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Der dritte Pride für diesen Sommer, den ich unbedingt noch mitnehmen will:

[24.08.22 / 23:38] Der dritte Pride für diesen Sommer, den ich unbedingt noch mitnehmen will: der CSD in Magdeburg. Kurz vor dem Frühstück, Sonnabend Morgen, schnell noch ein neues „9-Euro-Ticket“ für den letzten Aktionsmonat am Computer online gekauft und ausgedruckt – die Wahl des Transportmittels fällt erneut auf den Regionalzug (auch wenn es hier nur wenige Kilometer sind). Vorteil: keine umständliche Parkplatzsuche, keine Unmengen an Münzen an den Parkautomaten verfüttern – und ich kann sofort die Stiefeletten mit den höchsten Absätzen tragen! Die, die ich die beiden letzten Male nach Berlin und Leipzig schon traurig im Schrank zurücklassen musste. Dieses Mal ziehe ich sie an, mein Outfit: die militanten Schnürstiefeletten mit den purpurfarbenen Schnürsenkeln und der groben Sohle, dazu meine Lederjacke und das schwarz-weiße, etwas dickere Kleid aus New York (2013), das ich schon ewig wieder anziehen wollte. Wird es kalt und regnen … oder warm? Ich lasse das optionale, schwarze Spaghettiträgertop darunter weg, das Kleid genügt. Die markante Sonnenbrille auf der Nase, bereit für die Zugfahrt.
Auf dem Provinzbahnhof stehen schon ein paar sehr junge Pride-Anhänger, mein Regenbogenbändchen hängt dezent an meiner Handtasche, sie sind wirklich sehr jung.
Wenig später am Hauptbahnhof in Magdeburg, die Dichte an gefühlt nicht volljährigen Schülern und Regenbogenfahnen tragenden Jugendlichen nimmt „exorbitant“ zu. Laute Musik wird aus kleinen Boxen gespielt, der Bestand an mitgenommenen Alkohol geprüft … ich fühle mich etwas unwohl in dieser Menge. Was wollt ihr alle hier? Kulturelle Aneignung, anderswo auf der Welt werden Menschen wie ich noch auf brutalste Weise ermordet, nur für das was und wie sie sind – trans – und ihr feiert hier eine riesige Party? Ich weiß, ich wiederhole mich … ich verstehe nur den Zusammenhang nicht.
Weiter zu dem CSD-Stadtfest, der aufgebauten Bühne, der bereitstehenden Trucks, nicht die vielen Parteien, nicht die ganzen Firmen, für mich auch keine Redebeiträge, keine sozialen Kämpfe für Gerechtigkeit, keine politischen Forderungen. Vielleicht wurden diese doch noch auf einer Bühne in ein Mikrofon gegeben, für mich und die meisten bleiben sie ungehört. Zu viel Fremdlärm.
Ich bin da, ich stehe dazwischen, eine leere Dose Energy-Drink rollt vor meinen Füßen, ich schaue sie an – verliere ich eine Träne? Ich brauche etwas, was mich aufheitert, mir ein besseres Gefühl gibt. Ich schaue mich um, beobachte die Menschen, hier die Gruppe mit den Hundemasken, dort in der feiernden Menge zwei, drei einsam auffallende Drag Queens und ein oder zwei Leder-Liebhaber. Leder. Ich liebe dieses knarzige Geräusch, wie meine schwarze Lederjacke an meiner genauso schwarzen Lederhandtasche reibt. Hinter mir, nur wenige Meter entfernt, entdecke ich ein Lederwarengeschäft.
„Suchen Sie etwas Bestimmtes?“
„Nein, ich bin nur rein zufällig hier“, ich laufe etwas durch den kleinen Laden, „die Handtasche da, die Clutch, was kostet die?“
Sie ist mir aufgefallen, diese schwarze und trägerlose Clutch aus Leder würde bestimmt elegant zu meinen Abendkleidern mit Spitze passen. Sie komplettiert damit mein Ensemble aus meiner großen Handtasche (die ich so gut wie immer trage), der kleinen Handtasche mit Tragehenkeln (die für Urlaubsreisen) und ersetzt die alte Clutch aus Satin und Pappe (die schon ewig, seit der Bootstour 2010, im Schrank liegt). Sie ist komplett aus echtem Tierleder und sehr weich und anschmiegsam, ich probiere sie mit der Verkäuferin aus und packe diverse Sachen aus meiner großen Handtasche in den schmalen und mit purpurfarbenen Stoff bezogenen Innenraum (dieselbe Farbe wie meine Schnürsenkel). Ein Kamm passt rein, die kleine Stifterolle mit dem Mascara, Kajal und Augen-Make-up … das Portemonnaie aber leider nicht, dafür gibt es ein kleines Seitenfach mit Reißverschluss. Ich kaufe sie (sie passt in meine große Handtasche). Der Stand auf meinem Girokonto nähert sich schon wieder gefährlich nah dem Dispokredit zum Monatsende.
Zurück nach draußen, den Laden verlassen, meine intime Shoppingwelt mit der der auf den Beginn des CSD-Umzuges wartenden Menschenmassen tauschen. Ich entferne mich weit abseits zum Startpunkt, beobachte wie sich die Trucks in Bewegung setzen, das junge Party-Volk dahinter herzieht. Der letzte Wagen ganz hinten zieht auch mich mit. Mehrere tausend Menschen vor mir bis weit in die nächsten Straßenkreuzungen.
Ich bin nicht in der Stimmung, zu der lauten Musik zu tanzen, es ist nicht wirklich meine Musik. Das einzige, was mir noch bekannt vorkommt, ist 90er-Jahre-Eurodance. Ich laufe etwas weiter vom hintersten Ende zum nächsten Wagen … und treffe hier wieder auf eine kleine Gruppe mir bekannt vorkommender Gesichter, die aus Berlin und Leipzig und Magdeburg letztes Jahr – ich bin doch nicht allein! Auch diese kleine Gruppe, kämpfend für die Rechte von Transpersonen, ist ihr Ungemach zu erkennen. Die fehlende Radikalität und der politische Diskurs auf dieser Riesen-Party. Ich werde von ihnen aus meiner fremdelnden Gefühlslage herausgeholt.
Die temporär existierende Gruppe läuft einige Abschnitte des Demozuges mit, verlässt ab und zu die Route, um wenig später wieder aufzuschließen … wir bräuchten auch einen eigenen Wagen (die hohen Schnürstiefeletten waren vielleicht doch nicht die optimale Wahl).
Der CSD-Straßenumzug endet, wie auch in den letzten Jahren in Magdeburg, auf dem Start- und Endpunkt: dem alten Markt vor dem Rathaus und der aufgebauten Bühne für das Stadtfest. Früher Nachmittag, die kleine Gruppe zerstreut und verabschiedet sich ebenso schnell, wie sie entstanden ist, ein bekanntes Ritual aus dem letzten Jahr. Auch ich habe wieder nicht die Absicht, dem Bühnenprogramm weiter zu folgen … nicht meine Welt, meine Musik, meine Interessen. Auch nicht die, meiner Begleitung für die nächsten Stunden.
Anregende Gespräche, Kennenlernen, Gemeinsamkeiten, Tipps von Transfrauen unter sich. Ein Bistro, ein Café, eine Bar bis in den Abend. Vergessen, wie der Tag anfing, lachen, scherzen. „Du bist jetzt eine Frau, du kannst nicht mehr so breitbeinig dasitzen“, ladyhaft knicke ich meine Beine schräg weg und zupfe am Saum meines Kleids, die schwarze Strumpfhose zieht schon wieder die erste Laufmasche.
Den Zug zurück in mein Provinzkaff fahre ich wieder alleine, aber gut gelaunt und mit einem Lächeln. Vielleicht sehe ich sie wieder? Neue Bekanntschaften, neuer Einkauf, neue Tasche, der Tag war nicht umsonst.

[07.08.22 / 16:01] Resümee (eine Woche später) des Trans Pride in Berlin: Die Regionalzüge waren noch bis in den späten Abend voll, mein schwarz-weißes Patches-Kleid mit dem Blumenmuster ein Traum, die schweren Doc Martens Stiefel für den Zweck angemessen, das schwarze Baumwolltop für das heiße Wetter ein Muss – und die Wegstrecke für die Demo durch Berlin-Kreuzberg mit gerade mal einen Kilometer (?) viel zu kurz. Die vielen Menschen, die ich gesehen habe, die einfach so sind wie ich – trans – und die kleine Gruppe bekannter Gesichter, die mich aus meiner Isolation und meiner „Zwei-Meter-Distanz-Luftblase“ abgeholt haben, ein wunderschöner Glücksfall.
Hier war ich schon einmal … der Kreuzberger CSD vor gefühlt zehn Jahren, die nicht ganz so radikale und Nachmittagsvariante der Revolutionären 1. Mai Demo vor mehr als zwanzig Jahren. Ich glaube, einige Straßenzüge wiederzuerkennen: das Kottbusser Tor, der Mariannenplatz mit der Abschlusskundgebung und irgendwo in der Nähe der Oranienplatz. Den Weg zurück zum Ostbahnhof (hinwärts die U-Bahn vom Alexanderplatz), vorbei an dem einen Club von eines der legendären Underground-Festivals in meiner Erinnerung zehn Jahre zurück. Und irgendwo hier muss ich auch die S-Bahn genommen haben, als ich zurück ins Jahr 2018 die Nacht in einem weiteren Club verbracht habe und am nächsten Morgen für meine Operation „untenherum“ nach Potsdam weitergereist bin. Ich weiß, ein Klischee, aber diese Stadt atmet so viel Geschichte.

Jetzt weiß ich auch, warum Transfrauen in allen erdenklichen Situationen und bei jedem möglichen Wetter auf so schwere Schnürstiefel zurückgreifen … sie sind einfach breit genug und bequem zu tragen für die nicht ganz so schmalen und leider durch ein abgebrochenes Chromosom bedingten „Problemfüße“.

