Der Freitag, meine Begleitung hat diesen einen Tag und dieses letzte Wochenende im März speziell herausgesucht – dieses Wochenende ist die „Welt-Orchideen-Konferenz 2026“ in Dresden.
[05.04.26 / 19:09] ✎ Der Freitag, meine Begleitung hat diesen einen Tag und dieses letzte Wochenende im März speziell herausgesucht – dieses Wochenende ist die „Welt-Orchideen-Konferenz 2026“ in Dresden. Irgendwo da draußen, an der Messe.
Frühstück im Hotel, mit dem Fahrstuhl nach ganz unten … einige Hotelbesucher kommen uns schon entgegen, einige tragen Beutel mit dem Ausstellungslogo, einige tragen Messeausweise um ihren Hals. Wir sind keine Konferenzteilnehmer, wir sind hier nur wegen der Ausstellung, sie hauptsächlich wegen dem Verkauf.
Im Frühstücksraum viele ausländische Sprachen, amerikanisches Englisch, vielleicht etwas Italienisch, viel Russisch, die Hotelmitarbeiterin am Frühstücksbuffet setzt uns an einen Tisch mit einem älteren, englischen Pärchen. Ich hoffe, sie erkennen an meinem etwas verzerrten Gesicht, dass das Frühstück hier nicht so schmeckt, wie das in Deutschland vielleicht üblich ist. Die Croissants sind winzig, die Brötchen gehen gerade noch so, der Fruchtsalat mit dem Joghurt schmeckt nach Gurke? Und der dunkel geröstete Espresso aus dem Automaten … na ja. Aber dieser Fruchtsalat – ich muss ihn essen.
Weiter den Vormittag, vom Hotel aus mit der Straßenbahn Richtung Dresdner Messe. Outfit für diesen und dem nächsten Tag: die anthrazitgraue Stretchjeans, die hohen, schwarzen Lederstiefel mit gemäßigten Absatz, der schwarz-graue Kuschelmantel – und darunter meine besch-braun-grün gemusterte, langärmlige Tunika, mit Nietengürtel, in der Jeans, über die Tunika, der schwarze Lederriemen, mit dem ich mir sonst meinen Mantel zubinde.
Die Straßenbahn ist voll, wollt ihr wirklich alle an der Endhaltestelle der Messe aussteigen? Es ist eine große Messe für Heim und Garten, das mit den Orchideen ist nur ein kleiner Teil davon. Wir steigen mit all den anderen aus.
Weiter zum Eingang und den beiden Hallen, die uns interessieren. Die große Orchideen-Schau, die dekorierten Stände, wir hatten schon die Befürchtung, dass die Aussteller aus Übersee nicht kommen könnten – wegen den hohen Kerosin- und Flugticket-Preisen (dämlicher amerikanischer Präsident und sein dämlicher, vollkommen unnötiger Krieg), und einige sind tatsächlich nicht gekommen, aber die Japaner sind da, die aus Taiwan auch, die aus Thailand und ein paar aus Ecuador oder Kolumbien, aus Südamerika.
Viele Orchideen, sie macht von allen Fotos, sie hat ein eigenes, kleines Gewächshaus und eine Excel-Tabelle mit um die hundertfünfzig verschiedenen Exemplaren aus aller Welt – ich habe von Orchideen keine Ahnung, mein Blick geht nach oben, ich will die Orchideen sehen, die in der Dekorationsausstellung hoch oben auf den Ästen drapiert worden sind, so wie ich das in Thailand auf dem „Dschungelpfad“ vom Hotel gesehen habe.
Weiter ab Mittag in der angrenzenden Verkaufshalle mit all den, von mir schon aufgezählten, Händlern von Übersee. In der Ausstellung hatten wir noch Glück, wir waren mit elf Uhr noch früh genug da, jetzt ab Mittag strömen die ganzen grauhaarigen Rentner von der großen Messeausstellung in die angrenzenden Orchideen-Bereiche – schlimmer als Freitag Mittag im Kaufland! Mir fällt auf, die meisten wollen hier eigentlich nur gucken, nur die wenigsten haben kleine Plaste- und Stoffbeutel mit dabei und handeln mit den Händlern.
Zeitweise staut sich alles, es geht vor lauter Rentner weder vor, noch zurück. Ich habe beim Betreten der Verkaufshalle schon ausgekundschaftet, wo die ausländischen Händler sind, ein paar am Eingangsbereich, es wird immer voller, einige weiter weg, dort ist es leerer. Eine große Tafel zeigt den Plan mit den Ständen und wer wo vertreten ist. Viele europäische Händler, ein oder zwei der Namen kenne sogar ich. Mich zieht es zu den Exoten … kaufe ich mir auch eine Orchidee? Fange ich damit an? Bei mir überleben nur Kakteen, alle anderen, grünen Baumarkt-Zimmerpflanzen haben schon längst das Zeitliche gesegnet. Sie hat mehr Erfahrung, sie will hier unbedingt einkaufen, dafür ist sie hier. Sie kennt die verschiedenen Orchideenarten, bestellt sonst auch – von deutschen Händlern – im Internet, sie weiß, dass die Preise hier ziemlich hoch sind. Ich habe, wie gesagt, keine Ahnung, ich will die da, die ist bunt, da steht vierzig oder achtzig Euro auf dem Etikett, Hauptsache sie kommt aus Thailand. Sie verlässt diese Messe mit drei Orchideen im Beutel, mindestens eine aus Südamerika.
