morgana81 - gothic transgender

Live-Ticker:

[15.04.20 / 19:03] Live-Ticker: "Verbot aller Großveranstaltungen bis zum 31. August." Das war's für die Festivalsaison diesen Sommer. Das "Gothic Pogo Festival" Pfingsten in Leipzig wurde schon abgesagt, das "Wave Gotik Treffen" wird ganz sicher folgen. Nach 18 Jahren (!) das erste Mal Pfingsten wieder alleine zu Hause? Ich hoffe noch auf ganz kleine (und erlaubte) Konzerte mit vielleicht zehn Menschen ... in einer ganz großen Halle ... irgendwann, irgendwo diesen Sommer.

Das mit dem "Nasen- und Mundschutz", kein Problem, dafür habe ich doch mein Buff zum Motorradfahren ... da sind "Silberfäden" drin!

[11.04.20 / 22:07] "Als ich noch ein Skinhead war." - Mir sind ein paar alte Polaroid-Fotos in die Hände gefallen, mit mir drauf, mein altes ich. Das Aufnahmedatum der Bilder ist beinahe 20 Jahre her. Kurz vor dem Abi 2000 habe ich mir schon meine Haare lang wachsen lassen, bin aber nicht sehr weit gekommen (höchstens Kinnlänge). Für die anschließenden zehn Monate bei dem "olivgrünen Abenteuerclub" mußte ich sie mir wieder radikal runterscheren lassen ... auf drei bis sechs Millimeter (beeinflußt von all den ganzen Vietnam- und Anti-Kriegsfilmen im Fernsehen, die ich damals so aufgesaugt habe). Nur eine kurze Phase - im Frühjahr und Sommer darauf, wenige Wochen vor dem "Dienstzeitende" 2001, habe ich sie mir schon nicht mehr scheren lassen - und meine Haare sind danach noch blonder aus dem Kurzhaarschnitt herausgewachsen!

Die Jahre darauf: bis zur untersten Rippe Ende 2005, dann wieder kürzer, Herbst 2007 schulterlang oder auch zwei Faustlängen pro Pferdeschwanz, dann drei Faustlängen, vier Faustlängen, ein paar Jahre halten, 2011 ... und weiter bis zur maximalen Länge beim Beckenknochen Anfang 2019. Und wieder zurück. Momentan sind es zwischen vier bis fünf Faustlängeneinheiten ... wäre da aktuell nicht dieses doofe "Friseurverbot", hätte ich meinen Plan weiterverfolgt, meine Haare Schritt für Schritt, bei jedem Friseurtermin um zehn Zentimeter kürzen zu lassen - um irgendwann wieder auf Schulterlänge zu kommen.

(Trivia: Nur bei dem Friseur-Experiment 2007, für das professionelle Foto-Shooting, waren meine Haare mal mit einem leichten Rotschimmer strähnchenweise gefärbt und in Stufen geschnitten.)

[11.04.20 / 02:01] Habe ich von Anfang an falsch gedehnt? Die Vaginaltrainer und später dann nur noch meine Finger, auf dem Rücken liegend, viel zu weit im falschen Winkel nach unten geschoben? Und damit nur die "Hauttasche" in Richtung After ausgebeult? Knapp unterhalb des letzten Rest des ehemaligen Schwellkörpers befindet sich - in fast waagerechter Stoßrichtung (wie beschrieben, auf dem Rücken liegend) - eine ertastbare Hautfalte. Der richtige Eingang? Wenn ja - und wenn sie da wirklich wäre - dann läßt sie sich jetzt auch nicht mehr öffnen. In dieser Position schöpfe ich mit meinem Finger wenigstens die vollen fünf Zentimeter meiner Neovagina aus.

Ich denke weiter über eine zweite Korrekturoperation nach. Der Chirurg aus München (ich halte weiter den Termin, ich weiß auch nicht mehr warum) operiert jetzt neuerdings mit seiner kombinierten Methode auch in der Klinik in Potsdam ... hätte ich das zwei Jahre vorher gewußt.

[05.04.20 / 00:28] Ich tanze wieder alleine gegen meinen Schatten. Die Stereoanlage in meinem Dachbodenzimmer auf fast unerträglicher Lautstärke aufgedreht, den Strobo-Effekt zuckend als einzige Lichtquelle, zwei Alben höchst aggressiver EBM-Stampfer, hintereinanderweg ... bis wenige Minuten nach Mitternacht. Lange halte ich das mit der Ausgangsbeschränkung und der Kontaktsperre nicht mehr aus - und in wenigen Tagen ist Vollmond - ich werde schon wieder rattig!

[01.04.20 / 17:17] Draußen ... die Außenwelt! Ich überschreite die Grundstücksgrenze zur Straße, schließe das Hoftor hinter mir ... blicke in den azurblauen Himmel mit den winzigen, kleinen Wölkchen. Vor ein paar Tagen habe ich vom Garten aus tatsächlich ein Flugzeug am Himmel gesehen! Ein kleiner, aber doch aufregend erscheinender Kondensstreifen. Dieses Mal suche ich kurz den Himmel ab, aber entdecke nichts. Es ist noch nicht warm genug, für meinen Fußweg zur örtlichen Bankfiliale mit den Selbstbedienungsterminals trage ich weiterhin meinen schwarzen Wollmantel - und meine übergroße, schwarze Sonnenbrille an diesem sonnigen Frühlingstag irgendwo in einem Provinzkaff in Sachsen-Anhalt. An der Ampelkreuzung mit der stark befahrenen Bundesstraße vor der Grundstücksausfahrt werde ich von den Fahrern in den haltenden Fahrzeugen, gerade zurück von ihrer Arbeitsschicht den frühen Nachmittag, verwundert und müde angestarrt. Weiterlaufen, nichts anmerken lassen.

Zu Fuß zu der Bankfiliale am Marktplatz im Ortskern dieser Kleinstadt. Dort angekommen, sehe ich durch die Scheiben ein oder zwei Menschen im Inneren des Schaltervorraums (der Schalter selbst ist geschlossen), ich warte draußen vor der Glastür. Die nächste Bankkundin ignoriert mich einfach und geht vor mir rein - jetzt sind da schon drei Menschen drin - der danach kommende Bankkunde fragt mich wenigstens noch, ob ich auch warte, wartet selbst ein paar Minuten, verliert dann aber die Geduld und überholt mich auch. So viel zu der Disziplin mit der Vorschrift: "Nicht mehr als zwei Personen in einem geschlossenen Raum."

Irgendwann traue ich mich auch, die Bankfiliale zu betreten. Für den Automaten mit der Tastatur habe ich extra einen Einmalhandschuh aus Latex mit in meine Manteltasche gepackt. Sicher und ohne Infektionsrisiko - das für mich tödlich sein kann (genauso wie Motorradfahren oder Rauchen) - tippe ich mit der rechten Hand die Überweisungen ein (notwendige Versicherungen bezahlen und solchen Kram). In dem Vorraum der Bankfiliale befinden sich nie mehr als drei Personen gleichzeitig. Ein älterer Herr wartet wenigstens mit gebührenden Abstand. Wieder draußen, stülpe ich den Handschuh in einen mit eingesteckten Plastebeutel und entsorge diesen in den nächstbesten Mülleimer.

Weiter zu Fuß zurück durch die öde Innenstadt mit den verrammelten Geschäften, einzig die offene Drogerie ist das belebte Herz dieser ansonsten langweiligen Fußgängerzone. Ich begegne viel zu vielen Menschen ... spazierende Rentner, Eltern mit kleinen Kindern, Menschen die mit ihrem Hund Gassi gehen. Ständig muß ich für zehn oder zwanzig Sekunden die Luft anhalten und schnell einen großen Bogen drumherum laufen, um mich ja nicht anzustecken. So habe ich mir die Apokalypse nicht vorgestellt, ich dachte, ich laufe hier einsam mit einer Pestmaske die verlassene Fußgängerzone entlang. Die paar Menschen, die ich hier sehe - an diesem sonnigen Frühlingstag - sind sogar noch mehr, als für dieses Provinzkaff üblich sind. So wird das nichts mit dem Weltenende und der Ausrottung der Menschheit durch einen grausamen Virus.

(Schon allein das Bild anderthalb Wochen zuvor, als ich in Leipzig alle meine Sachen in Sicherheit bringe, die bevorstehende Katastrophe ahnend, und vollgepackt zu meinem Auto latsche - und mir irgend so ein junges Pärchen mit kleinem Kind auf 'nem Roller entgegenkommt, als ob nichts wäre! Bin ich hier die Einzige mit gerade abstrusen Endzeit-Phantasien?)

[22.03.20 / 14:46] Ich war noch bis 2 Uhr nachts in der Disko ... virtuell. Die beiden DJs haben es wirklich gemacht und ihr Set aus dem Club in Leipzig live über das Internet gestreamt. Alle Gäste in dem Chatraum - und in ihren Wohnzimmern.

Das Set fängt gleich mit ein paar Italo-Krachern an, die Beleuchtung in meinem Zimmer unter dem Dachboden ist gedimmt, die DJs auf dem Bildschirm in Vollbildgröße, der Regler an meinen Monitorboxen nähert sich dem Anschlag, mein Strobo-Effektgerät wirft die ersten Blitze ... ich fange schon mal an, zu tanzen. Wenig später, gegen 22 Uhr, ich stehe mit meiner Wasserflasche am Rand der Tanzfläche (also gegen meine Schrankwand gelehnt) und beobachte die Gäste: "Keiner da, den ich kennen könnte, kein bekanntes Gesicht." (Ich bin ja auch allein in meiner Wohnung.)

Zwischendurch immer mal wieder auf das Diskoklo (also meine Toilette nebenan), am Spiegel angedeutet meinen schwarzen Kajal nachziehen, die Wasserflasche nachfüllen. Zurück zur Tanzfläche (der kleine Quadratmeter vor dem Computerbildschirm), noch eine kleine Clubrunde (mein Zimmer auf und ab tigern). Die DJs moderieren ihre Stücke, ich erfahre immer etwas Interessantes über die Musik. Ihre zwei Turntables haben sie in dem kleinen Kellerclub vor der Bühne aufgebaut, im Hintergrund die blinkenden Lichter und der sporadisch eingeblasene Nebel. Immer wieder weisen sie darauf hin, daß es möglich ist, über PayPal zu spenden ... "Ich habe fünf Euro Eintritt bezahlt!" Dafür will ich auch mindestens fünf Stunden durchtanzen.

Ab und zu, wenn ich nicht mehr kann, liege ich auf dem Ledersofa in dem Club (also meine Kunstledercouch in meiner Fernsehecke) und lausche einfach nur der Musik. Gegen Mitternacht werden ein paar obskure Darkwave-Platten aufgelegt - ich kann mich nicht mehr halten, ich muß tanzen. In vollkommener Dunkelheit, das kleine Licht aus, tanze ich gegen meinen übergroßen Schatten, der durch das aufgedrehte Stroboskop-Gewitter gegen die weiße Wand (in meinem Zimmer) projiziert wird. Der Effekt hat die richtige Einstellung, alles wirkt so unnatürlich, wie auf einem Trip, wenn die Fragmente meiner Wohnungseinrichtung für Sekundenbruchteile aufleuchten.

