasser gehe, schwimme ich den ganzen Sonnenschutz weg, dann muss ich das hier abbrechen und mich wieder anziehen. Auf dem Weg zum Wasser, noch einmal diese kleine „Zona Nudista“ ablaufen, ich finde mich schön, wie ich bin, endlich stimmt alles mit meinem Körper … als postoperative trans Frau. OK … es gibt einige Makel, viele Narben, das stört mich nicht, hier bin ich frei und vollkommen. Ich kämpfe mich durch den hohen Wellengang in den Atlantischen Ozean.
Heute Strandtag, Playa del Inglés
Zurück zum Hotel, Kaffee und Kuchen finde ich nicht auf dem Weg, es ist früher Nachmittag. Im Hotel hänge ich mein Regenbogenbadetuch auf dem Balkon aus. Pride zeigen. Mein Badezweiteiler auch, den habe ich kurz vom Schweiß abgespült. Die nächste Stunde im Hotel bleiben, mein Körper braucht eine Pause von der Sonne.
Kurz nach achtzehn Uhr, aufwachen, kurz nach neunzehn Uhr, mich für den Abend ausgehfertig machen, dasselbe Kleidung-, Make-up- und Schmuckensemble, wie den Abend zuvor. Das Hotel hat einen kleinen Balkon zum Hang, von hier aus müsste ich gut den Sonnenuntergang fotografieren können. Ich höre die Trommler von der Aussichtsplattform nebenan.
Mit Einbruch der Abenddämmerung laufe ich wieder zum Yumbo Centrum. Ich habe mein schwarzes Strickjäckchen noch mit aus dem Zimmer geholt. Auf dem Weg steht sie wieder, die trans Frau vom letzten Abend, vielleicht esse ich hier noch einmal, heute nicht. Ein kurzes Hallo im Vorbeigehen.
Im Yumbo Centrum, die besseren Geschäfte gibt es in der dritten Etage, Outlets bekannter Marken, leider nichts in meiner Größe, nur XL (was mich davon abhält, mein Dispokredit weiter zu strapazieren).
Weiter unten, ich suche eine Pizzeria. So viele Menschen, von dem mir zugewiesenen Sitzplatz beobachte ich sie. Das da vorne, der einzelne Typ am Tisch mit seinem Laptop, das ist bestimmt der SysAdmin und er orchestriert gerade seine Serverfarm … ob er den anderen, einsamen Typen an dem anderen Einzeltisch mal einen Blick zuwenden könnte? Ich bin umgeben von zu vielen Regenbogenfahnendekorationen.
Meine Pizza, Thunfisch mit Garnelen. Danach endlos lange warten am Tisch … ich nehme noch ein Dessert: „Das da!“, ich zeige mit dem Finger auf das Foto in der Menükarte. Eine kanarische Spezialität, ein großes Glas Sahnecreme, mit Karamell und Keksen … sehr viele Kalorien.
Danach noch weiter warten, es zieht sich hin. Ich bezahle alles mit der Kreditkarte, für das Trinkgeld habe ich keine großen Münzen mehr. Schnell den Tisch verlassen.
Weiter herumschweifen, welche Bar nehme ich diesen Abend? In die Men-only-Bars komme ich nicht rein, das Zentrum ist auf ein schwules, männliches Publikum ausgerichtet, trans Frauen und vielleicht auch lesbische Frauen sind hier ganz selten. Bizarr wirken die älteren Rentner-Ehepärchen dazwischen. Das ganze Flugzeug war schon voll damit. Ich bleibe wieder bei einer der zwei bis vier Drag-Bars hängen.
Leider kein Tisch mehr frei, ich stehe draußen und kann mich von der Drag-Show nicht abreißen, sie wirken so unperfekt sympathisch. Leider verstehe ich die englische Sprache nicht. Nicht den britischen Akzent. Ich glaube, von dem Typen neben mir stehend, zu hören: „Nice dress“, aber von mir kommt keine Regung und kein Blick.
Irgendwann reiße ich mich los, ich will noch eine andere Bar finden und endlich etwas trinken.
Jeden Abend, Playa del Inglés
Oben, noch zwei Drag-Bars, ich laufe daran vorbei. Unten prüfe ich die Cocktailkarte zweier Bars mit lauter, spanischer Musik. Die eine Bar hat wenigstens einen alkoholfreien Cocktail auf der Karte. Es ist die Bar im kubanischen Stil. Der Mann von der Bedienung erzählt mir, sie hätten auch noch alkoholfreie Mojitos, aber ich wähle den von der Karte. Blick auf das Smartphone, schon fast ein Uhr. Ab da könnte die Eingangstür des Hotels schon zu sein.
Auf dem Weg zurück, die Drag-Bar macht ihre Show noch immer, ich laufe daran vorbei. Die Treppen hoch, zur Straße. Den Weg wieder zurück zum Hotel – und die Tür ist immer noch offen, prüfend taste ich mich durch die nicht vorhandene Glastür.
[18.09.26 / 10:34]✎ Das Zimmer habe ich den Abend noch durchgelüftet, die Klimaanlage lief die ganze Nacht. Morgens mit Ohrstöpseln aufwachen, die Vorhänge in dem Schlafzimmer zur Straße hin und in dem Wohnzimmer zur Balkon- und Poolseite, sind so dunkel, ich weiß nicht, wie spät es ist. Frühstück gibt es bis 10:30 Uhr.
Im Urlaub ankommen, die große Glastür zum Balkon hin aufschieben, die Ruhe des Morgens auffangen, bevor das Geschirr klappert in dem überdachten Buffet hinter dem Pool und am Hang mit dem Blick auf die Golfanlagen von Maspalomas. Im Bad Beine rasieren, duschen, abtrocknen, ich bin fertig für das Frühstück. Den Tag trage ich noch einmal die Cargo-Hose und das T-Shirt vom Flug.
Das Frühstücksbuffet, eingestellt auf englische und deutsche Gäste. Für mich gibt es Brötchen, Croissant, diverse Marmelade, Obst und Naturjoghurt. Ein Café Americano, ein frisch gepresster Orangensaft aus dem Automaten, oben fallen die Orangen rein, unten kommt der Saft raus in das Glas. Wie die Orangen ausgepresst werden, ist durch eine Plexiglasscheibe sichtbar.
Frühstück mit Blick auf Maspalomas, Playa del Inglés
Mein Platz an dem Frühstückstisch mit Blick auf das Meer und die Dünen. Vor mir den Hang fahren schwere LKWs mit Steinen eine aufgeschüttete Straße entlang. Was die hier wohl bauen? Eine Straße, ein weiteres Hotel? Schade, ich habe das Hotel extra wegen der ruhigen Nachbarschaft des Golfplatzes gebucht, beste Lage, oben am Hang.
Weiter den Tag, ich will eine erste Erkundungstour machen, wie weit komme ich, wenn ich die Straße runter zu den Dünen laufe, komme ich überhaupt so weit, oder ist da alles mit Hotels verbaut? Zuerst die Aussichtsplattform gleich neben meinem Hotel um die Ecke. Ich war hier schon einmal 2004, auf dem Weg zurück vom Yumbo Centrum. Wenn ich wieder eine Reise hierher buche, dann nehme ich auch so ein Hotel in Hanglage! Eigentlich müsste ich gut den Sonnenuntergang hier sehen können.
Weiter die Straße runter zu den Dünen. Der Weg ist weit, ich habe es unterschätzt. Die Schweißperlen laufen in der Mittagssonne über mein Gesicht, die Sonnencreme mit Faktor 50+ hält das nicht lange aus.
Weiter unten angekommen, das Luxushotel bietet einen Durchgang, eine Promenade zum Aussichtspunkt für die Dünen. Erste Selfies … solange ich noch keinen Sonnenbrand habe.
Ich will auch den Strand sehen, die Wege durch die Dünen sind durch Seile vom Naturreservat abgetrennt. Unberührte Dünen bieten ein einmaliges Fotomotiv, das war vor über zwanzig Jahren noch anders.
Der Sand ist heiß, ich weiß das. Mit meinen Pantoletten-Flip-Flops stapfe ich durch den Sand. Irgendwo hier, muss doch eine Weggabelung runter zum Strand sein. Ich erklimme eine Höhe und sehe vor mir in weiter Ferne den Leuchtturm von Maspalomas. Das Wasser ist immer noch unendlich weit entfernt. Meine kleine Wasserflasche ist fast leer, der Schweiß hat die Sonnencreme weggewaschen, ich komme mir vor, wie verloren in der Wüste. Abbruch. Ich drehe um. Zurück zu der Promenade mit dem Luxushotel, ich habe dort ein Eis-Café gesehen. Und ein Supermarkt ist auch gleich die Kreuzung gegenüber, Wasser kaufen und noch eine Tube Sonnencreme 50+ … meine kleine Packung in Reisegröße wird nicht reichen.
Zurück im Hotel, früher Nachmittag, das wird ein Pool-Tag. In meinem schwarzen Bandeau-Bikini und dem schwarzen Negligee, bitte ich den Rettungsschwimmer / Bademeister, mir meine Liege und den Sonnenschirm zurecht zu rücken.
„I need protection“, ich deute auf meinen blassen Körper.
„Here, there?“, er schleppt den schweren Sonnenschirm von der einen Poolseite, dann wieder zurück auf die andere Seite.
„Has no effect“, ich deute an, der Schatten auf der Liege kommt nur von der Palme, nicht aber von dem Schirm. Wir finden eine passende Konstellation, gleich schräg unterhalb meines Balkons.
Erste Züge in dem Pool. Wieder zurück auf der Liege, ich creme meinen Körper umfassend mit der neuen Tube Sonnencreme ein. Die andere, viel teurere, kleine Packung ist nur für das Gesicht.
Den Nachmittag im Schatten herumliegen, penibel darauf achten, im Schatten zu bleiben. Mein Körper muss sich langsam an die intensive Sonneneinstrahlung gewöhnen. Wenn das klappt, schaffe ich das Ganze ohne Sonnenbrand. Hat 2004 auch funktioniert.
Den Abend, die Sonne geht hier später unter, dafür aber schnell. Im Bad eine Dusche nehmen, mich umziehen – die bunte Tunika mit dem Teppichmuster, Make-up, Kajal, alles an Silberschmuck, inklusive dem Fußkettchen und der eine Diamantohrring in Weißgold, extra mitgenommen. Ich gehe aus. Das Yumbo Centrum ist nur zwei Kreuzungen entfernt.
Ich erreiche es nicht zum Essen, auf dem Weg dorthin werde ich von einer trans Frau angesprochen. Mein Radar springt gleich an, ihrer wahrscheinlich auch. Sie verteilt Visitenkarten für das italienische Restaurant hinter ihr. Warum nicht gleich hier? Ich wollte sowieso Italienisch essen. Die junge Bedienung hat einige Mühe, meiner Unentschlossenheit zu folgen. Letztendlich entscheide ich mich für die vegetarische Lasagne.
„What is this?“ So ähnlich, wie das mir angebotene Panna Cotta, eine süße Creme– und Grießkombination, vielleicht Norditalien?
Trinkgeld dalassen. Weiter zum Yumbo Centrum. Es ist dunkel geworden. Alle Geschäfte in dem Gewirr von verschiedenen Ebenen, sind noch offen. Unter den unzähligen China-Kleiderläden gibt es noch ein paar versteckte Shops. Sex-Shops und Fetischkleidung, für das LGBTQ-Publikum.
Zu einer der Drag-Bars, die ich den letzten Abend schon gesehen habe. Ein freier Sitzplatz ganz hinten an der Mauer. Auf der großen Leinwand läuft noch eine Sendung „RuPaul's Drag Race“, ein alkoholfreier Cocktail – der einzige auf der Karte – und die Drag-Shows in echt beginnen irgendwann. Der Wind ist kalt und frisch, ich hätte doch mein schwarzes Strickjäckchen vom Hotelzimmer mitnehmen sollen. Es reicht noch für einen zweiten, alkoholfreien Cocktail. Kurz nach Mitternacht zurück ins Hotel.
[17.09.26 / 10:20]✎ Fast wäre es passiert … der Wecker klingelt nicht, wenn das Smartphone im Schlafmodus geschaltet ist? Den Wecker auf 5:30 Uhr gestellt, wenn ich mit dem frühestmöglichen und besten Zug (immer eine Alternative extra) den Mittwochmorgen zum Flughafen Hannover will. Ich musste ja auch die Nacht mein Blog vom letzten Party-Trip nach Berlin zu Ende schreiben. Vier Stunden Schlaf müssen ausreichen. Nach dem Party-Wochenende mit wenig Schlaf, noch ein Party-Urlaub mit wenig Schlaf. Zwanzig Minuten wache ich zu spät auf, das bekomme ich wieder rein. Mit dem Flugzeug nach Maspalomas, Gran Canaria.
