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Es gibt doch Aufzeichnungen aus der Pre-Blog-Ära:

[14.01.20 / 18:42] Es gibt doch Aufzeichnungen aus der Pre-Blog-Ära:

29.09.2005
- Besuch beim Hausarzt
- Ansprechen des Themas "Transsexualität"
- Adresse nach Magdeburg

06.10.05
- 1. Termin beim "Psychiater"
- keine klare Antwort (wie erwartet)
- TS weder bestätigt, noch ausgeschlossen

11.10.05
- 2. Termin
- Bericht Körperkonflikt
- Weg frei für Psychotherapie?

29.10.05
- (in)offizieller Anfang des Alltagstests

02.11.05
- 3. Termin
- Gespräch über Beginn Psychotherapie

04.11.05
- ich oute mich als Frau vor meinen Eltern
- nach nur 6 Tagen Abbruch des Alltagstests

[01.02.18 / 20:02] Antwort von der Krankenkasse - von den 32000 Euro Kosten für meine geschlechtsangleichende Operation werden maximal 7500 Euro von der Krankenkasse übernommen (mehr hatte ich auch irgendwie gar nicht erwartet). Das bedeutet, die restlichen 24500 Euro muß ich selbst aus eigener Tasche bezahlen ... soweit rechnerisch. Im letzten Textabsatz des Briefes steht dann, genau erklärt, der tatsächliche Ablauf: Ich zahle erst alles (also die kompletten 32000 Euro) und dann, hinterher, kann ich die Quittung für den Klinikaufenthalt bei der Krankenkasse einreichen und darauf hoffen, daß mir noch der kleine Restteilbetrag erstattet wird ... ok.
Nächster Schritt: Die Zusage von der Krankenkasse einscannen, an die Klinik schicken und - mit etwas Glück - einen zeitnahen Termin für die Operation bekommen ... vielleicht ja noch in diesem Jahr?

Nachtrag: Zu früh gefreut ... die Klinik bietet mir zwar sehr kurzfristige Termine im März oder April an - besteht aber auf eine Indikation zur GaOP von einem Psychologen bzw. meinem Therapeuten - und die habe ich nicht. Ich warte schon vergebens seit der letzten Therapiesitzung vor einem halben Jahr auf dieses Schriftstück.

[24.08.17 / 21:49] Tag der Wahrheit, bzw. "Stichtag" - gegen Mittag habe ich meinen Termin bei der Fachärztin für Genetik, die Chromosomenanalyse als Voruntersuchung für die Operation und für den Antrag bei der Krankenkasse steht noch aus. Die Ärztin erzählt mir, daß viele Transsexuelle diese formale Untersuchung schon zu Beginn ihrer Transition machen. Mein später Termin - 2 oder 3 Jahre nach Beginn der Hormonbehandlung - ist eher ungewöhnlich (oder kommt nicht so häufig vor). Blutabnahme Nr.1 für diesen Tag - nach Anlegen einer Kultur (die Zellwände müssen erst noch aufgehen und die Chromosomen müssen noch aufquellen) und Untersuchung unter dem Mikroskop, wird mir das Ergebnis in ein paar Wochen zugesandt* ... aber eigentlich steht es inoffiziell schon fest - XY - anatomisch ist alles bei mir eindeutig (aber vielleicht erwartet mich noch eine "Überraschung").

Nach dem kurzen Termin bei der Genetikerin, weiter zum lokalen Büro der Aids-Hilfe. In dieser ... nicht näher genannten, größeren Stadt in Sachsen-Anhalt (unweit meines Arbeitsplatzes) ist das Wochenende ein kleiner CSD - und im Rahmen dessen bietet der Aids-Hilfe-Verein einen kostenlosen Testtag ohne Voranmeldung für HIV an. Ich nehme in dem Wartezimmer Platz, fülle den Papierbogen mit der Risikoanalyse aus (Analsex, ungeschützt, ohne Kondom), mein Beziehungsstand (mein Ex-Freund kommt dabei nicht gut weg) und werde dann zum Testen in das kleine Beratungszimmer geleitet. Der Mitarbeiter ist echt sehr nett und die Atmosphäre ist dabei auch sehr angenehm ... nur ich sehe immer traurig aus bei dem ernsten Problem. Auf die Risiken beim Analsex als passiver Partner braucht er nicht weiter einzugehen - die sind mir sehr wohl bewußt. Die sogenannten Schnelltests der dritten Generation decken nur alles ab, was vor drei Monaten passiert ist - die Tests der neueren Generation (die beim Gesundheitsamt), alles vor 6 Wochen ... ich rechne nach, 3 Monate - damit ist "Tel Aviv" auch mit drin. Für die Schnelltests, die so auch in Afrika verteilt werden, wird etwas Blut aus der Fingerkuppe genommen (so wie bei Blutzuckermessung) und auf die Testmarker angewandt (ähnlich eines Schwangerschaftstests). Nochmal 20 Minuten warten und der Streifen auf den Markern zeigt mir an, ob ich positiv oder negativ getestet wurde. Mit "etwas Enttäuschung" muß ich feststellen, daß ich schon wieder HIV-negativ bin ... dabei habe ich mich schon mental darauf vorbereitet. So ein bißchen HIV als Gegenspieler zur MS macht sich bestimmt gut in meinem "Erkrankungs-Portfolio" (dann mit Garantie zum frühzeitigen Ableben). Egal ... eines von beiden ist schon beschissen genug, ich sollte froh sein, daß der Test für mich wieder negativ ausgefallen ist - und ich werde weiter darauf achten, daß die Männer ein Kondom benutzen!

