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Sternzeit irgendwas, Logbucheintragung des Captains:

[01.01.70 / 00:00] Sternzeit irgendwas, Logbucheintragung des Captains:

[12.06.22 / 16:03] Sonnabend … Hippie Girl geht aus. Ich trage ein komplett neues Outfit: mein grünes Tunika-Kleid aus Paris, der geflochtene, weiße Ledergürtel um die Taille und meine neuen schwarzen Plateau-Pumps – nur das Festivalbändchen am Handgelenk und die schwarze Netzstrumpfhose lässt noch erahnen, dass ich zu einem Gothic-Festival gehöre. Die Tage vorher alles akribisch geplant, die Sachen ausgewählt, anprobiert, dem vorhergesagten Wetter entsprechend eingepackt (nass, kalt, trocken, heiß, Gewitter, Sturm und Sonne – irgendwie wird es schon passen). Die Sonne scheint … noch. Trocken genug für die Wildleder-Pumps und die Tunika (mit Unterkleid).
Zu Fuß, wie jeden Mittag, zur Straßenbahnhaltestelle, irgendwo ein Frühstück organisieren. Das Fenster im Erdgeschoss bei meinem Ex-Freund ist jetzt geschlossen, es war die letzten zwei Tage angekippt (es muss jemand in der Wohnung sein). Weiter zu dem Bäcker/Frühstückskaffee in der Nähe meiner alten Wohnung, gab es dort den Mittag zuvor nur belegte Brötchen, sind jetzt wenigstens noch Croissants übrig. Leute schauen, Kaffee trinken, Mädchen in hübschen Sommerkleidern.
Diesen Tag habe ich nicht wirklich einen Plan, was könnte ich in Leipzig machen? Wie könnte ich die Zeit bis zum Abend rumkriegen? Ich fahre in die Südvorstadt, die Gegend die ich kenne, die Stelle und die Straße mit den ganzen Kneipen, Restaurants und Szeneläden. Mit dabei neben meiner Handtasche: der schwarze Beutel mit nützlichem Zeug, eine Flasche Wasser, ein Halstuch, ein Buch. Eins zum Lesen.
Am Südplatz, wo ich aussteigen möchte, erkenne ich schon von der Tram aus einen kleinen Flohmarkt mit Ständen mit gebrauchten Kleidern – den sehe ich mir an. Wenig später streife ich durch die Menge und suche in den Kleiderbügeln und Tischen nach einer gebrauchten Lederleggings oder -hose. Der Gedanke, mir wieder so etwas zuzulegen, lässt mich weiterhin nicht los. Zwei Exemplare sehe ich in dem Innenhof mit den Ständen, aber anprobieren muss ich sie nicht, ich kann schon erkennen, dass sie mir nicht passen werden, zu groß und zu viel Hüfte (ich bleibe bei meiner alten Lederhose zu Hause, auch wenn ich sie als Mann getragen habe, ich muss sie nur wieder aufbereiten).
In dem Innenhof – der Charme der Leipziger Südvorstadt – entdecke ich einen Plattenladen. Eigentlich wollte ich in den anderen Laden mit den gebrauchten Kleidungsstücken (was ich danach auch noch tue, aber nichts finde) – aber diesen Plattenladen muss ich betreten.
Kisten mit Vinyl abgrasen, alphabetisch und nach Genre sortiert. Zwei Scheiben fallen mir auf … „Wow!“ Das ich die hier finde? Und habe ich nicht die eine Platte schon? Sehr von Vorteil, dass ich meine Plattensammlung online gestellt habe und jederzeit und immer überall einen Zugriff darauf habe. Tatsächlich habe ich diese Platte dieser belgischen Post-Punk-Band aus den frühen Achtzigern schon – eine rare und sehr begehrte EP (diese hier in dem Laden ist sogar noch in einem besseren Zustand, als meine vom Flohmarkt) – aber in meinen schwarzen Stoffbeutel (den ich dazu wieder frei räume) wandert die andere Schallplatte. Post Punk und Wave von den britischen Inseln, die erste LP dieser Band von 1980 – die habe ich noch nicht und suche die schon seit ewig. Der Verkäufer versichert mir den exzellenten Zustand (ich hoffe, dass sie abspielbar ist, als Raubkopie der sehr seltenen CD-Variante liegt diese Musik schon seit bestimmt 15 Jahren auf meiner Festplatte). Weiter in die Kneipengegend daneben.
„Oh …“, jetzt wird es kritisch! (Der Kuchen von gestern?) Weit komme ich nicht, der nächste Pub ist meiner. „Habt ihr eine Toilette? Ich bestelle danach auch was.“ Zum Glück ist die rettende Porzellanschüssel nicht weit, als Gegenleistung setze ich mich danach an einen Außentisch und bestelle eine große Portion Fish 'n' Chips mit Essig … und Apfel-Mayo-Quark? (Das Zeug, das sonst zu Hering serviert wird).
Zeit vertrödeln, mein Buch lesen, einen Kaffee bestellen. Die Rechnung bezahlen, in die nächste Straßenbahn steigen und wieder zurück zum Hotel … theoretisch. Die zwei Nächte davor habe ich am Connewitzer Kreuz schon die aufgeklebten Plakate gesehen – eine Demo. Die Straßenbahn fährt nicht. Auf dem Laufband erscheint die Meldung warum: „Wegen einer Veranstaltung ist diese Station vorübergehend nicht anfahrbar, bitte woanders einsteigen.“ Ich muss das ganze Stück in Richtung Leipziger Innenstadt wieder zu Fuß latschen – in meinen neuen und ultrahohen Plateau-Pumps! Ich bin schon ganz angepisst, als ich die Rufe höre. Polizei überall, auf einmal keine Autos, keine Fußgänger, keine anderen irgendwas … gespenstisch – der schwarze Block demonstriert. Eine kleine, kompakte und Respekt einflößende Truppe schwarzvermummter Menschen in Kapuzenpullovern. (Im Nachhinein betrachtet, hätte ich hier nicht langgehen sollen, das ist keine Demo in der man/frau sich einreihen kann, die seitlichen Transparente dienen dem Eigenschutz vor der als feindlich betrachteten Polizeieskorte). Ich bin falsch gekleidet, heute in den Farben für das Team „Grün-Weiß“. Weiter zur nächstmöglichen Straßenbahnhaltestelle – die jetzt wieder angefahren wird – und zurück zum Hotel.
