morgana81 - gothic transgender AWAY WITH YOU - Covid‑19 pandemic 2020‑2022 🎈

Sternzeit irgendwas, Logbucheintragung des Captains:

[01.01.70 / 00:00] Sternzeit irgendwas, Logbucheintragung des Captains:

[10.06.21 / 19:12] Ich konnte es doch nicht durchziehen ... die eine Bewerbung, auf die ich mich als "Herr Dipl.-Ing." beworben hatte. Ich war überrascht, daß ich überhaupt zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen wurde.
Was ziehe ich an? Es wird den Tag sommerlich heiß, das Auto mit der Klimaanlage steht in der Garage, nach Monaten immer noch (oder schon wieder) mit leerer Batterie. Ich muß den frühen Mittwoch Vormittag den Regionalzug nehmen. Männersachen habe ich keine mehr, so etwas wie "Hemd, Krawatte, Sakko" fand ich schon immer abartig und habe ich nie besessen. Den Kleiderschrank voller wunderschöner Sommerkleider. Ich nehme das ungetragene Blümchenkleid vom letzten Jahr und meine neuen Keilsandaletten. Damit es halbwegs seriös aussieht, verhülle ich meine nackten Beine mit einer schwarzen Leggings. Bewerbungsunterlagen habe ich keine, meine Originalzeugnisse - die mit meinem alten, männlichen Namen - trage ich nicht nach draußen. Ich stopfe alles, was ich den Tag brauche, in meine italienische, schwarze Lederhandtasche. Den schwarzen Kapuzenhoodie überziehen und ich laufe kurz nach halb neun den Morgen zum Bahnhof.
Magdeburg ... auch nicht viel los hier, noch mehrere Stunden bis zum Bewerbungsgespräch in der einen Firma am Nachmittag. Die Zeit rumkriegen, einen Arzttermin, vielleicht Einkaufen in den Geschäften und Kaufhäusern (es ist jetzt wieder möglich - mit Maske), den Frühsommertag in der Fußgängerzone etwas Essen. Die Temperatur steigt.
15 Uhr, der Termin, ich bin überpünktlich und warte noch eine Weile, bis ich auf den Klingelknopf drücke. Ein Fahrstuhl fährt mich hoch in die Geschäftsräume. Irritierte Blicke, irritierte Gesprächspartner - ich bin nicht der "Herr", den sie erwartet haben. "Alle meine Zeugnisse sind noch auf meinen alten Namen", entgegne ich in dem Konferenzraum. Wenigstens stehen ein paar Flaschen Wasser für Meetings und Gespräche bereit. Keine Klimaanlage, es ist heiß.
Den späten Vormittag zuvor, ich liege für eine Untersuchung in dem MRT in einer radiologischen Praxis in der Innenstadt. Das große, hochtechnische Gerät wird gekühlt. Meine Leggings, mein Kleid, alles mit Bedacht gewählt und ohne Metallteile - den BH habe ich vorher in der Umkleidekammer ausgezogen. Das Kontrastmittel wird mir auf der Liege in den linken Arm injiziert ... die Vene finden, ich sehe schon wieder aus, wie ein zerstochener Drogenjunkie. "Sagen Sie Bescheid, wenn es brennt", der nicht ganz so beruhigende Satz der jungen Assistentin. Verdammte MS, ich muß das jedes Jahr über mich ergehen lassen.
Das gerade angefangene Bewerbungsgespräch den heißen Nachmittag ein paar Stunden später, daß ich einen Behinderungsgrad habe, verschweige ich. Meinen weiblichen Vornamen haben die beiden akzeptiert. Ich stelle mich sofort entwaffnend als "Frau" vor. Keine so erfreulichen Gesichter ... aus Sicht des Personalverantwortlichen und dem Geschäftsführer dieser kleinen Firma, wäre es besser gewesen, ich hätte mich gleich als weibliche Kandidatin auf diese Stelle beworben ... sie fragen, wie weit ich seelisch mit meiner Transition bin und ob ich diesen eingeschlagenen Weg auch weiter fortführe.