Während ich so in dem Wartezimmer auf das Testergebnis warte, schaue ich mir einzelne Broschüren an ... eine fällt mir besonders auf - es geht um eine Online-Umfrage um Gewalt und Diskriminierung gegen den LSBTTIQ*-Personenkreis und deren Nachbehandlung (Therapie, Traumata usw.). Interessiert lese ich den Flyer durch und fühle mich angesprochen. Ein paar Stunden später werde ich an der Online-Umfrage teilnehmen ... zwei Gewalttaten gegen mich gebe ich an - der Vorfall in der Straßenbahn viele Jahre zuvor (der für mich in der Notaufnahme endete) und der Vorfall letzten Jahres (der Typ der mich angegrabscht und bedrängt hat). Beide Vorfälle habe ich mit meinem Therapeuten thematisiert (oder bzw. aufgearbeitet). Beim Beantworten der Fragen in dem Online-Formular, kommen alle Erinnerungen wieder zurück ... mir fällt auf, daß ich mit physischen Gewalterfahrungen offenbar besser umgehen kann als mit psychischer Gewalt - die Knochen wachsen wieder zusammen, aber die Ängste und die Bilder im Kopf lassen einen zerbrechen.

*(Das schlichte Ergebnis eine Woche später: "XY, unauffällig", so ein Mist ... und woher kommt dann mein eingebildeter Monatszyklus?)

[24.03.17 / 21:16] 1 Jahr und 11 Monate HRT (-4 Tage) - 62,6 kg - Wow! Ich bin noch ganz verblüfft von der letzten Messung meines Körpergewichts auf der Waage an diesem Morgen, anscheinend habe ich ziemlich schnell anderthalb Kilo abgenommen. Entweder liegt das an meiner "0-Schwein-Diät" oder an dem radikalen Absetzen der Antidepressiva (die nachweislich zu einer Gewichtszunahme führen). Ich sehe auch nicht mehr so aufgeschwemmt am Körper und im Gesicht aus. Natürlich fällt es mir jetzt besonders schwer, wieder mit dem Zeug anzufangen ... wenigstens hatte die Qual mit der Schlaflosigkeit der letzten Wochen einen überraschenden und erfreulichen Nebeneffekt.

Zu dem anderen Thema, ich war den Mittag bei meiner Krankenkasse (gehe ich überhaupt noch arbeiten?) ein paar Fragen wegen dem Antrag auf Kostenübernahme der geschlechtsangleichenden Operation stellen. Die Arbeit meines Psychotherapeuten ist doch nicht ganz getan, ich brauche von ihm noch einen Nachweis über 18 Monate psychotherapeutische Behandlung mit mir (die Krankenkasse ist da doch ganz streng) und er muß auch bestätigen, daß ich schon über 18 Monate im Alltagstest lebe. Ich dachte, diesen ominösen Test hätte ich schon längst hinter mir, ich lebe doch schon seit über 2 Jahren komplett und durchgehend als Frau. Außerdem brauche ich für den Antrag bei der Krankenkasse noch meine zwei Gutachten von der Namensänderung, die Indikation für die Hormontherapie (wieder mein Therapeut), mal wieder einen aktuellen Lebenslauf von mir (der alte Lebenslauf wird um das letzte Jahr ergänzt ... mit Bezug auf den Wunsch einer Operation) und letztendlich eine Stellungnahme des ausführenden Chirurgen über die erforderlichen medizinischen Schritte (und wahrscheinlich die anfallenden Kosten). Erst dann, wenn ich alle Unterlagen zusammen habe, kann ich den Antrag bei der Krankenkasse stellen (also frühestens im Juni).

