morgana81 - gothic transgender AWAY WITH YOU - Covid‑19 pandemic 2020‑2022 🎈

Sternzeit irgendwas, Logbucheintragung des Captains:

[01.01.70 / 00:00] Sternzeit irgendwas, Logbucheintragung des Captains:

[29.12.18 / 19:00] "Schrei es raus, das ist Punk!" - Mein neuer Musiktitel ... die letzten Tage/Nächte gemastert, Synthesizer-Spuren aufgenommen und die Vocals eingesungen - damit ist die dritte Single jetzt endlich fertig. Noch zwei Titel, die vierte Single, und das Album ist komplett ... und dann gehe ich auf Tournee!

www.oscilloworld.de/morganalagoth.htm

[25.12.18 / 12:55] 6 Monate Post-OP - Es ist (schon länger) alles verheilt, die Gefühle sind komplett da, die "Befeuchtung bei Erregung" funktioniert tadellos, nur ... die Neovagina. Technisch gesehen habe ich da im Schritt nur eine Hautfalte, an der Stelle, wo die natürliche Vagina - und die konstruierte Variante - nach innen abknickt, befindet sich bei mir nur kompaktes und festes Muskelgewebe. Ich weiß noch nicht, ob bei mir dort auf einen weiteren Schnitt verzichtet wurde oder bei der Operation abgebrochen wurde oder ich generell einfach nicht genug Hautmaterial vorweisen konnte. Ich werde bei meinem nächsten Gespräch mit dem Arzt nachfragen. Ich überlege noch, ob ich einen weiteren Eingriff "da unten" (vorne) machen lasse (aktueller Stand: 3 cm Durchmesser und 3,5 cm Tiefe ... nach Dilation).
Eine weitere Frage an den Doktor ... "Orchiektomie rechts?" (Es steht so auf den Zettel, was gemacht wurde.) Ich bin mir sehr sicher, ich hatte zwei. Erst in ein paar Wochen (oder ein, zwei Monate) erhalte ich Gewißheit über meinen Hormonstatus und den Testosteronwert bei der nächsten Blutabnahme. Bis dahin befindet sich in mir noch ein pawlowscher "Geisterhoden" und sorgt für emotionale und hormonelle Verwirrung.

[22.12.18 / 17:42] Pre-X-mas Shoe Unboxing - Eine nicht näher genannte Fernsehserie der BBC über die Abenteuer eines zeitreisenden Doktors* (seiner illustren Gegenspielerin) und die aufwendig inszenierten Reminiszenzen an das britisch-viktorianische Zeitalter haben mich inspiriert, diese wunderschönen Stiefel zu kaufen**.

(* Ich bin erst seit dem 9. Doktor dabei; ** Sie waren um 45% reduziert, von 180 auf 99 Euro!)

[21.12.18 / 18:46] Psychiatrie-Update #1 - Ein Bild, das mir nicht mehr aus dem Kopf geht: die vergitterten Treppenaufgänge (damit niemand von oben runterspringen kann). Kurz hinter der Schleuse befindet sich die geschlossene Station, flüchtig (und viele Meter entfernt) werfe ich einen Blick durch die Türfenster. Ich fühle mich, wie eine von diesen straffällig gewordenen Jugendlichen, die zur Abschreckung mal einen "echten" Knast besuchen dürfen. Gemischte Gefühle, eigentlich gehöre ich da rein ... oder etwa doch nicht? So weit bin ich noch nicht.
Von den ersten sieben Behandlungstagen in der Tagesklinik komme ich gleich drei davon zu spät, mal eine Stunde, mal zwei, mal den ganzen Vormittag. Für die paar angesetzten Wochen wird eine Kurzzeit-Psychotherapie bei mir nichts bringen, meine Schlafprobleme können nur medikamentös behandelt werden. Schlafen ... so schlimm war es schon seit längerer Zeit nicht mehr, ich bin wieder im "0-5-10-Stunden-Rhythmus" - ob das mit der Verschiebung der Hormoneinnahme von abends auf morgens wirklich etwas bringt, werde ich erst längerfristig erfahren.

