morgana81 - gothic transgender AWAY WITH YOU - Covid‑19 pandemic 2020‑2022 🎈

Sternzeit irgendwas, Logbucheintragung des Captains:

[01.01.70 / 00:00] Sternzeit irgendwas, Logbucheintragung des Captains:

[29.05.21 / 01:45] Faschokundgebung auf dem Marktplatz ... ich wußte gar nicht, daß dieses Kaff noch eine Gegendemoszene hat (ich bin nicht die Einzige). Im Internet radikalisiert, gehe ich den Freitag frühen Abend mal hin, mal sehen, wie weit ich komme ... mal sehen, ob was geht. Ich habe sogar extra meine purpur- und lilafarbenen Schnürsenkel von meinen alten Springer hervorgekramt und in meine Docs eingefädelt. Schwarzer Kapuzenpullover, fette Sonnenbrille, schwarze Jeans mit Nietengürtel, schicke Handtasche (ich mußte ja irgendwo meinen ganzen Kram unterbringen).
Marktplatz vollkommen abgesperrt, Bullies (oder "Wannen", oder "Six-Packs") vor jeder Zugangsstraße - zur Information: der Marktplatz mit Rathaus ist hier noch ein enger, historischer Stadtkern. Kein Durchkommen. "Früher", wenn ich da noch an meine aktive Zeit während des Studiums denke, wurden aus dem eingekesselten, schwarzen Block noch ständig Ausbruchversuche unternommen, möglichst nah an die Rechten herankommen und stören. Die "Rechten" sind hier eine nicht näher genannte und im Osten sehr starke Partei, die ihre feindlichen Ansichten hinter einer biederen Fassade verstecken.
Zu meiner Motivation: Vor ein paar Wochen hatte ich in einen meiner Tagebucheinträge eine schwarze Drag Queen erwähnt (oder so etwas in die Richtung), die sich nie sicher sein kann, ob sie - wenn sie die Nacht ausgeht - den Morgen noch lebend zurückkommt. Jetzt auf der Gegenveranstaltung in der Nähe des Marktplatzes in diesem Ort, steht schon wieder jemand aus dem BIPoC am Mikro und erwähnt kurz die durch Faustschläge gebrochene Nase. Scheiße. Ich muß bei so etwas immer reflexartig mit dem Finger meine Nase abtasten und den 2008 herausgebrochenen Knochensplitter fühlen. Es geht darum, daß ich Stiefel mit bunten Schnürsenkeln trage und mir Gedanken machen muß, ob ich nicht auf dem Weg zurück von so ein paar Idioten angemacht und verprügelt werde, weil ich anders bin, weil ich queer bin, oder trans, oder eine andere Weltanschauung habe. Oder weil ich einfach gern Reise, ausländisches Essen liebe und keine Berührungsängste mit fremden Kulturen habe (hier befinde ich mich leider schon im "positiven Rassismus" und finde alles Exotische höchst faszinierend).
Lange bleibe ich nicht draußen, die Kundgebung da drüben auf dem Marktplatz war für zwei Stunden, von 18 Uhr bis 20 Uhr angemeldet, durch die Reihen der Polizisten sehe ich in der Ferne ein paar blaue Fahnen ... zum Glück verstehe ich denen ihrer Reden nicht, das würde mich nur zu sehr aufwühlen. Es fängt ab 19 Uhr an zu regnen, die Kapuze von meiner schwarzen Baumwolljacke habe ich schon hochgezogen. "Scheiß Kamera", ich ziehe sie noch mehr ins Gesicht, die weiße FFP2-Maske trage ich schon die ganze Zeit, meine dunkle Sonnenbrille beschlägt ständig durch die Atemluft. Ich krame meinen Regenschirm aus der Handtasche ... da befindet sich auch eine kleine Wasserflasche drin, aber die ist wirklich nur zum Trinken (nicht zum Werfen). Die Nazis im Regen stehen lassen. Ich ziehe ab, wie die Menschen um mich herum auch. Das ist es nicht wert.

Hintergrund: Warum wählen Menschen so eine Partei? Nur weil die anderen Parteien "doof" sind? OK ... könnte auch mein Gedanke sein. Mal abgesehen von den ultrastrammen, rechtskonservativen Überzeugungswähler (die ich auch hier nicht bekehren kann und auch gar nicht will), werden solche Parteien "manchmal" (ich möchte freundlich bleiben) von Menschen gewählt, die gar nicht so genau wissen, was da wirklich im Parteiprogramm steht.
Ich bin eingefärbt, ich gehöre der LGBT-Szene an, die mit den Internetforen und Chatgruppen, in denen aktiv auf die menschenverachtende Rhetorik dieser speziellen Partei hingewiesen wird. Wir kämpfen hier um den Erhalt unserer Grundrechte, gegen Diskriminierung und gegen Homophobie und - für mich ganz besonders - Transphobie. Ich will nicht mehr ständig Angst um mein Leben haben, wenn ich rausgehe, wenn ich angepöbelt werde, wenn mir "Tunte" hinterhergerufen wird (ich bin übrigens korrekt eine "Transe"). Wenn Männer wild mit einer Bierflasche herumfuchteln und erzürnt sind, weil sie gerade herausgefunden haben, daß ich ja doch keine echte Frau bin. Und diese manipulierende Partei schreibt dann in ihrem Wahlprogramm so etwas wie: Haßverbrechen dieser Art gibt es nicht und wir unterstützen auch keinerlei Aufklärung oder Programme diesbezüglich. Die LGBT-Vielfalt wird dann trockengelegt, verdrängt, ausradiert und im schlimmsten Fall wieder pathologisiert oder kriminalisiert. Alle vier bis fünf Jahre muß ich mir immer mehr Gedanken machen, ins Exil zu gehen.