(Und nebenbei habe ich auch noch angefragt, ob mir eine Brustvergrößerung bezahlt würde - natürlich nicht, ich habe doch schon ein kleines A-Körbchen ... mit dem ich eigentlich zufrieden bin, 78 zu 89 cm.)

Nachtrag: Bei meinem letzten Besuch bei meiner Frauenärztin (Rezept für die Hormone holen) habe ich nochmal nach den Werten von meiner letzten Blutabnahme im Dezember gefragt. Seitdem ich letzten Sommer die Dosis von 3 auf 2 Hub Estradiol-Gel verringert habe, ist dieser Wert doch etwas gesunken und liegt jetzt bei 82,3 ng/l (-92,5 ng/l) ... ziemlich wenig - wenn ich auf den Mondkalender schaue - eigentlich hätte ich an dem Tag der Blutabnahme im hormonellen Höhepunkt meines (imaginären) Monatszyklus sein sollen. Wenn ich möchte, kann ich die Dosis wieder auf 3 Hub Estradiol-Gel erhöhen ... muß dabei aber auch an die Nebenwirkungen denken. Wenigstens der Testosteronwert ist unverändert niedrig bei 0,18 µg/l (+/- 0,00 µg/l) ... nur leider sind meine Körperzellen auf "XY" programmiert und kommen - entgegengesetzt zu meiner zutiefst weiblichen Seele - nicht so gut mit dem niedrigen männlichen Hormonwert zurecht, ergo Depressionen (so wurde mir das jedenfalls aus medizinischer Sicht erklärt). Ich habe auch noch nie von einer transsexuellen Frau gelesen oder gehört, die -nicht- zusätzlich noch Psychopharmaka nimmt.

[02.03.17 / 20:31] Der erste Schritt auf dem Weg zur Operation ... zumindest habe ich jetzt einen Termin für das erste Vorstellungsgespräch beim Chirurgen - in 4 Monaten. Ich bin so aufgeregt am Telefon, daß ich Mühe habe der Mitarbeiterin in der Praxis mein Anliegen klar darzustellen - "FzM ... nein, MzF" (aber eigentlich fühle ich mich eher wie "FzF"). Ich bin auch Stunden später immer noch total aufgeregt.
Das Gespräch mit meinem Therapeuten hatte ich ein paar Tage zuvor, für ihn ist seine Arbeit schon erledigt. Ich muß nichts mehr beweisen, weil ich schon ein paar Jahre vollständig als Frau lebe - er gibt mir nur noch ein paar Tips zur Vorbereitung auf die Gutachter vom MDK und wie ich meine Situation überzeugend darstellen kann. Da ich nun mehr zu einer GaOP in Deutschland tendiere - und doch nicht in Thailand (zu lange Flugreise, zu heißes und feuchtes Klima) - könnte ich jetzt versuchen, meine Krankenkasse zu involvieren und einen Antrag auf Kostenübernahme zu stellen (eventuell mit Eigenanteil) ... genau die Krankenkasse, die mir schon nicht den Therapeuten bezahlt hat und meine Anträge sonst ablehnt.
Zu etwas anderem, was meine Gedanken nicht zur Ruhe kommen läßt ... ein wichtiges Thema bei meinem Therapeuten (ich sitze alleine auf der Zweisitzer-Couch in dem Beratungszimmer) - wird mein Freund das mit der Operation mitmachen? Meine Idee, ihn mit einer Heirat an mich zu binden, ist auch nicht gerade eine gute Idee.

Weiterhin viel zu viele nervöse Gedanken - dabei bin ich noch unendlich weit vom Tag der Operation entfernt, bis jetzt stehe ich noch nicht einmal auf einer dieser obskuren Wartelisten ... aber ich bin so unruhig, als wäre dieser bedeutende Tag gleich morgen.

[12.02.17 / 17:19] Ich tue es ... ich nehme Kontakt zu dem Chirurgen auf - und zu meinem Therapeuten, falls noch ein weiteres Indikationsschreiben für die geschlechtsangleichende Operation benötigt wird.