[11.12.18 / 20:01] Jetzt geht wirklich alles sehr schnell - Montag Mittag der Anruf, Dienstag Nachmittag das Vorgespräch - und Mittwoch Morgen die Aufnahme in der teilstationären, psychiatrischen Tagesklinik. Wenn ich nicht sofort zusage, bekommt jemand anders auf der Warteliste den Therapieplatz. Ich wünschte, mir hätte das schon jemand vorher gesagt, daß ich die Hormone lieber vormittags, und nicht abends, nehmen soll. Das hätte mir vielleicht die ganzen schlaflosen Nächte (und die psychischen Konsequenzen daraus) seit drei Jahren erspart (anscheinend hat die Klinik Erfahrung mit transsexuellen Patienten, die kommen da etwas häufiger vor).

Ich bin ab jetzt weg.

(Na gut... ist ja nur eine Tagesklinik, die Wochenenden bleiben mir.)

[09.12.18 / 23:19] Zurück in meiner Wohnung, ich mache mich ausgehfertig für die Nacht. Beine rasieren, Duschen, Hormongel, die schwarzen Sachen der letzten Nacht (die Leggings, der Lederrock, das ärmellose Top, der Kapuzenpullover) und ... "the new fragrance", Chanel und Zigretten. Nur als Schuhwerk wähle ich für diese Nacht die hohen Wildlederstiefel mit den Blockabsätzen. "Escort girl" geht aus, meine langen Haare trage ich offen, auf das Make-up verzichte ich vorerst, habe es aber in meiner Handtasche mit dabei. Kurz nach 20:15 Uhr, ich stehe wieder an der Straßenbahnhaltestelle in der Nähe meiner Wohnung, die letzte Bahn vor 15 Minuten habe ich verpaßt ... Frauen brauchen immer länger im Bad.
Als ich den Treffpunkt in der Innenstadt (die vor dem Laden) wieder erreiche, bin ich 27 Minuten zu spät ... von ihm ist nichts zu sehen, der Laden gegenüber ist dunkel und verschlossen. Ich warte. Die Hände in den Taschen meiner Lederjacke stehe ich mit dem kurzen Röckchen und den Nutenstiefeln in der Eiskälte vor dem schummrig beleuchteten Hauseingang in der Fußgängerzone, meine langen, blonden Haare wehen etwas im Wind ... wie sich die Situation gleichen muß, mit den "leichten Mädchen" auf der Hamburger Reeperbahn ein paar Tage zuvor. Viele Menschengruppen laufen an mir vorbei - interessanterweise werde ich dabei immer nur von den Männern gemustert, ein paar flüchtige Blicke im Vorbeigehen. Ich versuche so gelangweilt auszusehen - mit dem entsprechenden Gesichtsausdruck - wie jede Straßenprostituierte ... ich habe meinen Standpunkt falsch gewählt, zu wenig Laufkundschaft.
Ein Mann läuft erst einmal, dann wenig später ein zweites Mal an mir vorbei. Mit Akzent: "Du stehst immer noch hier?" Ist er es? Ich kann mir fremde Gesichter so schlecht merken. Ich folge ihm ein paar Schritte entfernt zu einer beleuchteten Tiefgarage. Er ist es nicht, ein anderer, fremder Mann, dasselbe Alter, so um die 40.
"Bist du Trans? Operiert?" er spricht mich auf meine "jungenhafte" Stimme an.
"Ja", ein Gespräch entwickelt sich, "Eigentlich habe ich da auf jemanden gewartet, aber der ist nicht gekommen ... weißt du, ich stehe da nicht ohne Grund in dem superkurzen Röckchen und den hohen Stiefeln."
"Ah ... Sexkontakte. Vielleicht können wir später noch etwas trinken gehen?" ihm scheint das nicht unbekannt vorzukommen.
"Klar, warum nicht? Ich bin da in der Bar, gleich gegenüber."
Ich gehe alleine die paar Meter wieder zurück zu meinem alten Standort, tatsächlich habe ich die unscheinbare, kleine Neonreklame neben dem Laden gegenüber entdeckt ... endlich habe ich den Kellereingang zu der Cocktailbar wiedergefunden, die ich eigentlich in einer anderen Seitenstraße vermutet hatte.