[24.05.21 / 21:12] Pfingstsonntag, der dritte Tag bzw. die dritte Nacht des Festivals, ich bin kurz vor 22 Uhr wieder zurück, der Stream läuft bestimmt schon seit 18 Uhr. Schnell die rote LED-Leiste auf dem Holzregal im Flur gegenüber der Badezimmertür bereitlegen und den Stecker finden. Den Barhocker vor meinem Kleiderschrank im Dachbodenzimmer gegenüber dem Computertisch mit den Studiomonitoren und dem Mischpult positionieren. Die bunte LED-Lichterkette über meiner Sofasitzecke, hängend an der Kabelbeleuchtung mit den Strahlern, einschalten. Die Stereoanlage anschalten, das Strobo-Effektgerät ausrichten, den Computer hochfahren, den Livestream des kleinen Musikfestivals starten und die Regler am Mischpult schnell einpegeln. Ich schaffe alles noch rechtzeitig vor dem "Einlaß um 22 Uhr" - also die Tür zur Dachbodenetage. Meine Klamotten ziehe ich schnell um, von "familienschwarz" auf "zu-Hause-schwarz" (ist eigentlich dasselbe). Die Musik läuft ... ich bin wieder mit dabei (und schon wieder nur fünf Stunden Schlaf).
Diese Nacht übernimmt das Festivalprogramm ein befreundetes DJ-Kollektiv, deren Auftritte ich in "echt" schon aus Leipzig kenne ... eigentlich sind die auftretenden Künstler aber viel mehr verteilt, so irgendwie zwischen Berlin und angeblich Bielefeld. Die auftretenden drei oder vier Bands sind live ... richtig live. Die aufwendige Kameraführung, Schnitt- und Audiotechnik ist mir schon bei dem anderen kleinen Online-Festival vor drei oder vier Wochen aufgefallen. Die Deko der Bühne oder des "Bühnenkäfigs" ist außergewöhnlich. Ich stehe neben meinem Barhocker mit einer Flasche Wasser in der Hand zwei Meter vor meinem 22-Zoll-Computerbildschirm und verfolge gebannt den Auftritt der zweiten Band des Abends ... für mich die erste Band, die davor habe ich leider verpaßt, echtes Festival-Feeling.
Die Auftritte der einzelnen Bands gehen länger als die kurzen Clips vom ersten Tag, mehr Titel, mit Pausen und Kommentaren am Mikro ... speziell diese Pausen sind so merkwürdig still - wo ist der Beifall des Publikums? Die klatschenden Hände? Ich vermisse die Menschen um mich herum, die Nacht davor war ich schon richtig berührt, als bei einem Live-DJ-Set in ein Wohnzimmer geblendet wurde und ich die ganzen tanzenden Menschen um das DJ-Pult sehen konnte - alle vier oder fünf mit einem Glas in der Hand ... so wie ich, zum selben Moment exakt zu Hause vor meinem Computerbildschirm, fröhlich schwankend. Ihr könnt mich nicht sehen, aber ich bin mental bei euch. [Anm. der Verfasserin: Das war doch diese Nacht, aber eigentlich beide...]
Genau das passiert jetzt auch mit den Sets des DJ-Kollektivs in dem laufenden Videostream, das ich den letzten Tag, die letzte Nacht aus meinem Wohnzimmer mit verfolge. Ich überlege mir schon die Gedanken, wenn das Festival wieder in echt stattfindet und ich freudestrahlend mein Ticket am Eingang einlöse und allen anwesenden Menschen verkünden kann: Ihr wart bei mir zu Hause und ich war bei euch zu Hause und wir haben das zusammen durchgestanden! Die an sich schon kleine Szene ist jetzt noch viel, viel mehr familiärer. Die DJs senden aus einem Keller oder Proberaum oder Tonstudio / Wohnzimmer irgendwo in Deutschland, ich kann am Bildschirm alles sehen, die Einrichtung, die Technik, die Gesichter, die Emotionen.
Dadurch, daß es die dritte Nacht ist und mir der Schlaf fehlt, tanze ich nicht ganz so durchgehend auf meiner kleinen Wohnzimmertanzfläche. Den Lautstärkepegel senke ich den späten Abend und die Nacht schon stündlich, ab 1 Uhr den sehr frühen Morgen folge ich dem kleinen Rat aus meinem persönlichem Umfeld und stelle alles auf Silent Disco um - ein Kopfhörer mit langem Kabel an meiner Stereoanlage zum Tanzen in meiner Lichterecke, der andere Kopfhörer (der schwere DJ-Kopfhörer) am Ausgang für den Control Room und den abgedrehten Studiomonitoren an meinem Mischpult vor dem Computer. Es geht für mich weiter ... aber davon bekommt die Nachbarschaft nichts mit.
Wie lange gehen die DJ-Sets und die Musik noch? Ich habe auf dem zweiten Computerbildschirm den auf die schnelle erstellten und irgendwie improvisiert, aber genial wirkenden Zeitplan aka "Schedule" des Festivals eingeblendet ... ich glaube, die Mannschaft will die legendäre 13-Uhr-Marke knacken, eine aus dem von mir verfolgten Chat-Verlauf angeblich von einem Benutzer erwähnte, frühere Legende - aber ich war nie länger als bis 7:30 Uhr dabei, vielleicht auch einmal bis um 8 oder 8:30 Uhr, aber das ist schon ewig her. Noch sehen die auflegenden DJs ganz gut aus, fröhlich tanzend, mit Glas umherschwankenden Party-Bewegungen ... spätestens ab 2 oder 3 Uhr nachts sitze ich nur noch mit meinem Kopfhörer mit den dicken Ohrmuscheln auf meinem Drehstuhl vor dem Computer, stoße mit meinem Glas an und beobachte das ganze virtuelle Treiben höchst amüsiert, ich will auch durchmachen ... mindestens bis zum Sonnenaufgang mit dem Dachbodenfenster neben mir nach Süd-Osten.
4 Uhr ... Vögel fangen an, das Dunkle der Nacht verschwimmt in das Grau-Blaue. Ich bin irgendwie schon kaputt. Die DJs da in dem Livestream sind auch schon mindestens 15 oder 20 Jahre in der Szene und so alt wie ich, ich muß das wissen, ich bin seit 2002 - besser 2003 mit dabei und habe in Briefumschlägen im Schrank wahrscheinlich hunderte gesammelte Papier-Flyer mit den bekannten DJ- und Künstlernamen von den verschiedensten kleinen Veranstaltungen quer durch Deutschland (und Europa). Ich sollte mich vielleicht doch etwas hinlegen, den Stream pausieren, noch bevor es ganz hell wird, etwas schlafen. Vielleicht schlafe ich bis Mittag, vielleicht auch gar nicht. Alles ausschalten, kurz ins Bad, noch einmal die kühle Morgenluft durch die geöffneten Dachbodenfenster über die Tanzfläche brausen lassen und dann auf der Matratze versinken.