„Da ist ein Blitz in den Bahnübergang eingeschlagen, wir können momentan nicht weiterfahren“, die Strecke, wie ich sie kenne, ich stand hier schon mehrere Male, zuletzt 2019 nach Ibiza, mit dem Flug, den ich gerade so noch bekommen habe. Das Gewitter den Morgen, habe ich vom Bahnhof aus schon gesehen.
Mit dabei: der größere Koffer mit dem Strand- und Badetuch, einer „kleinen“ Auswahl an bunten Sachen und meine Sporttasche, mit dem „Techi-Beutel“ (Elektronisches) und dem Flüssigkeiten-Beutel (schon ganz ramponiert). Die Sporttasche passt gerade noch so in die Handgepäckmaße.
Ich werde zum Bahnhof gefahren, der Zug hat nur fünf Minuten Verspätung. Umsteigen in Wolfsburg, ein Kaffee, zehn Minuten planmäßige Verspätung, alles moderat. Ankunft am Hannover Hauptbahnhof mit fünfundzwanzig Minuten Verspätung.
Wie soll ich denn das jetzt noch schaffen? Ich muss in anderthalb Stunden am Flughafen sein, mit „drei Stunden früher“?
Ich habe extrem entspannt geplant.
Die S-Bahn zum Flughafen fährt alle fünfzehn Minuten, der Bahnsteig ist voller, schwerer Koffer und Reisenden. Alle Verbindungen schaffe ich so, wie sie auf meinem Bahnticket stehen.
Den Schalter suchen, es dauert noch, bis ich meinen Koffer aufgeben kann. Dann die Bordkarte, das ist nicht der Sitzplatz, den ich gebucht habe. Warten, quer durch den Flughafen zum anderen Terminal, das andere Gate.
Durch die Sicherheitskontrolle, routiniert meine Beutel in die Box legen, meinen Nietengürtel ausziehen.
Zum Gate, über den Duty-Free-Shop, ich interessiere mich für eine Feuchtigkeitscreme in Reisegröße, die andere ist in dem aufgegebenen Gepäck. Weiter zum Gate … es wird immer mehr klarer, der Abflug verspätet sich um zwei Stunden? Noch etwas essen und noch weiter warten.
Mal sitze ich hier , mal laufe ich herum, mal fülle ich meine Flasche Wasser in den Waschräumen der Damentoilette auf. Irgendwann ist das Flugzeug da, ich beobachte am Fenster, wie alle Koffer aus- und wieder eingeladen werden. Juchhu, mein Koffer ist drinnen!
Jetzt erst erfahre ich, was die Verspätung verursacht hat: ein Ausfall des Buchungssystems, alle Sitzplätze der Passagiere wurden noch einmal neu gewürfelt.
Weiter im Flugzeug nach Gran Canaria, ich sitze jetzt in der Reihe mit dem besonderen Notausgang. Mein altes Küchenfenster in meiner alten Dachbodenwohnung in Leipzig war ganz ähnlich, mit grünem Notausgangssymbol und den starken Druckfedern … von meinem Ex-Freund versehentlich geöffnet, ich konnte das gerade noch so angeln und mit viel Kraft an mich heranziehen. Die Stewardess erwähnt noch einmal, das springt von alleine auf, das tut es.
Die fünf Stunden, mein Sitzplatz in der Dreiergruppe, die Zeit vergeht schnell, mein Smartphone mit all den alten SEGA-Klassikern und meiner Musiksammlung. Landeanflug auf die Insel kurz vor Afrika im Licht der untergehenden Sonne. Der Bustransfer zu den Hotels ist dann bereits schon im Dunkeln.
Playa del Inglés – mehrstöckige Betonburgen, zehn oder mehr Stockwerke, dicht gedrängt, es ist eher eine Großstadt – gibt es überhaupt so viele Touristen? Mein Hotel ist das am Hang, der Naturgrenze zwischen Maspalomas und Playa del Inglés, südlich davon die Dünen und das Meer.
Ich war hier schon einmal, 2004, da hatten wir das einzige Hotel ganz unten mit Strandlage. Bei einer kleinen Exkursion durch die Touristenstadt habe ich den Hang mit dem Blick auf die Grünanlagen und den Golfplatz gesehen – wenn ich wieder hierher reise, dann buche ich mir auch hier ein Hotel mit dem Blick ins Grüne und die Dünen und das Meer. Das Hotel mit der Junior-Suite war im Last-Minute-Angebot, ein Klick zwei Wochen zuvor.
Meine beiden Gepäckstücke in der Suite abstellen, Auspacken werde ich später, so wie ich bin, Cargo-Leggings und T-Shirt, ich gehe nach dem Check-in erst einmal rüber in das „Yumbo Centrum“, etwas zu essen suchen.
Bin gerade auf den Kanaren, Playa del Inglés
Überall Regenbogenfahnen, Horden an Männern, nicht unattraktiv, aber in die „Men only Bars“ komme ich als (trans) Frau nicht rein. Ich laufe das ganze Karree ab, erst unten, dann oben … wo ich 2004 war, finde ich nicht mehr. Es sind jetzt hauptsächlich nur noch Gay-Bars. Ein Fischrestaurant finde ich, ich frage nach der bunten Karte mit den Fotos, das da will ich, das sieht gut aus, gegrillter Fisch mit etwas Kartoffeln und Salat, für etwa zehn Euro – ich muss auf mein Reisebudget achten.
Wieder zurück, auf dem Weg ein Mini-Supermarkt … du schon wieder?
„Saßt du nicht im Flugzeug neben mir?“, der eine direkt neben der Notausgangstür.
„Alles trifft sich irgendwann in Maspalomas.“
Vielleicht sehe ich ihn wieder?
Zurück mit meinen beiden gekauften Wasserflaschen im Hotel. Endlich ein paar Stunden schlafen bis zum nächsten Frühstück den nächsten Morgen. Meinen Koffer mit dem hakeligen Verschluss habe ich endlich aufbekommen.
[05.04.26 / 19:17]✎ Sonntag, Hotel-Check-out noch vor elf Uhr. Wieder das Frühstück unten, der undefinierbare Fruchtsalat – es könnte Kiwi gewesen sein, vielleicht aromatisieren sie ihren Fruchtsalat auch mit Petersilie. Es schmeckt ungewohnt, aber ich esse ihn schon den dritten Tag. Ein Frühstücksei, heute ist Sonntag, ich muss vor den ausländischen Hotelgästen mein Klischee erfüllen.
Im Zimmer oben, alles in meine kleine Sporttasche. Ich lasse keine meiner Pfandflaschen zurück, die kommen in meine neue, große Jute-Tasche. Interessant, wie ich später dann, fast als Flaschensammler im Abteil der Ersten Klasse im Zug sitze, von irgendwas muss das Geld ja hergekommen sein. Sparen, jeder Cent ist wichtig, weiter sparen, Luxusklamotten runtergesetzt in Ramsch-Läden kaufen.
Die Schlüsselkarte vom Hotelzimmer landet unten am Ausgang in der Box. Den Weg wieder zurück zum Dresdner Hauptbahnhof.
Der Intercity fährt verspätet los und kommt verspätet an, das betrifft uns nicht, wir steigen nicht um.
Die Landschaft rauscht an mir vorbei … eigentlich hätten wir jetzt in Malaysia sein sollen, oder in Singapur, das wäre die Idee von vor ein paar Monaten gewesen. Für Ende des Jahres steht Thailand als nächste Idee auf der Liste, und wenn es das nicht wird, dann Italien, sehr gerne auch mit dem Zug … ich kann stundenlang die Landschaft an mir vorbeirauschen sehen.
[05.04.26 / 19:12]✎ Der Sonnabend dieses März-Wochenendes in Dresden, wieder unten im Frühstücksraum des Hotels, wieder das Croissant, zwei Brötchen mit Marmelade, der schrecklich schmeckende Kaffee und dieser unerklärbar schmeckende Fruchtsalat … es müssen diese grünen Dinger sein, das sind keine Weintrauben, das ist Melone? Melone und Gurke sind Beeren und miteinander verwandt.
Diesen Tag gehen wir in die Altstadt, bis runter zur Elbe und schauen uns Dresden an! Wie Touristen! Wir stehen früh auf, wir haben ein Zeitticket für das Grüne Gewölbe und das neu aufgebaute Dresdner Residenzschloss gebucht. Die anderthalb Stunden bis zum Einlass um elf Uhr, wollen wir uns, bei schönstem Sonnenschein, die Altstadt angucken, bevor die Touristenströme anrauschen.
Wir überqueren die große Hauptstraße, die die Einkaufsstraße und den Altmarkt von der historischen Altstadt trennen. Die Sonne scheint, aber es ist kalt. Meine Fleece-Jacke trage ich noch unter meinem Mantel und über der Tunika, den langen, schwarzen Kaschmirschal schon das ganze Wochenende. Meine kleine Luxushandtasche und meine Sonnenbrille, eine Wolke an orientalischen Parfüm hinter mir herziehend. Sie kennt den Weg, ich habe einen kleinen Papierfaltplan von der Hotelrezeption mit in einer meiner Manteltaschen. Ein Hof nahe des Schlosses, wir suchen den Eingang zu dem Gewölbe und den Museen. Das Grüne Gewölbe selbst, war früher mal woanders, überall in Dresden wird gebaut, hier an dem Schloss immer noch. Der kleine Innenhof ist neu, ein paar Schautafeln zeigen, wie hier alles mal zerbombt wurde, sie kennt nur die Ruinen, an denen sie Jahrzehnte danach noch vorbeigegangen ist, für mich ist die Ecke hier neu, ich war hier noch nie.
Ein paar Arkaden, ein paar Tierplastiken hoch oben an den Wänden, das ist hier irgendwie so eine Art Jagd- oder Stallhof, das Schloss muss hier in der Nähe sein, noch etwas mehr als eine Stunde bis zum Einlass.
Weiter um die Ecke, ich kann die alte Brücke über die Elbe sehen, wir sind an der Semperoper. Ein Foto machen, wie Touristen das so tun … die Menschen darauf werde ich wegretuschieren, das Baugerüst an der Oper verdecke ich elegant mit dieser großen Reiterstatue davor. Nur von dem Italienischen Dörfchen mache ich kein Foto … nachdem die eine Brücke ein paar hundert Meter oder Kilometer weiter, eingestürzt ist, verlegen die von der Stadt die Fernheizungsrohre (oder was auch immer das ist) über die angrenzende, historische Brücke neben der Semperoper. Schwarze Rohre, ein Bauzaun und ein riesiges Plakat, das andeutet, dass alles nur ein „Provisorium“ ist, verdecken den schönen Blick auf das Gebäude mit dem klangvollen Titel. Ich muss mit der Italienerin hier mal Essen gegangen sein, weder die Italienerin, noch das Café da, gibt es noch … aber vielleicht war das alles auch vollkommen woanders und sie hat nie existiert, nur in meiner Phantasie.
Weiter zu dem Zwinger, meine Begleitung kennt da eine Stelle, bei der sie zu ihren Studentenzeiten Ende der 1970er immer war: ein geheimnisvoller und versteckter Brunnen oder Fontäne gleich neben dem Zwinger! Ich bin neugierig, auf Klassenfahrt 1998 habe ich es nur bis zum Zwingereingang geschafft.
Der Brunnen ist wirklich nur direkt daneben, versteckt, eine Treppe hinauf, eine Treppe nach unten, ich hoffe schon auf ein paar „Instagram“ Fotos, um dieses Kleinod der Welt zugänglich zu machen … Minuten später schon die erste russische Touristin. Wir waren kurz allein. Es sieht ein bisschen aus, wie der eine Brunnen in Rom, nur fließt hier kein Wasser, das Becken ist leer, in ihrer Vorstellung war das alles mal viel verwilderter und grüner. Weiter über zwei Glastüren zum angrenzenden Innenhof des Dresdner Zwinger.
Wir sind schockiert! Ich kann mich kaum noch halten. Immer wieder zeige ich auf dieses schreckliche Etwas und schimpfe laut … der eine Tourist vor mir geht schon ein paar Schritte aus meinem Blickfeld. Direkt neben dem Zwinger ist der hässlichste Betonklotz hingestellt worden, den ich auf dieser Reise je gesehen habe! Wie konntet ihr nur! Diese Bausünde! Das ist ja so, als würde man ein Hochhaus direkt neben dem Eiffelturm stellen! So haben wir das nicht in Erinnerung. Wir sind erschüttert. Das sah hier mal so schön aus, das historische Ensemble, das Elbflorenz, nicht mal die Bomben aus dem Krieg konnten das zerstören. Und jetzt steht da drüben gleich hinter dem Zwinger ein weiteres, grau-modernes Hotel … oder was auch immer das ist.
Weiter weg, von dem Fleck der Schande, zurück zum Residenzschloss, wir finden endlich den Eingang, wir waren vor gut einer Stunde schon daran vorbeigelaufen, nur ist jetzt das große Tor zum Kleinen Schlosshof geöffnet.