Die beiden DJs spielen noch andere Musikstile ... wie lange die wohl noch online senden wollen? Ich hatte vor, gegen 2:30 Uhr wieder zu gehen. Den Club verlassen ... und im selben Moment wieder zu Hause zu sein. Tatsächlich spielen sie noch bis kurz nach 2 Uhr, aber da liege ich schon erschöpft auf meiner Couch. Für das allerletzte Stück rappele ich mich noch einmal auf: "Save the last dance!" Hat Spaß gemacht und wahrscheinlich haben auch viele der anwesenden Gäste (so um die 150?) einen kleinen Betrag gespendet ... wovon die beiden Künstler in diesen schwierigen Zeiten irgendwie ihre Miete oder wenigstens etwas zum Essen kaufen können.

Mein Outfit für die Nacht: die schwarze Trainingshose, ein schwarzes Unterhemd, eine schwarze Strickjacke, absatzlose Latschen oder auch nur auf Strümpfen (auch in Schwarz). Nur eines habe ich irgendwie vermißt: Hab' dich auf der Tanzfläche gesehen. Bist du alleine hier? Hast du einen Freund? In meiner häuslichen Isolation fange ich vielleicht wieder an, die Nächte in Internet-Chaträumen zu verbringen ... so wie früher, in den Urzeiten des Internets.

[21.03.20 / 20:38] Bevor die Ausgangssperre einsetzt, hole ich noch einmal alle meine persönlichen Dinge aus meiner Zweitwohnung, u.a. mein Laptop, mein (verschlüsseltes) externes Backup, meine vier Pflanzen - und alle meine Schuhe (Schuhe sind wichtig). Den blauen Sack mit an die zwölf Schuhpaare über der Schulter (wer hätte gedacht, daß Schuhe so schwer sind), den anderen Kram in meinem Armeerucksack, die paar Schritte zu meinem in der Straße geparkten Auto. Auf der Autobahn zurück zu meiner Erstwohnung / die verbarrikadierte Festung. Um keine Bewegungsdaten zu hinterlassen, nehme ich den Akku aus meinem Telefon (eines der letzten Modelle, bei denen das noch möglich ist ... für besonders Paranoide). Meinen Kleiderschrank habe ich das Wochenende zuvor schon ausgeräumt. In meinem "Depot" in Leipzig bleiben noch drei Rollen Klopapier, ein Beutel Nudeln - und zwei Flaschen Rotwein! (Sollte die Wohnung nicht geplündert werden.)

Später den Nachmittag, die untergehende Sonne für ein paar Fotos meiner neuen Stiefeletten nutzen ... in Szene gesetzt mit meinem Armeerucksack: Endzeit-Fashion mit Stil.

[16.03.20 / 18:57] Nachtrag einen Tag später: Aufgrund der aktuell angespannten Lage, schränke ich meinen Bewegungsradius massiv ein und verzichte auf alle Fahrten auswärts... Die Nachrichten überschlagen sich, wofür ich mich gestern noch freiwillig entschieden habe, ist morgen schon Pflicht.

Zu etwas vollkommen, vollkommen anderem ... meine neuen Schnürstiefeletten kombiniere ich wieder mit einem Paar purpur- oder violettfarbenen Schnürsenkeln - gerade eben online bestellt.

[15.03.20 / 20:26] Viel Schlaf ist es nicht, zwischen 10 und 11 Uhr den Sonnabend scheint die Sonne so stark in meine Wohnung, daß ich nicht mehr weiterschlafen kann. Ich stehe auf. Strahlend blauer Himmel - darauf habe ich gewartet. Ich nutze die Gelegenheit und mache gegen Mittag um die 300 Fotos in meiner 28m²-Wohnung, ich will jedes Detail festhalten, ich will mich für immer an meine schöne Wohnung erinnern können ... bevor ich sie in ein paar Wochen aufgeben muß. Nach und nach werde ich alles rausschleppen, dann brauche ich auch keine Fotos mehr machen. Ein Traum geht zu Ende, der Traum, eine eigene, kleine Wohnung zu haben ... zurück zu meinem Erstwohnsitz (in der tiefsten Provinz) wohne ich wieder bei meinen Eltern. Ich habe es nicht geschafft, auf eigenen Beinen zu stehen, meine kleine Existenz zu halten.

Den frühen Nachmittag gehe ich noch einmal für den Abend einkaufen, etwas zum Essen organisieren ... die Regale mit den Nudelpackungen sind wie leergefegt, ich greife eine der letzten beiden Beutel. Auch an anderen Stellen gibt es nicht mehr viel, Gemüse ist weg, die Tiefkühltruhen suche ich erst gar nicht ab - Fischkonserven sind noch genug da! Ich greife gleich zwei - eine für mich, eine zum Tauschen. (Ich gehe richtig ab, bei der angespannten Situation - endlich zahlt es sich mal aus, daß ich die ganzen Zombiefilme und alle Staffeln dieser einen Serie mit den umherwandelnden Toten gesehen habe.) Über einen kleinen Umweg (zwei Stück Kuchen kaufen für mich) zurück in meine Wohnung.

Couscous mit Tomaten, schwarzen Oliven und Thunfisch: Couscous in einer kleinen Schüssel mit etwas Kurkuma mischen, zum gleichen Teil mit 100ml aufgekochtem, leicht gesalzenen Wasser übergießen, mit einem Teller abgedeckt stehen lassen. Einen Topf / Pfanne mit Olivenöl und gemahlenen Chili aufsetzen, Knoblauch einwerfen, alles erhitzen. 10 kleine Cherry-Tomaten vierteln, nach und nach dazugeben + Salz, Pfeffer, orientalische Gewürzmischung. 10 schwarze Oliven entsteinen (mit dem "Olivenentsteiner"), zerhacken, mit in den Topf geben. Eine kleine Dose Thunfisch aufmachen, auch dazugeben (den Inhalt), alles umrühren und köcheln lassen (wegen den wässrigen Tomaten und dem üppig eingegossenen Olivenöl mit etwas reduzierter Hitze). Kurze Zeit später den Couscous aus der Schüssel mit in den Topf / Pfanne rühren, alles zusammen weitere 5 Minuten erhitzen, gelegentlich umrühren. Danach fertig auf dem Teller servieren.

Mit den Tomaten geht der gelbe Kurkuma-Couscous in das Orangene, zu dem Thunfisch passen nur geschmacklich die schwarzen Oliven. Es wirkt etwas trocken, ein Stück Butter oder Joghurt wäre als finaler Abschluß nicht schlecht, frische grüne Kräuter würden das Optische aufwerten ... Notiz für später.

Den späten Nachmittag die zwei Stück Kuchen mit einem Kännchen Tee, den frühen Abend mein Rezept kochen mit den Sachen, die ich vorher eingekauft habe ... ich habe mich dann doch für den Couscous und nicht für die Nudeln entschieden. Den Abend mache ich mir weitere Gedanken ... gehe ich noch ein zweites Mal aus? Ich überprüfe immer wieder im Internet die Veranstaltungskalender für die Parties und Konzerte in Leipzig - gefühlt ständig ändert sich etwas und eine Veranstaltung nach der anderen fällt einfach aus oder wird abgesagt ... Virus-Panik. Wäre es nicht auch besser, ich bleibe den Sonnabend Abend auch in meiner Wohnung? Ich könnte niemanden infizieren, mich könnte niemand infizieren, überall in der Welt wird gerade das öffentliche Leben eingestellt, anderswo werden Bars und Clubs gleich ganz geschlossen und alle Veranstaltungen verboten.

Verboten! Genau das ist der Punkt, an dem ich mich aufhänge. Ich brauche niemanden, der mir irgend etwas verbietet, der mich vor mir selbst schützt - ich bin selbst verantwortlich für mich! Ich kann für mich alleine entscheiden, wieviel Risiko ich eingehe! Ich bin mir bewußt, ich gehöre mit meinem auf fünfzig Prozent runtergefahrenen Immunsystem (immerhin noch doppelt soviel wie bei AIDS) zu der in den Medien als besonders schützenswert benannten "Risikogruppe" - und es könnte mich treffen ... aber wie hoch ist schon die Wahrscheinlichkeit? Ich mache auch andere unvernünftige und gefährliche Dinge - ich fahre Motorrad - und an wen könnte ich das Virus, wenn ich es hätte, schon weitergeben? Ich gehe nicht arbeiten, ich treffe keine anderen Menschen, ich lebe abseits der Gesellschaft ... ich habe das zutiefst autistische Bedürfnis, zu allen Menschen mindestens zwei Meter Abstand zu halten und mich nicht ansprechen oder in ein Gespräch verwickeln zu lassen. Also gehe ich aus, tanzen, für mich allein (so wie ich es schon mein ganzes Leben lang tue). [Anm. der Verfasserin: War das wirklich so sinnvoll? Im nachhinein betrachtet...]

In dem Club in Plagwitz ist diesen Abend bzw. diese Nacht eine Soli-Party, ich weiß zwar nicht für was, aber es wird wohl schon irgend so ein linksalternatives Ding sein ... noch ist die Veranstaltung, nach meinem Kenntnisstand, nicht abgesagt (aber alle anderen Punk-Konzerte). Gegen 21:30 Uhr mache ich mich wieder ausgehfertig, das gleiche Outfit wie letzte Nacht. Etwa eine Stunde später sitze ich in meinem Auto und bin unterwegs in den Stadtteil.

Links und rechts sehe ich die jungen Leute in ihren Autos, unterwegs in die Diskos ... oder irritiert umherfahrend und nach etwas suchen, was die Nacht noch geht. Ich parke mein Auto in der gewohnten Seitenstraße gegenüber der finsteren Gasse mit dem Club. 23 Uhr ... ob die Veranstaltung wirklich stattfindet? Einfach probieren.

Zu Fuß ein paar Schritte durch die dunkle Gasse, der Eingang mit der Treppe zu dem Fabrikgebäude ist nicht beleuchtet, keine Menschen zu sehen. Vor der verschlossenen Eisentür ist es still. Ich versuche gar nicht erst sie zu öffnen ... klar, daß die Veranstaltung ausfällt. Das ist eine "Soli-Party!" Die lebt davon, daß viele Besucher kommen - und kommt keiner (außer mir) macht das ja auch gar keinen Sinn, die stattfinden zu lassen! (Aber ich habe es zumindest probiert.) Zurück zu meinem Auto, zurück in den Stadtteil nördlich des Zentrums mit meiner Wohnung. Immer noch haufenweise Disko-Fahrer auf den Straßen, ihre Welt bricht gerade zusammen, ihr einziger Lebenssinn, am Wochenende aufzuleben, die Lethargie der Arbeit hinter sich zu lassen und in den Clubs und Bars die Nächte durchzufeiern ... bis wieder der beschissene Montag anfängt. Kenne ich nur zu gut.