Diesen Abend spielen vielleicht ein paar ganz interessante Synth-Wave-Bands? Was zum Tanzen? Ich wechsele von meinen Plateau-Pumps mit den Absätzen auf meine flachen Schnürstiefel. Dusche, Make-up, Chanel, Covid-19-Schnelltest (den dritten, den ich dabei habe). Es scheint draußen trocken zu bleiben, die Lederjacke lasse ich wie letzte Nacht in der Schrankgarderobe hängen und wähle stattdessen meinen kuschelweichen, schwarzen Cashmere-Poncho – passt super zu der Tunika. Alles in die Handtasche werfen, die Kommode abräumen … ich werde den dritten Abend routiniert. Zu Fuß mit der untergehenden Sonne und der anbrechenden Nacht zu dem kleinen Festival. Ich gehe zwar weiterhin an dem gewissen Hauseingang vorbei, aber ich werfe keinen Blick mehr auf das Fenster.
Sonnabend Abend, der dritte Festivaltag, die drei Bands auf dem Flyer versprechen viel, kennen tue ich sie noch nicht, aber die Veranstalterin dieses Abends hat einen ganz interessanten Musikgeschmack. Die gebuchten Bands enttäuschen mich nicht: französischer Synth-Punk, ein niederländisches Synth-Ensemble (sehr abwechslungsreich und tanzbar) und eine Band mit äußerst aufwendigen Latex-Masken … bizarr. Das ist so Underground!
Auch diese Nacht nutze ich die Möglichkeit des zweiten Tests, bin aber nicht so konsequent und schon vor dem Ergebnis in der Konzerthalle, mein Getränk an der Bar holen. Die zweite große Halle, der Markt – ein Plattenlabel, das ich kenne und schon davon ein paar Sachen habe, hat dort einen kleinen Stand aufgebaut. Noch eine Schallplatte kaufen? Ich komme mit dem Plattenhändler/Labelbesitzer (?) ins Gespräch. Von den vielen neuen Bands kenne ich gar keine, ich fixiere mich sonst nur auf meine alten Helden aus den frühen Achtzigern. Er gibt mir einen Sampler mit, um die neuen Bands kennenzulernen – und die CD, die ich entdeckt habe, von der einen Band (ihr neues Album), die seit geraumer Zeit in meinem Autoradio hoch und runter läuft (die, die sich nach einer U-Bahn-Station in Paris benannt hat). Ich hätte ihn vielleicht fragen sollen, wie viel das kostet, einen von meinen Tracks mal professionell mastern zu lassen (kann ja nicht alles Schrott von mir sein bzw. meine Träume, ganz groß rauszukommen). Weiter die Nacht zu der anderen, großen Tanzfläche, beim Pendeln hin und her, werde ich wieder einen Blick in die Plattenkisten werfen.
Auf der großen Tanzfläche legt das DJ-Team von Paris auf, bekannt aus den Online-Streams der letzten beiden Jahre. Ich habe meinen Plan: Tanzen, ein oder zwei Koffeinhaltige Getränke – und danach nur noch Wasser. Da die Bands gefühlt bis nach Mitternacht spielen, verschiebt sich meine Regel, kein Koffein nach null Uhr zu trinken, weit nach hinten. Ich schlafe kaum noch eine Nacht bzw. einen sonnigen Morgen mehr als fünf Stunden … so sehr ich mich auch kaputt tanze. Flyer sammeln, die Damenklos aufsuchen, mit viel Glück die Flüssigkeit (verdammtes Harn-treibendes Mate-Getränk) noch vor dem Aufbruch wieder rauslassen (es wird schon wieder kritisch mit der Rückkehr ins Hotel).
Es wird kühl, mein Poncho schmiegt sich angenehm an meinen Oberkörper. Ich stehe gegen drei oder vier Uhr den Morgen an der Straßenbahnhaltestelle am Connewitzer Kreuz. Die Linie 11 fährt das ganze Gothic-Wochenende die ganze Nacht. Nur am Hauptbahnhof muss ich wieder in ein Taxi Richtung Norden umsteigen. Die Taxifahrer wissen nicht, dass ich hier vor nicht allzu langer Zeit mal gewohnt habe und mit meinem Auto die Wochenendnächte immer zwischen den Clubs im Süden und meiner Wohnung im Norden hin und her gefahren bin. Ich kenne die Strecke ganz genau … und keiner der Taxifahrer bescheißt mich oder dreht eine extra Runde, sie sind alle ehrliche Menschen und geben sich die größte Mühe, die kürzeste Strecke in noch viel kürzerer Zeit mich in mein Hotel zu kutschieren. Einige sind auch sehr interessiert an der schwarzen Szene und stellen Fragen.
Im Hotel angekommen, umziehen, ausziehen, Make-up entfernen (nur schwarzer Kajal und Mascara) und mein sonnenlichtempfindliches Gesicht dick eincremen … mit einer Tube Aloe-Vera-Gel aus der Apotheke. (Ende Teil 3/6)