Ein großes Glasdach überdeckt den Innenhof, am Eingang zu den Museen und der Kasse stehen schon einige Besucher. Ich dränge, ich will eines der Schließfächer in Beschlag nehmen, bevor die Touristenmassen kommen, meine Begleitung strahlt eher die Ruhe aus. Fotos vom Großen Schlosshof machen, den mit dem Hausmannsturm, auch hier wird überall gebaut, auf den Bauzäunen draußen die großen schwarz-weiß Fotos und wie das hier alles mal nach dem Krieg ausgesehen hat – und vierzig weitere Jahre unverändert.
Unser Zeitfenster für das Historische Grüne Gewölbe beginnt um elf Uhr und ein paar Minuten. Sie holt das Online-Ticket auf dem Smartphone aus der Tasche, ich sichere für mich eines der bedenklich weniger werdenden Schließfächer am Eingang neben der Garderobe, für meinen Mantel und meine Handtasche. In das Grüne Gewölbe mit den vielen Juwelen, darf nichts hinein genommen werden, die sind hier etwas nervös nach dem großen Einbruch. Eine Sicherheitsschleuse mit zwei dicken Glastüren ebnet uns den Weg hinein in die Schatzkammer.
Am Stand für die Tour-Guides entscheide ich mich für das Sprachmodul in „Sächsisch“, welches mir von der Museumsmitarbeiterin empfohlen wird.
„Sächsisch für Anfänger oder Deutsch?“
Ich zögere: „Sächsisch“, in meinem breitesten Drei-Länder-Eck-Dialekt, Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Je mehr ich in dieser Region bin, desto mehr kommt mein Geburtsdialekt wieder durch.
Sie nimmt die deutsche Sprachbegleitung und kommt viel schneller durch die Ausstellung, ich halte mein Sprachmodul ans Ohr und der Erzähler im breitesten Sächsisch erklärt mir die opulent ausgestatteten und liebevoll wiederhergestellten Schlossräume und die vielen funkelnden, nein, funzelnden Juwelen darin. Räume voller Porzellan, Elfenbein, Gold und Silber und Diamanten … nicht ganz so viele Diamanten und Brillanten, ein paar Dinge bleiben nach dem großen Einbruch wahrscheinlich für immer verschwunden, vielleicht existieren sie schon gar nicht mehr.
Ich brauche für das Historische Grüne Gewölbe viel länger, als ich gedacht habe, ich dachte, das wäre nur so eine kleine Sammlung. All dieser Prunk, der sächsische König muss unfassbar reich gewesen sein, ich dagegen stehe neben den Vitrinen und blicke auf meinen Armreif an meinem Handgelenk, Silber beschichtet, mit magnetischen Stahlkern und paar glitzernden Zirkonen drauf.
Es ist Mittag, fast schon dreizehn Uhr, eine Pause, eine Flasche Wasser im Museums-Café – und wir haben mal gerade erst das Erdgeschoss geschafft. Vor uns liegen noch drei weitere Etagen, mit noch mehr Prunk und Vitrinen und Ausstellungsstücken. Ich habe diesen Museumsbesuch unterschätzt, meine Begleitung vergleicht das Residenzschloss schon mit dem Louvre in Paris – aber der ist wirklich noch viel, viel größer.
Weiter in die erste Etage des Schlosses, jetzt ohne die Sprachführung – das Modul habe ich unten am Ausgang des Historischen Grünen Gewölbes schon abgegeben, mit der kleinen Anmerkung, es fehlt der Knopf um das Sächsische in anderthalbfacher oder doppelter Geschwindigkeit abzuspielen.
In der ersten Etage befindet sich das Neue Grüne Gewölbe, die Ausstellung mit den Miniaturen. Ich will den „Großmogul“ sehen! Bis vor zwei Tagen habe ich noch gar nichts von seiner Existenz gewusst, meine Begleitung kennt das alles schon, im Hotelfernseher lief eine Sendung über Dresden, in der auch dieses kleine Miniaturpanorama zu sehen war. Ich sehe die Vitrine und laufe direkt darauf zu. Es ist witzig, wie sich die Leute das damals alles so gedacht haben, einige der kleinen Figuren sehen chinesisch aus, einige indisch, der ganze Kasten asiatisch, die Szene irgendwie … phantastisch. Noch mehr merkwürdige Dinge und Kuriositäten sind in diesem Teil des Museums ausgestellt, die sagenumwobenen „Kirschkerne“, es galt damals als schick, so ein Kuriositätenkabinett zu besitzen.
Weiter zu der Rüstkammer in dem ersten Geschoss des Schlosses.
„Das kenne ich alles schon.“
Was ich jetzt noch nicht weiß, das geht noch eine Etage weiter, bis hoch in die zweite, den Teil, den ich achtundzwanzig Jahre zuvor auf Klassenfahrt im Zwinger gesehen habe, war nur ein kleiner Teil davon, nur die paar Rüstungen und Gewehre.
Es hört gar nicht mehr auf, ein Zimmer nach dem anderen mit Rüstungen, Säbel, Messer, Gewehren, noch mehr Rüstungen, ganze Pferde in Montur – wir wechseln die Etage – noch viel mehr Säbel und Zelte, alles zusammengeraubt, nachdem die Türken vor Wien abgehauen sind – wie ist das alles nach Dresden gekommen, wer hat das alles gesammelt? Wurde das wirklich hier alles im Schloss gelagert? Meine Begleitung vermutet, das Zeug stammt vom Armeemuseum hier irgendwo am anderen Ende von Dresden und ich denke mir, die sind froh, wenn die den alten Kram hierhin, in das neu wiederhergestellte Stadtschloss, abschieben konnten.
An den Fenstern im Schloss erkenne ich, es muss schon tiefster Nachmittag sein. Draußen scheint die Sonne, Touristenströme ziehen sich durch die Straßen, ich wollte eigentlich auch Dresden draußen fotografieren und wir stecken hier drinnen. Ein langer Gang an Gewehren, auch genannt die Gewehrgalerie in der Zwischenetage.
Die zweite Etage haben wir über den Kleinen Ballsaal betreten, ich scherze, das ist ja nur der „kleine“ Ballsaal. Nachdem wir die Münzkammer, den Riesensaal und die zweite Hälfte der Rüstkammer und der „Türckischen Cammer“ hinter uns gelassen haben, betreten wir die Paraderäume des Schlosses, luxuriös gestaltete Zimmer, die nie benutzt wurden. Nur zum Angeben. Ich bewundere die Arbeit der Restauratoren, die das alles wiederhergestellt haben, das Schloss wurde komplett ausgebombt, erhaltene Möbel gab es dann nicht mehr.
Weitere Ausstellungsstücke, große Portraits der ehemaligen Besitzer, die Garderobe des Dicken – und irgendwo in einer Ecke, ein kleines Eckzimmer, eine Vitrine mit Napoléons Stiefeln. Ich kann nicht anders, ich stelle mich daneben und blicke auf meine eigenen, hohen Lederstiefel, die ich gerade anhabe:
„Passt!“
Könnte von der Schuhgröße hinkommen … 40/41.
Wieder draußen, wir sind da jetzt so viel umhergelaufen, ich kann schon gar nicht mehr sehen, so viele Miniaturdinge, die ich mir betrachtet habe, die dritte Etage schaffen wir nicht mehr, die mit dem Kupferstich-Kabinett und irgendwo soll noch so ein asiatisches Bild von siebzehnhundertnochwas ausgestellt sein. Vielleicht das nächste Mal. Dann müssen wir auch die Gemäldegalerie ansehen, und Pillnitz, und eine Schifffahrt auf der Elbe, alles wie 1998.
Vor dem Ausgang vom Schloss, wir kommen nicht weit, das eine Café gegenüber empfängt alle Museumsbesucher. Es ist ein Schokoladencafé, mit angeschlossenem Schokoladenmuseum. Ich suche den Schokoladenkuchen, aber bestelle wieder nur eine Eierschecke – die dritte. Sie wird mir wenig später mit den beiden Tassen Cappuccino an unseren kleinen Tisch gebracht. Dieses mal ist sie authentisch, original, ohne Vanille-Aroma, der Eischnee und die gelbe Schecke in sehr weicher und cremiger Konsistenz, ganz oben die Decke leicht bestreut mit Zucker. Ich bin zufrieden. Im angrenzenden Schokoladenverkauf finden wir noch etwas zu Ostern. Ich finde die Idee mit der kleinen Eierverpackung ganz nett, in der die kleinen Schokoladeneier liegen – aber wenn für jedes, bestimmt exquisite, Osterei so ein Euro verlangt wird und in diese Schachtel achtzehn passen … das können wir uns nicht mehr leisten, das muss dann der kleine Beutel sein mit halb so viel Schokolade. Die ausländischen Touristen sind entzückt und packen die Pappschachtel voll.
Wieder raus zu dem Platz mit der Semperoper, zwischen Schloss und Oper liegt noch die Schlosskirche, hier war ich noch nie, ich kann mich nicht daran erinnern, die zwischen der Oper und diesem bekannten Wandgemälde an der Schlossmauer, gesehen zu haben. Meine Begleitung muss hier auch schon mal drin gewesen sein, wir gehen hinein, es ist kurz nach siebzehn Uhr und im Gegensatz zu heute Morgen, wo ich schon für ein mögliches Stadt-Foto auf der Eingangstreppe stand, ist sie jetzt offen.
Schlosskirche, Dresden
Innen drinnen mache ich Fotos, die Szene ist einfach zu hübsch, Nebelschwaden an Weihrauch umhüllen einen Seitenaltar, die Lichtstrahlen der beginnend untergehenden Sonne zeichnen sich darin.
„Gruftige Bilder machen …“, wiederholt murmele ich mein Mantra.
Die Kirche selbst, auch hier wurde vieles nach dem Krieg wiederhergestellt, wer weiß, wie das davor ausgesehen hat, schwarz-weiß Bilder sind eben nicht bunt. Irgendwo soll noch die Gruft sein, in der der sächsische Regent begraben liegt, zwischen Kirche und Schloss verläuft ihr Privatweg. Wir bleiben nur eine Viertelstunde, ich dränge wieder nach draußen, wenigstens die Brühlschen Terrassen und die Augustusbrücke will ich in den letzten Strahlen der bereits verschwindenden Sonne fotografieren.
Wir laufen die breite Treppe zu dem Terrassenufer hoch … war es hier, wo ich vor über zwanzig Jahren mit ihr ein Kaffee trank? Ein Café gibt es auch hier nicht mehr. Viele Menschen sehen sich von hier aus den Sonnenuntergang an. Die Elbe schimmert in dem Licht, Dampfer liegen an der Leine, die Brücke verschwimmt in einem dunklen Grau-Braun-Ton.
Wir wollen weiter, die kleine Parkanlage, den Studentenkeller suchen, jedenfalls den Eingang dazu. Sie kennt den Klub, ich kenne nur den Blick von oben hinein, der „Bärenzwinger“ ist jetzt überdacht. Ihr Orientierungssinn schwindet, sie meint, sie ist hier damals mal über eine Brücke Richtung Dresdner Neustadt gelaufen. Hier ist keine Brücke. Ich suche schon die ganze Zeit die eingestürzte Brücke, um davon Fotos zu machen … wir standen fast davor.
Weiter Richtung Frauenkirche, als wir die wieder neu aufgebaute Kirche erreichen, ist es fast schon zu dunkel, um davon Fotos zu machen. Ich erhasche nur ein Foto von der Elbseite aus. Sie kennt diese Kirche nicht, für sie war es nur ein Ruinenhaufen, an dem sie immer vorbeigelaufen ist. Ich kenne die Frauenkirche als eine Bauplane rund um einen Bauzaun, weit abgeschirmt auf einer großen Wiese – und sieben Jahre später, 2005 – als so wie sie jetzt da steht – nur mitten im Nirgendwo.
Auch mir fehlt die Orientierung, die Frauenkirche steht jetzt umringt von Gebäuden in der Dresdner „Altstadt“.
„Das war hier alles mal grünes Gras und Erde!“
Wir sind an der Frauenkirche vorbei und betreten den gepflasterten Platz davor, voller Touristen und Besucher, umrundet von Gebäuden, Restaurants, Geschäften, vielleicht noch ein weiteres Hotel, manches Gebäude auf alt getrimmt, andere wieder so hässlich unpassend modern, aber weiter weg. Wo ist der Bauzaun von damals? Die unendlich weite Baugrube und die lose Erde und das Gras, die bizarr in der Ödnis stehende, im hellen Sandstein leuchtende, Frauenkirche? So vieles hat sich verändert, wir kommen hier nicht klar.