Gegen Mitternacht bin auch ich wieder zurück in meiner Wohnung und werfe das blaue Licht meines Laptops auf dem Tisch meiner Minibar an ... wenigstens war ich die Nacht davor noch aus und tanzen. Nächstes Wochenende wird bestimmt alles verboten sein. Zurück zur Zombie-Apokalypse: Wir sind bis an die Zähne bewaffnet und militärisch ausgebildet... (Ende Teil 2/2)

[15.03.20 / 20:25] 28 Tage später, zurück in Leipzig - in der Zombie-Apokalypse-Welt! Die letzten zwei Wochen hat mich ein mysteriöses Virus erwischt, plötzlich hohes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, extreme Kraftlosigkeit, aber kein Husten, Schnupfen oder Halskratzen - dafür sieben Tage lang fiesen Durchfall (mit einem Verbrauch von einer Klopapierrolle pro Tag, dafür habe ich die gebunkert). So einen Infekt hatte ich noch nie zuvor.

Freitag Vormittag stehe ich auf, den Abend davor war ich schon in meiner Wohnung, meine resistenten Pflanzen haben die Trockenphase sehr gut überstanden, zwei Brötchen zum Frühstück. Ich will den Tag in der Innenstadt von Leipzig nach einem Paar "Endzeit-Stiefel" suchen (so ähnlich wie das Paar, das ich in Kassel anprobiert hatte), schwarze 8- oder 10-Loch-Schnürstiefel mit einem hohen Blockabsatz und dieser speziellen Laufsohle mit dem "Militärmuster" (so wie bei meinen Stahlkappen-Rangers).

Manchmal treffe ich noch auf Überlebende ... irgendwann gegen Mittag bin ich in meiner Wohnung fertig mit den Vorbereitungen für den Weg nach draußen, die anthrazit-schwarze Jeans, der schwarze Wollmantel, die flachen Stiefeletten, die Lederhandschuhe. Weiter unten an der Straßenbahnhaltestelle ziehe ich meinen Schal über das Gesicht und die Nase, als die Bahn einfährt und ich einsteige. Die Bahn ist nicht sehr voll, mit meiner schwarzen Sonnenbrille ziehe ich keine Blicke auf mich ... Zombies!

Zu Fuß weiter ab dem Hauptbahnhof in Richtung Innenstadt, die schwarze Handtasche paßt nicht zum Outfit - ich hätte den alten Armeerucksack in Woodland-Tarn aus der Abstellkammer hervorkramen sollen, den, den ich sonst immer hinten auf das Motorrad schnalle. Es sind immer noch nicht so viele Menschen zu sehen, ich fühle mich halbwegs sicher und mein Schal rutscht weiter zurück unterhalb der Nase.

Den Schuh-Outlet erreiche ich wenig später - dieses Mal habe ich aber wirklich viel Zeit und kann alle Regale im Obergeschoß mit der Größe 40 und 41 absuchen. Für die erste Runde habe ich noch die Sonnenbrille auf, aber wenig später lege ich auch die ab und lasse die schwarze Blende in meiner Manteltasche verschwinden.

Das erste passende Paar, das meinen Wünschen entspricht, entdecke ich in den Regalen für die Schuhgröße 40 ... vielleicht finde ich noch ein zweites Paar bei der 41? Ich lasse das erste Paar vorerst liegen und suche die anderen Regale ab ... nichts. Zurück bei dem ersten Regal finde ich das erste Paar nicht mehr - hat mir eine andere Kundin das etwa vor meiner Nase (bzw. hinter meinen Rücken) weggeschnappt? Fast schon panisch suche ich noch einmal minutenlang alle anderen Regale ab. "Verdammt!" So ein Paar schwarze Schnürstiefeletten mit Reißverschluß und genau dieser einen Laufsohle (die mit den Kreuzen) finde ich bestimmt nie wieder! Ziemlich erleichtert entdecke ich dann doch den einen Schuhkarton wieder, den ich vorher in der Hand hatte. Er liegt immer noch in demselben Regal, nur ganz unten ... oder ich konnte mich nicht mehr daran erinnern, daß er ganz unten lag. Zurück zur Kasse - es gibt 50% Rabatt in dem Outlet.

Freitag früher Nachmittag, die Marktstände auf dem Marktplatz lasse ich rechts liegen, ich drehe noch eine Runde in dem teuren Kaufhaus gegenüber - aber eigentlich brauche ich nichts mehr zum Anziehen zu kaufen, das neue Paar Schnürstiefeletten paßt perfekt zu dem schwarz-grünem Kleid, das ich mir erst vor kurzem zugelegt habe. Auch in dem einen Laden dieser spanischen Modekette mit den bunten Designerkleidern, ein paar hundert Meter weiter, brauche ich nicht weiter zu suchen ... schwarze Sachen mit weißem Blümchenmuster oder grüne Sachen mit schwarzem Blümchenmuster. Ich muß an mein Budget denken, in ein paar Wochen ist Schluß und dann gibt es keine Eingänge mehr auf meinem Konto.

Lieber ziehe ich noch durch ein weiteres Kaufhaus und zwei anderen Schuhläden, nur um mich zu vergewissern, daß es das Paar meiner neu gekauften Stiefeletten dort nicht gibt oder wenn doch, dann zu einem vollkommen überteuerten Preis ... das ist so ein "Frauentick".

Zurück am Ende der Fußgängerzone (und mit einem Paar weiteren, neuen Schuhspanner aus Holz in meiner Tragetasche) biege ich in die Straße mit den Restaurants ein. Mit zunehmender Zahl der Fußgänger, die einfach nur in der Innenstadt einkaufen wollen, wirkt die ganze Szenerie der letzten Tage nicht mehr so bedrohlich und langsam vergesse ich, daß ich mich in einer apokalyptischen Welt bewege. Die zwei Wochen zu Hause, in denen ich nicht rausgegangen bin, in denen ich nur vor dem Fernseher und dem Internet hing, haben mir ein anderes Gefühl gegeben. In dem italienischen Restaurant surfe ich mit meinem Smartphone weiter im Internet, als ich auf die bestellte Pizza warte, und lese die ganzen Schreckensmeldungen ... die drehen alle gerade total durch.

Wieder zurück in meiner Wohnung, die eine Tüte Brötchen in dem Bäcker im Untergrund des Hauptbahnhofes habe ich schon wieder liegengelassen - aber dieses Mal habe ich es schon zwei Straßenbahnhaltestellen später bemerkt und bin mit meinem Ticket einfach wieder zurück zum Hauptbahnhof, meine Tüte abholen, und dann in die nächste Linie in Richtung meiner Wohnung ... OK, die zwei Stationen zurück sind definitiv schwarz, das Ticket gilt nur 60 Minuten in eine Richtung. Auf dem Sofa in meiner Wohnung lese ich die weiteren Nachrichten ... das Konzert, zu dem ich diesen Abend eigentlich wollte, fällt aus, wegen dem Virus (und ich hatte schon befürchtet, es wäre ausverkauft). Die Aftershowparty findet unter Auflagen trotzdem statt.

Später den Abend, mein Outfit für die Nacht: die anthrazit-schwarze Jeans, der Nietengürtel, ein schwarzes Spaghettiträgertop, darüber der schwarze Cardigan, meine 3/4-Stiefel, der schwarze Wollmantel. Die indischen Ohrhänger aus Silber hängen offen, ich binde meine langen, blonden Haare zu einem Pferdeschwanz, in Kombination mit meinen schwarzen Lederhandschuhen kann ich mir nicht mal eben so durch die Haare gehen - oder mir ins Gesicht fassen (das ist gerade der Sinn). Kurz nach 22:30 Uhr verlasse ich meine Wohnung und laufe zu meinem Auto.

Durch die Straßen gelange ich ziemlich zügig zu dem Club im Süden von Leipzig ... so viel Verkehr ist den Freitag Abend nicht, vielleicht ein paar Einzelne auf dem Weg zur Disko. Der Club macht erst gegen 23 Uhr auf, ich finde einen Parkplatz in der Nähe und laufe zu dem Eingang die Kellertreppe runter ... ein oder zwei Gäste sind schon da, von innen ertönt Musik - die Disko findet definitiv statt. Am Eingang müssen sich alle Gäste in eine Liste eintragen, mit Name und Telefonnummer, ich hinterlasse die Anschrift meines Zweitwohnsitzes in Leipzig. Ich habe tatsächlich leichte Bedenken ... wenn das vor ein oder zwei Wochen wirklich der Virus war, der mich dahingerafft hat, bin ich dann noch infektiös? Es könnte auch irgendein anderer Infekt gewesen sein. Wenn ich noch nicht immun gegen das neue Virus bin - und mein Immunsystem ist definitiv irgendwo kurz vor der Grenze zu AIDS (wegen den Immunsupressiva die ich nehme) - wenn mich das Virus erwischt ... sterbe ich dann?

Ich bin schon so gut wie tot ... ich tanze in den Untergang!

Ich lasse mich nicht abhalten und betrete den Club. Meinen Mantel (inklusive eines zweiten, beschfarbenen Cardigan) gebe ich an der Garderobe ab. Die erste Flasche Cola an der Bar, der erste Weg auf die Tanzfläche. Die zweite Bar und die zweite Tanzfläche sind für diese Nacht geschlossen. Nach und nach kommen einige weitere Gäste im schwarzen Outfit, Gothics, Grufties, der Tod ist ein elementarer Bestandteil unserer Lebensphilosophie. Ich tanze ... mit viel Platz. Ich kann meine Arme bis zu einem Meter weit um mich herum ausstrecken, den ganzen Abend und die ganze Nacht werden in dem Club nie mehr als 50 Personen anwesend sein.

Jede weitere Stunde ein Getränk, ich wechsele mich ab mit an einem Tisch in der Nähe der Bar sitzen, die aufgelegte Musik hören (mich richtig darin fallen zu lassen), den kleinen Club auf und ab tigern, auf der Tanzfläche verschiedene Stile ausprobieren, Gothic-Style, EBM-Style ... unter meinem schwarzen Top trage ich einen kleinen Push-up, der meine kleinen Brüste etwas mehr betont - aber hier ist niemand, der darauf starren könnte. Ich möchte die Nacht auch lieber für mich allein sein.

Immer wieder läßt ein DJ der Gruppe etwas Italo einfließen, kurz sogar Detroit (sofern ich das erkennen konnte) und diesen einen Titel ... woher kenne ich den? Ich brauche ein paar Minuten ... klar! Die Goa-Party auf Ibiza! (Also die Strandhütte mit der Chill-Out-Musik.) Der Titel, der mir da schon gefallen hat.

