Heute Strandtag.
[19.09.26 / 11:12] ✎ Heute Strandtag. Frühstück gegen zehn Uhr, wieder einen der drei Plätze in der Reihe am Rand, mit Blick auf die Dünen und dem Meer dahinter. Das Frühstück gibt es in dem offenen Pavillon.
Danach zurück im Zimmer, viel Sonnencreme auftragen, die neue Tube, ich verbrauche so viel, die wird vielleicht auch nicht reichen. Ich habe meinen schwarzen Badezweiteiler mit dabei, den mit „Bond Girl“, darüber die weiße Tunika aus Thailand. Die Hälfte des Koffervolumens belegt meine alte Strandtasche und das Strandtuch und das Regenbogenbadetuch. Mehr nehme ich auch nicht mit an den Strand, außer vielleicht noch die Sonnencreme und etwas Bargeld für eine Liege mit Sonnenschirm.
Zu Fuß zum Strand. Ich laufe vom Hotel aus einfach nur mehrere Kreisverkehre geradeaus, dann müsste ich genau darauf zukommen. Die Sonne scheint gnadenlos, die Hitze drückt, hoffentlich hält meine Sonnencreme. Den Morgen dachte ich noch, oh wie schön, es ist „bewölkt“.
Es gibt keinen direkten Weg zum Strand, wie aus meiner Erinnerung, Playa del Inglés ist nur durch eine Treppe von der Strandpromenade zu erreichen, eine Treppe über mehrere Stockwerke. Das Hotel, das wir mal 2004 hatten, hatte sogar einen Aufzug nach ganz unten. „Unten“ finde ich einen großen Parkplatz und mehrere Touristenbuden für Imbiss und Sonstiges. Noch ein paar Meter durch den Sand, bis ich endlich den Strand erreiche. Schuhe anbehalten, der Sand ist heiß.
Mein Blick schweift in die östliche Richtung … irgendetwas ist anders, ich sehe das alte Hotel, das hatte damals beste Strandlage, es steht so weit oben am Hang … der Strand fehlt? Irgendwann die letzten zwanzig Jahre muss hier viel weggespült worden sein. Vielleicht habe ich alles nur falsch in Erinnerung, aber wo wir damals vom Pool aus nur eine kleine Treppe zum Strand herunter gelaufen sind, geht es jetzt mehrere Stockwerke tief. Die Leute vom Hotel haben alles weiter ausgebaut, mit Restaurants am Strand. [Anmerkung: Ich schaue in die falsche Richtung, das ist nicht das Hotel von damals, meine Erinnerung täuscht mich hier nach über zwanzig Jahren.]
Ich laufe in die westliche Richtung, in Richtung der Dünen. Ich weiß, dass hier irgendwo ein FKK-Strand sein soll, bewusst habe ich nicht die Absicht, da zu landen.
Ich laufe weiter, der Strand ist breit und riesig, immer wieder ein paar Bereiche mit Strandliegen und Sonnenschirmen, voll belegt. Dann tauchen die ersten nackten Menschen auf.
Vielleicht hier? Warum nicht? Sie haben auch einen kleinen Abschnitt mit Sonnenliegen und Schirmen im Sand. Wenn ich mich komplett entkleide, ich brauche den Schatten. Ich stapfe zu Fuß durch die Liegen mit den nackten Menschen hindurch, zu dem einzig bekleideten Menschen, von dem ich glaube, dass er die Liegen für einen Tag vermietet. Fünf Euro, er schiebt den Schirm und die Liege für mich zurecht.
Ich beginne mich zu entkleiden, meine weiße Strandtunika kommt in die Tasche, der Badezweiteiler auch. Das Strandtuch lege ich auf die Liege, mein Regenbogenbadetuch auch. Ein kräftiger Wind weht alles wieder sofort weg. Die Teile meines Körpers, die vorher vom Badezweiteiler bedeckt waren, noch einmal mit viel Sonnencreme eindecken. Den Rücken versuche ich mit zwei Fingern und einer Scheibenwischerbewegung … hoffentlich reicht das. Ich lege mich in den Schatten des Schirms.
Eins, zwei, drei … neunundneunzig, Hundert. Aus- und Einatmen, mit jedem Atemzug zähle ich mit. Den Körper wenden, von vorne, von der Seite, die andere Seite, der Rücken, die Beine kann ich nicht ausstrecken, sie sind immer angewinkelt, um im Schatten zu bleiben, penibel darauf achtend. Sonnenschirm, Wolken, Sonnencreme 50+ … was kann da schon passieren?
Die Wolken werden weniger. Wenn ich jetzt ins Wasser gehe, schwimme ich den ganzen Sonnenschutz weg, dann muss ich das hier abbrechen und mich wieder anziehen. Auf dem Weg zum Wasser, noch einmal diese kleine „Zona Nudista“ ablaufen, ich finde mich schön, wie ich bin, endlich stimmt alles mit meinem Körper … als postoperative trans Frau. OK … es gibt einige Makel, viele Narben, das stört mich nicht, hier bin ich frei und vollkommen. Ich kämpfe mich durch den hohen Wellengang in den Atlantischen Ozean.