Kurz nach 21 Uhr den Sonnabend Abend, ich gehe die Stufen hinunter zu der Cocktailbar mit dem 80er-Jahre-Flair, setze mich auf einem Barhocker am Tresen mit Blick auf die Eingangstreppe und bestelle meinen ersten, alkoholfreien Cocktail für die Nacht, ein "Virgin Mojito". Das Smartphone dicht neben dem Glas, eine Nachricht an meinen (Ex-)Freund: "Standing in the cold like a hooker, waiting for a stranger, following another stranger - would you like to pick me up at ###### Bar?" Keine Antwort von ihm ... er ignoriert mich.
23 Uhr, nach einem "Ipanema" geht mir mein Geld aus, der andere Fremde ist nicht aufgetaucht, ich beschließe zu gehen und ziehe mir vor dem Spiegel der Damentoilette der Bar noch einmal extradick den schwarzen Kajal am Lidstrich + meinen (weniger auffälligen) Lippenstift. Zurück nach draußen in die Nacht, irgendwo einen Geldautomaten suchen - kurz vor Mitternacht - und dann weiter mit der letzten oder vorletzten Straßenbahn in Richtung Connewitz, den Süden von Leipzig, und da die Nacht ausgehen ... immer weiter. Ich will leben, tanzen, lebendig sein, Männer treffen, Sex haben ... auch wenn ich nur drei Tage zuvor dort unten (hinten) operiert wurde und das eigentlich gar nicht (ohne Schmerzen) möglich ist. Ich hebe etwas mehr Geld ab, damit ich mir ein Taxi zurück dann später leisten kann.
0 Uhr nach Mitternacht, der Club in Connewitz, schwarz-bunt gemischt, zwei Floors, einer mit 80er Jahre Popmusik, der andere Minimal Wave. Ich bin zu Hause, meine Szene, ich fühle mich gut und bestelle die erste Flasche Cola an der Bar und krame dabei die Antidepressiva-Tablettenpackung aus meiner Handtasche. Ausnahmsweise noch eine Flasche Koffein nach Mitternacht (die anderen Getränke werden dann wieder koffein- und alkoholfrei). Ich gebe meine Lederjacke an der Garderobe ab und quetsche meinen Kapuzenpullover in meine Handtasche, das schwarze Unterhemd und der Lederrock mit dem Nietengürtel reichen zum Tanzen auf der Tanzfläche gerade aus.
Die zweite Tanzfläche, eine Discokugel und die düsterste und spärlichste Beleuchtung. Ein Set aus Italo-Disco wird irgendwann zwischen 2 und 3 Uhr nachts aufgelegt, ich komme aus dem Tanzen gar nicht mehr raus. Erst als ich 3 Uhr nochwas mal auf die Toilette gehen muß, entscheide ich mich danach, zu gehen und meine Jacke aus der Garderobe gegenüber der Damentoilette abzuholen. Ich verlasse den Club. Das Telefon hatte ich die meiste Zeit nur in der Handtasche, ich erwarte keine Antwort oder Nachrichten von ihm mehr. Auch diese Nacht bleibe ich alleine.
4 Uhr den frühen Sonntag Morgen, ein Großraum-Sammeltaxi - mit mir als einzige Passagierin - bringt mich zurück in meine Wohngegend. Ein Plakat mit einem Bibelvers fällt mir am Straßenrand auf und bringt mich zum Nachdenken ... ich sollte vielleicht mit dem ganzen "Scheiß" aufhören, die Jagd nach schnellem Sex, die Sehnsucht nach intimen, körperlichen Begegnungen. Das wird sich alles nie erfüllen. Meine Operation da unten (die vorne), mein neues, weibliches Äußeres ... es ist wie ein Reset, ich bin wieder Jungfrau (noch drei Jahre, bis ich die 40 erreicht habe). Ernsthafte Beziehungen hatte ich noch nie und werde ich auch nie haben. Gefühlt bin ich immer noch das junge Mädchen (nur das mit den "Make-up-Experimenten" liegt weit hinter mir, da war ich 20). Eine Stunde später, 5 Uhr den Morgen, ich habe mir alles wieder aus dem Gesicht gewaschen und falle, zurück in meiner Wohnung, in mein Bett ... das Telefon bleibt offline.