So viele Fragen, Sorgen und Ängste ... "paßt" mein Freund da überhaupt rein? Bin ich zu eng / zu wenig Tiefe? Ist das überhaupt robust? Und ... verliere ich dadurch nicht den besonderen Teil meiner Attraktivität, das besondere "Extra"? (Ich will es nicht, wollte das "Teil" nie.) Bin ich für ihn danach weniger interessant und wird er mich deshalb verlassen? Und ... überstehe ich das Ganze überhaupt psychisch und physisch, all diese Strapazen? Was kann ich von dem Ergebnis erwarten, nichts mehr als Schmerzen? Eine künstlich offen gehaltene Wunde? Zumindest ist es nicht meine erste Operation (das nimmt mir etwas die Angst).

Es war immer mein Wunsch ... ich bleibe jetzt nicht stehen.

[25.05.15 / 19:27] Pfingsten, Leipzig - das WGT wurde mittlerweile aus Connewitz vertrieben, mehr Platz für das Gothic Pogo Festival im Werk 2. Freitag und Sonntag fahre ich zu den Parties und Konzerten, zuerst noch ohne eine Schlafmöglichkeit in Leipzig, aber den Montag Morgen wache ich schon wieder neben ihm in seinem Bett auf (dieses Mal teilen wir uns eine gemeinsame Decke).
Was tue ich hier? Ich habe alle meine Regeln gebrochen und schlafe mit ihm ... ich kann nicht anders, verdammte Hormone!

Mein Therapeut bringt es in seinen Bericht auf den Punkt: "Frau K. hatte bisher keine Liebesbeziehungen, soziosexuelle Erfahrungen beschränken sich auf sporadische Sexualkontakte mit Männern".

[28.04.15 / 21:08] Mein Gott, ich habe ein Rezept für Estrogene! Das ist kein Scheiß Traum - es passiert wirklich! Nur in meiner kühnsten Wunschvorstellung gehe ich zu meinen ersten Termin bei meiner Frauenärztin und komme mit einem Rezept für die weiblichen Hormone wieder raus (ich kann es selber noch nicht ganz fassen). Ab jetzt täglich das Gynokadin Dosiergel mit den Wirkstoff Estradiol und weiterhin die 50mg Cyproteronacetat als Testosteronblocker. In 4 Wochen wird dann erstmals der Hormonspiegel bestimmt.
Vorher konnte ich noch am Empfang der Gemeinschaftspraxis den Bericht von meinem Therapeuten über die einjährige Psychotherapie bei ihm (ich bin also eine autistische Transsexuelle, "autistisch" war extra unterstrichen) und die Indikation für eine gegengeschlechtliche Hormontherapie abholen.
Was passiert jetzt mit mir? Werde ich jetzt zickig und hysterisch? Muß ich mich jetzt als hormonelle Frau von meinem leichten Idealgewicht verabschieden? Und wie weit sollte ich jetzt Rücksicht auf die Menschen in meinem engen Umfeld nehmen, denen meine Transition gar nicht zusagt?

Mein Gott, es ist voller Sterne!

[20.03.15 / 11:09] Zwischenstand: Termin beim Frauenarzt für Ende April, bis dahin sollte der Therapeut das Indikationsschreiben für die Hormontherapie fertig haben. Das Amtsgericht wollte noch ein paar Dokumente für die Namens- und Personenstandsänderung (also doch eine beglaubigte Kopie vom Perso und eine Meldebestätigung). Auf Arbeit bekomme ich irritierte Blicke wenn ich dort mit offenen Haaren und geschulterter Handtasche ins Büro komme, am nächsten Tag sind die Haare wieder nach hinten gebunden und ich trage einen Rucksack - da ist die Welt wieder in Ordnung für die männlichen Kollegen. Ich muß da noch ausprobieren, wie weit ich gehen kann und wo meine Grenzen liegen.

[16.02.15 / 22:14] Aktueller Stand der Therapie - mein neues, durchgehendes Auftreten als Frau in allen Lebensbereichen ist der Grundstein für die Hormonindikation als transsexuelle Patientin. Geplant für die nächsten ein oder zwei Termine, erscheint diese wieder in greifbarer Nähe. Derweil bereite ich schon den Antrag auf Vornamens- und Personenstandsänderung für das Amtsgericht vor, ich muß nur noch meinen 8-Seiten-Lebenslauf auf ein vernünftiges Format zusammenkürzen.