Im Inneren der Dresdner Frauenkirche
Es ist kurz vor achtzehn Uhr, ich weiß nicht, wer von uns beiden die Idee hatte, aber wir betreten die Kirche auch von innen. Sie ist gut gefüllt, viele Menschen sitzen auf den Bänken. Sie sieht im inneren gar nicht mal so schlecht aus. Die Menschen werden hineingeschleust, dort ist der Ausgang, hier die Bänke, bitte nur hier hinten Fotos machen, keinen Blitz. Ich dränge wieder, zu gehen. Meine Fotos habe ich schon gemacht, ich will auf keinen Fall hier noch sein, wenn der Gottesdienst anfängt. So schön Kirchen auch sind, ich liebe nur die morbide Ästhetik der Jahrhunderte, von dem religiösen Zweck will ich nichts mitbekommen.
Wieder draußen, lautes Glockengeläut.
„Wo willst du jetzt essen gehen?“
Ich bin überfordert, ich will hier nur weg, viele Menschen, viel Lärm: „Entscheide du.“
Eigentlich wollte ich Pizza essen gehen. Wir hatten da die letzten beiden Abende schon einige Pizzerien gesehen. Dafür müssen wir wieder zurück Richtung Hotel und Prager Straße. Das eine ungarische Restaurant, das sie noch von damals kennt, gehört jetzt einer italienischen Kette. Zu viele Menschen und ich mag die riesengroß ausgewalzten Pizzas da jetzt im Moment nicht. Es ist Sonnabend Abend und es wird schwer, noch ein freies Restaurant zu finden.
Zurück am Altmarkt fällt uns eine weitere italienische Pizzerien-Kette auf, die kenne ich noch nicht. Wir probieren es da. Die Warteschlange ist kurz, draußen stehen nur ein paar wartende Gäste, wartend auf einen freien Tisch. Wir wollen nur eine Pizza essen, wenn wir das in einer dreiviertel Stunde schaffen, hat er einen Tisch für uns zwei.
Die Leute in dem Restaurant weisen uns den Weg zu einem Tisch in der oberen Etage, netterweise der letzte Tisch ganz hinten. Das Restaurant ist voll, es ist laut und es sind sehr viele Menschen da. Ich bestelle eine vegetarische Pizza – mit Büffelmozarella. Sie hätten hier auch eine kleine Weinkarte und einen sündhaft teuren sizilianischen Wein, nur die große Flasche und ich trinke allerhöchstens alle paar Jahre nur „zweifingerbreit“. Keinen Nachtisch, wir sind nach der Pizza wieder draußen.
Wieder zurück in das Hotel, es gibt keine Bar in der Prager Straße, außer vielleicht die Hotelbar. Alle angesagten Bars sind in der Neustadt, da war ich noch nie. Ich hätte gedacht, ich könnte hier in Dresden ausgehen – ich weiß, dass da jetzt den Abend, weit draußen, noch ferner als die Neustadt, da irgendwo ein Konzert ist, eine Band aus dem Gothic- und Wave-Umfeld, ich habe sogar ein Album von denen. Der Club oder Konzertsaal, ich war da schon einmal vor ein paar Jahren, mit dem Auto bin ich von draußen nach Dresden reingefahren, jetzt vom Hotelzimmer aus, müsste ich die Straßenbahn nehmen, zurück auch. Meine Begleitung möchte nicht, dass ich da jetzt um Mitternacht herumlaufe, das war schon damals die schlimmste Gegend. Wer weiß, wie das jetzt ist. Die jungen Skinheads, die uns hier die letzten Tage in der Innenstadt begegnet sind – ich hätte sie ja freundlich begrüßt: Ach, komm schon! Ich hab' meine Stahlkappenstiefel auch zu Hause rumliegen. Aber die wären vielleicht nicht so nett mir gegenüber … so als „Transe“. Da bleibe ich doch lieber im Hotelzimmer. Wenig später, ich schlafe kurz vor Mitternacht vor dem Fernseher ein.
[05.04.26 / 19:09]✎ Der Freitag, meine Begleitung hat diesen einen Tag und dieses letzte Wochenende im März speziell herausgesucht – dieses Wochenende ist die „Welt-Orchideen-Konferenz 2026“ in Dresden. Irgendwo da draußen, an der Messe.
Frühstück im Hotel, mit dem Fahrstuhl nach ganz unten … einige Hotelbesucher kommen uns schon entgegen, einige tragen Beutel mit dem Ausstellungslogo, einige tragen Messeausweise um ihren Hals. Wir sind keine Konferenzteilnehmer, wir sind hier nur wegen der Ausstellung, sie hauptsächlich wegen dem Verkauf.
Im Frühstücksraum viele ausländische Sprachen, amerikanisches Englisch, vielleicht etwas Italienisch, viel Russisch, die Hotelmitarbeiterin am Frühstücksbuffet setzt uns an einen Tisch mit einem älteren, englischen Pärchen. Ich hoffe, sie erkennen an meinem etwas verzerrten Gesicht, dass das Frühstück hier nicht so schmeckt, wie das in Deutschland vielleicht üblich ist. Die Croissants sind winzig, die Brötchen gehen gerade noch so, der Fruchtsalat mit dem Joghurt schmeckt nach Gurke? Und der dunkel geröstete Espresso aus dem Automaten … na ja. Aber dieser Fruchtsalat – ich muss ihn essen.
Weiter den Vormittag, vom Hotel aus mit der Straßenbahn Richtung Dresdner Messe. Outfit für diesen und dem nächsten Tag: die anthrazitgraue Stretchjeans, die hohen, schwarzen Lederstiefel mit gemäßigten Absatz, der schwarz-graue Kuschelmantel – und darunter meine besch-braun-grün gemusterte, langärmlige Tunika, mit Nietengürtel, in der Jeans, über die Tunika, der schwarze Lederriemen, mit dem ich mir sonst meinen Mantel zubinde.
Die Straßenbahn ist voll, wollt ihr wirklich alle an der Endhaltestelle der Messe aussteigen? Es ist eine große Messe für Heim und Garten, das mit den Orchideen ist nur ein kleiner Teil davon. Wir steigen mit all den anderen aus.
Weiter zum Eingang und den beiden Hallen, die uns interessieren. Die große Orchideen-Schau, die dekorierten Stände, wir hatten schon die Befürchtung, dass die Aussteller aus Übersee nicht kommen könnten – wegen den hohen Kerosin- und Flugticket-Preisen (dämlicher amerikanischer Präsident und sein dämlicher, vollkommen unnötiger Krieg), und einige sind tatsächlich nicht gekommen, aber die Japaner sind da, die aus Taiwan auch, die aus Thailand und ein paar aus Ecuador oder Kolumbien, aus Südamerika.
Viele Orchideen, sie macht von allen Fotos, sie hat ein eigenes, kleines Gewächshaus und eine Excel-Tabelle mit um die hundertfünfzig verschiedenen Exemplaren aus aller Welt – ich habe von Orchideen keine Ahnung, mein Blick geht nach oben, ich will die Orchideen sehen, die in der Dekorationsausstellung hoch oben auf den Ästen drapiert worden sind, so wie ich das in Thailand auf dem „Dschungelpfad“ vom Hotel gesehen habe.
Weiter ab Mittag in der angrenzenden Verkaufshalle mit all den, von mir schon aufgezählten, Händlern von Übersee. In der Ausstellung hatten wir noch Glück, wir waren mit elf Uhr noch früh genug da, jetzt ab Mittag strömen die ganzen grauhaarigen Rentner von der großen Messeausstellung in die angrenzenden Orchideen-Bereiche – schlimmer als Freitag Mittag im Kaufland! Mir fällt auf, die meisten wollen hier eigentlich nur gucken, nur die wenigsten haben kleine Plaste- und Stoffbeutel mit dabei und handeln mit den Händlern.
Zeitweise staut sich alles, es geht vor lauter Rentner weder vor, noch zurück. Ich habe beim Betreten der Verkaufshalle schon ausgekundschaftet, wo die ausländischen Händler sind, ein paar am Eingangsbereich, es wird immer voller, einige weiter weg, dort ist es leerer. Eine große Tafel zeigt den Plan mit den Ständen und wer wo vertreten ist. Viele europäische Händler, ein oder zwei der Namen kenne sogar ich. Mich zieht es zu den Exoten … kaufe ich mir auch eine Orchidee? Fange ich damit an? Bei mir überleben nur Kakteen, alle anderen, grünen Baumarkt-Zimmerpflanzen haben schon längst das Zeitliche gesegnet. Sie hat mehr Erfahrung, sie will hier unbedingt einkaufen, dafür ist sie hier. Sie kennt die verschiedenen Orchideenarten, bestellt sonst auch – von deutschen Händlern – im Internet, sie weiß, dass die Preise hier ziemlich hoch sind. Ich habe, wie gesagt, keine Ahnung, ich will die da, die ist bunt, da steht vierzig oder achtzig Euro auf dem Etikett, Hauptsache sie kommt aus Thailand. Sie verlässt diese Messe mit drei Orchideen im Beutel, mindestens eine aus Südamerika.
Es ist Nachmittag geworden, Mittagsimbiss gab es auf der Messe, jetzt suchen wir wieder ein Café, vielleicht eines gleich am Hauptbahnhof gegenüber, in einem der modernen, neu gebauten Klötze. Eierschecke Nummer zwei … etwas näher dran, an meiner Idealvorstellung, weniger Vanille-Aroma, weniger feste Quark- und Eiermischung.
Weiter zum Einkaufen die Prager Straße entlang, noch ein Outlet, nicht so schön, wie das letzte. Wir müssen in eine der Einkaufspassagen hinein, um endlich ein paar Schuhläden zu finden. Ich finde auch ein Paar, die Lederballerinas sehen schick aus – und könnten auch breit gelatscht werden (meine Hausballerinas aus Stoff sind schon quadratisch), aber über zweihundert Euro? Nicht meine Preisklasse, so viel zahle ich nur für Stiefel.
Weiter in den nächsten Schuhladen, die eine, mehr günstigere Marke, von der auch meine superbequemen Flip-Flop-Pantoletten sind, mit denen ich ganz Thailand abgelatscht bin. Hier wird meine Begleitung endlich fündig und kann ihre Stiefeletten gegen ein paar Sneaker tauschen. Die hätten hier in dem Laden auch ein Paar Ballerinas in „Komfortweite“ für mich, aber die gefallen mir nicht so …
Kirschblüte nahe des Ratskellers, Dresden
Wieder draußen, es wird dunkel, die Abenddämmerung setzt ein. Auch diesen Tag sind wir nicht weiter gekommen, als bis zu dem Altmarkt und die Dresdner Altstadt hinter der Straße, die wir den nächsten Tag überqueren wollen. Meine Begleitung findet den Weg zurück zum Hotel, abseits der neu gebauten Betonklötze, die Wege, die sie früher gegangen ist, DDR-Bauten, eine Kirche, das alte Dresdner Rathaus, den Ratskeller gibt es nicht mehr, die Kirschblüte hat eingesetzt, in einer Seitengasse stehen vier Kirschbäume, ein paar zufällig vorbeikommende, asiatische Touristen, die diese Stelle auch entdeckt haben, sind ganz entzückt.
Wieder zurück im Hotelzimmer, ich sitze auf meinem Einzelbett und surfe auf meinem Smartphone im Internet. Eine Nachricht schockiert mich: nach USA, Großbritannien, fällt jetzt auch Indien – die paar Rechte, die die Transgender-Community da seit 2019 bekommen hat, wurden ihr wieder genommen. Selbst ich würde da nicht mehr als „Transgender“ gelten, vor Diskriminierung sind nur noch „echte“ Hijaras geschützt – und die müssen mindestens als intersexuell geboren werden, dann als Baby entführt und in einer Hijra-Gemeinschaft versklavt werden. Normale trans Frauen und trans Männer nach westlicher Art sind nicht mehr trans, nur noch so Männer oder Frauen, die sich auf eigenen Wunsch untenherum operiert haben.
Die Stunden zurück, die Fahrt mit der Straßenbahn durch Dresden Richtung Messe, vorbei an den alten Klinikgebäuden, hier muss es gewesen sein (oder hier muss es als Filmkulisse verwendet worden sein), hier hat sich vor fast hundert Jahren Lili Elbe operieren lassen. Eine Straße wurde nach ihr benannt, ein Grabstein wurde ihr wieder aufgestellt … umgestürzt und verschandelt von einigen Menschen, die einen mir unerklärbaren Hass auf Menschen, wie mich, haben.
[05.04.26 / 19:04]✎ Ein langes Wochenende in Dresden, das letzte Wochenende im März. Die Idee dazu hatten wir schon letztes Jahr, als wir auf dem Weg nach Prag in Dresden umsteigen mussten. Wir könnten auch mal hier eine Tour hin machen. Ich war hier zuletzt 2005, ein Tagestrip, und 1998 auf Klassenfahrt, sie war hier zuletzt Ende der 1980er, Anfang 1990er und die Zeit Ende der 1970er? Wir fahren mit den Eindrücken von damals in die große Metropole von Sachsen. Abfahrt von unserem Heimatkaff ist kurz nach neun Uhr den Donnerstag Morgen.