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Kommentar:

[13.11.22 / 09:33] Daniele1992: Hallo Morgana

aktuell keine schöne Situation. Ich schreibe Dir noch eine Mail dazu.

LG Daniele

Morgana LaGoth: Einige Kommentare müssen auch nicht allzu öffentlich sein …

[13.05.22 / 09:15] Daniele1992: Hallo Morgana,

Tolle Reisebericht von Deiner neusten Reise nach Paris. Macht grosse Lust auch wieder dort hinzufahren um sich von der Stadt inspirieren zu lassen.

Tolle Neuigkeiten.NeuerJob. Klasse! Freue mich für Dich.

Liebe Grüße
Daniele

Morgana LaGoth: Danke. Endlich wieder verreisen … lange darauf gewartet. Lebendig bleiben, solange es noch geht.

[24.12.21 / 20:55] Daniele1992: Hallo Morgana,

Ich denke an Dich und wünsche Dir frohe Weihnachten und ein schönes neues Jahr 2022.

Liebe Grüße
Daniele

Morgana LaGoth: Vielen Dank, ich wünsche dir ebenfalls ein schönes, neues Jahr.

[25.09.21 / 14:59] Daniele1992: Hallo,

eine Chance etwas Neues zu machen. Neue Perspektiven. Urlaubsträume, die bald real werden können. Nicht so schlecht. Freue mich für Dich. LG Daniele.

Morgana LaGoth: Danke dir.

[11.11.20 / 09:12] Daniele1992: Hallo Morgana

Ich habe Dir eine Mail geschickt.

Lg
Daniele

Morgana LaGoth: Hey ... vom Lenkrad aus mit der Hand winken, von einem MX-5 zum anderen. *freu*

[30.07.20 / 22:03] Daniele1992: Guten Abend

das habe ich sehr gerne gemacht. Zum Einen interessiert mich das Thema und zum Anderen hast Du wirklich sehr lebendig und spannend geschrieben. Da wollte ich Alles lesen und wollte Dir schreiben, das mir Dein Blog besonders gut gefallen hat (Die eigentliche Arbeit hattest Du ja mit dem Verfassen des Blogs). Wenn Du magst können wir den Kontakt gerne per Mail halten. Viele Grüße Daniele

Morgana LaGoth: Mail-Adresse steht oben bei "kontakt" - bei weiteren Fragen, gerne.