Es ist Nachmittag geworden, Mittagsimbiss gab es auf der Messe, jetzt suchen wir wieder ein Café, vielleicht eines gleich am Hauptbahnhof gegenüber, in einem der modernen, neu gebauten Klötze. Eierschecke Nummer zwei … etwas näher dran, an meiner Idealvorstellung, weniger Vanille-Aroma, weniger feste Quark- und Eiermischung.
Weiter zum Einkaufen die Prager Straße entlang, noch ein Outlet, nicht so schön, wie das letzte. Wir müssen in eine der Einkaufspassagen hinein, um endlich ein paar Schuhläden zu finden. Ich finde auch ein Paar, die Lederballerinas sehen schick aus – und könnten auch breit gelatscht werden (meine Hausballerinas aus Stoff sind schon quadratisch), aber über zweihundert Euro? Nicht meine Preisklasse, so viel zahle ich nur für Stiefel.
Weiter in den nächsten Schuhladen, die eine, mehr günstigere Marke, von der auch meine superbequemen Flip-Flop-Pantoletten sind, mit denen ich ganz Thailand abgelatscht bin. Hier wird meine Begleitung endlich fündig und kann ihre Stiefeletten gegen ein paar Sneaker tauschen. Die hätten hier in dem Laden auch ein Paar Ballerinas in „Komfortweite“ für mich, aber die gefallen mir nicht so …

Wieder draußen, es wird dunkel, die Abenddämmerung setzt ein. Auch diesen Tag sind wir nicht weiter gekommen, als bis zu dem Altmarkt und die Dresdner Altstadt hinter der Straße, die wir den nächsten Tag überqueren wollen. Meine Begleitung findet den Weg zurück zum Hotel, abseits der neu gebauten Betonklötze, die Wege, die sie früher gegangen ist, DDR-Bauten, eine Kirche, das alte Dresdner Rathaus, den Ratskeller gibt es nicht mehr, die Kirschblüte hat eingesetzt, in einer Seitengasse stehen vier Kirschbäume, ein paar zufällig vorbeikommende, asiatische Touristen, die diese Stelle auch entdeckt haben, sind ganz entzückt.
Wieder zurück im Hotelzimmer, ich sitze auf meinem Einzelbett und surfe auf meinem Smartphone im Internet. Eine Nachricht schockiert mich: nach USA, Großbritannien, fällt jetzt auch Indien – die paar Rechte, die die Transgender-Community da seit 2019 bekommen hat, wurden ihr wieder genommen. Selbst ich würde da nicht mehr als „Transgender“ gelten, vor Diskriminierung sind nur noch „echte“ Hijaras geschützt – und die müssen mindestens als intersexuell geboren werden, dann als Baby entführt und in einer Hijra-Gemeinschaft versklavt werden. Normale trans Frauen und trans Männer nach westlicher Art sind nicht mehr trans, nur noch so Männer oder Frauen, die sich auf eigenen Wunsch untenherum operiert haben.
Die Stunden zurück, die Fahrt mit der Straßenbahn durch Dresden Richtung Messe, vorbei an den alten Klinikgebäuden, hier muss es gewesen sein (oder hier muss es als Filmkulisse verwendet worden sein), hier hat sich vor fast hundert Jahren Lili Elbe operieren lassen. Eine Straße wurde nach ihr benannt, ein Grabstein wurde ihr wieder aufgestellt … umgestürzt und verschandelt von einigen Menschen, die einen mir unerklärbaren Hass auf Menschen, wie mich, haben.
Kommentar:
[05.12.22 / 17:34] Daniele1992: Hallo Morgana
Mail ist heute rausgegangen
LG Daniele
[13.11.22 / 09:33] Daniele1992: Hallo Morgana
aktuell keine schöne Situation. Ich schreibe Dir noch eine Mail dazu.
LG Daniele
[13.05.22 / 09:15] Daniele1992: Hallo Morgana,
Tolle Reisebericht von Deiner neusten Reise nach Paris. Macht grosse Lust auch wieder dort hinzufahren um sich von der Stadt inspirieren zu lassen.
Tolle Neuigkeiten.NeuerJob. Klasse! Freue mich für Dich.
