morgana81 - gothic transgender

Vor etwa fünf Wochen, nicht allzu lange her, Anfang Februar, ist in den Tiefen des Kellers das eine portable 3,5-Zoll-Diskettenlaufwerk wieder aufgetaucht, das das über USB mit meinem alten ThinkPad verbunden werden kann.

[30.03.26 / 23:39] Vor etwa fünf Wochen, nicht allzu lange her, Anfang Februar, ist in den Tiefen des Kellers das eine portable 3,5-Zoll-Diskettenlaufwerk wieder aufgetaucht, das das über USB mit meinem alten ThinkPad verbunden werden kann. Endlich, nach unendlich vielen Jahren – ich habe sie nicht weggeworfen – ich kann wieder auf meine alten Disketten zugreifen! Fein ordentlich sortiert in zwei Boxen aus hartem Kunststoff mit durchsichtigen, aufklappbaren und verschließbaren Deckel. Die Disketten aus Mitte bis Ende der neunziger Jahre (noch zu 90% lesbar), die Schulhof-Disketten mit den gecrackten DOS-Spielen, die Backup-Disketten mit bunten PCX-Bildchen und Schulvorträgen, die Disketten mit dem „Kampfvirus“, mit denen ich als junges Script-Girlie das alte Computerkabinett der Schule verseucht habe, die Diskette mit meinem einzigen „Hack“ – ich habe 1998 oder 1999 in WinZip32 die Passwortabfrage gecrackt – mit einem Disassembler und allerlei Anleitungen aus dem Internet, gesammelt auf meiner Diskette, beschriftet mit dem klangvollen Titel: „Hacker-Tutorials“. Ich habe um die Jahrtausendwende ganze Nächte im IRC verbracht …

Ich war doch mal cool! Was ist aus mir geworden, wie konnte es nur so weit kommen? Geknechtet zwischen den großen Konzernen, Meta, Amazon, Google und Microsoft. OK … bei dem letztgenannten bin ich raus und schon vor fast zwanzig Jahren nach und nach auf Linux umgestiegen, aber die anderen, verruchten Datensammel-Konzerne? Aus den USA, was jetzt als besonders böse, wenn nicht sogar als feindlich betrachtet wird? Ich will wieder an meine Ideale und Träume anknüpfen, ich will nicht aus dem Internet verschwinden, ich will mich darin nur auf andere Art und Weise bewegen!

Seit einiger Zeit überlege ich, mit meinem Server dem Fediverse beizutreten, bekanntester Vertreter darin ist Mastodon … Funktioniert das auf meinem Server? Ist der dafür ausgelegt? Der kleine virtuelle Server, den ich für einen Euro im Monat miete, auf dem alles läuft, mein Mail-Server, der Apache, seit kurzem auch mein Git-Repository. Ich bin drin in der Welt von Open Source, Linux und Co, ich habe den ganzen Kram studiert, ich bin Ingenieurin für Kommunikationstechnik, den ganzen Kram, von Hardware bis zum IP-Protokoll und sowieso alle OSI-Schichten. Ich bin sehr zuversichtlich, ich kriege das hin, ich kriege das auf meinem Debian-Linux-Server zum Laufen.

Die eine freie Woche kurz vor meinem Wochenendtrip nach Dresden (in einem weiteren Blog-Eintrag mehr), ich setze mich die Nächte vor meinem blassgrün schimmernden SSH-Terminal, eingeloggt auf meinem Server, bevor ich irgendetwas installiere, muss ich erst mal die Oldoldstable-LTS-Debian-Version auf eine höhere Nummer aktualisieren. Das geht schnell, mit Vorbereitung, Backup, Package-Listen – nur dass es mir, wie erwartet, danach einige meiner Konfigurationsdateien zerschießt, war ja irgendwie klar … Nicht die Konfigurationsdateien, die das Betriebssystem-Update anmerkt, die anderen Konfigurationsdateien der unterschiedlichsten, laufenden Anwendungen, die nirgendwo in irgendwelchen Release- und Update-Notes dokumentiert wurden, vielleicht höchstens als Randnotiz in irgendwelchen Open-Source-Foren in den Weiten des Internets. Kurz: einige Stellen meiner Mail-Server-Konfiguration waren mit dem Update veraltet und nicht mehr gültig und der Exim-MTA hat dann innerhalb von fünfzig Stunden, bis ich die Stelle herausgefunden habe, über hunderttausend Frozen-Mails zwischen zwei Alias-Adressen sekündlich hin und her getauscht und die Prozessor- und Arbeitsspeicher-Auslastung auf bis zu hundert Prozent getrieben. Mittlerweile läuft alles wieder.