"Mir gefällt dein Outfit, deine Mütze, deine Stiefel, das paßt alles super zu dir. Du siehst echt sehr schön damit aus. Möchtest du vielleicht mit mir etwas trinken gehen? Nichts Alkoholisches, nichts mit Koffein, nur einfach so", in Gedanken spiele ich meinen Flirtversuch durch. Die eine Frau mir gegenüber an der Straßenbahnhaltestelle, als ich den Sonntag Abend vom Essen bei dem nächsten Italiener in der Innenstadt wieder zurück bin, sieht wirklich echt hübsch aus. Zu schade, daß ich zu solchen Flirtgesprächen noch nie den Mut gefunden habe und mich immer nur von Männern anquatschen lasse. Wäre mein Leben dann anders verlaufen? Ich schließe es nicht aus, daß ich mich vielleicht doch noch etwas zu Frauen hingezogen fühle - wenigstens ist endlich das "Ding" da unten ab und ich muß nicht mehr Angst vor männlichen Sex haben. (Ende Teil 2/2)

[09.12.18 / 23:18] Freitag Abend in Leipzig, vier Bands aus dem Synth-, Wave- und Punk-Umfeld - tatsächlich sind drei davon nur Soloauftritte einzelner Künstler und nur die vierte spielt in voller Besetzung auf der kleinen Bühne in meinem Lieblingsclub in Connewitz (das "AJZ"). Ich möchte optisch dazugehören und wähle mein Outfit entsprechend szenetypisch: der erste Einsatz meines knappen Lederrocks, ein schwarzes Unterhemd, der Nietengürtel, eine schwarze Leggings, die "Pikes-Stiefeletten", mein schwarzer Kapuzenpullover und die Lederjacke. Fertig mit extradicken, schwarzen Kajal-Lidstrich und das Chanel-Parfüm mit dem Patchouli-Anteil - und mein Silberschmuck, die schweren Ohrhänger aus Goa.
Gegen 21 Uhr parke ich mein Auto an der Straße vor dem Eingang zum Hinterhof, der Club füllt sich nach und nach ... wieder ein sehr interessantes, schwarzes Publikum - und viel mehr Leute, als ich für Freitag Abend erwartet hätte (ich gehe selbst so gut wie nie Freitag abends weg). Die Auftritte gehen bis nach 1 Uhr nach Mitternacht, ich stehe mal vorne, mal hinten, von der Bühne entfernt. Beobachte in den kurzen Umbau- oder Wechselpausen die aufgebaute Synthesizer-Technik, versuche ein paar Flyer zu sammeln, lese Konzertplakate für die anstehenden (und verpaßten, vorhergehenden) Konzerte, trinke etwas an der Bar ... was ich so immer tue. Nur von den DJ-Sets nach den Konzerten hätte ich mehr erwartet, das erste geht so in Richtung "Electronica" - ich kenne mich da nicht aus - und dauert bis 3 Uhr nachts. Zu spät für mich, die anderen DJ-Sets bekomme ich gar nicht mehr mit und verlasse bereits gegen Ende des ersten Sets den Club wieder in Richtung meines geparkten Autos - das mit dem Tanzen, zu Wave und Minimal, muß ich auf die nächste Nacht verschieben (ich habe mir da schon wieder einen Club in Connewitz ausgesucht).