Stunden später, die Ankunft mit dem Intercity, Erste Klasse, am Hauptbahnhof Dresden gegen Mittag. Check-in in dem großen Hotelkomplex gleich gegenüber. Gegenüber … es gibt kein Gegenüber mehr! Wir sind schockiert, wir kennen den Dresdner Hauptbahnhof und den Eingang zur Prager Straße noch ganz anders! Überall diese modernen Bauklötze, furchtbar hässlich (und es wird im Laufe dieser Reise noch schlimmer kommen).
Das Hotel ist noch in den alten DDR-Bauten, das war hier mal das „Interhotel“, oder so ähnlich. Unser Zimmer ist ganz oben, im zehnten Geschoss, leider mit der Aussicht zum Bahnhof hin, nicht den Blick zur alten Innenstadt.
Ich habe zu Hause schon herausgesucht, wo wir in Dresden mittags essen können: gleich am Eingang zur Rezeption daneben, befindet sich eine Ramen-Bar, so eine wie auch in Leipzig, es ist eine Kette? Ich war in beiden noch nicht. Ein paar Meter wieder zurück zum ersten Gebäude dieses DDR-Hotelkomplex.
Ramen-Bar, Dresden
Die Bar ist wunderschön dekoriert, mit allerlei japanisches Zeug an den Wänden, auf den Tischen und Möbeln. Am Eingang ist mir schon dieses eine kleine, schmale Brett an der Wand aufgefallen. So authentisch! Ich erzähle meiner Begleitung, wie ich damals in Tokio nur solche Nudel-Bars besucht habe und wie alle Einheimischen Großstadt-Japaner, mich auf einen Hocker an so einem schmalen Brett an die Wand gesetzt habe und meine Ramen-Nudeln aus der Schüssel geschlürft habe. Nur die Bestellkarte mit den großen, bunten Fotos fehlt hier. Wir werden an einen Platz in der oberen Etage geführt. Ich muss mein erstes Foto machen:
„Wo wurde die Aufnahme gedreht, in Deutschland oder in Japan? Finden Sie das Indiz, es gibt nämlich eins!“
Nach der übergroßen Schale mit Nudeln und Algensalat, als Besteck zwei Löffel und eine Gabel, weiter den frühen Donnerstag Nachmittag zum Einkaufen in Dresden. Uns fällt es schwer, uns zu orientieren, überall diese neu gebauten Gebäude. Ich suche die Stelle mit der Bank, an der ich mich 2005 von der einen Italienerin verabschiedet habe, sie war auch auf einen Trip in Dresden, und ich dann zurück zum Hauptbahnhof gelaufen bin. Ich finde die Stelle nicht mehr, die Prager Straße ist jetzt viel enger und die große, freie Fläche zum Hauptbahnhof fehlt komplett.
Wir laufen weiter Richtung Elbe, in die Altstadt wollen wir heute noch nicht. Meine Begleitung erzählt von diesem einen „Schwulen-Café“, das hier irgendwo mal gewesen sein soll. Die Arkaden gibt es noch, aber der Blick auf den Dresdner Altmarkt ist weg, dort gegenüber dem „Café Prag“ steht jetzt auch einer dieser modernen Bausünden mit Geschäften und ähnliches. Daneben unter den Arkaden ist ein modernes Café, das hätte es gewesen sein können. Die trendigen, jungen Leute in dem gut besuchten Café wissen vielleicht nicht, was für ein Etablissement das hier vor vierzig Jahren war, selbst meine Begleitung hat sich hier nie reingetraut. Ich bestelle einen Cappuccino und meine erste „Eierschecke“ … nicht authentisch, viel zu viel Vanille-Aroma, das da gar nicht reingehört, und zu feste Quarkmasse. Es gibt einen Unterschied zwischen Leipziger Eierschecke und Dresdner Eierschecke. Erstere muss mir immer als Referenz herhalten.
Weiter durch die Geschäfte, große Kaufhäuser, Outlets, billige Ramsch-Läden – aber nirgendwo ein vernünftiger Schuhladen! Meine Begleitung verzweifelt schon, ein Paar Schuhe steht auf ihrer Einkaufsliste. Meine Einkaufsliste ist nicht so voll, ich war die Woche zuvor, bei einem Rezepttausch (meine Frauenärztin ist in den Ruhestand gegangen), schon in Magdeburg Einkaufen, das teurere Geschäft, mein Stammladen. Ein schwarzer, kurzer Blazer, von der Marke Miss Lagotte – die haben ein Mode-Label nach mir benannt!
Hier in Dresden, vielleicht, wenn ich etwas sehe, vielleicht ein dünner, olivgrüner Zip-Hoodie, wie der in dem ersten Outdoor-Laden, vielleicht ein schwarzer Hoodie, wie der in dem nächsten Outlet-Geschäft … weder meine Größe, noch gefällt mir das Print-Motiv, ich werde Pfingsten in Leipzig weiter suchen. Meine Begleitung sucht auch die Kleiderständer in den Geschäften ab.
Im Internet habe ich es schon gesehen, vom Bahnhof aus, sind wir schon daran vorbei gelaufen, in Magdeburg gibt es auch so einen, meine Designer-Tunika, die ich mit dabei habe und die nächsten beiden Tage tragen will, ist auch von dieser Outlet-Kette. Meine Begleitung hält das für einen, wie diese alle anderen auch, Ramsch-Läden, ich weiß, wenn ich da nur ein oder zwei Stunden lang suche, ziehe ich irgendein verstecktes, exquisites Stück heraus. Die rumänische Kollegin kauft ihre Designer-Marken hier auch ein. Wir gehen in dieses eine Geschäft, die Damenabteilung ist im Erdgeschoss.
Eng anliegende Kleider und Klamotten, an Garderoben überall, alle Farben, alle Größen. Mein suchender Blick schweift vorbei an Sweater, Strick, Kleider, Unterwäsche, Tops, Jacken und Mäntel, mein Filter ist auf Schwarz und Olivgrün, sonst komme ich hier die nächsten Stunden nicht raus. Ihr Filter ist auf bunt gemusterte Hippie-Kleidung und es würde mir stehen, wenn ich von meinem schwarzen Auswahlfilter wegkomme. Ich ziehe einen schwarzen Wollpullover von der Stange – der ist es! Von der amerikanischen Marke habe ich schon einige Sachen, zuletzt gekauft in New York, oder so. Von zweihundertnochwas runtergesetzt auf sechzig Euro! Ich verschwinde in der Umkleide …
Der Pullover ist gut, er kratzt nicht – und er muss wirklich Wolle sein, er lädt sich elektrostatisch nicht auf. Im Gegensatz zu dem grauen Fleece-Pullover, den ich gerade zu der Stretch-Jeans mit meinen neuen, schwarzen Engineer-Boots trage. Meine Begleitung hat für sich auch schon ein paar bunte Tunikas in die Umkleide getragen. Weiter kurz nach neunzehn Uhr zur Kasse – und mir fällt noch eine große Jute-Tragetasche auf, mit einem japanischen Motiv darauf, eine Winkekatze und ein paar Kanji-Schriftzeichen, die ich nicht entziffern kann. Ich arbeite zwar in einer japanischen Firma, aber alles was an japanischen E-Mails hereinkommt, läuft über einen Übersetzer. Die Tragetasche muss ich haben! Sie rundet meinen Preis an der Kasse auf zu „69,99 Euro“, bezahlt mit der Karte.
Wieder draußen, es ist dunkel geworden. Uns fehlt noch ein Abendessen. Ein Schnellimbiss gegenüber dem Hotelkomplex, zwei halbe Sandwiches … wohin mit den zwei Wasserflaschen? Ach, ich habe ja gerade eine neue Tragetasche über der Schulter von meinem schwarz-grauen Kuschelmantel, wie praktisch!
Zurück ins Hotelzimmer mit dem nächtlichen Ausblick auf andere Hotelhochhäuser, ich versuche noch die japanischen Schriftzeichen auf meiner Tasche zu entziffern … wenigstens nichts „Schmutziges“, laut dem Übersetzungsprogramm auf meinem Smartphone, damit kann ich mich auch vor den japanischen Kollegen blicken lassen.
[02.10.25 / 19:58]✎ Ein Erdbeben am Morgen reißt mich aus dem Schlaf, ich wackele in dem weichen Bett seitlich hin und her. „Das waren gerade mal Drei auf der Skala!“ Weiterschlafen, ich ziehe das Betttuch über den Kopf und drehe mich auf die andere Seite. Noch anderthalb Stunden bis Frühstück und Aufstehen. Der Abreisetag. Boarding ist erst gegen Abend, aber das Hotel macht schon am frühen Nachmittag zu, wir sind die letzten, verbliebenen Gäste am Ende der Urlaubssaison.
Frühstück, Koffer packen, alles reinwerfen, Eins zu Eins aus dem Schrank nehmen, die bereits gefaltete Schmutzwäsche, die getragenen Kleider. Check-out gegen elf, die Koffer können wir in der Lobby stehen lassen. Zeit rumkriegen den Nachmittag, auf den Sonnenliegen draußen auf das Meer starren, im Internet surfen: Es waren doch die Vier auf der Richterskala, das Erdbeben vor der Westküste von Zakynthos. Jetzt bin ich mir auch ziemlich sicher, dass das 2014 in Tokio in dem Hotel auch ein leichtes Erdbeben war, dasselbe seitliche Schaukeln in dem Bett.
Gegen neunzehn Uhr der Abendflug zurück nach Frankfurt. Den Nachmittag noch ein letztes Mal an der Beach-Bar einen Kaffee trinken. Die Fahrkünste des Busfahrers bestaunen, der das schon über dreißig Jahre macht. Die kleine Reisegruppe durch den Duty-Free-Bereich scheuchen, innerhalb kürzester Zeit am Gate sein, der Flughafen in Zakynthos ist sehr klein.
Vor dem Fenster die dunklen Wolken und Lichter der Städte, ich navigiere mit meinem Smartphone, den eingefangenen GPS-Satelliten und den Offline-Karten auf meinem Fenstersitzplatz. Landung in Frankfurt, vom Touchdown bis zum Baggage-Claim vergehen erfahrungsgemäß anderthalb Stunden bis runter zum Einstieg in die S-Bahn am Regionalbahnhof. Unser Stammhotel am Hauptbahnhof erreichen wir erst um Mitternacht. Ins Bett fallen, das nötigste ist in der kleinen Reisetasche.
Frühstück am Morgen, Zug den Mittag, Ankunft am Heimatkaff den Nachmittag. Wo geht die nächste Reise hin? Planungen und Gedanken laufen bereits schon seit Wochen oder Monaten: Shopping in Mumbai, oder Milano. Vielleicht per Interrail nach Italien … oder mit dem Zug durch Indien.
[30.09.25 / 22:33]✎ Endlich die Bootstour, das mit dem kleinen, privaten Boot wurde zwar abgesagt, aber die kleine Reisegruppe hat eine Tour auf einem größeren Boot gebucht, an einem der vielen kleinen Stände mit den bunten Fotos, die hier überall in dem Touristenort verteilt sind.
Warten auf den Bus, es wird ein größerer Bus, der noch mehr Touristen einsammelt, wir sind in einer polnischen Reisegruppe gelandet. Der Bus fährt noch ein ganzes Stück durch die Olivenhaine zum nächsten Hafen. Ein Zwischenstopp in der kleinen Bucht mit dem Schwefelwasser – hier gehe ich nicht mit meinem teuren Bade-Zweiteiler baden. Zwei Busse, noch mehr Touristen.
Umstieg in dem Hafen auf das schaukelnde Boot, der ganze Bus passt rein. Herumdüsen um die Nordspitze, zum Schiffswrack, das von gestern. Eine Fotoserie machen, mit Touristen und Bootsreling, das hoffe ich später am Computer aus mehreren Einzelbildern zusammenstückeln zu können.
Badestopp an einer Bucht mit einem imposanten Felsvorhang, Bond-Girl steigt aus dem Wasser. Weiterfahrt zu anderen Buchten mit türkisblauen Wasser und Bademöglichkeiten. Das massive Boot schiebt sich rückwärts in die Höhlen, Fotos mache ich keine mehr, die Motive sind weit entfernt von den Prospekten (das glitzernde Blau ist kaum noch zu erkennen). Hätten wir doch nur das kleine, private Boot genommen, Hätte er mich doch nur zurückgerufen, ich kannte mal einen mit einer Motoryacht, hatte ihm nach einem gemeinsamen Abend vor vielen Jahren meine Nummer gegeben.
Zurück zum Hafen, zurück mit dem großen Bus in den Touristenort Tsilivi. Kurz vor Oktober, das wird hier in wenigen Wochen eine Geisterstadt.
Nachmittagskaffee und -Crêpe in einer Bar, den späten Nachmittag noch ein letztes Mal schwimmen gehen, warmes Meerwasser, sanfte Wellen. Den schwarzen Bade-Zweiteiler, ein Strandkleid, trocken laufen, mit den Füßen in der Meeresbrandung. Eine in den Wellen dümpelnde Plasteflasche aufsammeln, die gehört hier nicht hin.
