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Sternzeit irgendwas, Logbucheintragung des Captains:

[01.01.70 / 00:00] Sternzeit irgendwas, Logbucheintragung des Captains:

[30.08.22 / 19:32] Ein perfekter Tag, warum nicht das letzte Wochenende im August noch einmal nach Leipzig fahren und mein „9-Euro-Ticket“ voll ausnutzen? Den Zug sonntags um zehn Uhr nehmen, einen Sitzplatz finden, hier und da auf einem Umsteigebahnhof ein Schokocroissant und einen kleinen Espresso als zweites Frühstück? Die Sonne scheint, angenehme, spätsommerliche Temperaturen, ich trage meine neue, indische, schwarz-goldene Tunika … sie würde ihm bestimmt gefallen.
Ich habe wieder Kontakt zu meinem syrischen Ex-Freund aufgenommen, ich vermisse ihn zu sehr. Er schreibt nie zurück … bis den Tag, an dem ich meine Arbeit verloren habe und mich nach meinem alten Leben zurückgesehnt habe. Finde mich, heirate mich, hole mich aus dieser grausamen Welt raus, entflieh mit mir! Er schreibt: „Lass uns am Sonntag in Leipzig treffen … Lass uns ein Hotelzimmer nehmen.“ Ich ignoriere Letzteres.
Das Grassi Museum kenne ich noch nicht, den Mittag angekommen, laufe ich die Leipziger Innenstadt zielgerichtet darauf zu, ich trage noch meine Punkerkutte über der Tunika, meine Keilsandaletten und eine leichte, schwarze Jeans … die große Sonnenbrille ist schon gar nicht mehr erwähnenswert, sie gehört organisch zu meinem Körper dazu.
Das Museum ist schön leer, kaum Menschen, die Eintrittskarte für die Ausstellung für angewandte Kunst gar nicht so teuer. Ein mehrstündiger Rundgang durch die verschiedensten Epochen der Design-Geschichte, eine äußerst umfangreiche Porzellansammlung, so viele niedliche und bezaubernde Exponate, Tässchen für Mokka und Tee, von siebzehnhundertnochwas bis kurz vor jetzt. Die Möbelstücke und die anderen greifbaren Dinge, Art déco, Jugendstil, Bauhaus … traumhaft.
Ich habe meinem Ex-Freund wissen lassen, dass ich unterwegs nach Leipzig bin … er will mich den Abend treffen und fragt, ob ich schon ein Hotelzimmer gebucht habe. Fehlende Kommunikation, ich hatte nie vor, bis in die Nacht hierzubleiben … auch wenn ich für diese Eventualität ein kleines Kit – bestehend aus Zahnbürste und Zahnpasta, eingerollt in einem kleinen Handtuch – mit in meiner Handtasche führe.
Den Nachmittag nach dem Museumsbesuch laufe ich ein paar Schritte in das Stadtzentrum. Es muss etwas später in der Uhrzeit sein, das markante Jugendstil-Café wird sonst von „alten Omchens“ bevölkert, jetzt sind ein paar mehr Tische frei. Ich bestelle ein Stück Kuchen für mich und trinke einen Cappuccino … der Kellner fragt mich, ob noch jemand zu mir kommt oder ich alleine bin. Liebend gern hätte ich meinen Ex-Freund hier getroffen, wir hätten so viel zu besprechen gehabt: Wie ist es dir ergangen? Wie hast du dich in diesen einen verhängnisvollen Moment im Juli 2019 gefühlt? Hilf mir, das alles aufzuarbeiten, einen Schlussstrich zu ziehen, die Fäden zusammenzuführen. Er schreibt, ich soll ein günstiges Zimmer buchen. Ich antworte, ich bleibe nicht mehr lange, ich muss zurückreisen, den nächsten Montag Morgen noch einen unaufschiebbaren Arzttermin bei meiner Gynäkologin. Ich lasse ihn hängen.
Ein paar Schritte weiter, das indische Restaurant in der Straße der Fußgängerzone zurück zum Hauptbahnhof, ich muss in meiner neuen Tunika unbedingt indisch essen gehen! Die Halskette mit dem silbernen Ganesha-Anhänger blitzt durch, der Armreif, genauso silbern, funkelt mit all seinen geschliffenen Glaskristallsteinen. Ich bestelle die gefüllte Paprika und ein Fladenbrot. Würdest du nicht auch gern mit mir essen gehen? In meiner Phantasie taucht er jetzt einfach auf setzt sich auf den zweiten, leeren Stuhl an meinem einsamen Tischchen unter dem Sonnenschirm in der schon längst schattenspendenden Häuserreihe in dieser ansonsten so belebten Leipziger Gasse. Er schreibt, ich soll einfach den Zug morgen nehmen, er bezahlt das Zimmer … es ist wieder in dem Hotel, das wir all die Jahre vorher schon gebucht haben, dasselbe, in dem ich auch dieses Jahr Pfingsten übernachtet habe.
Zu kompliziert, zu umständlich, ich bin in meiner sentimentalen Traumwelt gefangen, nach meinem Restaurantbesuch gehe ich den Sonntag Abend die letzten Schritte wieder zurück zum Hauptbahnhof. Noch zögere ich kurz und überlege, steige ich in die Straßenbahn? Nein … Das tut mir jetzt Leid, das ist jetzt vielleicht nicht so optimal gelaufen, auf seine fragenden Nachrichten, wo ich bleibe – er hätte schon ein Zimmer gebucht – antworte ich ihm: „Es ist zu spät, ich bin bereits am Bahnhof und werde jeden nächsten Moment in den Zug steigen.“ Ich fürchte mich vor dem Sex mit ihm? Mein Automatismus drängt mich auf das wartende Gleis mit all den Menschen und dem einfahrenden Regionalzug. Ich steige ein, ein Sitzplatz am Fenster, warte nicht mehr auf mich, es ist vorbei. Meine Nachricht an ihn: „Der Moment der letzten Umkehr ist erreicht und der Zug setzt sich bereits in Bewegung.“