Sonnabend später Mittag, ich habe nichts zu essen in meiner kleinen Wohnung und fahre kurz nach 14 Uhr mit der Straßenbahn in die Leipziger Innenstadt, um dort einen Bäcker oder ein Café zu suchen und danach meinen Weihnachts-Advent-Shopping (mit Gutscheinen) vom letzten Wochenende weiter fortzusetzen.
Die Innenstadt ist voll, voller als sonst ... Weihnachtsmarkttouristen. Ich laufe abseits der stark frequentierten Einkaufsstraße, durch enge Gassen und überdachte Nebenpassagen ... Schleichwege, die nur die Einheimischen kennen. Überall sind die Backstuben und die Cafés voll besetzt, erst bei dem Italiener in der Nähe des Marktplatzes kann ich mich an die Bar stellen und im Stehen einen Espresso trinken (und ein Croissant essen), so wie das in Italien üblich ist ... komische Menschen, die Deutschen, essen mittags Mittagessen.
Weiter in das teure Kaufhaus um die Ecke (bloß nicht zu nah an den Weihnachtsmarkt kommen, zu viele Menschen), ich habe mir im Internet schon ein paar Sachen herausgesucht, welche Marke und was ich unbedingt kaufen will - ich suche ein schwarzes Oberteil mit transparenten, langen Ärmeln aus Spitze oder Nylon. Etwas, was ich vielleicht unter einem schwarzen Kleid anziehen kann oder was auch alleine tragbar ist. Ich suche gezielt und werde fündig ... sogar noch in meiner Größe, die "38". In der Umkleidekabine anprobieren und weiter zur Kasse: "15:16 Uhr" steht auf dem Kassenzettel, mit dem Gutschein gibt es noch umgerechnet 20 Prozent Rabatt auf den kleinen zweistelligen Preis. (Das die Ärmel schon leicht eingerissen sind, bemerke ich erst an der Kasse - für den Preis kann ich das auch zu Hause reparieren - ein "Stabilisierungsfaden", damit es nicht weiter einreißt.)
Weiter in zwei andere Kaufhäuser. Die Marke, die ich suche, gibt es nirgendwo in Leipzig - Prêt-à-porter aus Paris - ich recherchiere bei einem Stück Kuchen und einem Cappuccino in einem Café den späten Nachmittag im Internet - Boutiquen dafür gibt es nur in Hamburg, Berlin und München - jeweils die extrateuersten Kaufhäuser. Das Café in dem ich jetzt sitze ... eigentlich wollte ich in das andere Wiener Café eine Straßenecke entfernt und dort stilsicher ein Stück Torte essen - aber keine Chance auf einen freien Tisch - Sonnabend, Adventszeit, Weihnachtsmarkt, Touristen von außerhalb - das probiere ich lieber ein anderes Mal, innerhalb der Woche und wenn keine Saison für irgend etwas ist.
Den späten Nachmittag zu Fuß weiter in Richtung der Straßenbahnhaltestellen, entweder die an der Oper oder die am Hauptbahnhof. Etwas abseits der üblichen Wege finde ich ein Geschäft für teure Dessous, vielleicht haben die noch einen transparenten Body aus Nylon im Angebot? Nicht in meiner Größe - dafür aber die sauteuren Marken-BHs! Sogar das schwarze Modell mit der weiß-grünen Pflanzen-Ornamentik, das, das ich das Wochenende zuvor schon in dem teuren Kaufhaus entdeckt habe und das mir so gefallen hat - aber diesmal in 75 A. Er paßt perfekt. Das Höschen dazu setzt das Pflanzenmuster wunderbar fort. "17:14 Uhr" und knapp 150 Euro stehen auf dem nächsten Kassenzettel - für den Preis ... es ist etwas Besonderes, dafür, daß ich nur selten BHs trage, etwas für besondere Anlässe.