Die Zeit vergeht, gegen 3 Uhr die Nacht sind auch nicht mehr so viele Gothics anwesend, ich beschließe, auch zu gehen und remple mich durch die eine Gruppe von Stinos in ihren dicken Mänteln, die auf einmal in dem Club aufgetaucht sind. (Auf der Suche nach Party? Hier ist auch nicht mehr los.) Zurück zu meinem geparkten Auto, 3 Uhr nochwas, zurück zu meiner Wohnung. Auch wenn ich das sehr angenehm empfinde, wenn ich viel Platz in dem Club habe, so richtig Stimmung war dann doch nicht. Das war irgendwie so wie früher, die kleinen Provinz-Gruftie-Tanzveranstaltungen irgendwo, mit einer sehr überschaubaren, kleinen Szene. Meine Gedanken schweifen ab ... ich fahre an einem mobilen Blitzer vorbei, ein kleines, rotes Lämpchen blinkt mich an - und ich dachte die Strecke hier ist mit 60 km/h freigegeben?

Zurück in meiner Wohnung, im Badezimmer die schwarze Wimperntusche und den Kajal aus meinen Augen wischen, die Wohnung kühl durchlüften ... ich habe extra noch einmal die doppelte Bettdecke bezogen (wird doch immer wieder frisch morgens früh). Zurück ins Bett, 4 oder 5 Uhr, für ein paar Stunden einschlafen. (Ende Teil 1/2)

[01.03.20 / 20:15] Zurück von einem Kurzbesuch in Kassel - die "Ost-Verwandtschaft" kündigt sich an. Das von mir begehrte Sommerkleidchen habe ich auch da in den Kaufhäusern nicht in meiner Größe gefunden - dafür aber ein anderes mit schwarz-grünem Blümchenmuster, mit viel besserem Schnitt für mich, von meinem englischen Lieblings-Hippie-Label. Fast hätte ich auch noch ein paar schwere, schwarze Schnürstiefel mit hohem Blockabsatz dazu gekauft, aber die waren in meiner Größe nicht mehr vorrätig - und außerdem war ich schon über meinem Wochenend-Budget ... nach dem Einkauf in dem Plattenladen (zwei Vinylscheiben zweier raren 80er-Jahre Underground-Bands). Zuletzt noch ein All-You-Can-Eat-Sushi-Abendessen - bei dem ich das "all you can eat" mehr als wörtlich genommen habe...

[19.02.20 / 13:57] IPL-Nachbehandlung #10 (#27) - Das ist das erste Mal, daß ich auf dem Behandlungsstuhl meine Hand heben muß - der Schmerz geht bis auf die Knochen. Die rechte Seite vom Kinn und dem Kiefer. Laut Aussage der Behandlerin, ist das noch dieselbe hohe Stufe wie vom letzten Mal ... und die Skala ist noch gar nicht bis auf Anschlag (das Gerät kann noch viel mehr). Hoffentlich hat es die paar hellen Haare dort jetzt richtig erwischt und die kommen nie wieder. Vielleicht wird die Haarwurzel auch so weit geschädigt, daß die Haare an der Stelle viel feiner und weicher herauswachsen, als die lästigen und borstigen Stoppeln. An der Oberlippe fühlt sich das Ganze schon angenehmer und sehr damenhaft an.

[17.02.20 / 15:25] Ich parke mein Auto wenig später an der Adresse, die er mir gegeben hat, er hat schon auf mich gewartet und sieht mein (frisch repariertes) Auto - das einzige, das da in der Nacht herumfährt. Eine moderne Wohnanlage in einem ruhigen Ortsteil außerhalb von Leipzig ... die Mieten sollen hier besonders günstig sein (ich überlege schon, mir abseits des Zentrum eine neue Wohnung zu suchen). Er begleitet mich bis zu seinem Eingang und die Treppe hoch zu seiner Wohnung. Ich hänge meinen Mantel an die Garderobe kurz hinter der Wohnungstür und ziehe meine Doc Martens aus. Erster Eindruck: alles schön aufgeräumt, sauber, zweckmäßig eingerichtet, stilvoll, minimalistisch.

"Das ist mein Wohnzimmer", mit Küche, wie bei mir, "das ist mein Schlafzimmer, da ist das Bad. Möchtest du etwas trinken?"

"Ja, gerne. Ein Wasser."

Wir setzen uns auf sein Ecksofa ... die großen Dinger, die in den Möbelhäusern so herumstehen, die niemals in meine Wohnung passen würden. Seine Wohnung ist ein drittel bis doppelt so groß wie meine.

Ich erzähle noch etwas mehr von mir, meine vergangenen zwei Beziehungen, mein Ex und die eine Kurzzeit-Beziehung mit dem anderen Mann im November und Dezember ein paar Wochen zuvor. Irgendwie kommen wir auf das Thema Partnerbörsen im Internet - ich war auch mal fünf Tage bei einer angemeldet, aber das war mehr so eine für: "Erotische Treffen." Ich kann spüren, wie ihn das anmacht.

"Wollen wir in mein Schlafzimmer gehen?"

Ich bin vorsichtig: "Ich muß dir da vorher noch etwas erzählen ... ich weiß nie, sage ich es vorher, sage ich es nachher? Dem letzten Typen habe ich es erst hinterher erzählt, der war dann ziemlich böse, hat sich betrogen gefühlt."

"Erzähl..."

"Ich bin eine Transfrau."

"Echt jetzt?" Er zeigt sich vollkommen überrascht, nichts deutet darauf hin, daß ich etwas anderes, als eine hübsche Blondine sein könnte.

"Dir ist vielleicht meine ... etwas männliche Stimme aufgefallen?"

Bin ich wirklich so überzeugend? Er bewundert meinen grazilen Körperbau, ich bin keine "Bauarbeiter-Transe", er bewundert meine langen blonden Haare, ich zeige ihm, mit meinen Fingern an den Beckenknochen haltend, wie lange die noch bis vor kurzem waren. Nur das da unten...

"Leider ist bei der Operation etwas schiefgelaufen, die Darmwand wurde aufgerissen, der Arzt mußte alles wieder zunähen", er hat seinen Penis schon hervorgeholt, ich demonstriere ihm anschaulich mit meinen drei mittleren Fingern und den Daumen zusammenhaltend und mit der anderen Hand einen Ring um die mittleren Fingerglieder formend, wieviel Platz ich da unten habe, wieviel von ihm bei mir hineinpassen könnten. "Alle anderen Männer machen das anal mit mir", auch Mister Senegal - ich mußte ihn erwähnen ... mit ganz viel Gleitcreme, aber für ihn war ich definitiv zu eng.

Wir wechseln von seinem Sofa zu seinem großen Bett in dem Schlafzimmer eine Tür weiter. Er legt sich darauf hin und beobachtet mich. "Du siehst wahnsinnig gut aus."

"Hm, okay...", ich habe das kleine Nachtschränkchen neben seinem Bett im Blick, "du kannst jetzt schon mal das Geld da hinlegen, ich nehme es mir dann." Nur ein Scherz - ich habe bis jetzt nie Geld dafür genommen ... aber ich könnte?

Ich wechsele sehr schnell in den professionellen Modus, ich weiß, was ich tue, was ich tun muß. Die Handgriffe, die Blicke, die Berührungen. Er hat seine Hose schon ausgezogen, ist ab dem Unterleib vollkommen nackt, ich ziehe mich vor ihm stehend bis auf meine schwarze Unterwäsche aus ... den Slip in schwarzer Spitze, extra für die Nacht. Die farbige LED-Deckenleuchte, die er zusätzlich zu der Nachttischlampe angeschaltet hat, hüllt die ganze Szenerie in einen dezenten roten Schimmer ... "Rotlicht!"

Ich krabbele zu ihm auf das Bett, fange ihn mit meinem Blick ein. Ein "Handjob", ein "Footjob", ich massiere sein Stück mit meinen Fußsohlen ... das hatte ich bis jetzt nur einmal, bei einem anderen...

Mein schwarzes Spaghettiträger-Unterhemd fliegt zuerst weg, kurzer Kontrollgriff in meine Unterhose ... ich bin soweit!

"Das muß jetzt einfach sein!" Ich kann mich nicht mehr zurückhalten, schmeiße meinen Slip hinter mir und nehme seinen Körper zwischen meine Beine. Ich hocke in der Reiterstellung auf ihm, sein Penis zwischen meinen Schamlippen, an meiner total feuchten Klitoris, meinen Oberkörper immer wieder nach vorne fallend, meine Lippen an seinen Hals.

Ich verliere ihn!

Das ist zuviel für ihn, ich mache ihm Angst, er verliert seine Erektion. Ein Schritt zurück, mehr Entspannung. Ich rutsche wieder nach hinten.

"Bist du OK? Ich kann da noch mehr tun ... oral ... tief!"

Sein Penis gleitet durch meine Finger, ich nähere mich vorsichtig mit meinem Mund, fange an, was ich am besten kann.

"Bereit?" Kurzer Blick in seine Augen, bevor ich komplett an seinem Ding heruntergleite, bis meine Nase seinen Bauch anstupst.

Ich bewundere ihn, wie lange er die Kontrolle behält, an seinem Puls und seiner Atmung versuche ich zu erkennen, an welcher Stelle ich zurückgehen muß. Ich wechsele meine Position, mache mit der Hand weiter ... gehe mit meiner anderen Hand an mir herunter, versuche seine und meine Erregung rhythmisch anzupassen. Er kommt.

Langsam nehme ich das Tempo zurück.

Sein Sperma überzieht meine Hand.

"Soll ich dir Klopapier aus dem Bad holen?"

Ich verschwinde kurz in das Badezimmer, meine Hand waschen und greife die Packung Taschentücher auf dem Regal daneben. Zurück in seinem Schlafzimmer setze ich mich, die Beine kreuzend (mit wahrscheinlich sehr tiefen Einblick) neben ihm auf sein Bett. Schade, daß du die ganze Zeit mich nicht angefaßt hast, du hast meine kleinen Brüste ignoriert, hattest deine Hände die ganze Zeit nur neben dir liegend ... und ich habe mich nicht getraut, dir auf die Lippen zu küssen.

"Wie alt bist du eigentlich?"

"38"

Er beichtet mir darauf, daß er acht Jahre jünger ist als ich, also genau dreißig.

"Wenn eine Frau sagt, daß sie über dreißig ist, dann meint sie, daß sie kurz vor der vierzig steht."

"Und wie viele Männer hattest du schon?"

Viele. Ich erzähle ihm von meinen anderen vergangenen Beziehungen, die Männer, die ich nur für eine Nacht getroffen habe, die ganzen Männer, deren Namen ich noch nicht einmal kenne.

"Aber du bist gesund?"

"Ich lasse mich jedes Jahr testen." Zugegeben, der letzte HIV-Test letzten Sommer deckt nur die ersten beiden der sechs Männer vom letzten Jahr ab. So hundert Prozent sicher bin ich mir nie. Ärgerlich sind immer die paar wenigen Kerle, die einfach mittendrin ihr Kondom abziehen, mein antrainierter Reflex, mit den Fingern das Gummi ertastend, hilft da auch nicht mehr viel.

"Und andere Infektionen?"