[05.02.15 / 23:50] Andrea die Blondine geht zur Arbeit - und keinem fällt es auf. Schwarze Damenjeans, schwarzer Damenpullover, die Haare streng nach hinten gebunden, keine Röcke, keine High-Heels, kein Make-up (wozu habe ich sonst so viel Geld in mein Gesicht investiert?). Der Alltagstest funktioniert einfach nicht bei so Menschen wie ich, die schon IMMER mit langen Haaren und androgyner Kleidung herumlaufen und von zierlicher Statur sind. Das Ganze fällt erst auf, wenn ich meine flache Brust auf Doppel-D aufpumpe und ein Kilo Make-up in das Gesicht kleistere, aber das wäre weder authentisch noch würde ich mich dabei wohl fühlen - soll das etwa Alltagstest sein?

[01.02.15 / 18:28] Ich bringe mich um ... (symbolisch). Den Typen, der jeden Morgen zur Arbeit fährt und stumm an seinem Schreibtisch sitzt, den vielleicht gar nicht so unattraktiven jungen Mann, in den sich eine Italienerin verguckt hat (was immer sie auch in mich hinein interpretierte) - und den Sohn meiner Eltern. Dieser Mensch ist tot. Er ist schon mehrfach gestorben, er hat sich im Zimmer seines Studentenwohnheims erhängt und er ist in Genua im Hotel vom Balkon gesprungen. Es gibt von nun an nur noch Andrea. Ein gelegentlicher "Urlaubstest" ist eben kein vollwertiger Alltagstest.

[25.01.15 / 17:54] Ein Blick in den Beipackzettel der beiden Medikamente, die ich nehme. Cyproteronacetat: "Nebenwirkungen ... häufig (1 von 10 Behandelten) ... Depression, Angst". Interferon beta: "Nebenwirkungen ... häufig (1 von 10 Behandelten) ... Depression, Selbstmordgedanken ... Selten: Suizidversuch".
Die letzte Therapiestunde konfrontiert mich mit meinen Ängsten und wirft mich in den dunklen Abgrund. Von der Euphorie der ersten Wochen ist nichts mehr vorhanden. Finsternis und Einsamkeit herrschen hier unten. Sie sind mir vertraut. Es ist meine natürliche Lebensumgebung.

Ich muß erst am Boden angekommen sein, um aufzustehen.

[13.01.15 / 22:31] Gedanken: Ich bin gefangen in einer Zeitschleife oder in einem Alptraum, ich müßte nur laut schreien um daraus aufzuwachen ... ich kann mich aus meinem männlichen Leben nicht befreien, ohne extreme Maßnahmen anzuwenden ... ich steuere auf eine riesige emotionale Katastrophe zu.
24 Stunden nach der Therapie-Sitzung bin ich emotional immer noch sehr stark aufgewühlt. Mein Innerstes schreit ... nach außen bin ich stumm.

[12.01.15 / 22:09] Meine aktuelle Stimmung steigt und fällt mit der Aussicht auf einen baldigen Start der Hormon-Therapie in naher Zukunft (die zweite Phase mit den Estrogenen). Nach der Lektüre meines Lebenslaufes und all den darin vorkommenden Suizid-Gedanken agiert der Therapeut sehr vorsichtig und macht mir nicht so viele Hoffnungen. Momentan ist alles daran gebunden, meine weibliche Existenz auf alle meine Lebensbereiche auszuweiten (Familie, Arbeit usw.). Wenn das schief läuft - und das ist schon einmal passiert, das steht in meinem Lebenslauf - bin ich akut selbstmordgefährdet, das macht mir Angst.

Ich will von hier weg ... ich will meine neue Jacke in Rom bei einer Einkaufstour tragen ... Flug und Hotel gebucht. (Déjà-vu?)

[26.12.14 / 00:06] Weiter zurück in der Vergangenheit: Seit 2002 versuche ich mehr und mehr das Frau-Sein in mein Leben zu integrieren, bestelle Sachen im Internet (Farbe ausschließlich Schwarz) und fülle meinen Kleiderschrank (das eigenständige Leben außerhalb des Elternhaus erweist sich hier als Vorteil). Erster Kontakt zur Außenwelt als Frau ist im Sommer 2003. Mit Make-up und entsprechend weiblich angezogen fahre ich etwas mit dem Auto umher.

Diesen Auszug aus meinem Lebenslauf für den Therapeuten geht ein Textabsatz vorher, in dem es um die Konfrontation mit einer schicksalhaften medizinischen Diagnose und Suizid geht, jenen düsteren Teil meiner Vergangenheit möchte ich in meinem Blog nicht mehr veröffentlichen.