„Nächster Halt: Leipzig Messe!“, die Lautsprecherdurchsage. Die Motoren des Personenzuges surren, das Tempo wird wieder heruntergenommen. In mir entsteht eine noch nie dagewesene Gefühlsregung.
„Einmal im Leben etwas total Verrücktes tun!“
Ich springe auf, greife meine Handtasche und meine Jacke. Lasst mich durch ich muss hier raus!
Der Zug fährt in den Bahnhof ein, der letzte Halt in Leipzig, bevor er für immer wegfährt. Wild drücke ich auf den grün leuchtenden Knopf der daraufhin automatisch öffnenden Tür des wieder stillstehenden Zuges. Ich springe raus in die beginnende Nacht. (Ende Teil 1/3)

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Kommentar:

[13.11.22 / 09:33] Daniele1992: Hallo Morgana

aktuell keine schöne Situation. Ich schreibe Dir noch eine Mail dazu.

LG Daniele

Morgana LaGoth: Einige Kommentare müssen auch nicht allzu öffentlich sein …

[13.05.22 / 09:15] Daniele1992: Hallo Morgana,

Tolle Reisebericht von Deiner neusten Reise nach Paris. Macht grosse Lust auch wieder dort hinzufahren um sich von der Stadt inspirieren zu lassen.

Tolle Neuigkeiten.NeuerJob. Klasse! Freue mich für Dich.

Liebe Grüße
Daniele

Morgana LaGoth: Danke. Endlich wieder verreisen … lange darauf gewartet. Lebendig bleiben, solange es noch geht.

[24.12.21 / 20:55] Daniele1992: Hallo Morgana,

Ich denke an Dich und wünsche Dir frohe Weihnachten und ein schönes neues Jahr 2022.

Liebe Grüße
Daniele

Morgana LaGoth: Vielen Dank, ich wünsche dir ebenfalls ein schönes, neues Jahr.

[25.09.21 / 14:59] Daniele1992: Hallo,

eine Chance etwas Neues zu machen. Neue Perspektiven. Urlaubsträume, die bald real werden können. Nicht so schlecht. Freue mich für Dich. LG Daniele.

Morgana LaGoth: Danke dir.

[11.11.20 / 09:12] Daniele1992: Hallo Morgana

Ich habe Dir eine Mail geschickt.

Lg
Daniele

Morgana LaGoth: Hey ... vom Lenkrad aus mit der Hand winken, von einem MX-5 zum anderen. *freu*

[30.07.20 / 22:03] Daniele1992: Guten Abend

das habe ich sehr gerne gemacht. Zum Einen interessiert mich das Thema und zum Anderen hast Du wirklich sehr lebendig und spannend geschrieben. Da wollte ich Alles lesen und wollte Dir schreiben, das mir Dein Blog besonders gut gefallen hat (Die eigentliche Arbeit hattest Du ja mit dem Verfassen des Blogs). Wenn Du magst können wir den Kontakt gerne per Mail halten. Viele Grüße Daniele

Morgana LaGoth: Mail-Adresse steht oben bei "kontakt" - bei weiteren Fragen, gerne.