Nach meinen überstandenen MRT-Termin in der Magdeburger Innenstadt streife ich durch die angrenzenden Shopping-Malls und Kaufhäuser - ich bin auf der Suche nach einem weißen Textil- oder Ledergürtel für mein anderes, neues und ungetragenes Jeanskleid. Irgend etwas, was die Taille betont und mich noch weiblicher erscheinen läßt. Etwas frisches für den Sommer ... in meinem offenen Roadster, auf der Landstraße, mit Sonnenbrille und wehenden Haaren. Ich habe meine Stammgeschäfte - hochpreisig, exquisit. Den weißen Kunstledergürtel in dem sehr bekannten, schwedischen Modehaus der unteren Preisklasse, lasse ich in der Auslage hängen, ich entscheide mich für den aus Echtleder, gefunden in dem großen Kaufhaus quer über die Kreuzung, einen im geflochtenen Muster und ohne Lochnieten. Die weißen Militärgürtel im Internet sehen alle zu männlich aus und stehen nur Motorradpolizisten und kernige Kerle ... Fotos aus der Gay-Community?
Ich fahre Motorrad, aber das steht auch mit leerer Batterie verlassen und voller Spinnweben in der Garage. Die Antwort, ob ich einen Führerschein besitze, beantworte ich in dem Bewerbungsgespräch mit "Ja", nur dieses eine Mal mußte ich den Zug nehmen. Die Stelle wäre mit Kundenkontakt ... Bin ich vorzeigbar? Wie so oft, ich kann es den beiden Männern in dem Raum nicht glauben, wenn sie nicht erkennen wollen, daß ich keine geborene Frau bin - ich gehe immer davon aus, daß es jeder sofort sieht und hört. Wäre es besser gewesen, meine transsexuelle Vergangenheit auch zu verschweigen? Und hätten die mich dann überhaupt als Frau eingeladen? Ich könnte ja urplötzlich schwanger werden und für Monate ausfallen.
Diese Probleme habe ich nicht in dem Restaurant den Mittag zuvor in der Innenstadt. Meinen kurzen Einkauf habe ich beendet, der neue Gürtel liegt in einem Beutel in meiner Handtasche. Das italienische Restaurant mit bis zum letzten Tisch besetzten Außenbereich, macht den Tag ein gutes Geschäft. Ich gebe nach meinen bestellten und aufgegessenen Gnocchi etwas mehr Trinkgeld, setze nach dem Bezahlen meine Maske auf und frage nach der Toilette in dem Innenbereich der Gastronomie. Ich habe keine Probleme damit, die Frauentoilette zu benutzen - ich bin eine Frau. Ich sehe so aus, ich bewege mich so - und sprechen muß ich da auch nicht. Ich mache mich an dem kleinen Spiegel neben den zwei Kabinen etwas frisch und bereite mich auf das bevorstehende Bewerbungsgespräch vor, das in einer Stunde, ein paar Straßenbahnstationen entfernt.
Dieses Bewerbungsgespräch, in dem ich wieder die mir bekannten und ablehnenden Gesten der Teilnehmer erkennen werde, wenn sie mir die Frage stellen, warum ich so lange arbeitslos bin. Was ich die letzten zwei Jahre überhaupt gemacht habe (isoliert zu Hause?), warum es für mich nahezu unmöglich ist, eine Arbeitsstelle zu finden. Die fehlenden Qualifikationen kann ich erarbeiten, Neues lernen ... ich bin zu unsicher und weiche zum Ende des dreißig Minuten dauernden Gesprächs allen Fragen aus, die auch nur ansatzweise etwas mit meiner persönlichen und traumatischen Vergangenheit an meiner alten Arbeitsstelle zu tun haben und zu meiner Entlassung führten. Und dabei habe ich noch nicht einmal erwähnt, daß ich fast schon selbstzerstörerisch in der Psychiatrie gelandet bin - wegen dieser Arbeit (und das ist der Punkt). Der Fahrstuhl fährt mich wieder runter und ich weiß, es ist wieder nichts geworden.