9:30 Uhr ... waren das jetzt wieder nur fünf Stunden Schlaf? Die dritte Nacht? Der 4-9-Rhythmus hat sich irgendwie eingewöhnt. Erste Schritte aus dem Bett fallend, zum Computer, den Livestream starten, mich einklinken ... läuft immer noch. Blick auf die Timetable - was habe ich verpaßt, welche DJs kommen noch, was könnte interessant werden. Dadurch, daß die mehrmals in Schichten, oder Slots auflegen, habe ich von allen ein Set gesehen oder gehört (oder werde es noch). Morgenroutine, wie von Freitag auf Sonnabend 48 Stunden zuvor, die Soundanlage langsam hochdrehen, ins Bad verschwinden, duschen, zurück mit dem Handtuch auf dem Bett die Musik hören ... tanzen, wieder ins Bad wechseln, Kosmetika auftragen. Die DJs in dem Livestream wechseln sich ab ... Boah, sehen die alt aus. Besonders der eine DJ, das könnte auch mein Alter sein, er hat den Slot irgendwann zwischen 2 und 4 Uhr aufgelegt, ein paar Stunden pausiert und geruht (nur meine Vermutung) und steht jetzt wieder vor den Decks und der Videokamera, richtig gute Musik auflegend ... genau den Moment, als ich auch wieder aus meinem Badezimmer falle, hunderte Kilometer entfernt aber live dabei. Seine bunte Sonnenbrille verdeckt nur die tiefen Augenringe. Ich sehe alles an meinem Bildschirm und fühle mich jetzt richtig verbunden.
11 Uhr ... Kaffee. Ich muß nicht vor dem Bildschirm sitzen, ich kann auch mal in den Garten gehen, das kleine Espresso-Täßchen (eigentlich Macchiato) mit raus nehmen. Zurück auf dem Dachboden alles weiter verfolgen, für Essen wieder verschwinden, die Musik läuft weiterhin ... in der Lautstärke gedämpft. Ein kleines Chill-out-Set wäre jetzt nicht schlecht, aber die Synth-/Wave-/Disco- und Punk-Musik trifft es auch. Ihr Studio, von dem aus sie ihren Livestream senden, ist tatsächlich irgendwie so eine Art Keller? Während bei mir den Pfingstmontag Mittag die Sonne scheint, taucht bei dem DJ-Kollektiv ein kleiner Lichtschein in einem kleinen Fenster oben in einer Ecke auf. Und ich habe erträumt, jetzt könnte mal eine Live-Schaltung in einen benachbarten Garten kommen ... so etwas Ibiza-Hacienda mäßiges.
13 Uhr - die Marke ist geknackt, noch über hundert Zuschauer in dem Stream, es wird sehr herzlich in dem Chat-Fenster - ich wünschte, ich könnte daran teilhaben, aber ich bin immer noch nicht in dem Videoportal registriert. 14 Uhr ... die Crew hat meinen und den gesamten Respekt der Fans und der Stream läuft immer noch und könnte ewig so weitergehen.
14:30 Uhr - Stille - die DJs verkünden das Ende der Übertragung und spielen das letzte Musikstück an ... wo ist das Emoji mit großen Kulleraugen und dem Hundeblick? Aber ich habe doch gerade angefangen, den Montag auf dem anderen Computerbildschirm nebenbei etwas zu arbeiten? Ihr könnt doch jetzt nicht einfach aufhören? Tränen ... der Abschied ist so emotional. Ihr kennt mich nicht, aber ihr seid alles meine Freunde! Wenn wir uns in echt wiedersehen, werden ganz viele euch umarmen wollen. So vielen Dank für diesen wundersamen Livestream, das Online-Festival, die Mühe und die Energie, die ihr mit da rein gesteckt habt - und die schöne Zeit, die ich ... wir mit euch verbringen durften. Wirklich vielen Dank!

Gothic Pogo Festival
Mutant Transmissions
UNTER NULL Kollektiv

[24.05.21 / 21:11] Jetzt habe ich drei Tage und Nächte am Bildschirm fröhliche Menschen beim Tanzen zugesehen - und auf einmal ist alles wieder vorbei. Selbst von dem mittleren Teil bleibt mir nur noch eine Spur der Erinnerung:

Sonnabend, der zweite Tag (oder die zweite Nacht) des Online-Festivals, traditionell wie in den Anfangsjahren, keine Bands, nur DJ-Sets. Die Stamm-Crew sendet aus dem Hauptquartier in Leipzig, das große DJ-Pult sichtbar im Videostream, wunderschön dekoriert. Meine Anlage zu Hause im Wohnzimmer schalte ich gegen 20 Uhr mit ein ... "8 pm" stand auf dem Zeitplan (davor liefen schon ununterbrochen die Sets und Clips der Verrückten aus dem französischen Nachbarland).
Ich tanze ... 22 Uhr, es wird dunkel, Sonnenuntergang, die rote LED-Leiste neben der Garderobe leuchtet mir den Weg zur Toilette und dem Nachschub für die Wasserflasche. 23 Uhr, 0 Uhr, Mitternacht ... die andere bunte LED-Lichterkette steht auf "Chasing/Flash" und blitzt in einem Gewitter mit meiner Stroboskoplampe über die kleine Tanzfläche, der ausgetretene Teppich neben meiner Sitzecke mit der alten, schwarzen Couch und der übergeworfenen Leopardendecke. Das kleine Dachbodenfenster ist unverhüllt, es ist mir egal, ob mein Schatten und die bunten Lichter von außen beobachtet werden können ... ich will es so.
Ich gieße immer wieder etwas Wasser aus der großen Flasche an meiner Bar in mein Glas und schwenke es tanzend herum ... es ist eine große Kunst, das kleine Glas in den fließenden Tanzbewegungen zurück in dem flackernden Lichterschein und der gnadenlos animierenden Discomusik waagerecht zu halten, ohne alles wieder zu verschütten. Ich bin richtig gut drauf, in meinem schwarzen Dress - casual - ein schwarzes Top mit tiefen Ausschnitt und die sauteure Designer-Jogginghose.
Immer wieder wende ich mich auch dem Computerbildschirm mit dem Videostream zu und lese die Chatnachrichten, ich wünschte, ich könnte auch etwas schreiben - aber ich bin nicht angemeldet. Eine kleine Diskussion verfolge ich interessiert: Die Musik ist so 'gothic', wie die DJs sie auflegen - wenn da jetzt 'Bollywood' läuft oder ein Track eines nicht unbekannten 'nordsyrischen Hochzeitssängers' - dann ist das jetzt 'Gothic' (nur weil das Festival das im Namen trägt, muß das nichts damit zu tun haben). Genau über den letzteren Titel habe ich mich wahnsinnig gefreut, mit dieser orientalischen Musik (die ich über meinen syrischen Ex-Freund kennengelernt habe) bin ich die letzten Jahre in meinem offenen Roadster immer zu dem besagten Festival durch Connewitz zum Werk 2 gefahren.
1:30 Uhr die Nacht von Sonnabend zu Pfingstsonntag ... ich muß die Regler an meinem kleinen Mischpult neben dem Computer wieder herunterdrehen und nach und nach alles beenden, jetzt kommt der DJ, von dem ich weiß, daß er richtig gute Musik auflegt. Wenn ich da erst den ersten Titel höre, komme ich die nächsten zwei Stunden nicht mehr von der Tanzfläche herunter - und ich muß den Wecker an meinem Smartphone auf 7:30 Uhr stellen und in wenigen Stunden früh aufstehen ... Familienzeit (das andere Leben, außerhalb meines Blogs).

