[05.04.26 / 19:17]✎ Sonntag, Hotel-Check-out noch vor elf Uhr. Wieder das Frühstück unten, der undefinierbare Fruchtsalat – es könnte Kiwi gewesen sein, vielleicht aromatisieren sie ihren Fruchtsalat auch mit Petersilie. Es schmeckt ungewohnt, aber ich esse ihn schon den dritten Tag. Ein Frühstücksei, heute ist Sonntag, ich muss vor den ausländischen Hotelgästen mein Klischee erfüllen.
Im Zimmer oben, alles in meine kleine Sporttasche. Ich lasse keine meiner Pfandflaschen zurück, die kommen in meine neue, große Jute-Tasche. Interessant, wie ich später dann, fast als Flaschensammler im Abteil der Ersten Klasse im Zug sitze, von irgendwas muss das Geld ja hergekommen sein. Sparen, jeder Cent ist wichtig, weiter sparen, Luxusklamotten runtergesetzt in Ramsch-Läden kaufen.
Die Schlüsselkarte vom Hotelzimmer landet unten am Ausgang in der Box. Den Weg wieder zurück zum Dresdner Hauptbahnhof.
Der Intercity fährt verspätet los und kommt verspätet an, das betrifft uns nicht, wir steigen nicht um.
Die Landschaft rauscht an mir vorbei … eigentlich hätten wir jetzt in Malaysia sein sollen, oder in Singapur, das wäre die Idee von vor ein paar Monaten gewesen. Für Ende des Jahres steht Thailand als nächste Idee auf der Liste, und wenn es das nicht wird, dann Italien, sehr gerne auch mit dem Zug … ich kann stundenlang die Landschaft an mir vorbeirauschen sehen.
[05.04.26 / 19:12]✎ Der Sonnabend dieses März-Wochenendes in Dresden, wieder unten im Frühstücksraum des Hotels, wieder das Croissant, zwei Brötchen mit Marmelade, der schrecklich schmeckende Kaffee und dieser unerklärbar schmeckende Fruchtsalat … es müssen diese grünen Dinger sein, das sind keine Weintrauben, das ist Melone? Melone und Gurke sind Beeren und miteinander verwandt.
Diesen Tag gehen wir in die Altstadt, bis runter zur Elbe und schauen uns Dresden an! Wie Touristen! Wir stehen früh auf, wir haben ein Zeitticket für das Grüne Gewölbe und das neu aufgebaute Dresdner Residenzschloss gebucht. Die anderthalb Stunden bis zum Einlass um elf Uhr, wollen wir uns, bei schönstem Sonnenschein, die Altstadt angucken, bevor die Touristenströme anrauschen.
Wir überqueren die große Hauptstraße, die die Einkaufsstraße und den Altmarkt von der historischen Altstadt trennen. Die Sonne scheint, aber es ist kalt. Meine Fleece-Jacke trage ich noch unter meinem Mantel und über der Tunika, den langen, schwarzen Kaschmirschal schon das ganze Wochenende. Meine kleine Luxushandtasche und meine Sonnenbrille, eine Wolke an orientalischen Parfüm hinter mir herziehend. Sie kennt den Weg, ich habe einen kleinen Papierfaltplan von der Hotelrezeption mit in einer meiner Manteltaschen. Ein Hof nahe des Schlosses, wir suchen den Eingang zu dem Gewölbe und den Museen. Das Grüne Gewölbe selbst, war früher mal woanders, überall in Dresden wird gebaut, hier an dem Schloss immer noch. Der kleine Innenhof ist neu, ein paar Schautafeln zeigen, wie hier alles mal zerbombt wurde, sie kennt nur die Ruinen, an denen sie Jahrzehnte danach noch vorbeigegangen ist, für mich ist die Ecke hier neu, ich war hier noch nie.
Ein paar Arkaden, ein paar Tierplastiken hoch oben an den Wänden, das ist hier irgendwie so eine Art Jagd- oder Stallhof, das Schloss muss hier in der Nähe sein, noch etwas mehr als eine Stunde bis zum Einlass.
Weiter um die Ecke, ich kann die alte Brücke über die Elbe sehen, wir sind an der Semperoper. Ein Foto machen, wie Touristen das so tun … die Menschen darauf werde ich wegretuschieren, das Baugerüst an der Oper verdecke ich elegant mit dieser großen Reiterstatue davor. Nur von dem Italienischen Dörfchen mache ich kein Foto … nachdem die eine Brücke ein paar hundert Meter oder Kilometer weiter, eingestürzt ist, verlegen die von der Stadt die Fernheizungsrohre (oder was auch immer das ist) über die angrenzende, historische Brücke neben der Semperoper. Schwarze Rohre, ein Bauzaun und ein riesiges Plakat, das andeutet, dass alles nur ein „Provisorium“ ist, verdecken den schönen Blick auf das Gebäude mit dem klangvollen Titel. Ich muss mit der Italienerin hier mal Essen gegangen sein, weder die Italienerin, noch das Café da, gibt es noch … aber vielleicht war das alles auch vollkommen woanders und sie hat nie existiert, nur in meiner Phantasie.
Weiter zu dem Zwinger, meine Begleitung kennt da eine Stelle, bei der sie zu ihren Studentenzeiten Ende der 1970er immer war: ein geheimnisvoller und versteckter Brunnen oder Fontäne gleich neben dem Zwinger! Ich bin neugierig, auf Klassenfahrt 1998 habe ich es nur bis zum Zwingereingang geschafft.
Der Brunnen ist wirklich nur direkt daneben, versteckt, eine Treppe hinauf, eine Treppe nach unten, ich hoffe schon auf ein paar „Instagram“ Fotos, um dieses Kleinod der Welt zugänglich zu machen … Minuten später schon die erste russische Touristin. Wir waren kurz allein. Es sieht ein bisschen aus, wie der eine Brunnen in Rom, nur fließt hier kein Wasser, das Becken ist leer, in ihrer Vorstellung war das alles mal viel verwilderter und grüner. Weiter über zwei Glastüren zum angrenzenden Innenhof des Dresdner Zwinger.
Wir sind schockiert! Ich kann mich kaum noch halten. Immer wieder zeige ich auf dieses schreckliche Etwas und schimpfe laut … der eine Tourist vor mir geht schon ein paar Schritte aus meinem Blickfeld. Direkt neben dem Zwinger ist der hässlichste Betonklotz hingestellt worden, den ich auf dieser Reise je gesehen habe! Wie konntet ihr nur! Diese Bausünde! Das ist ja so, als würde man ein Hochhaus direkt neben dem Eiffelturm stellen! So haben wir das nicht in Erinnerung. Wir sind erschüttert. Das sah hier mal so schön aus, das historische Ensemble, das Elbflorenz, nicht mal die Bomben aus dem Krieg konnten das zerstören. Und jetzt steht da drüben gleich hinter dem Zwinger ein weiteres, grau-modernes Hotel … oder was auch immer das ist.
Weiter weg, von dem Fleck der Schande, zurück zum Residenzschloss, wir finden endlich den Eingang, wir waren vor gut einer Stunde schon daran vorbeigelaufen, nur ist jetzt das große Tor zum Kleinen Schlosshof geöffnet.
Ein großes Glasdach überdeckt den Innenhof, am Eingang zu den Museen und der Kasse stehen schon einige Besucher. Ich dränge, ich will eines der Schließfächer in Beschlag nehmen, bevor die Touristenmassen kommen, meine Begleitung strahlt eher die Ruhe aus. Fotos vom Großen Schlosshof machen, den mit dem Hausmannsturm, auch hier wird überall gebaut, auf den Bauzäunen draußen die großen schwarz-weiß Fotos und wie das hier alles mal nach dem Krieg ausgesehen hat – und vierzig weitere Jahre unverändert.
Unser Zeitfenster für das Historische Grüne Gewölbe beginnt um elf Uhr und ein paar Minuten. Sie holt das Online-Ticket auf dem Smartphone aus der Tasche, ich sichere für mich eines der bedenklich weniger werdenden Schließfächer am Eingang neben der Garderobe, für meinen Mantel und meine Handtasche. In das Grüne Gewölbe mit den vielen Juwelen, darf nichts hinein genommen werden, die sind hier etwas nervös nach dem großen Einbruch. Eine Sicherheitsschleuse mit zwei dicken Glastüren ebnet uns den Weg hinein in die Schatzkammer.
Am Stand für die Tour-Guides entscheide ich mich für das Sprachmodul in „Sächsisch“, welches mir von der Museumsmitarbeiterin empfohlen wird.
„Sächsisch für Anfänger oder Deutsch?“
Ich zögere: „Sächsisch“, in meinem breitesten Drei-Länder-Eck-Dialekt, Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Je mehr ich in dieser Region bin, desto mehr kommt mein Geburtsdialekt wieder durch.
Sie nimmt die deutsche Sprachbegleitung und kommt viel schneller durch die Ausstellung, ich halte mein Sprachmodul ans Ohr und der Erzähler im breitesten Sächsisch erklärt mir die opulent ausgestatteten und liebevoll wiederhergestellten Schlossräume und die vielen funkelnden, nein, funzelnden Juwelen darin. Räume voller Porzellan, Elfenbein, Gold und Silber und Diamanten … nicht ganz so viele Diamanten und Brillanten, ein paar Dinge bleiben nach dem großen Einbruch wahrscheinlich für immer verschwunden, vielleicht existieren sie schon gar nicht mehr.
Ich brauche für das Historische Grüne Gewölbe viel länger, als ich gedacht habe, ich dachte, das wäre nur so eine kleine Sammlung. All dieser Prunk, der sächsische König muss unfassbar reich gewesen sein, ich dagegen stehe neben den Vitrinen und blicke auf meinen Armreif an meinem Handgelenk, Silber beschichtet, mit magnetischen Stahlkern und paar glitzernden Zirkonen drauf.
Es ist Mittag, fast schon dreizehn Uhr, eine Pause, eine Flasche Wasser im Museums-Café – und wir haben mal gerade erst das Erdgeschoss geschafft. Vor uns liegen noch drei weitere Etagen, mit noch mehr Prunk und Vitrinen und Ausstellungsstücken. Ich habe diesen Museumsbesuch unterschätzt, meine Begleitung vergleicht das Residenzschloss schon mit dem Louvre in Paris – aber der ist wirklich noch viel, viel größer.
Weiter in die erste Etage des Schlosses, jetzt ohne die Sprachführung – das Modul habe ich unten am Ausgang des Historischen Grünen Gewölbes schon abgegeben, mit der kleinen Anmerkung, es fehlt der Knopf um das Sächsische in anderthalbfacher oder doppelter Geschwindigkeit abzuspielen.
In der ersten Etage befindet sich das Neue Grüne Gewölbe, die Ausstellung mit den Miniaturen. Ich will den „Großmogul“ sehen! Bis vor zwei Tagen habe ich noch gar nichts von seiner Existenz gewusst, meine Begleitung kennt das alles schon, im Hotelfernseher lief eine Sendung über Dresden, in der auch dieses kleine Miniaturpanorama zu sehen war. Ich sehe die Vitrine und laufe direkt darauf zu. Es ist witzig, wie sich die Leute das damals alles so gedacht haben, einige der kleinen Figuren sehen chinesisch aus, einige indisch, der ganze Kasten asiatisch, die Szene irgendwie … phantastisch. Noch mehr merkwürdige Dinge und Kuriositäten sind in diesem Teil des Museums ausgestellt, die sagenumwobenen „Kirschkerne“, es galt damals als schick, so ein Kuriositätenkabinett zu besitzen.
Weiter zu der Rüstkammer in dem ersten Geschoss des Schlosses.
„Das kenne ich alles schon.“
Was ich jetzt noch nicht weiß, das geht noch eine Etage weiter, bis hoch in die zweite, den Teil, den ich achtundzwanzig Jahre zuvor auf Klassenfahrt im Zwinger gesehen habe, war nur ein kleiner Teil davon, nur die paar Rüstungen und Gewehre.
Es hört gar nicht mehr auf, ein Zimmer nach dem anderen mit Rüstungen, Säbel, Messer, Gewehren, noch mehr Rüstungen, ganze Pferde in Montur – wir wechseln die Etage – noch viel mehr Säbel und Zelte, alles zusammengeraubt, nachdem die Türken vor Wien abgehauen sind – wie ist das alles nach Dresden gekommen, wer hat das alles gesammelt? Wurde das wirklich hier alles im Schloss gelagert? Meine Begleitung vermutet, das Zeug stammt vom Armeemuseum hier irgendwo am anderen Ende von Dresden und ich denke mir, die sind froh, wenn die den alten Kram hierhin, in das neu wiederhergestellte Stadtschloss, abschieben konnten.
An den Fenstern im Schloss erkenne ich, es muss schon tiefster Nachmittag sein. Draußen scheint die Sonne, Touristenströme ziehen sich durch die Straßen, ich wollte eigentlich auch Dresden draußen fotografieren und wir stecken hier drinnen. Ein langer Gang an Gewehren, auch genannt die Gewehrgalerie in der Zwischenetage.
Die zweite Etage haben wir über den Kleinen Ballsaal betreten, ich scherze, das ist ja nur der „kleine“ Ballsaal. Nachdem wir die Münzkammer, den Riesensaal und die zweite Hälfte der Rüstkammer und der „Türckischen Cammer“ hinter uns gelassen haben, betreten wir die Paraderäume des Schlosses, luxuriös gestaltete Zimmer, die nie benutzt wurden. Nur zum Angeben. Ich bewundere die Arbeit der Restauratoren, die das alles wiederhergestellt haben, das Schloss wurde komplett ausgebombt, erhaltene Möbel gab es dann nicht mehr.
Weitere Ausstellungsstücke, große Portraits der ehemaligen Besitzer, die Garderobe des Dicken – und irgendwo in einer Ecke, ein kleines Eckzimmer, eine Vitrine mit Napoléons Stiefeln. Ich kann nicht anders, ich stelle mich daneben und blicke auf meine eigenen, hohen Lederstiefel, die ich gerade anhabe:
„Passt!“
Könnte von der Schuhgröße hinkommen … 40/41.
Wieder draußen, wir sind da jetzt so viel umhergelaufen, ich kann schon gar nicht mehr sehen, so viele Miniaturdinge, die ich mir betrachtet habe, die dritte Etage schaffen wir nicht mehr, die mit dem Kupferstich-Kabinett und irgendwo soll noch so ein asiatisches Bild von siebzehnhundertnochwas ausgestellt sein. Vielleicht das nächste Mal. Dann müssen wir auch die Gemäldegalerie ansehen, und Pillnitz, und eine Schifffahrt auf der Elbe, alles wie 1998.
Vor dem Ausgang vom Schloss, wir kommen nicht weit, das eine Café gegenüber empfängt alle Museumsbesucher. Es ist ein Schokoladencafé, mit angeschlossenem Schokoladenmuseum. Ich suche den Schokoladenkuchen, aber bestelle wieder nur eine Eierschecke – die dritte. Sie wird mir wenig später mit den beiden Tassen Cappuccino an unseren kleinen Tisch gebracht. Dieses mal ist sie authentisch, original, ohne Vanille-Aroma, der Eischnee und die gelbe Schecke in sehr weicher und cremiger Konsistenz, ganz oben die Decke leicht bestreut mit Zucker. Ich bin zufrieden. Im angrenzenden Schokoladenverkauf finden wir noch etwas zu Ostern. Ich finde die Idee mit der kleinen Eierverpackung ganz nett, in der die kleinen Schokoladeneier liegen – aber wenn für jedes, bestimmt exquisite, Osterei so ein Euro verlangt wird und in diese Schachtel achtzehn passen … das können wir uns nicht mehr leisten, das muss dann der kleine Beutel sein mit halb so viel Schokolade. Die ausländischen Touristen sind entzückt und packen die Pappschachtel voll.
Wieder raus zu dem Platz mit der Semperoper, zwischen Schloss und Oper liegt noch die Schlosskirche, hier war ich noch nie, ich kann mich nicht daran erinnern, die zwischen der Oper und diesem bekannten Wandgemälde an der Schlossmauer, gesehen zu haben. Meine Begleitung muss hier auch schon mal drin gewesen sein, wir gehen hinein, es ist kurz nach siebzehn Uhr und im Gegensatz zu heute Morgen, wo ich schon für ein mögliches Stadt-Foto auf der Eingangstreppe stand, ist sie jetzt offen.
Schlosskirche, Dresden
Innen drinnen mache ich Fotos, die Szene ist einfach zu hübsch, Nebelschwaden an Weihrauch umhüllen einen Seitenaltar, die Lichtstrahlen der beginnend untergehenden Sonne zeichnen sich darin.
„Gruftige Bilder machen …“, wiederholt murmele ich mein Mantra.
Die Kirche selbst, auch hier wurde vieles nach dem Krieg wiederhergestellt, wer weiß, wie das davor ausgesehen hat, schwarz-weiß Bilder sind eben nicht bunt. Irgendwo soll noch die Gruft sein, in der der sächsische Regent begraben liegt, zwischen Kirche und Schloss verläuft ihr Privatweg. Wir bleiben nur eine Viertelstunde, ich dränge wieder nach draußen, wenigstens die Brühlschen Terrassen und die Augustusbrücke will ich in den letzten Strahlen der bereits verschwindenden Sonne fotografieren.
Wir laufen die breite Treppe zu dem Terrassenufer hoch … war es hier, wo ich vor über zwanzig Jahren mit ihr ein Kaffee trank? Ein Café gibt es auch hier nicht mehr. Viele Menschen sehen sich von hier aus den Sonnenuntergang an. Die Elbe schimmert in dem Licht, Dampfer liegen an der Leine, die Brücke verschwimmt in einem dunklen Grau-Braun-Ton.
Wir wollen weiter, die kleine Parkanlage, den Studentenkeller suchen, jedenfalls den Eingang dazu. Sie kennt den Klub, ich kenne nur den Blick von oben hinein, der „Bärenzwinger“ ist jetzt überdacht. Ihr Orientierungssinn schwindet, sie meint, sie ist hier damals mal über eine Brücke Richtung Dresdner Neustadt gelaufen. Hier ist keine Brücke. Ich suche schon die ganze Zeit die eingestürzte Brücke, um davon Fotos zu machen … wir standen fast davor.