Zurück zum Hotel, Kaffee und Kuchen finde ich nicht auf dem Weg, es ist früher Nachmittag. Im Hotel hänge ich mein Regenbogenbadetuch auf dem Balkon aus. Pride zeigen. Mein Badezweiteiler auch, den habe ich kurz vom Schweiß abgespült. Die nächste Stunde im Hotel bleiben, mein Körper braucht eine Pause von der Sonne.
Kurz nach achtzehn Uhr, aufwachen, kurz nach neunzehn Uhr, mich für den Abend ausgehfertig machen, dasselbe Kleidung-, Make-up- und Schmuckensemble, wie den Abend zuvor. Das Hotel hat einen kleinen Balkon zum Hang, von hier aus müsste ich gut den Sonnenuntergang fotografieren können. Ich höre die Trommler von der Aussichtsplattform nebenan.
Mit Einbruch der Abenddämmerung laufe ich wieder zum Yumbo Centrum. Ich habe mein schwarzes Strickjäckchen noch mit aus dem Zimmer geholt. Auf dem Weg steht sie wieder, die trans Frau vom letzten Abend, vielleicht esse ich hier noch einmal, heute nicht. Ein kurzes Hallo im Vorbeigehen.
Im Yumbo Centrum, die besseren Geschäfte gibt es in der dritten Etage, Outlets bekannter Marken, leider nichts in meiner Größe, nur XL (was mich davon abhält, mein Dispokredit weiter zu strapazieren).
Weiter unten, ich suche eine Pizzeria. So viele Menschen, von dem mir zugewiesenen Sitzplatz beobachte ich sie. Das da vorne, der einzelne Typ am Tisch mit seinem Laptop, das ist bestimmt der SysAdmin und er orchestriert gerade seine Serverfarm … ob er den anderen, einsamen Typen an dem anderen Einzeltisch mal einen Blick zuwenden könnte? Ich bin umgeben von zu vielen Regenbogenfahnendekorationen.
Meine Pizza, Thunfisch mit Garnelen. Danach endlos lange warten am Tisch … ich nehme noch ein Dessert: „Das da!“, ich zeige mit dem Finger auf das Foto in der Menükarte. Eine kanarische Spezialität, ein großes Glas Sahnecreme, mit Karamell und Keksen … sehr viele Kalorien.
Danach noch weiter warten, es zieht sich hin. Ich bezahle alles mit der Kreditkarte, für das Trinkgeld habe ich keine großen Münzen mehr. Schnell den Tisch verlassen.
Weiter herumschweifen, welche Bar nehme ich diesen Abend? In die Men-only-Bars komme ich nicht rein, das Zentrum ist auf ein schwules, männliches Publikum ausgerichtet, trans Frauen und vielleicht auch lesbische Frauen sind hier ganz selten. Bizarr wirken die älteren Rentner-Ehepärchen dazwischen. Das ganze Flugzeug war schon voll damit. Ich bleibe wieder bei einer der zwei bis vier Drag-Bars hängen.
Leider kein Tisch mehr frei, ich stehe draußen und kann mich von der Drag-Show nicht abreißen, sie wirken so unperfekt sympathisch. Leider verstehe ich die englische Sprache nicht. Nicht den britischen Akzent. Ich glaube, von dem Typen neben mir stehend, zu hören: „Nice dress“, aber von mir kommt keine Regung und kein Blick.
Irgendwann reiße ich mich los, ich will noch eine andere Bar finden und endlich etwas trinken.

Oben, noch zwei Drag-Bars, ich laufe daran vorbei. Unten prüfe ich die Cocktailkarte zweier Bars mit lauter, spanischer Musik. Die eine Bar hat wenigstens einen alkoholfreien Cocktail auf der Karte. Es ist die Bar im kubanischen Stil. Der Mann von der Bedienung erzählt mir, sie hätten auch noch alkoholfreie Mojitos, aber ich wähle den von der Karte. Blick auf das Smartphone, schon fast ein Uhr. Ab da könnte die Eingangstür des Hotels schon zu sein.
Auf dem Weg zurück, die Drag-Bar macht ihre Show noch immer, ich laufe daran vorbei. Die Treppen hoch, zur Straße. Den Weg wieder zurück zum Hotel – und die Tür ist immer noch offen, prüfend taste ich mich durch die nicht vorhandene Glastür.
Kommentar:
[05.12.22 / 17:34] Daniele1992: Hallo Morgana
Mail ist heute rausgegangen
LG Daniele
[13.11.22 / 09:33] Daniele1992: Hallo Morgana
aktuell keine schöne Situation. Ich schreibe Dir noch eine Mail dazu.
LG Daniele
[13.05.22 / 09:15] Daniele1992: Hallo Morgana,
Tolle Reisebericht von Deiner neusten Reise nach Paris. Macht grosse Lust auch wieder dort hinzufahren um sich von der Stadt inspirieren zu lassen.