[22.05.21 / 12:41] Gothic und Pfingsten, die Party geht weiter. Das kleine Underground-Festival mit Ursprung in Leipzig, sendet auch das zweite Jahr live im Internet ... non-stop! Ich habe meine LED-Lichterkette (die Weihnachtsdeko) wiedergefunden, ich brauche den späten Freitag Nachmittag gefühlt über eine Stunde, um sie in meinem Dachbodenzimmer passend und stilistisch aufzuhängen. Der Aufbau der PA ist Routine und geht innerhalb von wenigen Minuten. Kurz nach 19 Uhr bin ich wieder mit dabei und schalte mich als Zuschauerin in den gerade begonnenen Livestream. Ich hatte schon den Gedanken, ob ich wirklich noch dabei sein muß - aber bei dem ersten Blick auf den Bildschirm und die Gesichter, die DJs, die Deko (in ihren Wohnzimmern?) und das familiäre Chat-Fenster (es ist eine kleine Szene) verfliegt sofort der sentimentale Gedanke.
Die DJ-Sets sind bunt gemischt, Gothic, Punk, Elektronisches - und das ist erst der erste Tag des Musikfestivals mit dem "Skelett-Logo", zwei weitere Tage und Nächte kommen noch. Die Clips der Bands sind vorab aufgezeichnet (würde ich auch so machen), die aufgelegte Musik ist live. Mal digital, mal reines Vinyl ... richtig interessant wird es, wenn ein DJ vom anderen Ende der Welt seine/ihre Technik vor dem Hintergrund eines Regals mit einer riesigen Schallplattensammlung aufbaut und die Plattencover dieser obskuren Raritäten in die Kamera hält. Ehrfurchtsvoll...
Viel Tanzen mache ich heute nicht, mir fehlt die Energie, ich wechsele ständig meinen Sitzplatz: Couch, Drehstuhl vor dem Computer, Barhocker vor dem Schrank. Meine andere, rote LED-Leiste habe ich im Flur, ein paar Schritte auf dem Weg zum Badezimmer, auf einem hohen Holzregal abgelegt ... damit verdoppelt sich gerade die Clubfläche. Und ... es ist nur echt, wenn dann auf der Toilette in der Disko das Klopapier fehlt und alle ist! So authentisch...
Die Musik läuft die ganze Nacht, das kleine Mischpult neben dem Bildschirm und meinen Monitorboxen als Control Room macht sich wirklich gut, ich kann mit einem Handgriff (auch herübergelehnt von der Couch aus) den Lautstärkepegel nach Bedarf anpassen. Da die DJ-Sets von unterschiedlichen Quellen kommen, sind die nie gleich. Alles schön innerhalb der grünen LEDs halten (ich hatte für den Soundcheck nicht genug Zeit und mußte ja auch ewig mit meiner Lichterkette herumtrödeln).
1 Uhr, 2 Uhr, Mitternacht ist schon längst vorbei ... wie lange läuft das noch? Und was sind das für alte Party-Fotos, die in dem Videostream eingeblendet werden? Es sind Fotos von vergangenen Festivalwochenenden die letzten Jahre in Leipzig, es ist der Innenhof vom Werk 2 - aber die Sonne so weit oben im Osten? Großer Gott, das ist vormittags! (Ich habe das so noch nie gesehen.) Jetzt wird mir auch klar, wie das mit dem gerade laufenden Stream des Online-Festivals und der Timetable mit den verwirrenden Angaben "a.m." und "p.m." gemeint ist - die machen durch! Bloody maniacs! Ihr Wahnsinnigen! Das geht wirklich noch ohne Pause bis in den Montag Morgen. Klar ... die DJ-Sets werden von überall, rund um den Globus, live dazugeschaltet, momentan läuft die Nacht bis in den Morgen, bzw. Vormittag, die Sets der französischen DJs, aber da ist es sowieso egal, ob Tag oder Nacht. Würde ich pausenlos mit dabei bleiben wollen, müßte ich die nächsten 72 Stunden auf Schlaf verzichten. Ich regele langsam wieder die Lautstärke runter und lege eine kleine Pause ein...

Sonnabend Morgen, 8 Uhr nochwas, kurz vor dem Frühstück, ich stehe nach ein paar wenigen Stunden wieder auf und setze mich als erstes vor dem Computer und klinke mich in den Livestream - der nach wie vor läuft. 9 Uhr nochwas ... ich wollte schon immer mal aus dem Club fallen, zu wummernden Beats ins angrenzende Badezimmer unter die Dusche gehen und beim Abtrocknen und nassen Haaren danach einfach weitertanzen. Techno ist das neue Punk!

[17.05.21 / 23:40] Gruppe 3 fällt ... und so langsam werden die Leute erkennen, daß es von Anfang an nie genug Impfstoff oder Termine gegeben hat, das waren immer nur politische Machtspielchen. Ich klicke weiter mehrmals am Tag auf den Button der Internetseite für die Impftermine, ich habe sogar ein "Lesezeichen" im Browser eingerichtet, für den Schnellzugriff, und komme mir seit Wochen immer mehr vor, wie eine verlassene Laborratte in einem Käfig, deren Futterspender schon lange nicht mehr aufgefüllt wird - oder es nie war.
Ich gebe auf, abgesehen von dem täglichen Automatismus und der zermürbenden Reflektierung der Wirklichkeit, ich glaube nicht mehr daran, ob mir der Impfstoff noch etwas bringt, oder den meisten Menschen, ich habe die schweren Fälle nie gesehen oder kennengelernt. Ich sehe nur die panischen Bürger, die sich einer Hysterie gleich, gegenseitig anbrüllen, schubsen, drängeln, die Geduld verlieren, Blicke zuwerfen und eine Heilung einfordern für eine vermeintlich tödliche Krankheit, derer sie nie ausgesetzt waren oder es nie werden.
Ich habe davon keine Ahnung, ich habe nie Politik oder Medizin studiert, eigentlich geht es mir gesundheitlich ganz gut - bis auf die psychischen Abgründe und die seelischen Probleme. Ich will es nicht ansprechen, ich vermute eine hohe Dunkelziffer an...