Ich kann mich meiner eigentlichen Aufgabe für meine Urlaubszeit widmen: meinen Server irgendwie in das Fediverse bringen! Recherche im Internet, mit 512 MB RAM und noch 10 GB freien (virtuellen) Festplattenspeicher, traue ich mich an Mastodon nicht heran. GoToSocial springt mir ins Auge, das könnte es sein, schmal, leichtgewichtig, ressourcenschonend, den ganzen Kram mit wie man/frau das als Anwenderin benutzt, ausgelagert auf Apps wie Tusky oder Fedilab – ich will das sowieso nur von meinem Smartphone aus ansteuern – und – GoToSocial ist ziemlich gut und einfach dokumentiert, jeder und jede kann mit ihren Anleitungen auf ihrer Internetseite eine Instanz aufsetzen.

Das Binär-Paket ist schnell installiert, die erklärende Anleitung lässt Raum für eigene Optimierungen, ich installiere den Kram auf anderen Orten im Linux-Dateibaum. Ich habe meine eigenen Server-Zertifikate, ein paar Klicks auf ihren Dokumentationsseiten und ich weiß schon in etwa, wie ich vorgehen muss. Der Apache-Webserver bekommt noch einen weiteren Virtual Host auf der speziell dafür eingerichteten Subdomain, nicht anders, als wie bei dem Git-Repository. Die Konfiguration für den Reverse Proxy läuft auf den beiden Ports 80 und 443 für HTTP und HTTPS, letztere mit Verweisen auf die Zertifikate für die Client-Server-Authentifizierung … Ganze fünf bis sechs Nächte sitze ich daran – aber die extra auf meinem Smartphone installierten Fediverse-Apps wollen sich einfach nicht mit meiner GoToSocial-Instanz verbinden. Sie melden ein „Zertifikatsproblem“, wenigstens tappe ich hier nicht im Dunkeln, wie bei meiner verhauenen Exim-Konfiguration ein paar Nächte zuvor, bei der ich jetzt auch nicht mehr weiß, wie ich das mit „Try and Error“ hinbekommen habe. Die Zeit läuft mir ab, alle Sachen sind schon gepackt, in wenigen Stunden den frühen Vormittag geht mein Zug. Ich muss darauf verzichten, schon in Dresden mit bunten Fotos von meinem Smartphone aus hochgeladen auf mein Fediverse-Social-Media-Profil meinen, noch gar nicht existenten, Followern zu imponieren. Weiter die Nacht, wenn ich wieder zurück bin …

Es war der noch fehlende Eintrag in der Virtual-Host-Konfiguration des Apache für die Zertifikatskette auf dem HTTPS-Port. Das eigentliche Zertifikat besteht nur aus diesem einen Zertifikat und hat keine weiteren öffentlichen Schlüssel für die CA und den Root. Beides als ca.bundle.cer kombiniert und in das SSL-Verzeichnis für den Apache hochgeschoben, den Virtual Host um die Zeile SSLCACertificateFile ergänzt und schon funktioniert das auch mit den beiden Apps Tusky und Fedilab – welche der beiden Apps mir dann besser gefallen, werde ich später noch herausfinden. Ich war auf der richtigen Spur, den Mail-Server kann ich von meinem Smartphone aus erreichen, weil ich das CA-Bundle dort auch als Benutzerzertifikat installiert habe, und weil ich mit dem Firefox-Browser schon die ganze Zeit auf die Eingangsseiten von meiner neuen GoToSocial-Instanz zugreifen kann. Hätte ich die eine Nacht nur noch ein paar Stunden weitergearbeitet – so musste ich meine Status-Bildchen von Dresden noch über WhatsApp an die Familie verteilen.