Als ich das Wäschegeschäft verlasse, fängt es leicht an, zu regen. Ich schwenke um auf die Straße in Richtung Hauptbahnhof, die mit den vielen Restaurants. Als der Regen stärker wird, stehe ich vor einer italienischen Pizzeria - die kenne ich noch nicht, hier war ich noch nie - ich gehe hinein, bevor ich ohne Regenschirm zu naß werde. "Ein Tisch für eine Person", der freundliche, ältere Herr mit dem italienischen Akzent zeigt mir einen Tisch für zwei am Eingang. Ich studiere die Menükarte und bestelle mir eine neapolitanische Pizza mit salzigen Anchovis und schwarzen Oliven ... wie immer, ich sitze und esse alleine. Den Abend zuvor habe ich mir schon Gedanken um meinen Freund gemacht, jetzt sind es schon fast drei Monate, daß ich ihn das letzte Mal gesehen habe ... vielleicht ist es wieder an der Zeit, ihm das Präfix "Ex" zu geben. Meine Gedanken schweifen ab, die jungen Pärchen, die ich sehe - wäre ich auch eine junge, hübsche Frau, dann hätte ich auch einen Freund - habe ich aber nicht. Ergo - ich bin weder hübsch, noch jung, noch eine Frau.
18 Uhr, ich habe meine große Pizza (so groß, daß sie kaum auf den Teller gepaßt hat) aufgegessen, der Regen hat nachgelassen und ich laufe wieder in Richtung der Haltestellen zum Hauptbahnhof. An einem Hauseingang gegenüber eines Ladens werde ich von einem Mann angesprochen, ihm gefällt meine schwarze Lederjacke. "Die ist aus München", antworte ich ihm. "Sie sind ein schöner Mann" ... hat er mich gerade als "Mann" bezeichnet? Im weiteren Gespräch erfahre ich, daß er aus Pakistan kommt und hier als Ladendetektiv arbeitet und den Laden gegenüber observiert. Während des Gesprächs beteilige ich mich an seiner Arbeit und beobachte den Laden und seine Auslagen draußen auch ... organisierte Banden, die hier durchziehen und alles mitnehmen, was nicht niet- und nagelfest ist und das dann im Internet verscherbeln.
Er kommt aus Pakistan ... da war ich fast - nur 70 oder 100 Kilometer von der indischen Grenze entfernt. Er möchte sich mit mir den Abend hier wieder treffen und mit mir was trinken gehen ... warum nicht? Ich habe ja sowieso nichts vor. Das er kurz sexuelle Andeutungen macht, entgeht mir nicht. "20 Uhr - plus/minus 15 Minuten, wegen der Straßenbahn", ich verabschiede mich von ihm und laufe zurück zu der Haltestelle, um kurz vor 19 Uhr die nächste Linie in Richtung meiner Wohnung zu nehmen, mit dem Ziel, ihn in einer Stunde hier wieder zu treffen und die Nacht mit ihm zu verbringen ... mal sehen, was passiert. (Ende Teil 1/2)