[19.07.22 / 22:31] Mal wieder zum CSD nach Leipzig? Der Termin für den Sonnabend im Juli ist schon seit Wochen in meinem Terminkalender fest eingetragen. Die extra neu gekaufte Schermaschine für den Haarbewuchs ist so scharf, meine Beine sehen aus, als hätte ich eine frische Rasierklinge verwendet … blutig. Den Abend vor dem betreffenden Wochenendtag alles in Gedanken bereit legen, was ziehe ich an? Wird es heiß und regnen? Kühl und Sturm? Und schaffe ich es, rechtzeitig aufzustehen, um den Regionalzug den frühen Sonnabend Vormittag nach Leipzig zu erreichen? Ich bin fest entschlossen, mich auf das Abenteuer „9-Euro-Ticket“ einzulassen.
Sonnabend Morgen, Wetter beobachten … prognostizieren. Ich wähle die schwarze Jeans, die Pikes mit den moderaten Absätzen, das kurze, schwarze Top mit dem großen Ausschnitt (frisch gewaschen) und meine Punker-Lederjacke – wenn es warm wird und die Sonne brutal auf mich niederscheint, kann ich diese in dem extra dafür mitgenommen, schwarzen Umhängebeutel (den mit dem Festival-Logo von Pfingsten) verstauen. Alles weitere in meine obligatorische, schwarze Handtasche und nach dem eilig hineingeschlungenen Frühstück zu Fuß zum nächsten Provinzbahnhof irgendwo im mysteriösen Sachsen-Anhalt (ich starte von meinem Erstwohnsitz).
Die Regionalbahn nach Magdeburg geht noch, gefühlt alles normal. In Magdeburg selbst, ein Kaffee und ein Schoko-Croissant vom Bahnhofsbäcker als zweites Frühstück, weiter zum Gleis für den Regionalexpress nach Leipzig … es wird voll (nicht unerwartet). Glück für mich: der Zug startet in Magdeburg, steht hier schon ganz viele Minuten und endet in Leipzig – kein Problem für mich, einen Sitzplatz zu finden. Alle anderen Fahrgäste, die in den nächsten anderthalb Stunden zusteigen wollen, müssen im Gang stehen. Keiner der Fahrgäste schenkt dem anderen was.
Mittag, Leipzig, so viele Menschen. Kurz an den Bankautomaten am Ausgang, eine der beiden Kaufhallen im Untergeschoss, eine Liter-Flasche Wasser kaufen, wieder hoch zu der Bahnhofstoilette. Beim Anstehen in der Schlange vor den Damen-WCs vergeht die Zeit. Die Kundgebungen auf dem Platz vor der Oper waren um elf Uhr nochwas geplant, ich hatte nie wirklich vor, da pünktlich zu erscheinen.
Weiter zu Fuß über die Ringstraße zum magischen Treffpunkt der vielen jungen Menschen in ihren buntesten Farben für diesen Tag. Mein kleines blau-rosa-weiß gestreiftes Fähnchen hängt in meiner Gesäßtasche, fixiert durch den blitzenden Nietengürtel an meiner Jeans.
Am Platz angekommen, die Trucks stehen schon bereit, wirklich viele Menschen, schnell vorüberziehende, tiefdunkle Wolken und die brennende Mittagssonne. Wo ist mein Wagen? Erst den nächsten Tag (oder den Abend?) erfahre ich, dass sich das linksradikale Bündnis mit dem kleinen Pritschenwagen am hintersten Ende der Demo aufgelöst hat und dieses Jahr (so wie auch letztes Jahr) nicht dabei sein wird. Aber die hatten immer die beste Musik! Und die schönsten Menschen! Ich bin kurz davor, enttäuscht alles abzubrechen und wieder zu gehen, ich schaue mir aber doch noch von einem Seitenplatz an einer Mauer den beginnenden Umzug an. Schnell noch etwas Sonnencreme auf das Gesicht und ich wähle den Wagen der Bären-Community – die haben wenigstens noch etwas angenehmere Musik und ich habe sowieso ein kleines Faible für diese kernigen Kerle und ihren verwegenen Bärten. (Würde ich jetzt einen Blick auf mein Datingprofil werfen und die ein halbes Dutzend gesammelten Onlinebekanntschaften, trifft es genau mein Beuteschema.) Alles was irgendwie noch in Leder oder Latex dabei ist, läuft in sichtbarer Nähe auch mit … vereinzelt versteckt unter den wirklich vielen und immer jünger werdenden Menschen.
Der Demo-Zug drückt sich durch die Straßen, komprimiert, gestaucht, gefühlt Zehntausende. Die Route ist abweichend von der die letzten Jahre, es wirkt, als wurde der Kern der Innenstadt mit der stark frequentierten Fußgängerzone bewusst ausgespart … um die einkaufenden Menschen dort nicht mit diesem lärmenden Zirkus zu belästigen? Der Müll der von den Massen an Menschen in ihrem Zug durch die Straßen hinterlassen wird, wirkt befremdlich auf mich. Laute Bässe, Partymusik, Alkohol und grölende Menschen. Ich gehe hier auf die Straße mit meinen gesammelten Erfahrungen, alles was Traumata und tiefe Selbstzweifel und seelische Narben in mir hinterlassen hat. Für den Kampf für nur eine einfache Akzeptanz … und ihr macht hier Party?
Ein oder zwei Stunden später – ich habe keine Ahnung – irgendwann den Nachmittag, der CSD kehrt zurück an den Startpunkt zum Eingang der Fußgängerzone, meine Flasche Wasser ist leer, meine schwere Lederjacke liegt in dem geschulterten Beutel, die Sonnenbrille trage ich schon seit Verlassen des Bahnhofs – ich sondere mich schnell von der Bewegung ab und starte meine Einkaufstour … wenn ich schon einmal wieder zurück in Leipzig bin. Ein Eis, ein Schuhladen, weiter die Fußgängerzone. Ein Paar bequeme Sneakers, leicht und für den heißen Sommer, steht auf meiner Wunschliste, so ziemlich alle Menschen, die ich sehe, laufen auch nur in Turnschuhen herum. Ich grase all die Orte ab, die ich kenne, ein Kaufhaus, ein Geschäft für Sportartikel, das teure Kaufhaus am Marktplatz – ich verliere meinen Fokus und stehe schon wieder zwischen den bunten Sommerkleidchen im Ausverkauf – und noch ein Schuhladen im eher günstigen Preissegment. Will ich wirklich solche Schuhe, wie sie alle tragen? Sehe ich dann nicht ständig Menschen, die dasselbe Modell tragen? Es muss schon der späte Nachmittag sein, als ich in einem Kaffee am anderen Ende der Fußgängerzone einen freien Sitzplatz finde und ein Stück Kuchen und einen Cappuccino bestelle. Im Schatten der großen Kirche und mein Stück Heidelbeerkuchen essend, überdenke ich mein weiteres Vorgehen.
Ich sollte irgendwann auch wieder zurück zum Bahnhof laufen, so viel unbegrenzte Zeit habe ich hier nicht für den allerletzten Regionalzug, das andere große Shoppingcenter schaffe ich so nicht, wenn ich vor der Abreise auch noch wieder etwas essen will – und wenigstens eine Runde zurück zu dem Veranstaltungsplatz an der Oper mit all den aufgebauten Ständen und der Bühne für den CSD will ich auch noch machen. Die Rechnung bezahlen und wieder zurück durch die vielen jungen Menschen mit all ihren „Regenbogen-und-anderen-Farben-Fahnen“.
Der große Platz ist bei diesem immer schöner werdenden Wetter gut gefüllt, schade nur, dass ich hier so gut wie niemanden kenne. Einzig eine andere Transfrau entgeht nicht unserem gemeinsamen „Radar“ – ein kurzer Erkennungsblick mit Lächeln, mehr nicht. Am Stand für die Rechte der Transcommunity stecke ich noch eine Broschüre mit ein – angeblich um sie anderen Menschen in meinem Bekanntenkreis „vorzulegen“ – ich werde aber selbst noch interessiert darin blättern und neue Argumente für das zur Debatte stehende Selbstbestimmungsgesetz finden.
So schnell wie ich hier war und einmal im Kreis gelaufen bin, so schnell bin ich auch wieder weg. Von dem Bühnenprogramm bekomme ich so gut wie nichts mit, mir missfällt die Ansammlung an politischen Parteien, die Mixtur mit den großen Firmen und die nicht wirklich an all dem interessierte „Party-Crowd“ (oder „Squad“, wenn ich „up-to-date“ sein will).
Wieder zurück in die mir bekannte Seitenstraße mit den Restaurants, dem Hauptbahnhof in Sichtweite am nördlichsten Ende – und den noch kommenden, kleinen Geschäften auf dem Weg dahin … noch ist alles geöffnet, es muss den frühen Sonnabend Abend kurz vor 18 Uhr sein.
Ein Schuhladen, und ein Schuhladen daneben, deren teure Schuhe ich schon das ganze laufende Jahr trage, zum Einkauf wähle ich den zweiten Laden, in dem ich noch nicht Kundin war.
„Wann macht ihr denn so zu? Kann ich hier noch Einkaufen?“
„Achtzehn Uhr dreißig.“
Oh, das geht noch …
Das Paar teure Barfußschuhe in schwarz und in Sneakeroptik trage ich minutenlang Probe, es sitzt bequem und sieht gut aus, ist perforiert für den Sommerurlaub und vom Gewicht her sehr leicht. Auch wenn ich mich mit dem Konzept des Barfußlaufens noch nicht sehr auseinandergesetzt habe, dieses Paar landet wenig später in meinem Einkaufsbeutel – ein Paar modisch elegante, pinke Schnürsenkel gleich mit dazu. So sehr achte ich nicht auf den dreistelligen Preis, ich schiebe einfach nur meine Plastikkarte durch das Gerät an der Kasse … da geht es hin, das Ingenieursgehalt. Der (erfahrene) Verkäufer hat sich die ganze Zeit schon über meine spitzen Stiefeletten mit den Absätzen geäußert, wie ich nur damit laufen könnte. „Die neuen Schuhe, die ich jetzt kaufe, sind gesund und stärken meine Wadenmuskulatur.“ (Die ich wiederum dafür trainiere, um Schuhe mit noch höheren Absätzen zu tragen!)
Eine Stunde, eine Pizza und zurück zum Bahnhof … noch einen Zug später und ich hätte irgendwo auf der Strecke in oder vor einem weiteren Bahnhof übernachten müssen. Auch dieser Regionalzug den Abend kurz vor Sonnenuntergang ist voll. Rentner und junge Fahrgäste drängeln sich an den Einstiegstüren des wartenden Zuges am Gleis. Das Spiel wiederholt sich, ich habe einen Sitzplatz, alle anderen, die nach dem Verlassen des Hauptbahnhofes noch irgendwo dazwischen zusteigen wollen, nicht. Hin wie zurück rauscht Bitterfeld an mir vorbei (das Synonym an verlassenen Ost-Städten).
Angekommen in Magdeburg … wo bin ich hier gelandet? Verglichen mit Leipzig, geradezu einsam und menschenleer. Der weitere Regionalzug in mein Provinzkaff fährt nur alle zwei Stunden – den letzten habe ich gerade verpasst. Die Sonne ist schon vor gefühlt einer Stunde untergegangen, vor dem Bahnhofsgebäude stehen Einsatzfahrzeuge der Polizei – irgendwo den Abend muss ein Fußballspiel stattfinden. Ich laufe ein paar Meter weiter in Richtung des Zentrums der Domstadt und entdecke eine Bar, die ich so noch gar nicht kannte (ich bin auch nicht wirklich oft in dieser Stadt). Mein schon im Regionalexpress zurecht gelegter Plan: sollte ich keinen Anschlusszug mehr haben und hier stranden, gehe ich einfach die Nacht noch irgendwo aus oder in eine Bar und fahre erst den Sonntag Morgen weiter. Der (vor)letzte Zug fährt aber noch kurz vor Mitternacht.
Die Bar neben dem großen, ehemaligen DDR-Hotel bietet alkoholfreie Cocktails an – auch den von mir so geliebten „Ipanema“. Die Deko und die Ausstattung dieser Cocktailbar ist hübsch – fast viel zu gut, um diesen Tag ausklingen zu lassen. Ich bestelle noch eine weitere Cola, bevor ich mich dann wieder rechtzeitig für die weitere Fahrt zurück zum Bahnhof begebe. Ich teile die letzten vierzig Fahrminuten mit den vielen Fußballfans, die so wie ich auch einen ereignisreichen Tag beenden (und sie sind alle friedlich und entsprechen so gar nicht meinen klischeebehafteten Vorurteilen).

Ob ich nächstes Jahr noch einmal zum CSD nach Leipzig fahre? Eine Ära geht zu Ende. Ein weiteres Event steht für mich schon in meinem Terminkalender …

[26.09.21 / 23:38] In eigener Sache (mit Triggerwarnung):

Du planst Dich umzubringen? Es gibt bestimmt tausend gute Gründe, die dafür sprechen, denen ich Dir nicht im Weg stehen will, aber … Die zermürbende Transphobie, derer Du ausgesetzt bist, all die Diskriminierung, und das Mobbing, das Scheitern an der Gesellschaft, die fehlende Akzeptanz, vielleicht sogar der Stillstand Deiner Transition und das sich verloren fühlen im bürokratischen Machtsystem – ist kein guter Grund.

Tue es nicht!

Es zerreißt einen das Herz, auf Mahnwachen und Gedenkveranstaltungen, der Worte ringend, in Trauer zurückgelassen zu werden, zu wissen, das hätte jetzt nicht sein müssen. So viele Transfrauen sind von uns gegangen, zu viele.

An die Mitmenschen, bleibt achtsam, geht auf Sie zu, wenn ihr etwas spürt. Sie wird es verneinen, aber allein Ihr wissen zu lassen, daß wir da sind, ist schon ganz viel wert.