Weiter Richtung Frauenkirche, als wir die wieder neu aufgebaute Kirche erreichen, ist es fast schon zu dunkel, um davon Fotos zu machen. Ich erhasche nur ein Foto von der Elbseite aus. Sie kennt diese Kirche nicht, für sie war es nur ein Ruinenhaufen, an dem sie immer vorbeigelaufen ist. Ich kenne die Frauenkirche als eine Bauplane rund um einen Bauzaun, weit abgeschirmt auf einer großen Wiese – und sieben Jahre später, 2005 – als so wie sie jetzt da steht – nur mitten im Nirgendwo.
Auch mir fehlt die Orientierung, die Frauenkirche steht jetzt umringt von Gebäuden in der Dresdner „Altstadt“.
„Das war hier alles mal grünes Gras und Erde!“
Wir sind an der Frauenkirche vorbei und betreten den gepflasterten Platz davor, voller Touristen und Besucher, umrundet von Gebäuden, Restaurants, Geschäften, vielleicht noch ein weiteres Hotel, manches Gebäude auf alt getrimmt, andere wieder so hässlich unpassend modern, aber weiter weg. Wo ist der Bauzaun von damals? Die unendlich weite Baugrube und die lose Erde und das Gras, die bizarr in der Ödnis stehende, im hellen Sandstein leuchtende, Frauenkirche? So vieles hat sich verändert, wir kommen hier nicht klar.
Im Inneren der Dresdner Frauenkirche
Es ist kurz vor achtzehn Uhr, ich weiß nicht, wer von uns beiden die Idee hatte, aber wir betreten die Kirche auch von innen. Sie ist gut gefüllt, viele Menschen sitzen auf den Bänken. Sie sieht im inneren gar nicht mal so schlecht aus. Die Menschen werden hineingeschleust, dort ist der Ausgang, hier die Bänke, bitte nur hier hinten Fotos machen, keinen Blitz. Ich dränge wieder, zu gehen. Meine Fotos habe ich schon gemacht, ich will auf keinen Fall hier noch sein, wenn der Gottesdienst anfängt. So schön Kirchen auch sind, ich liebe nur die morbide Ästhetik der Jahrhunderte, von dem religiösen Zweck will ich nichts mitbekommen.
Wieder draußen, lautes Glockengeläut.
„Wo willst du jetzt essen gehen?“
Ich bin überfordert, ich will hier nur weg, viele Menschen, viel Lärm: „Entscheide du.“
Eigentlich wollte ich Pizza essen gehen. Wir hatten da die letzten beiden Abende schon einige Pizzerien gesehen. Dafür müssen wir wieder zurück Richtung Hotel und Prager Straße. Das eine ungarische Restaurant, das sie noch von damals kennt, gehört jetzt einer italienischen Kette. Zu viele Menschen und ich mag die riesengroß ausgewalzten Pizzas da jetzt im Moment nicht. Es ist Sonnabend Abend und es wird schwer, noch ein freies Restaurant zu finden.
Zurück am Altmarkt fällt uns eine weitere italienische Pizzerien-Kette auf, die kenne ich noch nicht. Wir probieren es da. Die Warteschlange ist kurz, draußen stehen nur ein paar wartende Gäste, wartend auf einen freien Tisch. Wir wollen nur eine Pizza essen, wenn wir das in einer dreiviertel Stunde schaffen, hat er einen Tisch für uns zwei.
Die Leute in dem Restaurant weisen uns den Weg zu einem Tisch in der oberen Etage, netterweise der letzte Tisch ganz hinten. Das Restaurant ist voll, es ist laut und es sind sehr viele Menschen da. Ich bestelle eine vegetarische Pizza – mit Büffelmozarella. Sie hätten hier auch eine kleine Weinkarte und einen sündhaft teuren sizilianischen Wein, nur die große Flasche und ich trinke allerhöchstens alle paar Jahre nur „zweifingerbreit“. Keinen Nachtisch, wir sind nach der Pizza wieder draußen.
Wieder zurück in das Hotel, es gibt keine Bar in der Prager Straße, außer vielleicht die Hotelbar. Alle angesagten Bars sind in der Neustadt, da war ich noch nie. Ich hätte gedacht, ich könnte hier in Dresden ausgehen – ich weiß, dass da jetzt den Abend, weit draußen, noch ferner als die Neustadt, da irgendwo ein Konzert ist, eine Band aus dem Gothic- und Wave-Umfeld, ich habe sogar ein Album von denen. Der Club oder Konzertsaal, ich war da schon einmal vor ein paar Jahren, mit dem Auto bin ich von draußen nach Dresden reingefahren, jetzt vom Hotelzimmer aus, müsste ich die Straßenbahn nehmen, zurück auch. Meine Begleitung möchte nicht, dass ich da jetzt um Mitternacht herumlaufe, das war schon damals die schlimmste Gegend. Wer weiß, wie das jetzt ist. Die jungen Skinheads, die uns hier die letzten Tage in der Innenstadt begegnet sind – ich hätte sie ja freundlich begrüßt: Ach, komm schon! Ich hab' meine Stahlkappenstiefel auch zu Hause rumliegen. Aber die wären vielleicht nicht so nett mir gegenüber … so als „Transe“. Da bleibe ich doch lieber im Hotelzimmer. Wenig später, ich schlafe kurz vor Mitternacht vor dem Fernseher ein.
[05.04.26 / 19:09]✎ Der Freitag, meine Begleitung hat diesen einen Tag und dieses letzte Wochenende im März speziell herausgesucht – dieses Wochenende ist die „Welt-Orchideen-Konferenz 2026“ in Dresden. Irgendwo da draußen, an der Messe.
Frühstück im Hotel, mit dem Fahrstuhl nach ganz unten … einige Hotelbesucher kommen uns schon entgegen, einige tragen Beutel mit dem Ausstellungslogo, einige tragen Messeausweise um ihren Hals. Wir sind keine Konferenzteilnehmer, wir sind hier nur wegen der Ausstellung, sie hauptsächlich wegen dem Verkauf.
Im Frühstücksraum viele ausländische Sprachen, amerikanisches Englisch, vielleicht etwas Italienisch, viel Russisch, die Hotelmitarbeiterin am Frühstücksbuffet setzt uns an einen Tisch mit einem älteren, englischen Pärchen. Ich hoffe, sie erkennen an meinem etwas verzerrten Gesicht, dass das Frühstück hier nicht so schmeckt, wie das in Deutschland vielleicht üblich ist. Die Croissants sind winzig, die Brötchen gehen gerade noch so, der Fruchtsalat mit dem Joghurt schmeckt nach Gurke? Und der dunkel geröstete Espresso aus dem Automaten … na ja. Aber dieser Fruchtsalat – ich muss ihn essen.
Weiter den Vormittag, vom Hotel aus mit der Straßenbahn Richtung Dresdner Messe. Outfit für diesen und dem nächsten Tag: die anthrazitgraue Stretchjeans, die hohen, schwarzen Lederstiefel mit gemäßigten Absatz, der schwarz-graue Kuschelmantel – und darunter meine besch-braun-grün gemusterte, langärmlige Tunika, mit Nietengürtel, in der Jeans, über die Tunika, der schwarze Lederriemen, mit dem ich mir sonst meinen Mantel zubinde.
Die Straßenbahn ist voll, wollt ihr wirklich alle an der Endhaltestelle der Messe aussteigen? Es ist eine große Messe für Heim und Garten, das mit den Orchideen ist nur ein kleiner Teil davon. Wir steigen mit all den anderen aus.
Weiter zum Eingang und den beiden Hallen, die uns interessieren. Die große Orchideen-Schau, die dekorierten Stände, wir hatten schon die Befürchtung, dass die Aussteller aus Übersee nicht kommen könnten – wegen den hohen Kerosin- und Flugticket-Preisen (dämlicher amerikanischer Präsident und sein dämlicher, vollkommen unnötiger Krieg), und einige sind tatsächlich nicht gekommen, aber die Japaner sind da, die aus Taiwan auch, die aus Thailand und ein paar aus Ecuador oder Kolumbien, aus Südamerika.
Viele Orchideen, sie macht von allen Fotos, sie hat ein eigenes, kleines Gewächshaus und eine Excel-Tabelle mit um die hundertfünfzig verschiedenen Exemplaren aus aller Welt – ich habe von Orchideen keine Ahnung, mein Blick geht nach oben, ich will die Orchideen sehen, die in der Dekorationsausstellung hoch oben auf den Ästen drapiert worden sind, so wie ich das in Thailand auf dem „Dschungelpfad“ vom Hotel gesehen habe.
Weiter ab Mittag in der angrenzenden Verkaufshalle mit all den, von mir schon aufgezählten, Händlern von Übersee. In der Ausstellung hatten wir noch Glück, wir waren mit elf Uhr noch früh genug da, jetzt ab Mittag strömen die ganzen grauhaarigen Rentner von der großen Messeausstellung in die angrenzenden Orchideen-Bereiche – schlimmer als Freitag Mittag im Kaufland! Mir fällt auf, die meisten wollen hier eigentlich nur gucken, nur die wenigsten haben kleine Plaste- und Stoffbeutel mit dabei und handeln mit den Händlern.
Zeitweise staut sich alles, es geht vor lauter Rentner weder vor, noch zurück. Ich habe beim Betreten der Verkaufshalle schon ausgekundschaftet, wo die ausländischen Händler sind, ein paar am Eingangsbereich, es wird immer voller, einige weiter weg, dort ist es leerer. Eine große Tafel zeigt den Plan mit den Ständen und wer wo vertreten ist. Viele europäische Händler, ein oder zwei der Namen kenne sogar ich. Mich zieht es zu den Exoten … kaufe ich mir auch eine Orchidee? Fange ich damit an? Bei mir überleben nur Kakteen, alle anderen, grünen Baumarkt-Zimmerpflanzen haben schon längst das Zeitliche gesegnet. Sie hat mehr Erfahrung, sie will hier unbedingt einkaufen, dafür ist sie hier. Sie kennt die verschiedenen Orchideenarten, bestellt sonst auch – von deutschen Händlern – im Internet, sie weiß, dass die Preise hier ziemlich hoch sind. Ich habe, wie gesagt, keine Ahnung, ich will die da, die ist bunt, da steht vierzig oder achtzig Euro auf dem Etikett, Hauptsache sie kommt aus Thailand. Sie verlässt diese Messe mit drei Orchideen im Beutel, mindestens eine aus Südamerika.
Es ist Nachmittag geworden, Mittagsimbiss gab es auf der Messe, jetzt suchen wir wieder ein Café, vielleicht eines gleich am Hauptbahnhof gegenüber, in einem der modernen, neu gebauten Klötze. Eierschecke Nummer zwei … etwas näher dran, an meiner Idealvorstellung, weniger Vanille-Aroma, weniger feste Quark- und Eiermischung.
Weiter zum Einkaufen die Prager Straße entlang, noch ein Outlet, nicht so schön, wie das letzte. Wir müssen in eine der Einkaufspassagen hinein, um endlich ein paar Schuhläden zu finden. Ich finde auch ein Paar, die Lederballerinas sehen schick aus – und könnten auch breit gelatscht werden (meine Hausballerinas aus Stoff sind schon quadratisch), aber über zweihundert Euro? Nicht meine Preisklasse, so viel zahle ich nur für Stiefel.
Weiter in den nächsten Schuhladen, die eine, mehr günstigere Marke, von der auch meine superbequemen Flip-Flop-Pantoletten sind, mit denen ich ganz Thailand abgelatscht bin. Hier wird meine Begleitung endlich fündig und kann ihre Stiefeletten gegen ein paar Sneaker tauschen. Die hätten hier in dem Laden auch ein Paar Ballerinas in „Komfortweite“ für mich, aber die gefallen mir nicht so …
Kirschblüte nahe des Ratskellers, Dresden
Wieder draußen, es wird dunkel, die Abenddämmerung setzt ein. Auch diesen Tag sind wir nicht weiter gekommen, als bis zu dem Altmarkt und die Dresdner Altstadt hinter der Straße, die wir den nächsten Tag überqueren wollen. Meine Begleitung findet den Weg zurück zum Hotel, abseits der neu gebauten Betonklötze, die Wege, die sie früher gegangen ist, DDR-Bauten, eine Kirche, das alte Dresdner Rathaus, den Ratskeller gibt es nicht mehr, die Kirschblüte hat eingesetzt, in einer Seitengasse stehen vier Kirschbäume, ein paar zufällig vorbeikommende, asiatische Touristen, die diese Stelle auch entdeckt haben, sind ganz entzückt.
Wieder zurück im Hotelzimmer, ich sitze auf meinem Einzelbett und surfe auf meinem Smartphone im Internet. Eine Nachricht schockiert mich: nach USA, Großbritannien, fällt jetzt auch Indien – die paar Rechte, die die Transgender-Community da seit 2019 bekommen hat, wurden ihr wieder genommen. Selbst ich würde da nicht mehr als „Transgender“ gelten, vor Diskriminierung sind nur noch „echte“ Hijaras geschützt – und die müssen mindestens als intersexuell geboren werden, dann als Baby entführt und in einer Hijra-Gemeinschaft versklavt werden. Normale trans Frauen und trans Männer nach westlicher Art sind nicht mehr trans, nur noch so Männer oder Frauen, die sich auf eigenen Wunsch untenherum operiert haben.
Die Stunden zurück, die Fahrt mit der Straßenbahn durch Dresden Richtung Messe, vorbei an den alten Klinikgebäuden, hier muss es gewesen sein (oder hier muss es als Filmkulisse verwendet worden sein), hier hat sich vor fast hundert Jahren Lili Elbe operieren lassen. Eine Straße wurde nach ihr benannt, ein Grabstein wurde ihr wieder aufgestellt … umgestürzt und verschandelt von einigen Menschen, die einen mir unerklärbaren Hass auf Menschen, wie mich, haben.
[05.04.26 / 19:04]✎ Ein langes Wochenende in Dresden, das letzte Wochenende im März. Die Idee dazu hatten wir schon letztes Jahr, als wir auf dem Weg nach Prag in Dresden umsteigen mussten. Wir könnten auch mal hier eine Tour hin machen. Ich war hier zuletzt 2005, ein Tagestrip, und 1998 auf Klassenfahrt, sie war hier zuletzt Ende der 1980er, Anfang 1990er und die Zeit Ende der 1970er? Wir fahren mit den Eindrücken von damals in die große Metropole von Sachsen. Abfahrt von unserem Heimatkaff ist kurz nach neun Uhr den Donnerstag Morgen.
Stunden später, die Ankunft mit dem Intercity, Erste Klasse, am Hauptbahnhof Dresden gegen Mittag. Check-in in dem großen Hotelkomplex gleich gegenüber. Gegenüber … es gibt kein Gegenüber mehr! Wir sind schockiert, wir kennen den Dresdner Hauptbahnhof und den Eingang zur Prager Straße noch ganz anders! Überall diese modernen Bauklötze, furchtbar hässlich (und es wird im Laufe dieser Reise noch schlimmer kommen).
Das Hotel ist noch in den alten DDR-Bauten, das war hier mal das „Interhotel“, oder so ähnlich. Unser Zimmer ist ganz oben, im zehnten Geschoss, leider mit der Aussicht zum Bahnhof hin, nicht den Blick zur alten Innenstadt.
Ich habe zu Hause schon herausgesucht, wo wir in Dresden mittags essen können: gleich am Eingang zur Rezeption daneben, befindet sich eine Ramen-Bar, so eine wie auch in Leipzig, es ist eine Kette? Ich war in beiden noch nicht. Ein paar Meter wieder zurück zum ersten Gebäude dieses DDR-Hotelkomplex.
Ramen-Bar, Dresden
Die Bar ist wunderschön dekoriert, mit allerlei japanisches Zeug an den Wänden, auf den Tischen und Möbeln. Am Eingang ist mir schon dieses eine kleine, schmale Brett an der Wand aufgefallen. So authentisch! Ich erzähle meiner Begleitung, wie ich damals in Tokio nur solche Nudel-Bars besucht habe und wie alle Einheimischen Großstadt-Japaner, mich auf einen Hocker an so einem schmalen Brett an die Wand gesetzt habe und meine Ramen-Nudeln aus der Schüssel geschlürft habe. Nur die Bestellkarte mit den großen, bunten Fotos fehlt hier. Wir werden an einen Platz in der oberen Etage geführt. Ich muss mein erstes Foto machen:
„Wo wurde die Aufnahme gedreht, in Deutschland oder in Japan? Finden Sie das Indiz, es gibt nämlich eins!“
Nach der übergroßen Schale mit Nudeln und Algensalat, als Besteck zwei Löffel und eine Gabel, weiter den frühen Donnerstag Nachmittag zum Einkaufen in Dresden. Uns fällt es schwer, uns zu orientieren, überall diese neu gebauten Gebäude. Ich suche die Stelle mit der Bank, an der ich mich 2005 von der einen Italienerin verabschiedet habe, sie war auch auf einen Trip in Dresden, und ich dann zurück zum Hauptbahnhof gelaufen bin. Ich finde die Stelle nicht mehr, die Prager Straße ist jetzt viel enger und die große, freie Fläche zum Hauptbahnhof fehlt komplett.
Wir laufen weiter Richtung Elbe, in die Altstadt wollen wir heute noch nicht. Meine Begleitung erzählt von diesem einen „Schwulen-Café“, das hier irgendwo mal gewesen sein soll. Die Arkaden gibt es noch, aber der Blick auf den Dresdner Altmarkt ist weg, dort gegenüber dem „Café Prag“ steht jetzt auch einer dieser modernen Bausünden mit Geschäften und ähnliches. Daneben unter den Arkaden ist ein modernes Café, das hätte es gewesen sein können. Die trendigen, jungen Leute in dem gut besuchten Café wissen vielleicht nicht, was für ein Etablissement das hier vor vierzig Jahren war, selbst meine Begleitung hat sich hier nie reingetraut. Ich bestelle einen Cappuccino und meine erste „Eierschecke“ … nicht authentisch, viel zu viel Vanille-Aroma, das da gar nicht reingehört, und zu feste Quarkmasse. Es gibt einen Unterschied zwischen Leipziger Eierschecke und Dresdner Eierschecke. Erstere muss mir immer als Referenz herhalten.