[05.12.18 / 15:54] Bin ich das kurze Stück vom OP-Tisch zum Aufwachraum gelaufen oder wurde ich geschoben? (Antwort: gelaufen.) Eine komische Sache, das mit der retrograden Amnesie nach der Vollnarkose. Ein paar HPV-Tumoren weniger. (Vielleicht kann ich mich morgen nicht mal mehr daran erinnern, diesen Text je geschrieben zu haben.)
Auch diese Ärzte sind sehr interessiert an meiner anderen Operation zuvor (ein paar Zentimeter entfernt, auf der Vorderseite, die vom Sommer) und fragen mich, wo ich das habe machen lassen: "Potsdam." (Optisch echt sehr schön. Kann ich nicht oft genug wiederholen.)

[03.12.18 / 00:09] Es gibt nichts, worüber ich schreiben könnte - nicht der überfüllte Weihnachtsmarkt, in dem ich mich, tief luftholend und Panikattacken vermeidend, durch die engen Massen zwänge, und auf dem es jedes Jahr nur das gleiche zu kaufen gibt. Nicht meine ergebnislose Einkaufstour durch die Kaufhäuser der Innenstadt, bei der alles in meiner Größe nicht mehr vorrätig ist. Und nicht mein Desaster, als ich dringend zu der Toilette im Hauptbahnhof eile - und mich den letzten Meter vor der Toilettenschüssel total entleere ... Stuhlinkontinenz: "Zu spät!" Auch nicht die peinliche Situation danach, als ich mir nur meinen Schal (als Rockersatz) um die Hüften schwinge und im Waschbecken des Bahnhofsklos meine Jeans und meinen Slip halbwegs reinige, und nicht wie ich danach, untenherum (fast) halbnackt, durch die Kälte und die Dunkelheit des anbrechenden Sonnabend Abend zu dem Parkhaus und meinem Auto laufe, die tropfende (und müffelnde) Jeans in der Hand. Auch nicht, wie mir die Nacht darauf die allerdüstersten Gedanken kommen: "Jetzt geht alles sehr schnell. In fünf Jahren liege ich auf einer Gummimatte in irgendeinem Pflegeheim ... 15 Jahre MS, noch fünf mehr und Rollstuhl!"
Ebenso nicht den Sonntag danach, als ich zu meiner 150 Kilometer entfernten, anderen Wohnung fahren will, um dort meine Jeans in die Waschmaschine werfen zu wollen - und meine Schlüssel für die Leipziger Wohnung am Briefkasten hängend vergesse und einsam zurücklasse. Und wie ich dann die ganzen 150 Kilometer auf der Autobahn im tiefsten Regen und der erneut anbrechenden Finsternis des späten Sonntag Nachmittag nach Leipzig zurückfahre. Soviel Pech ... irgendwann muß auch mal gut sein.
Sonntag Abend wieder zurück in Leipzig, es regnet schon den ganzen Tag. Auf dem Weihnachtsmarkt in der Leipziger Innenstadt ist es dafür nicht mehr ganz so voll. Ein Schmuckhändler hat ein paar silberne Yin-und-Yang-Anhänger für die Kette im Sortiment, ich kaufe den kleinsten davon. Ein paar Schritte entfernt von dem Leipziger Marktplatz befindet sich das japanische Restaurant, in dem ich so gerne immer esse - es wird ein komplettes Menü: Octopussalat, gegrillte Garnelen, gebratener Lachs mit Reis und als Dessert ein Matcha-Pudding. Die einzige und erste Mahlzeit für den Tag. Danach zu Fuß gegen 22 Uhr den Sonntag Abend ein paar Schritte zu meiner favorisierten Bar um die Ecke (der Jazz Music Club), an der Bar sitzend, einen Ipanema trinken und diesen Text auf meiner Reiseschreibmaschine (aka das Smartphone) tippen.

Yin und Yang: "Nach einem Haufen Mist und Scheiße kann es nur besser werden."

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Kommentar:

[13.11.22 / 09:33] Daniele1992: Hallo Morgana

aktuell keine schöne Situation. Ich schreibe Dir noch eine Mail dazu.

LG Daniele

Morgana LaGoth: Einige Kommentare müssen auch nicht allzu öffentlich sein …

[13.05.22 / 09:15] Daniele1992: Hallo Morgana,

Tolle Reisebericht von Deiner neusten Reise nach Paris. Macht grosse Lust auch wieder dort hinzufahren um sich von der Stadt inspirieren zu lassen.

Tolle Neuigkeiten.NeuerJob. Klasse! Freue mich für Dich.

Liebe Grüße
Daniele

Morgana LaGoth: Danke. Endlich wieder verreisen … lange darauf gewartet. Lebendig bleiben, solange es noch geht.

[24.12.21 / 20:55] Daniele1992: Hallo Morgana,

Ich denke an Dich und wünsche Dir frohe Weihnachten und ein schönes neues Jahr 2022.

Liebe Grüße
Daniele

Morgana LaGoth: Vielen Dank, ich wünsche dir ebenfalls ein schönes, neues Jahr.

[25.09.21 / 14:59] Daniele1992: Hallo,

eine Chance etwas Neues zu machen. Neue Perspektiven. Urlaubsträume, die bald real werden können. Nicht so schlecht. Freue mich für Dich. LG Daniele.

Morgana LaGoth: Danke dir.

[11.11.20 / 09:12] Daniele1992: Hallo Morgana

Ich habe Dir eine Mail geschickt.

Lg
Daniele

Morgana LaGoth: Hey ... vom Lenkrad aus mit der Hand winken, von einem MX-5 zum anderen. *freu*

[30.07.20 / 22:03] Daniele1992: Guten Abend

das habe ich sehr gerne gemacht. Zum Einen interessiert mich das Thema und zum Anderen hast Du wirklich sehr lebendig und spannend geschrieben. Da wollte ich Alles lesen und wollte Dir schreiben, das mir Dein Blog besonders gut gefallen hat (Die eigentliche Arbeit hattest Du ja mit dem Verfassen des Blogs). Wenn Du magst können wir den Kontakt gerne per Mail halten. Viele Grüße Daniele

Morgana LaGoth: Mail-Adresse steht oben bei "kontakt" - bei weiteren Fragen, gerne.