[07.05.21 / 13:11] Nachtrag +1: Über die Internetnachrichten erfahre ich, daß die drei Priorisierungsgruppen für den Vektorimpfstoff komplett entfallen sind - jeder der will, im gesamten Bundesgebiet, kann sich jetzt impfen lassen ... sofern er einen Termin bekommt, sofern überhaupt etwas von dem Stoff da ist. Auf der anderen Seite stehe ich, zusammen mit all den anderen chronisch kranken Risikopatienten, auf einer Warteliste beim Hausarzt für den alternativen mRNA-Impfstoff, aktuelle Wartezeit: "Vier Wochen" (hier sind noch nicht mal alle aus den ersten beiden Gruppen geimpft).
Ich komme mir richtig doof vor, mit meinem Zettel, mein "Attest" für die Reihenfolge gemäß "Impfverordnung", wenn ich weiß, da sind vor mir noch richtig schwere Fälle und Einzelschicksale ... während auf der anderen Seite schon die Leute auf den freigegebenen Vektorimpfstoff drängeln und für sich ausrechnen: Jetzt die erste Dosis ... in zwölf Wochen die zweite? Scheiß drauf, die ziehe ich einfach sechs Wochen vor, dann kann ich rechtzeitig im Sommer Party machen und in den Urlaub fliegen! (Das war auch mit mein Gedanke.)

Wenn schon frei, dann richtig und freiwillig - und nicht an Bedingungen geknüpft, à la: Du bist geimpft, du darfst hier rein - du nicht, du siehst scheiße aus. In diesem Bundesland sind demnächst wieder Wahlen und ich beginne mich immer weiter politisch zu radikalisieren...

[04.05.21 / 01:08] Die andere Seite. Eigentlich schreibe ich meinen Tagebucheintrag von eben nahtlos weiter, aber das paßt hier nicht thematisch (wie bei Domian in seiner Sendung - neue Anruferin, neues Thema, neue seelische Abgründe). Die letzten Nächte in Folge schlaflos bis in den Morgen, ich hatte ein Traumbild, eine Beschreibung, wie sich das anfühlt, die vielen unruhigen Stunden auf dem Kopfkissen: die Evasion von schlafraubenden und kräftezehrenden Gedankenfragmenten, die unaufhörlich über Stunden (!) wie in einem tiefschwarzen Gewittersturm mit Blitzen und kalten Sturmböen über eine tote, unwirkliche Landschaft fegen, die nicht von dieser Welt ist.
Ich kann die Gedanken in dem Moment nicht mehr kontrollieren, sie sind wie Hagelschläge oder eine rollende Lawine. Ich denke sie nicht zu Ende, sie drehen sich im Kreis, beginnen von vorn, schließen nahtlos ohne Pause an, verschlucken den Gedanken davor. Ich habe Angst ... gehe ich zum Arzt wegen meiner Schlaflosigkeit und depressiven Zustände, bekomme ich nur neue Medikamente, Tabletten, Psychopharmaka und rutsche immer weiter in meine "Psychiatriekarriere", einmal eine Nacht in der Geschlossenen verbracht, ist prägend.
Ich bin raus, ich will mein Leben zurück, ich will nicht mehr von dem Zeug abhängig sein. Es ist diese doppelte Seite der Antidepressiva und Schlaftabletten, für einige Ärzte helfen diese und sind das beste, was sie mir nur dringlich empfehlen könnten - für andere Menschen in meinem persönlichen Umfeld und andere Mediziner: "Laß die Finger davon, das macht dich nur noch mehr psychisch krank." Ich will nicht so enden, als Langzeitpatientin in der Psychiatrie, auf ewig ruhig gestellt. Ich habe die Wahl, ich kann mit sechzig oder siebzig Jahren sterben, an "Gehirnmatsch" durch die verschiedensten, medizinisch-psychiatrischen Behandlungen - oder mit hundert Jahren, dann aber schon die letzten dreißig Jahre vollkommen dement wegen chronischen Schlafmangels und haufenweise neurologische Schäden im Gehirn. Für beides habe ich die genetische Disposition.

Die MS ... schön, daß ich mal wieder darüber ein paar Zeilen schreibe (Sarkasmus). Die Sehstörungen kommen und gehen seit zwanzig Jahren, die "Augen-Migräne" mit den flackernden Linien ist harmlos und hat damit eigentlich gar nichts zu tun, das passiert hinten im Gehirn, in dem Teil, in dem die Bilder zusammengelegt werden und das, was wir sehen, entsteht - deswegen ist diese zackige Linie auch eher ein blinder Teil der fehlt, für den keine Information darliegt und es ist unabhängig von den beiden Augen und dem Sehnerv. Aber wenn es nur ein Auge und einen Sehnerv betrifft, wird es gefährlich.
Wie immer (gehört zu meinem Leben), ein grauer, matschiger Fleck bildet sich innerhalb von Minuten in dem Sichtfeld eines Auges, mal trifft es das linke, mal das rechte. Ich kann den Fleck als klar umrandete Fläche genau erkennen, er ist nicht blind. Bleibt er nur für ein paar Minuten, muß ich damit leben, geht er nach 24 Stunden nicht mehr weg, ist es ein Schub ... ist aber seit Jahren nicht mehr passiert. Was bemerkenswert ist: ich schließe das sehende Auge und verenge mit der vorgehaltenen Hand und einem Spalt zwischen den Fingern das Sehfeld mit dem Fleck auf dem offenen und betroffenen Auge ... drehe meinen Kopf. Der Fleck ist wirklich nicht blind, ich kann hell und dunkel unterscheiden, zwar keine Konturen erkennen (es ist nur ein Fleck), aber ich könnte mich so noch im Raum orientieren. Ich sehe, wo das Fenster mit dem Tageslichteinfall ist. Sollte diese Entzündung im Sehnerv irgendwann einmal nicht mehr verschwinden und im unaufhaltsamen, mit der Zeit fortschreitenden Krankheitsverlauf für immer bleiben ... es wäre vielleicht doch nicht so tragisch (jedenfalls so lange ich noch zwei von den Sehnerven habe, und die nur unterschiedlich langsam kaputt gehen). Vielleicht passiert auch gar nichts.