Weiter durch die Geschäfte, große Kaufhäuser, Outlets, billige Ramsch-Läden – aber nirgendwo ein vernünftiger Schuhladen! Meine Begleitung verzweifelt schon, ein Paar Schuhe steht auf ihrer Einkaufsliste. Meine Einkaufsliste ist nicht so voll, ich war die Woche zuvor, bei einem Rezepttausch (meine Frauenärztin ist in den Ruhestand gegangen), schon in Magdeburg Einkaufen, das teurere Geschäft, mein Stammladen. Ein schwarzer, kurzer Blazer, von der Marke Miss Lagotte – die haben ein Mode-Label nach mir benannt!
Hier in Dresden, vielleicht, wenn ich etwas sehe, vielleicht ein dünner, olivgrüner Zip-Hoodie, wie der in dem ersten Outdoor-Laden, vielleicht ein schwarzer Hoodie, wie der in dem nächsten Outlet-Geschäft … weder meine Größe, noch gefällt mir das Print-Motiv, ich werde Pfingsten in Leipzig weiter suchen. Meine Begleitung sucht auch die Kleiderständer in den Geschäften ab.
Im Internet habe ich es schon gesehen, vom Bahnhof aus, sind wir schon daran vorbei gelaufen, in Magdeburg gibt es auch so einen, meine Designer-Tunika, die ich mit dabei habe und die nächsten beiden Tage tragen will, ist auch von dieser Outlet-Kette. Meine Begleitung hält das für einen, wie diese alle anderen auch, Ramsch-Läden, ich weiß, wenn ich da nur ein oder zwei Stunden lang suche, ziehe ich irgendein verstecktes, exquisites Stück heraus. Die rumänische Kollegin kauft ihre Designer-Marken hier auch ein. Wir gehen in dieses eine Geschäft, die Damenabteilung ist im Erdgeschoss.
Eng anliegende Kleider und Klamotten, an Garderoben überall, alle Farben, alle Größen. Mein suchender Blick schweift vorbei an Sweater, Strick, Kleider, Unterwäsche, Tops, Jacken und Mäntel, mein Filter ist auf Schwarz und Olivgrün, sonst komme ich hier die nächsten Stunden nicht raus. Ihr Filter ist auf bunt gemusterte Hippie-Kleidung und es würde mir stehen, wenn ich von meinem schwarzen Auswahlfilter wegkomme. Ich ziehe einen schwarzen Wollpullover von der Stange – der ist es! Von der amerikanischen Marke habe ich schon einige Sachen, zuletzt gekauft in New York, oder so. Von zweihundertnochwas runtergesetzt auf sechzig Euro! Ich verschwinde in der Umkleide …
Der Pullover ist gut, er kratzt nicht – und er muss wirklich Wolle sein, er lädt sich elektrostatisch nicht auf. Im Gegensatz zu dem grauen Fleece-Pullover, den ich gerade zu der Stretch-Jeans mit meinen neuen, schwarzen Engineer-Boots trage. Meine Begleitung hat für sich auch schon ein paar bunte Tunikas in die Umkleide getragen. Weiter kurz nach neunzehn Uhr zur Kasse – und mir fällt noch eine große Jute-Tragetasche auf, mit einem japanischen Motiv darauf, eine Winkekatze und ein paar Kanji-Schriftzeichen, die ich nicht entziffern kann. Ich arbeite zwar in einer japanischen Firma, aber alles was an japanischen E-Mails hereinkommt, läuft über einen Übersetzer. Die Tragetasche muss ich haben! Sie rundet meinen Preis an der Kasse auf zu „69,99 Euro“, bezahlt mit der Karte.
Wieder draußen, es ist dunkel geworden. Uns fehlt noch ein Abendessen. Ein Schnellimbiss gegenüber dem Hotelkomplex, zwei halbe Sandwiches … wohin mit den zwei Wasserflaschen? Ach, ich habe ja gerade eine neue Tragetasche über der Schulter von meinem schwarz-grauen Kuschelmantel, wie praktisch!
Zurück ins Hotelzimmer mit dem nächtlichen Ausblick auf andere Hotelhochhäuser, ich versuche noch die japanischen Schriftzeichen auf meiner Tasche zu entziffern … wenigstens nichts „Schmutziges“, laut dem Übersetzungsprogramm auf meinem Smartphone, damit kann ich mich auch vor den japanischen Kollegen blicken lassen.
[02.10.25 / 19:58]✎ Ein Erdbeben am Morgen reißt mich aus dem Schlaf, ich wackele in dem weichen Bett seitlich hin und her. „Das waren gerade mal Drei auf der Skala!“ Weiterschlafen, ich ziehe das Betttuch über den Kopf und drehe mich auf die andere Seite. Noch anderthalb Stunden bis Frühstück und Aufstehen. Der Abreisetag. Boarding ist erst gegen Abend, aber das Hotel macht schon am frühen Nachmittag zu, wir sind die letzten, verbliebenen Gäste am Ende der Urlaubssaison.
Frühstück, Koffer packen, alles reinwerfen, Eins zu Eins aus dem Schrank nehmen, die bereits gefaltete Schmutzwäsche, die getragenen Kleider. Check-out gegen elf, die Koffer können wir in der Lobby stehen lassen. Zeit rumkriegen den Nachmittag, auf den Sonnenliegen draußen auf das Meer starren, im Internet surfen: Es waren doch die Vier auf der Richterskala, das Erdbeben vor der Westküste von Zakynthos. Jetzt bin ich mir auch ziemlich sicher, dass das 2014 in Tokio in dem Hotel auch ein leichtes Erdbeben war, dasselbe seitliche Schaukeln in dem Bett.
Gegen neunzehn Uhr der Abendflug zurück nach Frankfurt. Den Nachmittag noch ein letztes Mal an der Beach-Bar einen Kaffee trinken. Die Fahrkünste des Busfahrers bestaunen, der das schon über dreißig Jahre macht. Die kleine Reisegruppe durch den Duty-Free-Bereich scheuchen, innerhalb kürzester Zeit am Gate sein, der Flughafen in Zakynthos ist sehr klein.
Vor dem Fenster die dunklen Wolken und Lichter der Städte, ich navigiere mit meinem Smartphone, den eingefangenen GPS-Satelliten und den Offline-Karten auf meinem Fenstersitzplatz. Landung in Frankfurt, vom Touchdown bis zum Baggage-Claim vergehen erfahrungsgemäß anderthalb Stunden bis runter zum Einstieg in die S-Bahn am Regionalbahnhof. Unser Stammhotel am Hauptbahnhof erreichen wir erst um Mitternacht. Ins Bett fallen, das nötigste ist in der kleinen Reisetasche.
Frühstück am Morgen, Zug den Mittag, Ankunft am Heimatkaff den Nachmittag. Wo geht die nächste Reise hin? Planungen und Gedanken laufen bereits schon seit Wochen oder Monaten: Shopping in Mumbai, oder Milano. Vielleicht per Interrail nach Italien … oder mit dem Zug durch Indien.
[30.09.25 / 22:33]✎ Endlich die Bootstour, das mit dem kleinen, privaten Boot wurde zwar abgesagt, aber die kleine Reisegruppe hat eine Tour auf einem größeren Boot gebucht, an einem der vielen kleinen Stände mit den bunten Fotos, die hier überall in dem Touristenort verteilt sind.
Warten auf den Bus, es wird ein größerer Bus, der noch mehr Touristen einsammelt, wir sind in einer polnischen Reisegruppe gelandet. Der Bus fährt noch ein ganzes Stück durch die Olivenhaine zum nächsten Hafen. Ein Zwischenstopp in der kleinen Bucht mit dem Schwefelwasser – hier gehe ich nicht mit meinem teuren Bade-Zweiteiler baden. Zwei Busse, noch mehr Touristen.
Umstieg in dem Hafen auf das schaukelnde Boot, der ganze Bus passt rein. Herumdüsen um die Nordspitze, zum Schiffswrack, das von gestern. Eine Fotoserie machen, mit Touristen und Bootsreling, das hoffe ich später am Computer aus mehreren Einzelbildern zusammenstückeln zu können.
Badestopp an einer Bucht mit einem imposanten Felsvorhang, Bond-Girl steigt aus dem Wasser. Weiterfahrt zu anderen Buchten mit türkisblauen Wasser und Bademöglichkeiten. Das massive Boot schiebt sich rückwärts in die Höhlen, Fotos mache ich keine mehr, die Motive sind weit entfernt von den Prospekten (das glitzernde Blau ist kaum noch zu erkennen). Hätten wir doch nur das kleine, private Boot genommen, Hätte er mich doch nur zurückgerufen, ich kannte mal einen mit einer Motoryacht, hatte ihm nach einem gemeinsamen Abend vor vielen Jahren meine Nummer gegeben.
Zurück zum Hafen, zurück mit dem großen Bus in den Touristenort Tsilivi. Kurz vor Oktober, das wird hier in wenigen Wochen eine Geisterstadt.
Nachmittagskaffee und -Crêpe in einer Bar, den späten Nachmittag noch ein letztes Mal schwimmen gehen, warmes Meerwasser, sanfte Wellen. Den schwarzen Bade-Zweiteiler, ein Strandkleid, trocken laufen, mit den Füßen in der Meeresbrandung. Eine in den Wellen dümpelnde Plasteflasche aufsammeln, die gehört hier nicht hin.
Den Abend noch in eine Cocktail-Bar, die auch ein Restaurant ist. Die paar wenigen Touristen, die Musik-Playlist, alles aus den Achtzigern. Das hätte so eine „Bar“ sein können. Vielleicht hat mich der eine am Tresen schon so angesehen, aber davon bekomme ich nichts mit, geschützt in meiner familiären Obhut (interessant: die bettelnde Katze am Tisch ist immer überall die Katze der Nachbarn).
Den nächsten Tag zurück, der Streik der Fluglotsen, vielleicht sogar der ganze geplante Generalstreik in Griechenland wurde noch einmal abgewendet …
[29.09.25 / 22:08]✎ Gestern schon gedacht: Ich komme aus diesem Touristenort nicht weg – Heute endlich die Bustour: The most iconic photo spots of Zakynthos.
Schildkrötenstrand und Schutzgebiet, Kalamaki nahe Laganas
Wieder den frühen Vormittag, der Minivan schiebt sich rückwärts zum Hotel. Erster Stopp, der Aussichtspunkt hoch oben über Zakynthos Town, den wir zu Fuß niemals erreicht hätten.
Cameo Island, Zakynthos / September 2025 / Alter 43
Weiter zu dem Photo-Spot mit der kleinen Insel mit der kleinen Hängebrücke … sieht auf Instagram viel schöner aus, die Sonne steht um diese Uhrzeit extrem ungünstig. Zu viele Touristen nahe Laganas, ein wenig „Maya Bay Experience“. Vorher noch ein Stopp an dem Schildkrötenstrand.
Ich Cameo Island fotografierend, Zakynthos
Weiter über das Olivenölmuseum, kleinere Einkaufsgelegenheiten: „Dreh schnell die Preisschilder um, ich komme mit drei Touristen vorbei!“ Über die Westseite, hoch in den Norden der Insel, zu dem legendären Schiffswrack. Irgendjemand hat hier mal ein Foto gemacht, irgendjemand fand diese Bucht mal ganz toll, Raves haben hier stattgefunden, die jetzt gesperrte Bucht und der kleine Sandstrand waren mal übervölkert mit Stranddecken. Jetzt quetscht sich alles den kleinen Weg hoch oben die Steilküste entlang, nur für dieses eine, kleine Foto. Ich auch, wie stehe ich sonst da, vor meinen asiatischen Arbeitskollegen.
Myzithres Felsen, Zakynthos / September 2025 / Alter 43
Die Tour geht insgesamt fünf oder sechs Stunden und führt noch an weiteren Aussichtspunkten vorbei (viele verbrannte Bäume). Den Nachmittag wieder zurück im Hotel. Wechsel in den olivgrünen Bikini, Baden im Meer. Umziehen in mein olivgrünes Kleid mit weißen Flechtgürtel und Abendessen. Der Strand ist wieder um einige Meter kleiner geworden, die abgetragenen Spuren der letzten Flutnacht.
[28.09.25 / 21:31]✎ Wieder für umsonst früh aufgestanden, Anruf unten an der Rezeption kurz vor dem Frühstück: Auch die geplante Bustour wurde verschoben. Draußen regnet es, ich taste es schon einmal an mit meiner olivgrünen Regenjacke … Geht doch, so schlimm ist es doch nicht?
Nach dem Frühstück den Sonntag Vormittag, Umplanen, eine spontane Tour zu Fuß, noch weiter raus, als bis zu dem venezianischen Wachturm gleich neben dem kleinen Hafen. Gefühlt ganz Tsilivi, alle Touristen, machen einen spontanen Spaziergang durch den Küstenort.
Nachmittags im Zimmer, der Wind und der Regen werden stärker. Soweit ich alle meine Balkonfotos noch dunkler und dramatischer in Szene setze, alle meine Statusbildchen werden mit einem Herzen geliked. Kein Wetter zum Rausgehen, wir bleiben drinnen. Den Tag vorher noch amüsiert hingenommen, ein kleiner Hamsterkauf im Mini-Markt um die Ecke, Wasservorräte und Zwieback-Trockenbrotscheiben als Snack. Kaffee und Kuchen gibt es unten im Frühstücksraum. Wo sind all die anderen Touristen draußen am menschenleeren Strand, nach drinnen? Engländer? Holländer?
Der Regen und der Wind wird nicht weniger, es scheint, als kreist dieses dunkle Tief über und um die Insel. Wir müssen irgendwann raus zum Abendessen, mein gekauftes Trockenbrot ist kein Ersatz. Es scheint nachzulassen, wir versuchen es in dem Restaurant um die Ecke. Erst drinnen, geschützt unter dem Dach der Restaurant-Terrasse, setzt der heftigste Regenschauer ein. Die Warnmeldungen den Nachmittag gestern, waren nicht übertrieben.
Den Abend auf dem Weg wieder zurück zum Hotel, ganze Wassermassen fließen die asphaltierten Wege und Straßen runterwärts zurück zum Strand, meine extra angezogenen Hi-Top-Plateau-Sneaker reichen dafür nicht. Die letzten hundert Meter zurück zum Hotel muss ich sie ausziehen, ich wate mit der bis zum Knie hochgekrempelten schwarzen Jeans knöcheltief in den „reißenden“ Fluten … fehlt nur noch, dass eine Ratte in dem Laternenschein an mir vorbeischwimmt.
[27.09.25 / 21:56]✎ Wieder einmal nur ein Strandtag – Bond-Girl geht ins Wasser, mein schwarzer Bade-Zweiteiler … und mein Regenbogenhandtuch, Pride zeigen.
Der Morgen beginnt schon mit ein paar Wolken, den Vormittag zieht es sich zu. Diesig, Sonnenschirm, LSF 50, im Schatten auf der Liege auf der begrünten Hotelterrasse liegen. Das Hotel über die Treppe ins Wasser verlassen, nur ein paar Meter weiter sind die Wellen nicht mehr so stark … jetzt nur nicht ins Meer raustreiben lassen, bei den paar Schwimmzügen.
Nachmittags herumliegen, eingehüllt in meinem Regenbogenhandtuch. Später den Nachmittag, Kaffee und Kuchen, ein paar Schritte in dem Touristenort laufen.
Unwetterwarnung über Mobile Cell Broadcast (The Purge?)
Zurück im Hotel … The Purge? Der Cell-Broadcast auf dem Mobiltelefon lärmt: eine Unwetterwarnung für die nächsten vierundzwanzig Stunden, Gewitter. Damit könnte auch die Minibus-Tour für morgen ins Wasser fallen. Ich komme aus diesem Touristenort nicht weg.
Abendessen in einem griechischen Restaurant um die Ecke, mit original griechischer Musik. In der Reisegruppe bin ich die Einzige, die nicht rein vegetarisch oder vegan ist (Zakynthos Rabbit, scharf gewürzt).
Den Abend auf dem Balkon vom Hotelzimmer, es regnet bereits schon … ganz leicht. Ein Blitz? Vielleicht. Seegewitter sind schön – sofern sie fern am Horizont sind.
[26.09.25 / 22:00]✎ Den Tag vorher an der Rezeption eine Bootstour ausgehandelt, heute morgen dann der Anruf: „gecancelt.“ Es ist über Nacht stürmisch geworden, zu viele Wellen dort draußen auf dem Meer. Wieder entspannt frühstücken, den Kaffeebecher vor dem Tor. Dann eben spontan umplanen – Stadtbesichtigung Zakynthos Town.
Mit dem öffentlichen Bus nur ein paar Euro, die paar Kilometer von Tsilivi Richtung Süden (ich lag falsch und war vor meiner Reisegruppe fest überzeugt, die Hauptstadt liegt nördlich).
Nach dem großen, historischen Erdbeben neunzehnhundert-nochwas ist (fast) nichts mehr an historischen Gebäuden stehengeblieben. Eine alte Kirche, ein großer Platz. Die neu gebaute Altstadt ablaufen … sehr, sehr wenige Touristen, fast schon leer.
Ein Orangensaft, ein Toast mit Spinat und Ei, ein Kaffee, wir tingeln durch die (Alt-)Stadt. Ein Hafen … so viel Wind ist doch gar nicht.
Den Nachmittag wieder mit dem Bus zurück. Duschen, Entspannen, zum Sonnenuntergang das Bistro / Beach-Bar neben dem Hotel – Königsgarnelen, Finger-Food. Es ist Freitag und ich habe mein Party-Outfit an – weiße Tunika, Zebra-Leggings mit Nietengürtel. Wo geht hier die Party? Den Abend durch die Main Road … fünf Bars zwischen den ganzen Souvenierläden und Restaurants. Tsilivi ist nicht Patong.
[25.09.25 / 21:40]✎ Der venezianische Wachturm sieht von weitem viel größer aus, als näher dran. Das Wappen mit den Löwen im Mauerwerk ist gerade noch so zu erkennen. Den Tag nur Strandurlaub in Tsilivi.