Geschlechtskrankheiten? "Feigwarzen, Pilze ... aber die Feigwarzen habe ich mir wegschneiden lassen, beschissener HP-Virus, und den Pilz bekämpfe ich schon seit vier oder fünf Wochen mit einer Salbe."

Er wirkt etwas nervös, ich suche währenddessen meine schwarze Unterhose.

"Ich denke, es wäre besser, wenn du jetzt gehst." Hat er Angst, daß ich ihn mit etwas infiziert habe? Oral mache ich immer ohne Schutz ... bei jedem.

"Ja ... ich schlafe auch lieber gerne in meinem eigenen Bett." Alle Männer verlasse ich danach im frühen Morgengrauen.

Ich ziehe mich wieder an, meine Jeans, meinen Kaschmir-Pulli, zurück im Flur meinen Mantel und meine Stiefel. Er steht neben mir an seiner Wohnungstür.

"Es war etwas Einmaliges..."

Alles klar, Nummer 20 auf meiner Liste.

"Du wirkst jetzt irgendwie angepisst?"

Du setzt mich gerade vor die Tür? "Nein, ist schon OK."

Ich winke ab, er erklärt die Situation. "Ich hatte jetzt auch keine Kondome da."

Das erzählst du mir jetzt? "Niemals ohne!" Ich bin vielleicht ein Flittchen oder ein Betthäschen oder einfach nur promiskuitiv, aber bestimmt nicht unvorsichtig.

Ich frage ihn noch nach einer Wegbeschreibung, wie ich mein Auto wiederfinden kann, bevor wir uns voneinander verabschieden und ich das Treppenhaus hinuntergehe zum Ausgang nach draußen und zurück auf die dunkle Straße, mein Auto suchend. Schon wieder kein richtiger Sex für mich ... schon wieder für umsonst die Tube Gleitgel mit in die Handtasche gepackt. Zurück im Auto tippe ich die Adresse von meiner Wohnung in das Navi vom Telefon, die Tankanzeige liegt bei drei Kilometer, die berechnete Entfernung bei sechs Kilometer ... eigentlich waren es vier, aber ich verpasse die erste Kreuzung und fahre einen Umweg.

Es ist 4 Uhr nochwas den frühen Sonntag Morgen, wenn ich mit leerem Tank hier irgendwo stehenbleibe - auf der dunklen Umgehungsstraße außerhalb des Ortsschildes - habe ich richtig Pech. Zum Glück fahre ich kurz hinter dem Ortsschild von Leipzig an einer 24 Stunden geöffneten Tankstelle vorbei und kann an dem Nachtschalter meine Tankfüllung bezahlen.

Zurück in meine Wohnung, in dem Badezimmerspiegel in seiner Wohnung ist mir schon aufgefallen, daß meine schwarze Wimperntusche verschmiert ist - ich wische alles mit dem Make-up-Entfernungstuch weg. Meine Haare kämmen, die Antidepressiva einwerfen und ins Bett fallen. Gedanken ... ich wäre schon noch gerne bis zum nächsten Morgen geblieben.

Sonntag Mittag - ich stelle den Bialetti-Kocher auf die Herdplatte ... trinke ich meinen Kaffee eben alleine. Tag Eins meines Umzugs in Etappen, ich löse meine kleine Büchersammlung auf, acht ausgewählte Bestseller, darunter fünf Science-Fiction-Klassiker. Auf der Autobahn den Nachmittag wieder zurück zu meiner Erstwohnung (und im Autoradio meinen neuen Song probehören). (Ende Teil 2/2)

[17.02.20 / 15:24] Zurück in Leipzig das Wochenende, später Nachmittag, meine Wohnung kurz durchlüften, die Pflanzen am Leben erhalten. Ich bin nur hier, weil ich den Abend zu einem Konzert will, die Bands kenne ich nicht (bis auf zwei YouTube Videos), aber das DJ-Set zwischen den Umbauten könnte interessant werden. Beim letzten Konzert in Connewitz habe ich ein Foto von dem Veranstaltungsplakat für dieses Konzert gemacht. "KMPC", die langen blonden Haare durchkämmen - neue schwarze Unterwäsche für die Nacht anziehen - und passend zu der schwarzen Jeans, mein neuer schwarzer Kaschmir-Pulli ... mit Kuschelfaktor. Kurz vor 18 Uhr den Sonnabend Abend verlasse ich meine Wohnung wieder in Richtung Süden von Leipzig.

Das Konzert mit den beiden Bands, laut Beschreibung Synth-Pop oder Wave, findet wieder in dem Keller des "Tittendoms" statt - genau der Club mit den Unisex-Toiletten, in denen ich schon so viele erotische Abenteuer hatte. Ich parke mein Auto auf der großen Parkfläche davor. Bis auf zwei weitere Gäste sind noch keine anderen Menschen da - "Doors open 6:30 pm", die Zeit auf dem Veranstaltungsplakat stimmt so nicht mehr, wir werden zu einem anderen Seiteneingang geschickt, der Zeitpunkt für den Einlaß könnte sich noch weiter auf später verschieben.

Das historische Gebäude, eine alte Verkaufshalle in Fabrikoptik, altes Mauerwerk, uralte 30er Jahre Fenster mit abgeblätterten Holzrahmen. Die Eingänge zu dem Kellerclub liegen in einem Graben rund um das Gebäude, an der Treppe von dem Parkplatz hinunter sammeln sich die ersten Gäste. Noch weiß niemand, wo eigentlich der richtige Eingang ist, alle stehen in der Nähe der einzigen Tür, die mit einer Funzel beleuchtet ist ... zum Glück ist es nicht so kalt (in meinem schwarzen Wollmantel).

Gefühlt eine dreiviertel Stunde Wartezeit später, macht jemand die schwere Eisentür auf, ich stehe unter den zehn ersten Gästen in der Schlange ... die paar vor mir haben alle so einen Zettel mit dem Onlineticket.

"Ist die Abendkasse noch offen?" Ich frage am Eingang den Mann, der die Tickets überprüft.

"Nein, das Konzert ist ausverkauft."

"Und ich habe mich extra beeilt..." Ich brauche den Thrill: Komme ich rein, komme ich nicht rein. "...das stand so nicht im Internet."

"Tut mir leid."

"OK! Plan B!" Ich drehe mich spontan um und quetsche mich durch die Menschenmenge, durch den Eingang zurück nach draußen. Die Treppe hoch zum Parkplatz, zurück zu meinem Auto - dann fahre ich jetzt in die Innenstadt, etwas essen, in eine Bar gehen und mich von irgendeinem Kerl aufgabeln lassen (das ist der Plan B).

Gegen 19:30 Uhr parke ich mein Auto in dem sündhaft teuren, aber sehr gut beleuchteten Parkhaus in der Leipziger Innenstadt, die Geschäfte sind noch offen. Auf dem Weg zu der Bar am Marktplatz besuche ich noch kurz den einen Schuh-Outlet-Laden, für den ich das letzte Mal noch weniger Zeit hatte. Dieses Mal sind die Schuhe besser in der Größe sortiert (bzw. ich erkenne das jetzt erst), aber in den Regalen zwischen Damenschuhen in der Größe 40 bis 41 finde ich noch keine Sommerschuhe - ich bin immer noch auf der Suche nach einem Paar Pantoletten ... für Hof und Garten.

Weiter zu der Bar am Marktplatz. Ein freier Tisch am hintersten Ende gegenüber am Bartresen, ich bestelle eine Cola und einen großen Teller mit dem "Veggie-Burger", der Kellner ist ein- oder zweimal damit an mir vorbeigelaufen - das will ich auch essen. Es dauert ewig, bis mir der Burger serviert wird, die Bar ist wie immer am Sonnabend Abend voll, ich habe in der Zwischenzeit auf meinem Telefon im Internet nach anderen Veranstaltungstips gesucht ... auf einer dieser ominösen "Social-Network-Plattform", wo anscheinend jeder ist - außer ich - steht tatsächlich, daß das Konzert von vorhin ausverkauft war. Der eine Kellerclub östlich der Innenstadt könnte noch interessant für mich sein ... eine Gothic-schwarze Tanzveranstaltung.

Ich bin kurz davor, die letzte meiner drei Flaschen bestellter Limonade auszutrinken, den leeren Teller beiseite zu schieben und nach meiner Rechnung zu fragen, als ich von jemanden an dem Tisch hinter mir angefragt werde: "Möchtest du dich nicht zu uns setzen? Du sitzt da so alleine."

"Ja, klar."

Die beiden jungen Männer stellen sich mir vor. Was machst du so? Bist du alleine hier? Wir gehen nachher noch woanders hin.

Ich erzähle ein bißchen von mir, aber bei der Lautstärke kommt nicht alles an. "Das letzte Mal saß ich dort hinten an der Bar und habe auf jemanden gewartet, aber der hat mich am Ende versetzt."

Die beiden scheinen sehr nett zu sein, aber das Gespräch führt nur der eine junge Kerl, nach seinen Angaben um die dreißig, der direkt hinter mir saß ... könnte das noch was werden für mich für die Nacht?

Ich trinke mein Getränk aus, die beiden bezahlen auch ihr Bier oder Cocktail, der eine Mann mir gegenüber verabschiedet sich, ich bleibe weiter bei dem, mit dem ich mich die ganze Zeit schon unterhalte ... interessant, daß ich beim Flirten unbewußt dieselbe Körperhaltung einnehme.

"Wollen wir noch zusammen in eine andere Bar gehen?" Ich habe ihm von meinen anderen Gothic-Clubs und linksalternativen Konzertlocations, in denen ich mich sonst herumtreibe, erzählt - die er alle nicht kennt, dafür erzählt er mir von seinen Bars und Clubs, die er gerne besucht. Ich bin offen für neues, wir verlassen die Bar am Marktplatz und gehen ein paar hundert Meter zur nächsten.

"Hier war ich noch nicht", diese abgelegene Ecke der Fußgängerzone betrete ich sonst nie, erst recht nicht im Dunkeln, der Club ist genauso aufgeteilt wie der andere am Marktplatz - eine Bar oben und eine Tanzfläche (mit extra Eintritt) unten im Keller.

"Laß uns reingehen, einen Tisch suchen. Die Bar wir dir gefallen."

Tatsächlich ist die Atmosphäre innen drinnen ganz angenehm ... die andere Bar war zu laut und zu belebt. Wir setzen uns zu zweit an einen Tisch in der hintersten Ecke, neben dem großen Fenster nach draußen, die Lautstärke der aufgelegten House-Musik ist hier nicht ganz so laut.

"Erzähl was von dir, was machst du so? Wo kommst du her?"

"Ich mache ... Software, Computer programmieren." (Mein Webmail.)

"Wirklich?"