Die aktuelle "politische" Situation: Ich will mich ja nicht als Querdenker outen, ich mag die nicht, die haben uns den "Regenbogen" gestohlen, aber ... das mit der Impfkampagne. Die Nachrichten lese ich nicht mehr, die Meldungen und Interviews im Fernsehen schalte ich weg - das ist alles Propaganda! Jetzt mal im Ernst, habt ihr mal das Buch "1984" gelesen? Ich schon, das ist wirklich gut und steht in meinem Bücherregal. Das darin beschriebene Ministerium weist so erschreckende Parallelen mit der jetzigen Wirklichkeit auf. Ich kann in diesem Fall nur noch schwer zwischen Dystopie und Realität unterscheiden.
Ich weiß, ich bin in Priorisierungsgruppe 3 (aufgrund der MS und den immunmodulierenden Medikamenten), ich habe den Nachweis dafür. Aber wenn jetzt vom politischen System großspurig Durchhalteparolen ausgesendet werden und mutmachende Erfolgsnachrichten (hat auch seinen Zweck) - und verkündet wird, wir sind bald mit dem Impfen der dritten Gruppe durch und dann gibt es: "Impfstoff für alle!" Und ich hier in der tiefsten Provinz sitze, in der die Kommunalbehörde irgendwann zwischen Februar und März Anfang des Jahres mit dem Impfen der ersten und zweiten Gruppe in den Altersheimen und Pflegeeinrichtungen stecken geblieben ist und es keine Nachrichten und Kommunikation mehr gibt, außer: "Wir sind noch nicht soweit, wir haben nicht genug Impfstoff, wir müssen noch die ersten beiden Priorisierungsgruppen versorgen. Wir machen erst weiter, wenn wir wieder mehr zugeliefert und von oberer Stelle verteilt bekommen", dann ... fühle ich mich doch schon irgendwie verarscht.
Ich will, daß all die Mitmenschen mit den dringenden gesundheitlichen Problemen auch wirklich fair eine Chance auf den Impfstoff in dieser grassierenden Viruspandemie bekommen, dafür sperre ich mich auch weiterhin in meiner Isolation ein, bis ich an der Reihe bin (ich komme so gut zurecht), aber dieser Propagandakrieg, wer ist die beste Nation auf dieser Welt und bekommt alles viel schneller und effizienter hin, als die anderen Versagerländer (Dritte Welt?), kotzt mich einfach nur an. Dafür haben wir damals bei den Demos, aus dem antifaschistischen schwarzen Block heraus, nicht die Bierflaschen auf die Polizeiautos geworfen! [Anm. der Verfasserin: Das mußte jetzt einfach sein ... war mal wieder 1. Mai.]

Nachtrag: Die Hotline angerufen ... das lokale Impfzentrum hat immer noch keine freien Termine - aber in zehn Tagen wird in diesem Bundesland die dritte Gruppe vollständig geöffnet! (Dann werden, von mir geschätzt, aus landesweit 0,55 Millionen Berechtigten gleich 1,1 Millionen ... ich glaube, die haben mich vergessen.)