[25.12.14 / 01:30] Und noch ein Auszug ... der Intimste von allen, und nie dazu bestimmt, veröffentlicht zu werden: Ende Januar 2004, ich lerne eine Frau im Internet kennen, im Chat-Raum einer Musiktauschbörse. Sie spricht mich an ob ich "Gothic" bin, da ich mich dieser schwarzen Musikszene zugehörig fühle und ich nach der entsprechenden Musik gesucht habe, erwidere ich das Gespräch. Ihr Name ist #### und sie kommt aus Süditalien. Wir unterhalten uns im Internet noch ein paar Wochen und stellen viele Gemeinsamkeiten und gleiche Interessen fest. Während der Semesterferien im März 2004 lädt sie mich für ein langes Wochenende zu sich ein, in ####### bei Bari, Süditalien.
Wir begegnen uns an einem Donnerstag Abend am Bahnhof in Bari. Mir fällt sofort auf, daß sie einen ähnlichen langen schwarzen Damenmantel wie ich trägt - und das sie um die 10 bis 15 Jahre älter ist als ich (ihr wahres Alter hat sie mir nie verraten). Sie weiß nichts von meiner weiblichen Seite und sieht in mir einen jungen Mann mit langen blonden Haaren. Wir sind uns gleich sympathisch. Noch in derselben Nacht kommt es zu meinem ersten sexuellen Kontakt. Ich bin vollkommen überfordert und gelähmt von den neuen Eindrücken und breche das Ganze ab, auch weil wir keine Kondome benutzen. Sie hat sehr schnell mitbekommen, daß das mein erstes Mal ist und war darauf auch nicht vorbereitet.
Dennoch verbringen wir ein paar schöne Tage bei ihr in Süditalien. Ich genieße einige Momente: An einem Strand, der für Partnertausch bekannt ist, sprechen uns zwei Männer an, sie wollen die zwei jungen blonden Frauen kennenlernen. Sie muß ihnen erklären, daß ich keine Frau bin. An einer Ampel halten ein paar junge Männer auf ihren Mopeds neben unserem Auto und bemerken die zwei "Blondinen" darin, #### und ich küssen uns und geben damit vor, ein lesbisches Pärchen zu sein. Abends fährt sie mit mir zu sich nach Hause zurück, sie ist etwas angetrunken und bekifft (auch meine erste, einzige Drogenerfahrung), sie meint, das ist OK, die Polizisten würden im Dunkeln niemals zwei junge Frauen anhalten.
Es kommt die Nächte noch zu weiteren sexuellen Kontakten, aber ich habe immer das Gefühl, das ist nicht das was ich will. Ich muß dabei zwangsweise immer die männliche Rolle annehmen, da die "Steckverbindung" nun mal nur so in die eine Richtung funktioniert. Ich wünschte, wir wären einfach nur ein lesbisches Paar, aber ich habe nicht den Körper dafür - und sie hat bis zu diesen Zeitpunkt auch überhaupt keine Ahnung von meiner wahren Natur.
Ich verlasse sie nach dem Wochenende an einem Montag Mittag am Bahnhof in Bari. Für sie ist es ein Abschied für immer und sie ist fest überzeugt, ich werde sie vergessen. Ich bin der Meinung, ich werde sie bald wiedersehen und habe mich irgendwie in sie verliebt.
Der Kontakt bricht sehr schnell ab, sie ist immer weniger online im Internet und ich habe das Gefühl, sie geht mir aus den Weg. Die Zurückweisung führt zu Kränkungen und bei den wenigen Internet-Chats, die wir noch zusammen führen, werden wirklich sehr verletzende Worte gewechselt. Ich bin enttäuscht von dem Ganzen und dem Ende und bereue, daß ich mich auf das Wochenende mit ihr eingelassen habe.

[24.12.14 / 00:09] Noch ein kurzer Auszug: Im Herbst 2004 lebe ich mehr und mehr an den Wochenenden als Frau und beginne von Wernigerode aus, mit dem Auto in die Discos und Clubs nach Leipzig zu fahren. Der Moment, das erste Mal als Frau am Abend durch die Leipziger Innenstadt zu laufen und mein Spiegelbild in den Schaufenstern zu sehen, ist sehr bedeutend für mich. In der Disco lerne ich (als junge Frau) die ersten Männer kennen (nur harmlose Gespräche).