"Hartz IV" könnte noch bis zum Ende des Jahres, pandemiebedingt, verlängert werden ... erst dann fällt die finanzielle Stütze für mich weg und ich müßte mir doch mehr Gedanken machen. Bin ich schon zu alt, um auf den Strich zu gehen?

[02.06.21 / 19:10] Jetzt geht alles sehr schnell - die vier Wochen auf der Warteliste sind um und ich bekomme einen Telefonanruf von der Hausarztpraxis für meine erste Schutzimpfung mit dem mRNA-Wirkstoff. Montag Abend der Anruf und Mittwoch Mittag stehe ich schon in der Warteschlange draußen vor der Praxis. Mit dabei: mein alter, dunkelroter DDR-Impfausweis, von dem ich dachte, der ist so gut wie hundert Prozent fälschungssicher, mit dem geprägten Emblem auf dem Einband ... dieser landet auf einem Stapel und wird demnächst durch eine neuere Version ersetzt (so ein langweiliges, gelbes Papier).
Eine Stunde warten, draußen auf der Straße, drinnen im Wartezimmer, dann mein Aufruf in das Behandlungszimmer: Kanüle in den Oberarm (nur wenige Zentimeter über meinen zerstochenen Junkie-Narben), noch einmal kurz draußen warten (auf der Terrasse) ... keine Nebenwirkungen, kein Flush (denn so etwas hatte ich mal vor 15 Jahren nach einer selbst gesetzten Nadel) und ich kann wieder gehen. Nächster Termin für die zweite Impfung ist in sechs Wochen.
In wenigen Tagen entfällt die Priorisierung, wenn dann alle einen Termin machen können, sehen die Grüppchen vor den Impfzentren und Praxen anders aus. Mit mir standen da jetzt nur ein paar ältere Menschen über sechzig, noch ältere Senioren für die Zweitimpfung (?), ein oder zwei blasse und zerbrechlich wirkende junge Menschen (das bin ich) und ... kräftige Männer, denen ich mein Leben anvertrauen würde (ich kann sie nicht besser beschreiben, aber sie strahlen dieses "heldenhafte" aus).
Meinen anderen Termin im Impfzentrum, den ich wenige Tage vorher um 3 Uhr nachts (!) überraschend im Internet buchen konnte, habe ich wieder abgesagt ... über die Internetseite (die mit der Hotline). Den Link in der Bestätigungsmail folgen und den Vermittlungscode eingeben, ein paar Klicks, ein Button - das ist wirklich nicht schwer (jedenfalls nicht für technikaffine Menschen).

Die Geschichte dahinter: Für fast 48 Stunden habe ich mir auch die Option offen gehalten und den Termin im Impfzentrum blockiert - und erst abgesagt, nachdem ich den "Stoff" in der Hausarztpraxis sicher hatte ... machen alle so (und ist wohl auch irgendwo als "empfohlene Prozedur" beschrieben). Bin ich damit asozial? Die letzten Wochen saß ich noch frustriert vor dem Computer und habe darüber geschimpft. Zum Problem wird es erst, wenn die doppelt reservierten Termine nicht mehr von den Bürgern abgesagt werden und das Impfzentrum noch für Monate ausgebucht bleibt - aber das wird in den Medien schon so propagiert.

"Kann ich meine nicht verwendete Impfdosis für Afrika spenden?"

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Kommentar:

[13.11.22 / 09:33] Daniele1992: Hallo Morgana

aktuell keine schöne Situation. Ich schreibe Dir noch eine Mail dazu.

LG Daniele

Morgana LaGoth: Einige Kommentare müssen auch nicht allzu öffentlich sein …

[13.05.22 / 09:15] Daniele1992: Hallo Morgana,

Tolle Reisebericht von Deiner neusten Reise nach Paris. Macht grosse Lust auch wieder dort hinzufahren um sich von der Stadt inspirieren zu lassen.

Tolle Neuigkeiten.NeuerJob. Klasse! Freue mich für Dich.

Liebe Grüße
Daniele

Morgana LaGoth: Danke. Endlich wieder verreisen … lange darauf gewartet. Lebendig bleiben, solange es noch geht.

[24.12.21 / 20:55] Daniele1992: Hallo Morgana,

Ich denke an Dich und wünsche Dir frohe Weihnachten und ein schönes neues Jahr 2022.

Liebe Grüße
Daniele

Morgana LaGoth: Vielen Dank, ich wünsche dir ebenfalls ein schönes, neues Jahr.

[25.09.21 / 14:59] Daniele1992: Hallo,

eine Chance etwas Neues zu machen. Neue Perspektiven. Urlaubsträume, die bald real werden können. Nicht so schlecht. Freue mich für Dich. LG Daniele.

Morgana LaGoth: Danke dir.

[11.11.20 / 09:12] Daniele1992: Hallo Morgana

Ich habe Dir eine Mail geschickt.

Lg
Daniele

Morgana LaGoth: Hey ... vom Lenkrad aus mit der Hand winken, von einem MX-5 zum anderen. *freu*

[30.07.20 / 22:03] Daniele1992: Guten Abend

das habe ich sehr gerne gemacht. Zum Einen interessiert mich das Thema und zum Anderen hast Du wirklich sehr lebendig und spannend geschrieben. Da wollte ich Alles lesen und wollte Dir schreiben, das mir Dein Blog besonders gut gefallen hat (Die eigentliche Arbeit hattest Du ja mit dem Verfassen des Blogs). Wenn Du magst können wir den Kontakt gerne per Mail halten. Viele Grüße Daniele

Morgana LaGoth: Mail-Adresse steht oben bei "kontakt" - bei weiteren Fragen, gerne.