Ich habe meinen grünen Bikini wieder hervorgekramt, passt super zu der weißen Tunika, die ich letztes Jahr in Thailand gekauft habe. Den Weg vom Hotel am Strand in Südrichtung (der Turm), Baden am Tor mit den Treppen vom Hotel, den Weg am Strand in Nordrichtung, den Bikini den frühen Nachmittag, nach einer kurzen Zeit auf der Liege, wieder trocken laufen.
Umziehen am späten Nachmittag – ich kombiniere die weiße Tunika mit der grünen Zebra-Leggings und dem hellen Unterkleid aus pflegeleichter Seide. Abendessen in einem noblen Bio-Organic-Restaurant – teuer, aber lecker (vegane Moussaka).
Tsilivi ist ein reiner Touristenort … aber eine Parzelle neben dem Hotel ist noch leer, dort steht eine kleine Olivenplantage. Finde die Zikade!
[24.09.25 / 23:11]✎Zakynthos? Wo? Die Insel schräg unterhalb von Italien, gegenüber vom griechischen Festland.
Von Frankfurt mit dem Flugzeug, ein kleines Flugzeug für eine kleine Insel. Noch vor Sonnenuntergang angekommen, mit dem Touristenbus nur zwei Stopps, das „venezianische Hotel“ gleich am Wasser. Erst einmal ankommen, erst einmal den Abend etwas essen, die Beach-Bar in dem Touristenort Tsilivi gleich nebenan. Einen Mini-Markt finden, eine Flasche Wasser kaufen … Sonnencreme LSF 50? Wird reichen. Entspannen auf der Zimmerterrasse mit Meerblick. Alleine bin ich nicht … meine Begleitung(en): Zug verspätet, warten vor dem Terminal (ich nervös), ewig lang herumbummeln im Duty-Free, Boarding startet schon (ich noch nervöser). Kein Stress.
[10.03.25 / 23:12]✎ Mit dem Zug über Magdeburg und Dresden, nach Prag. Das Wochenende mit dem internationalen Frauentag im März. Donnerstagabend angekommen, den kurzen Weg vom Prager Hauptbahnhof, die Innenstadt, zum Hotel. Unser ursprünglich gebuchtes Zimmer zur Straßenseite, mit der großen Aussicht auf die prachtvolle Allee, bekommen wir nicht, unser neues Zimmer ist das den dritten Turm, bzw. zweiter Hinterhof, ganz oben, letzte und sechste Etage, mit Ausblick auf die Rückseite … so ganz unglücklich sind wir damit nicht. Auf der anderen Seite, die mit der Allee, dort wird gebaut – und unser „Pent House“ hat eine riesige Terrasse mit wunderschönem (und ruhigem) Ausblick auf die Dächer von Prag und die Altstadt mit ihren vielen Kirchtürmen. So gut schlafe ich sonst nicht in einem Hotel.
Freitag, nur zwei volle Tage sind für diese Reise gebucht, ein straffes Programm. Den entspannten Morgen nach dem üppigen Frühstück unten im Hotel, geht es mit einem Faltplan bewaffnet, auf die erste Erkundungstour in die nicht unweit gelegene Prager Altstadt. Der Weg ist von der Rezeptionistin aufgekritzelt: gleich rechts, dann wieder links und nach wenigen Gehminuten, da muss es sein, das Mucha-Museum.
Wunderschöne Art déco und Jugendstilbilder, der sehr mondäne und tschechische Künstler aus der Jahrhundertwende trifft unsere Emotionen. Ich kann mich in der kleinen Ausstellung gar nicht satt sehen. Die Reklamebilder, die Schrift fällt mir ins Auge – genau diese Art von Jugendstil-Schrift habe ich – ohne es zu wissen – vor Jahren schon für meine Website verwendet (ich baue gerade an einem neuen Stylesheet).
Weiter in den Museumsshop, das eine oder das andere Wandbild? Ich kann mich nicht entscheiden … keines der beiden wird wohl an meine purpur-violette Wand in meinem Wohnzimmer passen (außer vielleicht das in Mint, aber das weiß ich nicht). Ich kaufe nur zwei Magneten, für die Kunstgalerie am Kühlschrank … zwei gleiche Motive, eines als Leihgabe an die kunstinteressierte Verwandtschaft. Meine Begleitung lässt wesentlich mehr Geld an der Museumsshop-Kasse.
Weiter den späten Vormittag, zu der Astronomischen Uhr – die mit dem Sensenmann, der die Glocke läutet, der zweitwichtigste Punkt auf meiner Liste, was ich alles in Prag sehen will. Auf dem zentralen Platz angekommen, ich reihe mich ein, in die immer umfangreicher werdenden Touristenmassen … ich zücke mein Smartphone … gleich schlägt es elf Uhr. Ich mache schon vorher Probeaufnahmen. Meine Begleitung, die schon mindestens dreimal in Prag war, sitzt währenddessen weiter hinten und trinkt einen Cappuccino in dem sauteuren Café.
Weiter durch die Innenstadt … ganz Prag ist ein einziger Souveniershop. Wir haben es vorher gewusst, auf was wir uns da einlassen. Aber so extrem? Freitag, ganz früher Nachmittag, es hält sich mit dem Touristenstrom noch in Grenzen. Mehrere Souvenirläden gehen wir durch, die Verwandtschaft möchte beschenkt werden. Ich hätte ja auch gerne so eine Tasse für mich, die mit dem „kleinen Maulwurf“, in einigen Motiven sind auch alle seine Freunde mit dabei, Hase, Maus und Igel … aber die (wahrscheinlich in riesiger Menge in Fernost hergestellten) Tassen gibt es nur in Kindergröße. Alle Souvenirläden haben die. Als Kaffeepott für erwachsene Kinder gibt es die nicht.
Von Laden zu Laden, „Antikwaren“, Kosmetik, Glas – wir nähern uns der Brücke. Der Touristenstrom wird zahlreicher, wir verlaufen uns dennoch, auf der Suche nach einer nicht ganz so frequentierten Seitengasse. Das Smartphone wird allerhöchstens zur Lokalisation verwendet, wir vertrauen weiter „oldschool“ unseren Faltplänen.
Die große Karlsbrücke erreichen wir, aber rübergehen tun wir noch nicht, das sparen wir uns für morgen auf. Ein Foto vom Rand, mit Blick auf die Brücke und die Moldau. Wir gehen weiter ins jüdische Viertel.
Alter Jüdischer Friedhof, Prag
Zu Hause habe ich mir schon überlegt, was will ich mir alles ansehen. Fahre ich alleine nach Prag, auf jeden Fall den großen, neuen jüdischen Friedhof. Der muss so schön sein, wie der in Wien, oder der Südfriedhof in Leipzig, mit den Jugendstilgräbern. Ich bin aber nicht alleine unterwegs, ich bin in Begleitung (oder ich bin die Begleitung) – für mich gibt es auf diesem zweitägigen Kurztrip nur den Besuch des alten jüdischen Friedhofs. Nett … Synagoge und Friedhof sind eingezäunt und nur über eine Kasse erreichbar, hält gleich die ganzen Sauf- und Eventtouristen ab. Tatsächlich verbringe ich unendlich viel Zeit zwischen den Grabsteinen und mache den Nachmittag unzählig viele Fotos. „Efeu! Wie hübsch! Sonnenstrahlen, der leichte Nebeldunst.“ Zurück zu Hause muss ich unbedingt alles in Schwarz-Weiß färben. Außer mir hat sich auf diesen Friedhof nur eine jüdisch-orthodoxe Reisegruppe eingefunden, wahrscheinlich aus den USA … wahrscheinlich New York. [Mehr Bilder in der Galerie.]
Die eine Synagoge am Friedhof war noch ganz interessant. Viele Namen als Inschriften, der in den Konzentrationslager Verstorbenen. Ich suche die alphabetisch sortierten Nachnamen ab, nichts, was irgendwie auf die eigene Familie zurückführen könnte, da ist niemand jüdisch … nur so alte Schwarz-Weiß-Fotos mit Männern in Uniform, im besten Fall tragisch und jung gefallene Wehrmachtsoldaten, hier und da ein paar eingeheiratete Bonzen mit Hakenkreuzbinde am Arm. Puh … Ich bin das schwarze Schaf, antifaschistisch … und als trans Frau wäre ich damals gleich als erste mit „abgemurkst“. Wenn es nicht gerade so beschissen wäre, mit dem Erstarken des neuem Faschismus in Europa … dieselbe Scheiße fängt wieder von vorne an. Ich gehe auf jeden Fall als erste ins Exil, die vielen toten Juden um mich herum mahnen mich.
Eine weitere Synagoge, über die paar Straßenzüge des alten jüdischen Ghettos, zurück zum Zentrum der Prager Altstadt. Wieder der Uhrenturm als Wegpunkt. Ein Kaffee irgendwo, ein Stück Kuchen. Nicht da, wo die Touristen sitzen, immer ein paar Meter entfernt auf versteckten Innenhöfen.
Abendessen gleich unweit zurück am Hotel. Mein Outfit für diesen Trip habe ich lange überlegt: das schwarze, langärmelige Kleid, das ich eigentlich das letzte, ausgefallene Konzert trage wollte, die superbequeme, schwarze Yogahose und meinen anthrazit-grau-schwarzen „Kuschelmantel“ – das olivgrüne Innenfutter, auch „Übergangsjacke“ genannt, ziehe ich auf dem Weg zum Restaurant gleich mit an … nach Sonnenuntergang wird es spürbar kühler die frühen Märztage.
Ein tschechisches Restaurant, mit Knödeln und Fleisch. „What's inside this? Is it pig or ham? No pork please.“ Es wird schwierig, aber sie haben auch Rind ohne Schweinespeck. Ich esse alle Tiere, außer Schwein, die sind dem Menschen zu ähnlich (auch nicht Elefanten, oder Delfine, oder Gorillas, vielleicht noch nicht einmal Hunde und Katzen … aber Kuh ist OK). Begraben unter einer riesigen Schicht an Senfsoße, zweierlei Knödel, Meerrettich und bittere Beerenmarmelade, nur der riesen Eisbecher als Nachtisch war vielleicht etwas zu viel. Zurück auf das Hotelzimmer, die Nacht werde ich nicht ruhig schlafen, der Magen muss arbeiten.
Der Sonnabend, der achte März, der Frauentag. Wieder ein üppiges Hotelfrühstück, Brötchen, Croissants, Pfannkuchen, Obst und Obstsalat, Joghurt, Kaffee und Fruchtsaft. Die italienische Reisegruppe, die den letzten Vormittag zuvor den Kaffeeautomaten in Beschlag genommen hat, ist immer noch da. Ich würde doch niemals auf die Idee kommen, „Filterkaffee“ trinken zu wollen.
Wieder raus in die Prager Altstadt, Faltplan und Smartphone, orientiert an den paar einzelnen Sehenswürdigkeiten. Unser Ziel für heute: die Karlsbrücke und die große Burg dahinter, die wir von unserer Hotelzimmerterrasse nicht sehen können. Der Besucherstrom, man merkt es an, es ist Wochenende und schönstes Wetter, alle Einheimischen machen genau das und besuchen Prag. Hier und da ein paar deutsche, englische, spanische und italienische Stimmen. Wenig später, oben auf der Brücke … Menschen, voller Menschen, ich kann die Brücke schon gar nicht mehr sehen. Aber ich bin optimistisch, es ist kurz nach zehn Uhr den späten Vormittag – garantiert werden wenige Stunden später noch viel, viel mehr Menschen kommen (was auch so passieren wird). Selfies mache ich keine. Hier und da gelingt mir ein Foto ohne Menschen. Für ein schönes Motiv muss ich später in einem Souvenierladen eine historische Postkarte suchen.
Weiter den anderen Teil der Altstadt, den auf der anderen Seite der Moldau hinauf, zu der großen Burganlage. Folgen wir dem Touristenstrom? Wo gehen die überhaupt hin? Die Faltkarte zeigt ganz klar die kleine Seitengasse rechts. Wenig später stoßen wir auf die Treppe mit den über zweihundert Stufen den Berg hinauf, parallel der großen Mauer der gewaltigen Anlage. Verschnaufpausen bilden interessante Fotomotive zurück.
Ganz oben angekommen, wo ist der beste Punkt mit der besten Aussicht? Weit über Prag, der beste Selfie-Hot-Spot? Ich reiß mich zusammen, der Dunst und die Mittagssonne bilden sowieso keinen schönen Hintergrund. Ganz weit unten, die Karlsbrücke, von der wir gekommen sind. Die vielen Menschen darauf bewegen sich fast gar nicht.
Auf der Burg- und Schlossanlage war früher mal die tschechische Regierung, noch viel früher, die Regenten. Eine große Kathedrale in der Mitte. Das Eintrittsticket gilt auch noch für ein paar umliegende Sehenswürdigkeiten. Auch wieder: alles, was Eintritt kostet, hält auch gleich wieder ein paar Touristen ab. Die große Kathedrale ist dennoch gut gefüllt.
Sitzbänke sind alle abgesperrt, ein Rundgang, riesige Deckenbauten, schon ein sehr beeindruckender, gotischer Sakralbau. Alle Apostel irgendwo an den hohen Fenstergläsern, noch mehr Heilige. Wie das wohl auf die ganzen asiatischen Reisegruppen wirkt? Ich erkunde die Kathedrale für mich alleine, meine Begleitung kommt erste gegen Ende mit dazu.
Wieder draußen, der nächste romanische Sakralbau, ganz interessante Deckenfresken. Noch viel interessanter wird es in der kleinen „Handwerkergasse“, man merkt es, die deutsche Sprache ist hier nicht fremd, das war alles mal irgendwie Österreich-Ungarn, ein Viel-Völker-Gemisch. Winzige Häuschen, mit winzigen Zimmern hübsch eingerichtet. Wir verlaufen hier so viel Zeit, es kommen immer mehr Besuchermassen hinzu. Spät nach Mittag, wieder hinaus, auf die Burganlage, weitere Panoramablicke … endlich Zeit für Sonnencreme für mich, und wieder hinunter zur Altstadt diesseits der Moldau. Wir nehmen den langen Weg über die Kopfsteinpflasterstraßen.
Mittagessen irgendwo in einer Pizzeria mit Balkonterrasse … es war für einen Moment so schön ruhig, bis eine spanische Großfamilie mit Kind und Kegel die Pizzeria in Beschlag genommen hatte. Früher Nachmittag, auch draußen wird es unangenehm voll.
Das kleine Kunstkaffee unten nicht unweit dem Eingang zur Brücke, alles, was die Touristen nicht sehen können, auch wenn es nur wenige Meter auf einem Innenhof verborgen liegt, ist nahezu leer! Winzige Ruheoasen. Veganer Kuchen und schaumig aufgeschlagener, grüner Matcha-Tee. Jeder Innenhof mit Schatten ist bei diesem sonnigen Frühlingswetter aber auch arschkalt. Ich trage durchgehend meinen Wollmantel, die kleine, schwarze Handtasche hält mit ihrem Gurt alles zusammen.
Wieder zurück auf die Brücke, zurück auf die andere Seite von Prag, die mit der Altstadt, den Hotels, den imposanten Jugendstilgebäuden. Hinwärts sind mir schon ein paar Art-déco-Säulen aufgefallen, die Paläste der Banken, die Paläste der Hotels, mit Restaurants, Cafés und Tanzkellern. Diese Stadt ist es wert, ein zweites Mal besucht zu werden, mit einer Tour durch all die architektonischen Juwelen des frühen zwanzigsten Jahrhunderts. Eine weitere Einkaufstour, Kosmetik und Accessoires … entweder dieser späte Nachmittag oder den zuvor, meine Handtasche ist von Coccinelle – die erste hatte ich in Rom gekauft, die zweite in Florenz. Der kleine Laden hier in Prag, nur durch Zufall daran vorbeigelaufen, ich kann dem Markennamen nicht widerstehen. „Lass uns reingehen …“ Das kleine, flache Portemonnaie, das optisch perfekt zu meiner Handtasche passt, das muss es sein. Das Kaufhaus in Leipzig hat die auch, immer wieder schlich ich daran vorbei … Kaufe ich sie mir? Hier in dem Laden muss es passieren, ich habe meine Prepaid-Kreditkarte mit 250 Euro aufgeladen, ich tippe meine Geheimnummer in das Bezahlterminal an der Kasse. Endlich eine kleine Kartentasche, für die Innentasche, damit die Bank- und Kreditkarten nicht so unsortiert umher purzeln (tatsächlich gibt es auf Arbeit eine Kollegin, die auch eine Vorliebe für Taschen von Coccinelle hat, ich muss mit ihr konkurrieren und deshalb ein halbes Vermögen dafür ausgeben). Weiter draußen in der beginnenden Dämmerung, die nächsten Läden … für die Strickjacke im dreistelligen Preissegment war von Anfang an nicht genug Geld auf der Kreditkarte angelegt … das mit dem „Aufladen“ soll mich auch gewollt vor weiteren „Spontankäufen“ schützen.
Wieder zurück im Hotel, der Sonnenuntergang auf der Dachterrasse. Wohin dann später? Ausgehen? Eher nicht, das ist doch die letzte Nacht und morgen elf Uhr ist schon Check-out. Vielleicht einfach nur ein Bistro oder einen Döner-Kebab suchen und eine Kleinigkeit essen. Kurz nach 19 Uhr, wieder draußen, die Allee hinauf zum Wenzel – dann wieder hinab, Umdrehen, den gleichen Weg auf der anderen Straßenseite zurück … selbes wiederholt sich. Wir laufen gefühlt mehrere Kilometer, nach dem ganzen Tagesmarsch. Wir wollen keine neumodischen Fast-Food-Restaurantketten, keine Selbstbestell- und Bezahlterminals, die gerade mal nur einen Schlitz für eine Plastekarte haben. Wir wollen einfach nur mit unseren Münzen über einen Tresen greifen und ein Brot oder Sandwich in einer Papiertüte in Empfang nehmen. Hier vollkommen unmöglich. Zu jugendlich, zu modern. Irgendwo in einer Seitenstraße ist noch ein vietnamesisches Bistro, in dem wir mit unserer verschrobenen, altmodischen Art nicht auf ein Befremden stoßen.