[16.08.21 / 02:08] Der CSD 2021 in Magdeburg - das zweite Jahr unter erschwerten Bedingungen. Die Nacht davor war schlaflos, ich mußte ja auch um Mitternacht noch unbedingt meine Mails lesen, bis zum Sonnenaufgang in einem Gedankensturm festsitzen und um kurz nach 5 Uhr nochwas eine von meinen berüchtigten Mails zurücksenden (es ging um einen hier vollkommen themenfremden und letztendlich von mir abgesagten Bewerbungstermin irgendwo im Nirgendwo, dem ich nicht mehr psychisch gewachsen bin). Dasselbe Spiel, den Wecker ausschalten, alle Planungen für den nächsten Tag verwerfen, unter Tränen einschlafen - und nur etwa vier Stunden später den Sonnabend Vormittag dann doch wieder aufwachen.
Es ist nicht für umsonst! All die Energie, die ich in die Zusammenstellung meines Outfits für diesen CSD gesteckt habe, die Tage vorher schon bereit gelegten und frisch gewaschenen Sachen auf allen Kleiderbügeln in meinem Dachbodenzimmer verteilt. Das grüne Häkeltop, das ich zuletzt in Sri Lanka an hatte, mein langer indischer Rock, den aus Rajasthan, den ich zuletzt letztes Jahr in dem Kurztrip auf die Burg getragen hatte. Mein ausgewählter Silberschmuck, der silberne Armreif und mein Ganesha-Anhänger aus Ibiza. Ein Sprühstoß aus meinem geliebten und so lange vermissten Chanel-Parfüm (das mit Patchouli) vor dem Spiegel im Badezimmer nach dem Duschen und Frühstück und ich bin wieder teilweise lebendig. Die alte Hippie-Tante geht aus.
12 Uhr wäre das CSD-Programm am Alten Markt in der Innenstadt von Magdeburg gestartet, die Demo selbst eine Stunde später, um 13 Uhr. Ich muß nicht da sein, es fängt auch alles ohne mich an. Ich kann mir soviel Zeit lassen, wie ich will, mich in Ruhe weiter vorbereiten und alles langsam angehen. Den Startpunkt der Demo erreiche ich nicht, ich parke meinen roten (und frisch gewaschenen) Roadster wieder in dem Parkhaus in der Nähe im Herzen von Magdeburg, laufe nach draußen an die Oberfläche, höre auf all die Geräusche, das Wummern der Bässe der Veranstaltungstrucks, die Stimmen der jungen Menschen eingehüllt in ihren Regenbogenfahnen und lasse den Demozug, der gerade um die Ecke biegt, ganz langsam auf mich zukommen.
Ich stehe an der zentralen und abgesperrten Kreuzung neben dem Einkaufscenter, beobachte den vorbeiziehenden CSD, die wahrscheinlich wieder tausend (oder mehr) bunten Teilnehmer, die Wagen, die Menschen, die Musik. Warte auf meinen Einsatz - und reihe mich mit ein. Ich bin wieder da. (Ich muß den offiziellen Start nur um Minuten verpaßt haben.)
Die Demoroute ist dieselbe, wie im letzten Jahr, zwei Kundgebungen, einmal am Dom, einmal auf einer großen Kreuzung oder Kreisverkehr ... ist das derselbe Platz auf dem ich drei Wochen zuvor ein Catcalling Erlebnis hatte? Der kleine Trans Pride Block, in dem ich mich mit eingereiht habe, läuft schweigend und demonstrierend in einer geschlossenen Linienformation ("schweigend", weil wir Masken tragen, als Pandemieauflage). Überhaupt bin ich mit meiner Filtermaske, der übergroßen Sonnenbrille und meinem tief ins Gesicht gezogen und Schatten spendenden Strohhut kaum zu erkennen (oder zu identifizieren). Der kleine, eigenständige Block löst sich nach der Demo genauso schnell wieder auf, wie er entstanden ist.
Rückkehr auf dem Alten Markt im Zentrum von Magdeburg, das war erst meine zweite Demo, die ich hier mitgemacht habe, das anschließende Fest auf dem Platz besuche ich schon ein paar Jahre länger. Nur dieses Jahr ist es irgendwie anders ... alles mit Festivalzäunen abgesperrt, rein (auf den Innenbereich vor der Bühne und den Ständen) kommt nur, wer es an der Security vorbei schafft. Genesen, Geimpft, Getestet. Von mir auch scherzhaft als "Impfzoo" bezeichnet ... ich zeige dem netten Ordner am Einlaß den QR-Code mit meinem Impfzertifikat auf meinem Smartphone und tigere wenig später selbst die Gitterstäbe auf der Innenseite des Geheges entlang. Hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt.
Die Infostände sind dieselben, der Hanfstand gleich neben dem Rekrutierungsstand der örtlichen Polizeibehörde ist immer wieder amüsant. Der quietschsüße Waffelverkaufsstand ist neu (mein Nachtisch nach dem Falafel-Teller auswärts) und ein Cappuccino Punkt 16 Uhr zum Beginn des Nachmittags. Ich drehe mit dem Pappbecher in der Hand meine Runden, es wird irgendwie langweilig ... nicht mal die Drag Queens auf der Bühne können mich aufheitern (was sie sonst schaffen könnten). Ich fühle mich auf einmal so alt, wenn ich weiß, daß die meisten der jungen Menschen hier auch meine Tochter oder Sohn (oder was auch immer) sein könnten. Hätte ich eine Tochter, wäre sie jetzt bestimmt sechzehn ... so Dezember 2004 geboren. Auf der Demo selbst war der Altersdurchschnitt noch etwas höher (und ein paar interessante Blickfänge zum Flirten mit dabei).
18 Uhr, das Glockenspiel am Rathaus spielt "Freude schöner Götterfunken" - ich weiß nicht mehr so genau, wann ich das Stadtfest verlassen habe, eine Faßbrause am angrenzenden Biergarten bestelle und letztendlich den frühen Abend mein Auto aus der Tiefgarage des Einkaufscenter hole, es ist immer noch heiß und sonnig, als ich mit heruntergeklappten Verdeck Magdeburg wieder verlasse. Den Tag über mit Hut, Sonnenbrille und Maske sonnengeschützt im Gesicht - dafür wieder ein tiefer Sonnenbrand im ausgeschnittenen Dekolleté meiner grünen Stricktunika ... der Sport-BH, den ich darunter trage für einen bauchfreien Look, ist zwar ganz praktisch, aber etwas mit "etwas weniger" Ausschnitt wäre vielleicht besser gewesen. Vor zwei oder drei Wochen war ich zwar schon einmal auf der Suche in den Bekleidungsgeschäften dieser Shopping-Mall, habe aber nichts Adäquates für mich gefunden (hier muß ich mein Outfit noch nachbessern).
Als ich den Abend wieder zu Hause bin, bin ich zu kaputt, um noch etwas zu unternehmen. Ich weiß, da wäre noch eine Disco-Veranstaltung gewesen, aber mir fehlt einfach der Schlaf der letzten Nächte (eher Monate). Und so richtig kann ich mir solche "Events" noch gar nicht wieder vorstellen ... was ist, wenn die Leute, die unter die ominöse 3G-Regel fallen und da mitmachen können, genauso langweilig sind, wie ich? Erst so langsam taste ich mich an mein altes Leben wieder heran...

