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Sternzeit irgendwas, Logbucheintragung des Captains:

[01.01.70 / 00:00] Sternzeit irgendwas, Logbucheintragung des Captains:

[12.06.22 / 16:05] Montag, der letzte Tag des kleinen Gothic-Festivals. Fashionista Girl geht aus. Mein Outfit für den Tag und die Nacht? Die schwarz-grüne Zebra-Leggings, der äußerst bequeme und sommerlich geschnittene, kurze, schwarze Kaftan vom letzten Ibiza-Urlaub – und mein schwarzer Schlapphut! Und die dunkle Sonnenbrille. Und die Pikes, als Schuhwerk. Laut Wetterbericht und dem Blick aus dem Fenster des Hotelzimmers (deren dunkle Vorhänge die ganzen Tage höchstens nur einen winzigen Spalt geöffnet waren), es bleibt sommerlich warm, heiß, Sonne und blauer Himmel, vorüberziehende Wolkenfelder – aber trocken. Schal, Pullover, Regenschirm? Brauche ich nicht, bleibt im Hotel … böser Fehler.
Zu Fuß – die tägliche Route – das beschissene Kopfsteinpflaster vor dem Hotel und die ganzen anderen Gehwege in Richtung der Straßenbahnhaltestelle in der Nähe des großen Baumarkts am nördlichsten Ende von Leipzig. Wieder ein paar Stationen weiter zum Innenstadtzentrum, zum Hauptbahnhof, und dort ein Frühstück organisieren … wahrscheinlich schon weit nach Mittag.
Die Straße mit den Restaurants und den Bistros zwischen dem Hauptbahnhof und der Fußgängerzone, eine andere Kaffeehauskette. Ich setze mich an einen freien, kleinen Tisch an der Hausfassade und drehe die zwei Stühle so, wie ich es aus Paris gewohnt bin … mit Blickrichtung nach vorne, zum Fußweg hin. Ich schlürfe meinen Kaffee (drücke mir vorher die zwei Croissants rein) und beobachte die Menschen. Die schwarzgekleideten WGT-Besucher sind echt alt geworden! Sie laufen die paar Meter an mir vorbei, gefühlt Enddreißig, Mitte Vierzig oder schon Fünfzig … sehe ich auch schon so alt aus? An meinen Knochen spüre ich die vierzig Jahre, so unbeschwert und leicht überstehe ich die mehrtägigen (bzw. mehrnächtigen) Musikfestivals nicht mehr. Weiter danach in eine der anderen beiden Pizzerien.
Der Kellner … als ich meine Pizza bestelle – ja, ich sehe schon etwas nach Glam Rock aus, aber nennt er mich die ganze Zeit gerade: „Signore?“
„Eh! Signore! Una pizza per IL signore!“
Ich kann meine Stimmungslage nicht ganz einordnen, irgendwo zwischen Resignation und ist mir jetzt auch egal. In der Disko schlendere ich auch manchmal mit meiner Flasche Getränk in der Hand herum, nicht ganz breitbeinig (in allen meinen Röckchen sowieso nicht), aber trotzdem ab und zu … „Eh, signore.“
Weiter … ein Eis kaufen, dasselbe Lokal, ich kann den Italienern nicht böse sein (ich mag sie zu sehr). Es wird windig und kühl. Auf der Außenterrasse (die aufgestellten Stühle, Tische und Sonnenschirme auf der Straße) wurde ich schon darauf hingewiesen – dunkle Wolken. Es könnte jeden Moment anfangen, zu regen. Verdammte Wettervorhersage! Stimmt ja überhaupt nicht? (Und ich verlasse mich auf euch!)
Mein Eis verschwindet in Rekordzeit, ich schaffe es noch rechtzeitig den frühen Nachmittag in den einen Bäcker um die Ecke am Eingang der Leipziger Fußgängerzone in der Nähe der Oper. Zum Glück kenne ich mich hier aus und weiß, wo ich Unterschlupf finden kann. Dieser Leipziger Bäcker hat einen überdachten Innenhof, moderne Architektur, aber die Sitzmöbel in dem Separee sind ganz gemütlich. Vorher an der Theke ein Stück (schweren) Kuchen und eine Tasse Kaffee bestellen und mitnehmen (Selbstbedienung).
Die Moritzbastei ist in der Nähe, ich bleibe noch etwas in dem Bäcker/Kaffee, beobachte das Wetter über das Glasdach, lese auf meinem Telefon ein paar Nachrichten und krame in meinem Stoffbeutel … das Buch und mein Hut ist zwar drin, aber nicht der Poncho. Nach dem kurzen Regenschauer die paar Schritte zur alten Festungsanlage.