Weiter dann wieder zurück den späten Abend auf das Hotelzimmer. Diesen Tag habe ich nur vegan und vegetarisch gegessen, meinem Körper eine Pause geben.
Der nächste Tag, der Sonntag. Der Abreisetag. Wir hätten noch etwas unternehmen können, wir hätten noch einmal eine Tour durch die Prager Altstadt machen können, stattdessen nur ein weiteres, üppiges Frühstück (muss für den ganzen Tag reichen) und Entspannen auf der Sonnenseite der Dachterrasse … die da drüben hatten den letzten Nachmittag noch einen Jacuzzi. Check-out ist dann ganz knapp vor elf Uhr. Nichts im Zimmer vergessen, alles was ich die zwei Tage mit An- und Abreise brauchte, befindet sich in meiner kleinen Sporttasche, die in dem fetzigen, olivgrün-orangen Camouflage-Muster.
Den Weg zurück zum Hauptbahnhof, wenigstens den will ich mir noch einmal ansehen. Auf der Hinreise habe ich mit einem Blick nach oben auf der Rolltreppe schon gesehen, dieser Bahnhof hat auch einen sehenswerten, historischen Teil im Jugendstil. Das ganze Untergeschoss, frequentiert von den Massen an Reisenden dieser Zeit, kam erst viel später dazu. Oben die alten Wartehallen, mit Blick durch die Fenster auf die einfahrenden Züge und Bahnsteige, ein nettes Café, etwas teuer, die winzige Tasse Cappuccino, aber um die Zeit, auf den Zug zurück nach Dresden (und das Elbsandsteingebirge) um halb eins den Sonntagmittag zu warten, schon OK. Große Wartehallen mit viel Dekor … so wie der in Leipzig, selbe Epoche, ähnlicher Stil. Stunden später, den Abend, wieder zurück.
[25.11.24 / 20:25]✎ Zurück in Frankfurt, ein ebenso furchtbarer Rück- wie auch Hinflug – mindestens fünf Krabbelkinder auf diesen zwölf Stunden langen Flug und eines plärrt immer irgendwo, das eine in der Reihe schräg vor mir, war noch mit das ruhigste. Noise Cancelling Kopfhörer und der zweite Teil des Wüstenplaneten im Bordprogramm.
Der letzte Tag vor meiner Abreise in dem Hotel in Patong auf Phuket in Thailand. Was mache ich mit meinem letzten Tag? Nichts … Nach dem Frühstück, mein Weg durch den Dschungelpfad, auf der Suche nach einer schattigen Sitzmöglichkeit (die Baumhäuser). Danach zurück auf das Zimmer und Wechsel in meinen schwarzen Badezweiteiler … wieder zurück zu meinem kleinen „Privatstrand“, selten badet hier jemand von den anderen Hotelgästen.
Früher Nachmittag, der Wechsel von Ebbe auf Flut. Ich bin noch etwas den Strand entlanggegangen, die Sonnencreme einwirken lassen, der Himmel sieht dunkel bewölkt aus. Wenigstens den einen Tag will ich noch einmal im Meer schwimmen. Doofe, spitze Steine, es ist so windig, die Wellen, ich kann den Grund gar nicht sehen, nur ertasten.
Auch hier wieder, wenig später, zurück auf das Zimmer. Badesachen durchspülen, auf dem Balkon aufhängen, eine Dusche nehmen. Kurz vor fünf Uhr den Sonntag Nachmittag bin ich schon wieder bei dem Hotelrestaurant für das Frühstück und der großen Meeresterrasse. Ich will einen Fünf-Uhr-Tee trinken und dabei auf die Bucht hinaus gucken. Eine „Oligarchen-Yacht“ liegt diesmal vor Anker, wo sonst das Kreuzfahrtschiff stand. Zu interessant, Jet-Skis brettern ständig daran vorbei. Mein Sonntagsdress für die Tageszeit: was noch mit im Koffer war und als letztes übrig geblieben ist, mein olivgrünes Spaghettiträgerkleid und das weiße Häkeltop.
In der Lobby an der Rezeption alle meine offenen Rechnungen bezahlen. Zurück im Zimmer, den Koffer wieder packen, alles im Zimmer sammeln und auf das große, weiße Bett werfen. Abholzeit für den Transfer zum Flughafen morgen früh ist um sechs Uhr, mindestens auf gegen fünf Uhr müsste ich den Wecker stellen. Ein paar Stunden ausreichender Schlaf – oder mache ich durch? Ich probiere den Abenddress an: was ich noch nicht anhatte, das bislang ungetragene, schwarze Häkeltop aus Ibiza und meine kurze, olivgrüne Hose in Tarnfarben. In der Kombination sehe ich aus, wie so viele Touristen hier.
Gegen acht Uhr den Abend, wieder hinaus zu der Amüsiermeile. Ich habe noch 1000 Baht in bar und möchte diese noch irgendwo loswerden. Ich gehe mal etwas weiter den Strand und die Uferpromenade entlang und treffe auf eines dieser Restaurants mit Dachterrasse. Ein gutes Restaurant, ich glaube, es wurde auch so im Reiseführer erwähnt. Eine authentische Thai-Suppe und als zweiter Gang, gebratener Reis, serviert in einer Ananas.
Die 1000 Baht schrumpfen schnell weg, mit dem Rest kann ich irgendwo ein paar Drinks bestellen. Ich lasse mich treiben, ein paar dieser Läden mit gefälschten Markenprodukten (ich kaufe nichts) und diese Schießbuden an jeder Ecke, belächelnd mustere ich die halb- und vollautomatischen Gewehre, Repliken, nur Feder und Gas, befüllt mit winzigen Plastekügelchen, schießbar auf eine Scheibe in zwei Meter Entfernung. Ich war Soldatin, ich bin an ganz andere Kaliber ausgebildet.
Weiter die Straße entlang, an den vollen Bars vorbei. Überall leicht bekleidete Mädels auf Tischen, an Stangen. Sie sollen als Eye-Catcher die männliche Kundschaft in die Bars locken. Ich werde eher in Ruhe gelassen.
Am hinteren Ende der Bangla Road finde ich endlich einen Musikclub mit Livemusik, der mir gefällt. Siebziger-, Achtziger-, Neunziger-Jahre Rock … mit ein ebenso passendes Publikum. Leider keine alkoholfreien Cocktails auf der Menükarte. Die Band Thais, sie spielen auch Cover-Songs auf Russisch? Nicht wenige Gäste freut das.
Die Zeit vergeht, ich habe auch gar kein so richtiges Zeitgefühl, nur das Gewissen, dass ich vielleicht doch irgendwann auch wieder zurück in das Hotelzimmer gehen sollte. Weit komme ich nicht, auf halber Strecke zwischen meinem Hotel und der Bangla Road bleibe ich an ein paar Strandbars an einer Ecke einer Kreuzung hängen. Eigentlich wollte ich nur eine Toilette suchen, bleibe dann aber doch für einen Drink an der Bar. Auch hier wieder, nur Softdrinks, keine alkoholfreien Cocktails.
Auf das Würfelspiel lasse ich mich nicht ein, beobachte aber die anderen angetrunkenen Gäste, die gegen die Bardame antreten … das Haus gewinnt immer.
Diese Bar ist so eine richtige Absacker-Bar, ältere, angetrunkene, meist männliche Kundschaft, die sich erst gegen halb zwei Uhr nachts so langsam verabschiedet, einheimische „Expats“, oder doch nur Langzeit-Touristen?
Jetzt will ich aber wirklich endlich gehen, bevor ich hier so wie diese Gestalten an der Bar ende. Wenigstens noch zwei oder drei Stunden im Hotel schlafen, bevor es den Morgen wieder zurück geht. Hätte mich nicht ein Feuerwerk um fünf Uhr morgens aufgeweckt, ich hätte die Abfahrt und den Check-out in dem bequemen Bett und in dem Hotelzimmer komplett verschlafen.
Zurück in das Land, in dem die Sonne keinen Schatten wirft.
[24.11.24 / 12:41]✎ Der Morgen, eigentlich später Vormittag, meines letzten kompletten Tages vor meiner Abreise. Eigentlich weht der Wind vom Landesinnere, eine stete Brise umgibt mich, als ich wieder am äußersten Ende der Seebrücke stehe. Vor mir liegt Patong. Die andere Seite links hinter mir, die Nachbarbucht, „Tingel-Tangel-Beach“, oder so ähnlich. Bis auf den etwas helleren Sand ist dieser Strand auch nicht so viel besser, als die kleine Privat-Ecke von meinem Viereinhalb-Sterne-Resort. Die Wellen drücken vom Strand weg, Langheckboote liegen nicht vor Anker, ich brauche auch diesen Tag niemand zu fragen, ob ich mal einen anderen Strand anfahren kann. Kurz vorher … spätes Frühstück gegen 10 Uhr, ich habe fast gar keinen Sitzplatz mehr bekommen.
Einen Tag und eine Nacht zurück, im Hotel entspannen. Beim Frühstück sehe ich schon, das große Kreuzfahrtschiff liegt wieder vor Anker. Ausgehen oder in die Stadt gehen, muss nicht sein. Eine schattige Stelle finden, irgendwo im Hotel eine Sitzgelegenheit, meistens der Bereich unterhalb der Lobby, das Hauptgebäude des Hotels mit der mehrgeschossigen, großen Terrasse. Einen Eistee bestellen, meine Reisenotizen in das kleine Buch kritzeln.
Den frühen Nachmittag, das Wetter ist dunkel bewölkt, gut für den schwarzen Bikini. Ich gehe runter zu dem Hotelpool (es gibt hier mindestens zwei), die schattigste Ecke hinter der Mauer, das große Hotelgebäude, ein Sonnenschirm über der Liege und die Sonnencreme auf meinen gesamten Körper. War es zuerst die kleine Runde im Pool ungeschützt (bei dunklen Wolken), Stunden später sehe ich wieder, wo ich mich alles rot-braun verbrannt habe.
Ich gehe den Nachmittag noch einmal die kleine Hotelanlage ab, mein Zimmer war noch immer nicht gemacht, den Bikini behalte ich an. Es ist Flut, der kleine Strandabschnitt ist nur ein schmaler Streifen, eigentlich ideal, um bei dem ansonsten steinigen Untergrund, etwas zu schwimmen, aber ich traue mich nicht, vielleicht will ich meinen Bikini nicht wieder nass machen, vielleicht will ich auch nicht die Sonnencreme wegwischen (die eigentlich schon längst zerlaufen ist). Vielleicht gehe ich auch einfach nicht bei Flut ins Wasser.
Mit den umspülten Füßen im Sand, mir fallen die kleinen Krabbeltiere auf – Muschelschalen die sich auf dem Sand bewegen, kleine Krebse! Zu interessiert, versuche ich ich ein kleines Foto von ihnen zu machen. Die nicht zu sehende Sonne geht langsam unter, für eine Dusche zurück auf mein Hotelzimmer, jetzt ist es auch wieder gereinigt worden, Bett gemacht, gefaltete Handtücher. Die Vorbereitungen für die bevorstehende Nacht.
Das Duschbad mit dem Parfüm. Schwarzer Kajal, dezenter als dezent. Der Nachtdress, der Blümchenrock und das schwarze, sehr Ausschnitt-betonte, Top, wie die Nacht zuvor. Den kleinen Regenschauer warte ich ab, erst draußen sehe ich die Tropfen auf den Autos.
Das erste Restaurant, das ich auf den Weg runter nach Patong finde, wähle ich für mein Abendessen. Der Preis für die gebratenen Nudeln ist etwa doppelt so teuer, aber dafür erwarte ich auch die doppelte Portion (nicht die kleinen Tellerchen sonst). Das große Kreuzfahrtschiff hinten am Horizont lichtet die Anker und dreht ab, wenig später, wenn ich wieder barfuß den Strand entlang laufe, sehe ich ein Feuerwerk … vielleicht vom Schiff.
Die Bangla Road entlang, mein Ziel ist wieder die Soi Paradise – das Gate der Walking Street passieren und dann wieder links – es gibt zwei identische Tiger-Bars hier! Die andere mit der genauso auffälligen Deko ist nur eine Parallelstraße weiter.
Blick in die Gasse mit der Zufahrt zum Paradise Complex – noch nichts los? Ein Sea-Food-Bistro entlang der stark befahrenen Straße direkt gegenüber, bestelle ich einfach noch ein paar Garnelen oder Krebse in einem frittierten Knuspermantel. Nicht die Menschen angucken! Der am Tisch vor mir, Typ englischer Fußball-Hooligan, fühlt sich schon ganz unwohl, dabei fällt mein Blick doch nur auf die Wasserbassins neben ihm, mit den noch lebenden Langusten, Krebsen und anderen Schalentieren.
Die paar 150 Baht extra bezahlen, rüber auf die andere Straßenseite mit der Gasse für die Bars mit den vielen, bunten Regenbogenfahnen – ein komplett anderes Bild! Es ist Sonnabend und nach 22 Uhr, es sind Gäste gekommen. Die große Bar hat ihre Tische und Stühle entlang der Gasse verteilt, jede Stunde wird eine Drag- und Cabaret-Show angeboten. Ich nehme auf einem Barhocker Platz und bestelle meine erste Cola. Ein aufregendes Bild, Drag Queens stolzieren die Straße entlang und performen zu der Musik, seitlich flankiert von vorbeifahrenden Motorrollern und den männlichen Tänzern. Atemberaubende, aufwendige Kostüme, alles ohne Eintritt und doch irgendwie professionell, viel besser als irgendwelche Shows hier in irgendwelchen Theatern.
Die gut besuchten Performances gehen bis Mitternacht, dann werden die Gäste draußen gebeten, ins Innere des Nachtclubs zu wechseln (es ist eine bewohnte Gegend, mehrere Hotels). Drinnen geht die Bühnenshow noch weiter, ein weiteres Glas und eine Flasche Soda wird mir vom Kellner gebracht, die Bartische sind mit nach innen gewandert. Internationales Publikum, internationale Künstlerinnen? Die eine Drag Queen (oder schon weit mehr) performt ihre Lip-Sync-Gesangseinlage auf Russisch, zur Freude einiger Gäste (dieses restriktiver gewordenen Landes).
Allzu lange wollte ich aber doch nicht bleiben. Eine weitere Flasche Soda. Drinnen auf der (gemischten) Toilette steht einer und fängt an mir eine Thai-Massage an, ich lehne nicht ab … alle meine Gelenke werden gerade „gebrochen“, ein lautes Knacken. Die Plasteschüssel mit der Aufschrift „Tip“ bekommt einen Hunderter mehr, „für ein Getränk.“
Halb zwei Uhr nachts, über die Bangla Road wieder zurück. Einige der Thai-Damen fallen mir auf, sie stehen einfach nur am Rand, werden manchmal von westlichen, jungen, männlichen Touristen angesprochen. Ich kann sie nicht einordnen, mein „Radar“ versagt hier.
Die kleine Lederhandtasche in der linken Hand am Griff, der aufrecht stolzierende Gang (die Massage), ich bewege mich genauso wie die Ladys. Wie lange kann ich das durchhalten? Noch eine halbe Stunde, die ganze Uferpromenade bis rauf zu meinem Hotel, sogar bis zum Schluss, wo schon fast gar keine Menschen mehr sind, nur vorbeifahrende, mir ein Angebot machende, Motorroller-Taxis.
Ich schmeiße meinen Job hin und werde Drag Queen in Patong.
[23.11.24 / 11:33]✎ Es wird schwierig, noch eine ruhige Stelle zu finden. Die letzten Tage muss ein ganzer Schwung asiatischer Urlauber gekommen sein. Das Frühstücksbuffet passt sich an, indisch und chinesisch. Sogar auf meinem Dschungelpfad bin ich nicht mehr allein.
Den Tag zuvor, frühes Frühstück, Thai (was mit Reis). Abfahrt für meine Halbtagstour ist schon um 8:30 Uhr. Entspannt warte ich am Hoteleingang, die Leute hier wissen Bescheid, falls jemand nach meinem Namen fragt, ich sitze hier. Tagesprogramm: die Tempel-Tour und Phuket Town. Für ersteres habe ich mein Tages-Outfit entsprechend gewählt, der lange, grüne Rock und die weiße Tunika – Schultern und Knie bedeckend.
Der Minibusfahrer ist auch der Tour-Guide, außer mir haben sich nur zwei ältere Frauen aus Kasachstan für die Tour gefunden … wahrscheinlich war ich die einzigste Person für die abgesagte Nachmittagsvariante. Schön für den Fahrer, um diese frühen Morgenstunden sind die Straßen Phukets und Patong fast schon frei.
Südkap, Phuket / November 2024 / Alter 43
Erster Stopp, ein Aussichtspunkt im südlichen Teil der Insel mit Ausblick auf das blaue Meer. Bei Sonnenuntergang soll das hier atemberaubend sein.
Die Fahrt geht weiter, der Wat Chalong Tempelkomplex. Ein paar gar nicht so alte, buddhistische Tempelbauten auf einem kleinen Areal. Die vom Fahrer / Guide veranschlagte Rückkehrzeit zum Bus ist eigentlich viel zu kurz, alle Gebäude kann ich gar nicht sehen. Ich mache so viele Fotos, wie möglich. Die Straße zu dem großen, weißen Buddha auf dem Berg ist gesperrt, dieser eigentliche Besichtigungspunkt auf dieser Tour entfällt, ein Foto mit dem weit aufgedrehten „Teleobjektiv“ auf die Bergkette am Horizont gerichtet, muss genügen.
Ich weiß nicht, ob das die „Cousins“ vom Fahrer sind, aber der Besuch des Perlen-Fabrikverkaufsladens stand meines Wissens so nicht auf dem Programm. Kurze Einführung, wie Perlen auf eine Form gezüchtet werden … für den weiteren Verkauf bei der Auslage mit den Vitrinen steht mir eine Null zu viel auf dem Preisetikett. Ich hatte es vor meiner Reise in Erwägung gezogen, zusätzlich zu meiner (geerbten) Perlenkette noch eine kleine Kette für das Handgelenk mitzukaufen … hätte ich nicht den Abend zuvor eine riesige Summe in mein neues Fußkettchen investiert. Mein Geld reicht gerade mal noch so für ein paar Magneten am Souvenierständer. Turtle and Elephant. Draußen vor dem Shop kommt schon der nächste, große Reisebus.