[30.07.20 / 12:44] Daniele1992: Guten Morgen,
vielen Dank für Deinen tollen Blog. Ich habe ihn in den letzten Wochen komplett gelesen. Meistens konnte ich gar nicht aufhören zu lesen. Fast wie bei einem sehr spannenden Roman. Ich habe dabei Deine genauen Beobachtungen und Beschreibungen sehr genossen. Deine vielen Ausflüge in die Clubs und zu den Festivals oder Deine Streifzüge d durch die Geschäfte beschreibst Du immer aus Deiner Sicht sehr anschaulich und spannend. Ich kann das sehr gut nachvollziehen, das alleine zu erleben, häufig auch mit einer gewissen Distanz. Ich kenne ich von mir sehr gut. Highlights sind Deine Reiseberichte. Deine Erlebnisse an den unterschiedlichsten Orten auf der Welt. Vielen Dank dafür. Vielen Dank auch das Du Deinen Weg zu Deinem waren Geschlecht mit uns Lesern teilst. Deinen Weg Deine Gefühle Deine zeitweisen Zweifel. Das ist sehr wertvoll auch für uns Andere, denn es ist authentisch und sehr selten. Du bist einem dadurch sehr vertraut geworden. Für mich ist eine gefühlte grosse Nähe dadurch entstanden. Umso mehr schmerzt es mich von Deinen Rückschlägen zu lesen. Von Deinem Kampf zu Deinem wahren Ich. Von Deinem Kampf umd Liebe, Zährlichkeit und Akzepzanz und Anerkenung. Von Deiem mitunter verzweifeltem Kampf nach Liebe und Anerkennung durch Deinen Exfreund. Leider vergeblich. Dein Kampf um wirtschaftliche Unabhängigkeit und Deine aktuell missliche Lage. Ich glaube dass Du nicht gescheitert bist. Du hast viel Mumm und Hardnäckigkeit bewiesen Deinen Gang zu Dir selbst zu gehen. Du hast auch einen guten Beruf der immer noch sehr gefragt ist. Vielleicht kann ja nach dieser Auszeit und etwas Abstand ein Neuanfang in einer anderen Firma, wo Du keine Vergangenheit als Mann hattest gelingen. Ich wünsche das Dir ein Neuanfang gelingt und drücke Dir ganz fest die Daumen. Daniele

Morgana LaGoth: Da liest sich tatsächlich jemand alles durch? Das ist mittlerweile schon ein kompletter Roman mit mehreren hundert Seiten! Danke dir, für deinen Kommentar (und die aufgebrachte Zeit).

[05.10.19 / 17:11] Drea Doria: Meine liebe Morgana,
bin 5 T post all-in-one-FzF-OP. Deine guten Wünsche haben geholfen. Der Koch ist immernoch noch super. Alle hier sind herzlich und nehmen sich Zeit.
Herzlich
Drea

Morgana LaGoth: Dann wünsch ich dir jetzt noch viel mehr Glück bei deiner Genesung!

[14.06.19 / 12:57] Drea Doria: Meine liebe Morgana,

vielen Dank für Deine offenen und kritischen Erlebnisberichte. Ich bin in 3 Monaten in Sanssouci zur FzF-OP. Ich denke auch, was kann schon schief gehen, status quo geht nicht und irgendwas besseres wird wohl resultieren. Wenn es Dich interessiert, halte ich Dich informiert. Drücke mir die Daumen.
Herzlich
Drea

Morgana LaGoth: Ich wünsche dir für deine Operation viel Glück. (Sollte der Koch nicht gewechselt haben, das Essen da in der Klinik ist richtig gut!)

[14.11.17 / 20:13] Morgana LaGoth: Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion: Die Seitenbetreiberin behält sich das Recht vor, jeden Kommentar, dessen Inhalt rassistisch, sexistisch, homophob, transphob, ausländerfeindlich oder sonstwie gegen eine Minderheit beleidigend und diskriminierend ist, zu zensieren, zu kürzen, zu löschen oder gar nicht erst freizuschalten. Werbung und Spam (sofern die Seitenbetreiberin dafür nicht empfänglich ist) wird nicht toleriert. Personenbezogene Daten (Anschrift, Telefonnummer) werden vor der Veröffentlichung unkenntlich gemacht.

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