[18.07.21 / 23:42] Ich habe Dinge gesehen... Unterwegs auf dem CSD 2021 in Leipzig. Wie immer, die Nacht davor schlaflos in meinem Bett auf dem Dachboden, vor 4 oder 5 Uhr den Morgen schlafe ich nicht mehr ein. Erst wenn die Sonne aufgeht, erst wenn die Vögel mit Zwitschern anfangen, erst wenn ich eine Weile am Fenster im Badezimmer stehe und die Ruhe, die Einsamkeit und die kühle Luft auf mich wirken lassen kann. Das Smartphone mit der Weckfunktion habe ich unter Tränen und enttäuscht von mir selbst wieder ausgeschaltet ... der Alarm war auf um 8:00 Uhr programmiert, ohne meinen seit Monaten nur noch auf fünf Stunden reduzierten Schlaf - von 5 bis 10 Uhr - fahre ich den Sonnabend Vormittag nicht auf der Autobahn nach Leipzig. Ich habe keine Verpflichtungen getroffen, keine Termine, keine Zusagen, keine zeitlichen Abmachungen. Ich muß nicht da sein, wenn es nicht geht ... kurz nach 9:30 Uhr den späten Morgen wache ich wieder auf.
Dann fahre ich eben eine Stunde später los! Das kann ich schaffen, mein ausgearbeiteter Ablaufplan, alle Sachen den Tag zuvor schon zurecht gelegt, in Windeseile unter die Dusche gesprungen, im Flug die Beine rasiert (elektrisch), kein Make-up, keine Ohrringe mühselig einfriemeln, das Frühstück hastig reindrücken, den Abfahrtszeitpunkt von 10 Uhr auf 11 Uhr gelegt bzw. angepeilt, alles in die große Strandtasche stopfen. Es wird laut Wetterbericht tropisch, den Freitag nur 24 Stunden zuvor sind meine aus den USA bestellten (und in Frankreich hergestellten) Gummistiefeletten mit dem Express-Paketdienst gekommen - für die große Wiese in dem Park, auf der für dieses Jahr die Kundgebung für den CSD in Leipzig stattfinden wird! Ich muß da hinfahren, ich habe mein ganzes Hippie-Outfit mitsamt schwarzen Plisseerock und weißen Häkeltop auf die grün-bunten Gummischuhe darauf ausgerichtet. Gegen 11:15 Uhr werfe ich meine Umhängetasche in den Kofferraum und donnere mit 150 km/h in meinem Roadster die Autobahn Leipzig entgegen, über mir die tiefdunklen und leeren Regenwolken des Gewitters die letzten Nächte.
Wie gewohnt, ich kenne mich in Leipzig aus, das Parkhaus am Hauptbahnhof ansteuern, in eine freie Parklücke quetschen (die mit dem Betonpfeiler, die sonst keiner nimmt), Schuhe wechseln, alles, was ich nicht brauche (mein "Übernachtungs-Kit") im Kofferraum zurücklassen und in Richtung des diesjährigen und wieder stattfindenden CSDs marschieren ... nur eben dieses Jahr auf der "Wiese".
Es nieselt, es ist kalt und irgendwie trotzdem schwül-heiß (war da nicht schon mal was in meinem Tagebuch?), für den Weg dahin und für die Demo nutze ich meine Keilsandaletten - die sind echt bequem. Kurz vor Erreichen der Wiese in der Parkanlage westlich des Leipziger Hauptbahnhofs, stelle ich unter einem Baum meine Umhängetasche kurz ab und schiebe mich mit einem kleinen Schuhanzieher barfuß in meine neuen Gummistiefeletten ... sehen wirklich schick aus mit dem aufgedrucktem Dschungelmotiv, meine Keilsandaletten landen in dem Beutel in meiner Tasche (da sind auch noch ein Wollponcho, der Regenschirm und eine große 1-Liter-Flasche Wasser drin). Von überall her strömen jetzt die jungen Menschen mit ihren Regenbogenfahnen zu der Bühne in der Mitte, am anderen Ende der großen Wiese ... Hunderte, Tausende! Amüsiert stelle ich fest, daß die meisten Teens and Twens nur die üblichen Stoffschuhchen tragen - ihr seid nicht passend angezogen! Ich erwarte ein "Pridestock" Happening! (Der Schlamm bleibt aus.)
Nieselregen - das Display des Smartphones ist unter dem schwarzen Regenschirm benetzt mit voller kleiner Tropfen und flackert, die Kundgebung auf der aufgebauten Bühne geht so zwei Stunden, von 13 Uhr bis 15 Uhr, ich suche unter einer großen Eiche Schutz. Redebeiträge, politische Parteien, Buh-Rufe aus einer kleinen und radikalen Gruppe aus dem auf der Wiese sitzenden Publikum dicht neben mir ... es geht um eine Partei, die dem Druck der Regierungskoalition nicht standhalten konnte und kürzlich gegen eine Vorlage zur Änderung des Transsexuellengesetzes gestimmt hatte, explosives Zeug für einige Transmenschen.
Der Nieselregen läßt nach, die Sonne kommt raus und brennt sofort auf meine "Gothic-Haut" auf der großen Wiese, ich spanne den schwarzen Regenschirm als Schattenspender erneut auf und lasse ihn auch gleichzeitig trocknen. In wenigen Momenten geht es los - der Pride durch die Innenstadt! Das die Organisatoren das genehmigt bekommen haben...
Schirm zusammenrollen und in die Umhängetasche packen, wenigstens das Gesicht großzügig mit Sonnencreme zukleistern, meine neuen und wunderschönen Gummistiefeletten (die Entdeckung für mich!) nach dem Fußmarsch auf der Parkwiese zurück zu der Straße durch meine Keilsandaletten aus dem Plastebeutel tauschen und mich für den Demozug bereitstellen.
Wo ist mein Wagen? Es gibt dieses Jahr wegen der besonderen Lage nur zwei oder drei Demotrucks ... der mit der beschriebenen politischen Partei wird von einer Gruppe Aktivisten mit einem großen Transparent am Losfahren behindert. Es sollte mich mehr betreffen, ich gehöre zu der durch das Gesetz diskriminierten Transgemeinschaft. Ich stehe immer noch am Rand auf dem Fußweg der Straße am Parkeingang und beobachte die beklemmende Szenerie mit dem Gerangel. CSD ist politisch, keine Party für gelangweiltes, junges Publikum mit Tanzen. CSD ist der Kampf um Erhalt der nur vor ein oder zwei Generationen erreichten Grundrechte, der Aufstand, das Begehren nach Chancengleichheit, gegen die Diskriminierung, gegen das Gefühl vom Großteil der Bevölkerung als abartig, krank, kriminell, nicht existent oder schlimmer noch - als nicht lebenswert betrachtet zu werden. Dafür reichen eure kleinen Regenbogenfähnchen als Bekenntnis der Solidarität nicht aus. Ich habe Angst vor Gewalt- und Konfliktsituationen, lasse mir lieber ohne Gegenwehr die Nase brechen - und stehe unfähig zu handeln da.
...mein Wagen fehlt. Der kleine "radikale" Pritschentransporter, der sonst immer ganz hinten an dem Demozug angehängt wird. Der mit der schönen Musik, den eigenen Redebeiträgen versus der großen Veranstaltungstrucks - der mit den schönen Menschen die hinterherziehen! Sie sind da ... zumindest das subkulturelle Publikum aus der queeren Szene. Ich reihe mich ganz hinten mit ein.
Die Demoroute ist kürzer, kompakter - ich habe das Gefühl, die Polizeieskorte staucht das ganze etwas mehr zusammen als sonst. Die grauen Nieselregenwolken sind jetzt wirklich weg und mir fehlt der sonst übliche Platz, von "Schatten zu Schatten" zu springen. Das Tanzen fällt auch weg, einige der Demoteilnehmer haben zwar ihre eigenen "portablen Musikbeschallungsanlagen" dabei, aber so laut sind die jetzt doch nicht. Ich nutze die Gelegenheit, schlängel mich ab und zu ein paar Meter nach vorne durch, bleibe am Rand stehen und beobachte kurz den hintersten Teil des Demozuges mit den bunten Teilnehmern aus meiner Zuschauerperspektive ... nicht ohne die Menschen nach ein paar mir bekannten Gesichtern abzusuchen. Nur die ganz wenigsten tragen einen pandemiebedingten Mundschutz (außer vielleicht die sympathisch wirkende Gruppe mit den Gummi-, Leder- und Fetischmasken).
Das ist das andere Thema... Ich bin seit kurzem doppelt geimpft, zwar noch nicht ganz der volle Schutz (erst in ein paar Tagen), aber immerhin. Von einem Großteil der sehr jungen Demoteilnehmer weiß ich das nicht (und muß ich auch nicht), aber als der Demozug dann zum Finale in die enge Leipziger Innenstadt in Richtung Markt und Augustusplatz einbiegt ... die Gesichter der anderen Menschen! Alte, Normale, die, die da den Sonnabend Einkaufen gehen - überrascht, irritiert, etwas verängstigt? Irgendwo zwischen: "Das hätte ich jetzt nicht erwartet" und "Oh, schön, wie früher" und "Jetzt sind wir verloren, jetzt kommt sie, die nächste Virus-Welle" - der Bürgerschreck. Wir quetschen uns unter lautem Getöse zu Tausenden durch die engen Gassen und begehren auf, für unser Recht zu leben. Corona ist was für alte Menschen, für Politiker, für Fernsehnachrichten und auf Papier gedruckten Zeitungen. Es existiert nicht mehr in der Blase der verloren Jugendgeneration. Nur ich mit meinen 39 Jahren bin das Bindeglied zwischen diesen beiden Welten.
Der CSD 2021 endet auf dem Augustusplatz in der Mitte von Leipzig, anders als sonst die Jahre bis 2019 auf dem Markt im Herzen der Fußgängerzone. 17:30 Uhr? Bis 18 Uhr werden Durchsagen gemacht, die Veranstaltung für beendet erklärt, zum Räumen des Platzes aufgerufen. Nicht nur der große Platz vor der Oper ist voller junger Menschen, auch die Innenstadt mit den Läden, Kaufhäusern und Modegeschäften ist voller Regenbogenfahnen tragender Demoteilnehmer - laufe ich mit ihnen, bin ich jung und proud - laufe ich entgegen des Stroms, bin ich plötzlich uralt: "Wo kommen die denn jetzt auf einmal alle her?"
Ich war seit einem Jahr nicht mehr hier, einige Geschäfte sind neu, andere weg, wer hat die lange Zeit der Schließungen überlebt? Mein gewohnter Rundgang, einmal Kuchen essen ("Eierschecke"), eine Kugel Premium-Eis (neu: "Avocado mit irgend etwas Fruchtigem"), einmal den späten Nachmittag und frühen Abend am Ende der Fußgängerzone mich in den Außenbereich des einen italienischen Restaurants setzen und eine Pizza bestellen. Sollte jetzt plötzlich ein Gewitter kommen und ein kalter Wind, habe ich für den Fall jetzt endlich meinen kuschelwarmen schwarzen Cashmere-Poncho dabei. Es bleibt warm, die chinesischen Gäste an dem Nachbartisch geben dem Ganzen ein internationales, touristisches Flair ... irgendwo zwischen der überfüllten Innenstadt von Florenz und Amsterdam.
Der angrenzende kleine Park neben der Kirche, in dem sonst nur ein paar Punks, Bücher lesende Studenten, Kinderwagen-Moms und eine Rattenfamilie ihre Zeit verbringen und genießen, ist jetzt noch überfüllter als sonst. Wirklich viele feiernde und sehr junge Menschen sitzen da jetzt die warmen Abendstunden auf den Bänken und ausgetretenem Rasen herum - alles voller Müll, Alkoholika, Flaschen, laute Menschen, Party und Musik. Ähnlich der abendlichen Szenen in süditalienischen Altstädten, nur eben nicht so von mir stilisiert, dafür mehr verwahrloster ... so eine Art englische "No-Future-Generation" ohne Perspektive und Geld und dafür eine durch eine Klimakatastrophe ausgelöste Hitzewelle mit täglichen Sommerunwettern mitten in Deutschland. Dystopie pur.
Ich verlasse Leipzig wieder mit meinem Auto, nach fast acht Stunden im Parkhaus, und fahre auf der mehr oder weniger leeren Autobahn den späten Sonnabend Abend zurück ... jetzt mit Tempomat und wesentlich langsamer, so 120 km/h - dem orangen Sonnenuntergang entgegen.

Noch etwa 10 Tage bis zum vollen Impfschutz, dann könnte ich auch wieder die Nächte in einen Club ausgehen? Falls es die noch gibt...

[10.06.21 / 19:12] Ich konnte es doch nicht durchziehen ... die eine Bewerbung, auf die ich mich als "Herr Dipl.-Ing." beworben hatte. Ich war überrascht, daß ich überhaupt zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen wurde.
Was ziehe ich an? Es wird den Tag sommerlich heiß, das Auto mit der Klimaanlage steht in der Garage, nach Monaten immer noch (oder schon wieder) mit leerer Batterie. Ich muß den frühen Mittwoch Vormittag den Regionalzug nehmen. Männersachen habe ich keine mehr, so etwas wie "Hemd, Krawatte, Sakko" fand ich schon immer abartig und habe ich nie besessen. Den Kleiderschrank voller wunderschöner Sommerkleider. Ich nehme das ungetragene Blümchenkleid vom letzten Jahr und meine neuen Keilsandaletten. Damit es halbwegs seriös aussieht, verhülle ich meine nackten Beine mit einer schwarzen Leggings. Bewerbungsunterlagen habe ich keine, meine Originalzeugnisse - die mit meinem alten, männlichen Namen - trage ich nicht nach draußen. Ich stopfe alles, was ich den Tag brauche, in meine italienische, schwarze Lederhandtasche. Den schwarzen Kapuzenhoodie überziehen und ich laufe kurz nach halb neun den Morgen zum Bahnhof.
Magdeburg ... auch nicht viel los hier, noch mehrere Stunden bis zum Bewerbungsgespräch in der einen Firma am Nachmittag. Die Zeit rumkriegen, einen Arzttermin, vielleicht Einkaufen in den Geschäften und Kaufhäusern (es ist jetzt wieder möglich - mit Maske), den Frühsommertag in der Fußgängerzone etwas Essen. Die Temperatur steigt.
15 Uhr, der Termin, ich bin überpünktlich und warte noch eine Weile, bis ich auf den Klingelknopf drücke. Ein Fahrstuhl fährt mich hoch in die Geschäftsräume. Irritierte Blicke, irritierte Gesprächspartner - ich bin nicht der "Herr", den sie erwartet haben. "Alle meine Zeugnisse sind noch auf meinen alten Namen", entgegne ich in dem Konferenzraum. Wenigstens stehen ein paar Flaschen Wasser für Meetings und Gespräche bereit. Keine Klimaanlage, es ist heiß.
Den späten Vormittag zuvor, ich liege für eine Untersuchung in dem MRT in einer radiologischen Praxis in der Innenstadt. Das große, hochtechnische Gerät wird gekühlt. Meine Leggings, mein Kleid, alles mit Bedacht gewählt und ohne Metallteile - den BH habe ich vorher in der Umkleidekammer ausgezogen. Das Kontrastmittel wird mir auf der Liege in den linken Arm injiziert ... die Vene finden, ich sehe schon wieder aus, wie ein zerstochener Drogenjunkie. "Sagen Sie Bescheid, wenn es brennt", der nicht ganz so beruhigende Satz der jungen Assistentin. Verdammte MS, ich muß das jedes Jahr über mich ergehen lassen.
Das gerade angefangene Bewerbungsgespräch den heißen Nachmittag ein paar Stunden später, daß ich einen Behinderungsgrad habe, verschweige ich. Meinen weiblichen Vornamen haben die beiden akzeptiert. Ich stelle mich sofort entwaffnend als "Frau" vor. Keine so erfreulichen Gesichter ... aus Sicht des Personalverantwortlichen und dem Geschäftsführer dieser kleinen Firma, wäre es besser gewesen, ich hätte mich gleich als weibliche Kandidatin auf diese Stelle beworben ... sie fragen, wie weit ich seelisch mit meiner Transition bin und ob ich diesen eingeschlagenen Weg auch weiter fortführe.
Nach meinen überstandenen MRT-Termin in der Magdeburger Innenstadt streife ich durch die angrenzenden Shopping-Malls und Kaufhäuser - ich bin auf der Suche nach einem weißen Textil- oder Ledergürtel für mein anderes, neues und ungetragenes Jeanskleid. Irgend etwas, was die Taille betont und mich noch weiblicher erscheinen läßt. Etwas frisches für den Sommer ... in meinem offenen Roadster, auf der Landstraße, mit Sonnenbrille und wehenden Haaren. Ich habe meine Stammgeschäfte - hochpreisig, exquisit. Den weißen Kunstledergürtel in dem sehr bekannten, schwedischen Modehaus der unteren Preisklasse, lasse ich in der Auslage hängen, ich entscheide mich für den aus Echtleder, gefunden in dem großen Kaufhaus quer über die Kreuzung, einen im geflochtenen Muster und ohne Lochnieten. Die weißen Militärgürtel im Internet sehen alle zu männlich aus und stehen nur Motorradpolizisten und kernige Kerle ... Fotos aus der Gay-Community?
Ich fahre Motorrad, aber das steht auch mit leerer Batterie verlassen und voller Spinnweben in der Garage. Die Antwort, ob ich einen Führerschein besitze, beantworte ich in dem Bewerbungsgespräch mit "Ja", nur dieses eine Mal mußte ich den Zug nehmen. Die Stelle wäre mit Kundenkontakt ... Bin ich vorzeigbar? Wie so oft, ich kann es den beiden Männern in dem Raum nicht glauben, wenn sie nicht erkennen wollen, daß ich keine geborene Frau bin - ich gehe immer davon aus, daß es jeder sofort sieht und hört. Wäre es besser gewesen, meine transsexuelle Vergangenheit auch zu verschweigen? Und hätten die mich dann überhaupt als Frau eingeladen? Ich könnte ja urplötzlich schwanger werden und für Monate ausfallen.
Diese Probleme habe ich nicht in dem Restaurant den Mittag zuvor in der Innenstadt. Meinen kurzen Einkauf habe ich beendet, der neue Gürtel liegt in einem Beutel in meiner Handtasche. Das italienische Restaurant mit bis zum letzten Tisch besetzten Außenbereich, macht den Tag ein gutes Geschäft. Ich gebe nach meinen bestellten und aufgegessenen Gnocchi etwas mehr Trinkgeld, setze nach dem Bezahlen meine Maske auf und frage nach der Toilette in dem Innenbereich der Gastronomie. Ich habe keine Probleme damit, die Frauentoilette zu benutzen - ich bin eine Frau. Ich sehe so aus, ich bewege mich so - und sprechen muß ich da auch nicht. Ich mache mich an dem kleinen Spiegel neben den zwei Kabinen etwas frisch und bereite mich auf das bevorstehende Bewerbungsgespräch vor, das in einer Stunde, ein paar Straßenbahnstationen entfernt.
Dieses Bewerbungsgespräch, in dem ich wieder die mir bekannten und ablehnenden Gesten der Teilnehmer erkennen werde, wenn sie mir die Frage stellen, warum ich so lange arbeitslos bin. Was ich die letzten zwei Jahre überhaupt gemacht habe (isoliert zu Hause?), warum es für mich nahezu unmöglich ist, eine Arbeitsstelle zu finden. Die fehlenden Qualifikationen kann ich erarbeiten, Neues lernen ... ich bin zu unsicher und weiche zum Ende des dreißig Minuten dauernden Gesprächs allen Fragen aus, die auch nur ansatzweise etwas mit meiner persönlichen und traumatischen Vergangenheit an meiner alten Arbeitsstelle zu tun haben und zu meiner Entlassung führten. Und dabei habe ich noch nicht einmal erwähnt, daß ich fast schon selbstzerstörerisch in der Psychiatrie gelandet bin - wegen dieser Arbeit (und das ist der Punkt). Der Fahrstuhl fährt mich wieder runter und ich weiß, es ist wieder nichts geworden.