Jetzt muss ich meine neue Online-Präsenz bekanntmachen, noch folgt mir keiner und ich folge niemanden. Meine Andeutungen, ich werde WhatsApp demnächst verlassen, führt noch zu schockierten Gesichtern. Ich zieh das durch! Es ist nur jetzt da noch sehr einsam. Alle meine Kontakte bleiben, schickt mir eine SMS, schreibt mir eine eMail, Anrufen geht nicht, mein Telefon ist grundsätzlich immer im Flugzeugmodus … ich gehe nur sporadisch den Tag mal online. Ich wünschte, ich könnte es ihnen erklären: dass jeder auf einen Anbieter oder einen Server ein Benutzerkonto hat und dass diese Server in einem weltweiten Netz miteinander verbunden sind und somit jeder mit jedem in Kontakt treten kann, ist eigentlich der Normalfall und nennt sich „Internet“ – dass alle bei einem Monopol-Anbieter gefesselt sind und sich aus Bequemlichkeit und geistigem Verdrängen des Datenmissbrauchs nicht befreien können, ist nichts anderes als „pervers“. Ich drifte ab, ich bin zu tief in der Ideologie – ihr findet mich jetzt hier:

@andrea@social.oscmail.net

Interessanterweise habe ich den Namen „Andrea“ gewählt, weil ich dachte, dass dieser Teil von mir auch mal eine Online-Präsenz verdient hat. Wie war der Spruch: Ich wollte immer so sein, wie meine Idealvorstellung, aber irgendwann ist meine Idealvorstellung von mir zu mir geworden?

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Kommentar:

[05.12.22 / 17:34] Daniele1992: Hallo Morgana

Mail ist heute rausgegangen

LG Daniele

[13.11.22 / 09:33] Daniele1992: Hallo Morgana

aktuell keine schöne Situation. Ich schreibe Dir noch eine Mail dazu.

LG Daniele

Morgana LaGoth: Einige Kommentare müssen auch nicht allzu öffentlich sein …

[13.05.22 / 09:15] Daniele1992: Hallo Morgana,

Tolle Reisebericht von Deiner neusten Reise nach Paris. Macht grosse Lust auch wieder dort hinzufahren um sich von der Stadt inspirieren zu lassen.

Tolle Neuigkeiten.NeuerJob. Klasse! Freue mich für Dich.

Liebe Grüße

Daniele

Morgana LaGoth: Danke. Endlich wieder verreisen … lange darauf gewartet. Lebendig bleiben, solange es noch geht.

[24.12.21 / 20:55] Daniele1992: Hallo Morgana,

Ich denke an Dich und wünsche Dir frohe Weihnachten und ein schönes neues Jahr 2022.

Liebe Grüße

Daniele

Morgana LaGoth: Vielen Dank, ich wünsche dir ebenfalls ein schönes, neues Jahr.

[25.09.21 / 14:59] Daniele1992: Hallo,

eine Chance etwas Neues zu machen. Neue Perspektiven. Urlaubsträume, die bald real werden können. Nicht so schlecht. Freue mich für Dich. LG Daniele.

Morgana LaGoth: Danke dir.

[11.11.20 / 09:12] Daniele1992: Hallo Morgana

Ich habe Dir eine Mail geschickt.

Lg

Daniele

Morgana LaGoth: Hey ... vom Lenkrad aus mit der Hand winken, von einem MX-5 zum anderen. *freu*

[30.07.20 / 22:03] Daniele1992: Guten Abend

das habe ich sehr gerne gemacht. Zum Einen interessiert mich das Thema und zum Anderen hast Du wirklich sehr lebendig und spannend geschrieben. Da wollte ich Alles lesen und wollte Dir schreiben, das mir Dein Blog besonders gut gefallen hat (Die eigentliche Arbeit hattest Du ja mit dem Verfassen des Blogs). Wenn Du magst können wir den Kontakt gerne per Mail halten. Viele Grüße Daniele

Morgana LaGoth: Mail-Adresse steht oben bei "kontakt" - bei weiteren Fragen, gerne.