[30.07.20 / 12:44] Daniele1992: Guten Morgen,
vielen Dank für Deinen tollen Blog. Ich habe ihn in den letzten Wochen komplett gelesen. Meistens konnte ich gar nicht aufhören zu lesen. Fast wie bei einem sehr spannenden Roman. Ich habe dabei Deine genauen Beobachtungen und Beschreibungen sehr genossen. Deine vielen Ausflüge in die Clubs und zu den Festivals oder Deine Streifzüge d durch die Geschäfte beschreibst Du immer aus Deiner Sicht sehr anschaulich und spannend. Ich kann das sehr gut nachvollziehen, das alleine zu erleben, häufig auch mit einer gewissen Distanz. Ich kenne ich von mir sehr gut. Highlights sind Deine Reiseberichte. Deine Erlebnisse an den unterschiedlichsten Orten auf der Welt. Vielen Dank dafür. Vielen Dank auch das Du Deinen Weg zu Deinem waren Geschlecht mit uns Lesern teilst. Deinen Weg Deine Gefühle Deine zeitweisen Zweifel. Das ist sehr wertvoll auch für uns Andere, denn es ist authentisch und sehr selten. Du bist einem dadurch sehr vertraut geworden. Für mich ist eine gefühlte grosse Nähe dadurch entstanden. Umso mehr schmerzt es mich von Deinen Rückschlägen zu lesen. Von Deinem Kampf zu Deinem wahren Ich. Von Deinem Kampf umd Liebe, Zährlichkeit und Akzepzanz und Anerkenung. Von Deiem mitunter verzweifeltem Kampf nach Liebe und Anerkennung durch Deinen Exfreund. Leider vergeblich. Dein Kampf um wirtschaftliche Unabhängigkeit und Deine aktuell missliche Lage. Ich glaube dass Du nicht gescheitert bist. Du hast viel Mumm und Hardnäckigkeit bewiesen Deinen Gang zu Dir selbst zu gehen. Du hast auch einen guten Beruf der immer noch sehr gefragt ist. Vielleicht kann ja nach dieser Auszeit und etwas Abstand ein Neuanfang in einer anderen Firma, wo Du keine Vergangenheit als Mann hattest gelingen. Ich wünsche das Dir ein Neuanfang gelingt und drücke Dir ganz fest die Daumen. Daniele

Morgana LaGoth: Da liest sich tatsächlich jemand alles durch? Das ist mittlerweile schon ein kompletter Roman mit mehreren hundert Seiten! Danke dir, für deinen Kommentar (und die aufgebrachte Zeit).

[05.10.19 / 17:11] Drea Doria: Meine liebe Morgana,
bin 5 T post all-in-one-FzF-OP. Deine guten Wünsche haben geholfen. Der Koch ist immernoch noch super. Alle hier sind herzlich und nehmen sich Zeit.
Herzlich
Drea

Morgana LaGoth: Dann wünsch ich dir jetzt noch viel mehr Glück bei deiner Genesung!

[14.06.19 / 12:57] Drea Doria: Meine liebe Morgana,

vielen Dank für Deine offenen und kritischen Erlebnisberichte. Ich bin in 3 Monaten in Sanssouci zur FzF-OP. Ich denke auch, was kann schon schief gehen, status quo geht nicht und irgendwas besseres wird wohl resultieren. Wenn es Dich interessiert, halte ich Dich informiert. Drücke mir die Daumen.
Herzlich
Drea

Morgana LaGoth: Ich wünsche dir für deine Operation viel Glück. (Sollte der Koch nicht gewechselt haben, das Essen da in der Klinik ist richtig gut!)

[14.11.17 / 20:13] Morgana LaGoth: Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion: Die Seitenbetreiberin behält sich das Recht vor, jeden Kommentar, dessen Inhalt rassistisch, sexistisch, homophob, transphob, ausländerfeindlich oder sonstwie gegen eine Minderheit beleidigend und diskriminierend ist, zu zensieren, zu kürzen, zu löschen oder gar nicht erst freizuschalten. Werbung und Spam (sofern die Seitenbetreiberin dafür nicht empfänglich ist) wird nicht toleriert. Personenbezogene Daten (Anschrift, Telefonnummer) werden vor der Veröffentlichung unkenntlich gemacht.

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