Ein todlangweiliges Thema? In dem weiteren Gesprächsverlauf erhält er viel mehr Einblick in meine Welt, er erfährt wie mich die Arbeit am Ende kaputt gemacht hat, wie ich in der Psychiatrie gelandet bin, alle die Männer, mit denen ich was hatte, und mein Ex-Freund - er nimmt mir das mit der "Vergewaltigung" nicht wirklich ab ... ist auch irgendwie kompliziert zu erklären, wenn das in einer Beziehung passiert. Er erzählt auch ein bißchen über sich, aber nicht allzuviel ... er wohnt irgendwo in einem Ortsteil am Rande von Leipzig. Sein Blick hängt an mir. Ihm gefallen meine schwarzen Sachen, mein orientalischer Schal ... und meine langen blonden Haare. Ihm fällt auch auf, daß ich immer etwas zum Spielen in meinen Fingern brauche - ich stochere mit dem Strohhalm in dem Eis von meinem mittlerweile ausgetrunkenen Ipanema.

"Magst du vielleicht meine Wohnung sehen?"

Ich bin zutiefst neugierig, wie andere wohnen und springe darauf sofort an.

"OK ... laß uns gehen." (Habe ich das gesagt oder er?)

Irgendwo nach Mitternacht, ich möchte nicht wissen, was das jetzt in dem Parkhaus gekostet hat. Wieder zurück auf dem Marktplatz trennen sich unsere Wege, er gibt mir seine Adresse, die ich in das Navi eintippen kann, und geht zu seinem Auto ... meins steht immer noch in dem Parkhaus.

"Bis nachher!"

Bis gleich.

Zurück in dem Parkhaus ... ein zweistelliger Betrag am Ticketautomaten der Tiefgarage. Vor der Ausfahrt hinter der Schranke stehen so zwielichtige Gestalten, auf dem Weg zu dem Parkhaus habe ich schon einige, zu stark angetrunkene Menschen gesehen ... ich verriegele vorsichtshalber von innen die Türen - die Ampel, an der ich draußen immer halten muß, steht direkt neben der Straßenbahnhaltestelle (und meine Handtasche auf dem Beifahrersitz hänge ich immer über den Gangschalthebel). Durch die Nacht weiter durch die verlassenen Straßen von Leipzig, der Tank ist fast leer ... hoffentlich reicht das noch bis zu seiner Adresse - und danach wieder zurück. (Ende Teil 1/2)

[06.02.20 / 19:15] Scheiß Tag, düster grau, mein Auto ist jetzt noch mehr kaputt. Bei der Einfahrt auf den Parkplatz eines Einkaufscenters ... aus unerfindlichen Gründen legt der Fahrer des vor mir wartenden Fahrzeugs den Rückwärtsgang ein und setzt zurück. "Ach Scheiße! Scheiße!" Ich beruhige mich sehr schnell wieder. Wir parken unsere Autos irgendwo und nehmen den Schaden auf. Sein Auto zeigt keinen kleinsten Kratzer, massive deutsche Wertarbeit, mein japanischer Origami-Flitzer zerbricht beim kleinsten Anstoß. Den Riß in der Frontschürze kann man jetzt wirklich nicht mehr kleben ... olivgrünes Panzertape? Nein, das muß in der Werkstatt ausgetauscht werden, das wird teuer.

Wir rufen beide unsere Versicherungen an, meine teilt mir mit, daß ich unbedingt auf dem Unfallbericht notieren muß, daß ich stand - damit mir auch kein Strick daraus gedreht wird und mir noch irgend etwas mit Mitschuld angehängt werden könnte (ich hätte ja auch mutwillig auf das Gaspedal treten können). Zeugen gibt es nicht ... Minimalschaden, interessiert auch keinen, alltägliches Parkplatzgeschehen. Ein paar Fotos vom Kennzeichen, seine und meine Kontaktdaten, die Unterschrift auf dem Unfallbericht - alles weitere machen die Versicherungen unter sich aus. Das Ganze passiert in weniger als einer Stunde. Ihm tut es schon sehr leid ... er hat mich einfach im Rückspiegel übersehen - mein Auto ist aber auch flach. Wir bleiben nett und benutzen das "du" - "Passiert halt!"

Stunden später den Abend ... anstatt ewig lange den Rückwärtsgang zu suchen, hätte ich einfach mal auf die Hupe hauen können. Hätte...

Mein neues Auto mußte in den letzten dreieinhalb Jahren schon mehr leiden, als mein alter Fiat seine 16 Jahre.

[02.02.20 / 23:58] Nach über zwei Monaten Arbeit ist jetzt endlich der Titel von der A-Seite der neuen vierten Single online. Zwei Monate Arbeit, seit Ende November ... allein den Synthesizer-Track mit dem Sphere-Sound im Hintergrund habe ich mindestens fünf- oder sechsmal aufgenommen, bis er endlich (halbwegs) paßt ... ich hatte die letzten Wochen schon fast einen "Kreativ-Burnout". Die Aufnahmen mit meiner Gesangsstimme waren von Anfang an total "verhallt", unglücklicherweise über das Mischpult nur den Alt-Kanal mit dem aufgerechneten Echoeffekt aufgenommen - nicht aber das Eingangssignal vom Mikro ... der ganze Text, in dem ich die Erfahrungen mit meinem Ex-Freund verarbeite. Ich will, daß jeder in der Disko seinen Namen schreit! Dafür ist die Drum- und die Bass-Spur im Vordergrund - und der Titel ist extrem tanzbar! (Tief in die Trickkiste gegriffen: Synkopen, Pentatonik, Verschleppungen im Takt.)

"Morgana LaGoth - Vampire in Tel Aviv"

www.oscilloworld.de/morganalagoth/

und YouTube

Nach dem Titel ist vor dem Titel - die B-Seite mit dem Remix meines allerersten Titels von 2011 muß ich auch noch aufnehmen und neu abmischen.

[29.01.20 / 16:02] Dinge kündigen sich an ... ich habe gerade einen Anruf von der Hausverwaltung erhalten - ich muß zum Juni aus meiner schönen Dachgeschoßwohnung in Leipzig ausziehen. Das Dach wird neu gemacht, die komplette Etage neu- und umgebaut, die Wohnungen vergrößert oder zusammengelegt. Die umfangreichen Baumaßnahmen gehen mindestens ein dreiviertel Jahr und es wäre doch schön, wenn ich sowieso gerade den Mietvertrag kündigen wollte (und ich habe mich schon gewundert, warum ich da oben quasi noch als Einzige lebe ... also nur ich und der Andere in der anderen Wohnung, zwei von vier stehen leer).

Ich spiele seit einiger Zeit mit dem Gedanken, da auszuziehen ... auszuziehen zu müssen. Mit dem Wechsel von Mai auf Juni diesen Jahres läuft mein Arbeitslosengeld aus, ich habe dann kein Geld mehr, mir eine teure Zweitwohnung leisten zu können. Meinen Kram und meine Möbel kann ich bei meinen Eltern unterstellen, für meine Wochenenden in Leipzig lebe ich dann wieder in einem Hotel, oder in meinem Auto, oder auf der Straße.

Die Hausverwaltung ist noch so kulant und läßt mich die Wohnung noch für das komplette Pfingstwochenende nutzen, auf alle Arbeiten wie Wände streichen, kann ich verzichten - bis dahin muß nur alles raus sein und ich penne im Schlafsack auf einer Isomatte. Grundreinigung fällt bestimmt auch weg.

Meine schöne Wohnung, mit dem schönen Licht, Süd- und Ostseite, der Blick auf die Häuserdächer in der Umgebung und das ganze Grün ... jetzt kommen mir die Tränen. (Mir bleiben aber noch vier Monate.)

Auch den heutigen Tag passiert: Nach einem halben Jahr erreicht mich per Post das "vernichtende" Arbeitszeugnis meines alten Arbeitgebers: Arbeitsbereitschaft war gut ... zeigte eine zufriedenstellende Arbeitsweise ... dem Durchschnitt entsprechende Arbeitsqualität ... Arbeitsmenge und Arbeitstempo entsprachen den Erwartungen. Die Arbeiten, die sie annahm [sic!], hat sie zu unserer Zufriedenheit bewältigt. Das Arbeitsverhältnis endet [...] im gegenseitigen Einvernehmen. Wir danken für ihre Leistung und bedauern ihr Ausscheiden. Damit kann ich mich auch nicht bewerben ... und will ich das überhaupt?

Keine Arbeit, kein Geld, keine Wohnung. (Letzte Nachricht von meinem Ex-Freund: er ist mittlerweile auch obdachlos.)

[28.01.20 / 17:14] 8 Monate Post-Korrektur-OP ... mal ein Update. Das mit dem Bougieren, ich bin wieder nachlässig geworden, so alle paar Tage oder ein- oder zweimal die Woche gehe ich mit meiner, auf vier Finger erweiterten Technik da hinein. Ich weiß, ich sollte das häufiger machen. Meine Vaginaltrainer liegen seit Wochen unbenutzt in der kleinen Aufbewahrungstasche im Badezimmer. Die Estriol-Vaginalcreme habe ich schon seit der Korrekturoperation nicht mehr angewendet. Wenigstens das Fett muß regelmäßig sein, sonst wird es in dem kleinen Loch da unten zu trocken und zu stumpf.

Die Tiefe ... ist es überhaupt eine nennenswerte Tiefe? Am unteren Ende des Ansatzes sind es drei Zentimeter, am oberen Ansatz, die Schamlippen mitgezählt, zwischen viereinhalb und fünf Zentimeter. Ob es mehr wären, würde ich das konsequent trainieren? Wozu ... paßt sowieso keiner rein.

Was mich stört, ist der Rest des Schwellkörpers - bei Erregung drückt er alles mit ab und in das winzige Loch darunter paßt dann gar nichts mehr. Wenigstens verliere ich meine Scheu, mich da unten auch etwas fester anzufassen, die Klitoris ist sensibel* - aber für einen finalen Orgasmus reicht es immer noch nicht. Ich bin mir absolut sicher, daß das nur noch eine reine Kopfsache ist - es ist so wie bei meinen vergangenen Schlafproblemen, wenn ich es erzwinge, kommt es nicht.

Was ich aber erwähnen muß: Nach der ersten Operation 2018 war die Ästhetik der ganzen Vulva und der Schamlippen einfach überragend - nach der Korrekturoperation 2019 und der Entfernung eines Hauttransplantats von einer Seite der Leistengegend, welches zur Verbreiterung (und minimalen Vertiefung) an anderer Stelle wieder eingenäht wurde (die Fäden sind weg), stimmt die ganze Symmetrie nicht mehr. Die eine Schamlippe ist normal groß, die andere ist verkürzt und das Volumen fehlt - hier aber nur der untere und hintere Teil, von vorne sieht man nichts (also nur von ganz unten, mit dem Spiegel, wenn ich meine Beine spreize). Form folgt Funktion. Bestimmt ist auch jede geborene Bio-Frau mit irgend etwas da unten nicht zufrieden.