[30.07.20 / 12:44] Daniele1992: Guten Morgen,

vielen Dank für Deinen tollen Blog. Ich habe ihn in den letzten Wochen komplett gelesen. Meistens konnte ich gar nicht aufhören zu lesen. Fast wie bei einem sehr spannenden Roman. Ich habe dabei Deine genauen Beobachtungen und Beschreibungen sehr genossen. Deine vielen Ausflüge in die Clubs und zu den Festivals oder Deine Streifzüge d durch die Geschäfte beschreibst Du immer aus Deiner Sicht sehr anschaulich und spannend. Ich kann das sehr gut nachvollziehen, das alleine zu erleben, häufig auch mit einer gewissen Distanz. Ich kenne ich von mir sehr gut. Highlights sind Deine Reiseberichte. Deine Erlebnisse an den unterschiedlichsten Orten auf der Welt. Vielen Dank dafür. Vielen Dank auch das Du Deinen Weg zu Deinem waren Geschlecht mit uns Lesern teilst. Deinen Weg Deine Gefühle Deine zeitweisen Zweifel. Das ist sehr wertvoll auch für uns Andere, denn es ist authentisch und sehr selten. Du bist einem dadurch sehr vertraut geworden. Für mich ist eine gefühlte grosse Nähe dadurch entstanden. Umso mehr schmerzt es mich von Deinen Rückschlägen zu lesen. Von Deinem Kampf zu Deinem wahren Ich. Von Deinem Kampf umd Liebe, Zährlichkeit und Akzepzanz und Anerkenung. Von Deiem mitunter verzweifeltem Kampf nach Liebe und Anerkennung durch Deinen Exfreund. Leider vergeblich. Dein Kampf um wirtschaftliche Unabhängigkeit und Deine aktuell missliche Lage. Ich glaube dass Du nicht gescheitert bist. Du hast viel Mumm und Hardnäckigkeit bewiesen Deinen Gang zu Dir selbst zu gehen. Du hast auch einen guten Beruf der immer noch sehr gefragt ist. Vielleicht kann ja nach dieser Auszeit und etwas Abstand ein Neuanfang in einer anderen Firma, wo Du keine Vergangenheit als Mann hattest gelingen. Ich wünsche das Dir ein Neuanfang gelingt und drücke Dir ganz fest die Daumen. Daniele

Morgana LaGoth: Da liest sich tatsächlich jemand alles durch? Das ist mittlerweile schon ein kompletter Roman mit mehreren hundert Seiten! Danke dir, für deinen Kommentar (und die aufgebrachte Zeit).

[05.10.19 / 17:11] Drea Doria: Meine liebe Morgana,

bin 5 T post all-in-one-FzF-OP. Deine guten Wünsche haben geholfen. Der Koch ist immernoch noch super. Alle hier sind herzlich und nehmen sich Zeit.

Herzlich

Drea

Morgana LaGoth: Dann wünsch ich dir jetzt noch viel mehr Glück bei deiner Genesung!

[14.06.19 / 12:57] Drea Doria: Meine liebe Morgana,

vielen Dank für Deine offenen und kritischen Erlebnisberichte. Ich bin in 3 Monaten in Sanssouci zur FzF-OP. Ich denke auch, was kann schon schief gehen, status quo geht nicht und irgendwas besseres wird wohl resultieren. Wenn es Dich interessiert, halte ich Dich informiert. Drücke mir die Daumen.

Herzlich

Drea

Morgana LaGoth: Ich wünsche dir für deine Operation viel Glück. (Sollte der Koch nicht gewechselt haben, das Essen da in der Klinik ist richtig gut!)

[14.11.17 / 20:13] Morgana LaGoth: Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion: Die Seitenbetreiberin behält sich das Recht vor, jeden Kommentar, dessen Inhalt rassistisch, sexistisch, homophob, transphob, ausländerfeindlich oder sonstwie gegen eine Minderheit beleidigend und diskriminierend ist, zu zensieren, zu kürzen, zu löschen oder gar nicht erst freizuschalten. Werbung und Spam (sofern die Seitenbetreiberin dafür nicht empfänglich ist) wird nicht toleriert. Personenbezogene Daten (Anschrift, Telefonnummer) werden vor der Veröffentlichung unkenntlich gemacht.

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