Schon wieder blauer Himmel, Pfingstwetter. Die Moritzbastei ist für mich der Kreuzungspunkt zwischen den schwarzen WGT-Besuchern und mir. Auf dem Mittelaltermarkt ganz oben komme ich nicht, nur mit dem anderen Bändchen, und fünf Euro nur um ein paar Minuten zu sehen, ob ein Stand mit Räucherwerk da drauf ist? Vor zehn Jahren vielleicht war ich mal da … wo meine neu gekauften indischen Räucherstäbchen in meiner Umhängetasche dann in dem Konzertsaal der nicht weit entfernten Oper ein ganz angenehmes Klima geschaffen hat. Für mich bleibt an diesem Tag nur die Bar und das Kaffee unten in den alten Festungsmauern.
Ein Glas Cola bestellen, mich an einen Tisch im Innenhof setzen (die, die schon wieder trocken geworden sind) und danach mit der Straßenbahn unweit die nächste Haltestelle wieder zurück in mein Hotel.
Packe ich jetzt schon alles zusammen? Blick auf die Hotelregeln im Internet: Check-out zwölf Uhr. Alles so lassen. Etwas Ausruhen und mich dann bereit für die letzte Nacht machen. Ohne Bands ist der Einlass wieder erst um 22 Uhr. Dusche, Chanel, Make-up (diese Reihenfolge), meine Zebra-Leggings, der schwarze Ibiza-Kaftan, die Pikes – und der metallisch blitzende Nietengürtel! Den Hut brauche ich dann nicht mehr (die Sonnenbrille auch nicht). Meine schwarze Punkerkutte überwerfen, die Kommode abräumen … den Mittag doch tatsächlich die Maske für die Straßenbahn vergessen. Wieder zurück für die fünfte und letzte Nacht zur Location am Connewitzer Kreuz.
Traditionell keine Bands und nur die kleine Halle. Auch diesen Abend beteilige ich mich an der Aktion mit dem Testzelt … wie immer ein negatives Ergebnis. Mache ich das für mich oder um niemanden anderen anzustecken? Vor ein paar Wochen hatte ich einen Arzttermin … meine Blutwerte sehen nicht gut aus. Wenn die Lymphozyten noch weiter fallen, wird es grenzwertig. Nicht nachgrübeln … weitertanzen (würde ich wissen, dass ich bald sterbe, würde ich bestimmt nicht jeden Tag noch zur Arbeit fahren und noch die nächsten zwanzig Jahre auf die Rente sparen).
Die Pikes, die ich anhabe, tragen sich gewohnt. Mit dem Getränk von der Bar geholt (nicht unbeobachtet lassen), betrachte auf einen der flachen Tische sitzend die Schuhe der anderen Festivalgäste: ab der zweiten oder der dritten Nacht sind es (fast) nur noch flache Schuhe. Ich hätte auch das ganze Wochenende mit meinen Docs oder den Pikes auskommen können – aber das wäre nicht so schön extravagant gewesen, mit einer riesigen Kiste voller Schuhe passend zu jedem Kleid anzureisen! Die DJs legen diese Nacht elektronisches Zeug auf … das DJ-Kollektiv aus Bielefeld, deren Internet-Streams ich so mag. (Ob sie wieder bis in den nächsten Vormittag durchmachen?)
Noch ein Getränk an der Bar holen, tanzen, die Damentoilette aufsuchen. Den Gedanken, den ich seit den letzten Nächten in mir trage – jetzt noch intensiver von meinem Erlebnis den frühen Nachmittag in der Innenstadt – der BH muss weg! So schön er auch ist … aber er engt mich ein beim Tanzen. Vor dem großen und hell beleuchteten Spiegel und den Waschbecken auf der Damentoilette greife ich nach hinten unter meinen Kaftan und das Spaghettiträgertop, löse die Haken, schiebe erst rechts, dann links die Träger runter – der breit geschnittene Kaftan ist da sehr praktisch – und ziehe den BH mit einem Griff hervor. Ohne mich auszuziehen! Das Beutestück kurz hochhalten und breit schmunzelnd vor dem Spiegel schnell in der Handtasche verschwinden lassen. Zurück auf die Tanzfläche.
Zwei Uhr nochwas … ich muss innerhalb der nächsten 24 Stunden noch schlafen, Autobahn fahren, die erste Wohnung, die zweite Wohnung und dann wieder einschlafen für den nächsten Arbeitstag? Lange bleibe ich nicht die letzte Festivalnacht … auch traditionell. Meine Punkerkutte/Lederjacke an der Garderobe abholen, die Handtasche schultern, die kleine Halle rausgehen nach draußen in die dunkle Nacht. Ein Blick in die Runde der Festivalbesucher vor der Tür, ein zweiter Blick zurück die paar Schritte bis zum Tor des Festivalgeländes an der Straße … ob ich nächstes Jahr hier wieder bin? (Sollte ich es überleben?) Dieses Jahr waren nicht ganz so viele Menschen anwesend. Mit der Straßenbahn und dem Taxi wieder zurück zum Hotel … mein Geld ist alle, ich kann dem Taxifahrer nicht mal ein Trinkgeld geben, meine paar 50 Cent lehnt er dankenderweise ab. (Ende Teil 5/6)