[04.05.21 / 01:07] Ich werde einfach ein Bitcoin-Punk und schnorre virtuell ein paar Münzen. Mir wird nie jemand eine reale Arbeit anbieten, ich bleibe für immer arbeitslos und es widerstrebt mir, meine "Programmierkünste" für Geld anzubieten. Alle Menschen mit Bitcoin sind unermeßlich reich und alle Menschen, die echtes Geld in diese virtuelle Währung tauschen, sind entweder verrückt, unwissend oder voller Hoffnung und Glücksgefühl und danach arm und bankrott. Also warum noch den Gedanken verfolgen, Teile meiner (seit Jahren) in Entwicklung befindlichen Mail-Software (mit Verschlüsselung und allem Drum und Dran) für eventuelles Kryptogeld anzubieten. Meine Software war immer frei und kostenlos und wird immer frei und kostenlos bleiben ... siehe die entsprechenden, im Internet kursierenden Softwarelizenzen / Philosophien mit anarchistischen Zügen.
Vorbereitung ... was ist eine Wallet? Wie funktioniert das mit der Blockchain? Wo kommt das Geld her? (Und wo geht es wieder hin?) Die Szene hat den Ruf einer "Wild-Western-Stadt". So ganz naiv kann ich da nicht herangehen, ich muß mir erst einmal die ganzen Dokumentationen durchlesen ... "Read the fucking manual." Wieviel bin ich bereit in Technik (und Zeit) zu investieren? Reicht die Hardware, die ich schon habe - der Zug mit dem Mining ist schon seit Jahren abgefahren, die Kurse sind geradezu inflationär - lohnt sich das überhaupt noch? Kurz vor dem Krachen. Sofern die ganzen Irren da noch auf den Zug springen, wird schon was gehen. Ich entscheide für mich, die beiden Welten, die mit echter und harter Währung und die mit der virtuellen und spekulativen Währung, niemals zu mischen ... wenn ich jetzt die Euros vom Girokonto in ein paar Goldklumpen tausche, was mache ich dann mit dem Säckchen voller Nuggets an der Drogeriekasse? In dem Moment ist es wertlos.
Das mit der Verschlüsselung ist manchmal schwierig zu durchschauen, ich bin damit vertraut und mache schon seit Wochen in meinem anderen Projekt am Computer nächtelang nichts anderes. Das mit dem Seed finde ich aufregend und chiffriere das Stück Papier auf eine ganz klassische, "oldschool" Variante (so etwas wollte ich schon immer mal tun) ... "Security by obscurity." Die Anleitungen der verschiedenen Wallets sind da ganz hilfreich - sofern die neue Benutzerin sich die Zeit nimmt, das ganze auch vorher (!) wirklich durchzulesen und halbwegs zu verstehen, was da jetzt passiert und wo die ganzen Risiken liegen. Selbst ich habe Nächte und viele Internetseiten später immer noch nicht die richtige Ahnung davon.
Es dauert, Ungeduld und Gier auf das schnelle Geld wäre hier fatal. Es ist eine globale und im Schatten liegende IT-Industrie. Viele enttäuschte Nutzerkommentare schrecken ab. Es gehört schon viel Mut und Dreistigkeit dazu, mitzuspielen ... allein die wahnsinnigen Transaktionsgebühren - wer profitiert da wirklich von? Schattenmenschen.
Nachdem ich mit meiner Hardware soweit bin und alles an Software eingerichtet habe, sitze ich die Nacht vor dem Computermonitor und bastele an meinem Werbebild, es soll etwas Sympathisches werden mit: "Hey, gib mir Geld!" So wie alle Punks am Bahnhof, die mich anquatschen und die ich so gerne mit ein paar Cent unterstütze, obwohl ich selbst manchmal kaum etwas mehr in meiner Tasche habe ... einfach, weil ich diesen unkonventionellen Lebensstil so idealisierend finde. Frei von bürgerlichen Zwängen.
Es muß etwas werden mit einem Bild von einem Bahnhof und einem Bild von mir, in Punkerkutte! Ich verkaufe Emotionen, das ist nicht einfach betteln. Ich wähle das Foto von meiner Sizilienreise 2012, mit dem Bahnsteig: "On the railroad", und das Selfie von mir von meiner Ibizareise 2019 auf dem Felsen am Meer: "Rough globetrotter". Letzteres Bild ist authentisch, naturnah, ohne Make-up, nicht gekünstelt - es ist echt ... und in HD (wie beschrieben, ich muß den potentiellen Spendern etwas bieten für ihr Kryptogeld).
Fehlt nur noch ein fescher Text und der QR-Code mit dem Link zum Bezahlen. Was vielleicht nur mir auffällt ... die QR-Code-Generator-Software, die ich verwende, liefert ein leicht anderes Ergebnis, als die Software zum Generieren des QR-Codes der Bitcoin-Wallet. Nur minimal ... ein paar schwarze "Rechteck-Bits" sind abweichend angesteuert, das Muster ist nicht zu hundert Prozent identisch bzw. deckungsgleich, der Algorithmus der beiden Open-Source-Softwareprojekte wurde (höchstwahrscheinlich) unterschiedlich implementiert. Der QR-Code mit seiner eingebauten Fehlerkorrektur liefert in beiden Fällen aber dasselbe, unverdächtige Ergebnis ... "Ein bißchen Paranoia schadet nie." (Altbekannte IT-Weisheit.)
Ich hänge fest, die Computeruhr in der Taskbar tickt, 1 Uhr, 2 Uhr ... 4:30 Uhr, die ersten Vögel fangen da draußen vor dem Dachgeschoßfenster schon wieder an, der Straßenlärm mit den Berufspendlern geht los. (Wer steht so früh auf?) Ich kriege seit Stunden nichts mehr hin und schiebe nur noch in der Grafik-Software die Ebenen übereinander, ohne wirklich zu einem Ergebnis zu kommen und verwerfe alles wieder nach gefühlt jeder Viertelstunde. Der Hintergrund mit den beiden Fotos ist ganz klar nach dem Goldenen Schnitt aufgeteilt, das habe ich den Nachmittag schon gemacht, das Arrangieren der anderen Bildelemente in der Collage gelingt mir nicht. Mir reißt der Geduldsfaden, kurz vor 5 Uhr den Montag Morgen gebe ich frustriert auf. Das kann ich nicht mit meinem Hang zur Perfektion verantworten (ich hätte schon viel früher so übermüdet ins Bett gehen sollen). Dann eben morgen!
Fünf Stunden später ... ich spüre meine körperliche Verfassung nach dem Aufstehen, zitternd, verkatert, die Nacht am Computer durchgearbeitet (am Stück seit Sonntag Nachmittag so dreizehn Stunden). Frühstück und zwischen 11 und 12 Uhr wieder dransitzen, ich muß es fertig bekommen! Den Text für die Werbegrafik setze ich neu auf, schreibe ihn um, verändere ein Wort für die psychologische Wirkung (das ist nicht einfach nur ein Bild, das ist harte, gestalterische Arbeit) und arrangiere die Bildkomposition neu nach architektonischen Prinzipien (jede Pixelposition ist genaustens berechnet). Auf ein paar gestalterische Spielereien muß ich verzichten, das Gesamtbild wirkt sonst überladen, die Auflösung des ineinanderfließenden Werbefotos bleibt in HD, das macht es für den Betrachter besonders und wertvoll. Ich habe keine Ahnung, ob es wirklich jemand anspricht - aber die Arbeitsstunden, die ich da hinein investiert habe? Allein dieser Wert übersteigt den zu erwartenden Gewinn um ein vielfaches (der auch bei Null liegen könnte). Ich bin eine langzeitarbeitslose Webdesignerin...?
Den frühen Montag Nachmittag ist das "Kunstwerk" fertig und wird von mir auf meinen Internetseiten hochgeladen. Die Angel auswerfen und abwarten... Was erwarte ich mir von meiner Aktionskunst? Das es viral geht? Das wirklich irgend jemand so verrückt ist, mir virtuelle Bitcoins zu spenden? (Und ist dieser Begriff auch nicht markenrechtlich geschützt?) Irgendein technikaffiner und kunstliebender, bourgeoiser, alter Knacker wird schon drauf klicken. (Ich bin so punk...)
Das Ganze ist in etwa so etwas wie, als würde ich mich hübsch zurecht machen, ohne das geringste Kleingeld in ein Spielcasino gehen, dort ältere Herren bezirzen, um mir ein paar Jetons ausgeben zu lassen und anschließend am Roulette-Tisch, vollkommen ohne eigenes finanzielles Risiko, alles wieder verjubeln ... Yeah.
Hat in meiner Vergangenheit schon funktioniert. Ich erinnere mich an die Nächte in den Clubs, Bars und Diskotheken, in denen ich nur das erste Getränk selbst bezahlen mußte - alle anderen danach wurden mir von jemand anders ausgegeben ... meist verfolgen diese Männer aber auch ganz eigene Absichten. Nichts ist umsonst.
Ich probiere es aus...

1 2 3 4 5 6 7 8 9 [10-19] [20-29] [30-39] [40-41]

Tags:

Amsterdam (5), Backen (9), Florenz (8), GaOP (57), Hormone (52), IPL (39), Ibiza (8), Kalifornien (17), Kochen (20), Namensänderung (17), New York (11), Nordindien (17), Paris (11), Psychiatrie (16), Psychotherapie (29), Reise (162), Rom (7), Schuhe (12), Sizilien (23), Sri Lanka (17), Tel Aviv (12), Tokio (14), Transsexualität (196), Wien (11)

Archiv:

2022 (50)
2021 (40)
2020 (80)
2019 (96)
2018 (95)
2017 (81)
2016 (80)
2015 (57)
2014 (53)
2013 (33)
2012 (41)
2011 (56)
2010 (39)
2009 (6)

Kommentar:

[13.11.22 / 09:33] Daniele1992: Hallo Morgana

aktuell keine schöne Situation. Ich schreibe Dir noch eine Mail dazu.