[22.12.14 / 00:03] Ein weiterer Auszug aus meinem Lebenslauf: Oktober 2005 will ich noch viel mehr offen als Frau leben, gehe als Frau zu den Vorlesungen, kaufe als Frau Sachen zum Anziehen in den Geschäften, nehme meine ersten Therapiestunden bei einem Psychiater in #########. Ich bin transsexuell. An der Hochschule habe ich damit kein Problem, ich habe keinen Kontakt zu den anderen Kommilitonen und lebe mein eigenständiges Leben. Getrieben von dieser neuen Entwicklung, erzähle ich auch erstmals #### (eine alte Freundin, Anmerkung der Redakteurin) in einem unserer seltenen gewordenen Gespräche, von meiner Neigung als Frau leben zu wollen. Für sie bin ich ab jetzt (so gut wie) ein Perverser und der Kontakt bricht vollkommen zusammen. Auf diese extreme Reaktion war ich wirklich nicht vorbereitet - diese tiefe Enttäuschung, dieses Trauma, diesen bitteren Vertrauensverlust werde ich niemals verarbeiten und das begleitet mich bis jetzt. (...) Nach diesen beiden Erlebnissen beende ich mein kurzes Vollzeit-Leben als Frau, breche die Therapie ab und lebe wieder ein Pseudo-Leben als Mann, das sich einfach nicht richtig und leer anfühlt. Ich bin wieder da, wo ich schon mal war und warte auf den biologischen Tod.

[18.12.14 / 23:10] Ein Auszug aus meinem acht Seiten langen Lebenslauf: Sein Name ist ###### und er ist etwa 30 Jahre älter als ich (und wir sind uns schon mal 2009 begegnet). Er lädt mich nach der Disconacht zu sich in seinem Hotelzimmer ein. Er hat einige Erfahrungen mit jungen transsexuellen Frauen und für ihn bin ich für diese Nacht seine "große Liebe". Es kommt zu einigen erotischen Handlungen, aber nichts Ernstes. Viel wichtiger in meiner Erinnerung ist, daß er mir danach, am frühen Morgen, sein favorisiertes Laufhaus für junge transsexuelle Prostituierte im Hannover Rot-Licht-Bezirk zeigt. So erfahre ich auch von dieser Seite des Lebens. Die Prostituierten wirken abgekämpft, es ist sehr harte körperliche Arbeit. Ich bin zu diesem Zeitpunkt etwa zwei Jahre arbeitslos, aber das ist keine Option für mich. Irgendwie habe ich ein schlechtes Gewissen, daß ich ihnen ihren besten Kunden durch meinen Hotelbesuch weggenommen habe. Ich sehe ihn nie wieder und festige meine Idealvorstellung, mich nur auf "One-Night-Stands" einzulassen, ohne emotionale Verbindung, keine Enttäuschungen.

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Kommentar:

[13.11.22 / 09:33] Daniele1992: Hallo Morgana

aktuell keine schöne Situation. Ich schreibe Dir noch eine Mail dazu.

LG Daniele

Morgana LaGoth: Einige Kommentare müssen auch nicht allzu öffentlich sein …

[13.05.22 / 09:15] Daniele1992: Hallo Morgana,

Tolle Reisebericht von Deiner neusten Reise nach Paris. Macht grosse Lust auch wieder dort hinzufahren um sich von der Stadt inspirieren zu lassen.

Tolle Neuigkeiten.NeuerJob. Klasse! Freue mich für Dich.

Liebe Grüße
Daniele

Morgana LaGoth: Danke. Endlich wieder verreisen … lange darauf gewartet. Lebendig bleiben, solange es noch geht.

[24.12.21 / 20:55] Daniele1992: Hallo Morgana,

Ich denke an Dich und wünsche Dir frohe Weihnachten und ein schönes neues Jahr 2022.

Liebe Grüße
Daniele

Morgana LaGoth: Vielen Dank, ich wünsche dir ebenfalls ein schönes, neues Jahr.

[25.09.21 / 14:59] Daniele1992: Hallo,

eine Chance etwas Neues zu machen. Neue Perspektiven. Urlaubsträume, die bald real werden können. Nicht so schlecht. Freue mich für Dich. LG Daniele.

Morgana LaGoth: Danke dir.

[11.11.20 / 09:12] Daniele1992: Hallo Morgana

Ich habe Dir eine Mail geschickt.

Lg
Daniele

Morgana LaGoth: Hey ... vom Lenkrad aus mit der Hand winken, von einem MX-5 zum anderen. *freu*

[30.07.20 / 22:03] Daniele1992: Guten Abend

das habe ich sehr gerne gemacht. Zum Einen interessiert mich das Thema und zum Anderen hast Du wirklich sehr lebendig und spannend geschrieben. Da wollte ich Alles lesen und wollte Dir schreiben, das mir Dein Blog besonders gut gefallen hat (Die eigentliche Arbeit hattest Du ja mit dem Verfassen des Blogs). Wenn Du magst können wir den Kontakt gerne per Mail halten. Viele Grüße Daniele

Morgana LaGoth: Mail-Adresse steht oben bei "kontakt" - bei weiteren Fragen, gerne.