Den Abend noch in eine Cocktail-Bar, die auch ein Restaurant ist. Die paar wenigen Touristen, die Musik-Playlist, alles aus den Achtzigern. Das hätte so eine „Bar“ sein können. Vielleicht hat mich der eine am Tresen schon so angesehen, aber davon bekomme ich nichts mit, geschützt in meiner familiären Obhut (interessant: die bettelnde Katze am Tisch ist immer überall die Katze der Nachbarn).
Den nächsten Tag zurück, der Streik der Fluglotsen, vielleicht sogar der ganze geplante Generalstreik in Griechenland wurde noch einmal abgewendet …
[29.09.25 / 22:08]✎ Gestern schon gedacht: Ich komme aus diesem Touristenort nicht weg – Heute endlich die Bustour: The most iconic photo spots of Zakynthos.
Schildkrötenstrand und Schutzgebiet, Kalamaki nahe Laganas
Wieder den frühen Vormittag, der Minivan schiebt sich rückwärts zum Hotel. Erster Stopp, der Aussichtspunkt hoch oben über Zakynthos Town, den wir zu Fuß niemals erreicht hätten.
Cameo Island, Zakynthos / September 2025 / Alter 43
Weiter zu dem Photo-Spot mit der kleinen Insel mit der kleinen Hängebrücke … sieht auf Instagram viel schöner aus, die Sonne steht um diese Uhrzeit extrem ungünstig. Zu viele Touristen nahe Laganas, ein wenig „Maya Bay Experience“. Vorher noch ein Stopp an dem Schildkrötenstrand.
Ich Cameo Island fotografierend, Zakynthos
Weiter über das Olivenölmuseum, kleinere Einkaufsgelegenheiten: „Dreh schnell die Preisschilder um, ich komme mit drei Touristen vorbei!“ Über die Westseite, hoch in den Norden der Insel, zu dem legendären Schiffswrack. Irgendjemand hat hier mal ein Foto gemacht, irgendjemand fand diese Bucht mal ganz toll, Raves haben hier stattgefunden, die jetzt gesperrte Bucht und der kleine Sandstrand waren mal übervölkert mit Stranddecken. Jetzt quetscht sich alles den kleinen Weg hoch oben die Steilküste entlang, nur für dieses eine, kleine Foto. Ich auch, wie stehe ich sonst da, vor meinen asiatischen Arbeitskollegen.
Myzithres Felsen, Zakynthos / September 2025 / Alter 43
Die Tour geht insgesamt fünf oder sechs Stunden und führt noch an weiteren Aussichtspunkten vorbei (viele verbrannte Bäume). Den Nachmittag wieder zurück im Hotel. Wechsel in den olivgrünen Bikini, Baden im Meer. Umziehen in mein olivgrünes Kleid mit weißen Flechtgürtel und Abendessen. Der Strand ist wieder um einige Meter kleiner geworden, die abgetragenen Spuren der letzten Flutnacht.
[28.09.25 / 21:31]✎ Wieder für umsonst früh aufgestanden, Anruf unten an der Rezeption kurz vor dem Frühstück: Auch die geplante Bustour wurde verschoben. Draußen regnet es, ich taste es schon einmal an mit meiner olivgrünen Regenjacke … Geht doch, so schlimm ist es doch nicht?
Nach dem Frühstück den Sonntag Vormittag, Umplanen, eine spontane Tour zu Fuß, noch weiter raus, als bis zu dem venezianischen Wachturm gleich neben dem kleinen Hafen. Gefühlt ganz Tsilivi, alle Touristen, machen einen spontanen Spaziergang durch den Küstenort.
Nachmittags im Zimmer, der Wind und der Regen werden stärker. Soweit ich alle meine Balkonfotos noch dunkler und dramatischer in Szene setze, alle meine Statusbildchen werden mit einem Herzen geliked. Kein Wetter zum Rausgehen, wir bleiben drinnen. Den Tag vorher noch amüsiert hingenommen, ein kleiner Hamsterkauf im Mini-Markt um die Ecke, Wasservorräte und Zwieback-Trockenbrotscheiben als Snack. Kaffee und Kuchen gibt es unten im Frühstücksraum. Wo sind all die anderen Touristen draußen am menschenleeren Strand, nach drinnen? Engländer? Holländer?
Der Regen und der Wind wird nicht weniger, es scheint, als kreist dieses dunkle Tief über und um die Insel. Wir müssen irgendwann raus zum Abendessen, mein gekauftes Trockenbrot ist kein Ersatz. Es scheint nachzulassen, wir versuchen es in dem Restaurant um die Ecke. Erst drinnen, geschützt unter dem Dach der Restaurant-Terrasse, setzt der heftigste Regenschauer ein. Die Warnmeldungen den Nachmittag gestern, waren nicht übertrieben.
Den Abend auf dem Weg wieder zurück zum Hotel, ganze Wassermassen fließen die asphaltierten Wege und Straßen runterwärts zurück zum Strand, meine extra angezogenen Hi-Top-Plateau-Sneaker reichen dafür nicht. Die letzten hundert Meter zurück zum Hotel muss ich sie ausziehen, ich wate mit der bis zum Knie hochgekrempelten schwarzen Jeans knöcheltief in den „reißenden“ Fluten … fehlt nur noch, dass eine Ratte in dem Laternenschein an mir vorbeischwimmt.
[27.09.25 / 21:56]✎ Wieder einmal nur ein Strandtag – Bond-Girl geht ins Wasser, mein schwarzer Bade-Zweiteiler … und mein Regenbogenhandtuch, Pride zeigen.
Der Morgen beginnt schon mit ein paar Wolken, den Vormittag zieht es sich zu. Diesig, Sonnenschirm, LSF 50, im Schatten auf der Liege auf der begrünten Hotelterrasse liegen. Das Hotel über die Treppe ins Wasser verlassen, nur ein paar Meter weiter sind die Wellen nicht mehr so stark … jetzt nur nicht ins Meer raustreiben lassen, bei den paar Schwimmzügen.
Nachmittags herumliegen, eingehüllt in meinem Regenbogenhandtuch. Später den Nachmittag, Kaffee und Kuchen, ein paar Schritte in dem Touristenort laufen.
Unwetterwarnung über Mobile Cell Broadcast (The Purge?)
Zurück im Hotel … The Purge? Der Cell-Broadcast auf dem Mobiltelefon lärmt: eine Unwetterwarnung für die nächsten vierundzwanzig Stunden, Gewitter. Damit könnte auch die Minibus-Tour für morgen ins Wasser fallen. Ich komme aus diesem Touristenort nicht weg.
Abendessen in einem griechischen Restaurant um die Ecke, mit original griechischer Musik. In der Reisegruppe bin ich die Einzige, die nicht rein vegetarisch oder vegan ist (Zakynthos Rabbit, scharf gewürzt).
Den Abend auf dem Balkon vom Hotelzimmer, es regnet bereits schon … ganz leicht. Ein Blitz? Vielleicht. Seegewitter sind schön – sofern sie fern am Horizont sind.
[26.09.25 / 22:00]✎ Den Tag vorher an der Rezeption eine Bootstour ausgehandelt, heute morgen dann der Anruf: „gecancelt.“ Es ist über Nacht stürmisch geworden, zu viele Wellen dort draußen auf dem Meer. Wieder entspannt frühstücken, den Kaffeebecher vor dem Tor. Dann eben spontan umplanen – Stadtbesichtigung Zakynthos Town.
Mit dem öffentlichen Bus nur ein paar Euro, die paar Kilometer von Tsilivi Richtung Süden (ich lag falsch und war vor meiner Reisegruppe fest überzeugt, die Hauptstadt liegt nördlich).
Nach dem großen, historischen Erdbeben neunzehnhundert-nochwas ist (fast) nichts mehr an historischen Gebäuden stehengeblieben. Eine alte Kirche, ein großer Platz. Die neu gebaute Altstadt ablaufen … sehr, sehr wenige Touristen, fast schon leer.
Ein Orangensaft, ein Toast mit Spinat und Ei, ein Kaffee, wir tingeln durch die (Alt-)Stadt. Ein Hafen … so viel Wind ist doch gar nicht.
Den Nachmittag wieder mit dem Bus zurück. Duschen, Entspannen, zum Sonnenuntergang das Bistro / Beach-Bar neben dem Hotel – Königsgarnelen, Finger-Food. Es ist Freitag und ich habe mein Party-Outfit an – weiße Tunika, Zebra-Leggings mit Nietengürtel. Wo geht hier die Party? Den Abend durch die Main Road … fünf Bars zwischen den ganzen Souvenierläden und Restaurants. Tsilivi ist nicht Patong.
[25.09.25 / 21:40]✎ Der venezianische Wachturm sieht von weitem viel größer aus, als näher dran. Das Wappen mit den Löwen im Mauerwerk ist gerade noch so zu erkennen. Den Tag nur Strandurlaub in Tsilivi.
Ich habe meinen grünen Bikini wieder hervorgekramt, passt super zu der weißen Tunika, die ich letztes Jahr in Thailand gekauft habe. Den Weg vom Hotel am Strand in Südrichtung (der Turm), Baden am Tor mit den Treppen vom Hotel, den Weg am Strand in Nordrichtung, den Bikini den frühen Nachmittag, nach einer kurzen Zeit auf der Liege, wieder trocken laufen.
Umziehen am späten Nachmittag – ich kombiniere die weiße Tunika mit der grünen Zebra-Leggings und dem hellen Unterkleid aus pflegeleichter Seide. Abendessen in einem noblen Bio-Organic-Restaurant – teuer, aber lecker (vegane Moussaka).
Tsilivi ist ein reiner Touristenort … aber eine Parzelle neben dem Hotel ist noch leer, dort steht eine kleine Olivenplantage. Finde die Zikade!
[24.09.25 / 23:11]✎Zakynthos? Wo? Die Insel schräg unterhalb von Italien, gegenüber vom griechischen Festland.
Von Frankfurt mit dem Flugzeug, ein kleines Flugzeug für eine kleine Insel. Noch vor Sonnenuntergang angekommen, mit dem Touristenbus nur zwei Stopps, das „venezianische Hotel“ gleich am Wasser. Erst einmal ankommen, erst einmal den Abend etwas essen, die Beach-Bar in dem Touristenort Tsilivi gleich nebenan. Einen Mini-Markt finden, eine Flasche Wasser kaufen … Sonnencreme LSF 50? Wird reichen. Entspannen auf der Zimmerterrasse mit Meerblick. Alleine bin ich nicht … meine Begleitung(en): Zug verspätet, warten vor dem Terminal (ich nervös), ewig lang herumbummeln im Duty-Free, Boarding startet schon (ich noch nervöser). Kein Stress.
[10.03.25 / 23:12]✎ Mit dem Zug über Magdeburg und Dresden, nach Prag. Das Wochenende mit dem internationalen Frauentag im März. Donnerstagabend angekommen, den kurzen Weg vom Prager Hauptbahnhof, die Innenstadt, zum Hotel. Unser ursprünglich gebuchtes Zimmer zur Straßenseite, mit der großen Aussicht auf die prachtvolle Allee, bekommen wir nicht, unser neues Zimmer ist das den dritten Turm, bzw. zweiter Hinterhof, ganz oben, letzte und sechste Etage, mit Ausblick auf die Rückseite … so ganz unglücklich sind wir damit nicht. Auf der anderen Seite, die mit der Allee, dort wird gebaut – und unser „Pent House“ hat eine riesige Terrasse mit wunderschönem (und ruhigem) Ausblick auf die Dächer von Prag und die Altstadt mit ihren vielen Kirchtürmen. So gut schlafe ich sonst nicht in einem Hotel.
Freitag, nur zwei volle Tage sind für diese Reise gebucht, ein straffes Programm. Den entspannten Morgen nach dem üppigen Frühstück unten im Hotel, geht es mit einem Faltplan bewaffnet, auf die erste Erkundungstour in die nicht unweit gelegene Prager Altstadt. Der Weg ist von der Rezeptionistin aufgekritzelt: gleich rechts, dann wieder links und nach wenigen Gehminuten, da muss es sein, das Mucha-Museum.
Wunderschöne Art déco und Jugendstilbilder, der sehr mondäne und tschechische Künstler aus der Jahrhundertwende trifft unsere Emotionen. Ich kann mich in der kleinen Ausstellung gar nicht satt sehen. Die Reklamebilder, die Schrift fällt mir ins Auge – genau diese Art von Jugendstil-Schrift habe ich – ohne es zu wissen – vor Jahren schon für meine Website verwendet (ich baue gerade an einem neuen Stylesheet).