Nächster Stopp: ein chinesischer Tempel um die Mittagssonne. Das Ufer des blauen Meers um Phuket-Stadt ist ganz reizvoll, der dekorierte, chinesische Buddha-Tempel ist fast menschenleer. „Shoes! Shoes!“ Die eine Tempelwächterin ruft ganz aufgeregt, ich war irritiert, dass hier keine Schuhe überall herumliegen, dachte schon, dass das in China vielleicht anders ist und dass ich meine Flip-Flops anbehalten kann? Nein, ist es nicht.
Weiter den frühen Nachmittag nach Phuket-Stadt, die Altstadt. Das Wetter ist nicht so sonnig, mal sind es dunkle Wolken, mal bricht die Sonne heraus. Mein Strohhut reicht … nur meine Nase hätte ich eincremen sollen.
Die Altstadt mit den paar historischen Gebäuden im chinesisch-portugiesischen Stil ist noch nicht so überlaufen … viele chinesische Touristen. Der Guide parkt seinen Bus und lässt die Dreiergruppe allein laufen. Ohne Plan und Ortskenntnis erreiche ich gerade mal so die eine Straße, die vielleicht sehenswert ist. Viele Souveniergeschäfte und ein paar Bistros. Ich mache nur Fotos von der Architektur, was mir auffällt, europäisch-antik, ein alter Mercedes bildet ein schönes Fotomotiv … nicht übersehbar für junge, chinesische Insta-Models.
Zurück zum Bus, ich bin klischeehaft auf die Minute pünktlich, die beiden Damen aus dem fernen Osten nehmen sich ihre (Urlaubs-)Zeit. Zurück zu meinem Ausstiegspunkt zu meinem Hotel, der Verkehr nach Patong rein nimmt zunehmend zu.
Den Nachmittag verbringe ich vor der Sonne geschützt im Hotelzimmer. Die Belegschaft des Hotels war so nett, mir ein Schokoladenkuchen mit Geburtstagskerzen, zum selber Anzünden, vorbeizubringen. Ich öffne die Zimmertür und der Kuchen steht da. Weiter auf dem Balkon …
Den Nachmittag gibt es ein Angebot an japanischen Matcha- und Sencha-Tees unten an der Bar bei der Lobby. Leider war mir der an den Bartisch gebrachte, grüne Tee viel zu bitter, ich hätte ihn nicht so aufgebrüht (auch wenn die Zubereitung auf den ersten Moment ganz passend aussah, Schale befeuchten, Teepulver einsieben, mit heißen oder warmen Wasser aufgießen, mit dem Bambuspinsel aufschlagen). Zurück auf das Zimmer.
Der Tag ist noch nicht zu Ende, es beginnt noch die Nacht. Eine Dusche nehmen, das Parfümduschbad, die Kleider wählen, der schwarz-weiße Blümchenrock und das kurze, schwarze Top, das komplette Ensemble an Silberschmuck anlegen, Ringe, Armreif, Fußkettchen und Halskette. Ich gehe die Nacht / den Abend wieder aus. Dezenter, leichter, schwarzer Kajal vor dem Badezimmerspiegel im Hotel. Es ist schon um halb acht Uhr den Abend geworden, ich greife meine kleine, schwarze Lederhandtasche, die aus Italien.
Zu Fuß die Straße runter zur Bangla Road – von der See aus ist ein kühlender Wind aufgezogen. Weiter hinter der belebten Straße finde ich ein ruhiges, indisch-thailändisches Bistro, wie eines von vielen hier. Die kleine Portion für 100 Baht ist ausreichend für den Tag. Mein Wunsch bei der Bestellung, wieder thailändisch scharf … „Medium spicy?“
Weiter die Bangla Road hinauf, ich muss noch zur Soi Freedom – die Gasse mit den Bars, wo es eine Drag-Show oder ein Cabaret gibt. Hier erhoffe ich wieder, ein paar der wirklich schönen Lady Boys zu erblicken.
Die kleine Bühne am hintersten Ende dieser von der Bangla Road abzweigenden, überdachten Gasse erreiche ich schon gar nicht mehr, ich werde schon vorher vorsichtig am Arm gegriffen und in eine Bar gezogen. Warum nicht? Ich bestelle meine erste Dose Cola (die alkoholfreie Alternative), setze mich auf den Barhocker mit Blick auf die Bühne keine zehn Meter vor mir und der Cabaret-Show … wirklich bezaubernde Kostüme, mal in Weiß und Feder, mal in Glitzer.
Ein paar der Bardamen fallen in mein Raster, sie könnten so sein wie ich … sah ich auch mal so hübsch aus mit Anfang Zwanzig? Hätte das auch aus mir werden können? Die zweite Dose Cola, ich drehe mich auf meinen Barhocker Richtung Gang, möglichst aufreizend wirken, abwechselnd lächeln, dann wieder gekonnt gelangweilt und teilnahmslos in meinem Glas mit dem Strohhalm in den Eiswürfeln herumstochern.
Die nächste Cabaret-Show warte ich nicht mehr ab. Ortswechsel. Draußen auf der belebten Straße werde ich auf meinen silbernen Ganesha-Anhänger angesprochen. Eigentlich wirbt er hier für Gäste für die arabische Bar, aber der nette Mann kommt aus Indien und empfiehlt mir den Nachtclub dort hinten mit der indischen Musik. Die Betreiber von der arabischen Bar sind vielleicht nicht ganz so amüsiert.
Der indische Nachtclub, die Treppe hoch in den Tanztempel. Viele Tische und Barhocker, nicht überraschend, viele junge Party-Gäste aus Indien. Ich bestelle meinen ersten Frucht-Shake und setze mich auch auf so einen Barhocker. Den Blick auf die Bühne und die kleine Tanzfläche. Der DJ hat sein Pult dort oben. Eine Glitzerkugel und riesige LED-Flächen für die Visuals. Laut wummernde Bässe, die Menge tanzt. Ich wünschte, ich könnte auch wippend von meinen Barhocker runter und in der Menge mittanzen, aber ich fürchte, meine Moves – der „Starring-to-the-ground-Two-Step“ wäre hier etwas unpassend.
Eine zweite Flasche Soda und ein Glas, herumlaufen, die Toiletten besuchen, näher an die Tanzfläche. Die Männer mit dem Schriftzug „Guards“ auf dem Rücken fallen mir auf, sind sie mit ihren grünen Laserpointern nur Tischzuweiser, oder passen sie auf, dass hier alles gesittet und ordentlich abläuft, keine der weiblichen Nachtclubgäste von den fröhlich angetrunkenen, jungen Männern unangenehm berührt werden? Ich alleine, steht immer so ein Aufpasser neben mir (zu meinem eigenen Schutz).
Die Bangla Road in Patong um ein Uhr nachts, nach Freitag Abend und immer noch voll. Ich werde müde und will zurück in mein Hotel, wenigstens noch ein paar Stunden Schlaf bis zum späten Frühstück um zehn Uhr den Sonnabend Vormittag. Meine Handtasche so wie sie ist in dem Zimmer auf den Schreibtisch abstellen, noch etwas Aloe im Bad, Top, Tunika und Rock auf den Bügel (oder Hocker), zwei Uhr nachts ins Bett fallen. Die Klimaanlage surrt seit einer Woche ununterbrochen.
Ich würde den nächsten Tag gerne mit einem Long-Tail-Boat zum Freedom Beach gleich um die Ecke … Leider ist der Wellengang zu hoch und die beiden Skipper bei der Anlegestelle neben dem Hotelrestaurant mit der Frühstücksterrasse verneinen meine Frage, ob es möglich ist, da heute hinzukommen. Es soll einen Dschungelpfad geben, aber der ist sehr schwer (zu gehen oder zu finden).
Von den Ladys in den Bars werde ich eigentlich in Ruhe gelassen … sie betrachten mich als eine von ihnen?
[22.11.24 / 17:16]✎ Den Tag zuvor, Frühstück spät und wieder europäisch. Tagesdress: meine indisch, orientalische Tunika, als Kleid. Beim Frühstück sehe ich viele, solcher komplett in schwarz verschleierten Frauen. Dieses Hotel ist auch in der arabischen Welt beliebt (nicht nur Asien, Europa und USA).
Nach dem Frühstück, meinen Kaffee am Strand, wo mein Kaffeebecher schon alles war … vielleicht sollte ich wirklich mal so ein Soziales-Netzwerk-Profil anlegen, folge meinem Kaffeebecher.
Danach, mein Spaziergang durch den Dschungelpfad am Ufer entlang, Orchideen in den Bäumen fotografieren.
Kurz zurück auf das Zimmer, der Reinigungsservice war immer noch nicht durch, das große Doppelbett (eigentlich nur ein großes Bett) ist immer noch so, wie ich es hinterlassen habe. Ich nehme mein Smartphone und gehe rüber in die Lobby mit dem WLAN-Empfang. Ein wenig im Internet surfen.
Ich muss den Tag vorher (den noch vorher) eine Straße zu spät abgebogen sein, das war zwar die Straße, die der Minibus gefahren ist, aber eigentlich nicht die Straße, in die ich wollte. Ich plane meine nächste Einkaufstour, ohne mein silbernes Fußkettchen fühle ich mich nackt. Auf den Weg zurück zur Bangla Road und dem Amüsierviertel werde ich an einigen Juwelierläden vorbeikommen. Im Hotel habe ich noch Internet, ich präge mir die Karte gut ein. Der Himmel ist grau dunkel, es könnte regnen – ideales Einkaufswetter für eine Nachmittagstour durch Patong.
Ich gehe los, das Hotel verlassen, die Brücke runter zur Strandpromenade. Gleich die erste Boutique … leider nicht genau das, was ich suche. Der Ersatz für mein verlorenes Fußkettchen muss nahezu identisch aussehen, vielleicht sogar noch besser. Ich habe eine genaue Vorstellung: ein kleines Silberkettchen, mit kleinen, runden Scheiben als Anhänger und so eine Bommel, oder angedeutetes, silbernes Glöckchen neben dem Verschluss … zu genau, um so etwas hier zu finden? Weiter den Weg Richtung Einkaufszone.
Es muss ein Juweliergeschäft sein, ich weiß nicht, ob ich den Ständen bei den „fliegenden Händlern“, wie an jeder Straßenecke, trauen kann. Die Karte im Internet hat mir genau angezeigt, wo ich solche teuren Geschäfte finden kann. Der erste, große Juwelier vor dem markanten Hochhaus in Patong.
Ich betrete das Geschäft, deute der Verkäuferin auf meinen Fußknöchel. Sie geleitet mich zu einer Vitrine mit den silbernen Fußkettchen und holt ein Bündel hervor. Mein Wunsch, sie auf ein Stück weißes Papier zu legen, um sie genauer zu betrachten. Eine fällt mir auf … sie ist exakt genau so, wie ich sie beschrieben habe, genau, wie in meiner Vorstellung. Die kleinen, runden Plättchen, die „Bommel“, ein Karabinerverschluss – nicht die Haken. Sie probiert sie mir um den Fußknöchel, sie ist leider zu eng. Die Verkäuferin bietet mir an, sie um ein kleines Kettenstück zu verlängern und sie exakt so zu gestalten, wie ich sie mir vorstelle. Ich kann sie dann später den Abend abholen. „2000 Baht, letzter Preis.“ Puh … das sind um die fünfzig Euro, das Kettchen ist damit doppelt so teuer, wie mein verlorengegangenes. So viel wollte ich gar nicht ausgeben, ich bezweifle, ob die überhaupt so viel wert ist – aber sie sieht genauso aus, wie ich sie mir wünsche! Ich rechtfertige meinen Kaufentschluss damit, dass das die Strafe ist, dass ich nicht besser auf mein anderes Fußkettchen aufgepasst habe, dass das ja auch das extra Geld ist, für die eine Stunde Arbeitszeit, um die Kette nach meinen Wünschen anzupassen, zu verlängern. Ein Viertel des Kaufpreises hinterlasse ich als Anzahlung, mehr habe ich momentan nicht in der Tasche. Dann bis 20 Uhr den Abend.
Weiter über die Bangla Road zu dem anderen Einkaufszentrum in Patong. Ich streife an den weißen Kleidern vorbei, nichts, was mir auf den ersten Blick gefällt. Die Unterwäscheabteilung, weiße Unterkleider, nur Kunstfasergewebe. Die Sneakers, die ich schon habe. Die vielen Schmuckauslagen, ich vergleiche sie mit meinem Armreif am linken Handgelenk, nichts, was wirklich dazu passt, kein zweiter Armreif für die rechte Seite. Ich verbringe hier so viel Zeit mit Angucken, eine Verkäuferin weicht mir schon nicht mehr von der Seite … ich bin mir nicht sicher, ob sie nicht eher neben mir steht, um aufzupassen, dass ich nichts klaue. Eigentlich habe ich auch gar kein Geld mehr.
Viele Luxusmarken, einige, von denen ich schon Kleider habe, einige, die mir unbekannt sind. Ein schwarzes Kleid aus Seide fällt mir auf, ich rechne den Preis im Kopf um, es muss so um die 590 Euro kosten … nur ein Zehntel des Kleides, das ich mal vor vielen Jahren zwischen West Hollywood und Beverly Hills in Los Angeles gesehen habe (unglaublich, dass ich da mal als „Hartz-4-Empfängerin“ bei Armani Exchange einkaufen gegangen bin).
Wieder raus aus dem Einkaufszentrum, als ich es betreten habe, fing es leicht an zu regnen. Jetzt regnet es immer noch, aber nur ganz wenig. Den langen Weg über den Strand zurück zum Hotel. Den Weg einprägen, hier werde ich nachher im Dunkeln wieder entlanglaufen. Gedankenversunken – ein Jet-Ski brettert vor mir an den Strand. „Vorsicht Madame!“
Als es dunkel geworden ist, gehe ich wieder los. Ich habe eine Nachricht auf mein Telefon bekommen, dass die Tour für morgen auf den frühen Vormittag verschoben worden ist, weil sich zu wenige Teilnehmer für die Nachmittagstour gefunden haben. Wieder nichts mit Ausgehen … und die Nächte in den Bars durchfeiern.
In der ersten Wechselstube wieder ein paar Euroscheine in die thailändische Währung wechseln … der Kurs verändert sich von Tag zu Tag, wird besser (oder auch andersherum). Das Juweliergeschäft erreiche ich schon gegen 19 Uhr, wenn meine Kette noch nicht fertig ist, gehe ich eben irgendwo noch etwas essen. Ich werde immer besser mit den Straßenüberquerungen, eine ausreichend große Lücke abwarten, langsam gehen, nicht die Motorroller erschrecken.
Meine Kette ist fertig, die Verkäuferin legt sie mir auch sogleich um das Fußgelenk. Die Kette ist etwas weiter, als meine andere. Das Schlappern der silbernen Anhänger auf meiner Haut umgibt mich mit einem Sicherheitsgefühl, dass ich die nie wieder verliere, immer weiß, dass sie noch da ist. Ich zahle die noch ausstehenden 1500 Baht und verabschiede mich von den beiden Verkäuferinnen … wieder eine,
die unglaublich viel bezahlt hat.
Weiter über die Bangla Road (hier kann ich mich nicht verirren) zu der ersten Querstraße nach dem Ausgangstor. Den Weg nach links, Richtung Paradise Complex – zu den Bars und Bistros, in denen ich schon am Anfang meiner Reise war.
Abendessen dieses Mal wirklich in dem Bistro neben dem Bistro, das der Taxifahrer empfohlen hat (es lag noch ein Bistro dazwischen). Auch dieses Thai-Food-Restaurant ist gut besucht. Die Plaketten an den Wänden zeigen an, wie sehr dieses Restaurant im Internet gute Kritiken bekommen hat. Ich bekomme einen kleinen Zettel mit einer Nummer und warte ein paar Minuten auf meinen Sitzplatz, der gerade frei geworden ist.
„Thai spicy.“ Ich betone noch einmal, dass ich meine bestellte Nudelpfanne mit Shrimps auch wirklich scharf gewürzt bekomme, ich bin keine von den anderen europäischen Touristen. Erst wenn es schon auf den Lippen brennt, ist es (leicht) scharf.
Beim Warten auf das Essen richtet sich mein Blick auf die Straße … nicht die Menschen angucken, starre sie nicht an. Das übervolle Restaurant macht es mir auch besonders schwer, in die Luft zu gucken. Während des Essens bin ich wenigstens abgelenkt. 100 Baht für dieses einfache Menü, ich staune über den Preis. Auch hier ist die Kellnerin wieder „eine von uns“.
Wieder die Straße entlang, die Einfahrt zu dem Paradise Complex suchen – der Gegend für die Bars mit den Regenbogenfahnen. Es dauert, bis ich diese Seitenstraße finde (es gibt zwei mit dem markanten Schild) – die Straße mit den Bars ist wieder leer. Wo sind die ganzen (schwulen) Partygäste? Die hier arbeitenden „Amüsier-Herren“ stürzen sich auf jeden vorbeiirrenden Tourist – so auch ich. Am Ende der kleinen Straße, wird mir an einer Bar ein Sitzplatz angeboten. Warum nicht? Mir ist klar, wo ich hier bin, dass ich mehr als nur ein Getränk für den netten Herrn da bezahlen muss und dass mir unter Umständen auch noch andere Angebote gemacht werden. Ich bestelle meinen ersten alkoholfreien Cocktail bei ihm, einen „Virgin Mojito“.
Ich unterhalte mich etwas mit ihm, er ist etwas älter, vielleicht mein Alter. Die anderen „Boys“ hier an der Bar sind jünger (um die Zwanzig, Dreißig). Die 100 Baht für das Getränk für ihn, investiert er in ein Abendessen … kluge Entscheidung. Ich komme mir etwas fremd vor, bin ich es doch die, die sonst von den Herren ein Getränk spendiert bekommt … nicht ohne weitere Absichten.