Noch eine Korrekturoperation? Verschlimmbesserung? Die Erweiterung der Neovagina mit dem Sigma-Darm-Abschnitt oder ein Stück Bauchfell auf eine endlich funktionale Tiefe? Gerade gelesen ... die Wangenschleimhaut ist auch dafür geeignet - aber die kann ich mir nun wirklich nicht noch entfernen lassen.

(* Ich wollte es genau wissen und habe da mal mit einem stumpfen Bleistift hineingepiekst.)

[27.01.20 / 00:21] Sonnabend Abend, nach meinem Essen kochen und dem obligatorischem Abwasch mache ich mich gegen 20 oder 21 Uhr wieder ausgehfertig, Beine rasieren, duschen, "KMPC" - ich kann mir genug Zeit lassen, der Club in Plagwitz für die heutige Nacht macht sowieso erst kurz vor Mitternacht auf. Meine Kleiderwahl ist absolut identisch mit der vom letzten Wochenende, das Leopardenkleid habe ich dann dreimal getragen, das kann dann danach in die Wäsche (die schwarze Leggings auch). Bereit für die Nacht lege ich vor dem Badezimmerspiegel noch meine indischen Ohrhänger an, ziehe meinen schwarzen Mantel und meine Unterziehjacke an, meine Stiefel, mein Schal und greife meine Handtasche. 23:15 Uhr, zu Fuß zu meinem geparkten Auto.

Das Navigationssystem kennt immer noch nicht die gesperrte Brücke nach Plagwitz, ich ignoriere die auf leise gestellten Anweisungen und folge der Route in meinem Kopf, die ich sonst auch immer fahre ... nur die Richtung, wie ich in die Straße mit dem Club fahre, überrascht mich immer wieder: "Ah, da ist ja der Parkplatz ... ich hatte Sex auf diesem Parkplatz!"

Präzise 23:45 Uhr betrete ich das Eingangsareal des Clubs, die Taschenkontrollen sind nichts ungewöhnliches, aber daß jeder Gast nach seinem Ausweis gefragt wird? (Es muß jeder gefragt werden, damit sich jeweils die Alten und die Jungen nicht diskriminiert fühlen.) Das mit dem Aufkleber auf die Handykamera ist mir auch neu.

Diese Nacht sind wieder beide Tanzflächen geöffnet, die eine kleine Halle im Erdgeschoß und der Keller einmal nach draußen über den Innenhof. An der Garderobe neben der Halle mit der größeren Tanzfläche gebe ich meine beiden Jacken ab (und zahle nur einmal - das ist ein Innenfutter!), eine Cola an der Bar holen, kurz auf die Tanzfläche schauen, mich in der Ecke auf einem Barhocker setzen, alles entspannt beobachten. Für kurz vor Mitternacht sind schon ziemlich viele Gäste anwesend, es kommen immer mehr ... noch ist der Andrang an der Bar "moderat".

Draußen vor dem Eingang haben ein paar ehrenamtliche Mitarbeiter der Aids-Hilfe einen Stand aufgebaut, mit Spendendose und verteilen Kondome, ich werfe eine Zwei-Euro Münze ein: "Weil ich mich bei euch immer kostenlos testen lassen kann." [Nur während des alljährlichen CSD, Anm. der Verfasserin.] Auf ein Kondom verzichte ich vorerst: "Vielleicht später, wer weiß, was die Nacht noch so passiert?" Ich bin zuversichtlich und habe meine Tube Gleitgel wieder mit eingepackt - aber eigentlich sollte ich wegen dieser hartnäckigen Pilzinfektion da unten bei mir für die nächste Zeit auf Sex verzichten ... jeder der so mit mir was hat, steckt sich mit Garantie auch an. (Von wem ich das habe, weiß ich nicht, aber "Mister Senegal" gehört als letzter Kontakt zu dem engen Kreis der Verdächtigen.

Ich trinke meine Flasche Cola aus, rutsche vom Barhocker, löse an der Bar den Pfand ein und wechsele über zu der anderen Tanzfläche. "Jetzt wird es kalt!" Meinen Schal ziehe ich noch etwas enger und sprinte die paar Meter über den Innenhof draußen zu der Tür mit dem Eingang zu der zweiten Tanzfläche unten in dem Keller. Während auf der ersten Tanzfläche die DJs die Nacht House und Disco auflegen, wird hier unten in dem Keller Gothic und Artverwandtes gespielt ... eigentlich genau richtig für mich.

Ich schiebe mich durch die immer mehr werdenden Mengen an Gäste bis ich das hintere Ende des Kellers erreicht habe, alles dunkel, düster, Nebel, aufblitzende Lichter, tanzende Menschen in Schwarz ... sollte hier nicht noch eine zweite Bar sein? Ich glaube mich zu erinnern, daß hier noch eine war. Die Tür ist verschlossen, dieser Bereich ist für diese Nacht nicht zugänglich ... Mist. Und ich habe extra meine Flasche an der anderen Bar in dem anderen Gebäude, quer über den Innenhof zurück, abgegeben. Ich bleibe eine Weile hier stehen und fange an, die ersten Titel zu tanzen.

Irgendwann muß ich doch noch nach draußen zu der für diesen Abend einzigen Bar in dem Gebäude mit der großen Tanzfläche. Erst als ich den Andrang von Partygästen dort sehe, wird mir richtig bewußt, wie voll das alles geworden ist. Es dauert ewig, bis ich auch an der Reihe bin und mir meine zweite Flasche Cola bestellen kann.

Wieder zurück in dem Keller ... je mehr Menschen, desto weniger meine Stimmung. Die Ecke ganz hinten reklamiere ich als mein Rückzugsort. Ich beobachte die anderen Gäste ... Trainingshosen? Trainingsjacken? Habe ich irgendwie einen Trend verpaßt? Ich drehe mich um zu der Wand bzw. der Tür zu der verlorenen Bar hinter mir, schließe meine Augen und tanze für mich selbst. Letzter Blick auf mein Telefon, 2:30 Uhr, wenn ich bis drei Uhr von niemanden angesprochen werde, läuft erfahrungsgemäß nichts mehr und ich kann auch gehen.

Ein Gast schlängelt sich durch die Mengen zu mir nach ganz hinten in dem Keller, legt seinen schweren Rucksack neben mir ab und fragt mich, ob ich mal kurz darauf aufpassen könnte. "Na klar", ich bin sowieso die ganze Zeit hier hinten in der dunkelsten Ecke. Im Gegenzug bringt er mir auch etwas von der Bar mit: "Eine Cola wäre nett." Meine zweite Flasche ist schon längst ausgetrunken.

Als er zurückkommt, leuchte ich ihm mit meiner Handykamera auf seinen Rucksack, er kramt darin herum und er hat mehrere merkwürdige Sachen darin ... ein Ball, eine Tüte Mehl (?), mindestens zwei Flaschen Whisky oder Rum. Wie bist du damit nur durch die Taschenkontrollen am Eingang des Clubs gekommen? Seinen Angaben nach, kommt er gerade von einem Kindergeburtstag. Um drei Uhr nachts?

Er versucht sich mit mir zu unterhalten, aber die Lautstärke verhindert das meiste. Gelegentlich tanze ich ein paar Titel für mich, während er neben mir in der Ecke sitzt, seine ausgestreckten Beine als Stolperfalle für alle anderen, tanzenden Gäste. Ab und zu steht er auch mal auf.

"Willst du noch etwas von der Bar?"

"Ja, aber jetzt nur noch Wasser, bitte nichts mit Alkohol."

"Whisky-Cola?"

"Nein, nur eine Flasche Wasser, nichts mit Alkohol!"

"OK, zwei Flaschen Wasser ... und finde ich ja total supernett von dir, daß du hier auf mein Zeug aufpaßt."

Er verschwindet wieder für ein paar Minuten und kommt tatsächlich mit zwei Flaschen Wasser für mich zurück.

Das geht noch so eine ganze Weile, er verschwindet auch mal auf Toilette, ich habe seinen Rucksack in der Ecke mehr oder weniger im Blick. Nach und nach sammeln sich dort mit ihm seine ganzen Pfandbecher Rum-Cola oder Whisky und seine Flaschen Fusel aus seinem Rucksack.

Jetzt wird von dem DJ richtig gute Musik aufgelegt - alles was ich mag: Italo, Wave, Post Punk, ein Kracher nach dem anderen, ich muß einfach tanzen. Meine Füße und meine Wirbelsäule schmerzen, ich habe mich seit Stunden nirgendwo hinsetzen können (auch nicht auf der Toilette, speziell die Klobrille). Er tanzt mit mir, exzessiv, rempelt andere Leute an, versucht andere Partygäste mit einzubeziehen ... die das irgendwie nicht so richtig finden. Der Alkohol wirkt in ihm, er wird zunehmend stärker betrunken. Bis er dann nur noch in der Ecke liegt.

"Du kannst dich hier nicht hinlegen und pennen! Die Security schmeißt dich raus."

Ich beuge mich zu ihm herunter, hocke mich neben ihm, er fängt an, mich vollzuquatschen.

"Wirklich echt supernett von dir ... du siehst heiß aus ... egal ob du jetzt ein Mann bist."

Hey, Moment!

"Ich bin eine Frau!"

"Ja ... klar ... Frau ... Mann ... ist mir egal. Ich liebe transsexuelle Frauen!"

Von dem nächsten Zeug, das er mir ins Ohr quatscht, verstehe ich überhaupt nichts.

Irgendwann rappelt er sich doch auf und gibt mir zu verstehen, daß er so langsam gehen möchte. Der Club ist spürbar leerer geworden, ich habe überhaupt keine Ahnung, wie spät es geworden ist - aber ich will eigentlich auch gehen. Ich gehe über den Innenhof in den anderen Teil des Clubs mit der Garderobe und der Bar. Die Bar selbst ist jetzt wieder sehr gut zu erreichen, ich bin der einzige Gast an der Theke (Flaschenpfand). Auch auf der Tanzfläche sind nicht mehr viele tanzenden Gäste anwesend.

Dick angezogen mit meinem Wollmantel und meinem Schal (den ich fast die ganze Nacht umhatte) gehe ich noch einmal die Treppe runter in den Keller, ich will mich wenigstens von ihm verabschieden. Er kommt mir entgegen und wir gehen beide nach draußen. Er legt seinen Rucksack auf eine Bank, der Reißverschluß ist weit offen.

"Alles wichtige fehlt!"

Er läßt mich mit seinem Rucksack stehen und geht noch einmal zurück in den Club.

Ein Security-Mitarbeiter fragt mich: "War der Kerl da gerade an deinem Rucksack?"

"Nein, das ist seiner."

Eine zweite Security-Mitarbeiterin kommt hinzu, die beiden unterhalten sich: "Wenn er nicht wollte, daß da was geklaut wird, hätte er den wie alle anderen auch an der Garderobe abgeben sollen."

"Es fehlen zumindest die zwei oder drei Flaschen Schnaps, die da drinnen waren. Die hat er alle ausgetrunken." (Ich weiß es.)