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Kommentar:

[13.11.22 / 09:33] Daniele1992: Hallo Morgana

aktuell keine schöne Situation. Ich schreibe Dir noch eine Mail dazu.

LG Daniele

Morgana LaGoth: Einige Kommentare müssen auch nicht allzu öffentlich sein …

[13.05.22 / 09:15] Daniele1992: Hallo Morgana,

Tolle Reisebericht von Deiner neusten Reise nach Paris. Macht grosse Lust auch wieder dort hinzufahren um sich von der Stadt inspirieren zu lassen.

Tolle Neuigkeiten.NeuerJob. Klasse! Freue mich für Dich.

Liebe Grüße
Daniele

Morgana LaGoth: Danke. Endlich wieder verreisen … lange darauf gewartet. Lebendig bleiben, solange es noch geht.

[24.12.21 / 20:55] Daniele1992: Hallo Morgana,

Ich denke an Dich und wünsche Dir frohe Weihnachten und ein schönes neues Jahr 2022.

Liebe Grüße
Daniele

Morgana LaGoth: Vielen Dank, ich wünsche dir ebenfalls ein schönes, neues Jahr.

[25.09.21 / 14:59] Daniele1992: Hallo,

eine Chance etwas Neues zu machen. Neue Perspektiven. Urlaubsträume, die bald real werden können. Nicht so schlecht. Freue mich für Dich. LG Daniele.

Morgana LaGoth: Danke dir.

[11.11.20 / 09:12] Daniele1992: Hallo Morgana

Ich habe Dir eine Mail geschickt.

Lg
Daniele

Morgana LaGoth: Hey ... vom Lenkrad aus mit der Hand winken, von einem MX-5 zum anderen. *freu*

[30.07.20 / 22:03] Daniele1992: Guten Abend

das habe ich sehr gerne gemacht. Zum Einen interessiert mich das Thema und zum Anderen hast Du wirklich sehr lebendig und spannend geschrieben. Da wollte ich Alles lesen und wollte Dir schreiben, das mir Dein Blog besonders gut gefallen hat (Die eigentliche Arbeit hattest Du ja mit dem Verfassen des Blogs). Wenn Du magst können wir den Kontakt gerne per Mail halten. Viele Grüße Daniele

Morgana LaGoth: Mail-Adresse steht oben bei "kontakt" - bei weiteren Fragen, gerne.