Wenig später, er bietet es mir an, für umgerechnet einen Fünfziger, eine „Massage“ von ihm, er hat da ein Zimmer, ein Bad, ein Bett. Mein Hotel ist viel zu weit entfernt – und an dem Hotel-Wachschutz kommt er nicht vorbei. Ich lehne ab, so viel Geld „habe ich nicht“. Du könntest auch umsonst mit mir Sex haben, du müsstest mir nur einen Drink bezahlen. Ich tue mich schwer mit der umgekehrten Rollenverteilung.
Nach und nach versteht er, dass mit mir nichts geht. Ich lasse ihn lieber weitere vorbeilaufende, potentielle Kunden anwerben.
Nach und nach tut sich etwas auf der leeren Straße, so langsam kommen sie doch. Und auf einmal sind sie da! Lady Boys! Sie sehen so bezaubernd schön aus, eine ganz andere Klasse, als die plumpen trans Frauen in ihren gewöhnlichen Berufen. Niederschmetternd vergleiche ich meine Bio-Latschen mit den ultrahohen, mit Glitzer überzogenen High-Heels der Damen da neben mir an dem Nachbartisch der Nachbar-Bar. Jetzt wird es hier erst richtig interessant … 22 Uhr nochwas, eigentlich wollte ich schon längst gehen, ich muss doch morgen früh raus.
Einen Drink noch, bevor ich (teilweise) über den Strand wieder zurück laufe. Ihm wünsche ich noch „Viel Glück für die Nacht“, so wie es nur eine Dame aus dem Rotlicht-Milieu tun kann.
Zum ersten Mal eine Schlange gesehen, sie lag den Abend leblos neben einem Gullideckel, sie muss vor dem Regen aus der Kanalisation geflohen sein. Du armes Tier, wer hat dir das angetan?
[20.11.24 / 22:16]✎ Orte auf meiner Liste, die ich nie wieder besuchen möchte: Bamboo Island, Phi Phi Don und Maya Bay. Der Tag fing noch ganz normal an, Wecker um sieben Uhr, Frühstück wieder thai (so Reis mit Bohnengemüse), dann warten in der Lobby auf den Fahrer vom Minibus, der die Ausflugspassagiere für den Speed-Boat-Katamaran von den Hotels abholt. Einer kam schon vorbei, aber ich stand nicht auf seiner Liste … nervös wartend, zwanzig Minuten nach um neun Uhr kommt der nächste Fahrer in die Hotellobby, diesmal ist mein Name mit dabei. Ausflugsziel: Ko Phi Phi (und weitere Inseln).
Die Fahrt Richtung Phuket Town und einer anderen Marina, geht schnell … vielleicht war das vor zwei Tagen auch ein ganz ungünstiger Tag. Die Anlegestelle für die Katamarane erreicht der kleine Bus wenig später. Die Reisegruppe wird größer, viele Amerikaner sind mit dabei.
Ein Erinnerungsfoto beim Einsteigen für später. Sicherheitsunterweisung an Bord, Life-Jackets sind nur Deko. Allen Passagieren wird ein Sitzplatz mit einer Nummer zugewiesen. Die Sitze befinden sich im Bauch des Katamarans, rechts und links die hohen Wände, vom Aufstehen während der Fahrt wird abgeraten. Der Katamaran setzt sich in Bewegung und alles was ich sehe ist nur der Steuermann drei Reihen vor mir, das große Windschild mit dem Himmel und ab und zu rechts und links die Gischt, wenn der Katamaran mit einem Tempo über die Wellen peitscht.
Erster Stopp: Bamboo Island – ungefähr eine halbe bis eine dreiviertel Stunde Aufenthalt. Der Katamaran wird an Land gezogen, die Passagiere waten über die Brandung an den Strand.
Wo bin ich hier? Die Mittagssonne knallt auf die flache Insel. Rundherum liegen unzählige Boote am Strand vor Anker, haufenweise Menschen irren über die Insel, einige baden. Ich habe meinen Bade-Zweiteiler zwar auch mit dabei, aber mir ist gerade nicht danach. Mal überlegen, so ein Katamaran hat vielleicht zehn Sitzreihen mit je sechs Plätzen, von diesen größeren Wasserfahrzeugen liegen zwanzig bis dreißig am Strand … wie viele Quadratkilometer hat dieses winzige, nur von Gestrüpp bewucherte Eiland? Noch vor der Abfahrtszeit warte ich wieder darauf, an Bord gehen zu können.
Nächster Stopp: Phi Phi Don – das Boot legt wieder am Strand an. Vor mir befindet sich eine bebaute Uferpromenade. Mittagessen mit Buffet im Restaurant. Es fängt an zu regnen … ich freue mich auf jede dunkle Wolke, nach und auch während der Fahrt, reibe ich mich schon mit viel Sonnencreme ein.
Nach dem Mittagsbuffet und einer Toilettenpause im tropischsten Urwaldklima, die Uferpromenade ablaufen. Eine enge Gasse, viele Geschäfte, Bars, Patong in klein. Viele, viele Touristen, mit Rollkoffern, ohne Rollkoffer, Tagesgäste, Hotelsuchende. Es ist hier so voll … wenn du als Urlauber Ruhe suchst, dann stell dich mitten in New York auf den Times Square – aber bloß nicht hier. Am Pier landen ständig Schiffe und spucken weitere Übernachtungstouristen aus. Es geht noch extremer …
Der Regen hat aufgehört, ich gehöre auch wieder zu den ersten Passagieren, die wieder an Bord steigen. Der Katamaran dreht die nächste Insel an. Irgendeine Felsformation mit einer Lagune.
Dort angekommen, Umsteigen auf die Langheckboote, die Passagiere werden verteilt. Laut knatternd fahren die kleinen Boote die Lagune an. Auch hier wieder mehrere große Katamarane, Motoryachten, andere Ausflugsboote und unzählige von diesen Langheckbooten. Warum diese Lagune jetzt so sehenswert ist, sehe ich nicht. Ich sehe nur Boote. Die Selfie-Kameras werden von den Besuchern gezückt. Ich nicht, das Foto mit dem Overtourism taugt nicht für's Internet.
Weiterer Stopp, der Wind hat zugenommen, die Wellen werden zu stark. Der Katamaran fährt eine geschützte Ecke an einer anderen Felsenformation an. Hier Schnorcheln mit Taucherbrille und Fische angucken. Ich halte nichts davon und ziehe nur meinen Bade-Zweiteiler über, um etwas neben dem Schiff zu schwimmen. Wie ich wieder über die Trittleiter an Bord einsteigen will, sieht sehr gefährlich aus. Nimm doch die andere Leiter am Heck, die hat wenigstens zwei Trittstufen mehr.
Nächster Halt den Nachmittag auf diesem Ausflug: wir fahren Maya Bay an. Bekannt aus dem Film mit der Insel und der Aussteigerkommune und dem einen Hollywood-Schauspieler (der erst später die guten Filme gedreht hat).
Auch hier wieder eine Vielzahl an Ausflugsbooten. Der Pier besteht nur aus wackeligen, schwimmenden Pontons. Ein Menschenstau bildet sich. Hunderte Menschen wollen auf ihr Boot, oder von ihrem Boot auf diese ebenso kleine Insel. Ein Pfad führt die Felsenschlucht hinauf, Zwei-Wege-System auf einem schmalen Holzsteg, links für die eine Richtung zum Strand, rechts wieder zurück zur Anlegestelle. Ich werde mit der ganzen Masse an Touristen durchgedrückt. Niemals zuvor habe ich so viele Menschen auf engstem Raum gesehen, nicht im Louvre, nicht am Eiffelturm, nicht in New York (Manhattan), noch nicht mal in Tokio.
Der Strand … eigentlich ist diese Insel wunderschön, die U-förmige Lage des Strandes mit den Felsen, der kleine Regenwald dahinter, wären nicht diese wirklich wahnsinnig vielen Menschen. Es gibt einen vergleichbaren Ort, das ist der Hippie-Strand auf Ibiza, aber da ist wenigstens noch etwas Atmosphäre.
Zurück auf das Boot, warten am Sammelpunkt. Der Katamaran fährt den letzten Ausflugspunkt für diesen Abend an, zurück auf dem Weg über Maiton Island – Foto vom Sonnenuntergang machen und gegrillte Spieße auf dem Oberdeck essen. Hier sind wir wieder fast allein, nur ein zweites Boot ankert noch neben uns. Die Crew des Katamarans kann wirklich nichts dafür und versucht das Beste aus der Lage zu machen. Diese Sehenswürdigkeiten zeigen wirklich das Paradebeispiel für Overtourism. Die paar Seemeilen zurück nach Phuket bleiben wir einfach auf dem Oberdeck sitzen (oder verteilt auf dem Bug) und lassen uns die salzigen Wellen ins Gesicht spritzen … den Bikini (mein Zweiteiler) habe ich ja wie alle anderen auch einfach anbehalten.
Es ist dunkel den Abend geworden, als der Katamaran wieder am Hafen anlegt. Mein obligatorisches Erinnerungsfoto vom Boarding den Vormittag abholen, den richtigen Minibus suchen und wieder zurück nach Patong. Erst mit Ortseingang und die Fahrt ins Hotel gerät der Verkehr wieder ins Stocken … der allabendliche Wahnsinn hier.
Im Hotel, ich packe meine Sachen aus … wo ist mein silbernes Fußkettchen? Ich suche die ganze Strandtasche ab, krempele sie zweimal um. Ich weiß genau, vor dem ersten Landgang habe ich sie mit all meinem ganzen anderen Silberschmuck mit in die kleine Innentasche mit Reißverschluss gesteckt – sie muss dann später beim hastigen Kramen und Suchen nach dem Haargummi für den Badestopp rausgefallen sein, den schwarzen Bade-Zweiteiler habe ich ja auch mit rausgezogen. Mist. Verloren. Ich hatte sie gerade mal drei Monate in meinem Besitz, vielleicht vor dieser Reise nur ein oder zweimal getragen. Vielleicht findet sich ja ein neuer Besitzer oder Besitzerin mit mehr Glück (solche Dinge werden immer irgendwann wiedergefunden).
Zu etwas anderem, mein Bedürfnis, hier Lady Boys zu treffen, ist viel zu sehr von westlicher Sucht nach Exotik geprägt. Es gibt hier trans Frauen so wie ich, aber die gehen ganz normalen Berufen nach, Kassiererin an der Supermarktkasse, Hotelangestellte, Reiseleiterin. Selbst ich kann mich davon nicht befreien, das Trans-Frau-sein in ein verruchtes Rotlicht-Milieu zu stellen. Dabei könnte Thailand mir zeigen, dass das auch etwas ganz normales und langweiliges sein könnte.
Dress des Tages: das grün-weiß karierte Hemdkleid als so eine Art „Bademantel“ über den schwarzen Badeanzug.
[19.11.24 / 23:58]✎Pool Time – Den Tag über nichts machen. Aufstehen um halb neun. Frühstück wieder kontinental europäisch. Nach dem Frühstück gehe ich noch einmal den Dschungelpfad ab, bis zur Seebrücke. In Gedanken versunken, eigentlich wollte ich nur Orchideen an Bäumen suchen. Eine Linie an einem großen Stein fällt mir auf, ein Begrenzungsstein zum Halten des Berghangs … ist das eine Wasserstandslinie? Sieht so aus, wie salziges Meerwasser sie hinterlässt.
So hoch muss vor zwanzig Jahren der Tsunami gewesen sein, ich blicke rüber zum anderen Ende der Bucht in dem das Hotel liegt, die da unten, in dem Gebäude in der ersten Frontlinie sind dann alle hin, mein Zimmer liegt in dem Gebäude ein paar Meter höher dahinter, in der zweiten Frontlinie. Die Zimmer in der ersten Etage haben vielleicht noch Glück und bekommen nur nasse Füße, ich darüber in der zweiten Etage bin auf jeden Fall sicher. Das Hauptkriterium, warum es dieses Hotel am Hang sein musste.
Kurz zurück auf das Zimmer, der Reinigungsservice war noch nicht durch. „Nur eine Minute.“ Ich schnappe mir mein Buch und mein Smartphone und verziehe mich in die Bar mit Sitzecken unterhalb der Lobby, Hauptsache im Gebäude und vor der Sonne geschützt, vermeintlich. Die Terrasse ist offen, das sind keine Glasfenster.
Zurück auf das Zimmer, den frühen Nachmittag mein Buch weiterlesen. Sollte ich mal den Pool benutzen? Meinen zweiten, schwarzen Bikini habe ich auch mit dabei. Anprobe, Buch mit Lesezeichen wieder zugeklappt, für den Bandeau-Bikini brauche ich noch die mitgenommenen Träger für den Neckholder. Eingefummelt, passt. Das schwarze Negligee-Jäckchen übergezogen. Brauche ich Sonnencreme? Diesiger, manchmal bewölkter Himmel, schon 16 Uhr am Nachmittag – und ich suche mir nur die schattigste Stelle am Pool für die Liege aus, die an der Wand, wo das große Hotelgebäude noch einen Schatten drauf wirft. Wenig später drehe ich meine Runden unten im Pool innerhalb eines Schattens, den ein großer Baum auf die Wasseroberfläche zeichnet. Ich wähne mich in Sicherheit vor der aggressiven Sonne …
Stunde später, das dunkle Hotelzimmer, den Abend planen. Wenn ich diese Straße da nehme, die der Minibus gestern gefahren ist, dann müsste ich direkt an dem Einkaufscenter vorbeikommen und die Bar mit der Tiger-Deko ist auch da irgendwo. Nach Sonnenuntergang, ich gehe aus, Shopping, Dress des Abends: das grün-weiß karierte, französische Hemdkleid.
Geldtausch, weiter die Straße entlang. Ich verliere die Wegmarke, bin ich hier noch richtig? Unbeirrbar immer weiter laufen, Straßen überqueren, die Richtung halten. Das Shoppingcenter sollte hier doch eigentlich sein? Oder bin ich doch eine Straße zu spät abgebogen? Nein, das muss die Straße sein, die der Bus gefahren ist. Aber die Bars, die ich gestern gesehen habe, sind doch nicht hier.
Ich entdecke die Reklame des Einkaufstempels. Nach gefühlt ewig herumirren, habe ich es doch gefunden. Endlich einkaufen.
Was auf meiner Liste steht: Das weiße Häkelkleid aus dem einen Film mit der Liebesgeschichte auf Hawaii. Eine nicht näher genannte, blonde Schauspielerin, so was mit „Freunde“ und so. Das Kleid fasziniert mich schon seit Jahren und ist mein Traum.
Ich laufe das Kaufhaus ab, westliche Marken hier, andere mir unbekannte Marken da. Die Rolltreppen hoch, noch einmal einen Überblick auf die Mitte nach unten machen. Dieser Teil des Kaufhauskomplexes ist kreisförmig angelegt, unten in der Mitte sind die „Sale“-Stände, da hängen auch ein paar weiße Kleider. Die Rolltreppen wieder runter.
Die Kleiderständer absuchen, Größen gibt es hier nicht, Etiketten sind nicht eingenäht, Material ist unbekannt, ich kann es nur erfühlen. Strickkleider garantiert in Kunstfaser. Vieles sehr, sehr eng, davon lasse ich die Finger. Ein weißer Kaftan fällt mir auf, er ist unisize und hat zumindest ein Stretchband – das wird mir auf jeden Fall passen … russische Touristinnen würden das auch kaufen (hier gibt es wirklich viele von denen und die haben immer hübsche Sachen an). Ich kaufe es, für die umgerechnet zwölf Euro kann ich nichts falsch machen.
Wieder raus, der dunkle Abend, die vielen Leuchtreklamen der Bars, jede Straße ist stark befahren. Ich verliere die Orientierung, möchte mir das aber nicht eingestehen. Ich irre so lange zwischen meinen Wegmarken umher, bis ich nicht mehr weiß, ob das überhaupt noch die richtige Straße ist … vielleicht gibt es zwei markante Tiger-Bars und das Einkaufszentrum geht um den ganzen Block?
Das Bistro von vor zwei Tagen finde ich nicht mehr, ich wollte das daneben ausprobieren. Ich gehe in ein Bistro, das dem zum Verwechseln ähnlich sieht … vielleicht ist es doch das, was ich suche.
An der markanten Tiger-Bar laufe ich danach gefühlt ein viertes Mal vorbei – jetzt gehe ich hinein und bestelle einen Drink! Es gibt keine zweite Bar, die exakt genauso aussieht, aber laut meiner Orientierung in einer anderen Straße liegen müsste.
Internet habe ich nicht, Kartenmaterial habe ich auch nicht … aber eine Kompass-App auf meinem Smartphone. Immerhin, ich weiß jetzt wenigstens die Richtung, in die ich laufen muss, will ich heute Nacht noch wieder zurück ins Hotel kommen. Ich bezahle die Rechnung für den alkoholfreien Cocktail … eigentlich ist diese Tiger-Bar ganz schön – wäre es nicht so furchtbar laut hier! Die angrenzende Boxarena überträgt ihre Kämpfe in voller Lautstärke auf das ganze Viertel, die Bars halten dem Megaphon entgegen und drehen die Lautstärke ihrer Musik bis an die Grenze des Reglers. Es ist so laut, dass es selbst den starken und ununterbrochenen, mehrspurigen, Verkehr übertönt. Ich muss hier weg. Zurück über die Bangla Road durch die dichtesten Touristenströme zum Strand. Erst hier finde ich wieder etwas Ruhe.
Speziell der Abend war dann doch zu viel.
Zurück im Hotel (22 Uhr nochwas), der Spiegel im Badezimmer, Sonnenbrand im Dekolleté und im Gesicht. Ich hätte es wissen müssen, ich darf mich hier nicht – vollkommen ungeschützt – dem Licht aussetzen. Ich würde wahrscheinlich hier sogar bei Vollmond mitten in der Nacht einen Sonnenbrand bekommen. Aloe-Vera-Gel. Wecker stellen, noch ein paar Stunden bis zur nächsten Insel-Tour.
Eine winzige Drohne schwebt über dem Pool … als ob ich sie nicht gleich bemerken würde.