"Hartz IV" könnte noch bis zum Ende des Jahres, pandemiebedingt, verlängert werden ... erst dann fällt die finanzielle Stütze für mich weg und ich müßte mir doch mehr Gedanken machen. Bin ich schon zu alt, um auf den Strich zu gehen?

[15.04.21 / 19:37] Der Anfang vom Ende. Seit einiger Zeit spiele ich mit dem Gedanken, für Bewerbungen auf Stellenangebote im IT-Bereich wieder meinen alten, männlichen Namen einzusetzen ... der "Herr Diplom-Ingenieur" von vor zehn Jahren. Alle meine Zeugnisse sind noch auf den Namen, meine Diplomurkunde, die verschiedenen Lehrgänge und das sehr viel bessere Arbeitszeugnis von meinem abschließenden Diplom- und Praxissemester. Der junge "Herr" macht seine Arbeit viel besser als die zickige "Frau" mit den Diva-Allüren und der totalen Arbeitsverweigerung Jahre später. Mal abgesehen davon, daß ich ein und dieselbe Person bin, mit ein und derselben Arbeitseinstellung, -motivation und -qualität, liegen zwischen diesen beiden Menschen für den von außen betrachtenden (und voreingenommenen) Arbeitgeber Welten.
Als Mann habe ich vor etwa zehn Jahren auch mehrere hundert Bewerbungen geschrieben, als Frau - speziell als Transfrau - kommen jetzt die ganzen Blicke der HR dazu. Die Hand mit dem Finger gegen die Stirn, den Kopf gesenkt, die Augen geschlossen: "Großer Gott, wen haben wir hier zum Bewerbungsgespräch nur eingeladen?"
Ich verändere meinen Lebenslauf, meine Bewerbungsunterlagen werden sowieso ständig neu angepaßt, das Foto verschwindet, der Vorname erhält wieder seinen männlichen Endbuchstaben zurück. Ich richte sogar eine Alias-Mailadresse ein - nach mehr als fünf Jahren bin ich im Internet wieder unter meiner alten Identität erreichbar. Sind die ersten zwei Bewerbungen noch experimentell, sieht die dritte Bewerbung schon richtig professionell aus, diesen "Herrn Dipl.-Ing. (FH)" würde ich wirklich einstellen wollen! Alles paßt, der Lebensweg, das Studium, der Wehrdienst. Das beschissene, letzte Arbeitszeugnis lasse ich weg, es gehört nicht zu ihm, es gehört zu ihr. Klick, Bewerbung gesendet.

Und jetzt? Ein Irrglaube, irgend jemand würde ihn nur wegen dieses klangvollen Titels einstellen wollen, oder mir eine Chance geben, an mein altes Leben und meinem Ingenieursabschluß anzuknüpfen (um überhaupt erst weitergehende Fachkenntnisse zu bekommen). Ich mache das ... weil es sich jetzt gut anfühlt, weil ich jetzt dieses Selbstvertrauen habe. Würde ich eine Absage als Frau bekommen, wäre ich zutiefst niedergeschlagen und würde an mir zweifeln ... bekomme ich eine Absage für den Mann, den ich gerade konstruiert und wiedererweckt habe, bin ich - mir fehlt das Wort dafür - ergriffen von dem Gefühl: "Ihr seid selbst schuld, wenn ihr so einen Top-Bewerber und IT-Professional ablehnt. Verreckt an eurem eigenen Stolz!"

Du spielst ein gefährliches Spiel ... jetzt als operierte Transfrau mir eine neue, alte männliche Persönlichkeit zu geben, könnte mir mehr schaden als nutzen. Langfristig gesehen, würde dieses Zerwürfnis zu einer unkontrollierbaren, emotionalen Instabilität führen. Es ist OK, wenn ich alle meine Persönlichkeitsaspekte im Gleichgewicht halte ... aber zurück zu dem Mann, der ich nie war? Ich werde niemals meine weiblichen Hormone absetzen, meine Operation bereuen oder alle meine feminin geschnittenen Kleider aus dem Schrank werfen! Ich bin und bleibe eine Frau. (Das sieht erst merkwürdig aus, wenn der "Herr" dann wirklich zum Gespräch eingeladen wird, aber so weit kommt es nicht...)

Noch ein Knacks mehr im Spiegel.

[10.02.21 / 20:56] Ich muß meine aktuelle Funkstille aus der "Rehab Clinic"* doch unterbrechen ... die Praxis in München hat sich per Telefon bei mir gemeldet, sie gehen die Kontaktdaten bzw. Telefonnummern für die Warteliste auf die geschlechtsangleichende Operation durch und fragen nach dem aktuellen Status. Mein Termin im September 2021 - den ich bis jetzt emotional nicht geschafft habe, abzusagen - wäre dann, nach über vier Jahren Wartezeit, dran gewesen. Ich bin schon operiert. Auch wenn ich nach wie vor immer noch den Gedanken mit mir herumtrage, eine dritte und aufwendige Korrekturoperation zu wagen - und den letzten Funken Hoffnung, vielleicht doch noch irgendwann ganz normal als Frau Sex zu haben, nicht aufgeben kann - so wird dennoch meine Position auf der Warteliste gestrichen. Es bleibt die Option, mit dieser oder einer anderen Praxis einen neuen Termin auszumachen, um überhaupt herauszufinden, ob das bei mir da unten noch chirurgisch möglich ist.

(*) Interessanterweise bedeutet rehab clinic im Englischen etwas leicht anderes, als im Deutschen erwartet ... aber ich mag die Version, wie meine Rockstars in einer "Entzugsklinik" zu sitzen, um "clean" zu werden. Meinen mitgebrachten Tablettenvorrat habe ich mittlerweile aufgebraucht: die erste Woche hätte ich fast sieben Nächte ohne durchgehalten, die zweite Woche mußte ich die allerletzte Dosis rationieren, die dritte Woche ist die (schlaflose) Hölle und die vierte Woche steht mir noch bevor...

[27.10.20 / 23:13] Ein paar Wochen nach der letzten IPL-Behandlung, das Telefonat den Tag. Ich mache für die nächste Zeit keine weiteren Termine mehr, auf der linken Wange habe ich nur ein einziges, dunkles Haar entdeckt ... und außerdem werde ich für die nächsten Wochen (oder Monate?) wohl nicht mehr aus dem Haus gehen wollen (die Viruspandemie). In spätestens fünf Jahren werden sich wieder genug neue, dunkle Haare "zusammengerottet" haben (die Heilkräfte des eigenen Körpers nicht unterschätzen) und dann kann ich eine weitere, kosmetische Haarentfernung starten.

[01.10.20 / 13:03] IPL-Nachbehandlung #14 (#31) - Es wird schwer, ein dunkles Haar zu finden. Die hellen Haare unter der Unterlippe sind gerade in einer optimalen Wachstumsphase und werden mitbehandelt, die hellen Haare am Kinn und die störenden am Mundwinkel sowieso. Noch spüre ich die Schmerzen, noch riecht es nach jedem Blitz nach verbrannten Haaren - aber für die nächste Behandlung habe ich noch keinen Termin. Die nächsten Wochen kann ich entscheiden, ob ich noch zwei oder drei weitere Behandlungen will (und ob ich die mir überhaupt noch leisten kann), dafür muß ich die nächsten 14 Tage mein Gesicht beobachten ... nach der letzten Behandlung waren da noch eine Vielzahl an kurzen und feinen, weißen Haaren - und fünf bis zehn dicke und lange helle Haare an der Wange und auf dem Kinn (die zum Entfernen).

[17.09.20 / 20:07] "Die Vulva - eine kunsthistorische Betrachtung." Benutzte Werkzeuge und Techniken: Photoshop Version 6.0 aus dem Jahr 2000 mit dem Kunstfilter "Fresko" (Pinselgröße: 2 / Details: 8 / Struktur: 1) und der Bildeinstellung "Farbton/Sättigung" (Bearbeitungsmodus: Standard / Farbton: +15 von +180 / Sättigung: -50 von -100 / Lab-Helligkeit: -5 von -100). Schön zu sehen in der Bildkomposition ist die Anomalie. Der operativ verbliebene Rest des Schwellkörpers drückt bei sexueller Erregung das untere Ende der inneren Schamlippen zwischen dem Vorhof mit dem im dunklen gelegenen Harnröhrenausgang und dem in der darunterliegenden Falte verborgenen Eingang zur Neovagina, erhaben nach außen. Entstehungszeitraum des Bildes, etwa Spätsommer 2020. Das Modell filmt sich selbst während einer nächtlichen Erforschung der inneren Lüste.

Ich weiß immer noch nicht so recht, was ich mit dem Video von vor zwei Wochen machen möchte, vielleicht eine kleine Sequenz, Schwarz-Weiß und mit Rotoskopie - auf jeden Fall verfremdet. Die Idee mit dem Bildausschnitt und dem Blickwinkel auf meine Intimzone, im Stile des französischen Malers Courbet aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, habe ich schon länger ... ich stand auch schon vor dem Originalgemälde im Musée d'Orsay in Paris (und war da genauso fasziniert, wie jetzt).

Ich habe es getan ... ich habe ein Bild von ihr veröffentlicht!