[30.07.20 / 12:44] Daniele1992: Guten Morgen,
vielen Dank für Deinen tollen Blog. Ich habe ihn in den letzten Wochen komplett gelesen. Meistens konnte ich gar nicht aufhören zu lesen. Fast wie bei einem sehr spannenden Roman. Ich habe dabei Deine genauen Beobachtungen und Beschreibungen sehr genossen. Deine vielen Ausflüge in die Clubs und zu den Festivals oder Deine Streifzüge d durch die Geschäfte beschreibst Du immer aus Deiner Sicht sehr anschaulich und spannend. Ich kann das sehr gut nachvollziehen, das alleine zu erleben, häufig auch mit einer gewissen Distanz. Ich kenne ich von mir sehr gut. Highlights sind Deine Reiseberichte. Deine Erlebnisse an den unterschiedlichsten Orten auf der Welt. Vielen Dank dafür. Vielen Dank auch das Du Deinen Weg zu Deinem waren Geschlecht mit uns Lesern teilst. Deinen Weg Deine Gefühle Deine zeitweisen Zweifel. Das ist sehr wertvoll auch für uns Andere, denn es ist authentisch und sehr selten. Du bist einem dadurch sehr vertraut geworden. Für mich ist eine gefühlte grosse Nähe dadurch entstanden. Umso mehr schmerzt es mich von Deinen Rückschlägen zu lesen. Von Deinem Kampf zu Deinem wahren Ich. Von Deinem Kampf umd Liebe, Zährlichkeit und Akzepzanz und Anerkenung. Von Deiem mitunter verzweifeltem Kampf nach Liebe und Anerkennung durch Deinen Exfreund. Leider vergeblich. Dein Kampf um wirtschaftliche Unabhängigkeit und Deine aktuell missliche Lage. Ich glaube dass Du nicht gescheitert bist. Du hast viel Mumm und Hardnäckigkeit bewiesen Deinen Gang zu Dir selbst zu gehen. Du hast auch einen guten Beruf der immer noch sehr gefragt ist. Vielleicht kann ja nach dieser Auszeit und etwas Abstand ein Neuanfang in einer anderen Firma, wo Du keine Vergangenheit als Mann hattest gelingen. Ich wünsche das Dir ein Neuanfang gelingt und drücke Dir ganz fest die Daumen. Daniele

Morgana LaGoth: Da liest sich tatsächlich jemand alles durch? Das ist mittlerweile schon ein kompletter Roman mit mehreren hundert Seiten! Danke dir, für deinen Kommentar (und die aufgebrachte Zeit).

[05.10.19 / 17:11] Drea Doria: Meine liebe Morgana,
bin 5 T post all-in-one-FzF-OP. Deine guten Wünsche haben geholfen. Der Koch ist immernoch noch super. Alle hier sind herzlich und nehmen sich Zeit.
Herzlich
Drea

Morgana LaGoth: Dann wünsch ich dir jetzt noch viel mehr Glück bei deiner Genesung!

[14.06.19 / 12:57] Drea Doria: Meine liebe Morgana,

vielen Dank für Deine offenen und kritischen Erlebnisberichte. Ich bin in 3 Monaten in Sanssouci zur FzF-OP. Ich denke auch, was kann schon schief gehen, status quo geht nicht und irgendwas besseres wird wohl resultieren. Wenn es Dich interessiert, halte ich Dich informiert. Drücke mir die Daumen.
Herzlich
Drea

Morgana LaGoth: Ich wünsche dir für deine Operation viel Glück. (Sollte der Koch nicht gewechselt haben, das Essen da in der Klinik ist richtig gut!)

[14.11.17 / 20:13] Morgana LaGoth: Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion: Die Seitenbetreiberin behält sich das Recht vor, jeden Kommentar, dessen Inhalt rassistisch, sexistisch, homophob, transphob, ausländerfeindlich oder sonstwie gegen eine Minderheit beleidigend und diskriminierend ist, zu zensieren, zu kürzen, zu löschen oder gar nicht erst freizuschalten. Werbung und Spam (sofern die Seitenbetreiberin dafür nicht empfänglich ist) wird nicht toleriert. Personenbezogene Daten (Anschrift, Telefonnummer) werden vor der Veröffentlichung unkenntlich gemacht.

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