[30.07.20 / 12:44] Daniele1992: Guten Morgen,
vielen Dank für Deinen tollen Blog. Ich habe ihn in den letzten Wochen komplett gelesen. Meistens konnte ich gar nicht aufhören zu lesen. Fast wie bei einem sehr spannenden Roman. Ich habe dabei Deine genauen Beobachtungen und Beschreibungen sehr genossen. Deine vielen Ausflüge in die Clubs und zu den Festivals oder Deine Streifzüge d durch die Geschäfte beschreibst Du immer aus Deiner Sicht sehr anschaulich und spannend. Ich kann das sehr gut nachvollziehen, das alleine zu erleben, häufig auch mit einer gewissen Distanz. Ich kenne ich von mir sehr gut. Highlights sind Deine Reiseberichte. Deine Erlebnisse an den unterschiedlichsten Orten auf der Welt. Vielen Dank dafür. Vielen Dank auch das Du Deinen Weg zu Deinem waren Geschlecht mit uns Lesern teilst. Deinen Weg Deine Gefühle Deine zeitweisen Zweifel. Das ist sehr wertvoll auch für uns Andere, denn es ist authentisch und sehr selten. Du bist einem dadurch sehr vertraut geworden. Für mich ist eine gefühlte grosse Nähe dadurch entstanden. Umso mehr schmerzt es mich von Deinen Rückschlägen zu lesen. Von Deinem Kampf zu Deinem wahren Ich. Von Deinem Kampf umd Liebe, Zährlichkeit und Akzepzanz und Anerkenung. Von Deiem mitunter verzweifeltem Kampf nach Liebe und Anerkennung durch Deinen Exfreund. Leider vergeblich. Dein Kampf um wirtschaftliche Unabhängigkeit und Deine aktuell missliche Lage. Ich glaube dass Du nicht gescheitert bist. Du hast viel Mumm und Hardnäckigkeit bewiesen Deinen Gang zu Dir selbst zu gehen. Du hast auch einen guten Beruf der immer noch sehr gefragt ist. Vielleicht kann ja nach dieser Auszeit und etwas Abstand ein Neuanfang in einer anderen Firma, wo Du keine Vergangenheit als Mann hattest gelingen. Ich wünsche das Dir ein Neuanfang gelingt und drücke Dir ganz fest die Daumen. Daniele

Morgana LaGoth: Da liest sich tatsächlich jemand alles durch? Das ist mittlerweile schon ein kompletter Roman mit mehreren hundert Seiten! Danke dir, für deinen Kommentar (und die aufgebrachte Zeit).

[05.10.19 / 17:11] Drea Doria: Meine liebe Morgana,
bin 5 T post all-in-one-FzF-OP. Deine guten Wünsche haben geholfen. Der Koch ist immernoch noch super. Alle hier sind herzlich und nehmen sich Zeit.
Herzlich
Drea

Morgana LaGoth: Dann wünsch ich dir jetzt noch viel mehr Glück bei deiner Genesung!

[14.06.19 / 12:57] Drea Doria: Meine liebe Morgana,

vielen Dank für Deine offenen und kritischen Erlebnisberichte. Ich bin in 3 Monaten in Sanssouci zur FzF-OP. Ich denke auch, was kann schon schief gehen, status quo geht nicht und irgendwas besseres wird wohl resultieren. Wenn es Dich interessiert, halte ich Dich informiert. Drücke mir die Daumen.
Herzlich
Drea

Morgana LaGoth: Ich wünsche dir für deine Operation viel Glück. (Sollte der Koch nicht gewechselt haben, das Essen da in der Klinik ist richtig gut!)

[14.11.17 / 20:13] Morgana LaGoth: Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion: Die Seitenbetreiberin behält sich das Recht vor, jeden Kommentar, dessen Inhalt rassistisch, sexistisch, homophob, transphob, ausländerfeindlich oder sonstwie gegen eine Minderheit beleidigend und diskriminierend ist, zu zensieren, zu kürzen, zu löschen oder gar nicht erst freizuschalten. Werbung und Spam (sofern die Seitenbetreiberin dafür nicht empfänglich ist) wird nicht toleriert. Personenbezogene Daten (Anschrift, Telefonnummer) werden vor der Veröffentlichung unkenntlich gemacht.

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