[14.09.20 / 23:06] Habe ich eine non-binary Komponente? Auch wenn ich meinem Alter Ego den ganzen Mist, den ich erlebe, in meinen Tagebüchern abgeben kann, so sind dennoch Morgana und Andrea ein und dieselbe Person. Aber was ist mit meinen anderen Eigenarten? Die, die so gar nicht in das feminine Bild einer Transfrau passen wollen. Wenige Stunden den späten Sonntag Vormittag zuvor, waren meine Hände noch total beschmiert von dem dunklen Kettenfett, welches ich mühsam von den Speichenfelgen am Hinterrad mit der Zahnbürste (halbwegs) bereinigt habe. Ich müßte auch mal an meinem Motorrad die Zündkerzen wechseln, oder zumindest ausbauen und die Kontaktstellen abbürsten - wie das geht, steht alles in meinem Wartungshandbuch ... auf Englisch, für das amerikanische Modell.
Meine Gedanken gehen noch weiter ... seit einiger Zeit, irgendwann das letzte oder vorletzte Jahr, stelle ich mir folgende Situation vor (nur ein Gedankenexperiment): Was wäre, wenn ich meine Brüste abbinden würde - die so klein sind, daß es sehr einfach wäre - und meine alte Lederjacke anziehen würde - die aus meiner männlichen Vorzeit, die Jacke, die ich als einzige noch behalten habe, die ich nicht weggeben konnte oder wollte (zu viele Erinnerungen an 2004) - und wie ich dann so die Nacht, mit diesem männlichen Erscheinungsbild, einfach in einen Club ausgehe? Flirtend mit anderen Frauen (habe ich noch nie gemacht) und mit dem Wissen, ich bin eine postoperative Transfrau? Ich sehe da unten jetzt nicht so aus, wie du dir das vielleicht vorstellst...
Viele Gedanken dieser Art gehen mir durch den Kopf, als ich den Sonntag Abend mit meinem Motorrad durch die anbrechende Nacht und den Lichtern der Großstadt, und weiter auf der dunklen Landstraße, zurück nach Hause fahre.

Wer bin ich?

[06.09.20 / 17:09] Der CSD in Magdeburg - als einer der letzten CSDs dieses Jahr, die trotz der Pandemie noch durchgeführt werden. Ich bin spät dran, mein Outfit habe ich mir zwar Tage zuvor schon gedanklich zurechtgelegt, aber bei der Entscheidung: "Handtasche oder Gürteltasche", hänge ich bestimmt 20 Minuten fest, probiere hin und her. "Ich bin eine Transe, die brauchen dabei etwas länger ... sind nie pünktlich und kommen immer zu spät!" Demobeginn ist 13 Uhr Sonnabend auf dem Alten Markt im Zentrum von Magdeburg, am Ortseingang drücke ich das Gaspedal runter und ärgere mich über den schlafmützigen Verkehr vor mir ... und gerate in eine Radarkontrolle, mit Blitz, knapp 60 km/h innerorts, präzise um 12:54 Uhr.
Mein Auto parke ich wenig später im Parkhaus des Einkaufszentrums in der Magdeburger Innenstadt (nicht, daß ich das Tempo weggenommen hätte), zu Fuß die paar Schritte zu dem Alten Markt mit dem Rathaus. Die ziemlich jungen Menschen mit den Regenbogenflaggen sind auch schon zu sehen ... geschätztes Durchschnittsalter ungefähr 20 Jahre (oder jünger). Ich laufe zu der Stelle, an der sich die Demotrucks sammeln, der CSD in Magdeburg in seinem zehnten Jahr ist eher überschaubar, vier oder fünf Trucks und bis zu 1000 Teilnehmer (es wurde von überall her mobilisiert).
Mein Outfit: mit der Jeggings und den Schnürstiefeln war ich mir schon lange sicher (ich nehme die Docs ohne Absatz, zum Latschen - aber mit purpurfarbenen Schnürsenkeln), alles oberhalb aber nicht. Bei Sonnenschein und warmen Temperaturen, das neue, grüne Kleid vom Frühjahr mit dem schwarzen Schlapphut - bei regnerischem und kühlen Wetter, mein "Trans Lives Matter" T-Shirt, die tarnfarbene Regenjacke und das schwarze Barett ... in Kombination mit dem kurzen Lederröckchen, irgend etwas zwischen militantes Auftreten und sexy Outfit (es wird dieses). Trans Liberation Army!
Die Demo startet verspätet, die paar Euro am Ortseingang hätte ich mir sparen können. Das Wetter ist bewölkt und ab und zu Nieselregen - aber die Stimmung ist top. Ich suche mir - wie immer - den letzten Demotruck in der Parade aus, den mit der besten Musik, mit DJ und Techno-Set. Der Zug setzt sich in Bewegung und kreuzt durch die Straßen von Magdeburg, die Crowd am hintersten Ende zieht ravend hinterher. Wie sehr habe ich das vermißt - endlich wieder tanzen!
Auf den Zwischenkundgebungen wird nochmal darauf hingewiesen: "Bitte alle mit Maske und Abstand." Aber der 1,50 Meter zwischen den Demoteilnehmern ist nur schwer einzuhalten, das mit der Maske sehe ich eher als Bonus - wann hat man schon die einmalige Gelegenheit, die ganze Demo vollkommen vermummt durchzuziehen? Ich unterstreiche mein militantes Auftreten mit der dicken Sonnenbrille und dem schwarz-weißen Baumwollschal unter dem Barett. Die Demo zieht weiter durch das Kneipenviertel, ein willkommener Stop, um in einem kleinen Geschäft noch schnell die nächste Ration Wasser / die nächste 0,3 l Wasserflasche zu kaufen.
15 oder 16 Uhr nochwas, der CSD ist zum Startpunkt wieder zurückgekehrt, es sind immer noch haufenweise junge Menschen dabei, auch dieses Jahr gibt es wieder ein Anschlußprogramm mit Bühne auf dem Alten Markt von Magdeburg ... nur sind es dieses Mal etwas weniger Stände - und der Stand mit den "Süßkartoffelpommes in Erdnußsoße" fehlt auch (auf den ich mich so sehr gefreut habe). Ab jetzt passiert alles zu zweit (nur meine männlichen Ex-Freunde schaffen es detailliert in meinen Blog).
Als Ersatz für die Süßkartoffelpommes muß eine Waffel mit dicker Kakao-Nougat-Creme herhalten. Das Programm auf der Bühne amüsiert mit zwei Dragqueens als Hosts (die mag ich), die Musik ist eher grenzwertig ... der eine Auftritt, den ich noch mitbekomme, ist zwar ganz OK, aber die dazwischen angespielte Musik - falsches Publikum (alle unter zwanzig). Wir verziehen uns in das nächste Kaufhaus.
In Leipzig würde ich auch gleich parallel dazu Einkaufen gehen, in Magdeburg versuche ich dasselbe, ich bin auf der Suche nach einer neuen Flasche Haarwäsche - die von meiner französischen Lieblingsmarke, zwar überteuert aber dafür Naturkosmetik und exquisit ausgewählte Inhalts- und Duftstoffe. Wiederum falsche Käuferstruktur in Magdeburg, weder das Kaufhaus mit der kleinen Parfümabteilung, noch die Drogeriekette (die es auch in Leipzig gibt) haben diese Marke im Sortiment. Abbruch der Einkaufstour, ehe wir hier noch lange herumsuchen.
Wir gehen zu dem arabischen Bistro am anderen Ende der Fußgängerzone, nicht weit von hier habe ich mal zwei oder drei Monate gewohnt, als ich 2018/19 in Therapie in der Tagesklinik war (die Wohnung meines Bruders). Sie kennt dieses Bistro auch. Mit abgesetzten Barett und Sonnenbrille (es ist total bewölkt) offenbare ich auch mehr von meiner Erscheinung ... ein bißchen Mascara in den Wimpern. Während des Essens drehen sich unsere Gespräche um das Thema Transsexualität, die Stimme, Hormone, die Operation, die Wahl des Chirurgen.
Auf meinen bestellten, arabischen Kaffee warte ich sehr lange, auf der Herdplatte neben dem Dönerspieß kann ich aber schon das kleine und dunkel gebrannte Kännchen sehen. Als mir das kleine Täßchen mit dem Kaffee endlich serviert wird, kann ich mit meinem Ritual anfangen. Der Kaffeesatz dieser Mischung mit Kardamom ist sehr dick, das Umdrehen des ausgetrunkenen Kaffees mit der abgedeckten Untertasse gelingt erst beim zweiten Versuch. Minutenlang versuche ich dann, an dem Innenrand der Tasse die Zeichen zu erkennen ... "Mein Leben, wird eine Wendung nehmen, zum Positiven hin." Ihre Tasse lese ich nicht, jemand anderen die Zukunft zu lesen, dafür habe ich noch keine Erfahrung (und auch gar nicht den Mut).
Irgendwann nach 18 oder 19 Uhr den Abend, wieder draußen. Wir gehen zurück zu dem Marktplatz, das Stadtfest des CSDs ist immer noch im Gang ... die Musik hat sich nicht wirklich verbessert. "Sei einmal im Jahr an einem Ort, an dem du vorher noch nicht warst." Sie zeigt mir den Wein- oder Biergarten um die Ecke oder hinter dem Rathaus, das kenne ich noch nicht (nur eine aufgebaute Bude mit Ausschank und ein paar Bierbänken). Ich bestelle weiterhin nur eine Flasche Wasser für mich.
Die Gespräche gehen weiter, nehmen fast schon philosophische Züge an, die Risiken einer geschlechtsangleichenden Operation, was alles dabei schiefgehen kann - und warum es doch jede von uns macht ... was wäre schon die Alternative? Tod durch Suizid. (Ich denke es nur.) Schön, wenn ich meine Erfahrungen weitergeben kann, alles zählt, um die Erwartungshaltung an das Ergebnis oder die Mystifizierung der OP etwas zu dämpfen. Über das Stichwort GaOP kommen die meisten Besucher auf meine Internetseite. Trotzdem ... das endlich operierte Areal dann im Spiegel zu sehen, ist ein wunderschönes, fast magisches Erlebnis.
Später den Abend: "Wann macht das Parkhaus zu?" Es ist schon dunkel geworden, über einen vergitterten aber noch offenen Seiteneingang irren wir über das fast leere Parkdeck. Mein Auto steht in der Tiefgarage eine Ebene nach unten. Keine Treppe, kein funktionierender Aufzug (nur einer nach oben), über die Ausfahrt zu Fuß zum Ausgang des Parkhauses. "Ich hätte doch lieber eine Toilette suchen sollen", mit zusammengekniffener Hand hinten an meinem Röckchen eile ich nach draußen. "Ach, scheiße..." Die Böschung nach oben, eine dunkle Ecke leicht abseits. Es ist noch nicht komplett zu spät, nur "teilweise" ... das kurze Lederröckchen hochgeschoben und die elastische Jeggings sind in dem Moment wahrscheinlich meine Rettung, bzw. die günstigste Kleiderwahl. Den verbliebenen "braunen Streifen" an der Unterhose decke ich mit etwas Taschentüchern aus meiner "Batman-gleichen" Multifunktionsgürteltasche ab.
"Das könnte jetzt etwas müffeln", wieder zurück in der Einfahrt des Parkhauses, wie erkläre ich so eine peinliche Situation? "Das nennt sich 'Multiple Sklerose', Harn- und Stuhlinkontinenz", mein aufmunterndes, ewig wiederholendes Mantra: "Bis zu fünfmal im Jahr in die Hose machen, hat keinen Krankheitswert!" Mir ist das aber auch peinlich. Wir gehen weiter runter in die Tiefgarage, zum Glück ist hier an der Schranke zur Einfahrt das Gitter noch nicht unten.
Mein Auto steht ganz weit woanders, auf der Suche nach der Nachtkasse mit den Automaten entdecke ich es idealerweise gleich daneben ... die Stelle mit dem Parkplatz muß ich mir merken. Ich bezahle mein Parkticket. Zurück am Auto: "Soll ich dich ein Stück mitnehmen? Ich will ja nicht, daß du (Vorsicht Fäkalhumor) da irgendwo in etwas hineintrittst." Wirklich tiefschwarzer Humor. Die Schranke nach oben, wie immer den Asphaltweg hochheizend, ich habe ihr beim Einsteigen in meinem Auto schon die ganzen Schrammen von diesem Parkhaus gezeigt: "Noch vor ein paar Jahren habe ich mich mit (und über die) transsexuellen Frauen darüber lustig gemacht - hey das passiert, wenn du Hormone nimmst!" Kratzer überall an meinem Auto von diversen und mit purer Willenskraft durchgeführten Ein- und Ausparkaktionen.
Ich lasse sie ein oder zwei Kilometer weiter wieder aussteigen, auf einem gut beleuchteten Parkplatz eines Einkaufsmarktes. Wir tauschen die Telefonnummern aus, nichts Amouröses - das ist keine von meinen Männergeschichten - im Autoradio laufen währenddessen leise die aufgenommen DJ-Sets aus dem Internet, die mit dem orientalischen Einschlag. Zurück die Nacht auf der Landstraße zu meinem Wohnort.