Liebe Grüße
Daniele
[24.12.21 / 20:55] Daniele1992: Hallo Morgana,
Ich denke an Dich und wünsche Dir frohe Weihnachten und ein schönes neues Jahr 2022.
Liebe Grüße
Daniele
[25.09.21 / 14:59] Daniele1992: Hallo,
eine Chance etwas Neues zu machen. Neue Perspektiven. Urlaubsträume, die bald real werden können. Nicht so schlecht. Freue mich für Dich. LG Daniele.
[11.11.20 / 09:12] Daniele1992: Hallo Morgana
Ich habe Dir eine Mail geschickt.
Lg
Daniele
[30.07.20 / 22:03] Daniele1992: Guten Abend
das habe ich sehr gerne gemacht. Zum Einen interessiert mich das Thema und zum Anderen hast Du wirklich sehr lebendig und spannend geschrieben. Da wollte ich Alles lesen und wollte Dir schreiben, das mir Dein Blog besonders gut gefallen hat (Die eigentliche Arbeit hattest Du ja mit dem Verfassen des Blogs). Wenn Du magst können wir den Kontakt gerne per Mail halten. Viele Grüße Daniele
[30.07.20 / 12:44] Daniele1992: Guten Morgen,
vielen Dank für Deinen tollen Blog. Ich habe ihn in den letzten Wochen komplett gelesen. Meistens konnte ich gar nicht aufhören zu lesen. Fast wie bei einem sehr spannenden Roman. Ich habe dabei Deine genauen Beobachtungen und Beschreibungen sehr genossen. Deine vielen Ausflüge in die Clubs und zu den Festivals oder Deine Streifzüge d durch die Geschäfte beschreibst Du immer aus Deiner Sicht sehr anschaulich und spannend. Ich kann das sehr gut nachvollziehen, das alleine zu erleben, häufig auch mit einer gewissen Distanz. Ich kenne ich von mir sehr gut. Highlights sind Deine Reiseberichte. Deine Erlebnisse an den unterschiedlichsten Orten auf der Welt. Vielen Dank dafür. Vielen Dank auch das Du Deinen Weg zu Deinem waren Geschlecht mit uns Lesern teilst. Deinen Weg Deine Gefühle Deine zeitweisen Zweifel. Das ist sehr wertvoll auch für uns Andere, denn es ist authentisch und sehr selten. Du bist einem dadurch sehr vertraut geworden. Für mich ist eine gefühlte grosse Nähe dadurch entstanden. Umso mehr schmerzt es mich von Deinen Rückschlägen zu lesen. Von Deinem Kampf zu Deinem wahren Ich. Von Deinem Kampf umd Liebe, Zährlichkeit und Akzepzanz und Anerkenung. Von Deiem mitunter verzweifeltem Kampf nach Liebe und Anerkennung durch Deinen Exfreund. Leider vergeblich. Dein Kampf um wirtschaftliche Unabhängigkeit und Deine aktuell missliche Lage. Ich glaube dass Du nicht gescheitert bist. Du hast viel Mumm und Hardnäckigkeit bewiesen Deinen Gang zu Dir selbst zu gehen. Du hast auch einen guten Beruf der immer noch sehr gefragt ist. Vielleicht kann ja nach dieser Auszeit und etwas Abstand ein Neuanfang in einer anderen Firma, wo Du keine Vergangenheit als Mann hattest gelingen. Ich wünsche das Dir ein Neuanfang gelingt und drücke Dir ganz fest die Daumen. Daniele
[05.10.19 / 17:11] Drea Doria: Meine liebe Morgana,
bin 5 T post all-in-one-FzF-OP. Deine guten Wünsche haben geholfen. Der Koch ist immernoch noch super. Alle hier sind herzlich und nehmen sich Zeit.
Herzlich
Drea
[14.06.19 / 12:57] Drea Doria: Meine liebe Morgana,
vielen Dank für Deine offenen und kritischen Erlebnisberichte. Ich bin in 3 Monaten in Sanssouci zur FzF-OP. Ich denke auch, was kann schon schief gehen, status quo geht nicht und irgendwas besseres wird wohl resultieren. Wenn es Dich interessiert, halte ich Dich informiert. Drücke mir die Daumen.
Herzlich
Drea
[14.11.17 / 20:13] Morgana LaGoth: Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion: Die Seitenbetreiberin behält sich das Recht vor, jeden Kommentar, dessen Inhalt rassistisch, sexistisch, homophob, transphob, ausländerfeindlich oder sonstwie gegen eine Minderheit beleidigend und diskriminierend ist, zu zensieren, zu kürzen, zu löschen oder gar nicht erst freizuschalten. Werbung und Spam (sofern die Seitenbetreiberin dafür nicht empfänglich ist) wird nicht toleriert. Personenbezogene Daten (Anschrift, Telefonnummer) werden vor der Veröffentlichung unkenntlich gemacht.
1