[30.07.20 / 12:44] Daniele1992: Guten Morgen,
vielen Dank für Deinen tollen Blog. Ich habe ihn in den letzten Wochen komplett gelesen. Meistens konnte ich gar nicht aufhören zu lesen. Fast wie bei einem sehr spannenden Roman. Ich habe dabei Deine genauen Beobachtungen und Beschreibungen sehr genossen. Deine vielen Ausflüge in die Clubs und zu den Festivals oder Deine Streifzüge d durch die Geschäfte beschreibst Du immer aus Deiner Sicht sehr anschaulich und spannend. Ich kann das sehr gut nachvollziehen, das alleine zu erleben, häufig auch mit einer gewissen Distanz. Ich kenne ich von mir sehr gut. Highlights sind Deine Reiseberichte. Deine Erlebnisse an den unterschiedlichsten Orten auf der Welt. Vielen Dank dafür. Vielen Dank auch das Du Deinen Weg zu Deinem waren Geschlecht mit uns Lesern teilst. Deinen Weg Deine Gefühle Deine zeitweisen Zweifel. Das ist sehr wertvoll auch für uns Andere, denn es ist authentisch und sehr selten. Du bist einem dadurch sehr vertraut geworden. Für mich ist eine gefühlte grosse Nähe dadurch entstanden. Umso mehr schmerzt es mich von Deinen Rückschlägen zu lesen. Von Deinem Kampf zu Deinem wahren Ich. Von Deinem Kampf umd Liebe, Zährlichkeit und Akzepzanz und Anerkenung. Von Deiem mitunter verzweifeltem Kampf nach Liebe und Anerkennung durch Deinen Exfreund. Leider vergeblich. Dein Kampf um wirtschaftliche Unabhängigkeit und Deine aktuell missliche Lage. Ich glaube dass Du nicht gescheitert bist. Du hast viel Mumm und Hardnäckigkeit bewiesen Deinen Gang zu Dir selbst zu gehen. Du hast auch einen guten Beruf der immer noch sehr gefragt ist. Vielleicht kann ja nach dieser Auszeit und etwas Abstand ein Neuanfang in einer anderen Firma, wo Du keine Vergangenheit als Mann hattest gelingen. Ich wünsche das Dir ein Neuanfang gelingt und drücke Dir ganz fest die Daumen. Daniele

Morgana LaGoth: Da liest sich tatsächlich jemand alles durch? Das ist mittlerweile schon ein kompletter Roman mit mehreren hundert Seiten! Danke dir, für deinen Kommentar (und die aufgebrachte Zeit).

[05.10.19 / 17:11] Drea Doria: Meine liebe Morgana,
bin 5 T post all-in-one-FzF-OP. Deine guten Wünsche haben geholfen. Der Koch ist immernoch noch super. Alle hier sind herzlich und nehmen sich Zeit.
Herzlich
Drea

Morgana LaGoth: Dann wünsch ich dir jetzt noch viel mehr Glück bei deiner Genesung!

[14.06.19 / 12:57] Drea Doria: Meine liebe Morgana,

vielen Dank für Deine offenen und kritischen Erlebnisberichte. Ich bin in 3 Monaten in Sanssouci zur FzF-OP. Ich denke auch, was kann schon schief gehen, status quo geht nicht und irgendwas besseres wird wohl resultieren. Wenn es Dich interessiert, halte ich Dich informiert. Drücke mir die Daumen.
Herzlich
Drea

Morgana LaGoth: Ich wünsche dir für deine Operation viel Glück. (Sollte der Koch nicht gewechselt haben, das Essen da in der Klinik ist richtig gut!)

[14.11.17 / 20:13] Morgana LaGoth: Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion: Die Seitenbetreiberin behält sich das Recht vor, jeden Kommentar, dessen Inhalt rassistisch, sexistisch, homophob, transphob, ausländerfeindlich oder sonstwie gegen eine Minderheit beleidigend und diskriminierend ist, zu zensieren, zu kürzen, zu löschen oder gar nicht erst freizuschalten. Werbung und Spam (sofern die Seitenbetreiberin dafür nicht empfänglich ist) wird nicht toleriert. Personenbezogene Daten (Anschrift, Telefonnummer) werden vor der Veröffentlichung unkenntlich gemacht.

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