Er kommt zurück aus dem Kellereingang, was da drinnen passiert ist, ich habe keine Ahnung. Die Brille, die er bis eben noch trug, trägt er jetzt nicht mehr. Er wird von dem stämmigen Security-Mitarbeiter nach draußen befördert.

"Das passiert, wenn du da drinnen Streß machst, die anderen Gäste anpöbelst!"

Als stille Beobachterin trage ich ihm seinen Rucksack hinterher.

Und ich bin noch so nett...

"Verpiß dich!"

Er wird jetzt von der Security (ein echter Ledernacken) mit Schwung den Innenhof in Richtung der Straße nach draußen geworfen, taumelnd und stolpernd über ein Absperrgitter.

Der Rucksack wird mir abgenommen.

"Und vergiß deinen Scheiß Rucksack nicht!"

Hach, ich verschwinde dann mal...

Mit den Händen tief in meinem Wollmantel, gehe ich um das Ganze drumherum und würdige ihm keines weiteren Blickes. Ich bin davon nicht betroffen, mich geht das nichts an, ich kenne nicht mal seinen Namen - aber schön, daß du mir während der Nacht drei Getränke ausgegeben hast. Hättest du dich nicht so voll laufen lassen ... ich gerate immer wieder an die falschen Männer.

Zurück zu meinem Auto, 6:15 Uhr den Sonntag Morgen. Es ist leicht neblig und irgendwie kalt. Während ich gut eingepackt bin, hatte er am Ende, als er auf die Straße geworfen wurde, nur noch sein weißes T-Shirt an. Zurück in meine Wohnung, innerhalb einer Stunde liege ich in meinem warmen Bett. Ob er jetzt wohl mich verdächtigt, ihm alles aus seinem Rucksack geklaut zu haben? Die diebische Transsexuelle? Ich hatte auch keine Gelegenheit, ihm meinen Namen zu nennen, oder überhaupt irgendwelche Details über mich.

Sonntag ... Croissants aus dem Backofen, Kaffee, zwei Stück Kuchen von dem Bäcker, eine Tasse Tee - und mein Rezept den Abend (der Tomaten-Zucchini-Oliven-Kapern-Nudelauflauf) noch einmal kochen, jetzt aber mit Couscous, der orientalischen Gewürzpalette und, der Einfachheit halber, ohne Überbacken im Ofen. Diese Variante des sizilianischen Rezepts, mit "tunesisch" viel Chili, gefällt mir sogar noch etwas besser. (Ende Teil 2/2)

[27.01.20 / 00:20] Nudelauflauf mit Tomaten, Zucchini, Oliven und Kapern: In einem Topf Wasser aufsetzen, eine große Tomate in kleine Stücke zerteilen, eine halbe Zucchini erst in Scheiben, danach in schmale Streifen, Knoblauch und Schalotten kleinschneiden. In dem Topf die Nudeln kochen, währenddessen in einer zweiten Pfanne Olivenöl mit Chilipulver erhitzen, die Tomaten und die Zucchini dazugeben, alles mit Salz, Pfeffer, Oregano, Basilikum und Thymian würzen, die Soße in der Pfanne lange, auf mittlerer Stufe, auf dem Herd köcheln lassen. Aus dem ersten Topf die Nudeln abgießen, eine handvoll Oliven entsteinen (mit einer speziellen Zange / Olivenentsteiner - was für ein Wunderwerk der Technik, wie konnte ich nur so lange ohne damit leben?), die Oliven in kleinen Scheiben mit in die Pfanne geben, einen Teelöffel Kapern dazu, alles weiterköcheln lassen und gelegentlich umrühren. Den Backofen vorheizen, ein Stück Ziegenkäse halbieren, die erste Hälfte in kleine Würfel zerteilen, die fertigen Nudeln mit der Tomaten-Zucchini-Oliven-Kapern-Soße aus der Pfanne in dem Nudeltopf mischen, umrühren und die erste Hälfte des Ziegenkäses dazugeben und unterrühren. Eine Auflaufform einölen, alles aus dem Topf in die Auflaufform geben, mit einer zweiten, kleinen Tomate, in Scheiben geschnitten, dekorieren, die zweite Hälfte des Ziegenkäses in Streifen darüber legen. Den Auflauf im Ofen mit Umluft bei 200 Grad 20 bis 25 Minuten backen, bis der Ziegenkäse anfängt, braun zu werden (der besondere Ziegenkäse vom Wochenmarkt zerläuft tatsächlich), alles fertig in der Auflaufform heiß servieren.

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Kommentar:

[05.12.22 / 17:34] Daniele1992: Hallo Morgana

Mail ist heute rausgegangen

LG Daniele

[13.11.22 / 09:33] Daniele1992: Hallo Morgana

aktuell keine schöne Situation. Ich schreibe Dir noch eine Mail dazu.

LG Daniele

Morgana LaGoth: Einige Kommentare müssen auch nicht allzu öffentlich sein …

[13.05.22 / 09:15] Daniele1992: Hallo Morgana,

Tolle Reisebericht von Deiner neusten Reise nach Paris. Macht grosse Lust auch wieder dort hinzufahren um sich von der Stadt inspirieren zu lassen.

Tolle Neuigkeiten.NeuerJob. Klasse! Freue mich für Dich.

Liebe Grüße

Daniele

Morgana LaGoth: Danke. Endlich wieder verreisen … lange darauf gewartet. Lebendig bleiben, solange es noch geht.

[24.12.21 / 20:55] Daniele1992: Hallo Morgana,

Ich denke an Dich und wünsche Dir frohe Weihnachten und ein schönes neues Jahr 2022.

Liebe Grüße

Daniele

Morgana LaGoth: Vielen Dank, ich wünsche dir ebenfalls ein schönes, neues Jahr.

[25.09.21 / 14:59] Daniele1992: Hallo,

eine Chance etwas Neues zu machen. Neue Perspektiven. Urlaubsträume, die bald real werden können. Nicht so schlecht. Freue mich für Dich. LG Daniele.

Morgana LaGoth: Danke dir.

[11.11.20 / 09:12] Daniele1992: Hallo Morgana

Ich habe Dir eine Mail geschickt.

Lg

Daniele

Morgana LaGoth: Hey ... vom Lenkrad aus mit der Hand winken, von einem MX-5 zum anderen. *freu*

[30.07.20 / 22:03] Daniele1992: Guten Abend

das habe ich sehr gerne gemacht. Zum Einen interessiert mich das Thema und zum Anderen hast Du wirklich sehr lebendig und spannend geschrieben. Da wollte ich Alles lesen und wollte Dir schreiben, das mir Dein Blog besonders gut gefallen hat (Die eigentliche Arbeit hattest Du ja mit dem Verfassen des Blogs). Wenn Du magst können wir den Kontakt gerne per Mail halten. Viele Grüße Daniele

Morgana LaGoth: Mail-Adresse steht oben bei "kontakt" - bei weiteren Fragen, gerne.

[30.07.20 / 12:44] Daniele1992: Guten Morgen,

vielen Dank für Deinen tollen Blog. Ich habe ihn in den letzten Wochen komplett gelesen. Meistens konnte ich gar nicht aufhören zu lesen. Fast wie bei einem sehr spannenden Roman. Ich habe dabei Deine genauen Beobachtungen und Beschreibungen sehr genossen. Deine vielen Ausflüge in die Clubs und zu den Festivals oder Deine Streifzüge d durch die Geschäfte beschreibst Du immer aus Deiner Sicht sehr anschaulich und spannend. Ich kann das sehr gut nachvollziehen, das alleine zu erleben, häufig auch mit einer gewissen Distanz. Ich kenne ich von mir sehr gut. Highlights sind Deine Reiseberichte. Deine Erlebnisse an den unterschiedlichsten Orten auf der Welt. Vielen Dank dafür. Vielen Dank auch das Du Deinen Weg zu Deinem waren Geschlecht mit uns Lesern teilst. Deinen Weg Deine Gefühle Deine zeitweisen Zweifel. Das ist sehr wertvoll auch für uns Andere, denn es ist authentisch und sehr selten. Du bist einem dadurch sehr vertraut geworden. Für mich ist eine gefühlte grosse Nähe dadurch entstanden. Umso mehr schmerzt es mich von Deinen Rückschlägen zu lesen. Von Deinem Kampf zu Deinem wahren Ich. Von Deinem Kampf umd Liebe, Zährlichkeit und Akzepzanz und Anerkenung. Von Deiem mitunter verzweifeltem Kampf nach Liebe und Anerkennung durch Deinen Exfreund. Leider vergeblich. Dein Kampf um wirtschaftliche Unabhängigkeit und Deine aktuell missliche Lage. Ich glaube dass Du nicht gescheitert bist. Du hast viel Mumm und Hardnäckigkeit bewiesen Deinen Gang zu Dir selbst zu gehen. Du hast auch einen guten Beruf der immer noch sehr gefragt ist. Vielleicht kann ja nach dieser Auszeit und etwas Abstand ein Neuanfang in einer anderen Firma, wo Du keine Vergangenheit als Mann hattest gelingen. Ich wünsche das Dir ein Neuanfang gelingt und drücke Dir ganz fest die Daumen. Daniele

Morgana LaGoth: Da liest sich tatsächlich jemand alles durch? Das ist mittlerweile schon ein kompletter Roman mit mehreren hundert Seiten! Danke dir, für deinen Kommentar (und die aufgebrachte Zeit).

[05.10.19 / 17:11] Drea Doria: Meine liebe Morgana,

bin 5 T post all-in-one-FzF-OP. Deine guten Wünsche haben geholfen. Der Koch ist immernoch noch super. Alle hier sind herzlich und nehmen sich Zeit.

Herzlich

Drea

Morgana LaGoth: Dann wünsch ich dir jetzt noch viel mehr Glück bei deiner Genesung!

[14.06.19 / 12:57] Drea Doria: Meine liebe Morgana,

vielen Dank für Deine offenen und kritischen Erlebnisberichte. Ich bin in 3 Monaten in Sanssouci zur FzF-OP. Ich denke auch, was kann schon schief gehen, status quo geht nicht und irgendwas besseres wird wohl resultieren. Wenn es Dich interessiert, halte ich Dich informiert. Drücke mir die Daumen.

Herzlich

Drea

Morgana LaGoth: Ich wünsche dir für deine Operation viel Glück. (Sollte der Koch nicht gewechselt haben, das Essen da in der Klinik ist richtig gut!)

[14.11.17 / 20:13] Morgana LaGoth: Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion: Die Seitenbetreiberin behält sich das Recht vor, jeden Kommentar, dessen Inhalt rassistisch, sexistisch, homophob, transphob, ausländerfeindlich oder sonstwie gegen eine Minderheit beleidigend und diskriminierend ist, zu zensieren, zu kürzen, zu löschen oder gar nicht erst freizuschalten. Werbung und Spam (sofern die Seitenbetreiberin dafür nicht empfänglich ist) wird nicht toleriert. Personenbezogene Daten (Anschrift, Telefonnummer) werden vor der Veröffentlichung unkenntlich gemacht.

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