Weiter in den Museumsshop, das eine oder das andere Wandbild? Ich kann mich nicht entscheiden … keines der beiden wird wohl an meine purpur-violette Wand in meinem Wohnzimmer passen (außer vielleicht das in Mint, aber das weiß ich nicht). Ich kaufe nur zwei Magneten, für die Kunstgalerie am Kühlschrank … zwei gleiche Motive, eines als Leihgabe an die kunstinteressierte Verwandtschaft. Meine Begleitung lässt wesentlich mehr Geld an der Museumsshop-Kasse.
Weiter den späten Vormittag, zu der Astronomischen Uhr – die mit dem Sensenmann, der die Glocke läutet, der zweitwichtigste Punkt auf meiner Liste, was ich alles in Prag sehen will. Auf dem zentralen Platz angekommen, ich reihe mich ein, in die immer umfangreicher werdenden Touristenmassen … ich zücke mein Smartphone … gleich schlägt es elf Uhr. Ich mache schon vorher Probeaufnahmen. Meine Begleitung, die schon mindestens dreimal in Prag war, sitzt währenddessen weiter hinten und trinkt einen Cappuccino in dem sauteuren Café.
Weiter durch die Innenstadt … ganz Prag ist ein einziger Souveniershop. Wir haben es vorher gewusst, auf was wir uns da einlassen. Aber so extrem? Freitag, ganz früher Nachmittag, es hält sich mit dem Touristenstrom noch in Grenzen. Mehrere Souvenirläden gehen wir durch, die Verwandtschaft möchte beschenkt werden. Ich hätte ja auch gerne so eine Tasse für mich, die mit dem „kleinen Maulwurf“, in einigen Motiven sind auch alle seine Freunde mit dabei, Hase, Maus und Igel … aber die (wahrscheinlich in riesiger Menge in Fernost hergestellten) Tassen gibt es nur in Kindergröße. Alle Souvenirläden haben die. Als Kaffeepott für erwachsene Kinder gibt es die nicht.
Von Laden zu Laden, „Antikwaren“, Kosmetik, Glas – wir nähern uns der Brücke. Der Touristenstrom wird zahlreicher, wir verlaufen uns dennoch, auf der Suche nach einer nicht ganz so frequentierten Seitengasse. Das Smartphone wird allerhöchstens zur Lokalisation verwendet, wir vertrauen weiter „oldschool“ unseren Faltplänen.
Die große Karlsbrücke erreichen wir, aber rübergehen tun wir noch nicht, das sparen wir uns für morgen auf. Ein Foto vom Rand, mit Blick auf die Brücke und die Moldau. Wir gehen weiter ins jüdische Viertel.
Alter Jüdischer Friedhof, Prag
Zu Hause habe ich mir schon überlegt, was will ich mir alles ansehen. Fahre ich alleine nach Prag, auf jeden Fall den großen, neuen jüdischen Friedhof. Der muss so schön sein, wie der in Wien, oder der Südfriedhof in Leipzig, mit den Jugendstilgräbern. Ich bin aber nicht alleine unterwegs, ich bin in Begleitung (oder ich bin die Begleitung) – für mich gibt es auf diesem zweitägigen Kurztrip nur den Besuch des alten jüdischen Friedhofs. Nett … Synagoge und Friedhof sind eingezäunt und nur über eine Kasse erreichbar, hält gleich die ganzen Sauf- und Eventtouristen ab. Tatsächlich verbringe ich unendlich viel Zeit zwischen den Grabsteinen und mache den Nachmittag unzählig viele Fotos. „Efeu! Wie hübsch! Sonnenstrahlen, der leichte Nebeldunst.“ Zurück zu Hause muss ich unbedingt alles in Schwarz-Weiß färben. Außer mir hat sich auf diesen Friedhof nur eine jüdisch-orthodoxe Reisegruppe eingefunden, wahrscheinlich aus den USA … wahrscheinlich New York. [Mehr Bilder in der Galerie.]
Die eine Synagoge am Friedhof war noch ganz interessant. Viele Namen als Inschriften, der in den Konzentrationslager Verstorbenen. Ich suche die alphabetisch sortierten Nachnamen ab, nichts, was irgendwie auf die eigene Familie zurückführen könnte, da ist niemand jüdisch … nur so alte Schwarz-Weiß-Fotos mit Männern in Uniform, im besten Fall tragisch und jung gefallene Wehrmachtsoldaten, hier und da ein paar eingeheiratete Bonzen mit Hakenkreuzbinde am Arm. Puh … Ich bin das schwarze Schaf, antifaschistisch … und als trans Frau wäre ich damals gleich als erste mit „abgemurkst“. Wenn es nicht gerade so beschissen wäre, mit dem Erstarken des neuem Faschismus in Europa … dieselbe Scheiße fängt wieder von vorne an. Ich gehe auf jeden Fall als erste ins Exil, die vielen toten Juden um mich herum mahnen mich.
Eine weitere Synagoge, über die paar Straßenzüge des alten jüdischen Ghettos, zurück zum Zentrum der Prager Altstadt. Wieder der Uhrenturm als Wegpunkt. Ein Kaffee irgendwo, ein Stück Kuchen. Nicht da, wo die Touristen sitzen, immer ein paar Meter entfernt auf versteckten Innenhöfen.
Abendessen gleich unweit zurück am Hotel. Mein Outfit für diesen Trip habe ich lange überlegt: das schwarze, langärmelige Kleid, das ich eigentlich das letzte, ausgefallene Konzert trage wollte, die superbequeme, schwarze Yogahose und meinen anthrazit-grau-schwarzen „Kuschelmantel“ – das olivgrüne Innenfutter, auch „Übergangsjacke“ genannt, ziehe ich auf dem Weg zum Restaurant gleich mit an … nach Sonnenuntergang wird es spürbar kühler die frühen Märztage.
Ein tschechisches Restaurant, mit Knödeln und Fleisch. „What's inside this? Is it pig or ham? No pork please.“ Es wird schwierig, aber sie haben auch Rind ohne Schweinespeck. Ich esse alle Tiere, außer Schwein, die sind dem Menschen zu ähnlich (auch nicht Elefanten, oder Delfine, oder Gorillas, vielleicht noch nicht einmal Hunde und Katzen … aber Kuh ist OK). Begraben unter einer riesigen Schicht an Senfsoße, zweierlei Knödel, Meerrettich und bittere Beerenmarmelade, nur der riesen Eisbecher als Nachtisch war vielleicht etwas zu viel. Zurück auf das Hotelzimmer, die Nacht werde ich nicht ruhig schlafen, der Magen muss arbeiten.
Der Sonnabend, der achte März, der Frauentag. Wieder ein üppiges Hotelfrühstück, Brötchen, Croissants, Pfannkuchen, Obst und Obstsalat, Joghurt, Kaffee und Fruchtsaft. Die italienische Reisegruppe, die den letzten Vormittag zuvor den Kaffeeautomaten in Beschlag genommen hat, ist immer noch da. Ich würde doch niemals auf die Idee kommen, „Filterkaffee“ trinken zu wollen.
Wieder raus in die Prager Altstadt, Faltplan und Smartphone, orientiert an den paar einzelnen Sehenswürdigkeiten. Unser Ziel für heute: die Karlsbrücke und die große Burg dahinter, die wir von unserer Hotelzimmerterrasse nicht sehen können. Der Besucherstrom, man merkt es an, es ist Wochenende und schönstes Wetter, alle Einheimischen machen genau das und besuchen Prag. Hier und da ein paar deutsche, englische, spanische und italienische Stimmen. Wenig später, oben auf der Brücke … Menschen, voller Menschen, ich kann die Brücke schon gar nicht mehr sehen. Aber ich bin optimistisch, es ist kurz nach zehn Uhr den späten Vormittag – garantiert werden wenige Stunden später noch viel, viel mehr Menschen kommen (was auch so passieren wird). Selfies mache ich keine. Hier und da gelingt mir ein Foto ohne Menschen. Für ein schönes Motiv muss ich später in einem Souvenierladen eine historische Postkarte suchen.
Weiter den anderen Teil der Altstadt, den auf der anderen Seite der Moldau hinauf, zu der großen Burganlage. Folgen wir dem Touristenstrom? Wo gehen die überhaupt hin? Die Faltkarte zeigt ganz klar die kleine Seitengasse rechts. Wenig später stoßen wir auf die Treppe mit den über zweihundert Stufen den Berg hinauf, parallel der großen Mauer der gewaltigen Anlage. Verschnaufpausen bilden interessante Fotomotive zurück.
Ganz oben angekommen, wo ist der beste Punkt mit der besten Aussicht? Weit über Prag, der beste Selfie-Hot-Spot? Ich reiß mich zusammen, der Dunst und die Mittagssonne bilden sowieso keinen schönen Hintergrund. Ganz weit unten, die Karlsbrücke, von der wir gekommen sind. Die vielen Menschen darauf bewegen sich fast gar nicht.
Auf der Burg- und Schlossanlage war früher mal die tschechische Regierung, noch viel früher, die Regenten. Eine große Kathedrale in der Mitte. Das Eintrittsticket gilt auch noch für ein paar umliegende Sehenswürdigkeiten. Auch wieder: alles, was Eintritt kostet, hält auch gleich wieder ein paar Touristen ab. Die große Kathedrale ist dennoch gut gefüllt.
Sitzbänke sind alle abgesperrt, ein Rundgang, riesige Deckenbauten, schon ein sehr beeindruckender, gotischer Sakralbau. Alle Apostel irgendwo an den hohen Fenstergläsern, noch mehr Heilige. Wie das wohl auf die ganzen asiatischen Reisegruppen wirkt? Ich erkunde die Kathedrale für mich alleine, meine Begleitung kommt erste gegen Ende mit dazu.
Wieder draußen, der nächste romanische Sakralbau, ganz interessante Deckenfresken. Noch viel interessanter wird es in der kleinen „Handwerkergasse“, man merkt es, die deutsche Sprache ist hier nicht fremd, das war alles mal irgendwie Österreich-Ungarn, ein Viel-Völker-Gemisch. Winzige Häuschen, mit winzigen Zimmern hübsch eingerichtet. Wir verlaufen hier so viel Zeit, es kommen immer mehr Besuchermassen hinzu. Spät nach Mittag, wieder hinaus, auf die Burganlage, weitere Panoramablicke … endlich Zeit für Sonnencreme für mich, und wieder hinunter zur Altstadt diesseits der Moldau. Wir nehmen den langen Weg über die Kopfsteinpflasterstraßen.
Mittagessen irgendwo in einer Pizzeria mit Balkonterrasse … es war für einen Moment so schön ruhig, bis eine spanische Großfamilie mit Kind und Kegel die Pizzeria in Beschlag genommen hatte. Früher Nachmittag, auch draußen wird es unangenehm voll.
Das kleine Kunstkaffee unten nicht unweit dem Eingang zur Brücke, alles, was die Touristen nicht sehen können, auch wenn es nur wenige Meter auf einem Innenhof verborgen liegt, ist nahezu leer! Winzige Ruheoasen. Veganer Kuchen und schaumig aufgeschlagener, grüner Matcha-Tee. Jeder Innenhof mit Schatten ist bei diesem sonnigen Frühlingswetter aber auch arschkalt. Ich trage durchgehend meinen Wollmantel, die kleine, schwarze Handtasche hält mit ihrem Gurt alles zusammen.
Wieder zurück auf die Brücke, zurück auf die andere Seite von Prag, die mit der Altstadt, den Hotels, den imposanten Jugendstilgebäuden. Hinwärts sind mir schon ein paar Art-déco-Säulen aufgefallen, die Paläste der Banken, die Paläste der Hotels, mit Restaurants, Cafés und Tanzkellern. Diese Stadt ist es wert, ein zweites Mal besucht zu werden, mit einer Tour durch all die architektonischen Juwelen des frühen zwanzigsten Jahrhunderts. Eine weitere Einkaufstour, Kosmetik und Accessoires … entweder dieser späte Nachmittag oder den zuvor, meine Handtasche ist von Coccinelle – die erste hatte ich in Rom gekauft, die zweite in Florenz. Der kleine Laden hier in Prag, nur durch Zufall daran vorbeigelaufen, ich kann dem Markennamen nicht widerstehen. „Lass uns reingehen …“ Das kleine, flache Portemonnaie, das optisch perfekt zu meiner Handtasche passt, das muss es sein. Das Kaufhaus in Leipzig hat die auch, immer wieder schlich ich daran vorbei … Kaufe ich sie mir? Hier in dem Laden muss es passieren, ich habe meine Prepaid-Kreditkarte mit 250 Euro aufgeladen, ich tippe meine Geheimnummer in das Bezahlterminal an der Kasse. Endlich eine kleine Kartentasche, für die Innentasche, damit die Bank- und Kreditkarten nicht so unsortiert umher purzeln (tatsächlich gibt es auf Arbeit eine Kollegin, die auch eine Vorliebe für Taschen von Coccinelle hat, ich muss mit ihr konkurrieren und deshalb ein halbes Vermögen dafür ausgeben). Weiter draußen in der beginnenden Dämmerung, die nächsten Läden … für die Strickjacke im dreistelligen Preissegment war von Anfang an nicht genug Geld auf der Kreditkarte angelegt … das mit dem „Aufladen“ soll mich auch gewollt vor weiteren „Spontankäufen“ schützen.