[30.07.20 / 12:44] Daniele1992: Guten Morgen,
vielen Dank für Deinen tollen Blog. Ich habe ihn in den letzten Wochen komplett gelesen. Meistens konnte ich gar nicht aufhören zu lesen. Fast wie bei einem sehr spannenden Roman. Ich habe dabei Deine genauen Beobachtungen und Beschreibungen sehr genossen. Deine vielen Ausflüge in die Clubs und zu den Festivals oder Deine Streifzüge d durch die Geschäfte beschreibst Du immer aus Deiner Sicht sehr anschaulich und spannend. Ich kann das sehr gut nachvollziehen, das alleine zu erleben, häufig auch mit einer gewissen Distanz. Ich kenne ich von mir sehr gut. Highlights sind Deine Reiseberichte. Deine Erlebnisse an den unterschiedlichsten Orten auf der Welt. Vielen Dank dafür. Vielen Dank auch das Du Deinen Weg zu Deinem waren Geschlecht mit uns Lesern teilst. Deinen Weg Deine Gefühle Deine zeitweisen Zweifel. Das ist sehr wertvoll auch für uns Andere, denn es ist authentisch und sehr selten. Du bist einem dadurch sehr vertraut geworden. Für mich ist eine gefühlte grosse Nähe dadurch entstanden. Umso mehr schmerzt es mich von Deinen Rückschlägen zu lesen. Von Deinem Kampf zu Deinem wahren Ich. Von Deinem Kampf umd Liebe, Zährlichkeit und Akzepzanz und Anerkenung. Von Deiem mitunter verzweifeltem Kampf nach Liebe und Anerkennung durch Deinen Exfreund. Leider vergeblich. Dein Kampf um wirtschaftliche Unabhängigkeit und Deine aktuell missliche Lage. Ich glaube dass Du nicht gescheitert bist. Du hast viel Mumm und Hardnäckigkeit bewiesen Deinen Gang zu Dir selbst zu gehen. Du hast auch einen guten Beruf der immer noch sehr gefragt ist. Vielleicht kann ja nach dieser Auszeit und etwas Abstand ein Neuanfang in einer anderen Firma, wo Du keine Vergangenheit als Mann hattest gelingen. Ich wünsche das Dir ein Neuanfang gelingt und drücke Dir ganz fest die Daumen. Daniele

Morgana LaGoth: Da liest sich tatsächlich jemand alles durch? Das ist mittlerweile schon ein kompletter Roman mit mehreren hundert Seiten! Danke dir, für deinen Kommentar (und die aufgebrachte Zeit).

[05.10.19 / 17:11] Drea Doria: Meine liebe Morgana,
bin 5 T post all-in-one-FzF-OP. Deine guten Wünsche haben geholfen. Der Koch ist immernoch noch super. Alle hier sind herzlich und nehmen sich Zeit.
Herzlich
Drea

Morgana LaGoth: Dann wünsch ich dir jetzt noch viel mehr Glück bei deiner Genesung!

[14.06.19 / 12:57] Drea Doria: Meine liebe Morgana,

vielen Dank für Deine offenen und kritischen Erlebnisberichte. Ich bin in 3 Monaten in Sanssouci zur FzF-OP. Ich denke auch, was kann schon schief gehen, status quo geht nicht und irgendwas besseres wird wohl resultieren. Wenn es Dich interessiert, halte ich Dich informiert. Drücke mir die Daumen.
Herzlich
Drea

Morgana LaGoth: Ich wünsche dir für deine Operation viel Glück. (Sollte der Koch nicht gewechselt haben, das Essen da in der Klinik ist richtig gut!)

[14.11.17 / 20:13] Morgana LaGoth: Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion: Die Seitenbetreiberin behält sich das Recht vor, jeden Kommentar, dessen Inhalt rassistisch, sexistisch, homophob, transphob, ausländerfeindlich oder sonstwie gegen eine Minderheit beleidigend und diskriminierend ist, zu zensieren, zu kürzen, zu löschen oder gar nicht erst freizuschalten. Werbung und Spam (sofern die Seitenbetreiberin dafür nicht empfänglich ist) wird nicht toleriert. Personenbezogene Daten (Anschrift, Telefonnummer) werden vor der Veröffentlichung unkenntlich gemacht.

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