Tolle Neuigkeiten.NeuerJob. Klasse! Freue mich für Dich.
Liebe Grüße
Daniele
[24.12.21 / 20:55] Daniele1992: Hallo Morgana,
Ich denke an Dich und wünsche Dir frohe Weihnachten und ein schönes neues Jahr 2022.
Liebe Grüße
Daniele
[25.09.21 / 14:59] Daniele1992: Hallo,
eine Chance etwas Neues zu machen. Neue Perspektiven. Urlaubsträume, die bald real werden können. Nicht so schlecht. Freue mich für Dich. LG Daniele.
[11.11.20 / 09:12] Daniele1992: Hallo Morgana
Ich habe Dir eine Mail geschickt.
Lg
Daniele
[30.07.20 / 22:03] Daniele1992: Guten Abend
das habe ich sehr gerne gemacht. Zum Einen interessiert mich das Thema und zum Anderen hast Du wirklich sehr lebendig und spannend geschrieben. Da wollte ich Alles lesen und wollte Dir schreiben, das mir Dein Blog besonders gut gefallen hat (Die eigentliche Arbeit hattest Du ja mit dem Verfassen des Blogs). Wenn Du magst können wir den Kontakt gerne per Mail halten. Viele Grüße Daniele
[30.07.20 / 12:44] Daniele1992: Guten Morgen,
vielen Dank für Deinen tollen Blog. Ich habe ihn in den letzten Wochen komplett gelesen. Meistens konnte ich gar nicht aufhören zu lesen. Fast wie bei einem sehr spannenden Roman. Ich habe dabei Deine genauen Beobachtungen und Beschreibungen sehr genossen. Deine vielen Ausflüge in die Clubs und zu den Festivals oder Deine Streifzüge d durch die Geschäfte beschreibst Du immer aus Deiner Sicht sehr anschaulich und spannend. Ich kann das sehr gut nachvollziehen, das alleine zu erleben, häufig auch mit einer gewissen Distanz. Ich kenne ich von mir sehr gut. Highlights sind Deine Reiseberichte. Deine Erlebnisse an den unterschiedlichsten Orten auf der Welt. Vielen Dank dafür. Vielen Dank auch das Du Deinen Weg zu Deinem waren Geschlecht mit uns Lesern teilst. Deinen Weg Deine Gefühle Deine zeitweisen Zweifel. Das ist sehr wertvoll auch für uns Andere, denn es ist authentisch und sehr selten. Du bist einem dadurch sehr vertraut geworden. Für mich ist eine gefühlte grosse Nähe dadurch entstanden. Umso mehr schmerzt es mich von Deinen Rückschlägen zu lesen. Von Deinem Kampf zu Deinem wahren Ich. Von Deinem Kampf umd Liebe, Zährlichkeit und Akzepzanz und Anerkenung. Von Deiem mitunter verzweifeltem Kampf nach Liebe und Anerkennung durch Deinen Exfreund. Leider vergeblich. Dein Kampf um wirtschaftliche Unabhängigkeit und Deine aktuell missliche Lage. Ich glaube dass Du nicht gescheitert bist. Du hast viel Mumm und Hardnäckigkeit bewiesen Deinen Gang zu Dir selbst zu gehen. Du hast auch einen guten Beruf der immer noch sehr gefragt ist. Vielleicht kann ja nach dieser Auszeit und etwas Abstand ein Neuanfang in einer anderen Firma, wo Du keine Vergangenheit als Mann hattest gelingen. Ich wünsche das Dir ein Neuanfang gelingt und drücke Dir ganz fest die Daumen. Daniele
[05.10.19 / 17:11] Drea Doria: Meine liebe Morgana,
bin 5 T post all-in-one-FzF-OP. Deine guten Wünsche haben geholfen. Der Koch ist immernoch noch super. Alle hier sind herzlich und nehmen sich Zeit.
Herzlich
Drea
[14.06.19 / 12:57] Drea Doria: Meine liebe Morgana,
vielen Dank für Deine offenen und kritischen Erlebnisberichte. Ich bin in 3 Monaten in Sanssouci zur FzF-OP. Ich denke auch, was kann schon schief gehen, status quo geht nicht und irgendwas besseres wird wohl resultieren. Wenn es Dich interessiert, halte ich Dich informiert. Drücke mir die Daumen.
Herzlich
Drea
[14.11.17 / 20:13] Morgana LaGoth: Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion: Die Seitenbetreiberin behält sich das Recht vor, jeden Kommentar, dessen Inhalt rassistisch, sexistisch, homophob, transphob, ausländerfeindlich oder sonstwie gegen eine Minderheit beleidigend und diskriminierend ist, zu zensieren, zu kürzen, zu löschen oder gar nicht erst freizuschalten. Werbung und Spam (sofern die Seitenbetreiberin dafür nicht empfänglich ist) wird nicht toleriert. Personenbezogene Daten (Anschrift, Telefonnummer) werden vor der Veröffentlichung unkenntlich gemacht.
1