Wieder zurück im Hotel, der Sonnenuntergang auf der Dachterrasse. Wohin dann später? Ausgehen? Eher nicht, das ist doch die letzte Nacht und morgen elf Uhr ist schon Check-out. Vielleicht einfach nur ein Bistro oder einen Döner-Kebab suchen und eine Kleinigkeit essen. Kurz nach 19 Uhr, wieder draußen, die Allee hinauf zum Wenzel – dann wieder hinab, Umdrehen, den gleichen Weg auf der anderen Straßenseite zurück … selbes wiederholt sich. Wir laufen gefühlt mehrere Kilometer, nach dem ganzen Tagesmarsch. Wir wollen keine neumodischen Fast-Food-Restaurantketten, keine Selbstbestell- und Bezahlterminals, die gerade mal nur einen Schlitz für eine Plastekarte haben. Wir wollen einfach nur mit unseren Münzen über einen Tresen greifen und ein Brot oder Sandwich in einer Papiertüte in Empfang nehmen. Hier vollkommen unmöglich. Zu jugendlich, zu modern. Irgendwo in einer Seitenstraße ist noch ein vietnamesisches Bistro, in dem wir mit unserer verschrobenen, altmodischen Art nicht auf ein Befremden stoßen.
Weiter dann wieder zurück den späten Abend auf das Hotelzimmer. Diesen Tag habe ich nur vegan und vegetarisch gegessen, meinem Körper eine Pause geben.
Der nächste Tag, der Sonntag. Der Abreisetag. Wir hätten noch etwas unternehmen können, wir hätten noch einmal eine Tour durch die Prager Altstadt machen können, stattdessen nur ein weiteres, üppiges Frühstück (muss für den ganzen Tag reichen) und Entspannen auf der Sonnenseite der Dachterrasse … die da drüben hatten den letzten Nachmittag noch einen Jacuzzi. Check-out ist dann ganz knapp vor elf Uhr. Nichts im Zimmer vergessen, alles was ich die zwei Tage mit An- und Abreise brauchte, befindet sich in meiner kleinen Sporttasche, die in dem fetzigen, olivgrün-orangen Camouflage-Muster.
Den Weg zurück zum Hauptbahnhof, wenigstens den will ich mir noch einmal ansehen. Auf der Hinreise habe ich mit einem Blick nach oben auf der Rolltreppe schon gesehen, dieser Bahnhof hat auch einen sehenswerten, historischen Teil im Jugendstil. Das ganze Untergeschoss, frequentiert von den Massen an Reisenden dieser Zeit, kam erst viel später dazu. Oben die alten Wartehallen, mit Blick durch die Fenster auf die einfahrenden Züge und Bahnsteige, ein nettes Café, etwas teuer, die winzige Tasse Cappuccino, aber um die Zeit, auf den Zug zurück nach Dresden (und das Elbsandsteingebirge) um halb eins den Sonntagmittag zu warten, schon OK. Große Wartehallen mit viel Dekor … so wie der in Leipzig, selbe Epoche, ähnlicher Stil. Stunden später, den Abend, wieder zurück.
das habe ich sehr gerne gemacht. Zum Einen interessiert mich das Thema und zum Anderen hast Du wirklich sehr lebendig und spannend geschrieben. Da wollte ich Alles lesen und wollte Dir schreiben, das mir Dein Blog besonders gut gefallen hat (Die eigentliche Arbeit hattest Du ja mit dem Verfassen des Blogs). Wenn Du magst können wir den Kontakt gerne per Mail halten. Viele Grüße Daniele
Morgana LaGoth: Mail-Adresse steht oben bei "kontakt" - bei weiteren Fragen, gerne.
vielen Dank für Deinen tollen Blog. Ich habe ihn in den letzten Wochen komplett gelesen. Meistens konnte ich gar nicht aufhören zu lesen. Fast wie bei einem sehr spannenden Roman. Ich habe dabei Deine genauen Beobachtungen und Beschreibungen sehr genossen. Deine vielen Ausflüge in die Clubs und zu den Festivals oder Deine Streifzüge d durch die Geschäfte beschreibst Du immer aus Deiner Sicht sehr anschaulich und spannend. Ich kann das sehr gut nachvollziehen, das alleine zu erleben, häufig auch mit einer gewissen Distanz. Ich kenne ich von mir sehr gut. Highlights sind Deine Reiseberichte. Deine Erlebnisse an den unterschiedlichsten Orten auf der Welt. Vielen Dank dafür. Vielen Dank auch das Du Deinen Weg zu Deinem waren Geschlecht mit uns Lesern teilst. Deinen Weg Deine Gefühle Deine zeitweisen Zweifel. Das ist sehr wertvoll auch für uns Andere, denn es ist authentisch und sehr selten. Du bist einem dadurch sehr vertraut geworden. Für mich ist eine gefühlte grosse Nähe dadurch entstanden. Umso mehr schmerzt es mich von Deinen Rückschlägen zu lesen. Von Deinem Kampf zu Deinem wahren Ich. Von Deinem Kampf umd Liebe, Zährlichkeit und Akzepzanz und Anerkenung. Von Deiem mitunter verzweifeltem Kampf nach Liebe und Anerkennung durch Deinen Exfreund. Leider vergeblich. Dein Kampf um wirtschaftliche Unabhängigkeit und Deine aktuell missliche Lage. Ich glaube dass Du nicht gescheitert bist. Du hast viel Mumm und Hardnäckigkeit bewiesen Deinen Gang zu Dir selbst zu gehen. Du hast auch einen guten Beruf der immer noch sehr gefragt ist. Vielleicht kann ja nach dieser Auszeit und etwas Abstand ein Neuanfang in einer anderen Firma, wo Du keine Vergangenheit als Mann hattest gelingen. Ich wünsche das Dir ein Neuanfang gelingt und drücke Dir ganz fest die Daumen. Daniele
Morgana LaGoth: Da liest sich tatsächlich jemand alles durch? Das ist mittlerweile schon ein kompletter Roman mit mehreren hundert Seiten! Danke dir, für deinen Kommentar (und die aufgebrachte Zeit).
vielen Dank für Deine offenen und kritischen Erlebnisberichte. Ich bin in 3 Monaten in Sanssouci zur FzF-OP. Ich denke auch, was kann schon schief gehen, status quo geht nicht und irgendwas besseres wird wohl resultieren. Wenn es Dich interessiert, halte ich Dich informiert. Drücke mir die Daumen.
Herzlich
Drea
Morgana LaGoth: Ich wünsche dir für deine Operation viel Glück. (Sollte der Koch nicht gewechselt haben, das Essen da in der Klinik ist richtig gut!)
[14.11.17 / 20:13]Morgana LaGoth: Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion: Die Seitenbetreiberin behält sich das Recht vor, jeden Kommentar, dessen Inhalt rassistisch, sexistisch, homophob, transphob, ausländerfeindlich oder sonstwie gegen eine Minderheit beleidigend und diskriminierend ist, zu zensieren, zu kürzen, zu löschen oder gar nicht erst freizuschalten. Werbung und Spam (sofern die Seitenbetreiberin dafür nicht empfänglich ist) wird nicht toleriert. Personenbezogene Daten (Anschrift, Telefonnummer) werden vor der Veröffentlichung unkenntlich gemacht.
Kommentar:
[05.12.22 / 17:34] Daniele1992: Hallo Morgana
Mail ist heute rausgegangen
LG Daniele
[13.11.22 / 09:33] Daniele1992: Hallo Morgana
aktuell keine schöne Situation. Ich schreibe Dir noch eine Mail dazu.
LG Daniele
[13.05.22 / 09:15] Daniele1992: Hallo Morgana,
Tolle Reisebericht von Deiner neusten Reise nach Paris. Macht grosse Lust auch wieder dort hinzufahren um sich von der Stadt inspirieren zu lassen.
Tolle Neuigkeiten.NeuerJob. Klasse! Freue mich für Dich.
Liebe Grüße
Daniele
[24.12.21 / 20:55] Daniele1992: Hallo Morgana,
Ich denke an Dich und wünsche Dir frohe Weihnachten und ein schönes neues Jahr 2022.
Liebe Grüße
Daniele
[25.09.21 / 14:59] Daniele1992: Hallo,
eine Chance etwas Neues zu machen. Neue Perspektiven. Urlaubsträume, die bald real werden können. Nicht so schlecht. Freue mich für Dich. LG Daniele.
[11.11.20 / 09:12] Daniele1992: Hallo Morgana
Ich habe Dir eine Mail geschickt.
Lg
Daniele
[30.07.20 / 22:03] Daniele1992: Guten Abend
das habe ich sehr gerne gemacht. Zum Einen interessiert mich das Thema und zum Anderen hast Du wirklich sehr lebendig und spannend geschrieben. Da wollte ich Alles lesen und wollte Dir schreiben, das mir Dein Blog besonders gut gefallen hat (Die eigentliche Arbeit hattest Du ja mit dem Verfassen des Blogs). Wenn Du magst können wir den Kontakt gerne per Mail halten. Viele Grüße Daniele
[30.07.20 / 12:44] Daniele1992: Guten Morgen,
vielen Dank für Deinen tollen Blog. Ich habe ihn in den letzten Wochen komplett gelesen. Meistens konnte ich gar nicht aufhören zu lesen. Fast wie bei einem sehr spannenden Roman. Ich habe dabei Deine genauen Beobachtungen und Beschreibungen sehr genossen. Deine vielen Ausflüge in die Clubs und zu den Festivals oder Deine Streifzüge d durch die Geschäfte beschreibst Du immer aus Deiner Sicht sehr anschaulich und spannend. Ich kann das sehr gut nachvollziehen, das alleine zu erleben, häufig auch mit einer gewissen Distanz. Ich kenne ich von mir sehr gut. Highlights sind Deine Reiseberichte. Deine Erlebnisse an den unterschiedlichsten Orten auf der Welt. Vielen Dank dafür. Vielen Dank auch das Du Deinen Weg zu Deinem waren Geschlecht mit uns Lesern teilst. Deinen Weg Deine Gefühle Deine zeitweisen Zweifel. Das ist sehr wertvoll auch für uns Andere, denn es ist authentisch und sehr selten. Du bist einem dadurch sehr vertraut geworden. Für mich ist eine gefühlte grosse Nähe dadurch entstanden. Umso mehr schmerzt es mich von Deinen Rückschlägen zu lesen. Von Deinem Kampf zu Deinem wahren Ich. Von Deinem Kampf umd Liebe, Zährlichkeit und Akzepzanz und Anerkenung. Von Deiem mitunter verzweifeltem Kampf nach Liebe und Anerkennung durch Deinen Exfreund. Leider vergeblich. Dein Kampf um wirtschaftliche Unabhängigkeit und Deine aktuell missliche Lage. Ich glaube dass Du nicht gescheitert bist. Du hast viel Mumm und Hardnäckigkeit bewiesen Deinen Gang zu Dir selbst zu gehen. Du hast auch einen guten Beruf der immer noch sehr gefragt ist. Vielleicht kann ja nach dieser Auszeit und etwas Abstand ein Neuanfang in einer anderen Firma, wo Du keine Vergangenheit als Mann hattest gelingen. Ich wünsche das Dir ein Neuanfang gelingt und drücke Dir ganz fest die Daumen. Daniele
[05.10.19 / 17:11] Drea Doria: Meine liebe Morgana,
bin 5 T post all-in-one-FzF-OP. Deine guten Wünsche haben geholfen. Der Koch ist immernoch noch super. Alle hier sind herzlich und nehmen sich Zeit.
Herzlich
Drea
[14.06.19 / 12:57] Drea Doria: Meine liebe Morgana,
vielen Dank für Deine offenen und kritischen Erlebnisberichte. Ich bin in 3 Monaten in Sanssouci zur FzF-OP. Ich denke auch, was kann schon schief gehen, status quo geht nicht und irgendwas besseres wird wohl resultieren. Wenn es Dich interessiert, halte ich Dich informiert. Drücke mir die Daumen.
Herzlich
Drea
[14.11.17 / 20:13] Morgana LaGoth: Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion: Die Seitenbetreiberin behält sich das Recht vor, jeden Kommentar, dessen Inhalt rassistisch, sexistisch, homophob, transphob, ausländerfeindlich oder sonstwie gegen eine Minderheit beleidigend und diskriminierend ist, zu zensieren, zu kürzen, zu löschen oder gar nicht erst freizuschalten. Werbung und Spam (sofern die Seitenbetreiberin dafür nicht empfänglich ist) wird nicht toleriert. Personenbezogene Daten (Anschrift, Telefonnummer) werden vor der Veröffentlichung unkenntlich gemacht.
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