[29.08.20 / 23:14] Was macht die Isolation mit mir? Ich hatte seit Mitte Februar - also seit 6 Monaten - keinen sexuellen Kontakt mehr. Keine körperliche Nähe, keine intimen Berührungen. Brauche ich das? Der asexuelle Teil in mir kann Jahrzehnte ohne so etwas auskommen, der feminine Teil in mir - schreit verzweifelt danach. Internetpornos. Funktioniert das noch? Es gab mal eine Zeit, vor vielen, vielen Jahren, in meinem alten Leben, in der ich diese Videoplattformen, speziell die Nächte zum Wochenende, sporadisch besucht habe. Ich hatte mein favorisiertes Suchmuster: "big breasted latina and solo girl masturbating in front of webcam." Nicht unbedingt, um mir dabei "einen runterzuholen" (das ist ein ganz anderes Thema, wie ich dieses "Teil" an mir abgelehnt habe), sondern viel mehr, um eine sympathisch wirkende (und hübsch aussehende) junge Frau dabei zu beobachten, wie sehr sie dabei Freude empfinden kann ... bis zum Orgasmus. Nur die Videos, in denen die Frau wirklich alleine ist, ohne daß ein Mann die Kamera hält, ohne den Pornodruck, ohne Dildos und anderer Hilfsmittel ... einfach natürlich und authentisch. Ich wünschte immer, ich wäre genauso.
So ungefähr 10 oder 15 Jahre später ... in der Gegenwart, die letzte Nacht. Kann ich das auch? Nach stundenlangem Suchen (übertrieben gesagt) finde ich wieder so ein Video von damals. Ich masturbiere dabei. Die flimmernden Bildchen am Computerbildschirm lenken mich von all meinen schrecklichen Gedanken ab (die Flashbacks von dem Trauma der Vergewaltigung). Es funktioniert tatsächlich ... ich taste mich immer weiter an einen Orgasmus heran - ich muß dabei nur richtig fest aufdrücken. Wie in dem Video mit der bezaubernden, spanisch sprechenden Schönheit, lasse ich den Ring- und den Mittelfinger zwischen meiner Klitoris reiben. Mein eigenes Feuchtigkeitssekret zieht durch das Massieren sehr schnell ein, was mir an Gleitfähigkeit fehlt, hole ich durch etwas Speichel von meiner Zunge und meinen Lippen wieder nach.
Wie sehe ich in so einem Video aus? Ich bin experimentierfreudig, irgendwann so gegen zwei oder drei Uhr nachts, der Computer ist schon wieder ausgeschaltet, mache ich auf meinem Bett liegend weiter - und filme mich dabei mit meinem Smartphone. Nur das kleine Nachttischlämpchen als Beleuchtung. Meine Hand spielt an meinen Brüsten und den Nippel, die Kamera fängt den Blickwinkel der persönlichen Betrachterin ein. Meine Hand gleitet weiter den Bauch nach unten, die Kamera folgt. Meine total feuchte Vulva glitzert im Schein der kleinen Lampe, daß ich meinen Venushügel nicht rasiert habe, fällt bei meinen blonden Schamhaaren gar nicht so sehr auf. Die Beine gespreizt, die Schamlippen öffnen sich, die zwei inneren Finger meiner rechten Hand gleiten hinein, gleiten an meiner Klitoris vorbei, gleiten tiefer...
Nimm mich. Fick mich! (Mir fehlt ein Partner.)
Fasziniert betrachte ich danach das fertige 10-Minuten-Video, zweimal, pornotauglich ist es nicht, es ist zu dunkel ... aber die Details sind da. Die Kurven, die nackte Haut, der weibliche Körper, die spürbare Erregung. Ich kann nur jeder (Trans-)Frau empfehlen, auch so ein eigenes Video zu machen - es ergibt einen ganz anderen Blick auf den eigenen Körper, der doch gar nicht so häßlich ist. Speziell bei mir als operierte Transfrau, was bei mir die inneren Schamlippen sind (oder was ich dafür halte), sitzt genau da, wo sie sein sollen ... sie treten dunkelrosa leuchtend erhoben hervor. Meine Klitoris darüber blitzt wie ein kleiner, wunderschöner Edelstein. Nur die Stelle, an der der Eingang zu der Vagina sein sollte - das Herzstück - sieht bei mir anders aus. Es ist kein Loch, keine Grotte, kein Eingang in die höheren Sphären der Ekstase ... es ist bei mir nur ein kleiner Schlitz, eine horizontale Hautfalte am untersten Ende der Schamlippen, kaum ausmachbar (jetzt wird mir das erst klar, warum da nie einer reingepaßt hat).

Das Video teile ich nicht mit der Öffentlichkeit, das ist privat. Vielleicht lösche ich es auch bald wieder...

[26.08.20 / 15:25] IPL-Nachbehandlung #13 (#30) - Liegt es an der Wetteränderung, kühl, stürmisch und regnerisch, oder daran, daß ich den Tag bzw. Abend vor der Behandlung bewußt viel mehr Wasser trinke? Jedenfalls war diese Behandlung viel erträglicher als die letzten Male. Wie weit will ich noch gehen? (Wieviel Geld habe ich noch auf meinem Konto?) Ich finde kaum noch dunkle Haare in meinem Gesicht, bis auf die paar lästigen am innersten Mundwinkel ... der Rest ist alles weiß (so viele sind es auch nicht mehr).
... noch eine weitere Behandlung. Mit einem neuen Termin verlasse ich das Haarentfernungsstudio, bis dahin findet sich noch irgendwo ein dunkles Haar. Ich muß einen Abschluß finden, wieder eine mehrjährige Pause einlegen, bis sich die Haare im Gesicht regeneriert haben und neue, dunkle Stellen mit dem verdächtigen Schatten auftreten (den ich "leider" um jeden Preis verhindern will).

[17.07.20 / 14:44] IPL-Nachbehandlung #12 (#29) - Die Linie ganz nah an der Unterlippe wird weggeblitzt - und tief im Mundwinkel sind auch noch Stellen, die mich stören. Die letzten Behandlungen fängt, wegen den stechenden Schmerzen, immer meine Unterlippe leicht an, zu zittern ... das ist mir peinlich (ich mache das nicht bewußt). Hauptsache die Haare verschwinden (und kommen nie wieder ... jedenfalls die nächsten fünf Jahre nicht).

[03.07.20 / 16:07] Trans Lives Matter - Mein neues "politisches" T-Shirt. Jede von uns hat ihre eigenen Geschichten, ich habe meine gebrochene Nase, meine Psychiatrie-Aufenthalte, mein Rauswurf von der Arbeit...

...und die unzähligen sexuellen Übergriffe gegen mich, die nur noch im Hintergrundrauschen untergehen.

Trans Lives Matter - mit Schlangenblick / Juli 2020 / Alter 38

[25.06.20 / 22:38] 256 - Mein 8-Bit-Geburtstag - 2 Jahre Post-OP. Fazit ... die Schamlippen haben sich nicht wieder vollständig erholt und sind stellenweise nach wie vor taub. Auch sehen sie eher faltig und leer aus, anstatt üppig und voll, wie bei jungen Frauen - ich gehe aber auch schon auf die 40 zu (also doch altersentsprechend). Es gäbe die Möglichkeit, die äußeren Schamlippen mit Hyaluronsäure aufzuspritzen, für ein besseres ästhetisches Ergebnis - aber das wäre nur von kurzer Dauer, nach ein paar Monaten würden die wieder aussehen, wie vorher. Die kleinen Schamlippen dagegen, kann ich (mit dem Handspiegel betrachtend) nicht genau zuordnen, wo fangen sie an, wo hören sie auf. Verglichen mit Bildern im Internet (Wikipedia), sieht jede Frau da unten für sich anders und einzigartig aus.
Die Klitoris ... wie schon in meinen Einträgen vorher beschrieben, ist sie relativ unempfindlich ("mit dem stumpfen Bleistift..."). Ich habe ein paar Masturbationstechniken ausprobiert, zwei Finger, drei Finger, zwei drin und einer draußen (der Daumen), mit Gleitgel, ohne Gleitgel ... aber so richtig schaffe ich es nicht. Manchmal bin ich nah dran an einem Orgasmus - es fühlt sich an, wie ein brodelnder Topf kurz vor dem Überkochen oder ein übervoller Staudamm kurz vor dem Auseinanderbrechen. Auch wenn ich mir dabei Mut zuspreche, dranzubleiben, nicht aufzugeben - irgendwann breche ich das Ganze doch wieder ab. Es fehlt mir die Phantasie ... ab einem bestimmten Zeitpunkt zwängen sich mir doch wieder die Bilder in meinem Kopf auf, von der sexuellen Gewalt, die mir ein Jahr zuvor widerfahren ist. Ich kämpfe dagegen an ... ich ersetze die Bilder des Mannes durch die einer bildhübschen Frau.
Der Sex ... ich habe gar keine Vagina, Sex mit einem Mann ist so unmöglich. Da unten ist bei mir an der Stelle nur so eine kleine Mulde ... keine Neovagina, eher eine No-Vagina. Das kleine "Fingerloch" ist dafür sehr pflegeleicht, ich kann alles darin jeden Tag eincremen. Die OP-Technik, von mir auch "kleine Lösung" genannt, ist bestimmt auch besonders komplikationsarm: Nur die Schamlippen konstruieren und die Vulva mit Schamhügel.
Das ästhetische Ergebnis ... mir fällt weiterhin die bestehende Asymmetrie nach der funktionalen Korrekturoperation auf - aber muß mich das so sehr stören? Nein, jeden Tag nach dem Aufstehen, vor dem Duschen, stehe ich vor dem großen Spiegel im Badezimmer und schmunzele meinem Spiegelbild entgegen: Das Teil ist ab! Ich kann mir einfach nicht mehr vorstellen, jemals einen Penis besessen zu haben - ich sehe da unten so aus, wie ich schon immer aussehe oder aussehen sollte - eben wie eine Frau (die ich nun mal bin und immer war).
Würde ich mich nochmal für die geschlechtsangleichende Operation entscheiden? Auf jeden Fall, ich bereue nichts! Außer vielleicht ... diese Dilatoren, oder auch "Vaginaltrainer" genannt - sie geben einfach kein Gefühl als Rückkopplung, ich hätte von Anfang an schon mehr obsessiver mit dem Finger die frisch operierte Neovagina erkunden sollen (mit aller Vorsicht): Wie fühlt sie sich an? Wo ist der Eingang? Wo knickt sie nach innen ab? Bin ich da richtig, oder spüre ich nur mit der anderen Hand meinen eingeführten Finger durch die Haut knapp an meinem Poloch? (Spätestens da hätte mir bewußt sein sollen, das ist nicht die richtige Ecke.)
Sollte ich noch einmal einen männlichen Partner finden (mit dem ich längere Zeit zusammen bleibe), könnte ich eine dritte (und kostspielige) Operation wagen: die Rekonstruktion einer Neovagina, vielleicht aus einem Stück Haut aus dem Bauch (habe ich auf YouTube gesehen) - der Darm ist bei mir leider Risikogebiet. Bis dahin kehre ich zu meiner Asexualität zurück ... oder erforsche meine unbekannte, vielmehr in Vergessenheit geratene, lesbische Seite.