LG Daniele

Morgana LaGoth: Einige Kommentare müssen auch nicht allzu öffentlich sein …

[13.05.22 / 09:15] Daniele1992: Hallo Morgana,

Tolle Reisebericht von Deiner neusten Reise nach Paris. Macht grosse Lust auch wieder dort hinzufahren um sich von der Stadt inspirieren zu lassen.

Tolle Neuigkeiten.NeuerJob. Klasse! Freue mich für Dich.

Liebe Grüße
Daniele

Morgana LaGoth: Danke. Endlich wieder verreisen … lange darauf gewartet. Lebendig bleiben, solange es noch geht.

[24.12.21 / 20:55] Daniele1992: Hallo Morgana,

Ich denke an Dich und wünsche Dir frohe Weihnachten und ein schönes neues Jahr 2022.

Liebe Grüße
Daniele

Morgana LaGoth: Vielen Dank, ich wünsche dir ebenfalls ein schönes, neues Jahr.

[25.09.21 / 14:59] Daniele1992: Hallo,

eine Chance etwas Neues zu machen. Neue Perspektiven. Urlaubsträume, die bald real werden können. Nicht so schlecht. Freue mich für Dich. LG Daniele.

Morgana LaGoth: Danke dir.

[11.11.20 / 09:12] Daniele1992: Hallo Morgana

Ich habe Dir eine Mail geschickt.

Lg
Daniele

Morgana LaGoth: Hey ... vom Lenkrad aus mit der Hand winken, von einem MX-5 zum anderen. *freu*

[30.07.20 / 22:03] Daniele1992: Guten Abend

das habe ich sehr gerne gemacht. Zum Einen interessiert mich das Thema und zum Anderen hast Du wirklich sehr lebendig und spannend geschrieben. Da wollte ich Alles lesen und wollte Dir schreiben, das mir Dein Blog besonders gut gefallen hat (Die eigentliche Arbeit hattest Du ja mit dem Verfassen des Blogs). Wenn Du magst können wir den Kontakt gerne per Mail halten. Viele Grüße Daniele

Morgana LaGoth: Mail-Adresse steht oben bei "kontakt" - bei weiteren Fragen, gerne.

[30.07.20 / 12:44] Daniele1992: Guten Morgen,
vielen Dank für Deinen tollen Blog. Ich habe ihn in den letzten Wochen komplett gelesen. Meistens konnte ich gar nicht aufhören zu lesen. Fast wie bei einem sehr spannenden Roman. Ich habe dabei Deine genauen Beobachtungen und Beschreibungen sehr genossen. Deine vielen Ausflüge in die Clubs und zu den Festivals oder Deine Streifzüge d durch die Geschäfte beschreibst Du immer aus Deiner Sicht sehr anschaulich und spannend. Ich kann das sehr gut nachvollziehen, das alleine zu erleben, häufig auch mit einer gewissen Distanz. Ich kenne ich von mir sehr gut. Highlights sind Deine Reiseberichte. Deine Erlebnisse an den unterschiedlichsten Orten auf der Welt. Vielen Dank dafür. Vielen Dank auch das Du Deinen Weg zu Deinem waren Geschlecht mit uns Lesern teilst. Deinen Weg Deine Gefühle Deine zeitweisen Zweifel. Das ist sehr wertvoll auch für uns Andere, denn es ist authentisch und sehr selten. Du bist einem dadurch sehr vertraut geworden. Für mich ist eine gefühlte grosse Nähe dadurch entstanden. Umso mehr schmerzt es mich von Deinen Rückschlägen zu lesen. Von Deinem Kampf zu Deinem wahren Ich. Von Deinem Kampf umd Liebe, Zährlichkeit und Akzepzanz und Anerkenung. Von Deiem mitunter verzweifeltem Kampf nach Liebe und Anerkennung durch Deinen Exfreund. Leider vergeblich. Dein Kampf um wirtschaftliche Unabhängigkeit und Deine aktuell missliche Lage. Ich glaube dass Du nicht gescheitert bist. Du hast viel Mumm und Hardnäckigkeit bewiesen Deinen Gang zu Dir selbst zu gehen. Du hast auch einen guten Beruf der immer noch sehr gefragt ist. Vielleicht kann ja nach dieser Auszeit und etwas Abstand ein Neuanfang in einer anderen Firma, wo Du keine Vergangenheit als Mann hattest gelingen. Ich wünsche das Dir ein Neuanfang gelingt und drücke Dir ganz fest die Daumen. Daniele

Morgana LaGoth: Da liest sich tatsächlich jemand alles durch? Das ist mittlerweile schon ein kompletter Roman mit mehreren hundert Seiten! Danke dir, für deinen Kommentar (und die aufgebrachte Zeit).

[05.10.19 / 17:11] Drea Doria: Meine liebe Morgana,
bin 5 T post all-in-one-FzF-OP. Deine guten Wünsche haben geholfen. Der Koch ist immernoch noch super. Alle hier sind herzlich und nehmen sich Zeit.
Herzlich
Drea

Morgana LaGoth: Dann wünsch ich dir jetzt noch viel mehr Glück bei deiner Genesung!

[14.06.19 / 12:57] Drea Doria: Meine liebe Morgana,

vielen Dank für Deine offenen und kritischen Erlebnisberichte. Ich bin in 3 Monaten in Sanssouci zur FzF-OP. Ich denke auch, was kann schon schief gehen, status quo geht nicht und irgendwas besseres wird wohl resultieren. Wenn es Dich interessiert, halte ich Dich informiert. Drücke mir die Daumen.
Herzlich
Drea

Morgana LaGoth: Ich wünsche dir für deine Operation viel Glück. (Sollte der Koch nicht gewechselt haben, das Essen da in der Klinik ist richtig gut!)

[14.11.17 / 20:13] Morgana LaGoth: Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion: Die Seitenbetreiberin behält sich das Recht vor, jeden Kommentar, dessen Inhalt rassistisch, sexistisch, homophob, transphob, ausländerfeindlich oder sonstwie gegen eine Minderheit beleidigend und diskriminierend ist, zu zensieren, zu kürzen, zu löschen oder gar nicht erst freizuschalten. Werbung und Spam (sofern die Seitenbetreiberin dafür nicht empfänglich ist) wird nicht toleriert. Personenbezogene Daten (Anschrift, Telefonnummer) werden vor der Veröffentlichung unkenntlich gemacht.

1

Name:
Mail (optional):
Website:

Der Blogeintrag auf dem sich dein Kommentar bezieht:

Kommentar (max. 2048 Zeichen):

Bitcoin punk: '…some coins?'