[18.11.24 / 21:52]✎ Die gebuchte Schiffstour zur Phang Nga Bay. Den Wecker auf eine Stunde früher gestellt, zum Frühstück alles in Eile herunterschlingen (es wird wieder scharf und thai). Den Kaffee so wie er ist. Draußen in der Bucht sehe ich ein großes Kreuzfahrtschiff, das die letzte Nacht hier vor Anker gegangen sein muss … vielleicht nicht gerade der günstigste Tag für einen Ausflug?
Kurz nach halb zehn in der Lobby, ich warte auf den Fahrer vom Minibus, der die Touristen von den umliegenden Hotels abholt. Ich erkenne ihn nur an seinem T-Shirt. „Sea Kayak“ steht ganz klein am Ärmel. Ich bin die auf der Liste, die er sucht.
Einsteigen in den Minibus. Die Fahrt geht nach Phuket Town zur Marina. Stop-and-Go, langsamer Verkehr, zeitweise mehrspurige Straßen bis an ihre Grenze ausgelastet. Ich sehe mir von dem Fenster aus die bebaute Landschaft an.
Einbiegung in einen Seitenweg, gegen Mittag kommen wir an dem großen Pier mit der Anlegestelle für die Schiffe an. „Wir“, das ist eine kleine Gruppe, aufgeteilt in ein Dutzend Engländer (oder ähnlich) und ein Dutzend Deutsche. Ein Pick-up-Truck fährt die Gruppe den Pier entlang zum Schiff … ich wollte unbedingt ein großes Schiff buchen, mit einer Toilette an Bord.
Ausflugsplan: Die Phang Nga Bucht nördlich von Phuket mit den Seehöhlen und einer Kajak-Tour darin, sowie der „James Bond Felsen“, das, was alle Touristen hier angucken. Tagesdress: ich ziehe noch einmal das grün-schwarze Kleid vom letzten Abend an, es bedeckt die Schultern. Sonnenschutzcreme habe ich dabei, in meiner großen Strandtasche, zusammen mit dem schwarzen Bade-Zweiteiler und dem Regenbogenhandtuch.
Das Schiff nimmt Kurs auf den ersten Besichtigungspunkt. Sicherheitsinformationen werden in amüsanter Form vorgebracht, die Reiseleitung sind zwei, einer spricht Deutsch, einer spricht Englisch … gut aufgeteilt in einen Entertainer für die Engländer und einem seriös wirkenden, älteren Herren für die reservierten Deutschen (per se schwieriges Publikum).
Die Höhlen sind noch nicht bereit für einen Besuch, die Flut ist noch zu hoch, erst bei Ebbe sind sie befahrbar. Erster Halt ist an einem (der vielen) Felsen hier in der Gegend, auf dem angeblich Affen leben sollen. Erster Badestopp, die Gruppe sitzt auf dem Oberdeck, Kajaks und Ausgang sind unten. Ehe ich mein Kleid abgestreift habe, mein Bade-Zweiteiler übergezogen habe und zumindest mein Gesicht und meine Schultern mit Sonnenschutzfaktor 30 eingesprüht habe, sind die anderen alle schon im Wasser. Ich steige am Heck die Leiter hinab in das warme Meereswasser. „Ist es hier tief?“ Ich schwimme die hundert Meter bis zu dem winzig kleinen Sandstrand an dem Felsen. Bond-Girl steigt aus dem Wasser.
Wirklich nur ein ganz kleiner Strand, das interessanteste ist hier nur die Warntafel mit den Piktogrammen, was hier alles verboten ist. „Nicht auf Affen schießen.“
Zurück zum Boot, Mittagessen, ich bleibe (wie alle hier) in meinem Badeanzug. Weiter zu der ersten größeren Felsenformation mit der ersten Seehöhle – und dem Inneren dahinter. Die Reiseleiter erzählen viel, welcher Film hier alles in der Gegend gedreht wurde, von „Star Wars“ zu „James Bond“ und noch mehr namhafter Produktionen.
Die Höhle erreichen wir wenig später. Umsteigen in die Kajaks, ich muss nicht selber paddeln, jedes Kajak hat einen einheimischen Steuermann mit an Bord, plus ein bis zwei Passagiere … ich bin „ein“.
Da das Befahren der Höhle nur bei Ebbe möglich ist, sind noch ein paar weitere Ausflugsschiffe mit dazugekommen. Ein bizarres Bild, um die dreißig bis fünfzig Kajaks versuchen in die Höhle zu fahren, bzw. da wieder herauszukommen. In den Höhlen ist die Decke bei dem Wasserpegel vielleicht nur weniger als einen halben Meter hoch. Ein Glück, dass ich von dem Gedränge und Geschubse nicht viel mitbekomme, ich liege in dem Kajak und lasse mich einfach nur treiben.
Es wird hell, ein Licht nach dem Dunkel. Innerhalb des Felsens befindet sich ein großer, von Meerwasser gespeister See. Viel Grün, viel Dschungelpflanzen an den hohen Felswänden … und eine Stille, wären wir allein. Ich habe Bilder im Internet gesehen, wo solche Seen voller Kanus und Kajaks waren und von dem See selbst gar nichts mehr zu sehen war … Massentourismus par excellence. Hier hält es sich noch in Grenzen, ich fotografiere nie mehr als zehn Kajaks zusammen.
Wieder zurück auf das Boot, nächster Halt, die James-Bond-Insel – ein unscheinbarer Felsen in der Mitte von anderen Felsen. Das Wetter ändert sich, es ziehen neue dunkle Regen- und Gewitterwolken auf. Ich habe den Rest meines Körpers, Arme und Beine, schon vor der Kajak-Tour auch mit Sonnenschutz eingesprüht. Ich bekomme selbst Sonnenbrand bei dunkelstem, bewölkten Himmel, eine Stunde vor Sonnenuntergang.
Bond Girl, Phang Nga Bay / November 2024 / Age 42
Bekannt aus dem Filmmotiv, sehe ich von dem steil aus dem Wasser herausragenden Felsen nicht viel. Das große Schiff hat zu viel Tiefgang und kommt nicht näher heran. Die Reisegruppe muss sich mit einem Foto aus weiter Entfernung begnügen. Die Reiseleiter unternehmen viel, um die Stimmung am Leben zu erhalten. Profis.
Weiter zu einer weiteren Höhlenformation und wieder Umsteigen in das Kajak. Derselbe Fahrer oder Bootsmann, wir sind ein Team, ich lege mich auch gleich wieder hin bei der Einfahrt in die Höhle.
Noch mehr Ausflugsschiffe, es verteilt sich, die einen baden, die anderen sehen sich wieder den inneren See der Felsen an. Eine Schlange auf einen Baum am Felsen wird gesichtet und ist das „Highlight“, ich brauche ewig, bis ich glaube, sie zu erkennen (da war der Fisch, der aus dem Wasser klettern kann, in dem anderen See interessanter).
Ein letztes Mal wieder zurück auf das Boot. Es ist Nachmittag geworden. Gegrillte Spieße werden noch serviert, für mich bitte nur vegetarisch. Ich krame mein Kleid aus der großen Tasche und ziehe es über meinen Badeanzug. Mit dem Smartphone und der mitgenommenen Kamera abwechselnd ein paar Fotos von der Landschaft machen. Das Smartphone steckt in einer an Bord verkauften, wasserdichten Tasche, aber so viel Vertrauen habe ich darin nicht, es fängt sich doch etwas Feuchtigkeit und beschlägt die Folie bei diesem tropischen Klima von innen. Besser zwei Kameras.
Zurück zu der Marina, das Ausflugsschiff läuft ein. Abschied von den zwei Reiseleitern und der Crew. Oben am Pier noch ein obligatorisches Foto kaufen, das von mir während der Kajak-Tour entstanden ist. Es ist gut getroffen und ich kann so die einheimischen Seenomaden unterstützen mit ein paar Baht. Als ich zurück an Land oben, in den Minibus steige, ist es schon zu dunkel für meine Sonnenbrille geworden.
Den Weg zurück über Phuket Town nach Patong. Achtspurige Straßen, vier Spuren auf jeder Seite und ein vollkommenes Verkehrschaos, Stau an jedem Ende. Bis wir wirklich Patong erreichen, vergehen noch gefühlt ein bis zwei Stunden – und dabei ist diese Insel winzig.
Durchfahrt durch Patong, die Stellen, die ich gestern abgelaufen bin, um eine Orientierungskarte in meinem Kopf zu bilden, kann ich um ein paar weitere Wegmarken ergänzen. Unweit der Bar mit der markanten Tigerdekoration befinden sich noch zwei große Shoppingcenter, ein Grund mehr, auch dieser Bar einen Besuch abzustatten.
Kein weiteres Abendessen für mich in dem Hotel, ich habe schon genug an Bord des Schiffes gegessen … Wie, das ist ein Buffet und nicht mein Teller?
das habe ich sehr gerne gemacht. Zum Einen interessiert mich das Thema und zum Anderen hast Du wirklich sehr lebendig und spannend geschrieben. Da wollte ich Alles lesen und wollte Dir schreiben, das mir Dein Blog besonders gut gefallen hat (Die eigentliche Arbeit hattest Du ja mit dem Verfassen des Blogs). Wenn Du magst können wir den Kontakt gerne per Mail halten. Viele Grüße Daniele
Morgana LaGoth: Mail-Adresse steht oben bei "kontakt" - bei weiteren Fragen, gerne.
vielen Dank für Deinen tollen Blog. Ich habe ihn in den letzten Wochen komplett gelesen. Meistens konnte ich gar nicht aufhören zu lesen. Fast wie bei einem sehr spannenden Roman. Ich habe dabei Deine genauen Beobachtungen und Beschreibungen sehr genossen. Deine vielen Ausflüge in die Clubs und zu den Festivals oder Deine Streifzüge d durch die Geschäfte beschreibst Du immer aus Deiner Sicht sehr anschaulich und spannend. Ich kann das sehr gut nachvollziehen, das alleine zu erleben, häufig auch mit einer gewissen Distanz. Ich kenne ich von mir sehr gut. Highlights sind Deine Reiseberichte. Deine Erlebnisse an den unterschiedlichsten Orten auf der Welt. Vielen Dank dafür. Vielen Dank auch das Du Deinen Weg zu Deinem waren Geschlecht mit uns Lesern teilst. Deinen Weg Deine Gefühle Deine zeitweisen Zweifel. Das ist sehr wertvoll auch für uns Andere, denn es ist authentisch und sehr selten. Du bist einem dadurch sehr vertraut geworden. Für mich ist eine gefühlte grosse Nähe dadurch entstanden. Umso mehr schmerzt es mich von Deinen Rückschlägen zu lesen. Von Deinem Kampf zu Deinem wahren Ich. Von Deinem Kampf umd Liebe, Zährlichkeit und Akzepzanz und Anerkenung. Von Deiem mitunter verzweifeltem Kampf nach Liebe und Anerkennung durch Deinen Exfreund. Leider vergeblich. Dein Kampf um wirtschaftliche Unabhängigkeit und Deine aktuell missliche Lage. Ich glaube dass Du nicht gescheitert bist. Du hast viel Mumm und Hardnäckigkeit bewiesen Deinen Gang zu Dir selbst zu gehen. Du hast auch einen guten Beruf der immer noch sehr gefragt ist. Vielleicht kann ja nach dieser Auszeit und etwas Abstand ein Neuanfang in einer anderen Firma, wo Du keine Vergangenheit als Mann hattest gelingen. Ich wünsche das Dir ein Neuanfang gelingt und drücke Dir ganz fest die Daumen. Daniele
Morgana LaGoth: Da liest sich tatsächlich jemand alles durch? Das ist mittlerweile schon ein kompletter Roman mit mehreren hundert Seiten! Danke dir, für deinen Kommentar (und die aufgebrachte Zeit).
vielen Dank für Deine offenen und kritischen Erlebnisberichte. Ich bin in 3 Monaten in Sanssouci zur FzF-OP. Ich denke auch, was kann schon schief gehen, status quo geht nicht und irgendwas besseres wird wohl resultieren. Wenn es Dich interessiert, halte ich Dich informiert. Drücke mir die Daumen.
Herzlich
Drea
Morgana LaGoth: Ich wünsche dir für deine Operation viel Glück. (Sollte der Koch nicht gewechselt haben, das Essen da in der Klinik ist richtig gut!)
[14.11.17 / 20:13]Morgana LaGoth: Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion: Die Seitenbetreiberin behält sich das Recht vor, jeden Kommentar, dessen Inhalt rassistisch, sexistisch, homophob, transphob, ausländerfeindlich oder sonstwie gegen eine Minderheit beleidigend und diskriminierend ist, zu zensieren, zu kürzen, zu löschen oder gar nicht erst freizuschalten. Werbung und Spam (sofern die Seitenbetreiberin dafür nicht empfänglich ist) wird nicht toleriert. Personenbezogene Daten (Anschrift, Telefonnummer) werden vor der Veröffentlichung unkenntlich gemacht.
Kommentar:
[05.12.22 / 17:34] Daniele1992: Hallo Morgana
Mail ist heute rausgegangen
LG Daniele
[13.11.22 / 09:33] Daniele1992: Hallo Morgana
aktuell keine schöne Situation. Ich schreibe Dir noch eine Mail dazu.
LG Daniele
[13.05.22 / 09:15] Daniele1992: Hallo Morgana,
Tolle Reisebericht von Deiner neusten Reise nach Paris. Macht grosse Lust auch wieder dort hinzufahren um sich von der Stadt inspirieren zu lassen.
Tolle Neuigkeiten.NeuerJob. Klasse! Freue mich für Dich.
Liebe Grüße
Daniele
[24.12.21 / 20:55] Daniele1992: Hallo Morgana,
Ich denke an Dich und wünsche Dir frohe Weihnachten und ein schönes neues Jahr 2022.
Liebe Grüße
Daniele
[25.09.21 / 14:59] Daniele1992: Hallo,
eine Chance etwas Neues zu machen. Neue Perspektiven. Urlaubsträume, die bald real werden können. Nicht so schlecht. Freue mich für Dich. LG Daniele.
[11.11.20 / 09:12] Daniele1992: Hallo Morgana
Ich habe Dir eine Mail geschickt.
Lg
Daniele
[30.07.20 / 22:03] Daniele1992: Guten Abend
das habe ich sehr gerne gemacht. Zum Einen interessiert mich das Thema und zum Anderen hast Du wirklich sehr lebendig und spannend geschrieben. Da wollte ich Alles lesen und wollte Dir schreiben, das mir Dein Blog besonders gut gefallen hat (Die eigentliche Arbeit hattest Du ja mit dem Verfassen des Blogs). Wenn Du magst können wir den Kontakt gerne per Mail halten. Viele Grüße Daniele
[30.07.20 / 12:44] Daniele1992: Guten Morgen,
vielen Dank für Deinen tollen Blog. Ich habe ihn in den letzten Wochen komplett gelesen. Meistens konnte ich gar nicht aufhören zu lesen. Fast wie bei einem sehr spannenden Roman. Ich habe dabei Deine genauen Beobachtungen und Beschreibungen sehr genossen. Deine vielen Ausflüge in die Clubs und zu den Festivals oder Deine Streifzüge d durch die Geschäfte beschreibst Du immer aus Deiner Sicht sehr anschaulich und spannend. Ich kann das sehr gut nachvollziehen, das alleine zu erleben, häufig auch mit einer gewissen Distanz. Ich kenne ich von mir sehr gut. Highlights sind Deine Reiseberichte. Deine Erlebnisse an den unterschiedlichsten Orten auf der Welt. Vielen Dank dafür. Vielen Dank auch das Du Deinen Weg zu Deinem waren Geschlecht mit uns Lesern teilst. Deinen Weg Deine Gefühle Deine zeitweisen Zweifel. Das ist sehr wertvoll auch für uns Andere, denn es ist authentisch und sehr selten. Du bist einem dadurch sehr vertraut geworden. Für mich ist eine gefühlte grosse Nähe dadurch entstanden. Umso mehr schmerzt es mich von Deinen Rückschlägen zu lesen. Von Deinem Kampf zu Deinem wahren Ich. Von Deinem Kampf umd Liebe, Zährlichkeit und Akzepzanz und Anerkenung. Von Deiem mitunter verzweifeltem Kampf nach Liebe und Anerkennung durch Deinen Exfreund. Leider vergeblich. Dein Kampf um wirtschaftliche Unabhängigkeit und Deine aktuell missliche Lage. Ich glaube dass Du nicht gescheitert bist. Du hast viel Mumm und Hardnäckigkeit bewiesen Deinen Gang zu Dir selbst zu gehen. Du hast auch einen guten Beruf der immer noch sehr gefragt ist. Vielleicht kann ja nach dieser Auszeit und etwas Abstand ein Neuanfang in einer anderen Firma, wo Du keine Vergangenheit als Mann hattest gelingen. Ich wünsche das Dir ein Neuanfang gelingt und drücke Dir ganz fest die Daumen. Daniele
[05.10.19 / 17:11] Drea Doria: Meine liebe Morgana,
bin 5 T post all-in-one-FzF-OP. Deine guten Wünsche haben geholfen. Der Koch ist immernoch noch super. Alle hier sind herzlich und nehmen sich Zeit.
Herzlich
Drea
[14.06.19 / 12:57] Drea Doria: Meine liebe Morgana,
vielen Dank für Deine offenen und kritischen Erlebnisberichte. Ich bin in 3 Monaten in Sanssouci zur FzF-OP. Ich denke auch, was kann schon schief gehen, status quo geht nicht und irgendwas besseres wird wohl resultieren. Wenn es Dich interessiert, halte ich Dich informiert. Drücke mir die Daumen.
Herzlich
Drea
[14.11.17 / 20:13] Morgana LaGoth: Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion: Die Seitenbetreiberin behält sich das Recht vor, jeden Kommentar, dessen Inhalt rassistisch, sexistisch, homophob, transphob, ausländerfeindlich oder sonstwie gegen eine Minderheit beleidigend und diskriminierend ist, zu zensieren, zu kürzen, zu löschen oder gar nicht erst freizuschalten. Werbung und Spam (sofern die Seitenbetreiberin dafür nicht empfänglich ist) wird nicht toleriert. Personenbezogene Daten (Anschrift, Telefonnummer) werden vor der Veröffentlichung unkenntlich gemacht.
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