Zu etwas vollkommen, vollkommen Anderem ... bei meinem Motorrad ist schon seit fast einem Jahr die Hauptuntersuchung fällig? Ich dachte, das wäre dieses Jahr ... an den Monat kann ich mich jedenfalls noch genau erinnern. Als mir das wieder in das Gedächtnis rutscht, stürze ich zu meinem Motorrad in die Garage - auf der hinteren Plakette prangt tatsächlich ganz groß eine "19" ... ein gemischtes Gefühl, so ähnlich, wie wenn man plötzlich einen Freund wiedertrifft, den man schon lange nicht mehr gesehen hat. Ich glaube mich daran erinnern zu können, daß mir die "19" schon einmal aufgefallen ist ... letztes Jahr? Vorletztes Jahr? Ich muß nächstes Jahr mal wieder zum TÜV.
Ich kann mich an die beiden letzten Male erinnern, wie ich mit dem Motorrad zur Werkstatt für die Hauptuntersuchung gefahren bin - zurück mußte ich einmal laufen, ein anderes Mal wurde ich mit dem Auto abgeholt. Aber wann und welches Jahr das war? Keine Ahnung. Vielleicht weiß ich noch nicht einmal mehr, in welcher Reihenfolge die Erinnerungen in meinem Gedächtnis passiert sind.
Alles verschwimmt ... verschwindet. Die Vergangenheit löst sich zeitlich auf, eine Zukunft habe ich nicht. Glücklich sind nur die Menschen, die im Hier und Jetzt leben. Fortschreitende Gedächtnisstörungen bei Multipler Sklerose. Dafür ist mein Blog da, ich schreibe alles in mein Tagebuch, das Internet übernimmt die Funktion meines autobiographischen Gedächtnisses. 2019 - das ist das Jahr, in dem ich aus der Psychiatrie ausgebrochen bin! (Oder so ähnlich.)
Das Schöne daran ist, wenn ich wegen dem stark überzogenen Termin für die Hauptuntersuchung mit Sicherheit ein Bußgeld zahlen muß und einen - weiteren - Punkt in Flensburg bekomme ... ich werde mich wenig später schon gar nicht mehr daran erinnern können. So wie die bestimmt unzähligen Male, die ich die abgelaufene Plakette am Kennzeichen gesehen haben muß: "Oh, ich muß mal wieder zum TÜV." (Habe ich das nicht eben gerade schon geschrieben oder gedacht?) "Ach ... das passiert schon mal bei MS."

Der schleichende Zerfall...

Nachtrag, eine andere Betrachtungsweise: Juli 2019 ... Juli 2019 ist die innere Uhr stehengeblieben, Juli 2019 wurde ich vergewaltigt, das letzte Wochenende im Juli 2019 wurde ich aus der Spur geworfen. Für die Wochen danach, existieren keine Erinnerungen. Alles, was vorher wichtig war, ist verloren ... nur langsam kehre ich wieder ins Leben zurück. (Klar, daß dann solche "unwichtige" Sachen wie fällige HU-Termine komplett in Vergessenheit geraten sind...)

[04.06.20 / 20:17] IPL-Nachbehandlung #11 (#28) - Der Kontrolltermin. Nach zehn Behandlungen nach Plan, wird bei dieser Behandlung überprüft, wie weit der Fortschritt ist, wo eventuell noch dunkle Haare vorhanden sind, an welcher Stelle die dicken und weißen Haare noch "erwischt" werden können. Ich bekomme diesen Termin ganz kurzfristig, per Telefon, einen Tag vorher ... seit Sonntag (vier Tage) habe ich mich auch nicht im Gesicht rasiert (optimal zum Überprüfen, dunkler Bartschatten ist da schon lange nicht mehr).
Durch die Virusepidemie und die Beschränkungen, liegen meine letzten Behandlungstermine schon ein paar Wochen oder Monate in der Vergangenheit, es ist eine große Pause entstanden. Wenigstens die zehn regulären Behandlungen habe ich noch abschließen können. Ich habe mich schon gefragt, wie die in dem Haarentfernungsstudio das jetzt regeln: ein angekipptes Fenster und die angeschaltete Klimaanlage sorgt für einen Luftaustausch im Behandlungsraum (gegen die "Aerosole") und die Mitarbeiterinnen tragen alle einen Mundschutz (genauso eigentlich wie bei jedem guten Tattoo- und Piercingstudio - und da auch schon viel länger). Meinen Mundschutz nehme ich natürlich vor der Behandlung in meinem Gesicht ab ... Sprechen vermeide ich, ich kämpfe eher gegen den Schmerz. Die Intensität am Gerät bleibt weiter hoch eingestellt, ich habe wenigstens noch den Tag vorher viel trinken können, um das besser auszuhalten.
Nach der Behandlung verlasse ich wieder taumelnd das Haarentfernungsstudio ... die Schmerzen am Kinn und dem Knochen lassen für gewöhnlich sehr schnell nach, spätestens im Auto ist dann alles wieder gut. Und ich zahle auch nicht mehr den vollen Preis, das geht jetzt individuell nach Anzahl der "Schüsse" (bzw. Lichtblitze).

Später den Tag, gegen Abend ... eigentlich wollte ich mir erst wieder die Beine rasieren, wenn die Clubs wieder offen sind und ich endlich wieder ausgehen kann - aber die Clubschließungen ziehen sich wohl noch endlos lange hin, vielleicht noch genauso lange, wie das Verbot für die großen Festivals bis Ende August. Der Sommer kommt, ich will wieder Röcke und kurze Kleider tragen - die Haare an den Beinen müssen weg (und die Schamhaare gleich mit).
Drei Monate? März, April, Mai? Ich brauche mehr, als meinen elektrischen Rasierapparat - ich brauche eine Schafschermaschine! Mit dem großen Apparat für die Mecki-Frisuren gehe ich meine Beine entlang - ich wußte gar nicht mehr, daß sich darunter blanke Haut verbirgt. Die Schambehaarung muß auch mal getrimmt werden ... aber hier bin ich mit dem visuellen Ergebnis nie so zufrieden - ich mag lieber "Busch" (aber ich könnte auch mal die "Landebahn" ausprobieren). "Vulva Pride!"

Der ganze Tag im Zeichen der Haarentfernung ... und es sieht hinterher keiner (oben alles weg, unten alles nur für mich).

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Kommentar:

[13.11.22 / 09:33] Daniele1992: Hallo Morgana

aktuell keine schöne Situation. Ich schreibe Dir noch eine Mail dazu.

LG Daniele

Morgana LaGoth: Einige Kommentare müssen auch nicht allzu öffentlich sein …

[13.05.22 / 09:15] Daniele1992: Hallo Morgana,

Tolle Reisebericht von Deiner neusten Reise nach Paris. Macht grosse Lust auch wieder dort hinzufahren um sich von der Stadt inspirieren zu lassen.

Tolle Neuigkeiten.NeuerJob. Klasse! Freue mich für Dich.

Liebe Grüße
Daniele

Morgana LaGoth: Danke. Endlich wieder verreisen … lange darauf gewartet. Lebendig bleiben, solange es noch geht.

[24.12.21 / 20:55] Daniele1992: Hallo Morgana,

Ich denke an Dich und wünsche Dir frohe Weihnachten und ein schönes neues Jahr 2022.

Liebe Grüße
Daniele

Morgana LaGoth: Vielen Dank, ich wünsche dir ebenfalls ein schönes, neues Jahr.

[25.09.21 / 14:59] Daniele1992: Hallo,

eine Chance etwas Neues zu machen. Neue Perspektiven. Urlaubsträume, die bald real werden können. Nicht so schlecht. Freue mich für Dich. LG Daniele.

Morgana LaGoth: Danke dir.

[11.11.20 / 09:12] Daniele1992: Hallo Morgana

Ich habe Dir eine Mail geschickt.

Lg
Daniele

Morgana LaGoth: Hey ... vom Lenkrad aus mit der Hand winken, von einem MX-5 zum anderen. *freu*

[30.07.20 / 22:03] Daniele1992: Guten Abend

das habe ich sehr gerne gemacht. Zum Einen interessiert mich das Thema und zum Anderen hast Du wirklich sehr lebendig und spannend geschrieben. Da wollte ich Alles lesen und wollte Dir schreiben, das mir Dein Blog besonders gut gefallen hat (Die eigentliche Arbeit hattest Du ja mit dem Verfassen des Blogs). Wenn Du magst können wir den Kontakt gerne per Mail halten. Viele Grüße Daniele

Morgana LaGoth: Mail-Adresse steht oben bei "kontakt" - bei weiteren Fragen, gerne.

[30.07.20 / 12:44] Daniele1992: Guten Morgen,
vielen Dank für Deinen tollen Blog. Ich habe ihn in den letzten Wochen komplett gelesen. Meistens konnte ich gar nicht aufhören zu lesen. Fast wie bei einem sehr spannenden Roman. Ich habe dabei Deine genauen Beobachtungen und Beschreibungen sehr genossen. Deine vielen Ausflüge in die Clubs und zu den Festivals oder Deine Streifzüge d durch die Geschäfte beschreibst Du immer aus Deiner Sicht sehr anschaulich und spannend. Ich kann das sehr gut nachvollziehen, das alleine zu erleben, häufig auch mit einer gewissen Distanz. Ich kenne ich von mir sehr gut. Highlights sind Deine Reiseberichte. Deine Erlebnisse an den unterschiedlichsten Orten auf der Welt. Vielen Dank dafür. Vielen Dank auch das Du Deinen Weg zu Deinem waren Geschlecht mit uns Lesern teilst. Deinen Weg Deine Gefühle Deine zeitweisen Zweifel. Das ist sehr wertvoll auch für uns Andere, denn es ist authentisch und sehr selten. Du bist einem dadurch sehr vertraut geworden. Für mich ist eine gefühlte grosse Nähe dadurch entstanden. Umso mehr schmerzt es mich von Deinen Rückschlägen zu lesen. Von Deinem Kampf zu Deinem wahren Ich. Von Deinem Kampf umd Liebe, Zährlichkeit und Akzepzanz und Anerkenung. Von Deiem mitunter verzweifeltem Kampf nach Liebe und Anerkennung durch Deinen Exfreund. Leider vergeblich. Dein Kampf um wirtschaftliche Unabhängigkeit und Deine aktuell missliche Lage. Ich glaube dass Du nicht gescheitert bist. Du hast viel Mumm und Hardnäckigkeit bewiesen Deinen Gang zu Dir selbst zu gehen. Du hast auch einen guten Beruf der immer noch sehr gefragt ist. Vielleicht kann ja nach dieser Auszeit und etwas Abstand ein Neuanfang in einer anderen Firma, wo Du keine Vergangenheit als Mann hattest gelingen. Ich wünsche das Dir ein Neuanfang gelingt und drücke Dir ganz fest die Daumen. Daniele

Morgana LaGoth: Da liest sich tatsächlich jemand alles durch? Das ist mittlerweile schon ein kompletter Roman mit mehreren hundert Seiten! Danke dir, für deinen Kommentar (und die aufgebrachte Zeit).

[05.10.19 / 17:11] Drea Doria: Meine liebe Morgana,
bin 5 T post all-in-one-FzF-OP. Deine guten Wünsche haben geholfen. Der Koch ist immernoch noch super. Alle hier sind herzlich und nehmen sich Zeit.
Herzlich
Drea

Morgana LaGoth: Dann wünsch ich dir jetzt noch viel mehr Glück bei deiner Genesung!

[14.06.19 / 12:57] Drea Doria: Meine liebe Morgana,

vielen Dank für Deine offenen und kritischen Erlebnisberichte. Ich bin in 3 Monaten in Sanssouci zur FzF-OP. Ich denke auch, was kann schon schief gehen, status quo geht nicht und irgendwas besseres wird wohl resultieren. Wenn es Dich interessiert, halte ich Dich informiert. Drücke mir die Daumen.
Herzlich
Drea

Morgana LaGoth: Ich wünsche dir für deine Operation viel Glück. (Sollte der Koch nicht gewechselt haben, das Essen da in der Klinik ist richtig gut!)

[14.11.17 / 20:13] Morgana LaGoth: Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion: Die Seitenbetreiberin behält sich das Recht vor, jeden Kommentar, dessen Inhalt rassistisch, sexistisch, homophob, transphob, ausländerfeindlich oder sonstwie gegen eine Minderheit beleidigend und diskriminierend ist, zu zensieren, zu kürzen, zu löschen oder gar nicht erst freizuschalten. Werbung und Spam (sofern die Seitenbetreiberin dafür nicht empfänglich ist) wird nicht toleriert. Personenbezogene Daten (Anschrift, Telefonnummer) werden vor der Veröffentlichung unkenntlich gemacht.

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